Diehieee Geschichte

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Diehieee Geschichte

Beitrag von Alexia am Fr 7 Apr - 9:46

WUHUUU Geschichte!

Eine Inhaltsangabe erspare ich mir jetzt mal. Nur so viel: Die Story umfasst (bislang) knapp 300 Seiten (292) die in 20 Kapitel eingeteilt sind. Eigentlich, aber das weiß ich nicht so genau, bzw. baue es noch ein, sind meine Kapitel mit Absätzen versehen (Angie wollte das eigentlich mal so, weil man es so dann besser lesen kann, keine Ahnung ob ich die Absätze wieder raus gelöscht habe...) Ein Kapitel umfasst ca. 15 Seiten. (Das 20.te Kapitel ist noch nicht abgeschlossen, bzw. steht sogar noch am Anfang, da geht es mit 15 Seiten sogar auf weil 15*20= 300 xD ich bin so gut xDDD)
Übrigens nur mal so am Rande erwähnt: Angie hatte ich als letztes Kapitel 14 kopiert und das war im Dezember 2014 0o Immerhin habe ich noch fast 6 Kapitel hinterher geworfen ehe ich realisierte, dass sie nicht mehr liest xD

Ich fange hier auch erst einmal mit einem Kapitel an =)
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Alexia

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Re: Diehieee Geschichte

Beitrag von Alexia am Fr 7 Apr - 11:49

Kapitel 1. Elysia



„ Sasha!! Sasha!!“ liefen einige Kinder durch die Straßen der wunderschönen Stadt, bis sie das Mädchen mit den goldenen Haaren und der Engelsgleichen Stimme schließen entdeckten.
„ Ihr schon wieder.“ lächelte sie die Kids warm an. „ Lasst mich raten, ihr wollt eine Geschichte von mir hören, nicht wahr?“
„ Nicht irgendeine Geschichte, sondern DEINE Geschichte!!“ heftete sich ein kleines Mädchen an die Beine der Älteren. „ Erzählst du sie uns??“
„ Schon wieder?“ zog sie verblüfft eine Augenbraue hoch. „ Ich habe sie euch nun schon so oft erzählt, so langsam müsste sie euch doch aus den Ohren wieder heraus kommen.“
„ Ganz und gar nicht!!“ versicherte ein Bub. „ Bitte erzähl sie uns!!“
„ Habt ihr denn eure Aufgaben schon erledigt? Euer Zimmer aufgeräumt und das Bett gemacht? Und wie sieht es aus mit den Hausaufgaben aus?“
„ Es ist alles bereits erledigt!!“ grölten die Halbstarken im Chor.
„ Nun gut. Dann macht es euch bequem und spitzt eure Ohren.“ ließ sie sich auf einer Wiese nieder und betrachtete die Kinder dabei, wie sie sich eilig um sie herum versammelten.
Erst als sie alle saßen und sie gespannt anstarrten, begann sie damit ihre Story zu erzählen...

Vor langer Zeit erwachte ich in einer Welt Namens Elysia. Die Menschen dort waren freundlich und stets hilfsbereit. Sie nahmen mich auf, obwohl ich für sie eine Fremde war und noch dazu mein Gedächtnis verloren hatte. Ich wusste weder wie ich hieß, noch wo ich überhaupt her kam. Aber eines war mir durchaus bewusst: ich war anders, als alle anderen hier.
In meinem Kopf war ein schwarzes Loch, was all meine Erinnerungen verschlungen hatte. Die Gefühle, wenn da mal welche waren, waren verschwunden, genauso mein Wissen über die Funktionen meines Körpers. Mein eigener Körper war mir fremd, dessen Bedürfnisse lagen im Dunklen verborgen. Das einzige was mir blieb, war meine Stimme und die Worte, die ich damit über die Lippen bringen konnte. Ich befand mich also nicht nur in einer völlig fremden Welt, nein, ich hatte das Gefühl, als würde ich mich ebenfalls in einer unbekannten Hülle befinden.
Natürlich versuchte ich meinen Rettern, die mich bewusstlos im Wald vorfanden und mich ohne zu zögern mit zu sich ins Dorf nahmen, meine Lage zu erklären.
Dass ich mich an überhaupt nichts erinnern konnte, schoben die Bewohner auf meine schweren Verletzungen und erklärten mir im gleichen Atemzug, dass man das hier zu Lande wohl Amnesie nannte.
Sie gaben mir den Namen Sasha, weil ich für die wohl wie eine aussah... wie auch immer eine 'Sasha' aussah.
Mit der Zeit verheilten meine Wunden, aber meine Erinnerungen, die blieben in meinem Inneren verborgen.
Alles was für andere selbstverständlich war, war für mich wie ein Buch mit sieben Siegeln. Warum musste ich essen und trinken? Was hatte das mit dem Wasser auf sich, was sie sich ins Gesicht schütteten und wie brachte ich meine Beine dazu, mich zu tragen? Durch die Amnesie wusste ich ja nicht mal, wie man lachte oder warum man das überhaupt tat.
Irgendwie glich ich einem kleinen Kind, dem man selbst das kleinste Detail des Lebens noch erläutern musste.
Ich lebte also das Leben, was mir die anderen vorlebten. Ich ging, wie sie es mir zeigten und aß, was sie mir brachten. Selbst das Lächeln schenkten sie mir und so langsam verstand ich, was es hieß ein Mensch zu sein. Um mich für meine Rettung zu bedanken und um mich zu revanchieren, tat ich alles in meiner Macht stehende, um die Dorfbewohner zu unterstützen, bis ich schließlich auch ohne mein Gedächtnis ein Teil von ihrer Gemeinschaft wurde.
Die Elysianer verliehen mir eine Seele und auch wenn ich noch nicht alles verstand, liebte ich das Leben, was mir das Schicksal schenkte, so dass ich gar nicht mehr wissen wollte, wer ich wirklich war und was das zu bedeuten hatte.
Myria, die Frau in dessen Haus ich wohnte, sagte mal zu mir, dass ich wie ein Ei war, aus dem bald schon ein wunderschöner Schwan schlüpfen würde. Ich wusste zwar nicht, was ein Schwan war, aber ich ging mal davon aus, dass das als Kompliment gemeint war.
Ein anderer verglich mich mit einem rohen Diamanten, den man erst schleifen musste, bis er seine wahre Schönheit zeigte. Ich lächelte und fragte mich gleichzeitig, ob ich auch 'geschliffen' werden musste und wenn dem so war, womit schliff man Menschen denn?

Doch dann sollte sich das Paradies in einen wahren Alptraum verwandeln, als überall auf der Welt plötzlich Portale erschienen, aus denen unzählige Dämonen strömten und auch direkt bei uns befand sich solch ein dunkler Herd.
Hinterrücks überfielen sie das gesamte Land. Ganz gleich ob Alt oder Jung, Mann oder Frau, wer ihnen über den Weg lief, wurde gnadenlos niedergemetzelt. Die Körper ihrer Opfer warfen sie einfach in den Dreck, so als wären sie nichts wert, während ihr Blut den Boden tränkte.
Mir schnürte dieser bestialische Anblick die Kehle zu. Ich würde diesen freundlichen Menschen zu gerne helfen, aber meine Beine waren vor Angst wie gelähmt. Das kam mir alles so bekannt vor, waren diese Wesen daran schuld, dass ich mein Gedächtnis verloren hatte? Und kamen sie nun, um ihr Werk zu vollenden und mich umzubringen? Vieles war mir noch immer unklar, aber das man sich vor der Gefahr fürchtete, das schien mir mehr als deutlich zu sein.
Fassungslos sah ich dabei zu, wie sich die Männer des Dorfes mit allem bewaffneten, was ihnen in die Hände fiel und wie sie ihre Heimat unter Einsatz ihres Lebens zu beschützen versuchten. Doch jeder einzelne von ihnen sah einem schnellen aber schmerzvollem Ende entgegen.
Ich verstand nicht was geschehen war. Warum musste das alles passieren? Was hatte Elysia denn verbrochen, dass man das Leben unter solch brutalen Umständen auslöschte? Wo war der gute Geist dieser Welt, der dem Elend ein Ende setzen konnte? Wo war er, wenn man ihn mal brauchte?
Wie in Zeitlupe rasten die Bewohner an mir vorbei, ihre Schreie kamen bei mir nur leise an, ich befand mich in einem Schockzustand, der mir die Gewalt über meinen eigenen Körper raubte. Ich spürte, wie die Menschen erschrocken an mir rum zerrten, wie sie versuchten, mich mit ihnen mitzuziehen. Sie rannten um ihr Leben und dachten dabei noch immer an das Wohl der anderen. Dieses kalte Schicksal hatten sie bei weitem nicht verdient.
Schließlich gelang es einer starrköpfigen Dame mich zum rennen zu bewegen, wobei ich meinen Blick dabei die ganze Zeit auf das Dorf gerichtet hatte, was inzwischen Lichterloh am brennen war.
Es schien mir alles so realitätsfremd zu sein, als hätte ich bloß einen furchtbaren Alptraum, aus dem ich bald erwachte. Allerdings musste ich recht schnell einsehen, dass dem nicht so war...
Abgehetzt stürmten wir durch den dichten Wald, der sich direkt an unserem Zuhause befand und uns jetzt als Zuflucht dienen sollte.
Aber die dunkle Brut war uns dicht auf dem Fersen, ich konnte ihre widerlichen Rufe hören und vernahm zudem noch das Geräusch ihrer Schwingen.
Wir erreichten noch nicht mal die Mitte des Waldes, da standen diese Viecher schon wieder vor uns und dieses mal, schien auch für uns das Ende gekommen zu sein.
Bei dieser Begegnung trennten sich unsere Wege, da die Monster jeden einzelnen von uns in eine andere Richtung scheuchten.
So kam es, dass ich dem Grauen ganz allein in die Augen sehen musste und bald schon, befand ich mich inmitten einer Armee von blutrünstigen Höllenbewohnern.
Ich dachte nun hätte mein letztes Stündlein endgültig geschlagen, ich war fest davon überzeugt, dass ich hier nicht mehr lebend heraus kam.
Sie trachteten nach meinem Blut und ich hatte ihnen so rein gar nichts entgegen zu bringen.
Verängstigt und starr vor Angst wich ich vor ihnen zurück, bis ich schließlich einen Baum erreichte, vor dem ich mich niederkauerte und gedanklich um einen schnellen Tod bat.
Als die Dämonen dann mit diesem grauenhaften leuchten in den Augen und diesen widerlichen Geräuschen auf mich zu gestürmt kamen, verbarg ich mein Gesicht mit den Armen, damit ich das Grauen nicht kommen sehen musste.
Die Schreie der Wesen der Unterwelt durchzuckten mich wie Blitze, es hörte sich so an, als würden sie von jemanden niedergestreckt werden, was die Sache nun nicht besser machte, denn etwas, was diese Armee an Teufeln niedermetzelten konnte, wo doch ein ganzes Dorf gescheitert war, musste ich nicht unbedingt zu Gesicht bekommen.
Doch dann wurde es still im Wald. Das einzige was ich noch hören konnte, war mein rasendes Herz und das Zittern meiner Knochen.
Als dann auch noch wer auf mich zu geschlendert kam, wäre ich am liebsten sofort Tod umgefallen. Dann hätte das Fiasko endlich ein Ende!
Ich wagte es nicht mal zu atmen, als der Typ vor mir stand, mir blieb das Herz stehen, als er sich zu mir runter beugte und als er dann auch noch seine Hand auf meinen Kopf lehnte, kreischte ich voller Panik den gesamten Wald zusammen. Wie von der Tarantel gestochen sprang ich auf und stieß meinen eigentlichen Retter noch von mir, so dass er rückwärts in den Dreck fiel und dann nahm ich meine Beine in die Hand und stürmte an ihm vorbei.
„ Warte!!“ rief er mir noch nach. „ Ich tu dir doch nichts!!“
Allerdings kam ich nicht sehr weit, da die leblosen Körper der Monster im Weg rum lagen und ich beinahe auf einen drauf getreten wäre.
„ AHHH!!“ drehte ich mich schockiert wieder um und lief dem Mann, der schon dicht hinter mir stand, direkt in die Arme.
Dieser drückte mich auch gleich sachte an sich und strich mir beruhigend über den Rücken.
„ Ganz ruhig. Ich werde dir nichts tun. Du brauchst wirklich keine Angst vor mir zu haben.“
Ich wollte weg rennen und das so schnell ich konnte. Aber es ging nicht. Der Ekel, die Angst, der Schock über das gerade erlebte, das alles in Kombination paralysierte mich.
„ Ist ja gut...“ flüsterte der Herr. „ Jetzt wird alles wieder gut.“
Ich konnte nicht genau beschreiben was es war, aber irgendwie gab er eine Aura ab, die ungemein beruhigend auf mich wirkte. Fast so als wüsste mein innerstes, dass ich ihm vertrauen konnte.
Erst als ich mich wieder beruhigt hatte, löste er sich leicht von mir und sah mich besorgt an.
„ Ist alles ok bei dir?“ fragte er mich.
„ I-Ich denke schon...“ bibberte ich mit meinen Zähnen um die Wette.
Mein Retter sah ungemein gut aus, er hatte strahlend grüne Augen, schwarzes dichtes Haar, ein Lächeln zum dahin schmelzen und einen Körperbau, der jede Frau schwach werden ließ.
Auch beim zweiten oder dritten hin blinzeln, erkannte ich nichts an ihm, was mir bekannt vor kam. Er war und blieb ein Fremder. Warum nur, glaubte mein Herz ihm vertrauen zu können? Was hatte er an sich, dass ich so empfand?
„ Bist du auch nicht verletzt worden?“
„ Nein... wohl nicht...“ starrte ich auf den Boden. „ D-Danke für meine Rettung...“ ich wusste schließlich, dass man sich bei anderen bedanken musste, gerade wenn sie einem das Leben retteten.
„ Ach, kein Problem.“ schenkte er mir ein sanftes Lächeln. „ Ich kann eine holde Maid in ihrer Not doch nicht allein lassen und das schon gar nicht, wenn sie so ein anziehendes reines Licht besitzt, wie du es tust.“
„ Tu ich das..?“
„ Ohne zweifel, ja.“ nickte er. „ Was machst du eigentlich allein im dunklen Wald?“
„ Ich war mit einigen Menschen aus dem Dorf auf der Flucht!! Oh nein!!“ lehnte ich dann schockiert die Hände vor dem Mund. „ Hoffentlich geht es ihnen gut.“
„ Ich habe alle Dämonen beseitigt, die sich hier in der Nähe aufhielten. Es müsste ihnen also gut gehen.“ meinte er. „ Allerdings bringt es nichts, den Wald nach ihnen abzusuchen. Es wird bald dunkel.“
„ Und was ist mit dem Dorf...?“ hakte ich flüsternd nach.
„ Dorthin wirst du nicht mehr zurückkehren können.“ strich er mir eine Strähne aus dem Gesicht. „ Was passiert ist, tut mir aufrichtig leid.“
„ Ja.... mir auch...“ senkte ich betroffen meine Augen.
„ Wie wäre es, wenn du erst einmal mit mir kommst? Ich kann dich hier nicht allein zurücklassen, also wäre das die beste Lösung, oder?“
„ Vielleicht...“
„ Mein Name ist Aries und wie heißt du?“
„ Die Dorfbewohner gaben mir den Namen Sasha.“ murmelte ich.
„ Sasha, hu? Ein wunderschöner Name, passend für eine wunderschöne Frau.“ lächelte er. „ Aber warum gaben dir die Dorfbewohner einen neuen Namen? Magst du deinen nicht?“
„ Ich weiß nicht wie ich wirklich heiße...“ gestand ich ihm. „ Ich habe mein Gedächtnis verloren...“
„ Das wird schon wieder.“ lächelte er mich aufmunternd an. „ Du darfst bloß nicht aufgeben, dann wird alles wieder gut.“
„ Ja...“
„ Wir sollten nun schauen, dass wir meinen Kumpel finden.“ hielt er mir seine Hand hin. „ Kommst du mit mir?“
Ich konnte noch immer nicht wirklich begreifen, was hier geschehen war. Weshalb ich seine Hand auch gerade so angesehen haben musste, als wäre sie aus einer anderen Welt. Sein warmes Lächeln brachte mich schließlich dazu, seine Hand zögernd zu ergreifen und mich dann von ihm fort führen zu lassen.
Die leblosen Körper der Dämonen jagten mir noch immer eine Heiden Angst ein, so dass ich gar nicht anders konnte, als mich an meinen Retter zu klammern, während wir an ihnen vorbei gingen.
„ Die können dir nichts mehr tun, du bist jetzt in Sicherheit.“ sah er über seine Schulter zu mir zurück.
„ Hm..“ nickte ich bloß.

Gemeinsam verließen wir den Wald und standen bald schon vor dem Trümmern des Dorfes, in dem die Welt bis vor wenigen Augenblicken noch in Ordnung war.
Das Feuer wurde zwar gelöscht, aber trotzdem stand nicht mal mehr ein Stein auf dem anderen. Die Menschen waren verschwunden, einzig ein junger Mann blieb zurück, der die übrig gebliebenen Dämonen mit seinem Schwert zur Strecke brachte.
Es war ein Kampf gegen Windmühlen, da immer neue Wesen aus dem Portal heraus gekrochen kamen. Eine Endlosschleife, ein Teufelskreis, der nur dann durchbrochen werden konnte, wenn die Tür zur anderen Dimension geschlossen wurde.
„ Du bleibst hier, ok?“ drückte mich Aries hinter einen Busch. „ Ich komme gleich wieder und bleib unten! Frauen haben auf dem Schlachtfeld nichts verloren.“ mit diesen Worten ließ er mich zurück, um dem anderen Mann zur Hand zu gehen.
„ Ist gut.“ ich hatte sowieso zu viel Angst vor den Dämonen, als dass es mir überhaupt auch nur in den Sinn kam, mich ausgerechnet dort hinzubegeben.
Aus sicherer Entfernung verfolgte ich das Geschehen, bis sich schließlich noch zwei Gestalten einmischten. Bei dem einen handelte es sich um einen weiteren Mann, aber die andere Figur war ganz eindeutig eine Frau gewesen, dabei dachte ich, dass Frauen auf dem Schlachtfeld nichts zu suchen hatten.
Der unbekannte Mann zückte zwei Pistolen, dessen Kugeln wahrlich explodierten, als sie auf ihr Ziel trafen und das gleißende weiße Licht vernichtete auch noch die dunklen Gestalten, die sich in seinem Radius befanden.
„ CHERIA!! DAS PORTAL!!“ brüllte er dem Mädchen entgegen.
„ Bin ja schon dabei!“ brüllte diese zurück.
Ich war erstaunt darüber, was für eine Kraft in solch einem zierlichen Körper stecken konnte. Diese Dame kämpfte mit Dolchen, die sie aber nicht in der Hand hielt, viel mehr flogen sie wie ein Schutzschild um ihren Körper herum und alles böse, was ihr zu nah kam, bekam gleich eine ganze Armee aus Dolchen um die Ohren gehauen.
„ Also gut, dieses mal muss es aber gleich beim ersten Mal klappen!“ streckte Cheria ihre Hand aus.
Die Dolche, die gerade noch um ihren Körper herum flogen, sammelten sich an ihrer Hand und nahmen dort die Form eines Halbmondes an. Als sie dann ihre Finger um das Gebilde lehnte, leuchtete es leicht auf und kurz darauf hielt sie einen weißen wunderschönen Bogen in der Hand.
„ Es ist an der Zeit, den Bastarden die Tür vor der Nase zuzuschlagen!!“ spannte sie den Bogen und zielte damit auf das dunkle Portal. „ Fahrt zur Hölle!!“
Ein magischer Pfeil erschien, der die Form eines Lichtblitzes hatte und den sie dann abschoss. Das Geschoss zischte durch die Luft und landete dann unsanft auf dem Boden, wo es einfach verpuffte.
„ Mist!! Du sollst doch treffen, du blödes Teil!!“ keifte Cheria und spannte den Boden gleich noch mal. „ Jetzt aber!“ aber auch dieses Geschoss endete im Nichts. „ MANNN!! Warum ist das nur so scheiße schwer?????“
„ CHERIA!!! JETZT SCHLIESSE SCHON DAS VERDAMMTE PORTAL!!!“
„ WAS GLAUBST DU DENN, WAS ICH HIER VERSUCHE???“ maulte sie. „ Aber der Bogen muss kaputt sein!!! Der trifft einfach nicht!“ stampfte sie wütend mit dem Fuß auf, als auch dieses Geschoss nicht dort landete, wo es landen sollte. „ Warum muss der Schlüssel auch ein verdammter Bogen sein??? Wer hat sich diesen Mist nur ausgedacht??“
Als dann auch die nächsten Pfeile ihr Ziel verfehlten und Cheria kurz davor war zu explodieren, stürmte der Herr der als erstes hier war, auf sie zu und entriss ihr gereizt den Bogen.
„ Was...?“ starrte sie ihn verärgert an. „ Was soll denn das??“
Wortlos zielte der Herr auf das Portal, aber bei ihm erschien kein Pfeil.
„ Haha!! Der Bogen reagiert nur auf MICH! Du elender Tropf!!“ stemmte sie die Hände in die Hüfte und starrte ihn überlegen an.
Noch gereizter griff er nun nach der Dame und zog sie vor sich hin. Er umschloss ihre Hände mit seinen und zielte erneut auf das Portal.
Nun wo sie den Bogen berührte und er sie bloß führte, erschien auch der Pfeil. Dieses Mal traf er direkt ins Schwarze und mit dem Licht verschwand auch das Portal. Direkt darauf ließ der Mann von dem Mädel ab, was mit ungläubigen Blick und geröteten Wangen auf den Fleck starrte, wo gerade noch das Tor der Finsternis lauerte.
„ Ha! Getroffen! Das habt ihr nun davon, ihr stinkende Ausgeburt der Hölle!!“ lachte sie dreckig auf.
Das sie bloß mit Hilfe treffen konnte, interessierte sie scheinbar nicht. Stattdessen drehte sie sich strahlend zu ihrem Freund um und zog dabei den Bogen auseinander, so dass bloß noch zwei Dolche übrig blieben, die sie in die Strumpfbänder steckte, welche sich an ihren Oberschenkeln befanden.
„ Gute Arbeit.“ nickte Aries anerkennend. „ Ohne deinen Bogen hätten wir das Portal wohl nicht schließen können. Wo hast du ihn überhaupt her?“
„ Aus einem Tempel bei uns im Dorf. Du weißt schon, einer von vielen Orten, wo wir unsere Gottheiten anbeten.“ antwortete sie ihm lächelnd. „ Als wir angegriffen wurden, erstrahlte ein helles Licht über dem Tempel, was direkt in den Himmel stieg und dort das Tor zur anderen Welt schloss. So kamen wir zu den Waffen. Seine Pistole ist auch unglaublich effektiv gegen die Geschöpfe der Unterwelt.“
„ Ja, die sehen wirklich so aus, als wären sie von Göttern gefertigt worden.“ bestaunte Aries die Waffe des Typen ehrfürchtig, aber auch mit einem gewissen Maß an Respekt. „ Hauptsache ihr kommt mir mit den Teilen nicht zu nah.“
„ Keine Sorge, bei Menschen zeigen sie keine Wirkung. Nur bei den Mistviechern der Unterwelt kennen sie keine Gnade.“
„ Wie beruhigend...“ lachte er verhalten auf und blickte dann zu mir rüber. „ Die Luft ist rein, du kannst nun her kommen.“
Ich folgte seiner Aufforderung und schlenderte langsam auf ihn zu.
„ Oh bist du aber süß!“ strahlte mich Cheria entzückt an. „ Du hast so unschuldig wirkende Augen. Wie bei einem Kleinkind oder einem Babytierchen!!“
„ Danke... du bist auch süß.“ konterte ich.
„ Ohh!! Mein Name ist Cheria und wie heißt du??“ griff sie sich meine Hände und fixierte mich mit ihren Blicken an. „ Ich würde dich am liebsten in die Tasche stopfen und ganz schnell weg rennen, damit kein anderer deine Niedlichkeit zu Gesicht bekommt.“ kicherte sie.
„ Ich heiße Sasha und ich glaube nicht, dass ich in deine Tasche passen würde...“
Cheria war etwa genauso groß wie ich, hatte sanft rosa Haare, die sie sich in einem seitlichen Zopf zusammen gebunden hatte, Smaragd-grüne Augen und einen perfekt proportionierten Körper, den sie gern zur Schau stellte. Sie trug eine schulterfreie Weste, die ihr nicht mal bis zur Hüfte reichte und unter der Weste trug sie ein Top, was gerade mal ihre Brüste bedeckte. Ihr Minirock verbarg gerade das nötigste und an ihren Füßen trug sie hübsche Stiefel.
Ich im Gegenzug trug ein Outfit, was mir die Dorfbewohner gaben. Meine zerrissene Kleidung konnte ich ja nicht wieder anziehen.
Mein Top reichte mir zwar auch nur über die Brüste, aber darunter trug ich noch ein Schulterfreies Oberteil, was mein Dekolletee verbarg, dafür an der Seite zwei große Schlitze besaß und mir bis zur Hüfte reichte.
Mein Rock ging mir bis zu den Knien und an den Füßen saßen niedliche Pumps.
Meine langen blonden Haare trug ich bisher immer offen und dass ich blaue Augen besaß, wusste ich auch.
„ Ist sie nicht süß?“ funkelte Cheria ihren Freund an, der sich nun auch zu uns gesellte.
„ Total süß.“ nickte er lächelnd.
Selbst Aries ging zu den dreien hin, bloß der fünfte im Bunde blieb ihnen fern.
„ Wo sind die ganzen Menschen hin?“ hakte ich dann irgendwann nach.
Mir war ja bewusst, dass die, die geflohen waren, nicht wieder zurück kommen würden, so weit konnte ich wohl mitdenken, aber dass hier nicht ein lebloser Körper lag, mal abgesehen von den toten Dämonen, irritierte mich.
„ Du hast hier gewohnt, nicht wahr?“ lehnte das Mädel mit den rosa Haaren ergriffen die Hand vor den Mund. „ Das tut mir so furchtbar leid, Sasha. Die Ungeheuer der Dunkelheit lassen niemanden am Leben und sie hinterlassen auch keine Leichen...“ letzteres fügte sie in einem leiseren Ton hinzu. „ Sie rauben ihren Opfern die Energie, um selbst noch stärker zu werden, dadurch verschwindet der Körper und einzig die geschändete Seele bleibt zurück.“
„ Das ist traurig...“ murmelte ich. „ Warum tun die das? Womit hat diese Welt das verdient?“
„ Tja, die alten und weisen Männer hier würden nun sagen, dass uns das Licht verlassen hat.“
„ Das Licht?“ lehnte ich meinen Kopf schief. „ Aber es ist doch hell hier?“
„ Nein, nicht solch ein Licht.“ kicherte sie. „ Kennst du denn die Legende des ewigen Kampfes nicht?“
„ Vielleicht kannte ich es mal...“ versuchte ich darüber nachzudenken, stieß dabei aber nur auf eine schwarze Wand. „ Aber seit ich mein Gedächtnis verlor, ist da ein schwarzes Loch wo meine Erinnerungen sein sollten.“
„ Oh du armes Ding.“ griff sie sich wieder meine Hände. „ Erst verlierst du dein Gedächtnis und dann greifen dich auch noch diese Widerlinge der Nacht an.“
„ Erzählst du mir die Legende?“
„ Das werde ich.“ lächelte sie mich warm an. „ Aber erst muss ich meinen Job hier zu ende bringen.“
„ Welchen Job?“
„ Ich muss die Führerlosen führen.“ zwinkerte sie mir zu und eilte dann zurück zur Mitte des Dorfes.
„ Die Führerlosen führen?“ wiederholte ich ihren Satz nachdenklich. „ Was meint sie damit?“
„ Sie geleitet die Seelen der Verstorbenen in eine Welt, die sich Illumina nennt.“ erklärte mir der Typ, der mit Cheria umher reiste. „ Dort werden sie in Frieden ruhen, bis der wahre Führer wieder auf den Plan tritt und die Seelen ins Paradies führt.“
„ Es ist also so was wie ein Zwischenlager für Seelen? Und warum müssen sie dort zwischengelagert werden?“
„ Weil sie sonst rastlos durch die Weltgeschichte ziehen. Eingehüllt in ewiger Dunkelheit, ohne jegliche Hoffnung auf Erlösung oder Hades holt sie sich und dann erfahren sie am eigenen Leib was es heißt, in der Hölle zu schmoren.“ beantwortete er mir auch diese Frage.
„ In ewiger Dunkelheit...?“ irgendwas in mir regte sich. Das passierte mir auch schon als ich die Dämonen sah und als Aries plötzlich vor mir stand. Da war etwas, aber ich konnte es nicht erreichen.
Ein eigenartiges Gefühl erfüllte meine Brust, so als wolle es mich erdrücken. Ich verstand nicht was los war, aber ich hatte es im Gefühl, dass der Verlust meiner Erinnerungen mit einem Dämonen zusammenhing. War ich solch einem Angriff wirklich mal entkommen und wenn ja, gab es irgendwo auf der Welt ein Dorf, in dem ich einst lebte? Und gab es in Elysia Menschen, die vielleicht verzweifelt nach mir suchten?
Ich hing meinen Gedanken noch immer nach, als ich zu Cheria rüber sah, die mit geschlossenen Augen und gefalteten Händen noch immer am selben Fleck stand. Ich spürte wie ein warmer Windhauch aufzog, allerdings fühlte er sich anders an, als die warme Luft, die von dem fast erloschenem Feuer stammte. Dieser Hauch erfüllte mein Herz mit einer wohltuenden Wärme, spendete Hoffnung und gab den Blick auf eine bessere Zukunft preis. Er lud zum träumen ein und ließ Wunder geschehen. Zu mindestens fühlte er sich so an.
Als dieser sanfte Sog dann auch bei Cheria ankam, begann sie sich im Takt des Windes zu bewegen, während sie mit einer wunderschönen Stimme ein mir völlig unbekanntes Lied sang.
Ich konnte meinen Blick kaum von ihr abwenden, so sehr faszinierte mich ihre Darstellung und auch die anderen sahen ihr mehr oder weniger begeistert zu. Und dann entdeckte ich den Ursprung alles Lebens: Die Seelen der Verstorbenen, die von ihrem Gesang und dem warmen Wind angelockt wurden. Sie sahen aus wie unscheinbare Lichter und doch waren sie der Beginn von allem neuen. Von überall tauchten sie auf, erst vereinzelt und dann befanden wir uns binnen weniger Sekunden in einer wahren Flut von leuchtenden Geistern. Irgendwas eigenartiges aber großes und wunderbares ging hier vor sich, was auch mich wie magisch anzog.
Ihre Stimme war so wunderschön, dass ich mich am liebsten neben sie stellen würde, um sie noch besser hören zu können.
„ Wow!“ ließ ich eine Kugel auf meiner Hand platz nehmen. „ Das ist also eine Seele?“
„ Du kannst sie sehen??“ kam es von den beiden Männern, die sich noch bei mir befanden, gleichzeitig.
„ Natürlich kann ich die sehen, ich bin doch nicht blind...?“ schaute ich die Beiden kurz an, ehe ich mich wieder der Kugel zuwendete. „ Sie sehen wunderschön aus.“
„ Kannst du die etwa auch sehen?“ wollte Cheria's Begleiter nun von Aries wissen.
„ Ähm... ja... ich hatte mal eine Begegnung mit der dritten Art... weißt du... aber warum kannst du sie überhaupt sehen?“
„ Ist es denn nicht normal, dass man die Seelen sieht?“ hakte ich nach.
„ Nein, kein normaler Sterblicher ist in der Lage sie zu sehen... es sei denn, man ist keiner oder man hat ein einschneidendes Erlebnis hinter sich.“ erklärte der Unbekannte.
„ Was für ein einschneidendes Erlebnis?“
„ Wenn man dem Tod zum Beispiel von der Schippe springt.“
„ Ah. Deshalb kann ich sie sehen.“ verstand ich nun wenigstens das.
Aber neben den Seelen die nun hier herum flatterten, erkannte ich noch etwas anderes, was vorher nicht da war. Nämlich einen goldenen Schein, der nur schwach zusehen war, und Cheria mit dem fremden Mann, der immer so grimmig vor sich hin starrte, zu verbinden schien. Bei keinem anderen konnte ich solch eine Erscheinung sehen, auch bei mir nicht. Aber bei dem Muffelkopf und Cheria, da sah ich die Verbindung, auch wenn sie wirklich fast wie angedeutet vor sich hin schimmerte.
Der Typ konnte die Lichtkugeln auch sehen, was man deutlich daran erkannte, dass er sie sich wie lästige Fliegen oder Mücken vom Leib fegte.
Kurz darauf erstand um Cheria herum ein wahrer Orkan, allerdings in Form einer Lichterflut, die alle Seelen in sich herein zog. Selbst der kleine Geist auf meiner Hand setzte sich wieder in Bewegung und flog dann, nachdem er mich einmal umkreist hatte, in den Sog. Der krönende Abschluss bestand darin, dass die Säule den Himmel erstürmte und dort dann einfach verpuffte und mit ihr verschwanden auch alle führerlose Seelen.
„ Erledigt!“ blickte sich die Führerin noch mal um, ob sie auch keinen übersehen hatte. „ Alle weg, sehr schön.“
Jetzt war auch die Verbindung zu Muffelkopf verschwunden, welch Phänomen.
„ So wo waren wir gerade?“ kam sie wieder auf uns zu.
„ Beim ewigen Kampf.“ erinnerte ich sie.
„ Bevor wir das ausweiten, sollten wir uns erst einmal überlegen, wie es nun weiter geht.“ meinte ihr Freund.
„ Richtig.“ nickte sie. „ Das ist übrigens Lyrias. Mein bester Freund, ewiger Begleiter, Beschützer, Bodyguard. Nenne es wie du willst.“ zog sie ihn zu sich hin und grinste ihn dabei frech an. „ Opfer, könnte man auch sagen. Versuchskaninchen oder Mann für alles wäre auch passend.“
„ Freund ist vollkommen ausreichend.“ sah er zu ihr runter.
Lyrias hatte dichtes dunkel braunes Haar und blaue strahlende Augen. Er trug einen langen Mantel, den er sowohl oben als auch unten ein Stück weit geöffnet hatte. Er hatte einen muskulösen Körperbau und zählte definitiv zu den attraktiven Menschen dieser Zeit.
„ Das ist Sasha.“ deutete sie nun auf mich hin.
„ Sehr erfreut.“ ein charmantes Lächeln besaß er auch noch.
„ Ich heiße Aries... zum dritten Mal... glaub ich.“ hob er kurz seine Hand und blickte dann zu dem Muffelkopf zurück. „ Und das ist Asariah.“
„ Der weder Lächeln noch sprechen kann?“ grinste Cheria schon wieder frech auf.
„ Das eine kann er, aber das andere hat er irgendwie verlernt.“ kratzte er sich am Kopf. „ Wie dem auch sei. Ich finde wir sollten gemeinsam gegen die Dämonen kämpfen. Sasha können wir nicht allein zurück lassen und einen Seelensammler brauchen wir wohl auch, gerade wenn dieser in der Lage ist das Portal zu schließen.“
„ Ich übe noch...“ murmelte sie.
„ Das wird schon.“ lächelte er. „ Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, nicht wahr?“
„ Gewiss nicht.“
„ Also? Was haltet ihr von meinem Vorschlag?“
„ Was meinst du dazu, Lyrias?“ sah sie den Herrn fragend an.
„ Wenn wir alle dasselbe Ziel verfolgen, können wir das auch gemeinsam tun. Je mehr wir sind, desto schwieriger wird es für die dunkle Brut uns niederzumetzeln.“
„ Dann wäre das wohl abgemacht.“ griff Cheria nach mir und drückte mich freudig strahlend an sich. „ Dann reisen wir ab jetzt wohl zusammen.“ sah sie mich mit großen Augen an. „ Wir können zusammen baden gehen und über die Jungs ab lästern.“
„ Ihr könnt für uns Kochen und unsere Wäsche waschen.“ konterte Aries.
„ Und für gewisse andere Dinge wären sie bestimmt auch gut zu gebrauchen.“ grinste Lyrias schief auf.
„ Träumt weiter!!“ zeigte sie ihnen die kalte Schulter.
„ Ich träume wohl erst einmal davon, wie ich Asariah alles erkläre...“ schielte er seufzend zu seinem Kumpel zurück.
„ Wird er an die Decke gehen?“ wollte Cheria wissen.
„ Wie eine Rakete, oder ein ausbrechender Vulkan.“
„ Soll ich ihn festhalten?“
„ Das wird nichts bringen.“ lachte er. „ Ich bin gleich wieder da.“ winkte er uns noch mal zu, ehe er zu diesem Muffelkopf hin schlenderte.
„ Können wir dann endlich weiter?“ kam die kalte Begrüßung um die Ecke geschlichen. „ Ich habe nicht ewig Zeit.“
„ Klar, wir können gleich weiter ziehen, aber nicht alleine.“
„ Wie nicht alleine?“ fixierte er ihn mit seinem einfrierenden Blick.
Seine Stimme war ungemein dunkel und verführerisch, ich konnte nicht erklären warum, aber sie wirkte verdammt anziehend auf mich. Seine ganze Person hatte etwas merkwürdiges an sich, etwas was mein Herz zum pulsieren brachte. Ich wusste nicht ob es an dieser mysteriösen Aura oder an seiner kalten Art lag, dass er mich so sehr faszinierte. Vielleicht lag es wirklich an seiner eisigen Barriere, einem Eisberg, in dem seine Seele feststeckte. Ich verspürte das innere Bedürfnis, das Eis mit meiner Wärme zum schmelzen zu bringen und zwar bevor er völlig erfror und sein Lachen für immer verstummte. Ich wollte ihn erreichen, aber warum? Und was war es überhaupt, was ich erreichen wollte? Was stimmte denn mit mir nicht?
Ich bekam mal ein Gespräch zwischen zwei Dorfmädchen mit, die sich kichernd darüber unterhielten, dass wir Frauen immer genau das haben wollten, was wir gerade nicht bekommen konnten. Egal ob es sich dabei um Nahrungsmittel, Männer oder Kleider handelte. Traf das also gerade bei mir zu? Wollte ich ihn erreichen, weil er in meinen Augen unerreichbar wirkte?
Asariah besaß nicht nur eine ausgesprochen schöne Stimme, er hatte wie sein Freund schwarzes Haar und strahlend blaue Augen. Seinen muskulösen Oberkörper verbarg er hinter einem langen Mantel, der komplett geöffnet war und darunter trug er ein Hemd, dessen obere Knöpfe offen standen, so dass man den Ansatz seiner starken Brust bewundern konnte.
„ Ich habe beschlossen, dass wir nun mit denen zusammen reisen.“ zeigte Aries zu uns hin.
„ Und seit wann hast DU das zu bestimmen??“ man konnte wahrlich dabei zusehen, wie die Lava zu brodeln begann.
„ Sie ist in der Lage die Portale zu schließen und so jemanden brauchen wir, dass sollte dir auch einleuchten. Ich habe keinen Bock auf einen Endloskampf gegen diese niederen Dämonen, nur weil sie in Scharen ununterbrochen aus ihrer Welt heraus geschwemmt werden. Ich kann mir weiß Gott besseres vorstellen und weil das so ist, muss sie mit kommen.“
„ Ich habe weder dich, noch irgendjemand anderen darum gebeten mich zu begleiten.“ platzte der erste Geduldsfaden. „ Ich zwinge dich auch nicht dazu hier zu bleiben. Du würdest mir sogar einen riesigen Gefallen tun, wenn du dich einfach verziehen würdest!! Ich habe bereits genug Probleme, da muss ich mir diese nichtsnutzigen Gören nicht auch noch ans Bein binden! Wenn du unbedingt mit denen reisen willst, dann tu es!!“ gab er mit einer unfassbar bedrohlich wirkenden Stimme erbost von sich. „ Aber wehe ihr kommt mir in die Quere, dann werden die Portale eurer kleinstes Problem sein.“ drehte er sich von ihm weg um danach seines Weges zu gehen.
„ Autsch...“ seufzte Aries verhalten auf. „ Nun warte doch mal Asariah.“ hielt er ihn zurück.
„ WAS?“
„ Ich weiß ja, dass du dich am liebsten allein in diesen Wahnsinn schmeißen würdest. Aber letztendlich bringt es keinem etwas, wenn du hier dein eigenes Grab schaufelst. Wenn du wirklich hier bist, um deine Wut an den Dämonen auszulassen und nebenbei noch diese Welt zu retten, dann brauchst du Cheria!“
„ Selbst wenn es so wäre, warum sollte ich dann auch die anderen beiden mitnehmen?“ konterte er. „ Gerade die Blonde wird uns permanent im Weg rum stehen, warum sollte ich das zulassen?“
„ Sasha hat ihr Gedächtnis verloren, wir dürfen sie nicht allein zurück lassen.“
„ Und? Seit wann ist das mein Problem?“
„ Pass auf, Asariah!“ seufzte er entnervt auf. „ Wir werden sie mitnehmen, sie alle. Ich kümmere mich um Sasha und die anderen beiden können auf sich selbst aufpassen. Du wirst gar nicht merken, dass sie da sind.“
„ Nun gut. Dann nimm sie mit, aber ihre Sicherheit liegt in DEINEN Händen und kommen sie mir in die Quere, dann Gnade ihnen Gott!“
„ Jaja von mir aus!“ wehrte er noch entnervter ab. „ Je eher wir hier fertig werden, desto schneller können wir wieder nach Hause reisen.“
„ Ich sagte schon, du hättest ja zuhause bleiben können. Ich habe dich nicht darum gebeten mit mir mitzukommen.“
„ Ja, wäre ich doch mal zuhause geblieben. Dann könnte ich nun mit Ser... äh...“
„ Hm...“ als er ihn nun anblickte hatte die Kälte seiner Augen den tiefsten Tiefpunkt erreicht. Was immer Aries gerade andeuten wollte und was auch immer Asariah darunter verstand, es schien noch schlimmer zu sein als die Sache mit der Gruppe. „ Sprich dich ruhig aus...“
„ Dann könnte ich nun mit... Seraphina... reden...?“
„ Aha.“ drehte er sich nun von ihm weg.
>Kurve noch mal gekriegt...< schlenderte Aries auf uns zu. >Wenn der wüsste was vor unserer Abreise zwischen mir und ihr vorgefallen war... dann verwandeln sich die Portale wirklich in mein kleinstes Problem. Gibt es bei uns überhaupt eine Seraphina? Hoffentlich hat der mir das abgekauft.<
„ Und? Was sagt dein Grizzlybär?“ hakte Cheria grinsend nach.
„ Tja, ihr seid jetzt wohl mein Problem.“ schmunzelte er.
„ Also reisen wir wirklich ab jetzt zusammen?“ riss ich mich vom Anblick des Eisklotzes los und sah den Herren vor mir fragend an.
„ Das sagte ich dir doch schon.“ tätschelte er lächelnd meinen Kopf. „ Bis wir jemanden gefunden haben, der dich kennt und bei dem du bleiben kannst, bleibst du erst einmal bei mir.“
„ Ohne jegliche Hintergedanken?“ blitzte Cheria den Herrn misstrauisch an.
„ Bei ihr oder bei dir?“ kam er ihr mit einer Gegenfrage und einem äußerst frechen aber verführerischen Grinsen.
„ Bei mir ist mir das egal, aber bei ihr werde ich dir eigenhändig deinen kleinen Freund entreißen und ihn hungrigen Wölfen zum Fraße vorwerfen. Dank der Tatsache, dass solch ein Winzling eigentlich zu den inneren Werten zählen sollte und sie nun weder gesättigt noch befriedigt sondern einfach nur auf den Geschmack gekommen sind, werden sie sich auch noch deine Juwelen holen. Also überlege dir besser zweimal, ob du dich wirklich mit mir anlegen willst, ok?“ strich sie ihm mit einem charmanten Lächeln durchs Gesicht. „ Was für ein braver Junge!“ tätschelte sie dann noch seine Wange, ehe sie von ihrem Opfer abließ.
„ Bei dir darf ich also Hintergedanken haben, ja?“
„ Klar, schließlich weiß ich mir zur Not zu helfen.“ griente sie ihn an. „ Also, wie geht es nun weiter? Wir sollten diese Ruinen schnellstmöglich verlassen. Sasha ist schon ganz still geworden.“ blickte sie mich besorgt an. „ Wir sollten sie von hier weg bringen.“
„ Gibt es hier in der Nähe noch ein Dorf, ein Lager oder gar eine Stadt die nicht völlig zerstört wurde? Wo wir uns vielleicht ausruhen und stärken können?“ wollte Aries wissen.
„ Nein, leider nicht.“ bemerkte Lyrias, der dann eine Karte aus seiner Tasche zauberte und diese auf den Boden ausbreitete. „ Hier sind wir und die Kreuze sind Portale, die bisher laut den Erzählungen und dem eigenen gesehenem erschienen sind. Wie du sehen kannst, sind sie gerade in diesem Gebiet vermehrt aufgetaucht.“
„ Und wie viele von den Portalen habt ihr bereits schließen können?“
„ So... drei...?“ kratzte sich Cheria verlegen am Kopf. „ Und einer davon wurde von unserem Tempel geschlossen.“
„ Warum gibt es hier so viele Portale?“ sah ich dann auch auf die Karte.
„ Vielleicht ist die Schutzhülle hier besonders dünn, so dass sie ohne größere Problem in diese Welt eindringen können.“ vermutete der schwarzhaarige junge Mann. „ Vielleicht gibt es hier aber auch irgendwas, was für die Dämonen von hohem Interesse ist.“
„ Oder irgendwen?“ sah ich Aries leicht verängstigt an.
„ Das könnte natürlich auch sein.“ nickte er, was meine Panik natürlich noch verstärkte. „ Aber keine Sorge, selbst wenn sie von deiner Reinheit und deinem hellen Licht angezogen werden würden, lasse ich nicht zu, dass dir etwas passiert.“
„ Ok...“
„ Wenn wir die Portale hier nicht schließen, werden die Monster diesen Bereich bald völlig überrannt haben.“ wendete er sich wieder der Karte zu. „ Aber es ist eigentlich auch unmöglich alle Portale schließen zu wollen. Mhm...“
„ Unsinn!“ stand Asariah plötzlich hinter ihm. „ Die Göre besitzt einen Bogen, der von göttlicher Hand geschaffen wurde und dessen Geschosse äußerst effektiv bei allen dunklen Geschöpfen sind. Hätte sich die Waffe nicht so einen unnützen Menschen ausgesucht, der das Ziel nicht mal dann treffen würde, wenn es sich direkt vor seiner Nase befände, dann könnte man mit nur einem einzigen Pfeil alle Portale schließen, die sich in der Nähe befinden. Allerdings wird sie das wahre Potential ihrer Waffe wohl niemals zu Gesicht bekommen.“
>Das ist doch...< riss Cheria erstaunt die Augen auf. Dass der Typ sie gerade durchgehend eigentlich beleidigt hatte, realisierte sie nicht. >Diese Stimme...< starrte sie ihn mit großen Augen an. >Das ist er!<
„ Aber sie könnte den Bogen mit deiner Hilfe richtig bedienen, oder nicht?“ sah Aries kurz von der Karte auf. „ Wenn wir uns hier platzieren würden, dann könnten wir alle Tore die sich in diesem Umkreis befinden schließen und vor allem kann Cheria die Seelen von dort auch alle erreichen.“
„ Ja, von dort aus ist es auch gar nicht so weit weg bis zu dieser Burg hier! Wenn wir Glück haben, trotzen sie den Dämonen noch immer und wir erhalten dort die nötige Hilfe.“ warf Lyrias in den Raum.
„ ...“ das ihm die Idee absolut nicht gefiel, Cheria schon wieder so dicht an sich heran lassen zu müssen, sah man ihm genau an. „ Gut, ich werde ihr noch einmal helfen.“ aber was tat man nicht alles, um schnell voran zu kommen.
„ Gut, dann haben wir ja wenigstens schon einmal das nächste Ziel vor Augen.“ nickte der Begleiter des Eisklotzes zufrieden.
„ Dort im Wald befindet sich eine große Lichtung, dort könnten wir die Nacht über rasten.“ tippte Lyrias auf der Karte rum.
„ Wenn ihr dort für Feuer sorgt, dann werde ich euch was leckeres zu essen zaubern.“ lächelte Cheria.
„ Wenn du das genauso gut kannst wie Bogenschießen, dann passe ich!“ drehte sich Asariah wieder von der Gruppe weg.
„ Du wirst begeistert sein!!“ krallte sich die Dame allen ernstes am Arm des Eisriesen fest, der sich auch gleich wieder von seiner Klette zu befreien versuchte. „ Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen, nicht wahr??“
„ Fass mich nicht an!“ entriss er ihr den Arm, was allerdings nicht all zu viel brachte, da sie sich gleich wieder fest klammerte. „ Im Ernst!! Geh wen anderes auf den Sack!“
„ Du weißt es noch nicht...“ schlang sie plötzlich ihre Arme um seinen Hals und drückte sich strahlend an ihn. „ Aber wir sind füreinander bestimmt!“ und dann küsste sie ihn zu allem Überfluss auch noch auf den Mund, was nicht nur meine Kinnlade auf den Boden schellen ließ.
Vor meinem inneren Auge sah ich es schon kommen! Ich sah wie er sie ungespitzt in den Boden rammte, so tief, dass sie niemals wieder das Licht der Welt erblicken sollte. Vermutlich wäre genau das auch eingetroffen, wenn sie dem Orkan nicht mit geschickten Bewegungen ausgewichen wäre.
„ Das war schon ein guter Anfang.“ lächelte sie ihn süß an, nachdem sie seinen Versuch sie greifen zu wollen erneut vereitelt hatte. „ Und den Rest hole ich mir später.“ suchte sie hinter Lyrias Schutz, der sie nicht gerade begeistert musterte.
„ Ich sage es dir ein letztes mal, bleib mir vom Leib oder du wirst es bereuen!“
„ Das geht ja schon gut los...“ schmunzelte Aries. „ Na los, lasst uns gehen.“ griff er meine Hand und zog mich sanft hinter sich her. „ Wir wollten hier ja nicht übernachten.“
Die anderen folgten uns natürlich, wobei Asariah an vorderster Front vor lief und niemanden von uns dort sehen wollte. Cheria lief mit Lyrias hinter uns.
„ Warum hältst du eigentlich meine Hand?“ sah ich den Herren irgendwann fragend an.
„ Mhm...“ sah er auf unsere miteinander verschränkten Hände herab. „ Vielleicht damit du nicht verloren gehst?“ lächelte er.
„ Aber wie sollte ich denn verloren gehen?“
„ Vielleicht liegt es auch daran, weil du mich stark an jemanden erinnerst.“
„ Kennst du mich etwa?“ starrte ich ihn nun mit großen Augen an.
„ Nein, nicht direkt. Aber ich kenne ein Mädchen, was dir ziemlich ähnlich ist. Ihr Name ist Serah.“ begann er zu erzählen. „ Sie ist das süßeste Wesen was ich kenne. Ihr Lachen verzaubert selbst die Sonne, ihre Stimme gleicht dem lieblichen Gesang junger Engel. Sie ist... einfach unglaublich.“ wenn er über sie sprach, strahlten seine Augen eine unfassbare Wärme ab. Er musste sie wirklich gern haben.
„ Und warum ist sie jetzt nicht bei dir?“
„ Weil sie dort, wo sie sich befindet, in Sicherheit ist.“
„ Und ich sehe ihr wirklich ähnlich?“
„ Ja, irgendwie schon. Das ist vermutlich auch der Grund, warum ich mit eigenen Augen sehen will, dass auch du dich in Sicherheit befindest.“

Wenig später erreichten wir den Wald, auf dessen Lichtung wir erst einmal rasten wollten.
Die Männer zogen gleich los, um Feuerholz zu sammeln, Cheria und ich blieben im Lager sitzen und bereiteten schon einmal das Essen vor, was wir später über dem Feuer kochen wollten.
„ Das machst du echt gut. Haben dir die Dorfbewohner den Umgang mit dem Messer gelehrt?“ sah mich das Mädel beeindruckt an.
„ Ja...“
Sie hatte mir freundlicherweise einen ihrer Dolche überlassen, mit dem ich gerade mühselig eine Kartoffel ab pellte. Sie sagte zwar, dass ich das recht gut hinbekam, allerdings blieb bei meiner Schneideaktion nicht wirklich viel Kartoffel übrig...
„ Es ist wirklich furchtbar, wenn alles fremd für einen ist, oder?“ sah sie mich bedrückt an. „ Wenn man sein Spiegelbild betrachtet und dabei bloß einer Unbekannten in die Augen sieht. Wenn man mitansehen muss, wie die, die einen gern haben, verzweifeln, weil man nicht mal seine eigene Familie erkennt. Weil die, die so erbittert um das Leben ihrer Liebsten gekämpft haben, komplett aus ihrem Gedächtnis heraus gelöscht wurden.“
„ Das klingt ja so, als hättest du das auch schon durchmachen müssen.“ lehnte ich meinen Kopf schief.
„ Ja... allerdings...“ senkte sie die Augen und lehnte dabei ihre Hand gegen die Brust. „ Allerdings traf es mich nicht mal annähernd so schlimm, wie es dich traf. Ich hatte meine Familie und meine Freunde immer an meiner Seite, auch wenn ich mich an sie nicht erinnern konnte wusste ich, dass sie mir einst alles bedeuteten.“
„ Was ist passiert? Warum hast du dein Gedächtnis verloren und wie hast du es wieder gefunden?“ bat ich um mehr Informationen, vielleicht konnte sie mir ja auch dabei helfen, dass ich mich wieder an alles erinnerte.
„ In meinem alten Dorf arbeitete ich als Priesterin. Alle Frauen in meiner Familie taten dies, weil sie alle die Fähigkeit besaßen zu heilen.“ in dieser Welt setzte man Priesterinnen mit Ärzten gleich. „ Eines Tages kam ein Junge angerannt, der mir berichtete, dass er und sein Freund im Wald von wilden Tieren angegriffen wurden. Ich zog gleich los, um den Jungen zu finden, der sich im Wald versteckt hielt und zudem noch schwer verletzt war.“
„ Hast du ihn gefunden?“ ließ ich mich von ihrer Geschichte in den Bann ziehen.
„ Allerdings. Ich fand den Lausbuben, er hatte sich in einer Höhle in Sicherheit gebracht und steckte nun dort fest.“ erzählte sie mir. „ Die Tiere haben ihn nicht erwischt, aber eine Wurzel schon, über die stolperte er nämlich und verletzte sich dabei am Bein.“
„ Und was ist dann passiert?“
„ Ich heilte seine Wunden und verließ mit ihm den sicheren Unterschlupf...“ legte sie plötzlich eine Pause ein. „ Wir hätten in der Höhle hocken bleiben sollen... aber wenn die Sonne untergeht zieht nicht nur die Dunkelheit übers Land, auch der Kälte wird die Tür geöffnet. Ich hatte Angst, dass er mir erfrieren könnte und so entschlossen wir uns dazu, wieder nach Hause zugehen.“
„ Was ein großer Fehler war, nicht wahr?“ rückte ich näher zu ihr hin, ich hatte es im Gefühl, dass nun das schreckliche Ende folgte.
„ Ja, das war es. Die wilden Tiere entpuppten sich als ein Rudel hungriger Wölfe, die nur darauf gewartet haben, dass wir wieder auf die Bildfläche treten. Denn da konnten sie in Scharen über uns herfallen.“ flüsterte sie. „ Ich verschaffte Alex mehr Zeit, damit er ins Dorf laufen und Hilfe holen konnte. Damit wenigstens er aus der Schussbahn geriet.“
„ Und was war mit dir?“ rückte ich noch ein Stückchen näher an sie heran.
„ Tja ich...“ sah sie in den Himmel. „ Ich gab ein leichtes Ziel ab und wurde bald schon von ihnen niedergestreckt.“
„ Oh nein!“ lehnte ich völlig schockiert die Hände vor die Lippen.
„ Als man mich fand, lag ich Blutüberströmt auf dem Waldboden und war schon mehr tot als lebendig. Sie brachten mich in unser Dorf und die fähigsten unserer Heiler kämpften um mein Leben, aber vergebens, meine Seele war dabei meinen Körper zu verlassen. Niemand rechnete noch damit, dass ich meine Augen wieder öffnen könnte, sie gaben den Kampf auf...“
Plötzlich schreckten wir beide auf, als etwas hinter uns lautstark auf den Boden krachte, wir schrien uns die Seele aus dem Leib, als Cheria hinterrücks von etwas umschlungen wurde und ebenso zeitgleich beruhigten wir uns wieder als wir bemerkten, dass es sich bei dem Schuft um Lyrias handelte. Der Krach kam von dem Holzstapel, den er achtlos in den Dreck fallen ließ.
„ Spinnst du???“ keifte sie ihn erschrocken an. „ Wie kannst du uns nur so sehr erschrecken??? Willst du das wir einen Herzinfarkt bekommen, oder was??“
Allerdings reagierte er nicht, stattdessen hielt er sie weiter Wortlos umschlungen.
„ Und wie kam es dann, dass du doch aufgewacht bist?“ wollte ich nun auch das Ende erfahren.
„ Weil ich eine Stimme hörte die mir sagte, dass meine Zeit noch nicht gekommen sei und dass ich nun aufwachen solle.“
„ Eine Stimme?“ zog ich verblüfft eine Augenbraue hoch.
„ Ja.“ nickte sie. „ Ich befand mich gerade im bekannten Tunnel und sah das Licht am Ende aufblitzen, aber noch bevor ich dort hindurch gehen konnte, vernahm ich diese Stimme und öffnete im nächsten Moment meine Augen.“
„ Das muss ein wahres Wunder gewesen sein, dass du trotz aller Unwahrscheinlichkeiten wieder aufgewacht bist.“ kam nun auch Aries dazu.
„ Sicherlich.“ nickte sie die Sache erneut ab. „ Aber es veränderte auch mein komplettes Leben, denn ich erwachte ohne jegliche Erinnerungen an früher. Alle Gesichter waren mir fremd, sogar mein eigenes.“
„ So wie bei mir?“
„ Allerdings.“
„ Und nun erinnerst du dich wieder an alles? Wie hast du das geschafft?“
„ Das kam nachdem die ersten Portale erschienen und unser Dorf von Dämonen überrannt wurde. Der Tempel reagierte, wie ich schon erzählt habe, und schloss die Türe. Wir erhielten unsere Waffen und vernahmen eine liebliche Stimme, die uns darum bat nach Schloss Edana zu reisen.“
„ Schloss Edana?“ hakte ich nach.
„ Genau. Das ist die Burg, die Lyrias ansteuern will. Sie befindet sich nicht all zu weit von hier entfernt.“
„ Wart ihr schon in dieser Burg?“ warum musste ich ihr nur alles aus der Nase ziehen? „ Und wie hast du nun dein Gedächtnis wiedererlangt?“
„ Weil ich einen echten Engel begegnet bin!!“ strahlte sie uns nun an. „ Und wenn ich Engel sage, dann meine ich auch Engel!!“ sprang sie plötzlich auf, was Lyrias dazu zwang, von ihr abzulassen. „ Wir konnten die schwarze Schar schon von weitem sehen. Die Dämonen kletterten an der Mauer des Schlosses empor, Schritt für Schritt, Klauen schlag für Klauen schlag! Die Sonne wurde von jenen Ungeheuern verdunkelt, die über starke Schwingen verfügten. Ihre Blicke voller Gier, ihr Speichel ätzend wie Säure und ihre metallischen körpereigenen klingen glitzerten verheißungsvoll im Schein des schwarzen Sonnenlichtes doch dann!!“ hob sie ihre Hand in den Himmel. „ Brach das Himmelszelt auseinander und ein helles Licht krachte mit einer Wahnsinns Geschwindigkeit auf das Dach des Schlosses.“ starrte sie uns nun wieder mit einer Begeisterung an, die mehr als nur ansteckend war. „ Dieses Licht zerfetzte die Monster regelrecht, die eine unüberwindbare Gefahr darstellten und dann, als das gleißende Leuchten verschwand, stand eine wunderschöne Erscheinung auf dem Dach.“ leuchteten ihre Augen verzückt auf. „ Mit langen blondem Haar, einem wunderschönen weißen Gewand und prachtvollen weißen Flügeln am Rücken. Dieser Engel sammelte seine Kräfte an den Händen...“ verschränkte sie ihre Hände vor der Brust und senkte dabei ihren Kopf, während sie ihre Augen schloss. Schon kurz darauf zierte ein warmes rosa Leuchten ihre Finger und dann zeigte sie uns mit ihrer Magie, was das Wesen mit seiner alles angestellt hatte. „ Und dann drehte sie sich einmal um die eigene Achse, so dass der goldene Schein wie ein Regen der Hoffnung auf den Boden glitt! Ihre Darbietung glich einem harmonischen Tanz mit den Elementen! Sie war wie ein Dirigent, dessen Bewegungen gleich umgesetzt wurden! Es war...einfach UNGLAUBLICH!!“ puffte ihre Magie, die sie durch ihr Getanze überall unter sich verteilte, so richtig auf.
Mit einer unfassbaren Leichtigkeit schickte sie den rosa Nebel auf die Reise, auf das er alles heilte was ihn berührte und er so die Hoffnung zurück in dieses Gott verlassene Reich brachte. Er umrandete uns, so wie das Licht des Engels das Schloss umhüllt hatte und dann puffte er erneut auf, um dann in Form eines Märchenhaft schönem Gebildes in seiner Bewegung zu verharren.
Völlig fasziniert starrte ich das glitzernde Zeug an und ließ dann meine Hand hindurch gleiten. Es fühlte sich ungemein gut an, besser sogar noch als Seide. Weich wie eine Wolke, aber nicht so vergänglich. Trotz seiner Sanftheit war er so beständig wie eine Mauer.
„ Dieses Wesen rettete nicht nur die Bewohner der Burg, sie erschuf den Menschen eine Zuflucht und brachte mir meine Erinnerungen wieder.“ beendete Cheria ihr Schauspiel. „ Ich entschloss mich dazu, gegen den Willen meiner Familie, einen anderen Weg einzuschlagen. Das Leben einer Priesterin war gut und schön, aber ich wollte mehr für Elysia tun, als bloß die Wunden zu heilen. Dank dem Engel bekam ich die Kraft verliehen, die Dämonen aufzuhalten.“
„ Eine Waffe zu führen, mit der man nicht umgehen kann, gleicht dem Sprung in eine tiefe Schlucht! Beides endet tödlich!“ kam nun auch Asariah dazu. „ Du magst vielleicht im Besitz einer göttlichen Waffe zu sein, aber bringen tut dir das rein gar nichts. Wenn du Elysia wirklich helfen willst, dann muss mehr von dir kommen, als dieser lächerliche Abschaum!“ mit einer einfachen Handbewegung, mit der er ihre Kräfte gerade eben so streifte, zerstörte er ihr Gebilde.
Das faszinierende Glitzern verstummte und das sanfte Leuchten wich einem erdrückendem Schwarz. Es breitete sich rasend schnell aus, ohne dass ihre Kraft etwas daran ändern konnte und dann sprengte seine Macht ihre auseinander. Alles was davon übrig blieb waren schwarze Kügelchen, die in ihrer Kälte dem Tod glichen.
„ Andernfalls bist du für die Dämonen ein gefundenes Fressen und für die Welt eine untragbare Last!“
„ Wenigstens gehe ich meiner Bestimmung nach!!“ konterte sie verstimmt. „ Und verstecke mich nicht hinter einer selbstleugnerischen Fassade!“
„ Was weißt du schon über mein Leben?“ blickte er sie kalt an.
„ Mehr als du denkst!“ lehnte sie den Kopf schief. „ Schließlich sind wir füreinander bestimmt!!“ verstrahlte sie ihn regelrecht.
„ Nicht mal in deinen Träumen!“ warf er seine holzige Beute vor das Lagerfeuer und ging dann zurück in den dunklen Wald.
Ich konnte Cheria voll und ganz verstehen. Dieser Typ hatte irgendwas an sich, was nicht nur sie wie magisch anzog. Ich würde ihn zu gerne mal lächeln sehen...
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Re: Diehieee Geschichte

Beitrag von Alexia am So 9 Apr - 17:22

Kapitel 2. Eine ereignisreiche Nacht


„ Und was ist dann passiert?“ wollte ich nun auch das Ende der Geschichte hören.
„ Ich änderte mein Äußeres und begab mich auf eine unbekannte Reise.“ antwortete Cheria. „ Man könnte wohl sagen, dass ich mein altes Ich erfolgreich hinter mir gelassen habe.“
„ Was hast du denn mit deinem Aussehen gemacht?“ bat ich um mehr Information. „ Und warum hast du das getan?“
„ Weißt du...“ setzte sie sich zurück auf ihren Platz. „ Mein Gedächtnisverlust, so schrecklich und vernichtend er auch war, hat mir Türen geöffnet, die ich vorher nicht mal wahrgenommen habe. Ich ging meinen Weg, weil ich glaubte, dass da kein anderer war. Ich lief mit Scheuklappen durch die Gegend, mein Blick war stets geradeaus auf das gerichtet, was ich mit meinen Fähigkeiten erreichen konnte. Dabei war mir nie bewusst, dass das Heilen nicht alles war!“ lächelte sie leicht vor sich hin. „ Die Priester verschreiben ihr ganzes Leben der heiligen Magie. Meist sterben sie sogar allein, weil sie den richtigen nicht mal dann wahrnehmen würden, wenn er ihnen vor die Füße fällt. Sie lassen sich freiwillig in Ketten legen und wegsperren. Ihr gesamtes Sein verbringen sie in einem Tempel, wo sie auf Menschen warten, die ihre Hilfe benötigen.“
„ Das klingt aber nicht nach einem schönem Leben.“ verzog ich meinen Mund.
„ Wenn man mit diesem Brauch groß wird, merkt man nicht, dass man ein Leben im Käfig führt. Erst als der Verlust meiner Erinnerungen auch meine heilenden Fähigkeiten schlafen legte, ich also aus diesem Trott heraus kam, erfuhr ich was es heißt, den Wind auf der Haut zu spüren. Ich konnte gehen wohin ich wollte, weil niemand mehr darauf achtete, dass ich auch ja das Richtige tat. Der Duft der Blumen, tausendmal gerochen und doch nie wahrgenommen! Doch plötzlich ist es total genial, sich über eine Blumenwiese zu rollen! Lachende Kinder, der Duft von frisch gebackenem Brot, einfach alles war irgendwie da, aber irgendwie auch nicht.“ versuchte sie mir ihre Lage begreifbar zu machen. „ Ohne diese Last, sieht man das ganze aus einem völlig neuen Blickwinkel und mir wurde klar, dass ich nicht mehr in mein altes Leben zurück wollte. Als Zeichen meines Neuanfangs färbte ich mir die Haare und entwickelte einen neuen Kleidungsstil. Weg mit den langweiligen Gewändern und her mit den körperbetonten stylischen Klamotten!“
„ Du hast dir deine Haare gefärbt?“ betrachtete ich nachdenklich eine meiner Strähnen.
„ NIEMALS!!!“ fauchte mich Cheria auch gleich an, fast so als könnte sie meine Gedanken lesen. „ Du darfst dir deine wunderschönen Haare nicht färben!! Sie sehen so unfassbar schön aus, dass darfst du einfach nicht!!!“
„ Deine Haare sahen vorher auch schon schön aus.“ mischte sich Lyrias ein.
„ Ach meine Haare!!“ maulte sie ihn an. „ Dieses hässliche undefinierbare Blond, was mal ein Braunton werden wollte!! Meine Haarfarbe ist nicht mal halb so schön wie ihre!!“
„ Das liegt im Auge des Betrachters.“ schielte er sie an.
„ Mir gefallen sie so besser!“ drehte sie sich beleidigt von ihm weg.
„ Mir gefallen deine Haare auch ganz gut.“ lächelte ich sie an.
„ OHH!! Du bist so süßßßß!!“ umarmte sie mich strahlend.
„ Erzählst du mir auch noch, wie du Lyrias kennen gelernt hast?“ sah ich sie fragend an.
„ Ich kenne Lyrias schon seit einer Ewigkeit. Wir haben schon im Sandkasten miteinander gespielt. Dann trat er dem Orden bei, der für die Sicherheit der Priester verantwortlich ist und so wurde er mein Beschützer.“
„ Trat er dem Orden wegen dir bei?“ fragte ich. „ Damit er an deiner Seite bleiben kann? Wenn die Priester in einen Tempel gesperrt werden, kommt man doch ohne Schlüssel nicht mehr an sie heran, oder?“ überlegte ich. „ Also hätte er dich nicht mehr sehen können.“
„ Unsinn!“ warf der Herr gleich ein.
„ Warum Unsinn?“ zog ich verblüfft eine Augenbraue hoch. „ Wenn ihr früher immer miteinander gespielt habt, dann vermisst man den anderen doch, wenn er irgendwann nicht mehr da ist, oder nicht?“
„ Ich trat dem Orden bei, weil das schon immer ein großer Traum von mir war. Das Cheria eine Heilerin war, hatte mit meiner Entscheidung rein gar nichts zu tun. Es war eher ein glücklicher Zufall...“ murmelte er.
„ Ich verstehe das nicht...“ seufzte ich dann verhalten auf. „ Hast du sie denn nicht gemocht?“
„ Versuch ihn erst gar nicht zu verstehen. Das ist ein Mann! Den kann man einfach nicht verstehen!“ meinte die Heilerin. „ Männer ticken anders als wir.“
„ Für uns ist es aber genauso schwierig euch zu verstehen.“ warf Aries ein.
„ Aber warum ist das so?“
„ Weil wir Frauen beide Gehirnhälften benutzen, die Männer aber nicht. Deshalb verstehen wir sie nicht.“ nickte Cheria die Sache ab. „ Sie sind unter unserem Niveau.“
„ Wie bitte?“ starrte das männliche Geschlecht zu ihr rüber.
„ Hihihi!“ kicherte sie hinter vorgehaltener Hand. „ Wir sollten uns nun weiter um das Abendessen kümmern.“ lenkte sie schließlich schnell vom Thema ab.
Gehörte diese Priesterin, die gerade neben mir saß und weiter an den Kartoffeln rum schnippelte, auch zu denen die einsam sterben mussten, weil sie den richtigen nicht mal dann bemerkten, wenn er ihnen vor die Füße fiel? Oder gehörte Lyrias gar zu jenen, die die Richtige nicht mal dann wahrnahmen, wenn sie von ihr niedergetrampelt wurden? War es letztendlich gar so, dass beides bei ihnen zutraf?
Wenn es wirklich so war, dass Frauen Männer nicht verstehen konnten und umgekehrt genau das gleiche, was war denn dann, wenn man beide Seiten nicht verstand? Verlor man dann den Anspruch darauf, sich selbst als Mensch bezeichnen zu dürfen?
Bevor mich das Ganze noch mehr verwirren konnte entschloss ich mich dazu, das Thema einfach fallen zu lassen. Stattdessen half ich Cheria schweigend dabei, die Kartoffeln zu pellen, um diese dann später verspeisen zu können. Dazu gab es noch ein saftiges Stück Fleisch und knackiges Gemüse. Das Menü schmeckte unfassbar lecker, da waren wir uns alle einig. Nur Asariah, der aß nichts von alledem.

Als die Sonne dann unterging bereiteten wir das Nachtlager vor. Aries bot sich gleich an, die Nachtwache zu übernehmen, während die anderen ins Land der Träume flüchten konnten.
Cheria überließ mir ihren Schlafsack und quetschte sich dann zu Lyrias in seinen.
Der Tag war so Ereignisreich, dass ich einen Moment brauchte, um einschlafen zu können. Meine Gedanken wirbelten wild durcheinander, was es mir unmöglich machte, die benötigte innere Ruhe zu finden, um überhaupt erst einschlafen zu können. Ich musste an die Dorfbewohner denken, die mir in der Not zur Seite standen, aber als sie meine Hilfe benötigten, war ich nicht in der Lage ihnen zu helfen. Ich fühlte mich, als hätte ich sie im Stich gelassen, als sie mich am dringendsten gebraucht hätten. Dann musste ich natürlich über meine neuen Begleiter nachdenken und ob ich sie nicht auch in große Gefahr brachte, wenn ich bei ihnen blieb? Dann kam noch dieses eigenartige Verlangen dazu, Asariah's Seele zu retten, ehe sie im ewigen Eis für immer verloren war.
Eine gefühlte Ewigkeit verging, bis mich die Erschöpfung in die Knie zwang und ich endlich einschlafen konnte.
Die Nacht war bereits weit voran geschritten, als sich Aries von seinem Platz am Lagerfeuer erhob und sich seufzend streckte.
Cheria, Lyrias und ich waren bereits tief und fest am schlafen, Asariah aber, hockte etwas abseits von uns an einem Baum und starrte beinahe grimmig vor sich hin.
Für ihn waren seine Begleiter nichts als Ballast, den es schnellstmöglich wieder los zu werden galt. Wir bremsten ihn nicht nur aus sondern bestimmten nun auch noch das Tempo, wie schnell wir vorwärts kamen.
Dabei kam er extra in diese Welt, um endlich allein sein zu können, um die ganzen Fratzen, die sich Familie und Freunde schimpften, nicht mehr sehen zu müssen. Aber dann folgte Aries, sein bester Freund, ihm. Nun gut, damit kam er irgendwie klar. Mit seiner jetzigen Situation allerdings nicht! Da war dieses vorlaute Weibsbild, was keine Chance ausließ um ihm begrapschen zu können! Die ihm nur zu gerne auf die Pelle rücken würde und in ihren Träumen vermutlich schon die Hochzeit plante.
Dann befand ich mich bei ihnen, eine junge Dame, die sich an nichts erinnern konnte und zudem noch Schutz- und Hilfsbedürftig war.
Asariah war hier um den Menschen zu helfen, irgendwie, aber musste DAS wirklich bedeuten, dass sie ihm wie eine untragbare Last auf die Schulter krochen?
Wenn wir dieses Schloss erreicht hatten, was ja angeblich von irgendeinem, in seinen Augen dämlichen, Engel bewacht wurde, dann würde er seine Anhänger im hohen Bogen an die Luft setzen und dann waren sie das Problem des Reiches.
Es mochte ja stimmen, dass er den Seelensammler, der nebenbei auch fähig dazu war Portale zu schließen, recht gut in seinen Reihen gebrauchen konnte.
Aber was sollte er mit einem Mädel anfangen, das nicht mal in der Lage war die göttliche Waffe richtig zu spannen? Und göttliche Waffen gab es wie Sand am Meer, vielleicht nicht hier, aber da wo er her kam schon!
Je länger er über seine Situation nachdachte, desto finsterer wurde sein Blick. Was wohl auch daran lag, weil er mehr oder weniger zu der jetzigen Konstellation gezwungen wurde.
Aries wusste, dass sein Kumpel schon mit sich selbst genug zu tun hatte, so dass er äußerst empfindlich auf ungewollte Gesellschaft reagierte.
Man konnte nun nur hoffen, dass die große Explosion ausblieb und niemand bei diesem Spiel ernsthaft verletzt wurde.
„ Ich gehe mir kurz die Beine vertreten.“ sah er zu seinem Kumpel rüber. „ Ich bin gleich zurück.“
„ Mach was du nicht lassen kannst…“ kam die kühle Antwort.
„ Hach, wenn du das doch bei allem so sehen würdest.“ verließ Aries das Lager seufzend.
Sein Weg führte ihn immer tiefer in den dunklen Wald hinein. Das Mondlicht suchte man hier vergebens, was das Dickicht noch dunkler und gefährlicher erscheinen ließ. Man konnte nicht mal mehr die eigene Hand vor Augen sehen, der Herr allerdings, bahnte sich seinen Weg durchs Unterholz, als könnte ihm die Dunkelheit nichts anhaben. Ganz so, als wäre es selbst in der Nacht taghell.
Irgendwann erreichte er dann einen kleinen See, der von Bäumen nur so umzingelt wurde.
„ Das sollte reichen.“ blickte er sich noch einmal um, ehe er seine Lederkette, die er um den Hals trug, unter der schwarzen Weste heraus zog.
Der Anhänger, der nun zum Vorschein kam, besaß einen schwarzen Stein in Form eines Haifischzahns und als Halterung diente ein silberner Drache, dessen Schweif sich einmal um das Steinchen schlängelte.
Als er sich das Schmuckstück dann von Kopf gezogen hatte, aktivierte er einen Mechanismus, der sich direkt am Kopf des Drachen befand. Kurz darauf leuchteten die Augen des Reptils in einem gefährlichen Rotton auf, die Lederkette band sich wie von Geisterhand um den Anhänger und zum krönenden Abschluss bewegte sich das Teil von ganz allein durch die Lüfte.
Die Kette wurde von einem gleißenden Licht erfüllt, was sich dann in Bewegung setzte und sich Wirbelsturm artig im Kreis drehte. Unter das helle Licht mischte sich ein dunkler Schein, der die Verwirblung perfekt machte und als wenn das alles noch nicht mysteriös genug wäre, leuchtete das Ganze noch einmal auf, um dann den Blick in eine andere Dimension preis zu geben.
Aries blickte in eine riesige, beeindruckende Halle. An den Wänden standen große Steinstatuen von wunderschönen Wesen mit Flügeln, die eine Vase in den Händen hielten, aus der leise rauschendes Wasser floss.
An der Decke hingen weiße Kronleuchter, die mit Kerzen bestückt waren, die niemals erloschen oder abbrannten.
Ein roter Teppich führte von der Tür, auf die er blickte, direkt zu dem Altar, über dem sich das Portal befand und welcher sich eigentlich am Ende des Raumes befand, hin.
Dieses Zimmer war das Reich der Göttin des Lebens und besaß den einfallsreichen Namen 'Halle des Lebens'. Der Altar nannte sich ' Der Altar des Neuanfanges' und das Tor zur anderen Welt, durch das der Herr gerade schaute, befand sich in einem Spiegel, welcher sich 'Fluss des Lebens' nannte. In diesen heiligen Hallen entstand einst das neue Leben, aber seit die Verbindung von Leben und Tod unterbrochen wurde, nutzte man diesen Raum nur noch um mit Aries Kontakt aufzunehmen.
Von den üblichen Verdächtigen, die der schwarzhaarige Schönling hier erwartet hätte, war weit und breit nichts zu sehen, stattdessen hockten zwei junge Dinger vor dem Thron, der sich vor dem Altar befand und schliefen dicht aneinander gekuschelt den Schlaf der Gerechten.
„ Wie süß und unglaublich...“ lehnte er seinen Kopf schief. „ …. gefährlich...“ wobei das 'Gefährlich' eher auf das Kleid der einen Dame bezogen war, dieses war ihr beim anlehnen der Beine nämlich hochgerutscht und gab nun den Ausblick auf ihre rosa Spitzenunterwäsche preis. „ Nett...“
„ Ich frage mich wie Keith wohl reagieren würde wenn er erfährt, dass du seiner kleinen Prinzessin unter den Rock schielst.“ stand plötzlich ein schwarzhaariger unglaublich attraktiver junger Mann neben den Mädchen.
Er hatte klare strahlend blaue Augen und ein verdammt verführerisches Lächeln. Sein Körper, so muskulös und perfekt durchtrainiert, hatte bestimmt schon das ein oder andere Frauenherz zum schmelzen gebracht.
„ W-Wer sieht hier wem unter den Rock??“ wendete Aries den Blick gleich ab.
„ Schon klar.“ grinste der Typ schief auf. „ Der personifizierten Reinheit kann man nur beschwerlich widerstehen, das ist mir klar. Aber lass dich dabei nicht erwischen. Wenn du Asariah's Vertrauen verlierst, weil du dich an seiner kleinen Schwester vergehst, dann kann ich wohl mit recht behaupten, dass nicht nur er verloren sein wird.“
„ Ich vergehe mich gar nicht an ihr, also kann er mich auch nicht dabei erwischen.“ murrte er.
„ Du tust es vielleicht noch nicht, aber ich sehe dir an, dass du es gern tun würdest!“ griente er noch immer vor sich hin.
„ Unsinn...“ hustete Aries.
„ Was ist denn das für ein Lärm hier...?“ rieb sich die personifizierte Reinheit verschlafen die Augen und blinzelte dann zu dem schwarzhaarigen Kerl auf. „ Misaki? Was machst du denn in meinem Zimmer?“
„ Seit wann ist das denn hier dein Zimmer? Ich dachte immer, dass wäre Risa's Raum.“ konterte er.
„ Risa's Raum?“ blickte sie sich gähnend um. „ Aries!!“ war sie mit einem mal hellwach, als sie ihn entdeckte. „ Wie geht es Asariah??“ dadurch das sie gleich aufsprang, kippte die andere Dame, die an ihr gelehnt eingeschlafen war, zur Seite und fiel dabei unsanft auf den Boden.
„ Autsch...“ knurrte sie.
„ Asariah geht es gut, keine Sorge.“ lächelte er.
„ Und was ist mit dir? Geht es dir auch gut?“
„ Sicher.“
„ Das freut mich.“ lächelte sie ihn erleichtert an.
„ Was ist mit Chaos, schläft er noch?“ mischte sich Misaki wieder ein.
„ Ja, sein Zustand ist unverändert.“
„ Sehr gut. Je länger der schläft, desto mehr Zeit haben wir um das Gleichgewicht wieder herzustellen.“ verschränkte Misa die Arme vor der Brust.
„ Wo sind Keith und Risa eigentlich?“
„ Die haben alle Hände voll damit zu tun, deine Mutter zu beruhigen.“ erzählte er. „ Dich in Chaos nähe zu lassen, wo sie doch weiß, was er für eine unvorstellbare Macht besitzt, bereitet ihr mehr als nur Kopfzerbrechen.“
„ Ach? Und dir ist das egal?“
„ Wo denkst du hin? Wäre es mir egal, dann würde ich hier jetzt nicht stehen. Nein, ich weiß einfach, was du für ein fähiger Kämpfer und zäher Bursche bist.“
„ Spare dir dein, du kommst ganz nach mir, klar?“ seufzte Aries. „ Sag mir mal lieber ob du dir sicher bist, dass sich Keith und Risa bei Mum befinden.“
„ Wo sollten sie denn sonst sein?“
„ Na hier? Unter dem Decknamen Cheria und Lyrias?“
„ Die sind nicht bei dir, das schwöre ich!“
„ Ach? Und wie erklärst du dir dann das Phänomen, dass hier plötzlich irgendwelche göttliche Waffen auftauchen? Und das von einem Engel die Rede ist, der ein Schloss von den Dämonen befreite und zudem noch eine Zuflucht für die Bewohner dort erschuf?“
„ Göttliche Waffen?“ wiederholte Misaki die Worte erstaunt. „ Keine Ahnung wie die dort hin kamen, aber das werde ich herausfinden. Risa und Keith befinden sich wirklich hier, die können es also gar nicht gewesen sein. Die Angst davor, Asariah ganz zu verlieren, ist stark genug, um sie davon abzuhalten euch nachzureisen.“
„ Die waren es wirklich nicht? Aber wer war es dann?“
„ Wozu braucht ihr denn göttliche Waffen?“ hakte die junge Dame nach.
Aries erzählte ihr von dem Zustand der Welt und ließ dabei nicht das kleinste Detail aus.
„ Mit den Waffen kann diese Cheria also die Portale schließen, aus denen die Dämonen heraus geströmt kommen? Dann solltest du eigentlich froh darüber sein, dass diese Waffen bei euch aufgetaucht sind. Egal wie es nun dazu kam.“ meinte sie.
„ Das ist alles nicht so einfach, Serah.“ meinte Misa. „ Wenn Asariah ebenfalls davon ausgeht, dass die Waffen von Risa stammen und dadurch die gleiche Schlussfolgerung zieht wie Aries, nämlich dass es sich bei Cheria und Lyrias um Keith und Risa handelt, haben wir eigentlich schon verloren.“ murmelte er. „ Ich werde auf jeden Fall versuchen dieses Rätsel zu lösen. Halte bis dahin die Ohren steif, Aries.“
„ Das mache ich. Bis morgen.“ hob er seine Hand zum Abschied noch mal in die Höhe und kappte die Verbindung dann.
„ Wenn du so müde bist, solltest du dich hinlegen, Serah.“
„ Ja, das mache ich auch gleich.“ spielte sie nachdenklich an ihrem Armband herum.
„ Dann gute Nacht.“ verließ Misa den Raum.
„ Tja und nun?“ trat das andere Mädel an sie heran.
Serah hatte langes blondes Haar, die sie sich seitlich zu zwei Zöpfen zusammen gebunden hatte. Ihre Augen, die gerade sorgenvoll auf das Armband herab sahen, leuchteten sonst in einem wunderschönen hellen blau.
Die andere junge Frau, die auf den Namen Chiara hörte, besaß langes silbernes Haar und ihre Katzenähnlichen Augen waren Smaragd-grün.
„ Ich weiß es nicht...“ flüsterte das blonde Mädel. „ Woher sollte ich denn wissen, dass die beiden ausgerechnet auf Aries und Asariah treffen?“
„ War ja eigentlich klar, dass sie früher oder später aufeinander treffen würden. Schließlich sind unsere Jungs dort, um die Dämonen aufzuhalten und die anderen beiden sind da, um die Portale zu schließen. Es war also nur eine Frage der Zeit. Vielleicht war es auch Schicksal, dass sie so früh schon aufeinander getroffen sind.“ bei letzterem zuckte sie bloß mit der Schulter.
„ Glaubst du wirklich, dass Charis ihre Finger mit im Spiel hat? Ich hoffe nicht! Sonst erfahren Mum und Dad ja alles!“
Charis war nämlich die Göttin des Schicksals und eng mit ihren Eltern befreundet.
„ Auch das ist nur eine Frage der Zeit, bis einer der beiden bemerkt, dass du dich aus Illumina heraus schleichst. Und wenn die es nicht als erstes merken, dann meine Eltern.“
„ Wir müssen aber zurück gehen, egal was für ein Ärger auf uns lauern wird. Ansonsten verschwindet die Barriere, die ich um das Schloss erschaffen habe...“
„ Wir werden auch zurück gehen, Logo! Was denkst du denn? Warum sollen denn nur diese Hirnis den ganzen Spaß haben?“
„ Hey!“ stieß Serah ihrer Freundin den Ellenbogen in die Seite. „ Einer von denen die du als Hirnis bezeichnest, ist immer noch mein Bruder!!“
„ Ein Hirni ist er trotzdem.“ grinste Chiara breit auf. „ Wobei uns einer der beiden Hirnis, sollte er zu der Burg hinkommen, leicht anhand der Magie enttarnen könnte.“
„ Ich hoffe, dass das Schutzschild so rein ist, dass man nicht mal den kleinsten Hauch einer Aura vernehmen kann und sie wirklich glauben, dass das von einem Engel erschaffen wurde.“
„ Tja nun heißt es wohl abwarten und Tee trinken...“

Zur gleichen Zeit bahnte sich Aries seinen Weg zurück zum Lager hin, Asariah starrte noch immer kalt vor sich hin und wir anderen befanden uns unverändert im Reich der Träume.
Im meiner Illusion wanderte ich gerade durch einen dunklen Flur. Das einzige Licht, was es hier gab, ging von mir aus. Zugegeben, es war so schwach, dass ich gerade mal die Fliesen auf dem Boden sehen konnte, die sich direkt unter meinen Füßen befanden. Ich sah also praktisch nur das, was sich direkt um mich herum abspielte.
Ein kalter Hauch zischte durch die Gänge, so als wolle er mich davon abhalten, weiter voran zu schreiten und das Geheimnis zu lüften.
Ich sah aus dem Augenwinkel das verräterische blitzen von Eis, was die unangenehme Kälte hier erklärte.
Einige Zeit trottete ich vor mich hin, in dieser Finsternis, die mir nicht mal eine Gänsehaut verpassen konnte. Irgendwann entdeckte ich eine erloschene Fackel an der Wand, die in einer dunklen Verankerung steckte. Ohne zu zögern ging ich auf sie zu und lehnte meine Hand auf den ruhenden Lichtspender. Meine Finger hatten das Teil kaum berührt, da flammte das wärmende Feuer schon auf und verbreitete sich wie ein Lauffeuer im gesamten Flur.
Überall leuchteten nun die Fackeln in voller Pracht auf und vertrieben so nicht nur die Dunkelheit sondern gaben auch den Ausblick auf das gesamte Desaster preis.
Das Eis, was ich vorher nur wage aufblitzen sah, hatte diesen Teil des Gebäudes, oder wo auch immer ich mich befand, voll im Griff. Von der Decke hingen spitze Eiszapfen herunter, die einem binnen weniger Sekunden das Licht ausknipsen konnten. Die Wände waren unter einer dicken Eisschicht begraben und auch der Boden spiegelte diese eisige Atmosphäre wieder. Außerdem rasten weiße Gestalten an mir vorbei, die Angst einflößende Geräusche von sich gaben. Man könnte also mit recht behaupten, dass dieses Reich von Geistern heimgesucht wurde.
Noch ein Grund mehr, um eigentlich schnell das Weite zu suchen, aber das tat ich nicht. Die Dunkelheit konnte mich nicht vertreiben, das Eis ließ mich nicht mal erzittern und die kreischenden ruhelosen Seelen taten mir eher leid, als dass sie mir das Fürchten lehrten.
Wenigstens in meinen Träumen konnte mich nichts schocken, wenigstens hier, kannte ich keine Angst. Deshalb setzte ich mich wieder in Bewegung, ungeachtet der körperlosen Wesen, die nun in Scharen an mir vorbei huschten. Je näher ich dem Ziel kam, desto kälter wurde es und desto größer waren die Zapfen, die verheißungsvoll im Licht der Flammen vor sich hin schimmerten.
Wenig später entdeckte ich dann eine Pforte am Ende des Flures. Auf der Tür befand sich das Gemälde des Sensenmannes, so wie man sich ihn vorstellte. Er trug ein schwarzes, zerrissenes Gewand, in der Hand hielt er eine Sense und sein Gesicht verbarg er hinter einer Kapuze. Bloß seine roten Augen funkelten mir geheimnisvoll entgegen.
Die Türklinke hatte die Form von Totenschädeln und der Rahmen besaß das Aussehen von dämonischen Flügeln. Alles in allem versuchte mich der Herr dieser Burg definitiv davon abzuhalten, in diesen Raum herein zugehen. Allerdings war mir das völlig egal, deshalb stieß ich die Tore auf und betrat das Zimmer, was er vor mir verbergen wollte.
Plötzlich stand ich auf einer großen Plattform, die Tür, durch die ich gerade getreten war, verschwand und zurück blieb das alles verschlingende Nichts. Um mich herum war wieder alles schwarz, allerdings leuchteten hier unzählige Sterne vom Himmel auf mich herab.
Eine Sackgasse, zu mindestens sah es im ersten Moment so aus, aber als ich weiter vorwärts schritt, begann der Boden zu beben. Um die Plattform herum tauchten ähnlich düstere Tore auf, wie die Pforte, die mich hierher brachte. Nur besaßen diese keinen Sensenmann als Gemälde. Stattdessen erschien dort ein Schriftzug, der mit Blut geschrieben worden sein könnte und dessen Farbe an dem schwarzen Holz herunter lief.
Nun verstand ich auch, wo ich mich gerade befand. Dies hier war ein Seelenschloss. Die Herberge einer Seele, das Unterbewusstsein eines Wesens, das unzensierte innerste eines Lebewesens. Und dann erkannte ich, in wessen Unterbewusstsein ich mich hier eigentlich herum trieb.
Denn zwischen mir und den Toren, die alle in einen anderen Bereich der Seele führten, erschien plötzlich ein kleiner junge, der ein unsagbar schönes Lächeln besaß. Er war fröhlich und stets gut gelaunt, also genau wie so ein kleiner Bub sein sollte. Doch dann tauchten andere Kinder um ihn herum auf, die ihn nicht mitspielen lassen wollten, die ihn mieden, weil sie Angst vor ihm hatten oder die ihn gar davon jagten. Da legte sich der erste dunkle Schleier über sein Herz, aber der Bub, der gab nicht auf.
Denn er hatte Freunde an seiner Seite, die keine Angst vor ihm hatten und die ihm nie von der Seite wichen. Er hatte Eltern, die ihn nur so mit Liebe überschütteten und eine große Schwester, die stets um sein Wohlergehen besorgt war. Also verschwanden die Kinder wieder, der Schatten aber, blieb trotzdem.
Der Junge wuchs zu einem Jugendlichen heran, der noch immer ein verdammt charmantes Lächeln besaß und auch seine Freunde waren nach wie vor an seiner Seite. Doch genau in diesem Moment vergrößerte sich auch die Dunkelheit in seinem Herzen.
Vor ihm erschienen zwei riesige Flügelwesen, in dessen Schatten er stand, sie besaßen kein Gesicht und auch keine wirkliche Form. Es waren bloß zwei schwarze Gestalten, die einen riesigen Schatten warfen. Aber damit nicht genug, denn ihnen gegenüber erschien noch so eine schwarze Gestalt, die ebenfalls ihren Schatten auf den Bengel warf.
Im nächsten Moment erschienen noch weitere Erscheinungen um ihn herum, die allerdings genau so groß waren wie er. Sie tuschelten wild durcheinander, aber verstehen konnte man das meiste trotzdem. Denn der heranreifende junge Mann wurde von ihnen als 'Schatten seiner Familie' bezeichnet, dass er im Gegensatz zu dem Rest seines Blutes noch nichts erreicht hatte und dass er sich ja mal ein Beispiel an seiner Liebreizenden Schwester nehmen könnte. Nebenbei tauchten auch die Kinder wieder auf, die natürlich auch zu Jugendlichen heran gereift waren und ihn noch immer mit Verachtung straften.
Die meisten wären bei dieser Mauer an Feindseligkeit und Ungerechtigkeit bereits zusammen geklappt. Aber nicht dieser junge Kerl. Sein Lächeln war nicht mehr so stark wie vorher und auch seine Augen verloren mehr und mehr an Fröhlichkeit.
Das Szenario veränderte sich erneut, die Wesen verschwanden und der Typ wuchs zu einem attraktiven Mann heran, der noch nicht vergessen hatte, wie man lächelte.
Neben ihm erschien wieder der Kerl, der ihn seit seiner Kindheit schon begleitete und zwei junge Damen gesellten sich zu ihnen.
Das Mädel, so wunderschön und rein, wurde gleich von dem Schlossherren in Beschlag genommen, er lehnte seine Arme um ihre Schulter, drückte sie fester an sich und hielt zudem noch sein Schwert schützend vor ihren Körper. Eigenartigerweise sah mir das Mädel direkt in die Augen, ehe sie ihren Kopf senkte und ihre Hände vor der Brust verschränkte, so als würde sie beten wollen. Plötzlich verpuffte der Zauber, der durch seine Unreinheit den Blick auf das Wesentliche verschleierte und das Quartett vor mir nahm endlich Gestalt an.
Der Besitzer dieses Seelenschlosses, in das ich eingedrungen war, war niemand anderes als Asariah! Sein Freund war Aries, das Mädchen, was seinen Zauber aufhob entpuppte sich als Serah und die andere junge Frau, war Chiara.
Die Freunde verschwanden, als Asariah seinen Job nachging und die Seelen der Sterbenden einforderte, um sie ins Paradies zu geleitet. Diese Wesen fürchteten sich vor ihn, verfluchten und verachteten den Todesbringer. Genauso wie die Kinder, die zu jungen Männern heran wuchsen. Die ihn beneideten, weil er etwas besonderes war, was er selbst leider Gottes nicht so sehen konnte. Sie straften ihn mit einem gefährlichen Desinteresse, weil Asariah eine der wichtigsten Aufgaben verkörperte, an die die anderen nicht mal im Traum heran kommen konnten.
Neben diesen ganzen Verachtungen, tauchte der Schatten wieder auf und auch die Bewohner seiner Welt erschienen erneut, um ihm zu sagen wie nutzlos er im Gegensatz zu den anderen doch war und das er seine geliebte Schwester, die er vor alles und jedem beschütze, mit seiner Gegenwart beschmutzte! Das ihr liebliches Licht durch seine, ihn ihren Augen, durch den Tod verseuchte Dunkelheit, verunreinigt wurde. Da war der Moment gekommen, als sein Lächeln verschwand und er sich weit von jenen entfernte, die ihn wirklich liebten. Sie versuchten ihn zu erreichen, als er für sich selbst unerreichbar war.
Von dieser gebrochenen Seele angelockt erschien plötzlich eine grässliche schwarze Gestalt, die so ähnlich aussah wie die Gespenster, die vorher an mir vorbei gezischt waren. Nur war er um einiges Furcht einflößender, mit seiner entstellten Grimasse und diesem ekelhaften Leuchten in den Augen. Dieses Monstrum sauste mit einer Wahnsinns Geschwindigkeit auf ihn herab und nahm seine Seele gefangen.
Schwer zu sagen, ob es sich dabei um den Neid handelte, der sein innerstes heimsuchte oder ob er von irgendeinem Geist besessen war. Eines war auf jeden Fall sicher: als das Wesen, was auch immer er nun verkörperte, auf Asariah traf, fror er sein Unterbewusstsein ein. Denn nun hockte er in einem riesigen Eisberg.
Er entzog sich seinen Pflichten, mied seine Familie und Freunde und begann auf alles mit einem anderen Blick zusehen. Selbst sein bester Freund erschien nun in einem anderen Licht, denn im Gegensatz zu ihm, war Aries etwas besonders, der seinen Schatten ebenfalls über Asariah warf.
Schließlich verschwanden alle Anwesenden und ich blieb mit dem Eisklotz allein zurück. Doch gerade als ich zu ihm hingegangen war und meine Hand auf das kalte Gebilde legen wollte, tauchte die schwarze Fratze auf der Oberfläche auf, die mich mit einer Attacke zurückschleuderte.
Ich verlor den Boden unter den Füßen und schien in ein tiefes Loch zu fallen. Ohne Aussicht darauf, gerettet zu werden. Doch dann verlangsamte sich mein Sturz und ich schaffte es mich umzudrehen, um dann sanft auf einer neuen Barriere zu landen. Von Asariah oder seinem Seelenschloss war weit und breit nichts mehr zusehen. Überhaupt, sah man hier überhaupt nichts. Man könnte diesen Platz auch als schwarzes Nichts bezeichnen.
Allerdings sah ich dann doch etwas, als ich mich umdrehte, es ähnelte einem Tor in eine andere Welt. Dort verfolgte ich einen Kampf, der sich auf einer Straße abspielte. Ich sah Wesen mit Flügeln und auch ohne Flügel. Unter ihnen befand sich auch der ein oder andere Dämon, zu mindestens sahen sie aus wie welche. Dann lag das Hauptaugenmerk der Kamera auf einer einzigen Dame, dessen Licht bereits am erlöschen war. Dessen Wille allerdings stärker war als alles andere und die selbst in dieser Situation nicht aufgab.
Ihre Reinheit lockte ein anderes Wesen an, die die Form eines Lichtblitzes besaß und direkt in den sterbenden Körper hinein fuhr. Sie übernahm die Kontrolle über den Körper des Engels und trat an ihrer Stelle den Kampf gegen die Dunkelheit an. Sie war fest entschlossen ihren Feind auszuschalten, wenn es sein musste, dann auch unter Einsatz ihres eigenen Lebens. Damit der Spuk endlich ein Ende hatte und die Welt von diesem Mistkerl befreit wurde.
Ihr Gegner hatte pechschwarzes Haar, was ihm wild vom Kopf ab stand und leuchtend rote Augen. Auf seinem Haupt saßen rote Hörner, die sich zur Spitze hin schwarz färbten. An seinem Rücken befanden sich vier Schwingen, worauf so manch einer bestimmt neidisch werden könnte. Er trug schwarze Stiefel, die ihm bis zum Oberschenkel reichten, seine Brust war komplett frei, bloß ein paar Streifen seiner Hose zierten seinen Bauch. An seinen dämonischen Klauen befanden sich schwarze Handschuhe, die ihm in einem Zacken Muster bis über den Unterarm reichten.
Ohne Probleme parierte sie seine Angriffe und teilte dann gnadenlos aus. Das Licht zerfetzte ihm nicht nur die Flügel sondern polierte mit ihm auch noch den Boden. Doch gerade als sie ihm und sich selbst den Gnadenstoß geben wollte, tauchte ein anderer Dämon auf, der sie davon abhielt. Das einzige was das Wesen des Lichts noch vollbringen konnte, war die eingefrorene Seele zu retten, die sich im Körper des Feindes befand.
Danach endete das Spektakel und das Portal schloss sich wieder, dafür drang nun eine lieblich klingende Stimme an mein Ohr.
Sie flüsterte mir immer wieder zu, dass ich aufpassen solle. Dass ich ihm in meinem derzeitigen Zustand nicht zu nahe kommen durfte. Das es zu gefährlich war und mein Licht nicht vollends erlöschen durfte. Ich sollte mich noch ein bisschen gedulden, dann war ich in der Lage die Seele des jungen Mannes zu retten!
Als die Stimme verstummte, verschwand auch die Barriere unter meinen Füßen und ich fiel erneut in die Tiefe. Dieses mal aber, reichte der Schock aus um mich aus meinen wohlverdienten Schlaf zu reißen.
Völlig entsetzt saß ich kerzengerade in meinem geliehenen Schlafsack und blickte mich atemlos um.
Lyrias und Cheria schliefen noch immer, von Aries fehlte jegliche Spur, aber dafür starrte mich Asariah, der sich in seiner Ruhe gestört fühlte, kalt an.
Nun musste ich leider feststellen, dass ich nicht mal ansatzweise so mutig und stark war, wie mein geistiges Ich. Denn mir jagte die Erinnerung an das Gesehene einen Gänsehaut verursachenden Schrecken ein.
Auf den Eisklotz wollte ich nun nicht gerade zustürmen und die beiden anderen schliefen tief und fest, zum Glück kam genau in diesem Moment Aries wieder zurück, der sich auch gleich neben mir nieder ließ.
„ Alles ok?“ betrachtete er mich besorgt.
Aber anstatt zu antworten, klammerte ich mich bloß an ihm fest.
„ Du hattest wohl einen Alptraum, mh?“ lehnte er seine Arme um meinen Körper. „ Keine Angst, nun ist alles wieder gut.“
Nein irgendwie war nicht alles ok! Wenn ich Asariah an schielte, konnte ich seine eingefrorene Seele noch immer sehen. Ich hatte Angst! Furchtbare Angst davor, dass diese widerliche Fratze noch einmal auftauchen könnte oder das Asariah das gleiche Schicksal ereilte, wie diesem Typen aus meinem Traum. Was war denn, wenn dieser Lichtblitz seine Seele nicht rechtzeitig erreichte und er für immer verschwand?
Das war es doch, was mir der Traum sagen wollte, oder? Dass er auch von diesem hässlichen Fatzke besessen war, wie der Kerl aus meiner zweiten Illusion.
„ Du solltest versuchen noch ein bisschen zu schlafen, die Nacht ist früh genug wieder vorbei, Sasha.“ sah mich Aries lächelnd an. „ Ich bleibe an deiner Seite und sollte dich noch so ein Alptraum heimsuchen, dann werde ich ihm eigenhändig wieder vertreiben, ok?“
„ Ok...“ nickte ich.
„ Prima, dann leg dich wieder hin.“
Er blieb tatsächlich die ganze Nacht bei mir hocken. Vermutlich wäre er auch gar nicht weg gekommen, selbst wenn er gewollte hätte, da ich mich schraubstockartig an ihn fest geklammert hatte. Dafür blieben mir die bösen Geister fern.

Als ich am Morgen meine Augen öffnete, stand die Sonne schon hoch am Himmel und irgendwie, waren Aries und ich die einzigen hier.
„ Wo sind denn die anderen?“ setzte ich mich verschlafen auf und streckte mich erst einmal ausgiebig.
„ Lyrias und Cheria sind baden gegangen und Asariah.. tja... wenn ich das mal wüsste.“
„ Ist er mit ihnen baden gegangen?“
„ Bestimmt nicht.“ lachte er.
Obwohl ihm die Vorstellung daran, wie Asariah hinter einem Baum hockte und die beiden bespannte, an alte Zeiten erinnerte. Damals während der Pubertät, als das andere Geschlecht plötzlich in einem völlig anderen Licht erstrahlte. Als sich die beiden Lausbuben hinter einen Busch quetschten und den Damen beim Baden zusahen. Er konnte kaum an den Fingern abzählen, wie oft sie dabei erwischt wurden. Damals war die Welt noch in Ordnung und niemand konnte ihrer Freundschaft etwas anhaben. Nun war es allerdings so, dass sich sein bester Freund immer weiter zurückzog und nicht mal Aries noch an ihn heran kam.
„ War Asariah schon immer so?“
„ So kalt und gleichgültig?“ sah er mich an. „ Nein, war er nicht.“
„ Und was bewegt einen dazu, so zu werden? Er kann doch nicht glücklich sein, oder?“
„ Nun, Asariah ist in eine Rolle hinein geboren worden, die bei den Menschen nicht gerade beliebt ist und das zeigten sie ihm von Klein auf an. Anfangs kam er irgendwie damit klar, aber vor ein paar Jahren brach er unter der Last zusammen.“
„ Und was ist das für eine Rolle, die bei den anderen nicht so gut ankommt?“
„ Wenn du zum Beispiel... ähm... mhm...“ dachte er angestrengt darüber nach.
„ Wie bei Geistern, zum Beispiel? Die mag doch auch keiner. Oder Dämonen?“
„ Ja, genau so was.“
„ Oder dem Sensenmann? Der ist von allen bestimmt am Unbeliebtesten.“
„ Das trifft den Nagel doch auf den Punkt! Der Sensenmann, das passt!“
„ Weil die Menschen angst vor ihm haben und ihn mit dem Ende in Verbindung bringen. Weil er nur mit dem Finger schnippen muss, damit alle anderen tot umfallen!!“
„ Nein, ganz so ist es dann doch nicht.“ widersprach er mir. „ Es ist bestimmt so, dass der Sensenmann kein gern gesehener Gast ist und das sie ihm vieles in die Schuhe schieben. Aber letztendlich sammelt er bloß die Seelen der Verstorbenen ein um sie direkt ins Paradies zu bringen. Die Zeit der Sterbenden läuft auch dann ab, wenn er nicht da ist um sie aufzufangen. Natürlich könnte er uns mit nur einem Fingerschnippen erledigen, aber das liegt nicht in seiner Natur. Er ist die Verbindung zwischen der Wiedergeburt und dem Tod. Der Führer der Seelen, ihr Erlöser, sozusagen und kein Massenmörder.“
„ Das muss wirklich schrecklich sein...“ flüsterte ich. „ In einem Raum zu stehen und darauf zu warten, das ein kleines Kind seinen letzten Atemzug vollzieht. Damit man die Seele forttragen kann, der leblose Körper aber, der bleibt bei den trauernden Hinterbliebenen. Jene die zu Gott beten, dass er ihr geliebtes Kind nicht zu sich hoch holt. Das ist wirklich keine Aufgabe, die ich übernehmen wollen würde. Wenn man da niemanden hat, der einen auffängt, wenn man zu fallen droht, dann kann man das kaum aushalten ohne dabei völlig zu versteinern.“
„ Das ist wohl wahr.“
„ Ist Asariah der Sensenmann?“
„ Quatsch!“ zerwühlte er lachend meine Haare. „ Der ist ein Menschen, genau wie du oder ich.“
„ Ok...“
„ Guten Morgen, Sasha!“ kamen nun auch Cheria und Lyrias zurück ins Lager. „ Hast du gut geschlafen?“
„ Ja.“ nickte ich.
„ Das ist schön und jetzt hast du bestimmt Hunger. Oder willst du erst baden gehen? Hier in der Nähe ist ein kleiner See. Ich kann dich dorthin bringen.“
„ Aber du warst doch schon baden?“
„ Dann geh ich halt noch mal, ist doch egal.“ kicherte sie. „ Also was ist?“
„ Ich kann sie auch begleiten! Dann kann ich nebenbei schauen gehen, wo sich Asariah schon wieder rum treibt.“
„ Ok. Dann kümmere ich mich in der Zwischenzeit um das Essen.“ nickte sie. „ Aber wehe du begrapscht sie! Dann bekommst du es mit mir zu tun, klar?“
„ Keine Sorge, ich hatte nicht vor mich mit dir anzulegen.“ hob er gleich unschuldig die Hände in die Höhe.
„ Gut so. Dann kann ich mich ja jetzt um das Essen kümmern.“ doch gerade als sie sich auf die Lebensmittel stürzen wollte, hielt sie noch mal inne und drehte sich lachend zu mir um. „ Das hätte ich ja beinahe vergessen! Du kannst einen Bikini von mir haben.“
„ Wofür brauche ich denn einen Bikini?“
„ Willst du etwa nackt vor ihm baden?“ deutete sie auf Aries hin. „ Das schickt sich nicht! Also bekommst du jetzt einen netten Bikini von mir verpasst.“ zog sie mich zu ihrer Tasche hin, wo sie das Kleidungsstück ans Tageslicht beförderte und mir dann in die Hand drückte. „ Viel Spaß beim Baden.“
„ Danke und dir viel Spaß beim Kochen.“
„ Den werde ich haben.“ giggelte die junge Dame.
Kurz darauf verließ ich mit Aries das Lager und so blieben Cheria und Lyrias allein zurück.
„ Machst du das Lagerfeuer noch mal an? Für den Kaffee brauche ich heißes Wasser.“ sah sie zu ihrem Beschützer zurück.
„ Das könnte ich schon tun, ja.“
„ Aber es wird mich was kosten, ja? Wann hast du nur diese erpresserische Ader entwickelt?“ schielte sie ihn mit hochgezogener Augenbraue an.
„ Seit ich ganz offiziell über die kleine Priesterin herfallen darf.“ grinste er schief auf.
„ Offiziell nennst du das?“
„ Klar oder wie würdest du das nennen?“
„ Wenn meine Mum wüsste, was du mit ihrer armen kleinen Tochter alles anstellst, würde sie sofort zusammen brechen und mein Vater, der würde dich bis in alle Ewigkeit verfolgen, um dir eigenhändig die gerechte Strafe zukommen zu lassen. Der Orden würde dich unehrenhaft aus ihren Reihen kicken, um dich dann ebenfalls durch die Weltgeschichte zu jagen.“
„ Und was ist mit dir? Würdest du an meiner Seite bleiben, um meine Wunden zu heilen?“ trat er an sie heran.
„ Ich weiß nicht.“ tat sie so als müsste sie darüber nachdenken. „ Mein alter Sandkastenfreund hat sich in einen erpresserischen Lustmolch verwandelt.“
„ Was dich bisher aber nicht gestört hat.“ wickelte er sich eine ihrer Strähnen um den Finger.
„ Ich hätte nie gedacht, dass du so lüsternd bist.“ drehte sie sich zu ihm um.
„ Tja, was soll ich sagen?“ lehnte er seine Hand an ihre Wange. „ Du bist schuld daran.“ um ihr dann das zuzuflüstern.
„ Und weißt du was? Es tut mir so überhaupt nicht leid.“ küsste sie ihn verführerisch auf den Mund. „ Und bekomme ich jetzt das Feuer?“
„ Ja, ich schätze das kann ich einrichten.“
„ Na Gott sei dank, kalter Kaffee schmeckt nämlich nicht.“ kicherte sie.
Die ganze Zeit über schäkerten die Beiden miteinander, nun wo keiner da war und es sehen konnte.

Ich saß in der zwischen Zeit am Ufer des Sees und planschte mit meinem Füßen im Wasser. Es war schon am frühen Morgen richtig angenehm warm, deshalb konnte man sich ohne Probleme in die Fluten stürzen und danach ließ man sich am Land wieder trocknen. Hier herrschte so eine harmonische Idylle, dass man kaum glauben konnte, dass die Welt von Dämonen nur so überschwemmt wurde.
„ Und bist du fertig mit baden?“ kam Aries auf mich zu.
„ Kommen die ganzen Dämonen eigentlich aus einer Dimension?“
„ Nein, kommen sie nicht.“ setzte er sich zu mir ans Wasser.
„ Und was ist an dieser Welt so besonders, das so viele verschiedene Universen hier herein stürmen? Gibt es hier etwas, was es sonst nirgends zu finden gibt?“
„ Ich denke, sie sind hinter unserer Energie her.“
„ Unsere Energie?“ blickte ich ihn fragend an.
„ Die Dämonen brauchen die Energie von starken Lebewesen, damit sie selbst noch stärker werden können. Jeder einzelne von ihnen ist ein Machtbesessenes Monstrum, was nur ein Ziel vor Augen hat: Er will die Herrschaft seines Reiches übernehmen, so dass selbst seine Artgenossen beim Klang seines Namens vor Ehrfurcht erzittern.“
„ Ist das ein Wettstreit unter den Bewohner der Unterwelt? Stürmen sie deshalb alle gleichzeitig los?“
„ Nein, das hat einen anderen Grund.“ sah er seufzend in den Himmel. „ Cheria erwähnte gestern doch die Legende des ewigen Kampfes, nicht wahr? Erinnerst du dich daran?“
„ Ja, sie wollte es mir erzählen. Aber irgendwie haben wir es beide wieder vergessen.“
„ Genau, dann werde ich dir die Geschichte mal erzählen.“
„ Au ja!“ strahlte ich ihn begeistert an.
„ Lange bevor es uns Menschen gab, regierten drei mächtige Wesen über das weite Nichts. Sie verkörperten das Licht, die Dunkelheit, das Leben und den Tod. Jeder einzelne von ihnen verfügte über eine unvorstellbare Macht, die nichts toppen konnte. Der eine verfügte über magisches Blut, der andere herrschte über die Finsternis und das einzige weibliche Wesen unter ihnen, befehligte das Licht.“ begann er zu erzählen. „ Lastalia, so hieß der Typ mit dem magischen Blut, der auch gleichzeitig das Leben und den Tod repräsentierte, erschuf mit Hilfe seines roten Flusses die Welten und die unterschiedlichen Lebewesen. Von Engel bis hin zu den Menschen, die Tiere, die Pflanzen. Einfach alles, bis auf die Kythosianer und Ladthaaner, die wohl als Götter und Teufel besser bekannt waren. Er liebte sein Werk und tat alles dafür, damit es ihnen an nichts fehlte. Er erteilte den Engeln die Aufgabe, auf die Sterblichen aufzupassen und all ihre Wünsche zu erfüllen. Aber er bemerkte schnell, dass die himmlischen Wesen nicht stark genug waren, um wirklich etwas bewirken zu können. Im Laufe der Zeit schwand seine Macht und die Welten drohten auseinander zu brechen. Immer mehr Naturkatastrophen forderten ihre Opfer und auch wenn er wirklich unvorstellbar mächtig war, kam er mit den Reparaturarbeiten nicht hinterher. Also opferte er seine mächtigste Waffe, sein magisches Blut und erschuf den ersten Kythosianer und den ersten Ladthaaner.“ berichtete er mir und ich hörte ihm begeistert zu. „ Durch den dunklen und hellen Part, entstand ein nie zuvor dagewesenes Gleichgewicht. Die Welten brachen nicht länger auseinander, die Naturkatastrophen ließen nach und eine neue Macht kümmerte sich von da an um seine Erschaffung. Die Aufgabe, die sonst ein einzelner zu tragen hatte, wurde auf ganz viele aufgeteilt. Mit dem Aufspalten seines Blutes, spaltete er auch gleich seine Seele auf, die nun im Erdkern von Kythos und Ladthaa schlummert. Und nun kommen wir zu der eigentlichen Geschichte, nämlich den ewig andauernden Kampf zwischen Gut und Böse.“ sah er mich wieder an. „ Chaos, das körperlose Wesen was die Finsternis verkörpert, war neidisch auf die Erschaffung seines Artgenossen. Der Neid hat ihn quasi aufgefressen und so begann er, unzählige Welten voller Dämonen zu erschaffen, die das Werk von Lastalia dem Erdboden gleich machen sollten. Aber jeder einzelne von ihnen versagte und seine Wut stieg immer weiter an. Irgendwann war der Hass so dermaßen groß, dass er an nichts anderes mehr denken konnte, als alles zu vernichten! Und genau da schaltete sich das Licht ein. Sie war das einzige Wesen was stark genug war, um ihn aufzuhalten. Die bloße Existenz der beiden Überwesen reichte vollkommen aus, um die Dämonen in Schach zu halten. Sie fürchteten sich vor Chaos, weil er seine eigene Schöpfung absorbierte, um noch stärker zu werden und ebenso gefürchtet war das Licht, weil sie allein mit ihrem hellen Schein dafür sorgte, dass die Ungeheuer zu Staub zerfielen. Jahrhunderte über Jahrhunderte jagte die Dame die Dunkelheit, einzig mit dem Ziel vor Augen, seine Schreckensherrschaft ein für alle Male zu beenden. Vor einem halben Jahrhundert fand sie ihn dann endlich. Chaos hatte von einem Gott Besitz ergriffen und mit seiner Hilfe war er kurz davor, sein Ziel zu erreichen. Er störte das Gleichgewicht, indem er Ladthaa versenkte und so den Untergang von Lastalia's Schöpfung heraufbeschwor. Allerdings gab es eine junge Göttin, die allein mit ihrem Willen Berge versetzen konnte. Sie sammelte eine Armee um sich herum, gegen die Chaos nicht ankam.“
„ Eine Göttin mit einer Aura, so rein wie die Seele eines Babys!“ starrte ich ihn schockiert an.
Mein ganzer Körper pochte wie wild, während die Bilder meines Traumes wieder in mir auf flammten.
„ Chaos hatte seine wahre Macht erreicht und war kurz davor, Lastalia's Seele zu zerstören.“ riss ich meine Augen immer weiter auf. „ Der eine Teil flehte bereits seinem baldigen Ende entgegen und der andere fühlte wie seine Zeit ablief. Er wollte seine Schöpfung retten, aber das ging nicht, weil er sein altes Dasein aufgab um seine Erschaffung zu retten!“ ich wusste nicht genau worüber ich da redete, aber ich wusste ganz genau, dass es der Wahrheit entsprach. „ Er rief nach mir!!“ sprang ich mit einem Satz auf. „ Deshalb konnte ich Chaos finden!!! Weil Lastalia mich um Hilfe rief!! Argh!!“ plötzlich bekam ich unfassbar starke Kopfschmerzen, die mich schon wieder in die Knie zwangen. „ Ich wollte ihn vernichten!! Ah!“ ich hatte das Gefühl, als würde mir jeden Moment der Kopf platzen. „ A-Aber... man hielt mich davon ab!! Deshalb konnte der Schweinehund entkommen!! ARGH!!“ die Schmerzen wurden immer stärker, je tiefer ich in meine Erinnerungen hinein stocherte und dann waren sie so unfassbar stark, dass ich mein Bewusstsein verlor.
„ Sasha?!“ griff Aries gleich erschrocken nach mir. „ Hey! Sasha? Öffne deine Augen!“ rüttelte er an mir rum, aber nichts geschah. „ Ich finde das nicht lustig! Wach sofort wieder auf!“ den Gefallen tat ich ihm leider nicht. „ Mist, ich kann dich doch so nicht zurück ins Lager bringen.“ also zog er sich kurzer Hand die Weste aus und lehnte sie mir um die Schulter, ehe er mich dann wieder an sich drückte. „ Das Licht ist also gar nicht erloschen, es hat sich bloß, genau wie Chaos, versteckt.“
Etwa eine halbe Stunde später öffnete ich meine Augen wieder.
„ Was...?“ blickte ich meine Lehne erstaunt an.
„ Na Gott sei dank, du bist wieder wach. Wie geht es dir? Hast du noch starke Kopfschmerzen?“
„ Kopfschmerzen? Hatte ich Kopfschmerzen?“
„ Ja?“ zog er verblüfft eine Augenbraue hoch. „ Sie waren so stark, dass du sogar dein Bewusstsein verloren hast.“
„ Daran kann ich mich gar nicht erinnern.“ blinzelte ich verwirrt vor mir hin.
„ Dann erinnerst du dich auch nicht mehr an die Geschichte, die ich dir erzählte?“
„ Ähm, doch! Natürlich erinnere ich mich daran, warum sollte ich mich auch nicht daran erinnern? Du hast mir gerade davon berichtet, wie dieser Chaos von einem Wesen was du das Licht nennst, vertrieben wurde.“
„ Äh... ja genau.“ kratzte er sich am Kopf.
„ Aber warum bin ich währenddessen eingeschlafen?“
„ Vielleicht hab ich dich gelangweilt?“
„ Nein, nicht im geringsten.“ schüttelte ich meinen Kopf. „ Erzählst du mir jetzt den Rest der Geschichte? Ich weiß nämlich immer noch nicht, warum die ganzen Dämonen plötzlich aus ihrer Welt hinaus strömen.“
„ Nun gut.“ nickte er. „ Chaos und das Licht trafen nochmal aufeinander und dort verletzte er sie so schwer, dass das Licht erloschen sein soll. Er selbst wurde auch schwer verletzt und tauchte dann unter, um seine Energie regenerieren zu können.“
„ Ah ich verstehe. Dadurch das die beiden Überwesen, die die Dämonen schon mit ihrer bloßen Anwesenheit in Schach hielten, verschwunden sind, traut sich die dunkle Brut aus ihren Löchern heraus.“
„ So sieht es aus.“ stimmte er mir zu.
„ Jetzt ergibt das alles einen Sinn.“
„ Wenn du fertig bist mit Baden, sollten wir zu den anderen zurück gehen. Die warten mit dem Frühstück bestimmt schon auf uns.“
„ Ist gut.“
„ Ich warte dahinten auf dich, dann kannst du dich in Ruhe umziehen.“ deutete er auf einen Baum hin.
„ Ok.“
Das tat der Herr dann auch. Während der also hinter dem Gewächs auf mich wartete, hing er seinen Gedanken nach.
>Sie ist also das Licht. Gut zu wissen, dass sie nicht getötet wurde. Aber was ist das für ein Körper, in dem sie steckt? Und wo befindet sich die eigentliche Seele? Oder ist sie etwa in einen leblosen Körper gefahren? Erinnert sie sich deshalb an nichts? Weil sie bloß einen klitzekleinen Teil ihres Bewusstseins benutzt, um den Körper am Leben zu halten? Das erklärt auch, warum sie so rein gar nichts über ihren Wirt weiß. Logisch, schließlich ist sie eigentlich ein körperloses Wesen. Sie brauch nichts zu essen oder zu trinken um am Leben zu bleiben. Sie versteckt sich, um sich ebenfalls regenerieren zu können. Deshalb kann ich ihre Aura nicht sehen, genauso wenig wie ich Chaos Aura sehen kann. Sie schlafen beide tief im Unterbewusstsein ihres Wirtes. Ich hoffe nur, dass Chaos nicht als erstes erwacht. Wenn das geschieht, dann sollte Sasha nicht in unserer Nähe sein. Der Schweinehund kann sie bestimmt auch dann sehen, wenn sie schläft. Was nun? Wir brauchen sie, um Chaos besiegen zu können, aber dürfen wir sie deswegen wirklich in so große Gefahr bringen? Ich bin am Ende mit meinem Latein...< seufzte er in Gedanken auf. >Was können wir tun, um ihr dabei zu helfen ihre Energie wieder aufzufüllen? Können wir ihr überhaupt dabei helfen? Oder muss sie das selbst hinbekommen?<
„ Ich bin fertig.“ riss ich ihn aus seinen Gedanken heraus. „ Wir können zurückgehen.“
„ Sehr schön... ich bin bereits am verhungern.“ lächelte er mich an.
„ Dann sollten wir uns lieber beeilen. Ich glaube nämlich nicht, dass ich dich ins Lager tragen könnte, solltest du zusammen brechen.“
„ Das glaube ich auch nicht!“ schmunzelte er.
„ Hast du Asariah eigentlich finden können?“ wollte ich von ihm wissen, als wir uns auf dem Rückweg befanden.
„ Ja, er hat sich um ein paar Dämonen gekümmert.“
„ Ist etwa ein neues Portal aufgetaucht?“
„ Nein, keine Angst. Die sind bloß von unserer letzten Party übrig geblieben.“
„ Party? Die Vernichtung eines ganzen Dorfes bezeichnest du als 'Party'?“
„ Tut mir leid, das war unsensible von mir. Natürlich war das keine Party. Schließlich soll man auf einer Feier Spaß haben, nicht wahr?“
„ Bist du in Ordnung? Du scheinst mir etwas verstreut zu sein.“
„ Ich bin nur etwas müde, mehr nicht.“ zerwühlte er mir das Haar. „ Mach dir keine Sorgen um mich, das ist unnötig.“
„ Wie du meinst.“
Cheria wartete tatsächlich schon mit einem üppigen Frühstück auf uns und auch Asariah hatte den Weg zurück ins Lager gefunden. Wir verloren keine wertvolle Zeit mehr und stürzten uns gleich auf das Essbare. Nur Asariah, der aß wieder nichts und mied weiterhin unsere Nähe.
Er war dabei sein eigenes Grab zu schaufeln und niemand konnte ihn davon abhalten. Selbst wenn er damit nicht beabsichtigte, sein Leben auf eine Qualvolle weise zu beenden, so hatte er seine Seele und damit sein Herz längst begraben.
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Re: Diehieee Geschichte

Beitrag von Alexia am Di 11 Apr - 18:08

Kapitel 3. Sieben auf einen Streich


„ Die Klamotten sind verstaut, das Feuer gelöscht.“ blickte sich Cheria noch einmal um. „ Ich schätze das war es, wir können weiter.“
„ Wir sollten uns beeilen, bevor die Dämonen auch den letzten Lichtblick zerstört haben.“ meinte Lyrias. „ Ich hoffe wirklich, dass Edana's Barriere unter der Last der Dunkelheit noch nicht zerbrochen ist. Andernfalls gibt es in dieser Gegend keine Stadt mehr, in der wir unsere Vorräte auffüllen können.“
„ Der Engel wird ihnen schon das Fürchten lehren, keine Sorge.“ davon war die Seelensammlerin überzeugt. „ Sie wird einen nach dem anderen den Allerwertesten aufreißen und ihn dann, in seine Einzelteile zerlegt, zurück an den Absender schicken!“
„ Selbst einem Engel geht mal die Puste aus...“ gab Aries zu bedenken. >Wenn es sich bei dem Engel nicht um Risa handelt, dann können wir wirklich nur beten, dass der Schutz noch aktiv ist.<
„ Seht doch nicht immer alles so negativ!“ meckerte sie, während wir durch den Wald marschierten. „ Es gibt auf der Welt nicht nur schwarz oder weiß, nicht nur gut oder böse! Ich bin mir sicher, dass die Menschen mit ihrer Hilfe über sich hinaus wachsen können. Dass sie der Dämonenschar die Stirn bieten, damit Edana nicht dasselbe Schicksal ereilt wie den Dörfern drum herum. Wir sind vielleicht nicht so mächtig wie die bezaubernden Engel, aber dafür sind wir auch nicht so Hilflos wie ein Baby. Wir müssen nur unsere Angst überwinden, dann können wir alles schaffen.“
„ Blödsinn.“ zerschlug Asariah die Seifenblase. „ Ihr seid bloß ein Haufen jämmerlicher Halbstarker, die nicht mal im Rudel einen einzigen Dämonen töten könnten. Sich die Dinge schön zu Reden, macht die Sache auch nicht besser.“
„ Der einzige der hier jämmerlich ist bist jawohl du!“ konterte Cheria knurrend. „ Was willst du überhaupt hier, wenn wir doch so unnütz sind? Wieso sollten wir es dann wert sein, gerettet zu werden?“
„ Ich bin nicht hier um euch zu retten.“ erzählte er. „ Ich bin hier um die Ausgeburten der Hölle zu vernichten.“
„ Ist das nicht dasselbe?“
„ Gewiss nicht!“
„ Lügner!“ stellte sie sich ihm in den Weg und stemmte grimmig die Hände in die Hüfte. „ Wenn du uns nicht retten wollen würdest, dann würdest du nicht mit uns gemeinsam reisen! Wenn dir alles egal wäre, wie du uns weiß machen willst, dann wärst du nicht HIER um die Viecher zu vernichten, sondern in ihrer eigenen Welt! Ich weiß nicht was dich geritten hat, aber eines ist sicher!“ zeigte sie mit dem Finger auf den Herren. „ Ich werde persönlich dafür sorgen, dass du dein Schneckenhaus verlässt und wenn ich dich eigenhändig da raus schleifen muss!“
„ Mach dich nicht lächerlich.“ ging er an ihr vorbei. „ Als wenn jemand wie du, jemanden wie mich erreichen könnte.“
„ Und wie ich dich erreichen werde! Selbst wenn es das letzte ist, was ich tu!“
„ DAS wäre das letzte was du tust!“
„ Pf!“ starrte sie ihm mit verschränkten Armen hinterher. „ Das werden wir ja sehen!“
„ Stammt ihr denn nicht von hier? Oder was meinte Cheria damit?“ wollte ich dann von Aries wissen.
„ Nun, wir kommen aus einem Dorf, was noch nicht von den Dämonen angegriffen wurde.“ erzählte er mir. „ Deshalb fragte sie ihn, was er in dieser Gegend zu suchen hat.“
Allerdings fragte er sich ebenfalls, wie viel die Heilerin über Asariah wusste.
„ Ach so.“
Es dauerte einige Zeit, bis wir den Wald endlich wieder verließen und uns auf einem riesigen Feld wiederfanden. Wohin das Auge auch reichte, sah man nichts anderes als blühende Blumen und saftige Wiesen.
„ Wow! Wie schön!“ sah ich mich begeistert um. „ Das versteht man also unter einem Meer aus Blumen!“
„ Wenn wir etwas mehr Zeit haben, dann zeige ich dir wie man Blumenkränze bastelt, ok?“ lächelte mich Cheria an.
„ Au ja!“ strahlte ich. „ Das macht bestimmt Spaß!“
„ Das will ich wohl meinen.“ kicherte sie. „ Du bist sooo süßßßß!“ drückte sie mich an sich.
„ J-Ja! Du bist auch s-süß!“ zerquetschte sie mich beinahe.
„ Hey! Du drückst ihr noch die Luft ab!“ zerwühlte Aries der Dame das Haar, während er an uns vorbei schlenderte.
„ Du bist ja bloß neidisch!“ streckte sie ihm die Zunge raus.
„ Tja, wer weiß.“ tat er einen auf Geheimnisvoll. „ Los kommt jetzt, sonst bleibt ihr hier.“
„ Nein! Wartet gefälligst auf uns!“ griff die Priesterin nach meiner Hand und zog mich lachend hinter sich her.
Bisher kannte ich nichts anderes, als das Dorf was am Waldrand stand. Umso beeindruckender empfand ich diese Landschaft. Weit draußen konnte man die Umrisse spielender Tierchen erkennen, die Vögel flogen zwitschernd über unsere Köpfe hinweg und der Duft der unterschiedlichen Blumen stieg mir in die Nase. Ich hoffte aus tiefsten Herzen, dass wir diese Atmosphäre schützen konnten.
Die Sonne zeigte sich auch heute wieder von ihrer besten Seite und ein warmer unheimlich sanfter Wind streichelte meine Haut. Ich fühlte mich pudelwohl, da schienen die unzähligen Probleme in weite ferne zu rücken.
Erst als ich meinen Blick über das Land schweifen ließ und schließlich an Asariah's muskulösen Rücken hängen blieb, zerplatzte der alles-ist-prima-Traum.
Das Eis, was sich um seine Seele gelegt hatte, schien immer dunkler zu werden. Er verschleierte die Sicht auf sein Unterbewusstsein, aber was hatte das zu bedeuten? War er nicht mehr zu erreichen, wenn man ihn nicht mehr sehen konnte? Es macht mir Angst, wahnsinnige Angst. Ich wusste nicht warum, aber ich hatte es im Gefühl, dass dann etwas schreckliches geschehen würde.
In meinem Kopf wirbelten die Gedanken nur so durcheinander und mein Verstand befahl mir eindringlichst schnell das Weite zu suchen. Damit er mich nicht finden konnte, damit ich mich weiterhin in Sicherheit befand. Auf der anderen Seite fühlte ich, dass ich ihm vertrauen konnte. Ich konnte das alles selbst nicht verstehen. Warum glaubte ich einerseits, schnell wegrennen zu müssen, wenn ich mich doch andererseits irgendwie zu ihm hingezogen fühlte?
„ Dahinten fährt ein Karren!!“ riss mich Cheria aus meinen Gedanken heraus. „ Los kommt!! Wir sollten diese Gelegenheit beim Schopfe packen und uns von ihm ein Stück mitnehmen lassen!“
„ So kommen wir auf jeden Fall schneller voran!“ nickte Lyrias. „ Los Beeilung! Sonst können wir ihn nicht mehr einholen!“ rief er uns zu und rannte dann dem Wagen hinterher.
Wir alle nahmen unsere Beine in die Hand und eilten dem Gefährt zu schnell wir konnten nach.
„ Das erspart uns eine menge Lauferei!“ grölte Cheria.
„ Allerdings! Das Teil muss uns der Himmel geschickt haben.“ lächelte Aries leicht.
„ Wenn du damit die Ortsansässigen Priester meinst, dann hast du recht!“ giggelte unsere Heilerin. „ Sie ziehen durch die Gegend, um Flüchtlinge aufzusammeln und sie vor den Dämonen zu beschützen. Es könnte also gut sein, dass du dort ein paar Leute aus deinem Dorf wieder siehst, Sasha!“ sah sie zu mir zurück. „ Sasha??“ doch ich war gar nicht hinter ihnen. „ SASHA!!!“

Ich spürte eine riesige dunkle Wolke und mitten drin befand sich ein kleines einsames Lichtlein. Umzingelt von der Dunkelheit zitterte das arme Ding wie Espenlaub, es schrie um Hilfe, flehte einen schnellen Tod herbei und sehnte sich nach der Erlösung. Seine Hilferufe schienen nur bei mir anzukommen, da nicht mal Asariah irgendwelche Anstalten machte, die Dunkelheit vertreiben zu wollen. Ich aber, konnte die ängstlichen Schreie nicht ignorieren. Ich wollte, nein ich MUSSTE dieses Licht beschützen!
Bisher hatte ich mich aus den Kämpfen herausgehalten und versteinerte schon beim bloßen Anblick eines Monsters. Ihre furchteinflößenden Schreie paralysierten mich, weshalb ich recht froh darüber war, dass ich selbst nicht kämpfen musste.
Ich konnte nicht genau beschreiben was sich in mir veränderte, mir war ja nicht mal klar, wie ich diese Schar an Unterweltlern bekämpfen sollte. Wo ich doch nicht mal über magische Kräfte oder gar einer Waffe verfügte. Zudem kam, dass die Bedrohung so weit weg sein musste, dass ich sie zu Fuß kaum erreichen konnte. Obwohl es höchst unwahrscheinlich war, dass ich rechtzeitig bei diesem hellen Schein ankam und noch unwahrscheinlicher war die Annahme, irgendwas gegen die Brut ausrichten zu können.
Trotzdem wendete ich von meinen neuen Freunden ab, um der armen Seele beinahe wie selbstverständlich zur Hilfe zu eilen.
Man erzählte sich ja, dass der Mensch in einer Stresssituation über sich hinaus wachsen konnte, dass sie genau dann außergewöhnliche Fähigkeiten entwickelten. Aber was mich in diesem Moment wie ein Blitz durchzuckte, würde alle Theorien und Fakten bei weitem übertreffen. Denn als sich Cheria zu mir umdrehte, nur wenige Sekunden nachdem wir los gestürmt waren, war ich wie vom Erdboden verschluckt.
Dieser erste Kampf war für mich wie eine Illusion, so wie meine Träume, die mich in der Nacht heimsuchen. Ich war nicht Ich selbst...
Die Dunkelheit die ich spürte entpuppte sich, wie schon erwartet, als eine Horde blutrünstiger Dämonen und das zitternde Licht war ein kleines völlig verängstigtes Mädchen. Sie kauerte weinend auf dem Boden und verbarg ihr Gesicht mit den Armen. Sie wollte das Grauen nicht kommen sehen, was ich voll und ganz nachvollziehen konnte. Aber so wie mich Aries rettete, rettete ich nun ihr Leben.
Schon bevor ich bei dem Kind ankam, hatte sich mein Äußeres verändert. Meine blonden Haare schimmerten in einem mysteriösen Silber, meine eigentlichen blauen Augen waren nun grün und was das außergewöhnlichste war: Auf meinem Rücken befanden sich plötzlich goldene Flügel! An meinen Händen befanden sich komische Vorrichtungen, die irgendwie an eine Art 'Handband' erinnerten. Also wie ein Armband, nur für die Hand. Und es bestand auch nicht aus Leder oder ähnlichem, sondern aus einem kristallartigen Material.
Irgendwas eigenartiges ging hier vor sich und ich konnte nicht mal mir selbst erklären, was los war. Alle meine Handlungen geschahen von selbst, ja selbst mein Körper bewegte sich von allein. Ich griff die Dämonen mit einer Attacke an, die aus purem Licht bestand, so erhaschte ich ihre Aufmerksamkeit und das Mädel geriet aus der Schussbahn.
Als mich die Viecher dann mit ihren gierigen, ekelhaft sabbernden Fratzen betrachteten, schienen sie ihm ersten Moment vor Entsetzen wie versteinert zu sein. Ganz so, als hätten sie erkannt, wer ich wirklich war. Aber dadurch das meine eigentliche Aura noch schlief, ich also ihrer Meinung nach keine Gefahr darstellte, griffen sie mich kreischend an.
Wenn da Angst war, kam sie in diesem Moment nicht bei mir an. Ich verspürte nur einen einzigen Wunsch: Ich musste Elysia von diesem Abschaum befreien.
Die Vorrichtungen an meinen Händen erwiesen sich als Ultra scharfe Waffen, dessen Klingen allein durch den Gedanken daran aus ihrem Gehäuse geschossen kamen. Sie erinnerten etwas an übergroße Ninja- oder Morgensterne.
Die Bewohner der Unterwelt waren mir in ihrer Anzahl weit überlegen, dennoch erledigte ich jeden einzelnen von ihnen. Meine Hiebe waren präzise und trafen immer genau in schwarze, so als wenn ich nie etwas anderes gemacht hätte, als zu kämpfen.
Meine Magie zerfetzte meine Feinde schon allein mit dem strahlendem Licht, was meine Zauber abgaben.
Als dann auch der letzte von ihnen fiel, landete ich sicher auf dem Boden und ließ meine Flügel verschwinden. Dann erst ging ich zu dem völlig verängstigten Menschenkind hin.
„ Bist du in Ordnung?“ hockte ich mich vor ihr hin.
„ Bitte friss mich nicht!!!“ kreischte sie verängstigt auf, als ich meine Hand auf ihren Kopf lehnte, meine Klingen hatte ich zwischenzeitlich natürlich auch wieder eingefahren. „ Bitte!! Ich will nicht sterben!“
„ Keine Sorge, ich habe nicht vor dich zu fressen. Du bist jetzt in Sicherheit.“
„ W-Wirklich...?“ blinzelte sie mich vorsichtig an.
„ Wirklich.“ lächelte ich. „ Bist du ganz allein unterwegs? Wo sind deine Eltern?“
„ I-Ich habe vor den Stadttoren gespielt und plötzlich tauchte ein Dämon auf und dann... wurde ich ohnmächtig... als ich meine Augen wieder öffnete, war ich hier.“
„ Ich verstehe.“ stand ich wieder auf und sah mich um. >Mir bleibt nicht mehr viel Zeit. Ich muss sie nachhause bringen, ehe ich die Kontrolle verliere.<
In der Ferne erkannte ich ein Tor in eine dunkle Welt und auch ein Dorf befand sich dort in der Nähe. Die Monster schienen es bisher verschont zu haben, zu mindestens konnte ich dort viele menschliche Lichter sehen.
„ Ich bringe dich jetzt nach Hause, Kleines.“ beugte ich mich wieder zu ihr runter und nahm das Mädchen auf den Arm. „ Halt dich fest, nicht dass du unterwegs verloren gehst.“
„ Wieso sollte ich denn verlor-EEEEENNNNNNNNNNNN!“ grölte sie erschrocken auf, als ich meine Flügel erscheinen ließ und mit einer Wahnsinns Geschwindigkeit über den Boden raste.
Wenig später hielt ich vor dem Dorf an und blickte auf mein Anhängsel runter, was eine ungesunde blasse Farbe im Gesicht besaß.
„ Wohnst du hier?“
„ Urks ist mir schlecht...“ drehte sich in ihrem Kopf alles.
„ Alica!!!“ kamen gleich einige Bürger angerannt. „ Dem Himmel sei dank, du lebst!!“
„ Mama!! Mama!!“ klammerte sie sich weinend an der Dame fest. „ Die Dämonen wollten mich fressen!! Ich hatte solche Angst!!“
„ Ein Engel mit goldenen Flügel.. kann das sein...?“ sahen mich die Bewohner ehrfürchtig an. „ Ist sie gekommen, um uns zu retten?“ murmelte einer. „ Ich dachte sie sei fort. Wie ist das möglich...?“ gab ein anderer von sich.
„ Es tut mir leid, ich habe keine Zeit für lange Gespräche.“ ging ich an ihnen vorbei. „ Ihr müsst die Wachen verstärken, jeder der kämpfen kann sollte sich mit einer Waffe rüsten. Ich werde das Tor schließen, aber dadurch seid ihr noch lange nicht sicher. Wappnet euch, andernfalls seid ihr verloren!“ sah ich sie noch einmal an, ehe ich mich in die Lüfte erhob und vor dem dunklen Portal stehen blieb. „ Sanctus Exodus!“ diese Worte stammten aus der Sprache, die nur wir drei Überwesen verstehen konnten. Sie bedeuteten so viel wie 'Heilige Erneuerung'.
Ich reinigte so gesehen das schwarze Tor und sorgte so dafür, dass es sich schloss. Dafür musste ich nichts weiter tun, als meine Hand auszustrecken und einen Lichtstrahl auf die Pforte loszuschicken.
Die Menschen hier waren erst einmal gerettet, aber für wie lange, dass wussten nur die Sterne. Nach der Schließung verschwand ich genauso schnell wieder, wie ich erschienen war. Allerdings kehrte ich nicht zu meinen besorgten Freunden zurück, sondern blieb auf dem Fleck stehen, an dem ich kurz zuvor das Mädchen rettete.
Ich hoffte, dass mich Aries suchen würde und das er allein kam. Ich hatte ihm etwas zu sagen, was Asariah und auch die anderen auf keinen Fall mitbekommen durften. Letztendlich ging es hier nicht nur um mein Leben, sondern um die Sicherheit sämtlicher Universen!
>Beeil dich!< lehnte ich meine Hand über die Brust.
Tatsächlich machte sich mein Retter allein auf den Weg, um mich zu suchen. Cheria und Asariah saßen bereits auf dem Karren, schließlich lag es an ihnen, die Portale zu schließen. Lyrias war auch bei ihnen, niemals im Leben würde er auf die Idee kommen, seine Heilerin allein weiter reisen zu lassen.
Als ich dann eine dunkle Aura vernahm, die rasend schnell auf mich zu geschossen kam, erkannte ich Aries nicht auf Anhieb. Logisch, er hatte sich mir in seiner wahren Gestalt ja auch noch nicht präsentiert. Gerade wusste ich nur, dass dieses dunkle Wesen dem Pack was dieses Reich überfiel bei weitem überlegen war. Die Dunkelheit protzte nur so vor Energie und bezeugte eine Kraft, die nicht von dieser Welt stammte.
Als er dann in meine Reichweite preschte, stoppte ich seinen Lauf in dem ich eine Wand aus reiner Energie erschuf, durch die er durch fegte.
Meine Magie brannte sich gleich schmerzhaft in seine Haut ein und sorgte dafür, dass er aus dem Himmel geholt wurde. Unsanft schlug er auf dem Boden auf und schlitterte noch einige Meter durch den Staub, ehe er zum stehen kam.
Dieser Typ sah im Gegensatz zu den anderen richtig Majestätisch aus. Seine Haut glänzte in der Sonne geheimnisvoll und glich einer schwarzen Rüstung. Er besaß keine Hörner und auf ein Teufelsschweif fehlte ihm, trotzdem war dieser Kerl ganz eindeutig ein Teufel!
Nein, er war ein Ladthaaner!
„ Autsch...“ murrte er.
„ Aries?“ blickte ich ihn unsicher an. „ Das bist du doch, oder? Deine Aura gleicht dem Ladthaaner, der mir damals das Leben rettete und jenem, der diese Göttin auf Schritt und Tritt begleitete. Bist du auch.... ein Seelendieb?“
„ Und wer bist du?“ sah er endlich zu mir auf, um dann die Augen vor Erstaunen weit aufzureißen. „ Sasha?“
„ Du bist es.“ atmete ich erleichtert aus. „ Tut mir leid, dass ich dich durch mein Licht fliegen ließ.“ ging ich zu ihm hin. „ Ich musste mich schützen.“
„ Schon ok...“ blickte er mich immer noch erstaunt, mit einem Hauch Faszination an. „ Die Legenden um deine Schönheit werden dir bei weitem nicht gerecht. Fuck! Deine Aura ist anziehender noch, als die von Risa!“ knurrte er.
„ Danke.“ lächelte ich leicht.
„ Jaja, schon gut.“ erhob er sich schnell und nahm seine menschliche Gestalt an. „ Du erinnerst dich wieder an alles, ja?“
„ Nein. Mein derzeitiger Zustand ist instabil. Ich kann jeder Zeit wieder in den tiefen Schlaf fallen. Aber ehe das geschieht, muss ich dir etwas sagen.“
„ Was ist es?“
„ Du weißt das Chaos in Asariah schlummert? Er ist dabei die Seele deines Freundes zu verschlingen und ich kann rein gar nichts dagegen tun.“ senkte ich meine Augen. „ Chaos belegte mich bei unserem letzten Kampf mit einem Fluch, der verhindert, dass sich meine Energie wieder aufladen kann. Sollte dieser Hund erwachen und das bevor mein Fluch gebrochen wurde, dann wird er mit mir und mit dem ganzen Universum kurzen Prozess machen!“ starrte ich ihn ernst an. „ Du musst jemanden finden, der den Zauber brechen kann. Nur dann bin ich in der Lage wirklich zu erwachen, nur dann kann ich deinen Freund retten und Chaos ein für alle Male vernichten.“
„ Deshalb also, erinnerst du dich an nichts. Du hältst den Körper den du besetzt hältst mit einem minimalen Teil deiner Seele am Leben. Aber warum kannst du jetzt zu mir sprechen?“
„ Weil ich durch deine Geschichte den Fluch kurz außer Gefecht setzen konnte. Cheria's Heilkräfte sind nicht stark genug, sie wird nicht gegen Chaos Kräfte ankommen. Du musst jemanden finden, dessen Mächte noch stärker sind. Ich flehe dich an, Aries! Lass nicht zu, dass er mich erwischt!“
„ Mach dir keine Sorgen, Sasha.“ lächelte er mich an. „ Ich werde dich und auch Asariah mit meinem Leben beschützen.“
„ Danke!“ ging ich lächelnd zu ihm hin und gab ihm einen sanften Kuss auf seine Wange.
Doch schon im nächsten Moment verlor ich mein Bewusstsein.
„ Jemanden mit stärkeren Heilkräften...?“ fing er mich auf und drückte mich dabei fester an sich. „ Können wir hier überhaupt so jemanden finden? Oder sollte ich dich nach Illumina bringen? Nun...“ blickte er auf mich herab. „ Erst einmal sollten wir wohl zusehen, dass wir die anderen einholen. Und zwar bevor du wach wirst und mein wahres Ich erblickst.“ die Worte waren kaum ausgesprochen, da nahm er wieder seine teuflische Gestalt an und flog, mit mir auf dem Arm, zurück.

Inzwischen war der Rest unserer Gruppe wieder von dem Karren herunter gehüpft.
„ Weiter können wir nicht mitfahren.“ erklärte Lyrias. „ Wir würden uns nur weiter von unserem Ziel entfernen.“
„ Ob es Sasha wohl gut geht?“ starrte Cheria besorgt in die Richtung, aus der sie gekommen waren. „ Wo ist sie nur geblieben? Ein Mensch kann doch nicht einfach so verschwinden.“
„ Aries hat sie bestimmt schon gefunden. Mach dir keine Sorgen.“ lächelte der Herr die Heilerin sanft an.
„ Ja, du hast bestimmt recht.“ nickte sie. „ Ich frage mich trotzdem, wie sie praktisch vor unseren Augen einfach verschwinden konnte.“
„ Das kannst du sie ja später fragen. Jetzt sollten wir erst einmal zusehen, dass wir die Portale geschlossen bekommen.“
„ Oh richtig. Das hatte ich schon ganz vergessen.“ kratzte sich die Priesterin verlegen am Kopf.
„ Seit wachsam, ich spüre die Aura der Dämonen. Sie befinden sich ganz in der Nähe.“ bemerkte Asariah.
„ Du wirst mich doch vor denen beschützen, nicht wahr? Mein Held!!“ heftete sie sich strahlend an seinen Arm.
Wortlos riss er seinen Arm aus der Umklammerung und stieß sie dann auch noch von sich.
„ Mach dich nicht lächerlich!“ blickte er mit seinen kalten Augen auf sie herab. „ Wenn du jemanden brauchst, der dich beschützt, dann solltest du dir die Idee, gegen die Dämonen kämpfen zu wollen, schleunigst aus dem Kopf schlagen! Entscheide dich endlich, willst du wirklich was gegen die Bedrohung ausrichten, oder willst du mir bloß im Weg rum stehen?“
„ Warum bist du nicht so nett wie Aries??“ maulte sie ihn verstimmt an. „ Außerdem brauchst du mich!! Oder wer soll sonst die Portale schließen?“
„ DU kannst die Portale doch gar nicht ALLEINE schließen!“ fuhr er sie an. „ Also sag mir, WO zum Henker brauche ich dich?“ wendete er sich von ihr ab. „ Ich brauche niemanden.“
„ Bist du so wirklich glücklich??“ griff sie nach seiner Hand. „ Findest du es wirklich schön, ganz allein durch das Leben zu schreiten? Merkst du denn nicht, wie einsam du eigentlich bist??“
„ Ich wäre glücklich!“ entzog er sich ihr erneut. „ Wenn ich dich nicht an der Backe kleben hätte!“
„ GENUG!“ ging Lyrias dazwischen. „ Ich weiß ja nicht welche Laus dir über die Leber gelaufen ist, aber so redest du nicht mit Cheria!“ stellte er sich auf ihre Seite. „ Du bist auf sie angewiesen, ob dir das nun gefällt oder nicht! Also finde dich endlich mit deiner Situation ab! Ansonsten bist du derjenige, der UNS im Weg rum steht!“
„ Wie kannst du es wagen...“ leuchteten Asariah's Augen für einen kurzen Moment in einem furchteinflößenden rötlichen Ton auf.
„ Ehe du sie fragst, ob sie wirklich helfen will, solltest du dich lieber selbst fragen, ob du ein Köter oder ein Mann bist! Zur Zeit verhältst du dich wie ein räudiger Köter.“
„ HALT DEN MUND!!“ brüllte er ihn wutentbrannt an. „ Ein Wort noch und ich werde euch beide eigenhändig in die Hölle schicken!“
„ Das darfst du gar nicht.“ konterte Cheria leise. „ Du bist nicht derjenige, der andern das Leben raubt, du bist derjenige, der die Seelen ins Paradies führt. Wer das nicht sehen kann, ist es nicht wert in deiner Gegenwart sein zu dürfen.“
„ Ich verstehe dich einfach nicht...“ schüttelte der Beschützer seufzend seinen Kopf. „ Obwohl er dich nur nieder macht, stehst du noch immer auf seiner Seite, warum?“
„ Ist doch klar!“ strahlte sie. „ Weil ich ihn liebe!! Und weil dem so ist, werde ich auch dafür sorgen, dass er sein Grab wieder verlässt.“
„ Du widerst mich an...“ wendete sich Asariah von ihr ab und ging schon mal vor.
„ Du sagst du liebst ihn? Wie kannst du so jemanden nur dein Herz schenken? Merkst du denn nicht, dass er nichts als Verachtung für dich übrig hat?“
„ Trotzdem war er es, der mir das Leben gerettet hat. Nur durch seine Stimme bin ich wieder aufgewacht. Nun ist es an mir, ihn mit meiner Stimme zu erreichen.“
„ Du raffst aber auch gar nichts...“ murmelte Lyrias und folgte dem Eisklotz.
„ Was raffe ich nicht?“ lehnte sie ihren Kopf schief. „ Hey! Wartet!“ um ihnen dann nach zu laufen. „ Sollten wir nicht auf Aries und Sasha warten? Die können uns doch sonst gar nicht mehr einholen.“
„ Der wird uns einholen. Weil er der Köter unserer lächerlichen Gruppe ist, der mir ständig hinterher rennt.“ bemerkte Asariah.
„ Wie kannst du nur so über einen Freund reden?“ wollte die Heilerin von ihm wissen.
„ Freund? Wer braucht schon so was wie Freundschaft? Freundschaft genauso wie die Liebe ist ein Zustand, der aus einem naiven Impuls heraus geboren wurde. Ein Virus im Herzen der Subjekte, der einem nicht nur die Sinne vernebelt sondern auch noch dafür sorgt, dass man den klaren Blick aufs Wesentliche verliert. Würde es sie nicht geben, dann würde die Welt auch weniger Leid erfahren. Ohne Liebe gäb es keinen Hass ohne Freundschaft keine Feindschaft. Kein Schmerz, kein Leid. Also sag mir, was soll gut daran sein, jemanden seinen Freund zu nennen?“
„ Das ist doch völliger Blödsinn!“
„ Findest du? Dann überlege doch mal, die meisten Verbrechen geschehen aus Eifersucht. Auf das was man liebt oder was man im Gegensatz zu dem Anderen nicht besitzt. Wegen der Liebe wäre die Welt beinahe auseinander gebrochen.“
„ Und schon wieder muss ich dir widersprechen!“ starrte sie empört zu ihm auf. „ Dieser Virus, wie du es nennst, macht uns Stark! Er hilft uns dabei, auch die schwerste Tragödie überstehen zu können! Ohne diese Gefühle wären wir nichts weiter als Seelenlose Hüllen!“
„ Wenn sie nicht sprechen können, wäre das die perfekte Welt.“
„ Quatsch! Du lässt dich doch auch gerade von deinen Gefühlen leiten! Auch du verspürst eine Art Liebe! Die Liebe zum bekämpfen der Dämonen! Gäbe es die Liebe also nicht, dann würde dir das alles keinen Spaß machen.“
„ Du glaubst wirklich, dass mir das hier SPAß macht? Und so was wird von einer göttlichen Waffe erwählt. Ich fasse es nicht.“
Bevor das Ganze wieder ausartet, entschloss sich Cheria dazu, einfach mal nichts zu sagen. Letztendlich kam ja doch nichts bei ihm an. Erst einmal war sie damit zufrieden, ihren Prinzen mit der genialen Stimme gefunden zu haben, der Rest würde mit der Zeit auch irgendwann eintreffen, davon war sie überzeugt. Sie gab nicht auf!
Die Minuten verstrichen wie Sekunden, die Stunden wie Minuten. Schweigend bestritten sie ihren Weg, bis sie schließlich den Hügel erreichten, der die Erlösung bringen sollte.
„ Endlich sind wir da.“ strahlte Cheria nun endlich wieder. „ Ich dachte schon, wir kommen gar nicht mehr an!“ >Jetzt muss er mir wieder so nah kommen hehehehe....< kicherte sie in Gedanken wie ein aufgescheuchtes Huhn rum und stellte sich die Szene auch gleich bildlich vor. In ihren Vorstellungen drückte er sich von hinten an sie, während er mit sanfter Stimme ihren Namen flüsterte, wie er seine Hände mit ihren verschränkte und der Zauber genau in diesem Moment über sprang. Er flüsterte leise ihren Namen, dieses mal etwas fordernder und als sie den Pfeil abschoss, damit also alle Portale schloss, wisperte er ihren Namen erneut und dann, als sie zu ihm zurück sah, senkte er seinen Kopf und...
„ CHERIA!!!“ brüllte Asariah. „ Hör auf hier herum zu trödeln, wir haben nicht ewig Zeit!!“
„ Jaja, schon gut.“ erklimmte sie murrend den Hügel. „ Warum musste er mich ausgerechnet jetzt aus meinen Gedanken reißen...?“ flüsterte sie leise vor sich hin. „ Es würde dich bestimmt nicht umbringen, etwas netter zu sein.“ knurrte sie ihn an.
„ Es hält mich aber auch nicht am leben. Also warum sollte ich? Wenn dir meine Art nicht passt, kannst du gern wieder gehen.“
„ Ach halt doch den Mund.“ knurrte sie erneut auf. Wie gern würde sie jetzt wieder in ihrer Fantasiewelt abtauchen. Wo doch alles so viel schöner war. „ Bringen wir es hinter uns. Ich mache mir Sorgen um Sasha und Aries. Nicht das sie uns hinterher doch nicht mehr einholen können.“ zückte sie ihre Dolche und ließ den Bogen vor sich erscheinen. „ Muss ich irgendwas wichtiges beachten?“
„ Wenn wir den Pfeil abgeschossen haben, musst du ihm befehlen, dass er alle Portale schließen soll, die sich in seiner Reichweite befinden. Das war es.“ erklärte der Eisklotz. „ Bekommst du das hin?“
„ Sicher.“ >Das wäre doch gelacht!<
„ Gut. Die heilige Energie wird die Dämonen bald schon anlocken, darum kümmerst du dich, klar?“
„ Ts.“ schlenderte er den Hügel vor ihnen runter. „ Überlasse die Dämonen mir. Konzentriert ihr euch voll auf das Schließen der Tore.“ >Lackaffe!<
„ Dann lasst uns beginnen.“
Genau auf diesen Moment hatte Cheria gewartet! Es war zwar keine Umarmung, wie sie Liebende austauschten, aber immerhin kam sie in den Genuss seiner Nähe. Sie durfte in seiner Wärme baden, seinen betörenden Duft inhalieren und vor allem, berührte er sie! Auch wenn er bloß ihre Hände umschlossen hielt, das war völlig egal! Sie wurde von seinen Armen 'umschlungen' und spürte seinen Körper noch dazu im Rücken. Wenn man sich an den noch so kleinsten Strohhalm klammerte, dann war dies hier die reinste Rettungsaktion! In vielerlei Hinsichten.
Mit seiner Hilfe spannte sie den Bogen und hielt ihn gespannt vor sich fest. Wie beabsichtigt erschien der Lichtpfeil, der immer mehr an Größe und Macht gewann, je länger sie ihn mit ihren Fingern berührte.
Ein wahrer Wirbelsturm aus purem Licht erschien unter ihren Füßen, während der Strahl immer mehr an Substanz zunahm.
Die Macht des Bogen peitschte ihnen regelrecht um die Ohren, nicht nur unter ihren Füßen, auch der Pfeil wollte unbedingt abgeschossen werden und flammte ungeduldig wie auch unkontrolliert vor sich hin.
Cheria konnte die Magie nichts anhaben, ganz im Gegenteil zu Asariah, der von der heiligen Macht als Feind betrachtet wurde und den ein oder anderen schmerzhaften Hieb abbekam. Trotzdem wich er nicht einen Schritt zurück, er zuckte nicht mal mit einem Auge.
Erst als Cheria seufzend aus ihrer Träumerei erwachte und glücklich auf ihre umschlossenen Hände herab sah, bemerkte sie die tiefen Wunden und das Blut, was langsam aber sicher in Strömen auf den Boden tropfte.
„ Asariah!!“ riss sie erschrocken die Augen auf.
„ Kümmere dich nicht darum!!“ herrschte er sie an, gerade als sie den Bogen einfach fallen lassen wollte.
„ Aber...!“
„ Schon ok. Konzentriere dich auf unser Vorhaben!“
Die Magie die sie beim letzten Bogenschuss eingesetzt hatte, war zu mickrig, als dass sie ihm wirklich gefährlich werden konnte. Nun aber, pushten sie das Ganze so dermaßen auf, dass sein körpereigener Schutz mal eben so durchbrochen wurde.
„ Halte nur noch ein bisschen durch!“ nun war sie entschlossener denn je, ihr Ziel beim ersten Anlauf zu erreichen.
„ Mhm...“ vernahm sie da etwa ein Schmunzeln?
Er hielt sie für nutzlos, dass hatte sie inzwischen verstanden, aber nun würde sie ihm zeigen, was wirklich in ihr steckte. Wenn sie sein Leid mindern und dann beenden wollte, musste der Bogen viel schneller seine wahre Macht erreichen. Aus diesem Grund beendete sie ihren Kuschelmodus und ging in den Angriffsmodus über.
Mit aller ihr zur Verfügung stehender Kraft spannte sie den Bogen noch mehr und vermischte ihre heilenden Kräfte mit dem vernichtenden Licht.
„ Ich zeige dir jetzt, wozu ein liebendes Herz fähig ist!“ brüllte sie.
Tatsächlich nahm der Pfeil nun rasend schnell an Substanz zu und der Schmerz, der ihn gerade fest im Griff hatte, wurde gelindert. Erstaunt blickte er auf sie herab, doch dann geschah das Unglaubliche! Er lächelte leicht und richtete seinen Blick dann wieder gen Himmel. Die ersten Ungeheuer tauchten auf, die ihr jähes Ende durch Lyrias Waffe fanden.
„ Es ist soweit!“ meinte der Eisklotz. „ Erläutere dem Pfeil dein Anliegen!“ forderte er sie auf und zielte dann auf den Himmel.
„ Göttlicher Bogen erhöre meine Bitte! Spalte deine Kräfte und lass dein reinigendes Licht auf die Dunkelheit regnen! Flieg durch die Lüfte und schließe die Pforten zur Hölle, die dir auf dem Weg begegnen! Ich flehe dich an, göttlicher Bogen! BEFREIE UNS VON DEN BÖSEN!!“ rief die Heilerin, gerade als sie den Pfeil abschossen.
Das Geschoss sauste ungebremst gen Himmel und teilte sich dort mit einer heftigen Explosion auf. Die Dämonen die sich den Strahlen in den Weg stellten, wurden kurzer Hand vernichtet und schließlich schloss ein einziger Pfeil ganze sieben Portale!
„ Zeig mir deine Hände!“ drehte sie sich gleich zu ihrem Helfer um und bemerkte erst da, dass nicht nur seine Hände etwas abbekommen hatten. „ Warum bietest du deine Hilfe an, wenn dich die Macht des Bogens regelrecht zerfetzt?“ stockte ihr der Atem.
„ Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich dir meine Hilfe anbot. Es war viel mehr so, dass ich dazu gedrängt wurde.“ bemerkte er.
„ Hätte ich gewusst, dass es so endet... dann hätte ich es allein gemacht!“ griff sie sich seine Hände und begann damit die Wunden zu heilen.
„ Deine Sorgen sind unbegründet!“ versuchte er sich ihr erneut zu entziehen.
„ Sei ruhig!“ maulte sie. „ Ich werde die Wunden heilen, egal was du sagst oder wie stark du dich dagegen wehrst. Meine Kräfte fließen mit Hilfe deines Blutes durch deinen ganzen Körper. Ich brauche also nichts weiter zu berühren, als deine Hände. Also hör schon auf mit dem Theater.“ murmelte sie. „ Natürlich würde ich deinen Körper auch nach Verletzungen untersuchen, wenn du darauf bestehst.“ lächelte sie ihn dann süß an.
„ Vielleicht bist du doch nicht so nutzlos, wie ich dachte. Danke.“ wendete er sich von ihr ab, als seine Wunden verheilt waren.
„ Wie wäre es mit einem Kuss als Dankeschön?“ kicherte sie.
„ Manchmal ist es besser einfach mal nichts zu sagen!“ stürzte er sich kühl wie immer ins Getümmel.
„ Hach.. manchmal ist es aber auch besser, Taten statt Worte für sich sprechen zu lassen.“ seufzte sie verträumt auf. >Ich sehne den Tag herbei, an dem deine Mauer fällt und ich in den ungezügelten Genuss deiner Liebe komme.<
„ Kümmere dich um die Seelen. Cheria. Um den Rest kümmern wir uns!“ blickte Lyrias zu ihr auf.
„ Ok!“ nickte sie.

Auch bei uns kam der Lichterregen an. Inzwischen hatte ich meine Augen wieder geöffnet und starrte völlig fasziniert zu dem Spektakel auf.
„ Oh wow!“ flüsterte ich. „ Das sieht wunderschön aus. Sie sind also schon dabei die Tore zu schließen.“
„ Mhm.“
„ Was ist los? Du bist die ganze Zeit schon so ruhig?“ betrachtete ich ihn besorgt. „ Liegt es an meinem Verschwinden? Dann tut es mir leid...“
„ Nein, das ist es nicht. Mach dir keine Gedanken.“ tätschelte er meinen Kopf und ging dann weiter.
„ Aber dich bedrückt doch irgendwas?“
„ Es ist nichts, Sasha. Wirklich nicht.“ sah er lächelnd zu mir zurück. „ Mir ist nur bewusst geworden, dass man dich stets im Auge behalten muss.“ grinste er schief auf. „ Du hast die Angewohnheit ständig und aus heiterem Himmel dein Bewusstsein zu verlieren. Stell dir mal vor, du fällst irgendeinem perversen vor die Füße! Der könnte deinen Zustand schamlos ausnutzen und... mhm...“ wendete er sich seufzend ab. „ Vielleicht sind meine Gedanken und Vorhaben doch nicht so edel, wie es den Anschein macht.“
„ Ich vertraue dir trotzdem.“ heftete ich mich lächelnd an seinen Arm. „ Auch wenn deine Gedanken und Vorhaben nicht edel sind, das ist mir egal.“
„ Dann solltest du wohl aufpassen, dass ich dein Vertrauen nicht beim nächsten Badeausflug ausnutze.“ zierte seine Lippen ein leichtes Grienen.
„ Und dann willst du mich einfach allein lassen...?“
„ Nein... ach vergiss es einfach!“ lachte er. „ Du kannst mir blind vertrauen.“
„ Du mir auch.“
„ Ja, ich weiß.“ strich er mir wieder über den Kopf. „ Na los, wir sollten nicht so rum trödeln, sonst sind die anderen über alle Berge.“
„ Sind wir noch weit von ihnen entfernt?“
„ Nun, dadurch das wir den Karren nicht erreichen konnten, haben sie schon einen kleinen Vorsprung. Aber keine Bange, wir werden sie bald eingeholt haben.“
„ So ein Sparziergang im strahlenden Sonnenschein ist doch auch was nettes, oder?“ blickte ich mich lächelnd um.
„ Das stimmt.“
Einige Zeit schlenderten wir über die Wiese und genossen den zarten Luftzug auf unserer erhitzten Haut.
Doch dann wurde unser Spaziergang durch eine Horde wilder Dämonen gestört, die sich widerstandslos dem Ruf der göttlichen Waffe fügten.
„ Versteck dich hier!“ drückte er mich in einen Busch. „ Wage es nicht heraus zu kommen, verstanden?“
„ Aber es ist alles ok, ich habe keine Angst mehr vor ihnen!“
„ Du bleibst trotzdem hier!“ stutzte er mich zurecht, ehe er sich auf die dunkle Meute stürzte.
Ein Ladthaaner oder auch Teufel genannt, kämpften normalerweise in einer Gestalt, die einem majestätischen Oberteufel gerecht wurde. Ihre Haut war hart wie Stahl und ihre Klauen, wie auch die verborgenen Klingen in ihren Armen, waren Rasiermesserscharf!
Dieser arme Tropf allerdings, vermied es auf sein schützendes Äußeres zurückzugreifen, da er mich nicht schockieren wollte.
An meinen Händen befanden sich noch immer diese merkwürdigen Vorrichtungen, mir war nicht ganz klar, woher sie kamen. Aber ich verstand zu mindestens so viel, dass sie ein Teil meiner Vergangenheit waren!
Ich erinnerte mich daran, wie ich mir mit ihrer Hilfe schon einige dunkle Gesellen vom Leib gehalten hatte. Ganz gleich was ich in meinem früheren Leben auch darstellte, die Frage war doch eher, was ich JETZT darstellen wollte! Und eines war schon mal sicher: Ich wollte kein feiges Hühnchen sein!
Also verließ ich mein Versteck und aktivierte die Waffen an meinen Händen. Trotz der Warnung, die mir Aries zukommen ließ erstürmte ich das Schlachtfeld und vernichtete an seiner Seite die Dämonen.
„ Hab ich dir nicht gesagt, du sollst dahinten bleiben??“ fuhr er mich auch gleich an.
„ Aber ich kann dir doch genauso gut auch helfen!“ protestierte ich. „ Ich sagte doch schon, dass ich keine Angst mehr vor ihnen habe.“
„ Trotzdem will ich nicht, dass du dich so leichtsinnig irgendwelchen Gefahren aussetzt! Du könntest verletzt werden!!“ maulte er.
„ Mir wird nichts passieren.“
Gemeinsam zerschlugen wir die Armee der Dunkelheit und unterstützten so die anderen, die Cheria und ihr Ritual der Seelensammlung vor der Dunkelheit bewahrten.
„ Das war der letzte...“ sah sich Aries um. „ Ich kann keine weiteren dunklen Schwingungen vernehmen.“
„ Dann sind Cheria und die anderen in Sicherheit, ja?“
„ Natürlich sind sie das.“ drehte er sich zu mir hin. „ Schließlich sind Asariah und Lyrias begabte Kämpfer, die lassen sich nicht so einfach niederstrecken.“
„ Ja, du hast recht.“ nickte ich. „ Dann sollten wir nun zu ihnen hin gehen. Sie warten bestimmt schon ungeduldig auf uns.“ doch gerade als ich mich in Bewegung setzen wollte, stolperte ich über den aufgewühlten Boden und fiel dem Herren direkt in die Arme. Dieser verlor das Gleichgewicht und landete mit mir auf dem Rasen. „ Tut mir leid! Hast du dir weh getan?“ blickte ich ihn schockiert an.
„ Nein, alles in Ordnung...“ wendete er den Blick von mir ab.
„ Wirklich? Dein Gesicht ist ganz rot, hast du etwa Fieber? Hast du dir den Kopf gestoßen?“ lehnte ich meine Stirn gegen seine. „ Nein... Fieber scheinst du nicht zu haben. Mhm... ob Cheria dich mal untersuchen sollte?“
>Das ist Primitiv!! Einfach nur Primitiv!< schalt er sich in Gedanken selbst.
„ Geht es dir wirklich gut? Du macht gerade nämlich nicht den Anschein, als wenn es dir gut gehen würde.“
„ Nein nein, es ist wirklich alles ok!“ knurrte er. „ Ich sagte doch schon, dass du jemanden ähnlich siehst, der mir sehr nahe steht. Du besitzt fast das selbe reine Licht wie sie...“ murrte er.
„ Äh... ok...?“ verstand ich noch immer nicht, was er gerade für ein Problem hatte.
„ Wie dem auch sei!!“ versuchte er gleich vom Thema abzulenken. „ Wie wäre es, wenn du erst einmal von mir runter gehen würdest?“
„ Sicher und danke für die weiche Landung.“ lächelte ich leicht und erhob mich dann.
„ Kein Problem..“ setzte er sich auf.
„ Wollen wir dann weiter, oder musst du dich noch etwas ausruhen?“
„ Mir geht es gut! Wir können also gleich weiter gehen.“ sprang er mit einem Satz auf und schlenderte schon mal vor.
„ Bist du jetzt sauer auf mich?“ wollte ich von ihm wissen.
„ Nein, warum sollte ich denn sauer auf dich sein?“ zerwühlte er mir lächelnd das Haar. „ Es ist nur nicht immer einfach in deiner Nähe zu sein, gerade dann nicht, wenn du mich quasi anspringst.“
„ W-Wie meinst du das??“ starrte ich ihn erschrocken an.
„ Oh nein, nicht was du gerade denkst. Ich bin wirklich gern in deiner Nähe und genau das macht die Sache so gefährlich! Zu mindestens für dich!“
„ Gefährlich? Trachtest du mir etwa auch nach dem Leben?“
„ Danach vielleicht nicht, aber dein helles Licht würde ich zu gern besitzen.“ ließ er eine meiner Strähnen durch seine Finger gleiten.
„ Sind das diese Hintergedanken, vor denen mich Cheria gewarnt hatte und weswegen sie dir drohte?“
„ Autsch! Du hast mich durchschaut.“ grinste er.
„ Wirklich?“
„ Natürlich nicht!“ zerwühlte er mir erneut das Haar. „ Ich würde deinen Zustand niemals ausnutzen.“
Einige Zeit später erblickten wir am Horizont dann den Hügel, von dem uns Cheria schon eifrig zu winkte.
„ H-A-L-L-O!!!“ brüllte sie. „ Da seid ihr ja endlich.“ kam sie das letzte Stück dann noch auf uns zu gelaufen. „ Geht es dir gut, Sasha? Wo warst du denn?“
„ Sie ist im hohen Gras zusammen gebrochen.“ antwortete Aries für mich. „ Deshalb konnten wir sie nicht mehr sehen.“
„ Wirklich?“ betrachtete sie mich erschrocken. „ Geht es dir gut? Hast du dir weh getan?“ tastete sie meinen Körper ab. „ Ist alles noch dran?“
„ Mir geht es gut, Cheria.“ lächelte ich sie an. „ Tut mir leid, dass ich dir schon wieder Sorgen bereitet habe.“
„ Mach dir deshalb keine Gedanken.“ ergriff sie meine Hände. „ Nanu, was ist das denn?“ entdeckte sie meine neuen Waffen. „ Wo kommt das denn so plötzlich her?“
„ Ich weiß nicht so recht...“
„ Ich bin einem fliegenden Händler begegnet und habe sie ihm abgekauft.“ mischte sich der Herr wieder ein. „ Ich hielt es für wichtig, dass sich Sasha im Notfall auch selbst verteidigen kann.“
„ Aha...“ starrte ihn die Heilerin misstrauisch an. „ Naja egal. Hauptsache du bist jetzt wieder bei uns und dir geht es gut.“
„ Dann können wir ja endlich weiter gehen.“ meinte Asariah. „ Wir haben schon genug Zeit verloren.“
„ Keine Sorge.“ schielte die Seelensammlerin zu ihm zurück. „ Auch dieser Hirni hat sich seinen Kopf wegen euch zerbrochen! Auch wenn er wieder so tut, als wäre ihm alles egal. Er hätte schon längst weiter gehen können, nicht wahr?“ sah sie nun zu meinem Retter hin. „ Und auch wenn er dich als Köter bezeichnet, bist du ihm nicht egal! Es zwingt ihn schließlich keiner, in deiner Nähe bleiben zu müssen!“ deutete sie mit dem Finger auf ihn hin. „ Ganz gleich wie dunkel die Wolken auch sein mögen, irgendwann wird die Sonne wieder durchbrechen! Also gib nicht auf, ok?“
„ Er bezeichnet mich als Köter?“ wiederholte er die Worte.
„ Was soll er denn nicht aufgeben?“ harkte ich neugierig nach.
„ Ich weiß nicht genau, was mit ihm los ist. Aber ich weiß ganz bestimmt, dass irgendwas mit ihm nicht stimmt.“ erklärte sie.
Ja, dass da was nicht mit rechten Dingen zuging, konnte ich auch sehen. Sehen, es aber bei weitem nicht verstehen.
„ Los jetzt!“ meldete sich Asariah wieder. „ Hier haben wir nichts mehr zu tun, lasst uns endlich weiter gehen!!“
„ Einmal müssen wir noch ein Nachtlager aufschlagen, aber morgen gegen Mittag sollten wir Schloss Edana erreicht haben.“ berichtete Lyrias. „ Es ist nicht mehr weit.“
„ Ok.“
Gemeinsam setzten wir uns dann in Bewegung und schlenderten dem Sonnenuntergang entgegen.
Für unser Nachtlager suchten wir uns einen Platz aus, der neben einem kleinen Wäldchen lag. Dort fanden wir Früchte, Feuerholz und waren gleichzeitig gegen eventuelle Unwetter geschützt.
Wir Mädels kümmerten uns wieder um das Abendessen, während die Herren der Nation nach Feuerholz suchten.
„ Ist das Dorf aus dem du kommst, weit von hier entfernt?“ wollte ich von Cheria wissen.
„ Nicht wirklich. Sant Nyan liegt in der Nähe von Schloss Edana. Also von hier betrachtet liegt es dahinter. Unsere Stadt wird durch den Tempel und auch durch Edana beschützt. Irgendwann werden diese beiden Reiche die einzigen sein, in denen man vor den Dämonen sicher ist.“
„ Vielleicht statten wir deiner Familie ja einen Besuch ab.“
„ Besser nicht.“ flüsterte sie. „ Als ich mich weigerte, meinen Dienst als Priester wieder aufzunehmen und mich dazu entschied, gegen die Dämonen zu kämpfen, verbannten sie mich aus meiner Heimat.“
„ Was?“ fiel mir beinahe alles aus dem Gesicht. „ Aber wieso? Du hilfst den Menschen doch viel mehr, wenn du die Portale verschließt, als wenn du in dem Tempel hockst und darauf wartest, dass irgendwer deine heilenden Fähigkeiten benötigt!“
„ Ich weiß das, du auch, alle anderen auf dieser Welt sehen das bestimmt genauso! Aber nicht die verbohrte Stadt der Priester, die in ihrem Leben nur einen einzigen Weg sehen.“
„ Das ist furchtbar! Haben deine Eltern denn gar nicht versucht dies zu verhindern? Und was ist mit deinen Freunden?“
„ Meine Eltern haben sich von mir abgewendet und meine Freunde, sie wollten sich auflehnen, aber als auch ihnen mit der Verbannung gedroht wurde, ist jeder einzelne verstummt.“
„ Wie traurig...“ senkte ich meine Augen.
„ Ach, mach dir nichts draus.“ lachte sie. „ Die kriegen sich irgendwann schon wieder ein.“
„ Es ist aber schön zu wissen, dass Lyrias immer an deiner Seite sein wird. Selbst wenn man ihm mit der Verbannung droht. Er muss dich wirklich gern haben.“
„ Ja...“
Kurz darauf kamen dann die anderen wieder und wir konnten endlich ein Feuer entfachen.
Wir aßen zu Abend, kuschelten uns in die Schlafsäcke und gaben uns für heute der Nachtruhe hin.

Während in Elysia die Nacht bereits eingebrochen war, ging in Illumina die Sonne gerade erst unter.
Diese Zeitverschiebung machte den Weltenbummlern ganz schön zu schaffen. So fanden sie sich an diesem frühen Abend übermüdet im Saal des Lebens ein.
„ Moar, bin ich müde!“ gähnte Chiara. „ Lange werden wir das nicht durchhalten, Serah! Wir können uns nicht am Tag um die zahlreichen Dämonen kümmern und uns nebenbei noch die Nacht um die Ohren schlagen, nur damit du Aries wiedersehen kannst!“
„ Wir machen das gar nicht, damit ich Aries wiedersehen kann!!“ protestierte sie leicht gerötet. „ Wir tun das, um zu erfahren wie es Asariah geht.“
„ Sicher.“ ließ sie sich auf dem Thron nieder. „ Du hegst natürlich keinerlei Gefühle für unseren kleinen Seelendieb.“
„ Natürlich tue ich das nicht...“ spielte sie murmelnd an ihrem Armband rum.
„ Hoffentlich meldet sich derjenige bald, für den du keine Gefühle hegst. Ich muss dringend ins Bett.“
„ Bevor sich Aries meldet, haben wir drei noch ein Hühnchen zu rupfen!“ ertönte plötzlich eine Stimme hinter ihnen.
„ Uah!!“ fuhr Serah erschrocken rum. „ M-Misaki??? Wie lange stehst du da schon??“
„ Keine Sorge, ob du nun was für Aries empfindest oder nicht, geht mich nichts an.“ grinste er leicht auf. „ Aber wenn du in eine Welt voller Dämonen flüchtest, dann interessiert mich das schon.“
„ I-Ich weiß nicht wovon du da sprichst!“ lief sie knallrot an.
„ Natürlich weißt du das! Ich habe euch selbst dabei beobachtet, als ihr vorhin durch das Portal geschlendert kamt, was nach Elysia führt!“
„ Oh nein!“ lehnte die junge Göttin schockiert die Hände vor dem Mund. „ Du hast das Mum und Dad doch nicht erzählt, oder?“
„ Nein, noch habe ich das niemanden erzählt.“ erklärte er. „ Was aber nicht heißt, dass ich das gut finde! In Elysia ist es nicht sicher und das schon gar nicht für eine Göttin, die solch ein reines Licht besitzt. Das allein reicht schon aus, damit du die volle Aufmerksamkeit geschenkt bekommst.“
„ Ich bin ja auch noch da.“ mischte sich Chiara ein. „ Diese Bastarde müssen erst an mir vorbei kommen, wenn sie Serah's Licht haben wollen.“
„ Genau!“ nickte die Göttin. „ Wir werden das Kind schon schaukeln!“ sah sie entschlossen zu ihm auf. „ Ich kann hier nicht tatenlos rum sitzen, während Chaos die Seele von Asariah verschlingt! Er ist schließlich mein Bruder!! Er darf nicht einfach verschwinden!!“ fing sie plötzlich an zu weinen. „ Und wenn sich Mum und Dad schon nicht einmischen können, dann muss ich das tun!! Ihm muss klar werden, dass er nicht allein ist!! Asariah muss einfach wieder der alte werden!“
„ Schscht. Ist ja gut.“ drückte Misaki die Dame sanft an sich. „ Er wird auch zurückkommen, davon bin ich überzeugt. Asariah verfügt über eine starke Seele, gegen die Chaos niemals ankommen kann. Also mach dir keine Gedanken, er wird zurückkommen!“
„ Und wenn ich ihn eigenhändig zurück ins Leben treten muss!“ ließ die Götterkatze, die auf den Namen Chiara hörte, die Knöchel knacken. „ Chaos wird sich noch wünschen, niemals in diese Welt gekommen zu sein! Wenn ich mit dem fertig bin, dann wird ihn nicht mal seine eigene Mutter wiedererkennen! Sofern er überhaupt eine hat... mhm...“
„ Es ist mir egal ob ich mich in Gefahr bringe... Asariah braucht jetzt meine Hilfe und die werde ich ihm nicht verwehren. Ganz gleich wie hoch der Preis dafür ist.“
„ Es ist schon beinahe erschreckend, wie sehr ihr nach euren Müttern kommt.“ verzog Misa den Mund. „ Risa setzte auch alles dran, die zu retten die sie liebte. Selbst wenn sie dafür ihr eigenes Leben hergeben musste. Und Elara verfügt über einen Kampfgeist, den nicht mal der Tod höchstpersönlich brechen konnte.“
„ Du wirst unseren Eltern also nichts sagen?“ harkte Serah leise nach.
„ Nein, denn auch ich bin der Meinung, dass du Asariah erreichen kannst. Wenn nicht mal seine engsten Freunde das Eis zum schmelzen bringen können, dann schafft das keiner.“
„ Aries darfst du aber auch nichts davon sagen!“ erklärte die blonde Göttin. „ Er soll auch nicht erfahren wo ich mich befinde.“
„ Schon klar.“
„ Wenn er erfährt wo ich mich gerade aufhalte, dann würde er los ziehen, um mich zu finden und wer passt dann auf meinen Bruder auf?“
„ Von mir erfahren sie nichts.“
„ Danke.“ lächelte sie den Herrn an.
„ Dir sollte aber bewusst sein, dass du jeder Zeit auffliegen könntest. Sei es nun, weil du in Elysia entdeckt wirst oder weil dich hier die falschen dabei beobachten, wie du durch das Portal schreitest.“
„ Ich weiß.“
„ Gut.“
Kurz darauf reagierte dann der Spiegel und gab den Ausblick auf Elysia und Aries preis.
„ Was macht ihr denn da?“ wollte er auch gleich wissen.
„ Aries!“ stürmte Serah zu dem Spiegel hin. „ Was ist mit Asariah??“
„ Dem geht es gut. Sag mal, hast du geweint?“ riss er schockiert die Augen auf.
„ Ähm.. Misaki hat mir einen Witz erzählt und da musste ich so lachen, dass mir die Tränen runter liefen.“
„ Was für einen Witz denn?“
„ Ich habe ihr von deinen deinen ersten Flugversuchen berichtet.“ grinste Misa.
„ Das war nicht witzig...“ murrte er.
„ Doch war es.“ strich sich Serah lächelnd die letzten Tränen weg. „ Du passt auf Asariah auf, nicht wahr?“
„ Natürlich mach ich das.“ am liebsten würde er sie jetzt in den Arm nehmen, gerade weil er sich denken konnte, das ihr nicht wegen irgendeinem Witz die Tränen kamen. Aber das ging nicht. „ Sind Risa und Keith auch in der Nähe?“
„ Sie müssten bald hier auftauchen, ja.“ nickte der Herr.
„ Das ist gut. Ich muss etwas wichtiges mit euch besprechen.“
„ Dann werde ich schauen gehen, wo sich Mum und Dad gerade aufhalten.“ erklärte Serah. „ Wir sehen uns morgen wieder.“
„ Aber ganz bestimmt.“ nickte Aries.
„ Lass uns gehen, Chiara.“
Doch gerade als sie an Misaki vorbei gehen wollte, hielt er sie an der Hand fest und flüsterte ihr ein „ Sei vorsichtig!“ zu. Danach erst verließen die Damen den Saal.
„ Was war das denn?“
„ Eifersüchtig?“ griente Misa breit auf.
„ Das werde ich dir bestimmt nicht auf die Nase binden.“ murrte er. „ Was hast du ihr zugeflüstert?“
„ Und das werde ich dir nicht auf die Nase binden.“ zuckte er mit der Schulter.
„ Komm schon man, das ist doch idiotisch!“
„ Ich hab damit nicht angefangen.“
„ Kommt Serah mit der Situation zurecht?“
„ Sie verarbeitet es auf ihre Art, ja.“
„ Auf ihre Art, hu?“ kratzte er sich am Kopf.
„ Was ist eigentlich genau vorgefallen, bevor ihr Illumina verlassen habt?“
„ W-Was meinst du?“ schreckte Aries leicht zurück.
„ Was ist zwischen Serah und Asariah vorgefallen? Das du die Nacht mit ihr verbracht hast, weiß ich bereits.“ zierte seine Lippen schon wieder dieses freche Grinsen.
„ Ich hab vielleicht mit ihr in einem Bett geschlafen, mehr ist aber nicht passiert, klar?“ rechtfertigte er sich. „ Wie dem auch sei.“ strich er sich seufzend durchs Haar. „ Asariah hat Serah üble Dinge an den Kopf geworfen. Ich schätze, er wollte so verhindern das sie ihm folgt.“
„ Deshalb kam sie mir also weinend entgegen gelaufen. Das muss sie schwer getroffen haben.“
„ Wie kommt es eigentlich, dass du immer zur Stelle bist, wenn es Serah schlecht geht? Sag bloß, du suchst ihre Nähe?! Weiß Mum davon?“
„ Was denkst du denn von mir?“
„ Du warst doch noch nie ein Kind von Traurigkeit! Vielleicht ist dir ja bewusst geworden, dass dir die Rolle des braven Ehemannes nicht gefällt!“
„ Und deshalb will ich es mit der Tochter meines besten Freundes treiben? Der zudem noch schlimmer auf sie achtet, als alle Glucken dieser Welt zusammen? Na klar! Ich pfeife auf die Freundschaft, um die ich so viele Jahre lang erbittert gekämpft habe! Du hast mich scheinbar durchschaut.“ verschränkte er die Arme vor der Brust. „ Nach allem was dir Charis über mich erzählt hat, müsste dir doch auch bewusst sein, dass ich eher mit Risa durchbrennen würde, oder?“
„ Was würdest du?“ vernahm er eine männliche Stimme hinter sich.
„ Ich würde mit Risa durchbrennen, da erzähle ich dir doch nichts neues.“ sah er lächelnd zu ihm zurück.
Dieses Abbild eines jungen Gottes, oder in seinem Falle eines Teufels, hörte auf den Namen Keith und war der Vater von Serah und Asariah. Er besaß anziehende goldene Augen, silberne Haare und einen durchaus beeindruckenden Körper.
„ Du weißt, das ich dich bis an dein Lebensende jagen und dir einen qualvollen Tod bescheren würde?“
„ Sicher weiß ich das. Aber ich glaube, dass es die Sache wert wäre.“ griente Misaki schief auf. „ Allerdings weiß ich auch, dass sie eher mit deinem Vorgänger durchbrennen würde.“
„ Wenn du meinst...“ schielte er ihn seitlich an. „ Was macht Asariah?“ wendete er sich dann dem Besucher zu. „ Schläft Chaos noch?“
„ Asariah geht es gut und ja, Chaos schläft noch immer.“ erklärte er. „ Wo ist Risa?“
„ Sie müsste auch gleich hier sein.“
„ ARIES!!!“ stürzte eine blonde junge Frau auf den Altar zu, die soeben den Raum betreten hatte. „ Geht es dir gut?? Willst du nicht doch lieber wieder nach Hause kommen? Ich mache mir solche Sorgen um dich.“
Diese Göttin hieß Patricia und war die Mutter von Aries. Sie wurde einst als Mensch geboren, aber dann geriet sie bei dem Kampf gegen einen besessenen Gott zwischen die Fronten und wurde schwer verletzt. Risa rettete ihr das Leben, in dem sie ihr ihr unsterblich machendes Blut zu trinken gab. Seither ist sie eine halbe Göttin.
Sie besaß strahlend blaue Augen, blonde lange Haare und einen schlanken Körperbau.
„ Mach dir keine Sorgen, Mum. Mir wird schon nichts geschehen. Außerdem kann ich Asariah nicht seinem Schicksal überlassen und solange es noch ein Fünkchen Hoffnung darauf gibt, ihn von Chaos befreien zu können, dann muss ich dafür sorgen, dass dieser Funke nicht erlischt!“
„ Ja, ich hatte mit so einer Antwort bereits gerechnet.“ verschränkte sie mit gesenktem Blick die Hände vor der Brust. „ Aber passe trotzdem auf dich auf, versprich mir, dass du dein Leben nicht einfach weg werfen wirst.“
„ Das hatte ich auch nicht geplant.“
„ So lange Chaos ruht, nimmt er die Seele seines Opfers nicht vollständig gefangen. Er hält ihn quasi nur fest, so dass er nicht entkommen kann. Schaffen wir es, sein Herz zu erreichen, dann verliert Chaos seine Macht über ihn, schaffen wir es nicht, dann steht uns eine weitere Apokalypse bevor!“ trat Risa endlich an die Gruppe heran. „ Wir dürfen es nicht so weit kommen lassen.“ flüsterte sie. „ Ohne die Hilfe des Lichts, werden wir Asariah kaum retten können.“
Risa, die Göttin des Lebens, eine beeindruckende Persönlichkeit, die schon in jungen Jahren unmögliches vollbracht hatte! Ihre Geschichte wurde auch heute noch voller Ehrfurcht von Generation zu Generation weiter gegeben. Sie und ihre Armee wurden praktisch über Nacht zu Legenden.
Die Göttin hatte lange blonde Haare, blaue Augen, auf ihrem Kopf glitzerte ein hübsches Diadem geheimnisvoll vor sich hin. Sie trug ein wunderschönes weißes Gewand und auf ihrem Rücken saßen zwei prächtige Flügel.
„ Gut das du gerade das Licht ansprichst. Deshalb wollte ich unbedingt mit euch reden.“ meinte Aries. „ Ich habe sie nämlich gefunden!“
„ Was?“ riefen sie im Chor.
„ Ja, genau das!“ lehnte er seinen Kopf schief. „ Chaos war nicht in der Lage sie zu töten, aber sie ist schwer verletzt und läuft nun ohne Erinnerungen durch die Gegend.“
„ Woher weißt du das? Ist sie aktiv?“ wollte Misa wissen.
„ Nein, ist sie nicht.“ meinte Aries. „ Sie hält sich genauso wie Chaos in dem Körper ihres Wirtes verborgen. Mir fiel zwar die reine Aura gleich auf, die sie umgibt. Aber das Licht selbst, das sieht man nicht. Nichtsdestotrotz konnte ich sie erreichen, als ich ihr von eurem Kampf gegen Kronos berichtete. Sie erinnerte sich kurz daran, dass Lastalia nach ihr rief und das sie in den Körper einer Göttin schlüpfte, dessen Zeit bald ablaufen würde. Allerdings verlor sie gleich darauf ihr Bewusstsein und auch die Erinnerungen waren wieder weg.“
„ Warum läuft sie ohne Erinnerungen durch die Gegend? Wenn sie in einem Körper steckt, dann lebt das Mädchen sein Leben doch weiter. Vermutlich weiß sie nicht mal, dass da wer in ihrem Unterbewusstsein schlummert.“ erwähnte Risa.
„ Dieser Körper besitzt keine andere Seele mehr. Wie es aussieht, ist sie in eine Leiche abgetaucht und nun hält sie sich und ihr Gefäß mit einem geringen Teil ihrer Seele am Leben.“
„ Das ist ja abartig!“ verzog Patty den Mund. „ Wie kann man sich denn bitte mit einer Leiche zufrieden geben? Das ist ekel erregend!“
„ Ich glaube nicht, dass das Mädchen lange tot war, als sich das Licht seiner annahm. Ich würde sogar behaupten, dass sie sich praktisch die Klinke in die Hand gaben.“
„ Und wo ist dieses Mädchen jetzt?“ harkte Keith nach.
„ Sie reist mit uns durch die Weltgeschichte. Aber das ist noch nicht alles.“ seufzte er. „ Chaos hat sie mit einem Fluch belegt der verhindert, dass sie ihre Akkus wieder auffüllen kann. Es ist ihr also gar nicht möglich, sich von ihrem letzten Gefecht zu erholen.“
„ Das ist schlecht, richtig schlecht.“ murmelte Risa.
„ Ich weiß nicht ob es auf Elysia einen Heiler gibt, der mächtig genug ist, um den Fluch zu brechen, aber wir müssen unbedingt zusehen, dass wir ihr helfen!“
„ Das Brechen des Fluches übersteigt sogar meine Fähigkeiten.“ erklärte die Göttin des Lebens. „ Und das, wo ich alle möglichen Wunden und Brüche heilen kann. Also wird es auf Elysia garantiert niemanden geben, der ihr helfen kann.“
„ Nicht mal du kannst ihr helfen?“ verzog Aries den Mund. „ Aber wer soll es denn dann schaffen?“
„ Hm...“ überlegte sie. „ Die einzige die diese Verunreinigung beseitigen könnte, ist Serah.“ warf sie in den Raum. „ Als Göttin der Reinheit kann sie seine Aura neutralisieren.“
„ Ausgeschlossen! Serah wird garantiert nicht in die Welt gehen, die von den Dämonen gerade überrollt wird.“ knurrte Keith.
„ Ich sagte ja auch nicht, dass Serah nach Elysia gehen soll.“ konterte Risa. „ Trotzdem müssen wir dafür sorgen, dass sie sich Regenerieren kann.“
„ Ich kann Sasha ja nach Illumina bringen. Dort ist es für sie ohnehin sicherer.“
„ Sicherlich.“ nickte Misa. „ Aber wenn sie sich erinnert und bei Asariah in der Nähe ist, wenn Chaos erwacht, dann kann sie gleich einschreiten, um seine Seele zu retten.“
„ Das stimmt allerdings auch wieder. Also was machen wir jetzt? Ich habe ihr versprochen, dass ich einen Weg finden werde, um sie zu retten.“
„ Dann müssen wir Serah nach Elysia begleiten.“ gab Risa von sich. „ Und wenn Sasha befreit ist, dann kehren wir nach Illumina zurück. Allerdings darf uns Asariah dabei nicht entdecken. Ich weiß nicht wie viel Chaos jetzt schon mit bekommt. Vielleicht hat er das Licht in seiner Nähe bereits bemerkt. Die Zeit drängt also. Oder du kommst mit ihr nach Illumina. Du wirst dein Versprechen also halten, sie wird von ihrem Fluch befreit werden.“
„ Wie gut das wir gleich zwei Experten auf unserer Seite haben, die sich mit dem Brechen eines Fluches bestens auskennen.“ grinste Misaki frech vor sich hin.
„ Halt den Mund!“ knurrte Keith.
„ Ich sage doch nur die Wahrheit.“
„ Wir werden uns etwas einfallen lassen und dir dann morgen davon berichten.“ konnte sich nicht mal die Göttin des Lebens das Schmunzeln verkneifen.
„ Ist gut.“ winkte Aries noch einmal und sah dann dabei zu, wie sie den Saal verließen.
Bloß Misa kam noch mal zu dem Altar hin geschlendert.
„ Wenn du in dieser Stadt bist, die von dem Engel beschützt wird, dann halte deine Augen offen.“
„ Und wonach soll ich suchen?“ zog er fragend eine Augenbraue hoch.
„ Suche den Engel und du wirst verstehen.“ wendete er sich von ihm ab und hob noch mal seine Hand in die Höhe, ehe er als letzter den Raum verließ.
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Re: Diehieee Geschichte

Beitrag von Alexia am Fr 14 Apr - 23:10

Kapitel 4. Gestaltenwandler


>Was meinte er nur damit, ich solle nach dem Engel suchen?< dachte Aries auch am Morgen noch über das Gesagte nach. >Handelt es sich letztendlich gar nicht um einen Engel, sondern um eine Göttin? Wollte er mir das sagen? Aber wer könnte es sein?<
„ Kaffee?“ hielt Cheria dem Herrn eine dampfende Tasse hin.
„ Äh... ja, danke.“ nahm er das Getränk entgegen.
„ Was ist los? Du wirkst den ganzen Morgen schon so abwesend.“
„ Ich bin nur noch nicht richtig wach, das ist alles.“ lächelte er leicht.
„ Du hast doch die Nacht gar nicht geschlafen! Immer wenn ich wach geworden bin, hast du am Feuer gesessen und zahlreiche Löcher in die Luft gestarrt.“
„ Stimmt, dann bin ich wohl einfach müde.“
„ Nein, du bist einfach nur komisch! Das ist alles!“ zog sie beleidigt von dannen.
„ Weiber.“ stellte er seine Tasse auf den Rasen und ließ sich dann seufzend zurück fallen, um seinen Gedanken beim Betrachten der Wolken nachzuhängen.
Während er in seine Gedankenwelt abtauchte, wir anderen frühstückten, drehte Asariah seine Runden in der näheren Umgebung.
Irgendwie hatte er das Gefühl, als würde er eine böse Präsenz vernehmen, aber irgendwie auch nicht. Ihm war nicht ganz klar, ob ihm seine Sinne einen Streich spielten oder ob er langsam aber sicher Paranoid wurde oder ob er wirklich etwas vernahm. Zu mindestens war weit und breit nichts zu sehen.
„ Schau mal, die Wolke da sieht aus wie eine Kuh!“ riss ich Aries aus seinen Gedanken heraus. „ Und die sieht aus wie ein Schaf!“ ich hatte mich neben ihm auf den Rasen gelegt und starrte ebenfalls in den Himmel.
„ Stimmt.“ lächelte er mich nach dem ersten Erstaunen sanft an. „ Und die sieht aus wie ein Drache.“
„ Und da ist eine Gabel!“
„ Was macht ihr denn da?“ hakte unsere Heilerin nach.
„ Wir schauen uns die Wolken an.“ antwortete ich ihr. „ Das macht wirklich Spaß.“
„ Die Wolken, hu?“ quetschte sie sich zwischen uns. „ Wow! Schaut mal die sieht aus wie ein Schmetterling!“
„ Und die sieht aus wie eine Tasse.“ bemerkte der Herr.
„ Das ist wirklich ulkig. Ich habe mir die Wolken noch nie so genau angesehen.“ bemerkte unsere Priesterin.
„ Dein Tempel hat bestimmt auch kein Dach aus Glas, oder?“ sah ich sie an.
„ Nein, hat er nicht.“
„ Das dachte ich mir. Aber mach dir nichts draus, wir können ab jetzt jeden Morgen in den Himmel sehen.“
„ Ja...“
Einige Zeit lagen wir einfach nur so da und betrachteten die Wolken. Als wir uns dann satt gesehen hatte, packten wir die Klamotten zusammen und machten uns auf den Weg.
„ Ich behalte dich jetzt genau im Auge!“ griff Cheria nach meiner Hand. „ Nicht das du wieder dein Bewusstsein verlierst und im tiefen Gras verschwindest.“
„ Nochmal passiert mir das hoffentlich nicht.“
„ Und wenn doch, dann bekomme ich das sofort mit!“ lachte sie.
„ Das ist wirklich blöd, weil ich gestern zusammen gebrochen bin, konnte ich dich gar nicht singen hören. Dabei hab ich mich schon darauf gefreut, deiner Stimme lauschen zu können.“
„ Das ist doch kein Problem. Für dich gebe ich doch gern eine Zugabe!“ zwinkerte Cheria.
„ Wirklich!? Das würdest du tun?“
„ Klar! Warum auch nicht? Ich freue mich schließlich über jeden Fan!“
Ich mochte ihre Stimme wirklich sehr gern. Sie hatte etwas anziehendes und beruhigendes an sich. Aber nicht nur ihre Stimme fand ich bewundernswert. Ihr ganzes Wesen erstrahlte in einem besonderen Schein. Es faszinierte mich, das sie nach so vielen Niederschlägen noch immer lächeln konnte. Erst der schlimme Überfall, der Gedächtnisverlust, dann wurde sie auch noch aus ihrer eigenen Heimat verbannt, verlor ihre Familie ihre Freunde und nun begab sie sich auf eine Reise, dessen Ende noch in den Sternen stand. Sie verliebte sich in einen Mann, der kälter und abweisender nicht sein konnte und doch, gab sie die Hoffnung niemals auf. Sie besaß eine innere Stärke, die scheinbar durch nichts gebrochen werden konnte. Ihre Lebensfreude schien unendlich, ihr Wille Grenzenlos und ihre Entschlossenheit vermochte Berge zu versetzen. Ich wäre gern wie sie.
„ Ich könnte schwören, dass wir beobachtet werden.“ sah sich Aries um. „ Aber ich sehe nichts.“
„ Irgendwo lauert etwas auf uns.“ vermutete Asariah. „ Ich kann seine Anwesenheit spüren, ihn aber nicht sehen. Also bleibt wachsam.“
„ Und ich dachte schon ich leide unter Verfolgungswahn.“ seufzte der Seelendieb. „ Aber was ist das für ein Vieh? Seine Aura unterscheidet sich stark von den anderen Dämonen, denen wir bisher begegneten.“
„ Früher oder später wird er sich zeigen, dann erfahren wir was er für einer ist.“
Das beunruhigende Gefühl blieb, aber von dem Wesen der Dunkelheit war weit und breit nichts zu sehen.
Doch gerade als wir an einem Maisfeld vorbei schritten, das gerade auch noch in voller Blüte stand, begannen die Pflanzen verdächtig zu rascheln.
„ Was ist das?“ bemerkten Cheria und ich das Geräusch als erstes.
„ Da kommt irgendetwas auf uns zu!“ zückte die Heilerin ihre magischen Dolche. „ Sei auf der Hut!“
„ Ok!“ nickte ich und aktivierte ebenfalls meine neuen Waffen.
„ Wow! Sind die Klingen aus Kristall?“ schielte sie kurz auf meine Hände, ehe sie sich dem Feld wieder widmete.
„ Kann schon sein.“
„ Halte dich bereit! Das Rascheln ist schon ganz nah!“
Aufmerksam betrachteten wir die Maispflanzen, die sich am äußeren Rand des Felds befanden, während die Männer auf uns zu gestürmt kamen und sich schützend an der Front positionierten.
„ Was ist das für ein Vieh? Ich kann keine dunkle Aura erkennen.“ ließ Aries seinen Blick durch das Feld streifen.
„ Ich sagte doch bereits, dass wir es gleich erfahren werden!“ griff Asariah nach seinem Schwert und holte damit aus, als das Rascheln zum greifen nah war. „ Vorsicht!“
Doch das blutrünstige Ungeheuer entpuppte sich als ein kleiner süßer wuscheliger Hund, der bellend und schwanzwedelnd aus seinem Gemüse heraus gesprungen kam.
„ Hmpf...“ steckte Asariah sein Schwert gleich wieder weg und ging den Weg weiter. „ Welche Zeitverschwendung.“
„ Ohh ist der süüß!!“ strahlten wir Mädels um die Wette.
Der kleine Kerl sprang wie ein kleiner Flummi durch die Gegend und jagte dann noch seinem eigenen Schwanz hinterher, ehe er seinen Po in die Höhe streckte und uns verspielt anbellte.
„ Ich glaube das kleine Hündchen möchte spielen!“ jauchzte unsere Priesterin.
„ Ist der etwa ganz allein hier? Wir sollten ihn mitnehmen. Irgendwer in diesem Schloss wird ihn bestimmt aufnehmen.“
>Komisch. Ich kann an ihm eine schwache dunkle Aura sehen. Was ist das? Hat er vielleicht gegen einen Dämon gekämpft und deshalb klebt die Aura an ihm? Aber er scheint nicht verletzt zu sein, kann so ein kleines Tier wirklich etwas gegen diese Ausgeburten der Hölle ausrichten?< betrachtete Aries das Tier erstaunt.
„ Na los! Lasst uns weiter gehen!“ brüllte uns der Muffelkopf entgegen.
„ Der Eisklotz hat gesprochen, folgen wir ihm.“ ging Lyrias auch weiter.
„ Aber wir können den kleinen Kerl doch nicht seinem Schicksal überlassen! Er wird elendig verhungern!“ protestierte Cheria.
„ Bis zum Schloss ist es nicht mehr weit, er kann uns bis dahin begleiten.“ erklärte der Seelendieb. „ Sofern er euch folgt.“
„ Das kriegen wir schon hin!“ kicherte die Heilerin und lief einige Schritte von ihm weg. „ Komm Hündchen, Hündchen, Hündchen! Ich habe hier ein leckeres Steak für dich! Komm, put, put, put!“
„ Ich glaube, das funktioniert so nicht!“ kicherte ich, da mir der Hund gerade durchs Gesicht leckte.
„ Scheinbar hat er einen Narren an dir gefressen. Vielleicht solltest du ihn dazu bringen, dir zu folgen.“
„ KOMMT JETZT!“ brüllte Asariah erneut nach uns.
„ Ist gut!“ sah ich zu ihm hin.
„ Wir kommen ja schon, also reg dich ab!“
Da weder ich noch Cheria gerade auf das kleine Tier achteten, bekamen wir auch nicht mit, wie seine Augen rötlich anliefen. Sein niedlicher Blick verschwand und einzig die Gier nach menschlichem Blut blieb zurück. Wie bei einem Skorpion stellte er seinen Schweif auf, der in diesem Moment sein Fell verlor und die Form einer dünnen Sichel annahm.
„ UAH!!“ kreischte ich schockiert auf, als ich auf das Hündchen herab sah und den Dämonenstachel bemerkte.
„ Sasha!!“ riss Cheria erschrocken die Augen auf und kam gleich wieder auf mich zu gestürmt. „ BENUTZ DEINE KLINGEN!!“
Aber ich war so perplex, ja beinahe wie paralysiert, dass ich mich nicht rühren konnte. Stattdessen spürte ich die Messerscharfen Krallen dieser Bestie, die sich in meinen Oberschenkel bohrten, während er mich weiterhin mit seinem Blick gefangen hielt.
„ SASHA!!“ schrie die Heilerin entsetzt auf, als der Stachel direkt auf mich zugeschossen kam.
Ich sah mein endgültiges Ende schon auf mich zukommen. Doch dann wurde ich plötzlich von jemanden hoch gerissen, der mich gleichzeitig noch hinter sich stieß. Ich torkelte einige Schritte zurück und stolperte schließlich über meine eigenen Füße, so dass mein Po unschöne Bekanntschaft mit dem Kiesweg machte. Aber diese Schmerzen waren nichts zu den Schmerzen, die mir dieser Dämon beschert hätte. Dann vernahm ich noch die schrillen Schreie des Tiers, die entsetzlicher nicht sein konnten und mich praktisch dazu zwangen, mir die Ohren zu zu halten.
Mein Herz schlug mir noch immer bis zum Hals, als ich meinen Blick zögernd in die Höhe richtete und auf den Rücken von Asariah starrte. Er hatte dem komischen Wesen sein Schwert in den Körper gerammt und stand nun leicht gebeugt vor ihm. Allein das Wissen, dass er mir das Leben rettete, ließ mein sowieso schon rasendes Herz noch schneller schlagen.
Als sich dieses Monster dann allerdings in eine schwarze Nebelschwarte verwandelte und so sein Dasein beendete, brach mein Retter neben seiner Klinge zusammen.

„ Asariah!!“ kämpfte ich mich hoch, um zu ihm hin zu stürmen.
Erst als ich mich neben ihm hin kauerte, bemerkte ich die Klinge, die noch immer in seinem Bauch steckte.
„ Oh nein...“ riss ich entsetzt die Augen auf. „ Cheria!! Schnell komm her!!“ winkte ich sie aufgeregt zu uns hin.
„ Das ist nichts...“ griff er leicht zitternd nach der Klinge und zog sie sich allen ernstes aus seinem Körper!
Ich wäre beinahe schon wieder zusammen gebrochen, als ich das ganze Blut sah.
„ Bleibt mir vom Leib...“ stand er langsam wieder auf und stütze sich an seinem Schwert ab.
„ Spinnst du?? Mit solch einer Wunde kannst du doch nicht weiter laufen!! Du hast sie doch echt nicht mehr alle!“ stauchte Cheria den Herrn zusammen. „ Wir müssen die Blutungen stoppen! Wenn du zu viel Blut verlierst, wirst selbst du das nicht überleben!“ ohne weiter auf seine Proteste einzugehen, knöpfte sie ihm das Hemd auf und lief schließlich Kreidebleich an, als sie das Massaker erblickte. „ Oh mein Gott.“
„ Und das ist alles meine Schuld.“ flüsterte ich.
„ Wir flicken ihn schnell wieder zusammen und dann ist er so gut wie neu.“ versuchte sie mich zu beruhigen.
„ Bist du in Ordnung, Asariah?“ stützte Aries ihn an stelle des Schwertes. „ Autsch. Das sieht Schmerzhaft aus.“ verzog er den Mund.
„ Wie kann es sein, dass du bei der Wunde noch immer stehen kannst?“ zog Lyrias fragend eine Augenbraue hoch.
>Mhhhh... lecker...< betrachtete Cheria den entblößten Oberkörper des Herren, während sie seine Wunde heilte.
Dabei fiel ihr vermutlich nicht mal auf, dass ihr Blick voller Gier dem des Monsters gerade eins zu eins glich...
„ So fertig.“ murmelte sie dann. „ Vielleicht sollte ich mal schauen, ob ich noch andere Wunden finde...“ starrte sie zu ihm auf. >Wie süßßßß!!!<
Sein Gesicht war bereits leicht gerötet, was aber nicht an der Situation lag, die wahrlich erotischer nicht sein konnte. Schließlich kniete sie gerade vor ihm und dass auf einer Höhe, die definitiv die Fantasie anregen konnte. Nein, es lag viel mehr an dem Gift, das das Möchtegern Tier durch seinen Stachel in Asariah's Körper pumpte. Der Betroffene hatte das Gefühl, als würde er von innen heraus verbrennen und genaugenommen war es auch so. Dieser Dämon, der zu den schwächsten Gesellen seiner Art zählte, nahm die Form eines Wesens an, dem seine Opfer vertrauten. Durch diese Vertrautheit schaffte er es, sein Gegenüber zu überraschen und hatte er sein Gift erst einmal an den Mann gebracht, dann gab es für ihn kein Entkommen mehr. Sein Gift war so stark, dass es selbst einen ausgewachsenen Teufel niederstreckte. Die äußere Hülle des Dämons war allerdings so verletzlich, wie bei einer Schildkröte mit gebrochenem Panzer.
Er musste also auf diese Täuschung zurück greifen, um nicht elendig zu verhungern.
Die erste Phase der Wirkung bestand darin, dass die Mahlzeit von innen verbrannte, dann verlor er jegliche Kraft bis er schließlich völlig gelähmt wurde, wenn sein Opfer dann Hilflos um seine Leben bettelte, fraß sich das Vieh einen Weg in den Körper seines Festmahls und verspeiste genüsslich die gar gekochten Innereien. Klingt ekelhaft und das ist es auch! Allerdings starb sein Feind in der Regel, ehe er sich einen Weg zu seinem essen bahnte, da niemand das Kochen seiner Organe überlebte.
„ Ein Gestaltenwandler, aber natürlich! Warum ist mir das nicht früher aufgefallen!“ ging Aries endlich ein Licht auf. „ Wir müssen schnellstmöglich ein Gegengift brauen!!“
„ Ein Gegengift? Wozu das?“ riss sich Cheria vom faszinierenden Anblick ihres Schwarms los und sah zu dem Seelendieb hin.
„ Weil Asariah gerade vergiftet wurde. Los, wir haben keine Zeit zu verlieren!“
„ Das ist unnötig! Mir geht es bestens! Wir müssen weiter.“
„ Das wird sich rasend schnell ändern, wenn wir jetzt nicht gegen das Gift angehen, dann könnte es vielleicht schon zu spät sein.“ führte er seinen Kumpel zu einem Baum hin, gegen den er ihn lehnte. „ Du bleibst hier. Kennt sich wer mit Kräutern aus?“
„ Klar! Ich.“ meldete sich unsere Heilerin.
„ Dann kommst du mit und hilfst mir. Ihr beide bleibt bei Asariah.“
„ Ist gut.“ nickte ich und setzte mich dann neben dem Herrn hin. „ Brauchst du irgendwas?“
„ Nein, ich brauche rein gar nichts!“ fluchte er. „ So ein niederer Dämon ist niemals in der Lage, mich außer Gefecht zu setzen! Das ganze Theater was ihr hier veranstaltet ist so was von nutzlos!“ atmete er schwer ein. „ Das Gift KANN bei mir keine Wirkung zeigen! NIEMALS!“
„ Es tut mir so leid, Asariah...“ flüsterte ich. „ Wäre ich nicht so unachtsam gewesen, dann wärst du jetzt nicht verletzt.“
„ Lerne aus deinen Fehlern!“ es ging ihm nicht gut! Aber unter Garantie nicht! Seine Stimme deutete seine Schmerzen schon an und auch auf seinem Gesicht waren die erste Anzeichen bereits zu sehen.
Ich mochte mir gar nicht auszumalen, wie schmerzhaft das Ganze sein musste.
„ Kann ich dir denn wirklich gar nicht helfen?“
„ Du hilfst mir, in dem du mich endlich in Ruhe lässt!“ fuhr er mich an.
„ Aber!“
„ KEIN ABER!! VERSCHWINDE ENDLICH!“
Er spürte wie ihm die Hitze zu Kopf stieg. Sein gesamter Körper begann zu pochen, während seine Energie immer weiter abnahm und er konnte rein gar nichts dagegen tun. Ganz gleich wie stark er rum fluchte oder meckerte, die Wirkung des Giftes ließ sich dadurch nicht aufhalten. Es ging sogar so weit, dass ihm seine Beine prompt die Zusammenarbeit verweigerten und dann verpuffte auch noch der Zauber, hinter dem er sich bisher versteckte.
„ Hngh!“ zuckte er stöhnend zusammen.
Ich wollte ihm helfen, ihn von seinen Qualen befreien. Aber ich war so machtlos!
„ Ich habe dahinten einen kleinen Bach gesehen.“ meldete sich Lyrias zu Wort. „ Ich werde kaltes Wasser holen gehen, vielleicht hilft ihm das.“
„ Ist gut.“ nickte ich.
Etwas eigenartiges ging in seinem inneren vor sich, das konnte ich durchaus sehen. Das schwarz seiner Haare verblasste und mit jedem pochen seines Körpers, der ihn leicht zusammen zucken ließ, leuchteten seine Haare in einem geheimnisvoll wirkenden Silber auf. Letztendlich zerbrach der Zauber wie ein kaputter Spiegel in tausend Teile und gab sein wahres Äußeres preis.
Völlig erstaunt betrachtete ich den Herren, der gerade noch mit dunklem Haar und blauen Augen vor mir hockte und gegen die Schmerzen ankämpfte.
„ Unmöglich...“ keuchte er.
Und nun saß da ein silberhaariger junger Schönling vor mir, der beeindruckende goldene Augen besaß.
„ Was...?“ blickte ich ihn verblüfft an. „ Was ist denn jetzt los?“
„ Du blickst gerade dem Tod in die kalten Augen...“ murrte er.
„ Wenn der Tod so attraktiv ist, dann tu ich das gerne.“ lächelte ich leicht.
„ Mhm...“ schielte er mich seitlich an.
„ Jedenfalls habe ich keine Angst vor dem Sensenmann.“ meinte ich. „ Schließlich kann ich das Paradies ohne seine Hilfe niemals finden, nicht wahr? Deshalb hoffe ich, dass er mich holen kommt, wenn meine Zeit gekommen ist. Mein Dasein nach dem Ableben in völliger Dunkelheit zu fristen, ist kein Ende was ich herbei sehne und das wird geschehen, wenn er mich vergisst.“
„ ...“ schweigend aber offensichtlich erstaunt blickte er mich an, ehe er von der nächsten Welle des Schmerzes erfasst wurde und seinen Kopf senkte.
„ Hier.“ stellte Lyrias eine Schale voll mit kaltem Bachwasser neben mir auf den Boden. „ Ich hoffe damit können wir sein Leid wenigstens ein bisschen mindern.“
„ Danke.“
„ Mhm. Wie es ausschaut hat sich seine Energie schon verabschiedet, ja?“ betrachtete er den Herrn. „ Dann wird es höchste Zeit, dass er das Gegenmittel verabreicht bekommt.“
„ Da hast du wohl recht.“ nickte ich.
Ich zog mir kurzer Hand das Shirt über den Kopf, ich trug noch ein Top darunter und warf das Kleidungsstück dann in die Schüssel.
Doch gerade als ich das kalte Nass über seinen Oberkörper verteilen wollte, versuchte er mich weg zu stoßen, was allerdings nichts brachte. Stattdessen kippte er zur Seite und fiel mir praktisch direkt in die Arme.
„ Ja! Seine Energie ist definitiv weg.“ gab Lyrias von sich. „ Ich würde sogar behaupten, dass die Lähmung bereits einsetzt.“
„ Hngh!“ zuckte Asariah schon wieder zusammen, was aber dieses Mal wohl an der Flut aus eisig kaltem Wasser lag, die an seinem Bauch runter lief. „ Wie kann das sein?“ murmelte er. „ Ich kann gar keine Kälte verspüren...“ trotzdem bekam er gerade eine Gänsehaut.
„ Was macht ihr denn da??“ baute sich Cheria neben uns auf. „ Machst du dich etwa hinter meinem Rücken an Asariah ran??“
„ Halt den Mund, Weib!“ presste er angestrengt hervor.
„ Natürlich mache ich das nicht!“ erklärte ich. „ Ich habe ihn bloß aufgefangen.“
„ Das Gift breitet sich schneller aus, als ich gedacht habe.“ warf Aries die Kräuter gleich in eine kleine Schale und zerstampfte sie mit einem dicken Stock. „ Vielleicht sollte ich es einfach aus deinem Körper...“
„ Auf gar keinen Fall!“ schnitt ihm Asariah gleich das Wort ab. „ Wenn du das tust, wird sich das Gift in deinem Körper ausbreiten!“
„ Und wenn schon?“ erwiderte er. „ Ob ich nun an dem Gift verrecke oder im Keller fällt ein Spaten um, dass interessiert dich doch nicht im geringsten.“
„ Du musst an meiner Stelle auf Serah aufpassen...“ flüsterte er leise vor sich hin.
„ Was?“ starrte er Asariah kurz erstaunt an, aber schon einen Wimpernschlag später konzentrierte er sich wieder auf seine Aufgabe. „ Du wirst sie selbst beschützen können.“
„ Sein Körper ist schon ganz heiß!“ bemerkte ich erschrocken und lehnte ihn dann wieder an den Baum, um das kalte Wasser großzügig über seine Brust laufen zu lassen.
„ Darf ich auch mal??“ giggelte Cheria.
„ Nur über meine Leiche!!“
„ Ach? Aber bei Sasha ist es ok, oder was?“
„ Bei ihr muss ich auch keine Angst davor haben, dass sie die Situation ausnutzt!“
„ Hehehe... da musst du dir bei mir auch keine Gedanken drüber machen.“
„ Du fängst ja jetzt schon an zu sabbern.“
„ Ich trage die Schuld daran, dass er diesen Zustand erleiden muss. Deshalb werde ich mich auch darum kümmern, dass er wieder gesund wird.“ mischte ich mich ein.
„ Wie gemein.“ setzte sie sich beleidigt ins Gras. >Mit silbernen Haaren sieht er sogar noch heißer aus!!< schielte sie zu ihm hin. >Oh mannn!!< wackelte sie in Gedanken aufgeregt hin und her. >Wenn ich doch nur so könnte, wie ich wollte!!! Ich beneide Sasha!< sah sie lächelnd in den Himmel. >Dennoch werde ich diejenige sein, die das Herz meines Traummannes erobern wird.<
„ Die Paste ist fertig!“ hockte sich Aries neben mir nieder. „ Das wird seine Temperatur senken.“ deutete er auf die Schale hin. „ Und das hier muss er trinken.“ hielt er mir eine kleine Phiole entgegen.
„ Ist gut.“
Ich wollte die Phiole eigentlich gleich an den Verletzten weiter reichen, allerdings starrte mich dieser nur entgeistert an.
„ Wirklich sehr witzig...“
„ Kannst du nicht mal mehr deinen Arm heben?“
„ Hm...“ wendete er seinen Blick von mir ab.
Ihm war das ganze unheimlich unangenehm, was ich durchaus verstand.
>Oh wie niedlich hilflos er ist!! Fast so wie ein Baby!< kicherte Cheria.
Sonst war ich es immer, um die man sich gekümmert hatte, deshalb hatte ich überhaupt keine Ahnung, was ich jetzt am besten tun sollte. Ich wusste nur, dass dieses Zeug in seinen Körper gelangen musste, nur der Weg dorthin, der hatte sich mir noch nicht eröffnet. Ich könnte ihm das Fläschchen einfach in den Rachen stopfen, aber hinterher verschluckte er sich noch und erstickte qualvoll! Oder die Flüssigkeit plätscherte daneben und ergoss sich über seinen Körper und dann würde er qualvoll verbrennen! Das waren alles keine schönen Methoden um abzudanken.
Aber dann schoss mir eine Geschichte in den Sinn, die mir eine ältere Dame mal erzählt hatte. In ihrer Jungend irgendwann fand sie einen schwerverletzten und völlig geschwächten jungen Mann und nahm diesen mit nach Hause. Die Medikamente die er brauchte, konnte er auch nicht von selbst einnehmen, deshalb verabreichte sie ihm die. Und zwar von Mund zu Mund!
„ Genau das ist die Lösung!“ klatschte ich in die Hände.
Kurzer Hand verabreichte ich mir selbst einen Schluck des Tranks und verschloss die Flasche dann wieder. Ich wollte schließlich nicht einen Tropfen davon verschütten.
„ Du solltest das nicht selbst trinken!“ schrak Aries auf.
Da ich ihm gerade nicht antworten konnte ohne dabei Gefahr zu laufen, dass Zeug einfach herunter zu schlucken, sagte ich nichts dazu. Stattdessen stieß ich Asariah an, so dass er zur Seite kippte. Natürlich lehnte ich meinen Arm schützend unter seinen Kopf, schließlich wollte ich nicht, dass er sich auch noch die Birne einschlug. Zum Schluss drückte ich meine Lippen, zum Entsetzen von eigentlich jedem, auf seine, um ihm so das Mittelchen zukommen zu lassen.
„ Was...???“ keuchte er erbost auf, doch weiter kam er nicht, da ich mir gleich den nächsten Schluck gönnte und an ihm weitergab.
„ So geht es natürlich auch...“ kratzte sich Aries schmunzelnd am Kopf.
„ ...“ bloß Cheria brachte nicht einen Ton heraus, stattdessen schaute sie gerade so drein, als würde sie jeden Moment Amok laufen.
„ Das reicht jetzt aber... Hmpf!!“ unterbrach ich ihn erneut.
„ Einmal noch.“ lächelte ich leicht. „ Gleich hast du es überstanden.“ setzte ich das Fläschchen ein letztes Mal an.
„ Mh...“ trug er sein Schicksal mit Fassung, nun wo er erkannte, dass ich dabei keinerlei Hintergedanken besaß und es lediglich aus dem einen Grund tat, um ihm die Medizin verabreichen zu können.
„ So, das war es.“ verkündete ich.
Nachdem er dann wieder an seinem Baum lehnte, widmete ich mich der Paste zu.
„ Und die soll ich ihm ins Gesicht schmieren? Oder wo kommt die hin?“
„ Nein, nicht ins Gesicht. Die muss auf seinen Oberkörper. Dort wo das Gift eintrat und wo es sich gnadenlos ausbreitet.“ erklärte Aries mir.
„ Oh ok.“ blickte ich erst auf die Schale herab und dann zu seinem Oberkörper auf. „ Darf ich die Paste einfach so berühren?“
„ Sicher, da passiert nichts schlimmes.“
„ Nun mach schon!“ murmelte Asariah. „ Die Hitze ist kaum zu ertragen.“
„ Entschuldige!“
>ICH fasse es NICHT!! Sie hat ihn wirklich GEKÜSST!! Und das gleich drei oder nein waren es vier? OH GOTT!!! SIE HAT IHN GEKÜSST!!!< kreischte Cheria in Gedanken rum. >Wie kann es sein, dass er sie so dicht an sich heran lässt, mich aber nicht? Steht er etwa auf blonde Frauen? Ich weiß! Männer sind Jäger und wenn ich ihn jetzt einfach ignoriere, wird er schon auf mich aufmerksam werden! Genau! So machen wir das. Ich hab es ohnehin nicht nötig, irgendwelchen Idioten hinterher zu laufen!<
„ So, das war es.“ erhob ich mich. „ Ich gehe mir eben die Hände waschen.“
„ Soll ich dir zeigen, wo sich der Bach befindet?“ bot sich Lyrias gleich an, mich zu begleiten. „ Es ist sicherer wenn du nicht allein herum wanderst. Wer weiß ob nicht noch so ein Dämon in der Nähe auf uns lauert.“
„ Ich komme auch mit.“ erklärte Cheria.
„ Ok. Bis gleich.“ schlenderten wir zu dem Bach hin.
„ Es tut mir leid, Asariah.“ ließ sich Aries neben ihm nieder. „ Ich hätte den Gestaltenwandler eigentlich gleich erkennen müssen.“
„ Du brauchst dich nicht zu entschuldigen. Ich hab ihn auch nicht erkannt.“
„ Ja, aber du bist auch kein Seelendieb.“ seufzte er. „ Misaki und Thanatos haben mir scheinbar noch immer einiges voraus.“
„ Sie sind ja auch um einiges älter. Ihre Erfahrung bringt das Wissen mit sich.“
„ Trotzdem fühle ich mich so, als hätte ich versagt.“
„ Mh...“ sah Asariah zu seinem Kumpel hin. „ Ich bin mir sicher, dass weder Misaki noch Thanatos oder irgendein anderer Seelendieb, in deinem Alter schon das drauf hatte, was du drauf hast.“
„ Wow. Das war ja gerade ein Kompliment.“ lächelte er leicht.
„ Nein, dass war nur eine Feststellung.“
„ Trotzdem muss ich dir danken.“
„ Unsinn.“
>Ganz gleich wie kalt er sich auch gibt, ein kleiner Teil seines alten Ichs ist noch immer in ihm vorhanden. Das hält unsere Hoffnung aufrecht, ihn von Chaos befreien zu können.< lächelte er leicht vor sich hin. >Ich frage mich, ob das Licht auch einen Namen hat. Oder wird sie sich ab jetzt Sasha nennen?<
„ Wie lange werde ich gelähmt sein?“ riss ihn Asariah aus seinen Gedanken heraus.
„ So lange bis das Gift neutralisiert ist.“
„ Und wie lange wird das verdammt nochmal dauern?“
„ Einige Stunden wirst du wohl in dieser Position verharren müssen.“ sah er über die Schulter zu seinem Kumpel zurück.
„ Großartig.“
„ Es hätte auch schlimmer kommen können.“ zuckte Aries bloß mit der Schulter.
„ Ach ja?“
„ Ja, sicher. Dieser Gestaltenwandler frisst sich am liebsten von unten nach oben durch das Buffet... falls du verstehst was ich meine. Du kannst also von Glück sagen, dass er nicht die Zeit zum Zubeißen hatte.“
„ Ich habe nicht verstanden was du meinst!“ stand Cheria plötzlich neben den Beiden. „ Klettert er denn nicht durch die Wunde seiner Klinge?“
„ Früher tat er das. Aber seit er mal über eine Frau hergefallen ist, hat er bemerkt wie leicht man doch von unten in den Körper gelangen kann.“ zupfte er an ihrem Rock rum.
„ DIESES VIEH IST JA PERVERS!!!“ wich sie entsetzt zurück.
Eigentlich würde sie diese Gelegenheit gleich beim Schopfe packen, um bei Asariah nach dem Rechten zusehen, nicht dass sein kleiner Freund doch ein paar Bissspuren hatte. Aber dadurch, dass sie ihn ja jetzt ignorieren wollte, unterließ sie es.
„ Wir bleiben die Nacht also hier, ja?“ wendete sie sich von ihnen ab.
„ Gezwungenermaßen, ja.“ nickte der Seelendieb.
„ Dann werde ich das Sonnenlicht nutzen, um noch ein paar Früchte zu sammeln.“
„ Schaust du dann gleich mal, ob du noch ein paar von den Kräutern findest?“
„ Sonst noch einen Wunsch?“ drehte sie sich lächelnd zu ihm hin.
„ Ähm... nein? Danke!“
„ Dann gehe ich jetzt.“
„ Soll ich dich...“ begann Lyrias, wurde aber gleich von der Dame unterbrochen.
„ NEIN sollst du nicht! Ich kann sehr wohl auf mich selbst aufpassen. Aber danke für das Angebot.“

Zur gleichen Zeit im Königreich Edana.
Das Gebilde des scheinbaren Engels erblickte man auch in weiter Ferne. Es zermalmte seine Gegner gleich, ehe sie das Reich überhaupt erreichten. Im Hintergrund blitzte das prachtvolle Schloss im Einklang mit der Sonne vor sich hin, während im Vordergrund die Behausungen der Bevölkerung lagen. Neben Serah's Mächte wurde die Stadt noch von einer riesigen Mauer beschützt.
Bis zu jenem Tag, als die Dämonen die Welt quasi überfluteten, lebten die Menschen friedlich vor sich hin. Sie arbeiteten eng mit der Königsfamilie zusammen, damit Edana auch in Zukunft noch zu den Königreichen zählte, die auf der Sonnenseite des Lebens standen.
Jeden Tag kamen neue Flüchtlinge an gehetzt, die allesamt mit offenen Armen empfangen wurden. Sie flohen aus ihrer Heimat, die dem Erdboden gleich gemacht wurde.
Serah befand sich gerade auf dem Balken des Schlosses und sah besorgt auf die Menschen herab.
„ Du siehst müde aus, Serah.“ kam Prinzessin Anna auf sie zu geschlendert.
„ Mir geht es gut, keine Sorge.“ lächelte sie sie beruhigend an.
„ Auch ein Engel ist mal erschöpft, nicht wahr? Vielleicht solltest du dich etwas ausruhen. Unsere Wachen werden darauf achten, dass kein Dämon hinter die Stadtmauern gelangt.“
„ Das ist nicht nötig, wirklich nicht.“ versicherte sie. „ Ich werde heute Abend früh ins Bett gehen, das reicht vollkommen aus.“
„ Übernimm dich nicht, hörst du? Damit hilfst du weder uns, noch dir selbst. Pass auf dich auf.“
„ Das werde ich.“ nickte sie.
„ Gut. Dann lasse ich dich mal wieder allein.“ schlenderte sie zu der Tür hin, an der sie sich noch mal zu der jungen Göttin hin drehte und sie besorgt musterte.
„ Majestät!! Majestät!!“ kam eine Wache angerannt.
„ Was ist los?“
„ Eine Horde dunkler Geschöpfe kommt direkt auf uns zu geschossen!“ erklärte er. „ Einer unserer Späher hat sie soeben entdeckt! Sie werden bald hier sein!“
„ Oh nein! Wo kommen die denn plötzlich her?“ riss Anna erschrocken die Augen auf.
„ Scheinbar wurden sie von etwas angezogen, was sich hier ganz in der Nähe abgespielt hat. Wenn wir die Wachen nicht verstärken, dann werden sie uns einfach überrollen!“
„ Veranlasse alle Notwendigkeiten, um diese Stadt und ihre Bewohner zu schützen!!“
„ Jawohl, Prinzessin Anna!“ verbeugte er sich kurz und eilte dann zurück.
„ Eine Horde dunkler Geschöpfe?“ ging Serah auf die Dame zu.
„ Du musst dich da raus halten, Serah!“ starrte sie die Göttin ernst an. „ Du bist ganz offensichtlich geschwächt! Bitte versprich mir, dass du dich nicht einmischen wirst!“
„ Mir geht es wirklich gut! Ich kann ebenfalls kämpfen!“
„ Das kommt nicht in Frage! Du darfst dich solch einer Gefahr nicht aussetzen!“ meinte sie. „ Ich weiß, dass ihr Engel dazu da seid uns zu beschützen, aber dieses Mal ist es andersrum. Wir werden dich beschützen, ok?“ lächelte Anna.
„ Nun gut, ich werde versuchen mich raus zu halten.“
„ Mehr erwarte ich auch gar nicht.“ nickte sie zufrieden und zog dann eiligen Schrittes von dannen.
„ Von was wurden sie denn angezogen?“ dachte Serah darüber nach.
„ Die Flüchtlinge berichteten von einem Lichterregen, der auf die Erde nieder prasselte und dabei alle Dämonen zerfetzte, die ihn berührten.“ landete Chiara hinter ihr auf dem Balkon und ließ ihre Flügel gleich darauf wieder verschwinden. „ Scheinbar hat diese Cheria erkannt, wozu eine göttliche Waffe fähig ist.“
„ Das ist gut.“ drehte sie sich zu ihr um. „ Aber irgendwie auch nicht, denn das bedeutet, dass sich Asariah und Aries ganz in der Nähe aufhalten und vielleicht schon auf dem Weg hier her sind.“
„ Was aber auch wieder etwas gutes an sich hat, schließlich können sie die Dämon gleich wieder vernichten, die sie erst hier her lockten.“
„ ACHTUNG SIE KOMMEN!!!“ brüllte eine Wache.
Vom Himmel war beinahe nichts mehr zu sehen, einzig das schwarz der Geschöpfe aus der Unterwelt schoss einem gleich in die Augen. Ihre fürchterlichen Schreie vertrieben die einheimischen Vögel, das Geräusch ihrer Schwingen kam sogar jetzt schon bei ihnen an.
„ Oh mein Gott...“ riss Serah erschrocken die Augen auf.
Sie war auf das Dach geflogen, um sich von dort aus einen besseren Überblick verschaffen zu können.
„ Zusammen müssen die mindestens eine Tonne wiegen.“ keuchte die Götterkatze. „ Wo kommen die denn so plötzlich alle her? So viele waren es ja nicht mal, als wir hier ankamen.“
„ Keine Ahnung wo sie herkommen!“ ließ sie ihren Stab erscheinen. „ Aber wir müssen dafür Sorgen, dass sie allesamt wieder verschwinden!“
„ MACHT EUCH BEREIT, MÄNNER!!! AN DIE WAFFEN!!!“
Und schon im nächsten Moment krachte die geballte Dunkelheit gegen das Schutzschild der Stadt. Hunderte dieser Monster wurden auf einem Streich ausgelöscht, die anderen knallten dem Schild alles entgegen, was sie zu bieten hatten. Sei es nun die dunkle Macht, ihre Klauen oder Krallen, oder ihre spitzen Reißzähne.
„ HOLT SIE VOM HIMMEL!!“
Mit jedem Schlag gegen ihre Barriere entzogen sie der jungen Dame mehr und mehr Energie. Die Anstrengung, dass Schild trotz der Last aufrecht zu erhalten, zwang sie bald schon in die Knie und ein Ende war noch lange nicht in Sicht.
„ Halte durch, Serah!“ kniete sich Chiara neben ihr hin. „ Nur noch ein bisschen.“
„ ...“ unfähig auch nur das kleinste Wörtchen über ihre Lippen zu pressen, nickte sie einfach nur.
„ Gut!“ breitete sie ihre Schwingen aus und stürzte sich fauchend ins Getümmel.
Etliche Dämonen fanden durch sie ein jähes Ende, allerdings bekam sie auch die ein oder andere Klaue zu spüren.
„ Ich halte das nicht mehr lange durch!“ keuchte Serah. „ Ich bin am Ende meiner Kräfte angelangt. Hngh!“ zuckte sie zusammen und sah dann zu ihrer Freundin auf. „ Chiara... ich muss etwas unternehmen...“
Mit allerletzter Kraft schleppte sie sich auf den Marktplatz, wo sie ihre göttliche Gestalt annahm und alle Mächte mobilisierte, die ihr gerade noch zur Verfügung standen.
Sie spürte wie das Schutzschild die ersten Rissen bekam, sie hörte die verängstigten Schreie der Menschen und dann passierte es!
Die schützende Barriere brach unter der Last der Dunkelheit zusammen und zersprang in tausend kleine Teile.
„ Ihr bekommt die unschuldigen Seelen nicht!!! NIEMALS!!“ brüllte Serah auf und stieß gleichzeitig die geballte Macht der Reinheit von sich.
Das Licht erstreckte sich binnen weniger Sekunden über das gesamte Reich und riss ein riesiges Loch in die schwarze Welle. Die Feinde verwandelten sich in ein Häufchen Asche und die Verbündeten wurden von ihren Wunden befreit. Schließlich erreichte ihre Attacke ihren Höhepunkt und explodierte wahrlich, während sie unzählige Feinde mit in den Abgrund riss. Zu guter Letzt baute sie mit ihrer verbleibenden Energie eine neue Barriere auf, ehe sie erschöpft zusammen brach und ihr Bewusstsein verlor.
„ Serah!“ eilte das Kätzchen gleich zu ihr hin. „ SERAH??“ rüttelte sie an ihr rum, aber sie reagierte nicht. „ Oh nein... was mach ich denn jetzt?“ starrte sie in den Himmel, wo sie die übrig gebliebenen Dämonen schon wieder versammelten. „ Ich muss sie von hier weg locken!!“ sah sie auf die bewusstlose Dame herab. „ Hey! Ihr Blechbüchsen!“ winkte sie einige Wachen zu sich hin. „ Bringt sie aufs Schloss und beschützt sie mit eurem Leben!! Sollte ihr etwas geschehen, dann bekommt ihr meine Krallen zu spüren, verstanden?“ fauchte sie auf.
„ Keine Sorge, wir werden Lady Serah mit allem beschützen, was wir Sterbliche zu bieten haben.“ nahm er das Mädel auf den Arm.
„ Passt auf sie auf!“ nickte sie ihnen zu und erstürmte dann den Himmel. „ Hey ihr Bastarde!!“ schleuderte sie ihnen eine Energiekugel entgegen. „ Ich habe gehört, eure Mutter wäre ein stinkender Oger! Man soll sie schon vom weiten erschnüffeln können! Na los, kommt und holt mich! Ihr sucht doch nach einer starken Seele! Hier bin ich!“ wie beabsichtigt folgte ihr der größte Teil, mit dem kläglichen Rest würden das Schutzschild und die Wachen schon fertig werden.
So schnell wie der Wind preschte Chiara durch die Lüfte, bis sie schließlich an einem Feld ankam, was weiter abseits vom Schloss lag und wo sie nun mit dem Gesocks kurzen Prozess machen würde.
Rein zufällig stampfte Cheria gerade an dem Feld vorbei, die verstimmt ein paar Steinchen weg trat.
„ Man wie ätzend! Warum ärgert es mich nur so sehr, dass sie ihn geküsst hat? Das ist doch echt das letzte! Sie tat es ja nicht mal, um sich an ihn heran zu machen. Warum kann ich mich nicht beruhigen? Eifersucht nervt!!“ raufte sie sich die Haare. „ Nanu? Was ist das denn?“ erblickte sie die Dämonenschar. „ Ach du scheiße!!“ kreischte sie entsetzt auf. „ Will die sich ihnen etwa ganz allein stellen??“ bemerkte sie Chiara. „ Fuck!“
Wie von der Tarantel gestochen hetzt sie zu der fremden Frau auf das Feld und zückte ihre Dolche, die dann schützend um ihren Körper flogen.
„ Was tust du da?? Sieh zu das du verschwindest!!“ keifte die Katze rum.
„ Das gleich könnte ich dir auch sagen! Keine Sorge, zusammen machen wir sie fertig.“
Gemeinsam war man Stark, diese Weisheit traf gerade wirklich zu. Sie bekämpften die Dämonen, als hätten sie niemals etwas anderes getan. Es war ein harter Kampf zugegeben, aber neben ein paar Kratzer und Schrammen bekamen sie nichts weiter ab.
Das ein oder andere Tröpfchen Blut plätscherte auf den Boden, aber das war nicht der Rede wert. Was zählte war der Sieg! Und den sollten sie auch erreichen.
„ Wuha! Welch schwere Geburt.“ keuchte Cheria. „ Aber wir haben es geschafft.“ sah sie zu ihrem Partner rüber. „ Warte mal, bist du nicht der Begleiter von dem Engel? Aber seit wann hast du denn Katzenohren und einen Katzenschwanz?“ wich sie erstaunt zurück.
Die erste Zeit hatte Chiara ihre Ohren und den Schwanz genauso wie ihre Flügel unsichtbar gemacht. Aber seit die Menschen Serah für einen Engel hielten, sollten sie aus ihr doch einen Katzenmenschen machen.
„ Schon seit meiner Geburt...“ murmelte sie völlig außer Atem vor sich hin.
„ Du bist ja verletzt! Warte ich heile deine Wunden.“ eilte sie zu ihr hin.
„ Dafür ist keine Zeit, ich muss zurück...“ allerdings war auch sie inzwischen am Ende ihrer Kräfte angekommen. „ Ich muss... Serah...“ und so verlor auch das junge Kätzchen ihr Bewusstsein.
„ Hey!“ griff sie gleich nach ihr. „ Komm mach keinen Scheiß!! Wie soll ich dich denn bitte von hier weg bringen?? Öffne deine Augen, sofort! Verdammt.“ biss sie sich auf die Unterlippe. „ Hilft wohl alles nichts. Ich kann dich nicht einfach hier liegen lassen also...“ sah sie in die Richtung, aus der sie gekommen war. „ ...hoffen wir nun mal, dass sie mich trotz der Entfernung hören können.“ schloss sie ihre Augen und holte noch einmal tief Luft. „ A-R-I-E-S!!!!!!“ um sich dann die Seele aus dem Leib zu brüllen.
„ Was?“ schreckte der Herr tatsächlich auf.
„ Was ist?“ wollte ich von ihm wissen.
„ Cheria scheint in Gefahr zu sein!“ erhob er sich eilig. „ Ihr bleibt bei Asariah!“
„ Nein, ich will mitkommen!“ widersprach ihm Lyrias.
„ Du musst hier bleiben und die Beiden beschützen, ok? Allein bin ich ohnehin schneller.“ raste er in den Wald und nahm dann, als ihn keiner mehr sehen konnte, seine teuflische Gestalt an, mit der er in Windeseile an dem Feld ankam, wo Cheria hockte und auf ihn wartete.
„ Aries!! Hier drüben!!“ winkte sie ihm zu.
„ Was ist los? Warum hast du nach mit gerufen?“ rannte er auf sie zu, natürlich hatte er sein menschliches Aussehen wieder angenommen. „ Was...?“ sah er völlig schockiert auf die Götterkatze runter. „ C-Chiara????“
„ Du kennst sie?“
„ Natürlich! Aber sie dürfte gar nicht hier sein. Ist sie... etwa.. auch hier?“ >Wollte mir Dad das erzählen? Das es sich bei dem Engel um Serah handelte? Unmöglich...< lief er kreidebleich an. >Oder ist sie allein her gekommen?<
„ Wir sollten sie von hier weg bringen. Ihre Wunden habe ich bereits geheilt.“
„ Am besten bringen wir sie zu uns ins Camp.“ nickte er. „ Du weißt wer Asariah in Wirklichkeit ist, nicht wahr?“ sah er Cheria seitlich an.
„ Du meinst das er kein Mensch ist, ja das weiß ich.“
„ Gut.“
„ Aber warum fragst du...?“
Warum er das tat, bekam sie dann am eigenen Leib zu spüren. Als er Chiara auf den Arm genommen hatte, drückte er auch gleich die andere Dame an sich und gab dann sein wahres Äußeres preis. So konnten sie in Handumdrehen zu den anderen zurückkehren.
„ Wow! Das war spaßig!“ kicherte sie.
Das letzte Stück mussten sie natürlich zu Fuß gehen, schließlich wollte mir Aries keinen Schrecken einjagen.
„ Chiara?“ staunte Asariah auch nicht schlecht, als er das Mädchen erblickten. „ Was macht sie hier?“
„ Kann es sein, dass Edana gar nicht von einem Engel beschützt wird?“ vermutete unsere Heilerin.
„ Edana... ich muss da sofort hin. Wenn Chiara hier ist, dann muss dort etwas passiert sein!“ legte Aries die Götterkatze auf den weichen Rasen. „ Ich komme wieder, sobald ich dort nach dem Rechten gesehen habe.“
„ Ich sollte dich auch begleiten. Mich kennen die Bewohner bereits.“ erklärte Cheria. „ Ich weiß nicht, ob du einfach so ins Schloss gelangen kannst.“
„ Ok. Kann ich mich darauf verlassen, dass du hier die Stellung halten wirst?“ wollte er von Lyrias wissen.
„ Sicher.“
„ Gut, dann lass uns gehen, Cheria.“ griff er nach ihrer Hand und zerrte sie sanft aber bestimmend hinter sich her.
„ Sind das echte Katzenohren?“ betrachtete ich die Unbekannte interessiert. „ Thihihi! Sie zuckt selbst im Schlaf mit ihren Öhrchen.“ kicherte ich, während ich vorsichtig ihre Ohren berührte.
Ich war so sehr mit dem Kätzchen beschäftigt, dass ich gar nicht mitbekam, wie Asariah verzweifelt versuchte, zu unserem Gast hin zu kriechen. Allerdings machte ihm seine Lähmung einen Strich durch die Rechnung. Er klebte förmlich an diesem Baum fest, gegen den er lehnte, ohne Aussicht darauf, dass er sich auch nur einen Millimeter weit weg bewegen konnte.

In der zwischen Zeit waren meine beiden Begleiter am Schloss angekommen und betrachteten das Gebilde aus der Ferne.
„ Das sah beim letzten Mal aber noch anders aus.“ bemerkte die Heilerin.
„ Scheinbar wurde das eigentliche Schild zerstört und das ist nun so was wie eine Notlösung.“ vermutete er. „ Die wirre Form war so bestimmt nicht beabsichtigt worden.“
„ Sag mal...“ wendete sie sich dem Ladthaaner zu, der sie noch immer auf Händen trug und zudem sein wahres Antlitz preisgab. „ Was bist du eigentlich genau?“ drückte sie ihm auf die stählerne Haut rum, die nicht mal einen Millimeter nachgab.
„ Willst du das wirklich wissen?“ blickte er auf sie herab.
„ Klar, sonst würde ich dich doch nicht fragen.“
„ Gut, ich bin ein Teufel.“
„ Also doch. Ich war mir nicht ganz sicher, ob Asariah der Gott oder der Teufel des Todes ist.“
„ Du weißt es also wirklich.“
„ Sicher, schließlich habe ich seine Stimme gehört. Das ließ überhaupt keine Zweifel zu.“
„ Dann solltest du dich wirklich mal fragen, ob du tatsächlich jemanden hinterher rennen willst, der nur seinen Job erledigt hat oder ob du endlich die Augen öffnest und den erblickst, der dich wirklich anflehte, wieder aufzuwachen.“
„ Wie meinst du das?“
„ Darauf musst du wohl selbst kommen.“ setzte er zur Landung an und ließ sie dann runter. „ In Herzensangelegenheiten kannst du dir nur selbst helfen.“
„ Ich weiß sehr wohl für wen mein Herz schlägt.“ murmelte sie.
„ Dann passe auf, dass du dich in der Sache nicht verrennst.“ ging er schon mal vor.
„ Das lass mal meine Sorge sein.“ eilte sie ihm nach. „ Aber erzähl doch mal, was bist du für ein Teufel?“
„ Ich bin ein Seelendieb.“
„ Uh, das klingt aber gruselig.“
„ Das ist es auch.“ grinste er sie an. „ Ich ernähre mich von den Seelen unschuldiger Jungfern!“
„ Hör auf mit dem Mist! Ansonsten verbiete ich dir, dich weiter mit Sasha abzugeben!“ maulte sie.
„ Das war nur Spaß.“ lachte er.
„ Ein Seelendieb.“ überlegte sie. „ Sind das nicht die Teufel, die die Aura eines Wesen in sich aufnehmen können, um dadurch noch stärker zu werden?“
„ So könnte man es wohl formulieren.“ stimmte er ihr zu.
„ Wow. So könntest du zum mächtigsten Dämon aller Zeiten werden!“ jubelte sie.
„ Teufel, wenn ich bitten darf. Dämonen sind niedere Geschöpfe.“
„ Oh entschuldige bitte. Ich wusste ja nicht, dass du so eitel bist.“
„ Es sei dir vergeben.“
„ Dann ist Serah eine Göttin, ja?“ dachte sie weiter darüber nach. „ Genial! Ich bin einer waschechten Gottheit begegnet!!“ grölte sie.
„ Die Göttin der Reinheit, ja.“
„ Ist sie deine Freundin?“
„ Nein, ist sie nicht. Du bist ganz schön neugierig!“
„ Und du bist ein Teufel!!“ drückte sie kichernd auf seinem Arm rum. „ Wenn ich einen Pakt mit dir schließe, erfüllst du mir dann auch jeden meiner Wünsche?“
„ So etwas gibt es nur im Märchen.“
„ Och schade.“ wendete sie sich seufzend ab. „ Aber kommst du jetzt überhaupt durch die Barriere?“
„ Sicher. Für Serah stelle ich keine Gefahr dar. Deshalb wird ihr Schutz nicht auf mich reagieren.“
„ Das ist gut.“
Zwischenzeitlich hatte er natürlich sein Aussehen wieder geändert, denn auch wenn die Barriere nicht reagierte, so würden es die Wachen dennoch tun.
Gemeinsam betraten sie dann die Stadt und schlenderten geradewegs auf das Schloss zu. Von dem Angriff der Dämonen war nicht mehr viel zu sehen. Die Schlosswachen hatten wahrlich ganze Arbeit geleistet.
„ Halt! Wer ist da?“ versperrten zwei Ritter den Weg.
„ Ich bin Cheria, die Auserwählte des Engels. Ich bin hier um ihr von den jüngsten Ereignissen zu berichten.“
„ Lady Serah ist während des Kampfes gegen die Dämonen zusammen gebrochen. Sie schläft und wird heute niemanden empfangen.“
„ Sie ist zusammen gebrochen?“ wiederholte Aries die Worte schockiert. „ Was ist passiert??“
„ Es waren zu viele Dämonen auf einmal, dem konnte sie nicht standhalten.“
„ Ich muss sie sofort sehen, also geht mir aus dem Weg!“
„ Und wer bist du, dass du glaubst uns Befehle erteilen zu können?“
„ Ich bin ein Engel, genau wie sie!“ ließ er seine Flügel erscheinen. Aber anders wie bei Serah, waren seine Federn schwarz. „ Also lasst mich durch!“
„ Wow, ich wusste ja gar nicht, dass du solche Flügel besitzt!“
„ Du weißt so einiges nicht.“
„ Noch ein Engel. Nun gut, ihr dürft passieren.“ traten die Wachen zur Seite. „ Lady Serah's Zimmer befindet sich auf der ersten Etage.“
„ Danke, ich kenne den Weg. Würdest du mir also bitte folgen, Engelchen?“ sah sie über ihre Schulter zu ihm zurück.
„ Sicher.“
Gemeinsam schritten sie durch die Flure des prachtvollen Schlosses und kamen dann schließen bei dem Zimmer an, in dem sich Serah gerade befinden sollte.
„ Wir sind da. Das ist ihr Zimmer.“ erklärte sie und öffnete gleichzeitig die Tür.
Serah befand sich tatsächlich in dem Raum, allerdings schlief sie nicht mehr, obwohl sie dies bitter nötig hätte. Jeder Gott verfügte über einen körpereigenen Abwehrmechanismus, der gleich auf schrillte, wenn sich etwas mit dunkler Aura näherte. Also lag es an Aries Anwesenheit, dass sie nicht weiter schlafen konnte.
>Da ist noch eine dunkle Aura...< schälte sie sich erschöpft aus dem Bett. >Ich muss...< doch gerade als sie aufstehen wollte, gaben ihr Beine gleich nach und zwangen sie erneut in die Knie.
„ Serah!“ ließ er sich gleich neben ihr nieder.
„ Aries...?“ brauchte sie einen kurzen Moment, um zu realisieren, was gerade geschah. „ ARIES??? WAS willst DU denn HIER?“
„ Das gleiche könnte ich dich auch fragen!!“ maulte er.
„ Woher weißt du überhaupt, dass ich hier bin?“
„ Weil uns Chiara quasi in die Arme fiel.“ knurrte er. „ Warum bist du hier? Du solltest in Illumina sein, also was tust du an solch einem Ort?“
„ Wir beschützen die Menschen...“ senkte sie ihren Blick.
„ Ich gehe schnell und hole ihr was zu trinken.“ schlich Cheria aus dem Raum.
„ Du solltest nicht in dieser Welt sein...“ seufzte er. „ Es ist viel zu gefährlich.“
„ Ich kann aber auch nicht zuhause rum sitzen, während Chaos Asariah's Seele verschlingt.“
„ Vertraust du mir denn nicht? Ich werde schon dafür Sorgen, dass das nicht geschieht.“
„ Doch, sicher vertraue ich dir.“ flüsterte sie. „ Aber trotzdem...“
„ Ja, das lässt sich nun nicht mehr ändern.“ seufzte er erneut auf. „ Das Kind ist bereits in den Brunnen gefallen, auch wenn mir das nicht gefällt und Asariah wird das auch nicht gerade erfreuen.“
„ Weiß er schon, dass ich hier bin?“
„ Er wird es sich denken können. Schließlich ist Chiara gerade bei ihm.“
„ Geht es Asariah gut?“
„ Äh... sicher. Unverändert, genau wie gestern.“
„ Das ist gut.“
„ Du solltest dich wieder hinlegen.“ riet er ihr. „ Ich werde ihn morgen mit hierher bringen, dann kannst du dich selbst davon überzeugen, dass er noch immer der gleiche Eisklotz ist.“
„ Wolltest du mir nicht noch etwas sagen, wenn wir uns wieder gegenüber stehen?“ sah sie zu ihm auf.
„ Ich werde es dir sagen.“ lehnte er seine Hand an ihre Wange. „ Aber nicht jetzt. Du musst dringend wieder ins Bett und ich will die Dinge nicht zwischen Tür und Angel regeln.“
„ Bleibst du noch bei mir, bis ich eingeschlafen bin?“
„ Sicher.“ lächelte er. „ Nun leg dich wieder hin.“
„ Ok...“ folgte sie seinem Rat und legte sich zurück ins Bett.
Es dauerte auch gar nicht lange bis ihr die Augen zufielen und sie erneut ins Reich der Träume abtauchte. Aries blieb wie versprochen an ihrem Bett sitzen und umschloss ihre Hand mit seiner. Sorgenvoll blickte er auf sie herab, während seine Lippen ihren Handrücken berührten.
„ Ist sie hier sicher?“ wollte er dann von Cheria wissen, als sie den Raum betrat.
„ Natürlich. Die Schlosswachen werden sie mit ihrem Leben beschützen. Genauso wie die Bewohner dieser Stadt. Sie werden nicht zulassen, dass ein Dämon auch nur in ihre Nähe gelangt.“ stellte sie das Glas neben ihm auf das Nachtschränkchen. „ Sie bedeutet dir wirklich viel, mh?“
„ Ja, das tut sie.“
„ Möchtest du bei ihr bleiben? Ich kann auch allein zu den anderen zurückkehren.“
„ Nein, schon ok.“ riss er sich vom Anblick der jungen Göttin los und stand langsam wieder auf. „ Wenn sie hier sicher ist, dann sollten wir sie nicht länger stören. Sie braucht jetzt ihre Ruhe.“
„ Sie ist sicher, das schwöre ich dir.“
„ Gut, dann sollten wir nun zu den anderen zurückkehren. Es könnte durchaus sein, dass noch mehr Gestaltenwandler dort rum laufen und ich bin mir nicht wirklich sicher, ob Lyrias allein mit denen fertig werden kann.“
„ Stimmt, Asariah kann sich ja nicht bewegen, aber immerhin ist Sasha noch bei ihnen.“
„ Ein Grund mehr um schnell wieder aufzubrechen.“ erklärte Aries, während er noch mal zu Serah herab blickte. „ Gehen wir.“
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Re: Diehieee Geschichte

Beitrag von Alexia am Fr 14 Apr - 23:11

Kapitel 5. Blinde Passagiere


„ DU NARR!!“ brüllte Asariah seinen Kumpel an, nachdem er wieder zu ihnen gestoßen war. „ Wie kannst du Serah da allein liegen lassen??“
Er versuchte mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln vom Boden aufzustehen, aber er schaffte es nicht mal sich auch nur einen Millimeter zu rühren. Sein kompletter Körper war wie versteinert. Weder seine Beine noch seine Arme hörten auf das, was der Ladthaaner ihnen befahl. Das machte ihn rasend vor Wut.
„ Beruhige dich, Asariah!“ versuchte Cheria die Wogen zu glätten. „ Serah ist im Schloss wirklich sicher. Keiner der Wachen wird die Dämonen auch nur in ihre Nähe lassen. Du musst jetzt erst einmal wieder auf die Beine kommen. In deinem derzeitigen Zustand würden dich die Monster doch mit einem Haps herunter schlucken. Also komm wieder runter und entspann dich!“
„ …“ er wusste ja, dass sie Recht hatte, trotzdem kotzte es ihn gerade so dermaßen an, dass seine geliebte kleine Schwester in dieser gottverlassenen und verpesteten Welt hockte und er rein gar nichts dagegen unternehmen konnte, während die Ausgeburten der Hölle in aller Seelenruhe zu ihr hin torkelten.
„ Sobald du wieder auf dem Damm bist, werden wir zu ihr gehen und dann kannst du dich selbst davon überzeugen, dass es ihr gut geht. Und nun ruhe dich aus, sonst sitzt du da nächste Woche noch.“ beendete die Priesterin ihren Vortrag. „ Ich werde noch mal in den Wald gehen und nach den Kräutern suchen. Vielleicht hilft es ihm ja, wenn er noch mehr von seiner Medizin zu spüren bekommt.“
„ Dieses Mal werde ich dich aber begleiten!“ gab Lyrias von sich.
„ Klar, dann kannst du mir gleich beim Tragen helfen.“
„ Wie gut, dass Kräuter nicht so viel wiegen.“
„ Genau, die trage ich nämlich! Du kümmerst dich um das Feuerholz!“ grinste sie ihn breit an.
„ Das sollte ich wohl gerade so noch hinbekommen.“
„ Passt auf euch auf.“ sah ich die beiden lächelnd an. „ Ein Verletzter pro Tag reicht vollkommen aus.“ betrachtete ich wieder die schlafende Götterkatze.
Aus mir noch unerfindlichen Gründen musste ich stark an meinen Traum denken, wenn ich Chiara betrachtete. Ich erinnerte mich daran, dass ich dort auch zwei Katzenmenschen gesehen hatte. Mich beschlich so langsam das Gefühl, dass das gar kein einfacher Traum war. Es war eher so, als wären das längst vergessene und vielleicht sogar für mich unbedeutende Erinnerungen gewesen. Wenn dem wirklich so war, dass ich in Wirklichkeit ein gefühlloses Monster war, dann sollte mein Gedächtnis niemals wiederkehren. Wenn mich ein Kampf um Leben und Tod, um die Zukunft aller Wesen eventuell sogar, so kalt ließ, dann war meine wahre Persönlichkeit niemand, dem ich begegnen wollen würde.
„ Wie kann sie sich nur so in Gefahr bringen?“ murmelte Asariah vor sich hin. „ Sie hat hier nichts verloren.“
„ Sie geht ihren eigenen Weg. Das tat sie schon immer. In dieser Hinsicht kommt sie ganz nach Risa. Sie versucht die zu beschützen, die ihr am Herzen liegen. Ob sie sich dabei selbst in Gefahr begibt, das interessiert sie nicht im geringsten.“ erklärte Aries.
„ Serah braucht mich nicht zu beschützen! Niemand braucht das!“
„ Mag sein, dass du so denkst. Aber der Rest der Welt denkt anders. Jeder der für dich ein niemand ist, will dich vor dir selbst schützen. Denn im Moment, bist du dein größter Feind.“
„ So ein Blödsinn! Warum könnt ihr mich nicht einfach in Ruhe lassen?“
„ Weil wir nicht tatenlos dabei zusehen werden, wie du deinen eigenen Untergang vorbereitest! Ganz gleich wie wenig du dir selbst wert bist, wir anderen denken anders.“
„ Ihr habt doch alle keine Ahnung!!“
„ Ach? Aber du hast den vollen Durchblick, oder was?“ starrte er Asariah verärgert an. „ Nur weil du alles mit dir allein regeln willst und dir die anderen dabei am Arsch vorbei gehen, passieren solche Dinge, wie die Sache mit Serah! Sieh endlich ein, dass wir dir bloß helfen wollen! Keiner von uns will dir schaden, warum begreifst du das nicht?“
„ Euch gehen meine Angelegenheiten nichts an! Ich bin alt genug und komme weiß Gott allein zu Recht! Jemanden der mir ständig hinterher läuft und mir sagt, was ich alles falsch mache, kann ich in meiner Gegenwart nicht gebrauchen!“
„ Du merkst noch nicht einmal, dass du dich auf ein bodenloses Loch zubewegst! Wenn du deine Augen vor der Realität verschließt, dann müssen wir dir hinterher laufen, um dich vor dem freien Fall zu bewahren!“
„ Tu nicht so als wüsstest du auch nur die kleinste Kleinigkeit über mein Leben! Du weißt nichts über mich!“ fuhr er ihn wütend an.
„ Ich weiß mehr, als dir lieb ist.“ wendete sich Aries von seinem Kumpel ab. „ Und eben weil dem so ist, kann ich dich nicht allein lassen!“ mit diesem Worten ließ er ihn einfach sitzen und schaute bei Chiara nach dem Rechten.
Eine bedrückende Stille machte sich bei uns im Camp breit. Asariah wie auch Aries starrten bloß grimmig vor sich hin, was wohl an Serah und ihrer derzeitigen Situation lag.
Erst als Cheria und Lyrias zurückkehrten, lichtete sich die dicke Luft etwas.
„ Hier sind die Kräuter. Ich habe extra ein paar mehr gesammelt. Viel hilft viel, sagt man das nicht so?“ kicherte die Dame.
„ Danke. Ich werde sie gleich weiter verarbeiten.“ nahm der Seelendieb die Büschel dankend an.
„ Ok. Kümmern wir uns um das Essen, Sasha?“ blickte sie mich fragend an. „ Wenn unser Kätzchen hier erwacht, wird sie bestimmt hungrig sein.“
„ Natürlich.“ nickte ich. „ Aber was isst so ein Katzenmensch denn? Katzenfutter? Sollten wir ihr vielleicht ein Schälchen voller Milch bereitstellen?“
„ Ich denke mal, dass sie das essen wird, was wir auch essen, oder nicht?“ wendete sie sich an Aries.
„ Richtig. Sie ist da nicht so wählerisch.“
„ Gut zu wissen, dann können wir ja los legen.“
Gemeinsam bereiteten wir ein üppiges Mahl zu, was wir dann in einem Topf über dem Lagerfeuer brutzelten. Nicht mal der Duft des leckeren Essens vermochte das Dornröschen zu wecken. Allerdings war sie nicht die einzige, die nichts zu sich nehmen wollte oder eher konnte. Auch Asariah verweigerte die Nahrungsaufnahme.
„ Willst du denn gar nichts essen oder wenigstens etwas trinken?“ fragte ich ihn besorgt.
„ Ich brauche nichts zu essen.“
„ Aber so wirst du dich erst recht nicht erholen können.“
„ Es reicht vollkommen aus, wenn ich die Medikamente einnehme.“
„ Soll ich dich dann noch einmal eincremen? Oder kannst du das inzwischen selbst machen?“
„ Wenn ich das könnte, würde ich bestimmt nicht mehr hier rum sitzen.“ murrte er.
„ Dann mache ich das für dich, wenn das ok ist.“
„ Eine bessere Alternative ist zurzeit jawohl nicht in Sicht! Ich will mich weder von Aries, noch von Lyrias oder gar Cheria betatschen lassen.“
„ Es freut mich, dass du dich wenigstens von mir behandeln lässt.“ lächelte ich leicht.
„ Hab ich denn eine andere Wahl? Wohl kaum!“
„ Tut mir leid, dass du das alles wegen meiner Unachtsamkeit ertragen musst.“ senkte ich meine Augen.
„ Hör auf dich ständig deswegen zu entschuldigen. Deine kläglichen Versuche alles wieder gut zu machen, können nichts an meiner Situation ändern. Außerdem verlieren die Worte ihre Bedeutung, wenn du sie zu oft aussprichst. Manchmal ist es besser, einfach mal gar nichts zu sagen.“
„ ...“ schweigend griff ich nach der Paste und strich sie ihm vorsichtig auf die Haut.
„ Damit wollte ich jetzt nicht sagen, dass du gar nichts mehr sagen sollst.“ verzog er seinen Mund. „ Wie kann ein einzelnes Wesen nur so...“ doch dann verstummte er plötzlich, als er von einer Hitzewelle erfasst wurde. „ Verdammt...“ kniff er die Augen zusammen. „ Was ist das für ein unbrauchbares Gesöff, wenn es nach so kurzer Zeit schon an Wirkung verliert? Können die denn gar nichts richtig machen??“ fluchte er.
„ Das Gift des Gestaltenwandlers war für seine Verhältnisse unglaublich stark. Was man allein schon daran sehen kann, dass es sich rasend schnell in deinem Körper ausgebreitet hat. Die Dosis des Gegenmittels ist auf die eigentliche Stärke bezogen, es ist also gut möglich, dass du das Gesöff, wie du es nanntest, öfter einnehmen musst, um das Toxin in dir zu neutralisieren.“ erklärte Aries. „ Scheinbar warst du nicht sein erstes Opfer...“
„ Aber dafür sein letztes.“ warf ich in den Raum.
„ Das stimmt allerdings.“ nickte der Seelendieb das Gesagte ab.
„ Dann brauchst du diesen Saft auch wieder?“ wendete ich mich Asariah zu.
„ Wonach sieht das denn aus, du Schwachkopf!?“ wenn sein Körper reagieren könnte, würde er sich jetzt vor Schmerzen bestimmt verkrampfen und weil man ihm die Qual deutlich ansehen konnte, machte ich mir nichts aus seiner Beleidigung.
„ Soll ich dir das Mittel genauso verabreichen wie vorhin?“ betrachtete ich ihn fragend.
„ Mach was du willst, aber MACH ES!!“ keuchte er.
„ Ok.“
Eilig griff ich nach dem Fläschchen und schüttete mir einen kleinen Schluck davon in den Mund, ehe es an ihm weitergab. Seine Lippen waren schon richtig heiß, ich fand es ausgesprochen erschreckend, dass sich seine Körpertemperatur von jetzt auf gleich so stark erhitzte. Ich beeilte mich extra, um ihn von seinem Leid zu erlösen. Gerade auch weil ich wusste, wie gerne er jemanden so nah an sich heran ließ.
„ Das war es.“ sah ich ihm direkt in die Augen. „ Geht es dir schon besser?“
„ Es geht gleich wieder...“ presste er heraus.
Irgendwie machte es gerade aber nicht den Anschein, als würde das Zeug wirklich helfen. Ich steckte zwar nicht in seiner Haut, also konnte ich nicht wirklich nachvollziehen, ob die Hitze bereits abnahm, aber mit bloßem Auge war keine Besserung zusehen. Er verzog das Gesicht noch immer so stark, als würde man ihm bei vollem Bewusstsein alle Knochen einzeln brechen.
„ Mist!“ kam Aries gleich zu uns hin. „ Ist das Gift etwa Immun gegen das Gegenmittel?“
„ Das geht?“ starrte ich ihn erschrocken an.
„ Wenn sich das Zeug anpasst und seine Struktur ändert, dann ja!“ murmelte er. „ Dadurch dass es so stark ist, dass eine Portion des Zeugs nicht ausreicht, könnte es durchaus sein, dass es einen Schutz gegen die Medizin aufbaut.“
„ Heißt das etwa, dass er nun innerlich verbrennen wird?“ quatschte Cheria besorgt dazwischen.
„ Aber dann hilft die Paste ja auch nicht!“ riss ich entsetzt die Augen auf. „ W-Was machen wir denn jetzt?“
„ Wir müssen eine stärkere Version des Saftes brauen.“ bemerkte der Seelendieb.
„ Aber dafür bleibt uns keine Zeit!“ erkannte die Heilerin Gold richtig. „ Wir müssten die Kräuter erst im Wald sammeln, ehe du sie verarbeiten kannst.“
„ Ich werde uns die nötige Zeit verschaffen.“
„ Nein... wirst du nicht...“ gab Asariah mit schmerzverzerrter Stimme von sich. „ Wenn du das machst, wird dich das Gift... ebenfalls... niederstrecken..“
„ Wenn wir dich so retten können, dann ist es mir egal!“
„ Und dann wunderst... du dich wirklich, warum ich dich als Köter bezeichne...“
„ Du kannst mich nennen wie du willst, das interessiert mich kein Stück!“ fluchte er. „ Willst du hier denn wirklich elendig krepieren??“
„ Wen kümmert das schon?“
„ MICH!!! Kümmert das!“ fauchte Aries seinen Kumpel an.
„ Und mich auch!“ stellte sich Cheria auf die Seite des Seelendiebes.
„ Und Serah wird es auch nicht egal sein.“ bemerkte der schwarzhaarige Ladthaaner.
„ Glaubst du etwa... sie würde wollen, dass du hier krepierst?“ kam er ihm mit einer Gegenfrage.
„ Wir werden beide durchkommen.“
„ Willst du ihm das Gift etwa abnehmen?“ blickte ich Aries fragend an. „ Das ist viel zu gefährlich!“
„ Keine Sorge, mir wird nichts geschehen.“
„ Und wenn es euch beide innerlich zerreißt?? Das kann ich unmöglich zulassen!!“
„ Wir haben keine andere Wahl, Sasha. Mach dir keine Gedanken, es wird alles gut werden.“
„ Ja, es wird alles gut werden! Aber nicht weil du ihm einen Teil seines Giftes klaust!!“ keifte ich ihn an. „ Ich werde nicht zulassen, dass Asariah stirbt, noch werde ich es zulassen, dass du dich der gleichen Gefahr aussetzt! Wir brauchen Zeit?? GUT! Dann werde ICH uns mehr Zeit verschaffen!“
Keine Ahnung, was da in mich gefahren war. Normalerweise war ich die Ruhe in Person, aber allein der Gedanke daran, dass sie beide sterben könnten, erfüllte mich mit einer unfassbaren Angst! Ich wollte nicht, dass sie starben und schon gar nicht wegen mir!
Mein Wunsch Asariah zu helfen, war so gewaltig groß, dass nicht mal mein innerlicher Fluch dagegen ankam. Auch wenn ich mich nicht selbst befreien konnte, so schaffte ich es trotzdem, einen kleinen Teil meiner Kräfte aus dem Gefängnis zu befreien. Letztendlich war das Licht die mächtigste Waffe gegen die Dunkelheit. Ich konnte nicht genau beschreiben, woher ich wissen konnte, dass ich fähig dazu war, ihm zu helfen. Ich erinnerte mich schließlich an nichts. Vielleicht war es eine Eingebung oder ähnliches. Aber ganz gleich was es nun war, wenn ich ihn so rettete, dann war es mir gleich.
Aus diesem Grund lehnte ich meine Hand auf die stark erhitzte Haut seines Oberkörpers und schloss meine Augen. Ich spürte die Finsternis, die sein Leid verursachte, Aries bezeichnet es zwar als Gift, aber letztendlich war es nichts weiter, als eine flüssige dämonische Aura! Deshalb war es kein Problem für mich, das Zeug in seine Schranken zu weisen und die Wirkung zu mindern. Ich ließ das Gift so weit schrumpfen, dass das Gegenmittel, was er jetzt schon intus hatte, seiner Arbeit nachgehen konnte.

Allerdings weckte meine Macht etwas in ihm, was nicht geweckt werden sollte... Denn ich vernahm eine weitere dunkle Aura in seinem Körper…
„ FUCK!“ schreckte Aries schockiert auf. „ SASHA! WEG VON IHM!“
Die zweite Aura die ich in ihm entdeckt hatte, war schwärzer als schwarz! Eine unglaublich starke Macht ging von ihm aus, die ich kaum mit meinen Worten beschreiben konnte. Sie bahnte sich einen Weg direkt aus seinem Unterbewusstsein hinaus und ließ sich dabei von nichts und niemanden aufhalten. Gab es ein Symbol, was die Boshaftigkeit, das Übel aller, die Grausamkeit oder die ultimative Zerstörung beschrieb, dann war es diese Aura!
Plötzlich leuchteten Asariah's Augen knallig rot auf und sein komplettes inneres wurde vom dem Grauen erfüllt.
Ich wollte mich gerade instinktiv zurückziehen, als der Herr vor mir eine pechschwarze Schockwelle von sich gab, die alle in seiner Nähe befindlichen Personen weg schleuderte.
Noch dazu kam, dass die Dunkelheit übelst empfindlich auf mich reagierte und meinen Körper mit schmerzhaften Blitzen massakrierte, ehe ich dann unsanfte Bekanntschaft mit dem staubigen Boden machte, über den ich schlitterte.
„ Sasha!“ sprang der Seelendieb gleich wieder auf, um auf mich zu zustürmen, allerdings war Asariah schneller.
Dieser stürzte sich gleich mit einem Angst einflößenden Blick, der dem eines irren Mörders glich, auf mich und drückte mir mit seinen Händen die Luft ab.
„ Du Flittchen!!“ blickte er mit kalten Augen auf mich herab. „ Das du dich überhaupt in meine Nähe wagst! Du hättest weg rennen sollen, als du noch die Möglichkeit dazu besaßt! Wenn ich dich beseitige, kann mich niemand mehr aufhalten. ICH alleine werde das mächtigste Wesen dieser Zeit sein! Und dann werde ich Lastalia's klägliche Überreste mit meinen bloßen Fingern zerquetschen! Die Dunkelheit wird übers Land ziehen, sie wird aus den grellen, verabscheuungswürdigen und grässlichen Universen mein perfekte Reich kreieren!“ verstärkte er seinen Griff noch mehr. „ Du wirst mir dabei nie wieder in die Quere kommen!!“
„ A-Asariah... ich... ich bekomme... keine... L-Luft!“ keuchte ich.
„ Verreckte, du dreckiges Miststück!“
„ Asariah!! Was tust du denn da?? Hör sofort auf!“ wollte Cheria gleich zu mir hin stürmen.
„ Bleibt weg! Das da ist nicht Asariah!“ brüllte ihnen Aries zu, der gerade gegen das Schutzschild ankämpfte, was Chaos erschaffen hatte.
„ Er wird sie noch umbringen!“ kreischte sie auf.
Vor meinen Augen begann bereits alles zu verschwimmen, meine Glieder wurden unglaublich schwer und ich spürte, wie mich die Bewusstlosigkeit ergreifen wollte.
Doch gerade als ich meine Lieder schließen wollte, erwachte mein innerer Schutz und kickte den Herren gleich mal von mir runter.
Das Licht was ich abgab, zerstörte sein Schild und so konnte sich der Seelendieb endlich schützend vor mich stellen.
Genau zur richtigen Zeit, weil der besessene Kerl einen weiteren Angriff plante. Allerdings lief er Aries dabei direkt gegen seine Sicheln, die in seiner teuflischen Form an seinem Unterarm saßen.
„ Was passiert denn da...?“ staunte Lyrias nicht schlecht.
„ Ich lasse nicht zu, dass du sie tötest, Chaos! Noch werde ich es zulassen, dass du Asariah's Seele bekommst!“ gab der Ladthaaner mit einer bedrohlich wirkenden Stimme von sich.
„ Ein Seelendieb!“ riss er entsetzt die Augen auf.
Beim letzten Mal, als er einem begegnete, hatte er Chaos Wirt die Mächte abgesaugt, so dass der Körper für ihn nutzlos wurde.
„ Was? Schlottern dir etwa schon die Knie?“
„ Mach dich nicht lächerlich!“ presste er angewidert hervor.
Freiwillig trat das Ungeheuer den Rückzug an und landete weiter hinten sicher auf seinen Füßen. Allerdings gaben seine Beine gleich nach, als er den Boden gerade eben berührte.
„ Verdammt. Es ist noch zu früh...“ starrte er uns mit einem Blick an, der seine Geisteskrankheit bezeugte. „ Ich werde wiederkommen und nun wo ich weiß, hinter welcher Fassade sie sich versteckt, werde ich sie eigenhändig mit meinen Fingern zerquetschen. Und danach werde ich dir den letzten Atemhauch aus dem Leib pressen. Keiner kann sich mir in den Weg stellen!“ mit diesen Worten verpuffte die Dunkelheit, die als Chaos bekannt war.
Das körperlose Monster war kaum in Asariah's Unterbewusstsein verschwunden, da brach er auch schon zusammen und blieb bewusstlos am Boden liegen.
„ Sasha!! Geht es dir gut?“ kniete sich Aries zu mir runter.
„ I-Ich schätze schon...“ keuchte ich. „ Aber...was war denn mit ihm los?“
„ Das muss das Gift gewesen sein.“ zog er sich schnell aus den Fingern.
Zu mindestens konnte er Chaos Aura nicht mehr sehen. Was wohl bedeutete, dass er wieder im Tiefschlaf lag.
„ Jetzt sollte wieder alles mit ihm in Ordnung sein.“ erklärte der Seelendieb. „ Seid ihr auch ok?“
„ Sicher.“ nickte Cheria.
„ Ich habe nicht all zu viel abbekommen.“ bemerkte Lyrias.
Ihnen brannten tausende Fragen auf der Zunge, aber nicht eine stellten sie. Sie wollten so lange warten, bis ich mich im Land der Träume befand.
Nachdem Asariah wieder an seinem Baum saß, ließ ich mich neben ihm nieder und starrte Gedankenverloren in den Himmel.
Mir war durchaus bewusst, dass er gerade noch versucht hatte mich umzubringen, aber mir war ebenso klar, dass das nicht Asariah war. Irgendetwas hatte sich in seinem inneren breit gemacht, so weit war ich schon und dieses etwas hielt seine Seele gefangen. Ich empfand es aus unerfindlichen Gründen auch nicht seltsam, dass er mir gleich nach dem Leben trachtete. Irgendetwas in mir sagte mir, dass wir uns in dieser Hinsicht ähnelten.
Ich verstand das ganze nicht und dann brannte mir auch noch der Hals. Trotzdem hatte ich nicht das Gefühl, als müsste ich mich von ihm fernhalten. Ich verspürte den Wunsch seine Seele zu retten noch immer und nicht mal solch ein Psycho konnte mich von meinen Wünschen und Träumen abbringen.
Ich musste nur stärker werden! Damit ich in gefährlichen Situationen, die plötzlich und unerwartet auf mich einschlugen, nicht zur Salzsäule erstarrte. Dann fiel ich den anderen auch nicht mehr zur Last.
Als ich so vor mich hinstarrte und meinen Gedanken nachhing, bemerkte ich gar nicht, wie mir langsam aber sicher vor Erschöpfung die Augen zufielen.
„ Sasha scheint eingeschlafen zu sein.“ bemerkte Lyrias. „ Nun ist es an der Zeit uns aufzuklären, Aries! Was wird hier gespielt?“
„ Ich denke nicht, dass euch das was angeht.“
„ Wir reisen immerhin mit dir zusammen durch die Weltgeschichte und wenn Asariah ein irrer Massenmörder ist, dann sollten wir das durchaus erfahren!“ konterte der Herr.
„ Vermutlich hast du recht...“ murmelte der Teufel, nachdem er ein paar Sekunden darüber nachgedacht hatte. „ Nun gut, ich werde euch alles erzählen. Aber ihr müsst das für euch behalten, verstanden?“
„ Sicher!“ stimmten sie ihm zu.
„ Asariah ist besessen...“ murmelte er.
„ Besessen von was? Von seinem Ego, oder wie?“ gab Lyrias von sich.
„ Ihr kennt die Geschichte des ewigen Kampfes, ja?“
„ Natürlich.“ nickte Cheria. „ Die Dunkelheit hat das Licht besiegt und deshalb strömen nun die Dämonen in diese Welt.“
„ Ja...“ seufzte der Herr noch mal auf. „ Die Dunkelheit, also Chaos, sitzt in Asariah's Körper. Noch ist er inaktiv, weil ihn das Licht schwer verletzt hatte und er dabei ist, seine Wunden zu heilen, aber irgendwann... wird er erwachen.“
Mit weit aufgerissenen Augen starrten ihn seine Zuhörer fassungslos an. Was sie da gerade hörten, konnten sie kaum glauben.
„ Willst du uns tatsächlich weiß machen, dass Asariah von dem Bösen aller Bösen besessen ist und dass dieser Mistkerl jeder Zeit erwachen könnte?“ wiederholte die Priesterin seine Worte. „ Aber in unseren Schriften steht geschrieben, dass er die Seele seines Wirtes aufsaugt.“
„ Was da geschrieben steht, ist die reine Wahrheit.“ erklärte Aries. „ Ich bin bei ihm, weil ich Chaos Aura gleich bemerken kann, wenn er aktiv wird. Wir haben ihn schon einmal dadurch besiegt, weil wir seinem Wirten die Kräfte abgesaugt haben. Wenn ich das gleiche mache, wenn er erwacht, dann haben wir eine minimale Chance seine Seele zu retten.“
„ Und warum machst du das nicht jetzt sofort? Warum warten, bis es vielleicht bereits zu spät ist?“ maulte Cheria.
„ Weil Asariah ihm dann hilflos ausgeliefert wäre, wenn ich ihn nun zu einem Menschen machen würde. Außerdem besetzt er eine wichtige Rolle im ewigen Kreislauf des Lebens. Auch wenn er seinen Aufgaben zurzeit nicht nachkommt, reicht seine bloße Anwesenheit zu mindestens aus, um den Lauf nicht zu durchbrechen.“
„ Aber er steht still. Weshalb wir Seelensammler nun auf den Plan treten.“
„ Richtig. Er steht still, was bedeutet, dass die Seelen verstorbener nicht ins Paradies geführt werden können. Wenn Asariah nun für längere Zeit seine Mächte verliert, dann würde das gesamte System so lange zusammenbrechen, bis er wieder zum Teufel des Todes wird. Dann gäbe es kein neues Leben mehr, weil niemand sterben kann. Die Seelen wären in ihrer sterbenden Hülle gefangen und das vielleicht bis in alle Ewigkeiten, weil niemand genau sagen kann, wann Chaos erwacht.“ beendete er seinen Vortrag.
„ Aber das bedeutet doch auch...“ riss Cheria ihre Augen noch weiter auf. „ Das Chaos dafür sorgen kann, das genau dieses System zusammenbricht! Wenn er erwacht und Asariah's Kräfte für sich nutzt, dann besitzt er die Macht über den Tod! Somit könnte er uns alle verdammen!“
„ Nicht nur das.“ meldete sich Lyrias zu Wort. „ Er könnte den Tod auch dafür benutzen, jede einzelne Lebenskerze seiner Gegner auszupusten.“
„ Es gibt bestimmt irgendwo ein Regelbuch und ich wette da steht geschrieben, dass er niemanden töten darf, dessen Zeit noch nicht abgelaufen ist.“ widersprach ihm die Heilerin.
„ Glaubst du wirklich, Chaos würde da irgendwas drauf geben? Es wird schon einen Grund haben, warum er sich ausgerechnet Asariah ausgesucht hat und was könnte mächtiger sein als der Tod höchstpersönlich?“
„ Asariah macht aber trotz allem nicht den Anschein, als würde er sich freiwillig ausgerechnet mit Chaos einlassen. Er ist bestimmt etwas grob und vielleicht hat man auch sein Vertrauen in seine Mitmenschen, oder in eurem Fall Mitgötter bzw. Mitteufel, zerstört. Eventuell leidet er auch unter dem einen oder anderen Komplex, aber trotzdem! Er würde sich doch niemals von dem belabern lassen und dann auch noch sein Unterbewusstsein als Hotel anbieten!“ glaubte Cheria zu wissen.
„ Ein Grund mehr, warum ich ihm gleich die Mächte absaugen muss, wenn Chaos erwacht.“
„ Warum das?“
„ Weil starke und einflussreiche Götter und Teufel, die eine wichtige Position einnehmen, immer mit einem Haken geboren werden.“
„ Mit einer Hakennase, vielleicht?“ kicherte sie.
„ Nein, so was meine ich nicht.“
„ Schon klar.“ lachte sie. „ Erzähl weiter.“
„ Bei Asariah ist es so, dass seine Seele verschwinden wird, wenn er seinen Posten als Teufel des Todes abgibt. Da Chaos bloß eine Seele ist und noch dazu in seinem Körper hockt, könnte es durchaus sein, dass er ihn mit ins Nichts ziehen will.“
„ Du meinst also, dass er ihn in seinem Körper duldet, weil er ihn so ein für alle Mal vernichten kann? In dem er sein Leben und seine Seele opfert...“ gab Cheria ergriffen von sich. „ D-Das ist furchtbar!! Ist er sich denn wirklich so wenig wert? Glaubt er denn tatsächlich, dass niemand um ihn trauern würde? Wie kann er nur?“
„ Es wäre eine Möglichkeit. Aber ebenso ist es möglich, dass Chaos in der Lage war ihn einzulullen.“
„ Und warum hat Chaos Sasha angegriffen?“ wollte Lyrias wissen.
„ Vielleicht kann sie Asariah erreichen.“ zuckte er bloß mit der Schulter.
Er wollte ihnen nicht verraten, wer ich wirklich war. Bei seinem Kumpel war es was anderes, schließlich könnte er eine Gefahr darstellen. Wenn ich mich wieder an alles erinnerte, dann konnte ich ihnen selbst sagen, wer ich eigentlich war.
„ Ob er deshalb so gemein ist? Weil er seinen Freunden und seiner geliebten Schwester nicht zumuten will, sein Ableben mitansehen zu müssen.“ senkte sie ihre Augen.
„ Oder er ist halt so gemein und fies.“ zuckte Lyrias mit der Schulter. „ Zu einem Teufel würde es ja irgendwie passen.“
„ Hey! Ich bin doch auch nicht fies und gemein, oder?“ knurrte Aries. „ Wir können auch nichts dafür, dass ihr Menschen uns zu den Bösen macht!“
„ War das unsensible von mir? Dann tut es mir leid.“
„ Na klar.“

Die Zeit verging wie im Fluge und so brach die Nacht herein. Weder Chiara, noch Asariah oder ich waren in der Zwischenzeit aufgewacht. Erst als der Mond bereits hoch am Himmel stand, öffnete der Teufel des Todes langsam seine Augen.
„ Was...?“ blickte er sich verwirrt um. „ Wann bin ich eingeschlafen?“
Die anderen schliefen noch immer friedlich vor sich hin, selbst Aries lag am Lagerfeuer und befand sich im Reich der Träume.
„ Mh...“ sah er nun neben sich. „ Was...?“ um dann entsetzt die Augen aufzureißen.
Ich hatte es mir inzwischen an seiner Schulter bequem gemacht, was ihm gerade mächtig gegen den Strich ging.
Doch als er von mir weg rücken wollte, wurde ihm auch wieder ins Gedächtnis gerufen, warum wir eigentlich so lange pausierten. Sein Körper gehorchte ihm noch immer nicht, was dazu führte, dass er von dem Stamm abrutschte und dann unsanft auf den Boden klatschte. Dabei hätte er sich beinahe noch den Schädel eingeschlagen und zu allem Überfluss, weil ein Unglück ja bekanntlich nicht allein kam, fiel ich gleich mit ihm zur Seite. Wobei ich im Gegensatz zu ihm recht weich landete, genau genommen, war ich ihm direkt in die Arme gefallen. Seine Brust war auch viel weicher als seine Schulter, deshalb machte ich es mir dort richtig bequem und schob mein Bein über seine Beine.
„ Geht es noch schlimmer...?“ strich er sich seufzend durchs Gesicht, um dann seine Hand erst einmal völlig entgeistert anzustarren.
Seine Arme konnte er nämlich wieder bewegen. Doch als er dann zu mir runter sah und mit dem Gedanken spielte, mich einfach weg zu schieben, starrte er bloß seufzend zur Seite und schob den Arm unter seinen Kopf.
>War das nur ein Traum oder bin ich wirklich auf sie losgegangen?“< fragte er sich. >War er aktiv? Jetzt scheint er ja wieder zu schlafen. Also warum sollte er aufgewacht sein? Etwa wegen ihr?< sah er zu mir hin. >Aber wer sollte sie sein, dass sie fähig dazu ist ihn zu wecken? Und warum trachtet er ihr nach dem Leben?< wendete er seinen Blick wieder ab. >Ist sie eventuell eine von uns? Aber würde er bloß auf eine göttliche Aura reagieren? Wohl kaum…< verzog er den Mund. >War das alles nur eine Illusion? Vielleicht eine Vision aus der Zukunft, die zeigte was noch alles geschehen wird?<
Fragen über Fragen und keine Antwort war in Sicht. Deshalb entschloss er sich dazu, die Ereignisse erst einmal ruhen zu lassen.
Irgendwann am frühen Morgen löste sich seine Starre dann endlich auf, was er gleich nutzte, um sich von mir zu befreien. Als er mich dann neben sich ins Gras gelegt hatte, strich er meine Haare zur Seite und betrachtete meinen Hals.
„ Also doch…“ flüsterte er, nachdem er die eindeutigen blauen Male entdeckt hatte. „ Und ich habe nicht mal wirklich realisiert, dass er aktiv wurde.“ murmelte er sich einen zurecht. „ Ich hoffe das lag an dem Gift, dass ich seine Aktivitäten nicht lenken konnte.“ ein mulmiges Gefühl machte sich in seinem Inneren breit, als er sich dann langsam erhob. War er Chaos vielleicht doch nicht gewachsen? Seine wahre Macht hatte er bisher ja nicht zu Gesicht bekommen. Als er den Pakt mit dem Bösen einging, war sein Untermieter so geschwächt gewesen, dass ihn selbst ein Baby hätte ausschalten können. Sofern er mit dem Licht konkurrierte und noch dazu ein weiteres körperloses Wesen darstellte. Selbst er, als Teufel des Todes, der ja bekanntlich für das Sterben der Bevölkerung verantwortlich war, konnte gegen den Drecksack nichts ausrichten. Es war beinahe so, als wäre Chaos Immun gegen sämtliche göttliche und teuflische Kräfte. Was wohl ein eindeutiger Hinweis auf die Tatsache war, dass das Licht, wie auch die Dunkelheit, den übermenschlichen Wesen weit überlegen war. Die einzige Macht, die dem Herrn des Grauens wirklich gefährlich werden konnte, war ja angeblich versiegt. Also bestand die einzige Möglichkeit, Chaos ein für alle male los zu werden, darin, ihn mit der Bürde des Todes untergehen zu lassen. Dieses Vorhaben scheiterte aber schon an der Planung, wenn Asariah die Aktivitäten seines Untermieters nicht mitbekam. Ein Teufelskreis, den es nun zu durchbrechen galt, ganz gleich wie.
Seufzend streckte sich der Ladthaaner und blickte dabei zum Mond auf. Ein kühler Wind wehte dem Herrn um die Ohren, was ihn dazu brachte, sich wieder zu mir hin zudrehen.
Schweigend blickte er auf mich herab, bis er sich dann nach einer gefühlten Ewigkeit dazu entschloss, mir seinen Mantel als Decke zur Verfügung zu stellen und diesen dann über meinen Körper zu legen.
Danach verließ er das Camp und kam auch so schnell nicht wieder.

Einige Stunden später, die Sonne war bereits dabei uns ihr schönstes Lächeln zu schenken, da öffnete das Kätzchen langsam ihre Augen. Schnurrend streckte sie sich genüsslich durch und rieb sich dann die Augen.
>Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal so gut geschlafen habe…< hallte es in ihrem Inneren wieder.
Erst als sie vor sich hin blinzelte und dabei die Umgebung abcheckte, war sie mit einem Schlag voll wach! Die ‚alles-ist-in-Ordnung-Seifenblase‘ zerplatzte und einzig die kalte Realität blieb noch zurück.
>SERAH!!!< riss sie entsetzt die Augen auf saß von jetzt auf gleich Kerzengerade im Gras.
Aber auch das Entsetzen konnte noch getoppt werden, als sie aufstehen wollte und dabei ein Gesicht entdeckte, was ihr merkwürdigerweise stark bekannt vorkam.
Man sah ihr förmlich an, wie der gewonnene Eindruck zu ihrem Hirn hin wanderte, bis es schließlich Klick machte und ihr alles aus dem Gesicht fiel.
>WAS mache ICH bei DEM???< lief sie in Gedanken schreiend im Kreis umher. >Oh nein! Ich muss hier sofort verschwinden. Vielleicht haben sie ja noch nicht gecheckt, wo sich Serah gerade aufhält und da ich sowieso nach dem Rechten sehen muss, ist nun der perfekte Augenblick gekommen, um mich schnell zu verdrücken.< sie hatte diesen Gedanken kaum zu ende gedacht, da tigerte Chiara schon in ihrer kleinen Katzengestalt, die dem Aussehen der irdischen Katzen glich, auf leisen Pfoten davon. >Kein Wunder, dass ich bei denen gelandet bin. Warum musste ich gestern auch unbedingt auf diese Seelensammlerin treffen?< knurrte ihr inneres Ich laut auf. >Mist, Serah bringt mich um, wenn ihr die beiden Hirnis wegen mir auf die Schliche kommen.<
„ Uah!!“ fauchte sie auf, als sie plötzlich jemand packte und dann hochhob.
„ Wo willst du denn so schnell hin, Chiara?“ blickte ihr Asariah direkt in die Augen.
„ Miau…?“
„ Hör mit deinen Spielchen auf, es fängt an zu nerven.“ befahl er ihr. „ Was habt ihr in Elysia zu suchen?“
„ Das geht dich gar nichts an!!“ versuchte sie sich los zu strampeln, aber ohne Erfolg.
„ Das geht mich sehr wohl etwas an, schließlich ist Serah meine Schwester!“
„ Ach? Jetzt auf einmal. Vor kurzem hast du dich doch noch dafür gehasst, dass so etwas hässliches Reines dasselbe Blut in sich trägt, wie du!“ maulte sie ihn an. „ Du warst es doch der ihr sagte, dass du sie niemals wiedersehen willst und nun auf einmal tust du so, als würde es dich wirklich interessieren wo sie steckt? Du bist so ein Heuchler, Asariah!“
„ Rede nicht über Dinge von denen du keine Ahnung hast!“ konterte er gereizt.
„ Ich weiß genau worüber ich rede, schließlich war ich dabei, als du sie fallen gelassen hast. Also warum sollte ich dir nun erzählen, was wir hier machen?“
„ Dann frage ich sie halt selbst.“ ließ er von dem Kätzchen ab, was sicher auf seinen Pfoten landete und ihn dann erbost, über den ungewollten Sturz, anfauchte. „ Ich bin auf deine Kooperation nicht angewiesen.“
„ Du bist wirklich die Widerlichkeit in Person.“
„ Danke für das Kompliment.“
„ Kaum zu glauben, dass aus dem charmanten jungen Mann von früher so ein Bastard geworden ist!!“ zischte sie ihn an. „ Hätte ich das vorher gewusst…“
„ Dann hättest du dich niemals auf mich eingelassen, danke ich kenne diesen Rotz schon.“ blieb er noch mal stehen und drehte sich halb zu ihr um. „ Vielleicht solltest du ab jetzt nicht mehr für jeden die Beine breit machen. Man lernt aus seinen Fehlern, nicht wahr?“ grinste er überlegen von oben auf sie herab.
„ Du kleiner Wichser…“ fuhr sie ihre Krallen aus und scharte damit wütend über den Boden. „ Am liebsten würde ich dir deine dämliche Visage polieren!!“
„ Komm doch her und versuche es.“
„ Was für ein verlockendes Angebot.“ knurrte sie. „ Allerdings muss ich leider dankend ablehnen. An so einem Vollpfosten, wie du es einer bist, mache ich mir schon lange nicht mehr die Finger schmutzig.“ deshalb nahm sie ihre Zweibeiner Gestalt wieder an und wanderte erhobenen Hauptes an ihm vorbei. „ Du bist und bleibst ein Hirni und Hirnis habe ich nichts weiter zu sagen.“
„ Komisch. Dabei führst du doch ständig Selbstgespräche.“ konterte er, worauf sie aber nicht weiter einging.
Ohne den Herren auch nur noch eines Blickes zu würdigen, schlenderte sie zurück an ihren Platz und ließ sich dort im weichen Gras nieder.
Einige Zeit später erwachte Cheria dann aus ihrem wohlverdienten Schlaf, die sich glücklich quietschend streckte und sich verschlafen aufsetzte. Chiara schenkte sie dabei aber noch keine Beachtung. Auch als sie sich aus dem Schlafsack geschält hatte und weniger schwungvoll aufstand, bekam ihre Umgebung keinerlei Interesse geschenkt. Das änderte sich erst, als sie über Aries Füße stolperte und direkt auf den schlummernden Teufel drauf fiel, der auch gleich seine Augen aufriss und sich erschrocken umsah.
„ Was?“ blickte er den Grund für sein unschönes Erwachen an.
„ Tut mir leid, aber was liegst du auch mitten im Weg rum?“ murmelte sie.
„ ...“ ließ er sich schweigend zurück ins Gras sinken.
Erst als sie sich von ihm runter gerollt hatte, setzte er sich auf und blickte zu dem Baum hin, an dem sein Kumpel bis vor kurzem noch saß. Allerdings war sein Mantel das einzige, was von ihm noch da lag.
„ Wo ist Asariah?“ rieb er sich gähnend die Augen.
„ Der verteilt seine Blödheit im Wald.“ knurrte Chiara.
„ Mh?“ sah er nun zu ihr rüber. „ Du bist also endlich aufgewacht. Dann geht es dir gut, ja?“
„ Mir geht es bestens. Auch wenn ich dich und Mister Pavianarsch nun ertragen muss.“
„ Du bist wohl wieder mit ihm aneinander geraten, was?“ streckte er sich genüsslich durch.
„ Mit diesem niveaulosen, arroganten und unterbelichteten Dummschwätzer kann man auch nur aneinander geraten!“ murmelte sie. „ Hast du schon nach Serah gesehen?“
„ Natürlich.“ lehnte er den Arm über seine Knie. „ Es geht ihr gut.“
„ In Schloss Edana ist sie sicher, du brauchst dir keine Sorgen zu machen.“ bemerkte Cheria.
„ Ja, ich weiß.“
„ Nach dem Frühstück reisen wir gemeinsam zu dem Schloss hin. Dort können wir auch gleich unsere Vorräte auffüllen.“ überlegte die Priesterin. „ Ich sollte schon mal einen Einkaufszettel schreiben.“
Wenig später erwachte ich als letzte im Bunde und setzte mich verschlafen auf.
„ Guten Morgen, Dornröschen. Hast du also auch endlich ausgeschlafen?“ grinste mich Cheria frech an.
„ Wer ist Dornröschen?“ hakte ich schlaftrunken nach.
„ Ach das ist... egal...“ kratzte sie sich am Kopf.
Nachdem wir dann gefrühstückt und uns frisch gemacht hatten, packten wir unsere sieben Sachen zusammen und wanderten weiter.

Zwischenzeitlich war auch Serah wieder auf den Beinen und betrachtete von ihrem Balkon aus das wirre Gebilde, was sie am Vorabend erschaffen hatte.
„ Chiara ist noch nicht zurückgekehrt?“ wendete sie sich fragend an eine Wache.
„ Nein, bisher noch nicht Lady Serah.“
„ Ich verstehe...“ senkte sie kurz ihren Blick. >Also war Aries wirklich da? Oder habe ich das nur geträumt? Ich hoffe, dass mein Kätzchen wirklich bei ihnen ist. Wenn ihr etwas passiert, dass würde ich mir niemals verzeihen. Auf der anderen Seite heißt das aber auch, dass ich mich bald schon Asariah stellen muss.< seufzte sie gedanklich auf. >Der wird mich bestimmt in der Luft zerreißen.<
„ Das Frühstück ist angerichtet, Serah.“ betrat Anna den Balkon. „ Du hast dich gestern ziemlich verausgabt, deshalb solltest du den Tag heute ruhig angehen.“
„ Mir geht es gut, Anna.“ lächelte sie die Prinzessin an.
„ Ja, das hattest du gestern auch gesagt und wenige Sekunden später, lagst du bewusstlos am Boden.“ konterte sie. „ Du brauchst vor uns nicht den allmächtigen Engel zu spielen, uns ist durchaus bekannt, dass auch die himmlischen Wesen an ihre Grenzen stoßen können. Es ist ok, jeder braucht mal eine Pause.“
„ Du hast recht...“ wendete sie ihren Blick ab. „ Nachdem ich das Schutzschild gerichtet habe, werde ich mir den Bauch vollschlagen und mir erst einmal ein heißes Bad gönnen.“
„ Ich werde gleich dafür sorgen, dass alles notwendige vorbereitet wird.“
„ Vielen Dank.“ nickte sie und flog dann auf den Marktplatz, wo sie sich ihr Kunstwerk erst einmal genau ansah. „ Nicht schön, aber selten.“ murmelte sie.
Binnen weniger Sekunden sorgte die Göttin dafür, dass sich ihr wild ineinander verwickeltes Schild in einen schimmernden Lichter Nebel verwandelte, was sie dann erneut über die Dächer der Stadt ziehen ließ, bis es eine würdigere Gestalt annahm.
Danach schlug sie sich ordentlich den Bauch voll und entspannte dann bei einem angenehm heißen und wohlduftenden Bad.
Als sie den Raum eine gefühlte Ewigkeit später wieder verließ, verpuffte das strahlen eines Honigkuchenpferdes, als sie Asariah erblickte, der gerade ihr Zimmer verließ und die Tür erbost hinter sich zuknallte. Erschrocken wich sie gleich wieder zurück ins Badezimmer und schloss die Tür so leise wie möglich.
>Hoffentlich hat er mich nicht gesehen...< lief sie kreidebleich an.
Ihr erster Impuls zwang sie dazu, so schnell wie möglich aus dem Fenster zu flüchten und sich irgendwo in der Stadt zu verkriechen. Was sie dann auch tat. Überhaupt nicht auffällig, sprang sie auf das Dach, was sich direkt unter ihr befand und raste von dort aus zum nächsten Dach hin, von dem sie dann auf den Boden springen konnte. Natürlich hätte sie auch fliegen können, aber dann hätte ihr Bruder die göttliche Aura gleich bemerkt. Da könnte sie sich ihm auch gleich in den Weg stellen.
Über vorsichtig blickte sich die junge Frau um, während sie sich von Gasse zu Gasse begab, doch als sie gerade zum nächsten Versteck rasen wollte, standen ihr Cheria und Lyrias im Weg.
„ Mist!“ wich sie entsetzt zurück und drehte sich um, um einen anderen Weg entlang zu stürmen, allerdings brachte das mal so rein gar nichts, da sie mit jemanden zusammen stieß, der dicht hinter ihr stand. „ Wow!“
„ Versuchst du dich etwa vor uns zu verstecken?“ blickte Aries lächelnd auf sie herab.
„ Was ich? Niemals!“ erschrak sie leicht. „ Ich... suche Chiara... mehr nicht...“
„ In den dunklen Gassen?“
„ Da treibst du dich doch auch rum...“
„ Ja, weil ich deine Aura gesehen habe und dir gefolgt bin.“
„ Manchmal verfluche ich deine Fähigkeiten ja...“ starrte sie entnervt zur Seite. „ Aber nur manchmal...“ seufzte das Mädel auf und sah ihn dann wieder an. „ Also warst du gestern wirklich hier, oder?“
„ War ich, ja. Und Chiara befindet sich auch bei uns, sie sucht dich bestimmt gerade.“
„ Das ist gut.“ nickte sie.
„ Du hast mir einen riesigen Schrecken eingejagt.“ drückte er sie schwer am ausatmen an sich. „ Wäre ich ein Sterblicher, hätte sich meine Lebenszeit erheblich verkürzt oder ich hätte ein paar graue Haare mehr.“
„ Tut mir leid... aber ich...“ stammelte sie leise vor sich hin.
„ Ich weiß.“ drückte er sie noch fester an sich. „ Du kannst einfach nicht anders, als dich blindlings in irgendwelche Gefahren zu stürzen. Das liegt an deinen Genen.“ seufzte er beinahe theatralisch auf. „ Aber nun kann ich mir durchaus vorstellen, wie sich Misaki damals gefühlt haben musste.“
„ Allerdings bin ich nicht so wehrlos wie Mum damals.“
„ Risa war keineswegs wehrlos. Auch wenn sie nicht im Besitz ihrer Mächte war.“
„ Wissen meine Eltern das ich hier bin??“ riss sie dann völlig schockiert die Augen auf.
„ Dadurch das du dich gestern nicht in Illumina blicken gelassen hast, ja, ich denke schon, dass sie es wissen.“ vermutete er.
„ Oh nein...“ lehnte sie den Kopf gegen seine Schulter. „ Ich bekomme bestimmt Hausarrest bis zu meinem Lebensende, der aber niemals eintreffen wird, also werde ich mein Zimmer nie wieder verlassen dürfen.“
„ Das glaube ich nicht. Ok, wenn es nach Keith gehen würde, dann ja. Aber zum Glück ist Risa ja auch noch da.“
„ Ich hoffe du behältst recht.“ seufzte sie noch lauter auf.
„ Erst einmal musst du dich ohnehin deinem Bruder stellen, aber ich bin ja bei dir. Er kann dir also gar nicht den Kopf abreißen.“
„ Wie beruhigend.“ verzog sie den Mund.
„ Die möglichen Konsequenzen, sollte man deine Reise bemerken, waren dir doch vorher schon bekannt, oder nicht?“ meinte Aries. „ Und eigentlich war es auch nur eine Frage der Zeit, bis man dein Verschwinden bemerkt.“
„ Du hörst dich schon genauso an wie dein Vater!“ knurrte sie.
„ Was?!“ entglitten ihm kurz die Gesichtsmuskeln. „ Was soll das denn heißen?“
„ Das du dich so anhörst wie Misa!“ kicherte sie. „ Was gibt es denn daran nicht zu verstehen?“
„ Du bist ganz schön frech, weißt du das?“ schielte er sie seitlich an.
„ Quatsch! Ich sage nur die Wahrheit!“
„ Na klar.“ murmelte er.
„ Serah!“ störte eine männliche Stimme die traute Zweisamkeit.
Asariah stürmte auch gleich zu ihnen hin, um seine Schwester von dem Seelendieb weg zu zerren.
„ Was in Gottes Namen hast du hier zu suchen??“ fauchte er sie an. „ Bist du dir der Gefahren denn nicht im klaren, die hier auf dich lauern? Bist du jetzt komplett übergeschnappt??“
„ Hey!“ mischte sich Chiara ein. „ Das ist kein Grund sie so anzuschreien, du Hirni!“ stellte sie sich schützend vor ihre Freundin.
„ Misch dich nicht ein, du Flohschleuder! Das ist etwas, was nur uns beide betrifft.“
„ Das sehe ich aber etwas anders. Also hüte deine Zunge!“ knurrte sie auf.
„ Seit wann bist du in der Position mir Befehle erteilen zu dürfen?“
„ Im Gegensatz zu dir passe ich auf Serah auf und sorge dafür, dass es ihr an nichts fehlt! Also was willst du eigentlich von uns?“
„ Ich will nicht, dass ihr euch in Gefahr bringt!! Was gibt es daran nicht zu verstehen??“ brüllte er sie an. „ Diese Welt wird gerade von den Dämonen überflutet und jeder einzelne von ihnen wird von Serah's Aura angezogen! Ihr seid hier nicht sicher!! Also seht zu, dass ihr zurück nach Hause geht! Dies ist kein Ort, an denen sich Kinder aufhalten sollten.“
„ Kinder??“ keifte das Kätzchen zurück. „ Der einzige der sich hier kindisch verhält bist du!! Nur wegen deiner trotzigen Art mussten wir doch erst hier auftauchen! Wärst du ein wahrer Mann und kein Opfer, dann müssten wir das hier nicht ausdiskutieren!“
„ Ich zeige dir gleich, wer hier das Opfer ist!“ ballte er seine Hände zu Fäusten.
„ Ohh, mir schlottern ja schon die Knie. Ich bin bereits ganz starr vor Angst!“ welch Ironie doch da in der Luft lag. „ Mach dich nicht lächerlicher als du ohnehin schon bist, du Köter!“
„ Das reicht jetzt! Ihr kommt jetzt beide wieder runter. Serah ist hier, daran lässt sich nun nichts mehr ändern. Also beruhigen wir uns wieder und überlegen wie es nun weiter gehen soll.“
„ Das liegt jawohl auf der Hand! Serah wird nach Hause gehen, ist doch klar!“
„ Nein, werde ich nicht!“ widersprach die Göttin ihm. „ Wenn ich diese Welt verlasse, dann verschwindet mein Schutzschild ebenfalls und dann haben die Menschen hier keinen einzigen Zufluchtsort mehr. Ich werde nicht zulassen, dass sie den Dämonen hilflos ausgeliefert sind! Würde ich das geschehen lassen, dann könnte ich mein eigenes Spiegelbild nicht mehr ertragen! Dann hätte ich als Göttin versagt...“ senkte sie ihre Augen.
Nun saß er in der Zwickmühle. Dem Herren war klar, dass es nichts brachte sie nach Illumina zurück zu bringen, da sie sich sowieso wieder hierher schleichen würde. Sie in seine Gegenwart zu lassen, wo doch Chaos jeder Zeit erwachen konnte, schien ihm aber auch nicht die Lösung zu sein, zumal er das letzte Erwachen ja nicht mal mitbekommen hatte. Wie sollte er seine geliebte kleine Schwester da beschützen können? Außerdem wollte er ihr auch nicht zumuten, die Durchführung seiner niederschmetternden Pläne mitansehen zu müssen. Schließlich wusste der Ladthaaner wie sehr die Göttin an ihm hing. Es würde sie zerreißen. Nur konnte er allerdings auch nicht einfach so weiter machen wie bisher, wo er doch wusste, dass sie sich hier in großer Gefahr befand.
„ Nun gut.“ gab er nach einiger Zeit von sich. „ Wenn dir das Wohlergehen der Menschen so sehr am Herzen liegt, dann wirst du uns ab jetzt begleiten. So kann ich mir sicher sein, dass es dir gut geht.“
„ Was? Ich soll mit dir Flachpfeife durch die Gegend ziehen? Ich glaube du hast sie nicht mehr alle!“ platzte es aus der Götterkatze heraus.
„ Von dir war ja auch nicht die Rede!“ passte er sich ihrer Tonlage an. „ Du kannst von mir aus bleiben, wo der Pfeffer wächst!“
„ Aber ohne Chiara kann ich nicht gehen!“
„ Das ist mir schon klar!“ sah Asariah seine Schwester an. „ Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass sie von mir aus bleiben kann, wo der Pfeffer wächst!“ meinte er. „ Und nun seht zu, dass ihr euch fertig macht. Ich will so schnell wie möglich wieder los.“
Eigentlich hatte er ja geplant, den Rest seiner Gruppe einfach hier auszusetzen und dann mit Aries allein weiter zu reisen. Das ihm der Seelendieb folgte, konnte er genauso wenig verhindern, wie den Aufenthalt von Serah in dieser verpesteten Welt. Jetzt war er jedoch der Meinung, dass die Göttin der Reinheit so viele Beschützer wie möglich brauchte, sollte Chaos tatsächlich erwachen, ohne dass der Teufel etwas dagegen unternehmen konnte.
„ Was für ein unterbelichteter arroganter und stinkender Wichser!“ nuschelte sich das Kätzchen einen zurecht, als sie in dem Zimmer war, was sie sich mit Serah teilte und die Sachen zusammenpackte. „ Und dann soll ich dieser Blödheit auch noch rund um die Uhr ausgeliefert sein? Oh mein Gott!“
„ Besser konnte es doch eigentlich gar nicht laufen. So kann ich wenigstens mit eigenen Augen sehen, dass Chaos die Seele meines Bruders nicht verschlingt.“
„ Der wurde bestimmt adoptiert, ohne Scheiß! Der kann niemals die gleichen Gene in sich tragen, wie du!“
„ Das ist bei ihm ja auch nicht der Fall. Schließlich ist er ein Ladthaaner und ich eine Kythosianerin.“
„ Trotzdem stammt ihr von dem selben Paar ab. Wobei ich da so meine Zweifel habe.“
„ Sei nicht so gemein. Du bist ja bloß sauer, weil er dich mit seinem Charme einwickeln konnte.“ grinste sie ihre Freundin frech an.
„ Erinnere mich bloß nicht daran.“ verzog sie ihren Mund. „ Ich würde dieses Kapitel am liebsten aus meinem Gedächtnis streichen.“
„ So schlecht kann es ja gar nicht gewesen sein, andernfalls hättest du den selben Fehler doch nicht ständig wiederholt.“ zog sie sie weiter auf.
„ Ist gut jetzt! Ich will nicht länger darüber nachdenken müssen.“ seufzte Chiara auf. „ Vergessen wir das Ganze einfach. Am besten für immer.“
„ Wie du meinst.“

Wenig später verabschiedeten sich die Beiden von der Königsfamilie und warteten dann an den Stadttoren auf die Anderen.
Zwischenzeitlich hatte ich mich auch zu ihnen gesellt und blickte die beiden interessiert an.
„ Du bist also ein Engel und du bist so was wie ein Engel der Katzen? Vernimmst du ihre Wünsche und kannst mit ihnen reden?“
„ Ja, so ungefähr.“ nickte das Kätzchen.
„ Das ist so cool. Ich würde auch gern mit den Tieren reden können.“
„ Glaub mir, die geben nichts interessantes von sich.“
„ Toll wäre es aber trotzdem.“ lachte ich. „ Wenn die Menschen mit den Tieren kommunizieren könnten, dann wären viele nicht mehr so einsam und die Tierquälerei würde bestimmt auch abnehmen. Dann wäre das Miteinander ein Stück weit schöner.“
„ Du hast wirklich eine außergewöhnliche Sicht auf die Dinge, das gefällt mir.“ lächelte mich Chiara an.
„ Du bist tatsächlich anders als die anderen Menschen.“ nickte Serah. >Aber was ist das für eine dunkle Aura, die ihre Seele umschlossen hält?< betrachtete sie mich. >Wer oder was wollte denn verhindern, dass sie sich frei entfalten kann? Mhm.< ohne zu zögern nahm sie ihre göttliche Gestalt an und lehnte ihre Hand an meine Schulter.
„ Was..?“ blickte nicht nur ich sie erstaunt an.
Doch gerade als sie damit beginnen wollte, den Zauber zu neutralisieren, da erwachte die Dunkelheit und setzte sich, mit allem ihr zur Verfügung stehenden Mitteln, zur Wehr.
Völlig entsetzt betrachtete ich den schwarzen Wirbelsturm, der um uns herum peitschte. Diese Magie reagierte nicht nur auf mich äußerst empfindlich, auch das göttliche Wesen vor mir bekam einige schmerzhafte Hiebe ab. Trotzdem wich sie nicht einen Millimeter zurück, stattdessen verstärkte sie ihre eigenen Mächte, um der Finsternis Einhalt zu gebieten.
Es brannte! Mein gesamtes Inneres schien zu verbrennen! Ich hatte das Gefühl, als würde es mich zerreißen, als würde mich eine Tonnenschwere Last zerquetschen wollen. Das Atmen fiel mir angesichts der Atmosphäre schwer, der Schmerz schnürte mir unweigerlich die Kehle zu. Und doch erblickte ich einen Hoffnungsschimmer, der mich aus der Dunkelheit hinaus führen konnte.
Immer wieder flackerten unzählige Bilder vor meinem inneren Auge auf, Fotos die meine Vergangenheit zeigten, die mir erläuterten, wer ich früher war. Desto stärker der Fluch aufgewirbelt wurde, je mehr Erinnerungen überfluteten mein Unterbewusstsein.
Das letzte was ich sah, ehe mich mein Bewusstsein im Stich ließ, war das Schmerz verzehrte Gesicht der Göttin, die mich aus meinem Gefängnis retten wollte.
Meine Augen verloren ihren Glanz, der kleine Teil meiner Seele, der dafür sorgte, dass der Körper am Leben blieb, kehrte zurück in die schützenden Arme des Ganzen. Nun war es an der Zeit, dass mich Serah erreichte, denn nur dann konnten wir gemeinsam den Fluch aufheben. Aber damit mich die Göttin wecken konnte, musste sie zu mir kommen. Deshalb entzog ich ihrem Körper die Seele und sorgte so dafür, dass wir uns bald schon gegenüberstanden. Als ich das allerdings tat, klappten wir beide auf offener Straße zusammen...
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Re: Diehieee Geschichte

Beitrag von Alexia am Sa 22 Apr - 22:59

Kapitel 6. Zerbrochene Ketten


Als Serah die Augen öffnete, befand sie sich in einem dunklen, kalten und furchteinflößenden Raum. Das Mauerwerk war übersät mit klaffenden Rissen, aus denen dicke Ranken mit messerscharfen Dornen ragten. Der Boden war uneben und teilweise auseinander gebrochen. Man vernahm das Zischen des Windes, der sich durch die Ritze quetschte und die dunkle Atmosphäre so perfekt machte. Das bisschen Licht, was hier herrschte, kam von einem Ranken-Knubbel, der sich etwa in der Mitte des Zimmers befand.
„ Wo bin ich?“ blickte sich die Göttin erstaunt um, während sie sich langsam aufsetzte.
Dort wo sie bis eben noch gelegen hatte, war die Welt noch in Ordnung und auch die Dornen blieben diesem Plätzchen fern.
„ Was ist das für ein Ort?“ fragte sie sich. „ Stellt diese Ruine etwa Sasha's Unterbewusstsein dar? Aber wie komme ich hier her und wo ist Sasha?“ langsam erhob sie sich und schlenderte wie automatisch auf das Lichtlein zu. „ Was zur Hölle...“ blieb sie wie versteinert stehen und starrte das Desaster vor ihr völlig entsetzt an.
Vor ihren Augen erstreckte sich ein dicker Busch aus Dornenranken, der vom Boden bis zur Decke reichte. Irgendwie ähnelte dieses Gebilde einem runden Vogelnest, als könnte man jeden Moment das Gezwitscher junger Vögel hören, aber dem war nicht so. Stattdessen drängte sich einem das Geräusch von plätscherndem Wasser auf, nur das es sich dabei nicht um Wasser handelte, was Serah feststellen musste, als sie ihren Blick senkte. Ein rötlich schimmernder Bach bahnte sich seinen Weg von dem Knubbel weg und endete schließlich in einem Riss im Boden. Ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken, als sie erkannte, dass es sich bei der Flüssigkeit nur um Blut handeln konnte und diese Vermutung sollte sich auch bestätigen. Die Dornenranken deuteten den Fluch an, mit dem mich Chaos belegt hatte und das tropfende Blut stand für meine Energie, die sich niemals auffüllen sollte, solange mich der Zauber gefangen hielt.
„ Oh mein Gott...“ lehnte sie ergriffen und zutiefst schockiert die Hände vor dem Mund, als sie mich im Wirrwarr des Nestes erblickte.
Mein Körper war über und über mit tiefen Wunden versehen, die mir die Dornen zufügten und aus denen mein Blut heraus tropfte. Meine goldenen Flügel wurden von dem Fluch regelrecht zerfetzt, die Federn sah man auch noch am anderen Ende des Raumes vor sich hin glimmen. Zum Glück verspürte ich keine Schmerzen, da ich nicht bei Bewusstsein war, andernfalls wäre dieser Zustand kaum zu ertragen. Mein Licht war zum erlöschen gering, was wohl daran lag, weil ich mich noch immer in der Verfassung befand, die ich besaß, als Chaos und ich bei unserem letzten Kampf auseinander gingen.
„ Du lebst...“ flüsterte Serah. „ Du lebst!! Das heißt, es besteht noch Hoffnung!! Wir können Chaos besiegen und Asariah retten! Wir müssen dich nur befreien... aber wie...?“ blickte sie sich suchend um. „ Keine Angst, ich werde dich da raus holen. Halte nur noch ein bisschen durch.“
Natürlich hatte sie mich gleich erkannt. Jemand der die Reinheit eines Wesens sehen konnte, konnte mich nur erkennen! Schließlich verkörpere ich das reine und unbefleckte Licht.
„ Nun gut, du bist bloß eine schwarze Aura! Mit dir werde ich locker fertig!“ symbolisch krempelte sie die Ärmel hoch und lehnte ihre Hände über die Ranken.
Die ersten Äste verdorrten unter der Last ihrer Magie und verpufften dann einfach. Wiederrum andere setzten sich in Bewegung und versuchten von der Macht weg zu kommen, die ihnen die Lebensenergie entzog, während vereinzelte Zweige nach der Göttin schlugen, um sie zu vertreiben.
Als das alles aber nichts brachte, mischten sich auch die anderen Arme der Pflanze im Geschehen mit ein. Der komplette Raum begann zu beben, es knackte und knarrte aus allen Ecken. Die gerade noch ruhigen Pflanzenteile am Rande des Kampfringes peitschten unkontrolliert umher, sie nahmen das doppelte, wenn nicht sogar das dreifache ihrer Körpergröße an und zerstörten die Umgebung so noch mehr und dann stürmten sie alle gleichzeitig auf Serah zu.
„ Pah! Von wegen!!“ erschuf sie um sich herum ein Schutzschild, ähnlich wie bei Schloss Edana, und hielt sich so nicht nur die Viecher vom Leib, sie vernichtete auch noch jene, die ihren Abwehrmechanismus berührten.
Plötzlich drang ein furchterregender Schrei an ihre Ohren, der weder von den Pflanzen noch von mir stammen konnte und schon einen Augenblick später, stieß ein heftiger Windstoß die Dame zurück.
„ Was?“ sah sie erschrocken zum Wächter des Fluchs auf.
Ein Vogel, der einer Eule glich, mit zwei Steinbock-artigen Hörnern auf dem Kopf, setzte sich auf einen Ast und starrte den Störenfried verärgert an.
„ Was bist du denn für einer?“ zog sie fragend die Augenbrauen hoch.
Sie hätte ja mit allem gerechnet, mit einem dreiköpfigen Drachen, einem Höllenhund, einer riesigen Anakonda oder auch einem ekelhaft stinkenden Riesen, aber doch nicht mit einem Vieh, was einer Eule mit Hörnern glich.
„ Das ist ein Scherz, oder?“
Aber nein, das war kein Scherz und ihr Gegner war auch kein einfacher Vogel, wie sich im nächsten Moment herausstellen sollte. Das Ungeheuer versteckte sein Antlitz hinter einer Wand aus schwarzer Magie und was dann auf den Plan trat, wurde dem Ruf als Fluch-Wächter schon eher gerecht.
Ein Meterhoher Minotaurus, nur viel hässlicher, stellte sich der Göttin in den Weg. Man erkannte schon, dass es sich bei dem Wesen um ein Minotaurus handelte, allerdings war bei den Dämonen alles ein bisschen anders. Deshalb war dieses Exemplar eher ein Alien, als ein Wesen aus unserer Mythologie. Er besaß kein Fell und auch keinen Schweif. Seine Haut war hart wie Stein und glänzte in einer eigenartigen dunkel grauen Farbe. Das Maul war riesig und vollgestopft mit unzähligen Reißzähnen. Seine Füße als auch die Hände ähnelten den Klauen von großen Vögeln, nur sahen sie nicht mal halb so hübsch aus.
„ Ok... jetzt bin ich beeindruckt.“ wich sie erschrocken ein paar Schritte zurück. „ Jetzt wäre mir deine andere Gestalt wirklich tausendmal lieber.“ natürlich zeigte er ihr die nun nicht mehr.
Stattdessen stürmte er kreischend auf sie zu und ließ die Umgebung an seinem üblen Atem teilhaben. Reflexartig zog Serah ein Schutzschild vor sich hoch, gegen das der Minotaurus knallte und dann mit seinen seinen Klauen drauf rum hämmerte.
„ Boar du stinkst!“ verzog sie angewidert das Gesicht. „ Kein Wunder das du hier eingesperrt wurdest.“ schleuderte sie ihn mit einer Welle aus reiner Magie zurück. „ Du kannst mich nicht aufhalten, ich werde Sasha befreien, ob du das nun willst oder nicht, spielt keine Rolle.“ ließ sie ihren Stab erscheinen. „ Mach dich auf dein Ende gefasst!“
Serah zählte zu den wenigen Göttern, dessen Kräfte besonders effektiv gegen die dunklen Geschöpfe waren und das ließ sie ihm gleich spüren. Seine vor Schmerz verzehrten Schreie hallten in dem Raum wieder, als sie ihm alles um die Ohren haute, was sie zu bieten hatte, allerdings schürte sie damit auch seinen Zorn. Etwa wie bei einem Stier und einem roten Tuch.
Nach ihrer ersten Angriffswelle folgte ein Sturm des Gegners, der aus Hieben, Tritten und aus seiner schwarzen Magie bestand. Nebenbei versuchte er sie mit seinen Hörnern zu durchbohren, aber ganz gleich was er auch anstellte, um sie zu vernichten, nichts davon fruchtete.
„ Langsam macht sich das Training mit Asariah wirklich bezahlt.“ wich sie einem weiteren Angriff aus. „ Und die meinten alle, er wäre zu brutal! Im Gegensatz zu diesem Spinner, war mein Bruder das liebste und zurückhaltendste Wesen aller Zeiten!“
Der Minotaurus folgte seinem Opfer, egal wohin es sich auch verdrückte. Er würde erst zur Ruhe kommen, wenn er genau diese Gestalt vernichtet hatte oder wenn er sich davon überzeugen konnte, das sein Feind durch andere Umstände sein Leben verlor. Dazu kam, das er ausgesprochen hart im nehmen war, was die Sache erheblich erschwerte. Es war nämlich ganz gleich, was sie ihm für Steine in den Weg legte, er ließ sich von nichts aufhalten.
„ So langsam nervst du mich aber, du Stinktier!“ landete sie etwas weiter von ihm entfernt auf dem Boden. „ Ich habe überhaupt keine Zeit, die ich mit dir vertrödeln könnte. Die anderen machen sich bestimmt schon große Sorgen um uns. Und ein wütender Asariah ist noch viel angst einflößender, als du es jemals sein könntest. Also werde ich mir Sasha jetzt schnappen und dann zerlegen wir dich gemeinsam.“ grinste sie ihn frech an. „ Du entschuldigst also?“ konzentrierte sie ihre Mächte. „ Ab jetzt hast du Sendepause!!“ brüllte ihm die Göttin entgegen, während sie ein neues Schutzschild erschuf, was sie um den Ranken-Knubbel legte.
Binnen weniger Sekunden befand sie sich innerhalb des Schildes und bahnte sich einen Weg durch die Ranken-Mauer. Scheinbar reagierte auch das Ungeheuer auf das Verdorren der Pflanze, da er immer schriller aufbrüllte und mit aller Kraft gegen ihre Barriere hämmerte.
„ Man, dieser Typ nervt immer mehr!“ zeigten sich bei Serah die ersten Anzeichen der Anstrengung, sich das Monster vom Leib zu halten.
Inzwischen hatte sie bereits ein riesiges Loch in die Hülle des Nests geschlagen und kam immer näher an mich heran.
„ Sasha!“ verzog sie ihr Gesicht, da sie die Dornen nun auch zu spüren bekam. „ Komm schon, gib mir deine Hand!“ streckte sie ihren Arm nach mir aus. „ Du musst jetzt aufwachen! Sasha! Du hast jetzt lang genug geschlafen!“ aber ich reagierte nicht auf ihre Rufe, hielt meine Augen weiterhin geschlossen.
Der Minotaurus schlug bereits die ersten Kerben in das magische Schutzschild und auch die Ranken begannen damit, sich um die Göttin zu schlingen. Immer wieder rief Serah meinen Namen, während sie dafür sorgte, dass die ersten Äste, die mich umschlungen hielten, verschwanden. Aber zu mir durchzudringen, das wollte ihr noch immer nicht gelingen. Ganz gleich wie laut sie mich anbrüllte, ich erwachte nicht. Mich störten ja nicht mal die Ohrenbetäubenden Schreie des Wächters und er war um einiges lauter als die blonde Dame. Nein, 'Sasha' war nicht der Name, der mich zu wecken vermochte..
„ Nun wach schon auf...“ blickte sie mich gequält an. „ Ich kann ihn nicht mehr lange aufhalten, mein Schild wird bald zerbrechen. Also öffne deine Augen, Sasha. Du bist die einzige, die Chaos Geschöpfe eliminieren kann.“ als sich noch immer nichts tat, schloss sie betroffen die Augen, ehe sie mich wieder ansah. „ Was ist nur los? Warum wachst du nicht auf? Ich weiß nicht mehr weiter...“ sie spürte, wie ihre Kräfte nachließen und das Schild zum zerbersten gespannt war. „ Moment... Sasha ist der Name, den dir die Menschen gaben!“ ergriff sie den letzten Hoffnungsschimmer, der ihr nun noch geblieben war. „ Aber so heißt du ja gar nicht, deshalb reagierst du nicht!“
Sie mobilisierte alle Kräfte, die ihr nach der Anstrengung noch geblieben waren und verstärkte nicht nur ihr Schild sondern kämpfte sich ein letztes mal zu mir vor.
„ Es ist an der Zeit aufzuwachen! Also öffne gefälligst deine Augen und reiche mir deine Hand, Aliah!!“ brüllte sie mich an.
Tatsächlich drang sie dieses Mal zu mir durch! Ich riss meine Augen auf und starrte geradewegs in das erleichtert wirkende Gesicht meiner Retterin. Gerade zur rechten Zeit, wie es mir schien, da der Minotaurus das Schutzschild zertrümmerte und dann mit den Hörnern auf die junge Dame zuraste. Blitzschnell ergriff ich die Hand, die mir entgegen gehalten wurde und durchbrach so den Fluch, der mich gefangen hielt.
Als erstes befreite ich uns von den Ranken, die uns massakrierten, in dem ich meine verbliebenen Mächte bündelte und sie allesamt gleichzeitig los ließ. Auch der Hüter des Fluches wurde mit weg geschleudert und knallte unsanft gegen die Wand, ehe ich ihn mit einem Pfahl aus reinem Licht durchbohrte und ihn so ein für alle male aus meinem Unterbewusstsein verbannte!
Nachdem dann auch das letzte Überbleibsel des Fluches verschwunden war, baute ich die innere Welt meiner Wirtin wieder auf und stand schon wenige Augenblicke später im Thronsaal eines wunderschönen Schlosses.
„ Ich danke dir...“ lächelte ich Serah noch einmal an, bevor ich sie aus meinem Körper heraus kickte. Natürlich landete sie in ihrem eigenen Gefäß, logisch.

Inzwischen hatten sich alle um uns herum versammelt, auch die Dorfbewohner sorgten sich um ihren Engel. Gerade auch, weil das Schutzschild zerbrach, was sie kurz zuvor noch über die Stadt gelegt hatte. Deshalb war die Erleichterung umso größer, als sie endlich wieder erwachte.
„ Serah!? Geht es dir gut??“ erblickte sie das Gesicht ihrer Katze als erstes.
Aber auch Aries und Asariah hockten neben uns.
„ Was.. ist mit Sasha...?“ setzte sie sich langsam auf und blickte mich besorgt an.
„ Mit Sasha?“ hakte der Seelendieb erstaunt nach. „ Hast du ihren Fluch gebrochen?“
„ Ja, jedenfalls denke ich das.“
„ Welchen Fluch?“ wollten die anderen auch gleich wissen.
„ Irgend so ein Fluch halt.“ meinte er.
Tatsächlich dauerte es noch ein bisschen, bis sich bei mir etwas tat. Anders als bei Chaos, konnte ich mich ja nicht einfach in die dunkelste Ecke meines Wirtes verdrücken, um meine Energie in aller Seelenruhe wieder auffüllen zu können. Also musste ich dafür sorgen, dass der Körper weiter am Leben blieb und ich mich gleichzeitig regenerierte.
Deshalb griff ich auf die Methode zurück, die ich gezwungenermaßen auch schon vorher angewendet hatte. Nur mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass mich niemand mehr gefangen hielt. Mein Gedächtnis blieb mir erhalten und sollte ich meine Kräfte einsetzen müssen, dann stellte dies auch kein Problem mehr dar. Ich war frei!
Meine neugewonnene Freiheit nutzte ich auch gleich aus, um mich mit meiner Hülle zu vereinen. Noch stellte ich einen Fremdkörper dar, dies galt es nun zu ändern.
Aus diesem Grund breitete ich mich vollends in dem Unterbewusstsein aus und verknüpfte ihre Erinnerungen mit meinen. Während ich das durchzog, erstrahlte mein Körper nach außen hin in einem grellen Licht.
„ Was geht da vor sich??“ rissen die Gaffer vor erstaunen die Augen weit auf.
Während mein Körper langsam in die Lüfte stieg, nahm ich die Haltung eines Embryos an und umschlang meine Knie mit den Armen.
Das Licht, was mich umgab, wurde immer dichter und heller, es verweigerte den Spannern den Blick auf mein Äußeres. Und dann, als die Spannung und das Getuschel seinen Höhepunkt erreichte, da stieß ich das Licht von mir. Als Zeichen der Übernahme zeigte ich mich in meiner wahren Gestalt, also in der, die als das Wesen des Lichts bekannt war.
Ein kurzer Augenblick der ausreichte, um Asariah die Sprache zu rauben.
„ Sie ist wunderschön...“ murmelte Cheria vor sich hin.
„ Und das ist noch untertrieben...“ meinte Lyrias dazu, der auch gleich mal den Ellenbogen seiner Priesterin zu spüren bekam. „ Aua! Was sollte das denn??“
„ Ich habe genau gesehen, dass du ihr unter das Kleid geschielt hast!“ das war natürlich gelogen, trotzdem verschränkte sie beleidigt die Arme vor der Brust.
„ Was hab ich??“ starrte er sie schockiert an. „ Das ist nicht wahr!“
„ Pah!“ wendete sie den Blick eisern von ihm ab.
Kurz bevor ich den Boden erreichte, nahm ich das Aussehen von Sasha wieder an und öffnete meine Augen. Die Erschöpfung sah man mir deutlich an, deshalb war es nicht verwunderlich, dass mir meine Beine gleich die Zusammenarbeit verweigerten. Allerdings war Aries gleich zur Stelle, um mich zu stützen.
„ Alles ok?“ sah er mich besorgt an.
„ Es geht mir gut. Ich muss mich nur etwas ausruhen.“ lächelte ich ihn beruhigend an.
„ Ok. Dann steig auf.“
„ Was?“ sah ich ihn irritiert an.
„ Kletter auf meinen Rücken. Dann können wir weiter reisen und du kannst dich gleichzeitig ausruhen.“
„ Äh...ok?“ folgte ich seiner Aufforderung und erklimmte seinen Rücken.
>Was soll das denn?< betrachtete uns Serah verärgert. >Und mich hat er schon wieder völlig vergessen, oder was? Kaum kommt jemand mit einer reinen Aura um die Ecke gewackelt, läuft der ihr wie ein räudiger Köter hinterher. So ein...<
„ Kümmerst du dich um Serah, Chiara?“ wollte mein Träger von dem Kätzchen wissen.
„ Natürlich.“
„ Gut, dann können wir weiter gehen. Halt dich gut fest.“
„ Mach ich.“ schlang ich zum Entsetzen der Göttin auch noch meine Arme um seinen Hals.
>In der Hölle soll er schmoren!<
Währenddessen nahm Chiara ihre große, um nicht zu sagen übergroße Katzengestalt an und ließ Serah auf ihrem Rücken platz nehmen.
„ Boar du bist ja riesig!!“ strahlte Cheria.
„ Dich kann ich wohl auch noch tragen. Wenn du willst, kannst du gern aufsteigen.“
„ Wirklich??“ jauchzte sie wie ein kleines Kind auf.
„ Kletter schon rauf.“
„ Jipi!!“ ließ sie sich hinter Serah nieder.
>Toll, dann hätte Sasha auch hier sitzen können, also warum muss er sie tragen? Und warum trägt er sie und nicht mich?? Man, das nervt jetzt aber!!<
Bevor wir allerdings weiter reisten, bauten wir ein neues Schutzschild auf, was dieses mal aber nicht nur von der Göttin getragen wurde sondern auch von mir.
„ Oh!! Dein Fell ist so unglaublich weich!!“ quietschte die Heilerin begeistert rum. „ Aus dir könnte man bestimmt eine flauschige Decke machen.“ betatschte sie begeistert den Rücken der Katze.
„ Wenn deine Finger sauber sind, sagst du Bescheid, ja?“ schielte Chiara zu ihnen zurück.
„ Meine Hände waren gar nicht dreckig, keine Sorge.“
„ Wenn du das sagst.“ wendete sie ihren Kopf wieder ab. „ Pass auf, dass Serah nicht runter fällt!“
„ Warum sollte UAHHH!!“ kreischte die Priesterin erschrocken auf, als die Katze zum Sprung ansetzte und elegant über die Dächer der Stadt hüpfte und schließlich sicher hinter den Mauern auf ihren Pfoten landete. „ WUHHHAAA!! Das war der HAAMMMERRR!!“ grölte sie die gesamte Umgebung zusammen.
Gemeinsam mit ihren Passagieren erstürmte sie das weite Feld, verspielt raste sie von links nach rechts, mal so schnell wie der Wind, mal so langsam wie eine Schnecke. Alle drei hatten bei dieser Vorstellung sichtlich ihren Spaß, was man ganz klar an ihren lachenden Gesichtern erkennen konnte.
Doch plötzlich spitzte Chiara ihre Ohren und bremste ihren Dauerlauf so abrupt ab, dass die Mädels beinahe im hohen Bogen von ihrem Rücken herunter geflogen wären.
„ Was...?“ keuchte Cheria. „ Was sollte das denn?“
Allerdings erhielt sie keine Antwort, stattdessen knurrte das Kätzchen leise auf, ehe sie sich umdrehte und auf den schnellsten Weg zu uns zurück kehrte.
„ Da kommt etwas auf uns zu.“ meinte sie an Aries gewandt.
„ Dämonen.“ bemerkte der Seelendieb. „ Sie strömen aus mehreren Richtungen auf uns zu.“
„ Und was nun?“ wollte Lyrias wissen. „ Ziehen wir uns in die Stadt zurück und lassen das Schutzschild für uns kämpfen oder stellen wir uns dem Kampf? Das könnte gefährlich werden.“ sah er erst mich dann Serah an. „ Zwei aus unserer Gruppe können definitiv nicht kämpfen.“
„ Wir können nicht in die Stadt zurück. Wenn das Schild dem Druck nicht standhalten kann, dann bringen wir unzählige Menschenleben in Gefahr.“ meinte Cheria. „ Außerdem könnten Sasha und Serah unter der Last zusammenbrechen! Das können wir nicht verantworten.“
„ Ich bin nicht hier, um mich vor den Bastarden zu verstecken.“ mischte sich Asariah ein. „ Ihr könnt euch in die schützende Stadt zurückziehen, aber ich bleibe hier.“
„ Ich werde garantiert nicht gehen.“ mauzte die Katze. „ Warum sollst du der einzige sein, der seinen Spaß hat? Das sehe ich gar nicht ein.“ setzte sie sich ins Gras, so dass ihre Passagiere von ihr herunter rutschten und schon einen Moment später, stand sie in ihrer Zweibeiner Gestalt vor uns.
„ Du bleibst bei Serah und Sasha, Cheria.“ befahl Aries ihr. „ Deine göttliche Waffe wird euch drei beschützen.“ setzte er mich vorsichtig ab.
„ Ist gut.“ nickte sie.
„ Die erste Welle ist gleich da.“ knurrte Chiara. „ Überlasst die mir, von rechts kommen noch mehr.“
„ Pass auf dich auf.“ murmelte die Göttin besorgt.
„ Keine, Sorge. Mir wird nichts geschehen.“ grinste das Kätzchen. „ Du solltest dir eher Gedanken um die beiden Hirnis machen.“
So schnell wie der Blitz preschte die Götterkatze auf die Dämonenschar zu und riss gleich mit dem ersten Schlag eine große Kluft in die Dunkelheit.
Völlig beeindruckt verfolgte Cheria den Kampf aus sicherer Entfernung. Das Kätzchen zischte so unfassbar schnell durch die Horde dunkler Gesellen, dass man bloß einen silbernen Schleier am Horizont entdecken konnte, während die Monster wie Sternschnuppen vom Himmel fielen und genauso schnell verpufften.
Dieser Kampf fesselte die Dame regelrecht, so dass sie den Herren unserer Gruppe keine Aufmerksamkeit zukommen lassen konnte. Auch wenn Aries in seiner Teufelsgestalt kämpfte und Asariah ja eigentlich derjenige war, der von ihr immer angestarrt wurde, lag ihr Interesse einzig auf dem Kätzchen.
Als dann der letzte Gegner von ihr aus der Luft geholt wurde, benutzte sie seinen Körper als Surfbrett. Bis er dann mit einem dumpfen Knall und einer Tonne aufgewirbelten Staub auf den Boden klatschte, da sprang sie mit einem perfekt ausgeführten Salto von ihm herunter und landete sicher vor ihm auf ihren Füßen.
„ So und wer ist der nächste?“ sah Chiara zu den Männern rüber. „ Die kommen auch ohne mich zurecht.“
Und das taten sie wirklich. Lyrias, der mit seiner Pistole den einzigen Fernkämpfer darstellte, vernichtete durch die göttlichen Kugeln gleich ein dutzend Maden. Asariah, dessen Hiebe immer direkt ins schwarze trafen, zerschlug ihre Mauer mit seinem Schwert, während Aries ihnen mit seinen scharfen Klauen und den Sicheln an seinem Unterarm entgegen trat. Sie alle konnten so perfekt kämpfen, da kam sich unsere Priesterin total überflüssig vor. Was hatte sie auch schon zu bieten, außer das sie über heilende Fähigkeiten verfügte und die Seelen verstorbener einsammeln konnte? Sie beherrschte ja nicht mal den Bogen, der die Portale schließen konnte.
>Ich bin so nutzlos...< ließ sie in Gedanken den Kopf hängen.
Die anderen sahen das anscheinend auch so, sonst müsste sie ja nicht als einzige bei mir und Serah bleiben. Im Auge des Sturms, den ja nicht mal ein einfacher kleiner Dämon erreichen konnte.
>Da kann ich mich auch neben Sasha legen und ebenfalls schlafen.< schoss es ihr durch den Kopf. >Ich bin ein nutzloser Mensch, also was sollte ich schon groß ausrichten können?<
Natürlich ließ sie ihre Selbstzweifel nicht nach außen dringen, sie würde nie jemanden erkennen lassen, wie unnütz sie sich gerade fühlte. Wie das fünfte Rad am Wagen, die Bienen die das Picknick störten oder wie ein Sandkasten in der Wüste. Überflüssig oder auch störend. Nein, was wirklich in ihr vorging, dass wusste nur sie selbst und damit kein anderer auch nur etwas erahnte, konzentrierte sie sich wieder auf die beeindruckenden Kämpfe, die sich vor ihr abspielten.
Immer mehr Dämonen kamen aus ihren Löchern gekrochen und schlurften direkt auf uns zu. Sie waren uns zahlenmäßig weit überlegen, dennoch sahen sie keine Sonne. Das einzige Problem an ihrer Überzahl war, dass sie von überall her auf uns zu strömten und keiner aus unserer Gruppe konnte sich zweiteilen, um dem Heer Einhalt zu gebieten.
„ Wo kommen die nur alle her?“ blickte sich Serah erschrocken um. „ Ihr habt doch schon einige Portale schließen können.“
„ Einige, aber nicht alle.“ konterte Cheria. „ Jedes Tor was noch steht, führt in eine Welt, die von den Dämonen beherrscht wird. Dort leben zig tausende, da ist das hier ein schlecht besuchtes Theaterstück.“
„ Wenn das so weiter geht, werden sie uns einfach überrollen.“ kämpfte sich die Göttin auf die Beine. „ Wir dürfen hier nicht einfach nur blöd rum stehen und darauf warten, dass die anderen alles regeln.“
„ Du kannst nicht kämpfen! Dafür bist du viel zu geschwächt!“
„ Dein Bogen und meine Mächte, sind gegen diese Monster besonders effektiv! Wir müssen den anderen helfen, wenn wir hier nicht elendig zu Grunde gehen wollen.“
„ Aber ich kann mit dem Bogen nicht umgehen.“ starrte Cheria entrüstet zur Seite. „ Ich bin keine große Hilfe, außerdem will ich nicht versehentlich den falschen treffen.“
„ Natürlich kannst du mit dem Bogen umgehen. Sonst hätte er dich niemals auserwählt! Du kannst das! Das weiß ich genau!“ lächelte sie die Priesterin erschöpft an. „ Zeigen wir ihnen, was alles in dir steckt.“
„ Wie du meinst.“ zückte sie zögernd ihre Waffe.
Mit zittrigen Händen zielte sie auf einen Haufen sabbernder Ungeheuer, die gerade von den beiden Ladthaanern bearbeitet wurden. Sie fürchtete sich so sehr davor, Aries oder Asariah zu verletzten, dass ihr ganzer Körper wie Espenlaub zu zittern begann.
„ Hab keine Angst!“ gab Serah der Dame Hilfestellung. „ Asariah und Aries kann nichts geschehen, solange du sie nicht frontal mit dem Pfeil triffst und da das nicht dein Wunsch ist, wird es auch nicht geschehen. Hab mehr Vertrauen in dich!“
„ O-Ok...“ nickte Cheria.
Ihre Knie waren noch immer weich wie Pudding und ihre Arme fühlten sich an, als hätte sie Tagelang 1000 Kilo mit sich herum geschleppt. Die Angst erkannte man deutlich in ihren Augen, schließlich hatte sie an Asariah schon sehen können, wie heftig die Macht der Waffe auf die Ladthaaner reagierte.
Aber mit Serah als Unterstützung konnte ja eigentlich nichts schief gehen, deshalb beruhigte sie sich zusehends und zitterte nicht mehr ganz so heftig vor sich hin.
Erst als Cheria den Pfeil abschießen wollte und Serah sich kurz zuvor lächelnd zurückzog, erstarrte die Priesterin zu einer Statue, während sie dem Pfeil dabei zusah, wie er sich unzählige male teilte und ungebremst auf die dunkle Front prahlte. In ihren Vorstellungen, wenn sich der Staub dann legte, war rein gar keiner mehr von denen am Leben auch die beiden Teufel nicht. Wäre sie nicht erstarrt, würde sie nun verzweifelt auf die Knie fallen und zu Gott beten, dass ihren Kameraden nichts geschieht. Vielleicht würde sie sich auch erst die Augen aus dem Kopf heulen und dann zu Gott beten, dass er ihr ihre Freunde zurück gab. Da sie sich aber nicht rühren konnte, stand sie einfach nur da und wartete atemlos darauf, dass sich der Sturm legte.
Als sich der Nebel dann endlich lichtete, waren Asariah und Aries die einzigen, die noch zusehen waren, alle anderen dämonischen Gestalten wurden durch ihre Attacke vernichtet.
„ Oh Gott sei dank!“ atmete Cheria erleichtert aus, ehe sie sich zu Serah umdrehte. „ Sag mal spinnst du?? Du kannst doch nicht einfach den Bogen los lassen, wenn ich den Pfeil abschießen will!!“ fauchte sie. „ Serah! Ist alles ok?“ verschwand ihre Verärgerung, als sie bemerkte dass die Göttin schon wieder auf dem Boden kniete.
„ Ich bin nur etwas müde, dass ist alles. Keine Sorge.“ lächelte sie die Dame beruhigend an.
„ Warum hast du auch deine Kräfte eingesetzt, um mir zu helfen?“
„ Das habe ich gar nicht.“ kicherte sie leicht. „ Das nennt man Placeboeffekt!“
„ Wie jetzt?“
„ Ich habe nur so getan, als würde ich dir helfen. Letztendlich aber, hast du den Pfeil ganz von allein abgeschossen.“
„ Du lügst doch!?!“ zog sie erstaunt die Augenbrauen hoch.
„ Nein, tu ich nicht.“ schüttelte sie den Kopf. „ Glaubst du mir jetzt endlich, dass du den Bogen führen kannst?“
„ Danke.“ schloss sie lächelnd die Augen.
„ In dir steckt mehr, als du glaubst. Wird zeit das zuerkennen.“
„ Du hast recht.“ erhob sie sich wieder und wendete sich den Feinden zu. „ Ich kann die anderen unterstützen.“ spannte sie erneut ihren Bogen.
Mit der vernichtenden Wirkung des Bogens, die zusätzlich auf die Gegner prahlte, lichtete sich das Feld nach einiger Zeit endlich, bis nur noch eine überschaubare Anzahl der Dämonen übrig war.
„ Da kommt noch etwas großes durch den Wald gekrochen.“ lauschte Chiara dem Wind. „ Die kommen hier schon zurecht.“ schielte sie zu den Herren hin. „ Ich werde mir das mal ansehen gehen.“ wendete sie sich ab und folgte blitzschnell dem Weg, der zum Wald hin führte.
Dort angekommen schnellte sie zwischen dem Geäst hindurch, bis sie schließlich vor dem Vieh stand, was diesen Lärm machte. Ohne zu zögern peitschte sie auf ihn zu und versuchte ihre Messerscharfen krallen in seinem Leib zu vergraben. Allerdings schaffte sie es nicht mal, ihm auch nur einen kleinen Kratzer zuzufügen, so hart war seine Haut, er hingegen holte brüllend aus und klatschte die Katze wie eine lästige Fliege von sich weg. Die Wucht des Schlages war so dermaßen heftig, dass der Baum, gegen den sie geschleudert wurde, nach gab und entzwei brach. Unsanft knallte sie auf den Boden und rollte noch einige Meter weiter, ehe sie gegen einen anderen Baum stieß, der ihre Rutschpartie beendete.
Einem einfachen Menschen hätte dieser eine Schlag schon die Lebenslichter ausgeblasen, der Götterkatze blieb dieses Schicksal erspart, aber auch bei ihr brach der ein oder andere Knochen.
„ Was ist das denn für ein Vieh...?“ keuchte sie Schmerz verzehrt auf. „ Fuck...“ stöhnte das Kätzchen, als es versuchte wieder auf die Beine zukommen.

Selbst Serah, die das ganze von ihrem Platz nicht sehen konnte, schreckte auf, als ihre beste Freundin ungewollt den Wald auseinander nahm.
„ Wo ist Chiara?!?“ blickte sie sich erschrocken um. „ Irgendwas ist passiert..“
Ihrer Erschöpfung zum Trotz erhob sie sich und stürmte auf den Wald zu. Sehr weit kam sie jedoch nicht, da ihr schon wenige Meter später die Kräfte flöten gingen.
„ Serah!“ eilte Cheria zu ihr hin. „ Was machst du denn?? Wenn ich Sasha und dich beschützen soll, dann müssen wir zusammen bleiben! Na los, wir müssen zurück.“
„ Ich kann nicht zurück!! Irgendwas stimmt mit Chiara nicht! Ich muss dahin, ehe man ihr das Leben raubt!“
„ Chiara?“ blickte sie sich suchend um. „ Wo ist sie überhaupt?“
„ Im Wald! Und da muss ich jetzt hin!“
„ Chiara wird es schon gut gehen, keine Sorge! Sie ist eine ausgezeichnete Kämpferin.“
„ Nein, es geht ihr nicht gut. Ich weiß das es so ist!“
„ Seit ihr so was wie Seelenverwandte?“
„ Ja, so in der Art.“ erklärte die Göttin. „ Und weil das so ist, muss ich ihr helfen.“
„ Du kannst ihr so nicht helfen! Geh zurück nach Sasha, ich werde nach ihr sehen gehen.“
„ Das ist viel zu gefährlich!“
„ Warum? Ich habe doch den göttlichen Bogen.“ sah sie noch mal zwinkernd zu der blonden jungen Frau zurück, während sie dem Kätzchen in den dunklen Wald folgte.
Eine gefühlte Ewigkeit suchte sie vergeblich die Büsche und Sträucher ab, als sie dann tiefer in das Dickicht vordrang, erblickte sie die Schneise des Dämons, die er auf seiner Wandertour hinterlassen hatte.
„ Oh mein Gott. Was ist denn hier lang gekommen?“ betrachtete sie die entwurzelten Bäume schockiert. „ Ist Chiara etwa unter die Dampfwalze geraten??“ nahm sie erschrocken die Beine in die Hand und verfolgte den Riesen so schnell sie konnte.
Sie erreichte ihn auch und das in allerletzter Minute, da er vor dem Kätzchen stand, die sich nicht mehr rühren konnte und sie unter seiner Faust begraben wollte.
„ HEY!! Du Fettklops!!“ brüllte Cheria auf, während sie ihm einen Pfeil direkt in den Hinterm schoss. „ Hier bin ich, du Wichser!!“
Das Geschoss saß, was man an seinem schrillen Schrei hören konnte. Die Götterkatze verlor auch prompt die Aufmerksamkeit der stinkenden Bestie.
„ Cheria? Was willst du denn hier?? Sieh zu das du verschwindest!“ gab die Katze von sich.
„ Ich werde verschwinden, aber nur mit dir zusammen.“ konterte die Dame.
Zum Glück für die Priesterin, war ihr Gegner zwar groß und stark, aber der hellste war er nun nicht gerade. Auch die Schnelligkeit ging an ihm vorbei. Deshalb konnte sie unter seinen Beinen durchrutschen und so direkt zu der Verletzten hin rasen. Der Fettklops allerdings, vergeudete seine Zeit damit, sich hinunter zu beugen, um zwischen seine Beine hindurch sehen zu können.
„ Schnell, weg hier!“
„ Ich kann nicht mehr laufen, du musst mich also tragen!“ nahm sie ihre kleine Katzengestalt an. „ Und nun renne!“
„ Das hatte ich auch vor.“ hob sie das Kätzchen vorsichtig auf und rannte dann mit ihr davon.
Das Ungetüm folgte ihnen kreischend, während er sich wie ein Elefant im Porzellanladen aufführte und alles Kraut vernichtete, was sich auch nur irgendwie in seiner Nähe befand.
„ Was haben sie dem bloß zu essen gegeben, dass der so groß werden konnte??“ gab Cheria erschrocken von sich.
Immer wieder brachte er sie durch seine hervorgerufenen Erdbeben, in dem er seine Faust auf den Boden knallte oder die riesigen uralten Bäume entwurzelte, zum schwanken. Dann stellten sich ihnen unzählige Wurzeln und Äste in den Weg, die es zu überwinden galt.
Nach einem aufreibenden Marathonlauf erblickten sie endlich das Licht am Ende des Tunnels, was der Riese allerdings auch sehen konnte. Um seine Mahlzeiten doch noch zu erwischen, sprang das Ungetüm in die Lüfte und landete direkt vor ihnen auf dem Boden.
„ Scheiße und was nun?“ bremste die Priester und starrte das Vieh schockiert an.
„ Meine Flügel sind nicht verletzt.“ keuchte Chiara. „ Ich bringe uns hier raus.“
„ Hast du sie noch all-UAH!“ plötzlich nahm die Katze wieder ihre Zweibeiner Gestalt an und griff sie die Dame.
Auf ihre Beine konnte sie nicht mehr zählen, die waren beide gebrochen, aber ihre Schwingen am Rücken, waren intakt. Die hatte sie Gott sei dank nicht aktiviert, als sie sich dem Riesen um den Hals warf.
Blitzschnell schoss Chiara in die Höhe und preschte noch schneller über dem Kopf ihres Feindes hinweg. Als sich die Beidem über dem freien Feld befanden, katapultierte die Katze ihr Anhängsel schnurstracks in Aries Arme, ehe sie sich nicht mehr in der Luft halten konnte und brutal auf den Rasen knallte.
„ Hoppla! Wo kommst du denn her?“ sah der Seelendieb verblüfft zu der Dame runter.
Eine Antwort wartete er allerdings nicht ab, da er in diesem Moment das Kätzchen entdeckte, was sich vor Schmerzen auf dem Boden rum rollte und genau da, brach der Riese aus dem Wald heraus.
Vor Wut am schäumen stürmte er auf Chiara zu, die gerade das leichteste Opfer abgab.
„ CHIARA!!“ brüllte Serah erschrocken ihren Namen.
Doch gerade als er ausholte und seinen Feind unter seiner Faust begraben wollte, ging Asariah dazwischen, der sich Chiara krallte und sie in Sicherheit brachte.
„ Alles ok?“ sah er sie erschrocken an.
„ Tu nicht so, als würdest du dich um mich sorgen.“ presste sie angestrengt hervor. „ Außerdem siehst du doch, dass NICHT alles ok ist!“
„ Aries, bringt Cheria hier her!“ brüllte er seinem Kumpel zu. „ Schnell.“
„ Bin ja schon da.“
„ Heile ihre Wunden, wir werden den Riesen so lange von euch ablenken.“ einen kurzen Moment zögerte der Teufel des Todes und blickte noch einmal zu der Verletzten runter, ehe er sich dem Gegner in den Weg stellte.
>Macht er sich etwa wirklich Sorgen um Chiara?< fragte sich die Priesterin, während sie die Wunden der Katze heilte. >Es sah fast so aus, als würde er sich selbst davon überzeugen wollen, dass ich ihre Verletzungen richtig heile. Ich frage mich, in was für einem Verhältnis die beiden zueinander stehen?<
„ Chiara!“ ließ sich Serah neben ihrer Freundin nieder. „ Was machst du nur für Sachen? Ich war ganz krank vor Sorge um dich!“
„ Tut mir leid. Ich habe nicht damit gerechnet, dass wir so einem Penner gegenüberstehen müssen.“ atmete sie erleichtert aus, als der Schmerz endlich nachließ.
„ Was ist der eigentlich für einer? Warum ist der so groß und stark?“ wollte Cheria wissen.
„ Weil er schon dutzende starke Seelen verschlungen haben muss.“ erklärte das Kätzchen. „ Eventuell hat er sich auch seine eigenen Artgenossen einverleibt. Er allein stellt also eine ganze Armee dar.“
„ Oh nein, wie furchtbar!“ verzog sie ihren Mund. „ Können wir die Seelen der Menschen retten, wenn wir ihn besiegt haben?“
„ Wenn wir ihn besiegen können.“ meinte die Göttin, die gerade mit sorgenvollem Blick zu Asariah und Aries rüber sah. „ Es sieht nicht so aus, als könnten wir ihn auch nur kitzeln.“
„ Ich konnte ihn mit meiner Waffe sogar mehr als kitzeln.“ giggelte Cheria. „ So fertig und wie fühlst du dich?“
„ Wie neugeboren, vielen Dank.“ sprang Chiara schwungvoll auf. „ Meine Krallen können ihm auch nichts anhaben. Aber ihr zwei, ihr könnt ihn ganz bestimmt besiegen. Ich werde dir meine Energie leihen, Serah.“
„ Aber dann erfahren die Anderen...“
„ Das macht nichts. Wenn wir den Fettklops nicht vernichten, dann werden beide ohnehin verschwinden. Also was soll es?“
„ Was erfahren wir dann?“ hakte die Heilerin nach.
„ Du hast recht. Nun gut...“ sah die Göttin zu ihr auf. „ Dann leih mir deine Kräfte.“
„ Hey! Ignoriert ihr mich etwa?“
„ Jetzt ist nicht die Zeit für lange Erklärungen. Sieh lieber zu, dass du deinen Bogen gespannt bekommst.“ gab das Kätzchen von sich.
„ Jaja, ist ja schon gut!“
Während die eine Dame also ihren Bogen spannte, ergriff die andere die Hände der Göttin und schloss die Augen. Ein sanfter rosa Schleier umschmeichelte ihre Hände, während Chiara ihre Energie an Serah weiter gab.
„ Ok, das reicht.“
„ Gut, dann mach ihn fertig!“ lächelte die Götterkatze.
„ Worauf du dich verlassen kannst.“ nickte sie.
Bestimmend ergriff die Göttin zusammen mit Cheria den Bogen und puschte den Pfeil mit ihrer Macht noch mal so richtig auf.
„ Jetzt zeigen wir diesem Widerling, dass er sich mit den Falschen angelegt hat!“ grölte die Priesterin.
„ Genau!“
Erst als der Sturm des Pfeiles wahrlich explodierte und unbändiger und wilder als jemals zuvor um die beiden herum peitschte, ließen sie das Geschoss auf den Dämonen los.
Im Flug teilte er sich wieder in tausende Lichtstrahlen, die dann allesamt einschlugen wie eine Bombe. Die schrillen Schreie des Ungeheuers deuteten seine Schmerzen an, die Druckwelle, die von ihm ausging, ließ die Wucht erahnen, mit dem der Pfeil auf ihn eingeschlagen war.
Als sich der Nebel lichtete, erkannten die jungen Frauen, dass sie ihn zwar schwer verletzt hatten, aber vernichtet, war was anderes.
„ Noch einmal!“ forderte die Göttin Cheria auf, den Bogen erneut zu spannen.
Aber so weit kam es gar nicht, da das vor Wut schnaufende und aus jeder Pore blutende Monstrum, Amok lief! Als erstes kickte er die Ladthaaner weg, die sehr viel weiter hinten unsanft auf den Boden klatschten und dann rannte er mit einem Angst einflößenden Blick auf die weiblichen Gruppenmitglieder zu.
Er war nicht mehr Herr seines Verstands, was man recht deutlich an seinen Augen erkennen konnte. In ihm tobte bloß noch ein einziger Wunsch: Er wollte die Gruppe auslöschen!
Und mit den Damen würde er anfangen, so war sein Plan. Wenn er dann erst einmal ihre unfassbar starken Seelen verschlungen hatte, dann stellten die anderen absolut keine Gefahr mehr dar, so dachte er.
Allerdings machte er die Rechnung ohne den Wirt. Dieser mischte sich nämlich ein, als das Vieh bei den Damen ankam und diese mit nur einem Schlag alle auf einmal zerquetschen wollte.
„ Hat man dir denn gar keine Manieren beigebracht?“ stand plötzlich ein weiterer Ladthaaner vor ihnen, der den Angriff scheinbar mühelos parierte. „ So geht man garantiert nicht mit hübschen Damen um, du Rüpel!“ schossen aus heiterem Himmel die Sicheln aus seinem Unterarm heraus. „ Arbeite im nächsten Leben an deinem Benehmen, du Made!“ und dann schlug er zu.
Binnen weniger Sekunden und mit nur ein paar Hieben vernichtete dieser Teufel seinen Feind, als wäre es das einfachste der Welt. Als wäre er nichts weiter gewesen, als ein niederes Insekt.
„ Seid ihr unversehrt?“ wendete er sich den jungen Frauen zu.
„ Uns geht es gut, danke Misaki.“ ließ sich Serah erleichtert auf die Knie fallen. „ Du bist genau zur richtigen Zeit hier aufgetaucht.“
„ Mhm, das habe ich bemerkt.“ blickte er sich suchend um. „ Wo sind Aries und Asariah?“
„ Die liegen bestimmt irgendwo in der Sonne und pennen.“ murmelte Chiara.
„ WOHA!! Bist du groß!“ betrachtete Cheria ihren Retter begeistert von allen Seiten. „ Deine Schwingen sehen so mega geil aus und deine Muskeln erst mal!“ drückte sie kichernd an seinem Oberarm rum, natürlich gab seine stählerne Haut nicht mal einen Millimeter nach. „ Ich stehe einem waschechten Wahnsinnsteufel gegenüber!!“ giggelte sie aufgeregt vor sich hin.
„ Vielen Dank für das Kompliment.“ erwiderte er lächelnd und griff sich dann ihre Hand. „ Und wie heißt das entzückende Wesen, was mich mit Komplimenten überschüttet?“ ehe er ihr allerdings einen Handkuss schenkte, nahm er seine menschliche Gestalt an.
>Wow der sieht mega heiß aus!!!< gackerte sie innerlich wie ein wild gewordenes Huhn rum.
„ Mein Name ist Cheria.“ verstrahlte sie ihn regelrecht.
„ Cheria, hu? Ein wunderschöner Name, passend für so eine wunderschöne Frau.“
„ Benimm dich!“ trat Chiara ihm leicht gegen das Schienbein. „ Was machst du überhaupt hier?“
„ Ich habe nach euch gesucht, nachdem ihr gestern nicht nach hause gekommen seid.“ erklärte er.
„ Also wissen Mum und Dad nun auch Bescheid, ja?“ seufzte die Göttin verhalten auf.
„ Natürlich. Wo sie dich gestern doch erfolglos gesucht hatten. Keith wäre beinahe durchgedreht, so viel kann ich dir verraten.“
„ Das gibt Ärger.“ ließ sie den Kopf hängen.
„ Seit wann sind eure Seelen eigentlich miteinander verbunden?“ blickte er die Freundinnen abwechselnd an.
„ Das haben wir getan, bevor wir hier her kamen. Man, deine Fähigkeiten nerven echt!“ grummelte das Kätzchen. „ Und ja, uns ist durchaus bewusst, was es heißt eine Seelenverbindung einzugehen. Schließlich sind meine Eltern mit Risa verbunden.“
„ Ich bin nicht hier um euch zu belehren. So lange ihr wisst, was ihr da getan habt, ist doch alles in Ordnung.“ dann sah er zu mir hin. „ Wie ich sehe, hast du ihren Fluch gebrochen.“
„ Ja, aber sie ist so erschöpft, dass sie seither schläft.“ erklärte Serah.
„ Das sehe ich wohl. Ihr Licht ist recht schwach. Aber deshalb nicht weniger anziehend.“
„ Oh bitte!“ verpasste Chiara dem Herrn eine Kopfnuss. „ Warum seid ihr Hinterwäldler nur alle so heiß auf reine Auren?? Das ist Primitiv!“
„ Hab ich auch eine reine Aura???“ quetschte sich Cheria dazwischen.
„ Sicher, du bist beinahe die Reinheit in Person.“
„ Schleimer!“ verschränkte das Kätzchen die Arme vor der Brust. „ Wenn hier wer die Reinheit in Person ist, dann ist das ganz klar Serah! Und das im wahrsten Sinne des Wortes.“
„ Ist da wer etwa nicht ausgelastet?“ griff er sich das fauchende Kätzchen und lehnte den Arm um ihre Schulter, so dass er an den Punkt hinter ihren Ohren heran kam, der sie zum schnurren brachte.
Glücklich schnurrend kuschelte sie sich an den Herrn und genoss seine Streicheleinheiten in vollen Zügen.
„ Die Hirnis kommen wieder...“ murmelte sie glücklich seufzend vor sich hin.
„ Wirklich? Wo denn?“ sah sich Serah aufgeregt um. „ Tatsächlich!“ sprang sie auch gleich wieder auf, um ihnen entgegen zu rennen. „ Asariah, Aries!! Geht es euch gut?“
„ Wo ist der Fettklops hin?“ wollte der Seelendieb verblüfft wissen.
„ Den haben wir beseitigt! Wo wart ihr denn so lange und seid ihr ok?“
„ Uns fehlt nichts.“ starrte der Teufel des Todes verärgert zu Misa und dem Kätzchen hin. „ Was will der denn hier?“
„ Wer?“ blickte Aries an der Dame vorbei. „ Wir haben scheinbar einen Dämonen übersehen...“ murmelte er.
„ Misaki ist wegen Chiara und mir hier. Also regt euch bitte nicht auf.“ versuchte die Göttin die Wogen gleich beim aufkommen wieder zu glätten. „ Wir sind gestern nicht nach Illumina zurückkehrt, deshalb hat er nach uns gesucht.“
„ Hauptsache er verschwindet bald wieder.“ war alles was ihr Bruder noch dazu sagte, stattdessen ging er auf uns zu.
Cheria bemerkte ihren Schwarm zwar, aber sie war viel zu sehr damit beschäftigt, den unbekannten Teufel anzuhimmeln. Sie wollte sich ja rar machen und vielleicht konnte sie ihn ja eifersüchtig machen. Irgendwas musste bei ihm ja fruchten und so wie er gerade drein schaute, könnte man glatt meinen, dass er tatsächlich einen Hauch von Eifersucht verspürte.
„ Uh, ein Gestaltenwandler.“ grinste Misa frech auf. „ Hast du dich etwa von ihm täuschen lassen? Ich hoffe, dass er nicht die Gestalt einer wunderschönen Frau angenommen hat, du kannst nie wissen, wo sich sein Maul versteckt hält.“ wurde sein Grinsen noch gemeiner.
„ Halt deinen Mund!“ fuhr er ihn erbost an.
>Von Chaos ist tatsächlich noch nicht viel zu sehen. Aber er war aktiv. Ob das Licht der Auslöser war?< betrachtete Misaki den Herrn. >Dann weiß er jetzt also, wo sie sich aufhält und in welchem Körper sie steckt.<
„ Hast du nichts besseres zu tun, als hier herum zu lungern?“ trat Aries an uns heran.
„ Etwas besseres, als nach Serah und Chiara zu suchen? Nein, habe ich nicht.“ sah er zu ihm hin. „ Schön zu sehen, dass es dir gut geht.“
„ Jetzt hast du sie gefunden, also kannst du wieder gehen.“
„ Nein!!“ heftete sich Cheria an dem Arm des Ladthaaners. „ Er soll noch nicht gehen!“
„ Von mir aus kann er auch bleiben.“ schnurrte Chiara.
„ Ich hab da auch nichts gehen.“ erwähnte Serah.
„ Eine Nacht! Aber morgen bist du wieder verschwunden!“ gab Asariah noch immer erbost von sich.
„ Wie eine Nacht?“ seufzte Aries entnervt auf. „ Er soll nicht hier bleiben.“
„ Er darf die Nachtwache schieben.“ sah er seinen Kumpel an.
„ Wie du meinst.“ verdrehte der Seelendieb die Augen. „ Dann bleibt er halt hier.“
„ Erzählst du uns nachher am Lagerfeuer ein paar Gruselgeschichten?? Du kennst bestimmt ein paar furchtbar gruselige Geschichten!!“ strahlte die Priesterin.
„ Er IST eine furchtbar gruselige Geschichte.“ ging Aries murmelnd zu mir hin. „ Wir sollten uns ein Plätzchen suchen, wo wir uns erholen können.“
„ Ja, das ist eine gute Idee.“ nickte das blonde himmlische Wesen. „ Du musst mich dieses mal auch nicht tragen, Chiara.“
„ Aber wenn es nicht mehr geht, sagst du Bescheid, ja?“
„ Du solltest dich lieber ausruhen.“
„ Ach Quatsch.“ streckte sie sich seufzend. „ Wir können gleich los.“
„ Ich wäre auch so weit.“ nahm mich Aries auf den Arm.
„ Dann lasst uns gehen. Ich bekomme langsam Hunger!“ lächelte das Kätzchen leicht.
„ DU gehst nirgendwo hin!“ packte Asariah ihren Katzenschweif und zerrte sie zu sich zurück.
„ GRRR!!“ fauchte sie ihn erbost an und holte gleichzeitig aus, um ihm ein paar hübsche Kratzer im Gesicht zu verpassen.
„ Du wirst nicht laufen.“ griff er ihre Hand. „ Nimm deine winzige Gestalt an, ich werde dich tragen.“
„ WAS willst du??“ glaubte sie sich verhört zu haben. „ Was läuft denn bei dir nicht richtig? Ich werde mich garantiert nicht von dir tragen lassen!“
„ Du konntest gerade noch nicht mal stehen und jetzt willst du durch die Gegend rennen? Ganz bestimmt nicht!“
„ Cheria hat mich geheilt, es geht mir gut! Also kann ich auch laufen!“ zischte sie ihn an.
„ Es ist mir egal ob sie dich geheilt hat oder nicht! Ich will nicht, dass du gehst, also wirst du das auch nicht tun!“
„ Und seit wann darfst du mir Befehle erteilen? Ich glaube du tickst nicht mehr ganz sauber!“ wich sie empört ein paar Schritte zurück. „ Du brauchst dich jetzt gar nicht so aufzuspielen, was soll das ganze überhaupt?? Du interessierst dich doch ohnehin für niemanden! Also LASS MICH IN RUHE!!“ drehte sie sich von ihm weg und stampfte schnaufend den Weg entlang. „ So eine verlogene Flachpfeife!“
„ Vielleicht habe ich mich nicht deutlich genug ausgedrückt.“ lehnte er seine Hand auf ihre Schulter und drückte sich leicht von hinten an sie. „ Du wirst nicht laufen und es ist mir auch völlig egal, was du davon hältst. Du willst deine Gestalt nicht ändern? Fein! Dann lass es!“ gab er mit einer beunruhigenden leisen Stimme von sich, die durchaus erahnen ließ, wie verärgert er war. „ Aber ich werde dich trotzdem tragen!“
Kurzer Hand drehte er sie zu sich um und warf sie sich, allen ernstes und zu ihrem entsetzen, über die Schulter.
„ SPINNST DU JETZT VÖLLIG???“ brüllte Chiara auf und versuchte sich vergebens wieder runter zu schieben. „ MAN! Das ist so kindisch!! Was soll denn das?“
Die anderen sahen sich das Schauspiel bloß verblüfft an, niemand hätte damit gerechnet, dass Asariah noch so reagieren konnte. Allerdings zeichnete sich so ein neuer Hoffnungsschimmer ab, der darauf hoffen ließ, dass der alte 'Asariah' doch nicht ganz verschwunden war.
„ Lass mich sofort runter, du Hornochse!!“
„ Nein, das werde ich garantiert nicht machen.“ widersprach er ihr.
„ Verdammt!! Was bist du nur für ein sturer Bock!?!“ hämmerte sie wie wild auf seinem Rücken rum. „ NUN GUCKT DOCH NICHT SO BLÖD!“ ließ sie ihre schlechte Laune an den Gaffern aus. „ Knockt ihn aus, zieht ihm die Beine weg. Ganz gleich was ihr macht, nur MACHT doch etwas!“
„ Die können rein gar nichts dagegen machen.“ ging er den Weg unbeirrt weiter.
„ DU NERVST!!“ donnerte sie ihm ihren Schweif ins Gesicht.
Plötzlich blieb er stehen und ließ sie ruckartig an sich herunter gleiten, aber nur so weit, dass er ihr ins Gesicht sehen konnte. Auf dem Arm, trug er sie immer noch.
„ Hach, das ist so romantisch.“ giggelte Serah leise vor sich hin.
„ Hä hä hä...“ zuckte Cheria's Auge nervös vor sich hin.
„ Du könntest es für uns beide einfacher machen, wenn du einfach auf das hören würdest, was ich dir sage.“ starrte der Teufel des Todes sein Anhängsel ernst an.
„ Ich kratze dir gleich die Augen aus.“ legte sie verärgert die Ohren an.
„ Du kannst so viel Knurren und Fauchen wie du willst. Es ändert nichts an deiner Situation.“
„ Du bist so ein Vollidiot!“ nahm sie widerwillig und fauchend ihre kleine Gestalt an.
„ Geht doch. Warum nicht gleich so?“
„ Halt deinen Mund!“ ließ sie sich auf seinem Arm nieder. „ Flachzange!“ kratze sie noch einmal ordentlich über seine Arme und biss dann herzhaft hinein, ehe sie sich hinlegte und mit einem wutentbrannten Blick vor sich hin starrte.
Das Kätzchen beruhigte sich erst, als sie von einer Hand zärtlich gestreichelt wurde. Erst da begann sie zufrieden vor sich hin zu schnurren und kurz darauf fielen ihr die Äuglein zu.

Die Gruppe wanderte bis zum Abend auf Sant Nyan zu, bis sie schließlich an einem kleinen Wäldchen ankamen und dort halt machten. Zu diesem Zeitpunkt befand ich mich noch immer im Reich der Träume, mein Körper brauchte zwar keinen Schlaf mehr. Aber meine Seele brauchte die Zeit, um sich sammeln zu können. Allerdings war ich nicht die einzige, die gerade schlief. Auch Chiara befand sich nach wie vor im Schlaf Rausch.
Wir schlugen unser Lager auf, sammelten Feuerholz oder bereiteten schon mal das Abendessen vor.
Einige Zeit später öffnete das Kätzchen dann ihre Augen und streckte sich gähnend, ehe sie zu ihrer Lehne aufsah.
„ Uah! Du schon wieder??“ fauchte sie Asariah an, der an einem Baum saß und sie noch immer praktisch auf Händen trug.
Nun allerdings, kullerte sie runter und landete direkt zwischen seinen Beinen im Gras.
Nachdem sie sich das Fell ausgeschüttelt hatte, blickte sie verärgert zu ihm auf.
„ Noch unschöner kannst du mich wahrlich nicht wecken.“
„ Ich habe dich gar nicht geweckt.“ konterte er und stützte dabei seinen Kopf an der Hand ab. „ Du bist von allein erwacht.“
„ Du siehst müde aus.“ wendete sie sich von ihm ab. „ Du solltest etwas schlafen.“ meinte sie noch, ehe sie schnell davon eilte.
„ Essen ist bald fertig, Chiara!“ lächelte Cheria das Kätzchen an.
„ Ich will erst baden gehen, danach esse ich etwas. Ich kann das Rauschen von Wasser hören, es muss ganz in der Nähe sein.“
„ Ja, in dieser Richtung...“ zeigte die Priesterin mit dem Finger dorthin. „ ...liegt das Meer.“
„ Ui! Da gehe ich jetzt hin!“
„ Dann komm bald zurück und passe auf dich auf.“ gab Serah von sich.
„ Mir wird schon nichts passieren.“ wehrte sie lachend ab und schlenderte in ihrer Menschen ähnlichen Hülle davon.
Asariah musterte die Dame dabei schweigend und mit einem beinahe, ja, schelmischen Blick. Schließlich verschwand er ebenfalls in einem unbeachteten Moment.
„ Wie steht Asariah eigentlich zu Chiara?“ hakte Cheria vorsichtig nach.
„ Bevor Chaos in sein Leben trat, war sie seine beste Freundin.“ erklärte Serah. „ Um genau zu sein, waren sie bis zu diesem Zeitpunkt ein Paar oder so was ähnliches.“
„ Ein Paar.... Oder so was ähnliches?“ wich jegliche Farbe aus ihrem Gesicht. „ Sie ist also seine Ex?“
„ Oder so was ähnliches.“ kicherte die Göttin. „ Sie haben da beide ein riesiges Geheimnis draus gemacht.“
„ Aber an ihrem Verhalten hatte sich nichts verändert. Selbst wenn sie ein Paar waren, was sich abgöttisch liebte, so hätte keiner der Beiden die enge Freundschaft jemals aufs Spiel gesetzt.“ fügte Aries hinzu. „ Keiner von uns hätte das getan. Aber dann kam Chaos und mit ihm der Eisklotz, den er heute darstellt.“
„ Trotzdem ist es offensichtlich, dass ihr ihm nicht egal seid. Auch wenn dieser Hund in ihm ein Nickerchen hält.“ mischte sich Misaki ein. „ Man kann sich zwar einreden, dass einem die Gefühle nicht mehr erreichen können, aber verhindern lässt es sich nicht. Sie sind da und irgendwann brechen sie aus einem heraus. Dass dies nun bei ihm eintrat, ist ein sicheres Zeichen dafür, dass Chaos weder sein Herz noch seine Seele besetzt hält.“
„ Wir können weiter hoffen, ja.“ blickte Aries zu dem Baum hin, wo sein Kumpel gerade noch saß. „ Nanu, wo ist er denn?“
„ Weg, würde ich mal sagen.“ erkannte Lyrias genau richtig.
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Re: Diehieee Geschichte

Beitrag von Alexia am So 23 Apr - 13:24

Kapitel 7. Mein wahres ich


Wasser, so weit das Auge reichte. Das beruhigende Geräusch von Wellen hallte in der Luft wieder und das Gezwitscher fröhlicher Vögel wurde vom Wind über das Land getragen.
Wenn man wie Chiara am Meer stand, schien das Desaster, was dieser Welt widerfuhr, meilenweit entfernt zu sein. Ganz so, als wären die Dämonen nicht anwesend und die Tore in ihre Welt bloß eine weitreichende Lüge.
Die Sonne ging gerade unter und tauchte den den Himmel in den schönsten Rottönen, was diesem Augenblick einen gewissen romantischen Touch verlieh.
Freudig strahlend entledigte sie sich ihrer Klamotten und stürzte sich dann ins kühle Nass.
Eigentlich hatte sie es auch gar nicht so eilig, wieder zu den anderen zurückzukehren. Asariah's Verhalten verunsicherte sie zutiefst, auch wenn sie dies niemals zugeben würde. Natürlich war Aries nicht der einzige, der um das Leben seines Freundes kämpfte. Serah und Chiara hatten die Hoffnung noch nicht aufgegeben, aber nach allem was geschehen war und wie sich der Teufel des Todes aufführte, fiel es der Katze einfach schwer, an ihrer Freundschaft festzuhalten. Dann musste sie ständig daran denken, wie kalt und herzlos er seine eigene Schwester abgesägt hatte. Wie die Göttin innerlich zusammenbrach, weil sie einfach Gott und die Welt nicht mehr verstehen konnte. Die Geschwister waren von Anfang an unzertrennlich gewesen, wie Pech und Schwefel, wie das Brot und die Butter, das Boot und das Wasser! Er hatte sie immer und vor allem beschützt und sie überallhin begleitet, wenn sie Illumina verließ. Sie waren einfach ein Herz und eine Seele. Bis zu jenem Tag, als er ihr sagte, dass sie ihm rein gar nichts mehr bedeutete. Das sie nichts weiter war, als eine lästige Fliege. Er hasste ihre fröhliche Art, die er bis dato unter allen Umständen zu bewahren versuchte und noch mehr verachtete er ihr unfassbar reines Licht, was er besser hütete als seine eigenen Augäpfel.
Die Erinnerung daran schnürte ihr noch immer die Kehle zu. Serah tat ihr so unglaublich leid, dass konnte man nicht mit Worten beschreiben.
Chiara war mit dem Kerl aufgewachsen. Schon von Klein auf an verband die beiden eine feste Freundschaft, die alle Stürme überstehen konnte. Neben Aries stellte sie seine wichtigste Bezugsperson dar. Ihr Vertrauen war so unerschütterlich, dass sie sogar eine Beziehung mit ihm einging, die, man wusste es ja, durchaus zum Bruch der Freundschaft führen konnte. Es war vermutlich gar nicht möglich, die ganzen Freinde zu zählen, die sich genau aus diesem Grund nun verachteten. Aber bei ihnen war es anders, keiner von beiden hätte jemals etwas getan, was den jeweils anderen verletzte und selbst wenn man sich wieder getrennt hätte, dann wäre die Liebe auf anderem Wege erhalten geblieben. So oder so, die Götterkatze war sich sicher, dass es nichts auf der Welt gab, was sie von ihm trennen könnte und dann kam Chaos...
Am Tag zuvor war noch alles in Ordnung gewesen, sie waren zu viert auf dem Fest gewesen, haben gelacht und gefeiert. Dann verschwand Aries mit Serah, was Asariah durchaus mitbekommen hatte, wozu er aber nichts sagte. Hatte er den Plan da schon gefasst, mit der Made unterzugehen? Sah er darin seine Heldentat? In dem er sich opferte, um das Universum von dem Bastard zu befreien? War er deshalb, für seine Verhältnisse, beinahe anhänglich? Weil er für sich entschloss, dass es das letzte Mal sein sollte? Und wie hatte er es überhaupt geschafft, über Nacht komplett abzukühlen? Wo er doch über die Katze hergefallen war, immer und immer wieder, fast bis zum Morgengrauen. Als sie jedoch erwachte, war sie, zum ersten Mal nach einer Nacht mit ihm, allein in dem Bett. Da dachte sie sich noch nichts dabei, es gab tausend Gründe, warum er vor ihr aufgestanden sein könnte. Das es allerdings seinen Abschied darstellte, damit rechnete sie bei weitem nicht, aber doch, so kam es. Seine niederschmetternden Worte rissen ihr den Boden unter den Füßen weg. Er stieß sie in ein tiefes Loch, aus dem sie nicht mal in tausend Jahren heraus geklettert war. Es traf und das mitten ins Herz. Schließlich hatte sie ihn geliebt und diese Liebe reichte weiter, als unser Verstand jemals erfassen konnte. Der Ladthaaner war ihr Bruder, ihr bester Freund, ihr Lover, er verkörperte einfach alles, was man sich erträumte und dann sollte er nicht mal Ansatzweise so fühlen wie sie? Ausgenutzt wurde sie, benutzt und dann weggeworfen. Angeblich hatte er sich bloß mit ihr abgegeben, weil sie leicht ins Bett zu kriegen war. Dabei fing dieses Kapitel erst Jahrzehnte später an. Er will nie das für sie empfunden haben, was sie für ihn empfand. Das Kätzchen bedeutete ihm nichts, dass hatte der Teufel des Todes immer wieder von sich gegeben. Aber warum führte er sich dann so dermaßen kindisch auf, als er sie vom Gehen abhalten wollte? Und warum setzte er sie nicht ab, als sie das Camp auf schlugen? Warum konnte er da nicht von ihr ablassen? Das ergab doch keinen Sinn. Chiara wollte an der Freundschaft festhalten, sie wollte ja glauben, dass seine Worte für ihn keine Bedeutung hatten, nur ließ sich das nicht so leicht umsetzen.
Asariah hatte sich freiwillig mit Chaos eingelassen, um mit ihm zu sterben. Wenn er also keinen Grund sah, weiter leben zu wollen, da kann er wirklich nicht all zu viel für seine Freunde empfunden haben. Wenn sie nicht ausreichten, um seinen Lebenswillen aufrecht zu erhalten, dann war seine abweisende Art nicht komplett gespielt.

„ ...“ seufzend stand die Kitty am Strand und schaute der Sonne gedankenverloren beim verschwinden zu.
Ihre Klamotten lagen neben ihr im Sand, genauso wie die Kettchen und Armbänder die sie trug. Ihre langen silbernen Haare fielen ihr sanft über die Schulter und das Wasser perlte an ihrem Körper ab.
Sie war gerade dabei ihre Mähne auszuwringen, als ein Geräusch ihre Aufmerksamkeit einforderte. Sie spitze auch gleich ihre Öhrchen und lauschte den Erzählungen des Windes. Er flüsterte ihr zu, dass sich jemand näherte, der direkt auf sie zukam und das mit einer rasanten Geschwindigkeit.
Sie wollte noch ihre Blöße durch das ändern der Gestalt verbergen, jedoch kam sie gar nicht so weit, da sie schon wenige Sekunden später zu Boden gerissen wurde, so dass sie mit dem Rücken in den weichen Sand fiel und dort gefangen gehalten wurde.
„ Asariah???“ keuchte sie ihm schockiert entgegen, er war es nämlich, der sie umgerissen hatte und nun über ihr kniete. „ Hast du sie noch alle?? Geh sofort runter von mir!“ fauchte sie ihn an.
„ Aber garantiert nicht.“ grinste er sie leicht an.
„ Dich haben sie als Baby doch echt zweimal in die Höhe geworfen und nur einmal wieder aufgefangen!!“ zischte sie. „ Wenn du glaubst, was auch immer du glaubst hier tun zu können, dass ich DAS mit mir machen lasse, dann hast du dich aber tierisch geschnitten!! Und nun zieh Leine!“
„ Das werde ich, aber jetzt noch nicht.“ drückte er sich demonstrativ zwischen ihre Beine und beugte sich dabei zu ihr runter.
„ Wage es dich und ich schwöre dir, dass du danach keine Augen mehr im Kopf hast.“ knurrte sie ihn regelrecht an, als er seinen Kopf senkte. „ Asariah! Ich meine das ernst!“
„ Mhm, ich auch.“ strich er ihr eine verirrte Strähne aus dem Gesicht. „ Todernst...“ flüsterte er, ehe er seine Lippen sanft auf ihre drückte.
„ Asariah...“ warnte sie ihn erneut.
„ Ich weiß, dass ich so heiße.“ blickte er sie kurz an, bevor er sich erneut ihren Lippen zu wendete.
Sein Kuss war noch immer unheimlich Leidenschaftlich und Verführerisch. Und dann erst dieses leise, zugegeben für normale Ohren kaum wahrnehmbare, Seufzen, was er gerade von sich gab. Außerdem reagierte ihr Körper sofort auf die Nähe des Ladthaaners, was sie nur noch mehr verärgerte. Wie konnte sie es auch wagen, auf den unverschämt attraktiven Typen mit dem Charakter einer Kühltruhe zu reagieren? So Selbstzerstörerisch war sie nun auch nicht.
„ Das reicht jetzt....“ wendete sie ihr Gesicht knurrend von ihm ab. „ Wenn du glaubst, dass ich... mhm.... dass ich...dich ran lassen werde... hör auf.. das ist nicht fair...“ stammelte sie vor sich hin.
Der Kerl hatte auch sichtlich seinen Spaß dabei, ihren angebotenen Hals zu liebkosen, während seine Finger ihren 'Schnur-Punkt', der sich hinter ihren Ohren befand, streichelten. Leider Gottes erwischte sie sich immer wieder dabei, wie sie schnurrend die Augen schloss und jede einzelne Berührung verzückt genoss.
„ Jetzt ist aber wirklich gut!“ legte sie fauchend die Ohren an und ließ ihn dann ihre Krallen am Rücken spüren, noch war es eher ein Kraulen, noch wohlgemerkt. „ Wirklich, Asariah! Ich schlitze dich auf!“
„ Du kannst es ja mal versuchen...“ zur Zeit befand er sich in einem Zustand, der einer Illusion glich. Seine schwarzen Haare, die blauen Augen, selbst sein Körper, auch wenn er sich nicht wirklich vom Original unterschied, war nichts weiter als eine Fassade, hinter die er sich versteckte. Die Hülle die er allen präsentierte und die er nach seinen Wünschen hin veränderte, war seine menschliche Hülle, in dieser Form besaß er die verräterische Aura des Todes nicht. Dadurch das er zu den 'Bastarden', halb Mensch halb Teufel, zählte, besaß er von Haus aus eine Gestalt, die alle Eigenschaften der Menschen übernahm. Natürlich konnte er seine Mächte trotzdem anwenden, logisch. Aber hinter was konnte er sich besser verstecken, als hinter einem Sterblichen? Ohne diese Aura des Todes konnte auch niemand wissen, wer er in Wirklichkeit war.
Das er ein Mischling war hatte er seinem Vater zu verdanken, dessen Gene er komplett in sich trug. Dieser nämlich, war der Sohn einer einfachen Sterblichen und einem Teufel. Wäre er ein Gott, hätte er die Gene von Risa geerbt und wäre somit ein reiner Gott, genau wie Serah.
Jedenfalls ließ er sein menschliches Gefäß fallen und kniete dann mit seinem Ladthaaner Ruhemodus Aussehen über ihr. Die Teuflische Form, die man bisher nur von denen sehen konnte, benutzten sie bloß wenn sie sich verteidigen mussten. Eigentlich sahen sie so aus wie die Götter, nur eben mit schwarzen Flügeln. Ihre Haut war allerdings um einiges härter, aus diesem Grund nahm er ja erst diese verhasste Hülle an. Nun konnte sie über seinen Rücken kratzen, bis ihre Nägel abbrachen.
„ Das ist auch nicht fair...“ ließ Chiara die Ohren hängen und blickte ihn dabei seufzend an.
Seine unfassbar fesselnden goldenen Augen nahmen sie gleich auf Anhieb gefangen, das leuchtende Silber seiner Haare und Flügel, glitzerte so stark im Schein des Mondes, das sie ihren Blick kaum von ihm abwenden konnte. Seine Haut war einen ticken dunkler als in seiner Illusion, was das Kätzchen noch anziehender fand.
Das sie der Situation erlag, tat er mit einem Grinsen ab und dann senkte er seinen Kopf, um ihr endlich so einen Kuss zu stehlen, wonach es ihm verlangte. Als er ihr allerdings durchs Gesicht strich, bekamen beide praktisch einen gewischt und das so heftig, dass sich das Kribbeln auf den gesamten Körper ausbreitete.
„ WAS war das??“ erschrak die Dame aufs Übelste.
Schweigsam aber sichtlich erstaunt strich er erneut über ihre Haut und entfachte so dasselbe einnehmende Kitzeln von gerade.
„ Uah!!“ krallte sie sich erschrocken an seinem Shirt fest. „ L-Lass das!!“
„ Du bist eine Seelenverbindung mit einem Gott eingegangen.“ stellte er nüchtern fest.
„ Soll das etwa heißen, dass dieses Kribbeln daher kommt?“ ließ sie sich zurück in den Sand fallen und blickte ihn mit großen Augen an.
„ Meine Aura reagiert auf die des Gottes, also ja, es kommt von der Seelenverbindung.“ wurde sein Blick wieder ernst. „ Wer ist es?“
„ Was geht dich das an?“
„ Mhm...“ brummte er verstimmt auf. „ Gut, du hast es nicht anders gewollt.“ plötzlich beugte er sich hoch und zog sich das Shirt über den Kopf, was er dann achtlos neben sich in den Sand fallen ließ.
„ Nein!!“ versuchte sie gleich rückwärts von ihm weg zu kriechen, aber er zog sie immer wieder unter sich. „ Hör auf mich zu berühren!!“ versuchte sie sich das Kribbeln von der Haut zu fegen.
Natürlich tat er ihr den Gefallen nicht, ganz im Gegenteil sogar, anstatt sie nicht mehr zu berühren, lehnte er sich wieder über sie, so dass er praktisch ihren Oberkörper mit seinem streifte.
„ Nein! Asariah!“ wimmerte sie schon fast, während sie sich unter ihm wie eine Schlange im Sand wandte. „ Das ist das unfairste... mhm...“ unterbrach sie sich kurz, da er ihr einen unsagbar verführerischen Kuss stahl. „ … was du bisher getan hast...“ den sie auch noch verlangend erwiderte, was ihn wiederum erleichtert aufstöhnen ließ.
Das neuartige blitzartige Kitzeln brachte sie noch immer zum zucken, aber nun wo sie sich von ihrem ersten Schock erholt hatte, bemerkte sie erst, wie unglaublich erregend dieser Effekt eigentlich war. Deshalb verwandelte sich das unkontrollierbare Beben in ein ungeduldiges seufzen und ein leichtes hin und her schlängeln im weichen Sand.
Dabei hatte der Kerl noch nicht mal richtig angefangen, er durchbrach ihre Abwehr mit einem Misch aus furchtbar zärtlichen Küssen und das sanfte Aneinanderreiben ihrer Körper.
Erst als sie ihn aufseufzend mit den Beinen fester an sich drückte und ihm so deutlich machte, dass sie ihn genau jetzt spüren wollte, löste er sich leicht von ihr. Er blickte sie noch immer mit diesem leicht grinsendem Gesichtsausdruck an, während er sich fester an sie drückte und seine Lippen über ihren Hals streifen ließ.
„ Wer ist es?“ hakte er noch einmal nach.
„ Wer ist was?“ blickte sie ihn verwirrt an.
„ Mit wem bist du eine Seelenverbindung eingegangen? Und nun komm mir nicht wieder mit deinem: das geht dich nichts an. Wenn du erlöst werden willst, dann sagst du es mir jetzt!“
„ Mit Serah! Mit wem denn sonst?“ murrte sie.
„ Mit Serah, hu?“ ja da ergab der plötzliche Energieschub der Göttin einen Sinn. „ Nun gut, du hast Wort gehalten, dann werde ich das jetzt auch tun.“ nur wenn er das was er sagte auch so meinte, warum grinste er dann so blöd vor sich hin?
Nun, das erfuhr sie dann, als er sich tatsächlich mit ihr vereinte und das neuartige Kribbeln nun nicht nur mehr von außen ihr Blut in Wallung brachte.
„ Oh verdammt...“ wisperte sie. „ … fühlt sich das gut an.“ und es wurde sogar noch intensiver, als er sich in Bewegung setzte. „ Deshalb gibt es bei uns also so viele Götter- Teufel Pärchen.“
Die beiden vergaßen völlig die Zeit, die rasend schnell an ihnen vorbei zog, während sie sich über den Strand wälzten. Von daher war es wohl gar nicht so verwunderlich, dass die wartende Gruppe einen Suchtrupp los schickte. Dass sich Asariah bei dem Kätzchen aufhielt, konnte man zwar erahnen aber nicht zu hundert Prozent wissen, die glänzende Abwesenheit von Chiara könnte genauso gut mit einem Dämonenangriff zusammen hängen. Aus diesem Grund zog Cheria los, um nach der Dame zusehen und erwischte sie dabei praktisch in Flagrante mit ihren Teufel des Todes.
Sie saß gerade auf seinem Schoss und ließ sich von seinen erregenden Blicken gefangen nehmen, als sie die Geräusche bemerkte.
„ Da kommt jemand.“ hielt sie abrupt inne und starrte aufmerksam zur Seite.
„ Und wenn schon?“ gefiel ihm die aufgezwungene Pause ganz und gar nicht. „ Lass dem Spanner doch seinen Spaß.“ drehte er ihren Kopf wieder zu sich hin, während er seine Flügel um ihren Körper lehnte. „ In dieser verseuchten Welt gibt es doch sonst nichts interessantes zusehen.“
„ Spinnst du? Wer weiß was für ein perverser Wichser gerade hinter einem Busch sitzt und sich mit uns als Wichsvorlage einen schrubbt!“ knurrte sie.
„ Keine Sorge, das ist kein Kerl.“ erklärte er. „ Also kann er sich auch keinen schrubben, nicht wahr?“ schlich sich schon wieder dieses extrem fiese Grinsen auf seine Lippen.
Urplötzlich warf er sie zurück in den weichen Sand und drückte sich gleich wieder zwischen ihre Beine, um ihr erneut den Verstand zu rauben. Was er durch seine schnellen und festen Stöße auch schaffte.
Selbst der Spannerin raubte er den Verstand. Sie konnte gar nicht anders, als sich das Spektakel wie versteinert mit anzusehen. Einerseits war sie rasend vor Eifersucht, andererseits verspürte sie einen tief festsitzenden Schmerz und dazwischen irgendwo, war ihr das Gesehene völlig egal. Dieser Teil ihrer Seele wusste, dass er nur der Teufel des Todes war, der seinen Pflichten nachkam und sie zurück ins Leben schickte. Dieser Winzling hatte durchaus erkannt, das Lyrias in Wirklichkeit der war, der sie verzweifelt anflehte endlich wieder aufzuwachen. Allerdings war das Wissen über ihren wahren Lebensretter so scheu und schüchtern, dass es sich in der dunkelsten Ecke ihres Seins versteckte und sich davor fürchtete, sich im rechten Licht zu präsentieren.

Als sie jedoch den Rückzug antrat und wieder im Camp auftauchte, tat sie so als wenn rein gar nichts gewesen wäre.
„ Asariah ist bei Chiara.“ erklärte sie, nachdem sie von mehreren Augenpaaren fragend gemustert wurde. „ Sie stehen am Strand und stauchen sich gegenseitig zusammen.“
„ Ja, das können sie in der letzten Zeit am besten.“ seufzte Serah. „ Meinst du, es wird alles irgendwann wieder so werden, wie es einmal war?“ blickte sie Misa fragend an.
„ Bestimmt.“ sah er zu mir rüber. „ Schließlich haben wir einen Trumpf in der Hinterhand. Ich bin mir sicher, dass Sasha Asariah retten wird.“
Zwischenzeitlich war ich erwacht und starrte beinahe apathisch vor mich hin. Die Erinnerungen meiner Wirten hatten mich in meinem Träumen heimgesucht. Ich wurde dazu gezwungen, Auszüge aus ihrer Vergangenheit miterleben zu müssen. Dinge, die mich nicht interessierten und die meinen Horizont bei weitem überstiegen. Ich spürte wie sich mein Herz zusammen zog, als ich an die vielen lachenden Gesichter denken musste, die ich in den Illusionen sah. Mir war nicht klar, wer diese Leute waren, aber meiner Hülle waren sie allesamt unheimlich wichtig. Die kleinen Kinder, mit denen sie lachend durch eine Blumenwiese rannte, das Paar, bei dem sie lebte und auch die Bewohner dieses Dorfes, in dem sie aufwuchs. Auch ihre Welt wurde von den Dämonen überfallen. Sie krallten sich meinen Wirtskörper, als sich dieser praktisch anbot, um die Schar von den Kindern weg zu locken. Ein Jäger vernichtete die Ausgeburt der Hölle zwar, gerade als er durch ein Portal fliegen wollte, aber das Leben konnte er ihr so nicht retten. Als das Vieh starb, ließ er sie fallen und so durchschritt sie ein anderes Tor, was in diese Welt führte. Ihre Seele verließ gerade ihren Körper, als ich ihn bestieg. Und nun überfielen mich diese seltsamen Phänomene. Mir schnürte dieses brennende etwas die Kehle zu, ich verspürte den Wunsch, bei ihrer Familie nach dem Rechten zusehen. Da war ein Verlangen, dass ich nicht beschreiben konnte. Eine Sehnsucht, die mir eine Heidenangst einjagte. Ich.. verstand das alles nicht. Was war das für ein Zeug, was mich peinigte? Es sollte aufhören! Ich wollte das alles nicht!
„ Sasha? Bist du in Ordnung? Du bist ja kreidebleich im Gesicht.“ strich mir die Priesterin einige Strähnen aus dem Gesicht.
„ FASS mich nicht an!“ schlug ich ihre Hände erschrocken weg. „ Ich meine... ich muss jetzt allein sein!“ sprang ich von meinem Platz auf und eilte davon.
Ich versuchte vor diesen fremden Empfindungen zu flüchten, aber es ging nicht. Mein Herz schlug immer schneller, mir wurde heiß und kalt und das gleichzeitig. Mir schossen die Tränen in die Augen, weil ich wusste, dass ich diese Menschen niemals wiedersehen würde. Ich wollte aus diesem Desaster ausbrechen, die ganzen neuen Emotionen abschütteln und nie wieder damit in Berührung kommen. Jedoch ging das nicht, da ich auf diesen Körper angewiesen war! Ich brauchte ihn, um meine Energie wieder auffüllen zu können, da ich nur mit ihm in der Lage, trotz meines innerlichen Schlafes, meine Umgebung war zunehmen. Was war das nur für ein Wucherpreis, den ich dafür bezahlen sollte?
Keine Ahnung wie weit oder wie lange ich den Weg entlang lief, ich hielt irgendwann an, weil ich diese Qualen nicht mehr ertragen konnte, weil sie mein komplettes inneres erfühlten. Wäre dem nicht so, wäre ich vermutlich noch weiter gelaufen.
„ Ist es das, was du aus mir machen wolltest, Lastalia?“ hockte ich mich hin und umschlang meinen Oberkörper mit den Armen. „ Warum wolltest du mich so leiden sehen? Ich verstehe das nicht!“ kniff ich meine Augen zusammen. „ Was soll gut daran sein, dies aushalten zu müssen? WAS?“ brüllte ich in meiner Verzweiflung auf. „ Sag mir warum... warum sollte ich so werden...?“ wisperte ich.
Ich ertrug das nicht länger! Diese ganze Situation überstieg meinen Horizont bei weitem, ich drohte an dem Gefühlschaos zu zerbrechen. Als mich die nächste emotionale Welle erfassen wollte, brachen bei mir alle Dämme. Um dem entgegen zu wirken, nahm ich meine wahre Gestalt an und machte meinem Ärger mit einer heftigen Attacke Luft. Danach war ich zwar leicht außer Atem, aber wenigstens blieben mir für den Moment jegliche Empfindungen fern. Erleichtert schloss ich meine Augen und sah dann in den sternenklaren Himmel. Es hatte endlich aufgehört.
„ Es ist das erste Mal für dich, dass du in einem Körper steckst, sehe ich das richtig?“ kam Misaki auf mich zu geschlendert.
„ Nein...“ blickte ich ihn kurz an. „ Wie du dich sicher erinnerst, hatte ich bereits Besitz von deiner Freundin ergriffen. Aber es ist das erste Mal, dass ich mir den Wirt nicht mit einer anderen Seele teilen muss.“
„ Wirst du damit klar kommen?“
„ Ich muss. Ansonsten kann ich Chaos nicht aufhalten. Mir bleibt also gar keine andere Wahl, als damit klar zu kommen.“
„ Ich muss mich noch in Namen aller bei dir bedanken, nur durch dich konnten wir Chaos damals aufhalten und die Welten retten.“
„ Ich tat das nicht, um euch zu retten sondern um Lastalia zu helfen. Ich wollte nicht, dass er für immer verschwindet. Ich war sogar bereit dazu, die Göttin zu opfern, dessen Körper ich besetzt hielt.“ starrte ich ihn seitlich an. „ Überlege dir also noch einmal, ob du mir wirklich danken willst.“ setzte ich eine ernste Miene. „ Ich bin ebenso bereit, die Seele von Asariah zu opfern.“
„ Wenn du wirklich so kalt bist, wie du gerade tust, warum hast du dann Kronos gerettet? Nur durch deine Hilfe konnte er der ewigen Dunkelheit entkommen.“
„ Meine Wirtin brachte mich dazu, dies zu tun.“ antwortete ich ihm knapp. „ Allerdings bin ich Aries etwas schuldig und dieser Serah auch. Nur durch ihre Hilfe, konnte ich mich von dem Fluch befreien. Um mich zu revanchieren, werde ich versuchen das Leben zu beschützen, um das sie so eisern kämpfen. Nur aus diesem einen Grund lebt er noch.“
„ Dafür dass du das Licht verkörperst, bist du ganz schön kalt.“ strich er sich seufzend durchs Haar.
„ Ich verkörpere vielleicht das Licht, aber eine Seele verfügt über keinerlei Gefühle. Tut mir leid, wenn ich deine kleine heile Welt erschüttern muss. Ich bin, was ich bin!“ ging ich an ihm vorbei.
„ Uh, so wunderschön und doch so kalt.“ schielte er mir hinterher. „ Eine äußerst interessante und zugleich gefährliche Kombination.“ folgte er mir schließlich. „ Wo kommt ihr eigentlich her und gibt es da noch mehr von euch?“
„ Nein, dadurch das sich Lastalia auflöste, um euch zu erschaffen, sind Chaos und ich die einzigen, die noch existieren.“ begann ich zu erzählen. „ Aber vor langer Zeit war das mal anders. Lange bevor ich erschaffen wurde. Lastalia's Volk lebte auf einem Planeten, der diesem recht ähnlich war. Aber dann beuteten sie ihn aus. Sie raubten ihm die Energie, um selbst am Leben bleiben zu können. Der voran schreitende Verfall interessierte sie nicht, in ihrem Leben gab es niemand wichtigeren als die eigene Person. Erst als die Erde auseinander brach und ihnen klar wurde, dass ihre Zeit ablief, opferten sie ihr eigenes Licht, um mich zu erschaffen. Ich sollte die Dinge richten, die sie zerstörten aber dafür war es bereits zu spät. Ihre Welt ging unter und ich konnte rein gar nichts daran ändern. Wir drei waren die einzigen Überlebenden. Lastalia behielt sein Licht, er war der einzige, der nicht nur die Dunkelheit verkörperte. Mit seiner Hilfe wollten wir eine neue Heimat aufbauen. Aber...“ senkte ich meinen Kopf. „ Aber ich war nicht das, was er sich unter dem Licht vorstellte. Er war sich sicher, dass die Welt erneut auseinander brechen würde, wenn wir drei für dessen Gleichgewicht sorgen würden.“ Misaki hörte mir aufmerksam zu, ohne auch nur die kleinste Frage in den Raum zu werfen. „ Nun weiß ich, dass ich niemals zu dem geworden wäre, was er sich erträumte.“
„ Und deshalb entschloss er sich dazu, sein eigener Planet zu werden?“ hakte er dann doch nach.
„ Er hat sich immer eine Welt gewünscht, in der die Liebe regiert und nicht der Hass und die Gleichgültigkeit. Er hat seine und die Fehler seines Volkes auf seine eigene Art wieder gut gemacht. In dem er euer Universum erschuf und sein Leben für eures her gab.“
„ Ist Chaos deshalb wie besessen von der Idee, sein Werk zu zerstören? Weil er eigentlich eine Welt schaffen wollte, in der ihr gemeinsam leben könnt?“
„ Das könnte durchaus sein.“
„ Nun verstehe ich zwar, warum Chaos die Dunkelheit und du das Licht verkörperst, aber warum unterscheidet sich Lastalia so stark von euch? Oder tragt ihr auch dieses magische Blut in euch?“
„ Nein, tun wir nicht.“ erklärte ich kurz. „ Lastalia hat sich stetig weiter entwickelt. Er baute als einziger Gefühle auf und er ist auch der einzige, der sich einen Körper erschuf. Er war etwas besonderes.“
„ Der sich einen Körper erschuf.“ wiederholte Misa die Worte. „ Der Körper, der nun Kythos und Ladthaa darstellt und dessen Erdkerne beherbergt seine gesplittete Seele.“
„ Richtig.“
„ Das klingt wirklich so, als würdest du ihn zu Recht als etwas besonderes bezeichnen.“
„ Und weil es so ist, werde ich alles in meiner Macht stehende unternehmen, damit sein Traum nicht durch Chaos vernichtet wird.“
„ Aber glaubst du wirklich, dass es Lastalia's Wille ist, dass du dich dafür opferst?“ sah er mich an. „ Für mich hörte es sich so an, als wollte er eine Zukunft mit dir aufbauen und das er sich erst teilte, als er begriff, dass du niemals so empfinden kannst wie er es tat.“
„ Er wollte, dass ich seinen Planeten mit den nötigen Licht versorge.“
„ Nein, ich glaube nicht, dass das alles ist.“ widersprach er mir. „ Warum sonst hätte er sich wünschen sollen, dass du ebenfalls dazu fähig bist Emotionen zu entwickeln? Ich schätze, dass er dich an seiner Seite wissen wollte.“
„ Und dann?“ sah ich ihn an.
„ Dann wärst du zu seiner Königin geworden.“
„ Um mit ihm gemeinsam über das Volk zu regieren?“
„ Genau und damit sich das Desaster nicht noch mal wiederholen konnte, wollte er dass du dich ebenfalls weiterentwickelst.“
„ Ein hoffnungsloses Unterfangen...“
„ Es ist erst hoffnungslos wenn man aufgibt.“ konterte er. „ Erst dann ist alles verloren.“
„ Mhm.“ mehr sagte ich dazu nicht mehr.
„ Weißt du eigentlich, dass Asariah der Sohn derjenigen ist, die Lastalia's Blut in sich tragen?“ nun wo er wusste, wie ich in Wirklichkeit war, hatte er tatsächlich leichte Bedenken, ob ich den Teufel des Todes nicht doch gleich mit Chaos ins Jenseits beförderte. Schließlich hatten sie ihre gesamte Hoffnung in meine Hände gelegt.
„ Ja, das weiß ich.“
Als wir wieder zu den Anderen stießen, war von Chiara und Asariah noch immer nichts zusehen.
„ Ist alles ok?“ eilte Cheria gleich zu mir hin. „ Du siehst noch immer ganz blass aus. Hast du Hunger? Oder willst du etwas trinken?“
„ Es geht mir gut.“ war alles was ich zu ihr sagte, während ich an ihr vorbei schritt, ohne sie auch nur eines Blickes zu würdigen.
„ Hab ich was falsch gemacht?“ blickte sie mir verblüfft hinterher.
„ Gib ihr etwas Zeit, sie wird sich schon wieder fangen.“ sah Misaki lächelnd zu ihr runter. „ Manchmal ist es eine wahre Qual, seinen Erinnerungen ausgeliefert zu sein.“
„ Ok…“
Sie konnten so viel Zeit verschwenden, wie sie wollten. Die Sasha, die sie bisher zu Gesicht bekamen, existierte nicht länger. Ich hatte ohnehin nicht geplant, mich in dieser Welt häuslich einzurichten, nein, sobald ich mein Ziel erreichte, verschwand ich wieder. Weit weg von diesem verabscheuungswürdigen Körper, der mir sein Elend aufzwang. Es war das erste und letzte Mal, dass ich mich mit einem Wirt verband. So viel war sicher.
Allerdings fragte ich mich schon, wie Chaos das ganze überhaupt aushielt oder fühlte ich mich bloß so unwohl, weil ich nicht von positiven Gefühlen überflutet wurde? Wir körperlose Seelen konnten uns natürlich nicht mit jedem x-beliebigen Gefäß verbinden. Mein dunkles Gegenstück brauchte zum Beispiel jemanden, der innerlich zerstört war. Sei es nun, weil man sein Leben lang nieder gemacht wurde und deshalb jegliche Hoffnung und den Willen zum Leben verlor oder weil man von Haus aus ein bösartiger Geselle war.
Er ernährte sich von dem Schmerz, dem Leid und der Verzweiflung seines Wirtes, seiner Umgebung oder gerne auch einer ganzen Welt. Ich vermutete, dass Asariah deshalb hierher kam. Die Dämonen zu vernichten, bzw. den Menschen hier zu helfen, machte nur einen Minimalen Teil des Grundes aus, warum er sich in Elysia aufhielt. Viel mehr wollte der Teufel, dass sich sein Untermieter schnellstmöglich erholte und mit dem vernichtenden Zustand dieser Welt, erreichte er dieses Ziel. Mir war nur noch nicht ganz klar, warum er dass wollte.
Selbst als ich mein Gedächtnis verlor, erkannte ich, dass etwas mit seiner Seele nicht stimmte. Aber nun hatte sich mein Blick auf das Wesentliche verändert und das im wahrsten Sinne des Wortes. Mein Wunsch ihn zu retten verflüchtigte sich immer mehr, stattdessen machte sich das Verlangen, diesen stinkenden Bastard zu vernichten, in mir breit. Ob seine Hülle dabei überlebte oder nicht, wich immer weiter ins unwichtige nebensächliche. Trotzdem fragte ich mich, warum Asariah diesen Schweinehund überhaupt in sich aufnahm? Nun wo sich der Nebel gelichtet hatte sah ich nämlich, dass er sich selbst mit einem Bannfeld schützte. Auch wenn seine Seele in diesem Eisklotz steckte, so konnte er ihn doch jeder Zeit zerstören. Vorher fiel mir das nicht auf, natürlich nicht, aber zwischen dem Eis und seiner Seele befand sich ein sanftes, dunkel lila leuchtendes Schimmern. Wir waren den Ladthaanern und auch den Kythosianern weit überlegen, logisch, aber nicht mal die personifizierte Dunkelheit sollte sich leichtfertig mit dem Tod anlegen. Es mochte zwar sein, dass Asariah keinen Einfluss auf unser Leben oder unser Ableben nehmen konnte, aber trotzdem steckte eine unvorstellbare Kraft in ihm drin, auch wenn er es selbst noch nicht bemerkt zu haben schien. Wenn es unter den göttlichen und teuflischem Wesen so was wie ‚Überwesen‘ gab, dann zählte er da definitiv zu. Es wunderte mich nicht im Geringsten, dass sich Chaos ausgerechnet einen Abkömmling von Lastalia ausgesucht hatte, der zudem auch noch über solch unglaubliche Fähigkeiten verfügte. Für Chaos stellte es natürlich eine Genugtuung dar, Lastalia mit seinem eigenen Fleisch und Blut zu vernichten. Eigen Fleisch und Blut im übertragenem Sinne.

Die Nacht war weit voran geschritten, als ich endlich den Weg ins Land der Träume fand und sich die beiden Verschollenen dazu aufrafften, zu der Gruppe zurückzukehren.
„ Und was hat den Herrn nun dazu gebracht, über mich herfallen zu müssen?“ hakte das Kätzchen nach.
Sie hatte ihm absichtlich den Rücken zugedreht, damit er an ihrem Blick nicht erkennen konnte, wie nah ihr das ganze wirklich ging. Zwischenzeitlich hatte sie sich angezogen und richtete sich nun, quasi als Beschäftigungstherapie, die Haare.
„ Mh.“ öffnete er die Augen und schielte sie seitlich an. „ Ich weiß nicht…“ begann er zu erzählen, während er sich langsam aufraffte um zu ihr hin zu schleichen. „ Vielleicht liegt es ja daran, dass ich es absolut nicht leiden kann, wenn dich ein anderer Mann zum schnurren bringt.“ flüsterte er ihr schließlich zu, als er dicht hinter ihr stand.
„ Du warst also auf Misaki eifersüchtig?“ schielte sie zu ihm zurück. „ Dabei brauchst du dir bei dem absolut keine Gedanken zu machen. Bei ihm nicht…“ schlich sich ein äußerst kaltes und gemeines Grinsen auf ihre Lippen. „ Aber bei dem anderen schon…“ um ihm dann DAS zu zu hauchen. 
„ Bei dem anderen was? Oder wer?“
„ Hast du etwa geglaubt, dass ich mich nun nie wieder auf einem anderen Mann einlassen kann und dass ich ewig um dich Hirni trauere?“ zog sie gespielt belustigt eine Augenbraue hoch. „ Tut mir leid, aber dafür bist du mir nicht wichtig genug! Außerdem gibt es da jemanden, der im Bett weitaus mehr drauf hat als du! Der weiß, worauf eine Götterkatze abfährt.“
Man konnte förmlich mitverfolgen, wie die Worte in seinem Hirn ankamen und die gerade so hart erarbeitete seelische und körperliche Entspannung mit einem Schlag verflog.
„ So? Und wer sollte das sein?“ hakte er mit einer auffällig kühlen Stimme nach.
„ Das geht dich ein Scheißdreck an!“ teilte sie ihm mit einem Lächeln mit, bevor sie Richtung Camp wanderte.
Das er so heftig Eifersüchtig reagierte ging runter wie Erdbeersoße! Denn das konnte nur bedeuten, dass er nicht so abkühlen konnte, wie er sich das vorgestellt hatte und dass er sie durchaus noch gern hatte. Vielleicht bestand die minimale Chance, dass doch noch nicht alles verloren war. Wenn sie alle an diesem Traum festhielten und ihr bestes für die Erfüllung gaben, eventuell wurde dann wieder alles so, wie es einmal war.
Was aber auch bedeutete, dass Chiara die Hoffnung keineswegs aufgeben durfte. Sie musste um das Leben ihres besten Freundes kämpfen, genauso wie Misaki einst um seinen besten Freund kämpfte. Selbst ein Kühlschrank konnte man öffnen, um an sein innerstes zu gelangen, nicht wahr? Die Katze fasste neuen Mut, was ihr sanftes Lächeln andeutete, was sie zeigte, als sie sich von ihm weg drehte und zu uns zurück lief.

Bloß die beiden Seelendiebe saßen noch schweigsam am Feuer und schwiegen sich einen zurecht, solange, bis sich Misa seufzend zu seinem Sohn hin drehte.
„ Was ist los mit dir, Aries? Du ziehst ein Gesicht, als würde gleich schon die Welt untergehen.“
„ Nichts.“ murmelte er.
„ Du lügst! Also spucke es schon aus, was liegt dir auf der Seele? Machst du dir Sorgen um Asariah? Weil Chaos aktiv war?“
„ Ach? Das weißt du also auch schon, wie schön! Dann ist doch alles gesagt!“
„ Nein, eben nicht. Es bringt dich kein Stück weiter, wenn du die Probleme bloß in dich hinein frisst.“
„ Es wirft mich aber auch nicht zurück.“
„ Wie willst du deinen Kumpel retten können, wenn du doch selbst auch in Selbstzweifel versinkst? Wie soll das funktionieren?“
„ Tut mir leid, dass ich nicht so perfekt bin wie du oder Keith! Ich bin leider nicht ohne Fehler geboren worden und bist du jetzt enttäuscht?“ starrte er seinen Vater verärgert an.
„ Was redest du denn da für einen Blödsinn?“ zog Misaki verblüfft eine Augenbraue hoch. „ Du glaubst ernsthaft, dass Keith und ich keine Fehler begehen mussten, um aus ihnen zu lernen? Das ist völliger Humbug!“
„ Hör doch auf!“ maulte er. „ Wenn du an meiner Stelle gewesen wärst, dann wäre Asariah durch den Gestaltenwandler nicht verletzt worden! Vermutlich wäre Chaos dann schon längst Geschichte!“
„ Wenn das so wäre, müsste Chaos dann nicht schon längst vernichtet worden sein?“ wies er ihn darauf hin. „ Wir standen ihm bereits einmal gegenüber. Risa, Keith, Thanatos ja selbst Tartaros war dabei und was ist passiert? Wir wären beinahe alle drauf gegangen, wenn sich Sasha nicht eingemischt hätte! Du glaubst wir sind perfekt? Dann hast du ein ganz falsches Bild von uns.“ erzählte er. „ Keith ist in seinem jugendlichen Leichtsinn über einen Inkubus hergefallen, der zuvor eine Frau besprang, die auf Frauen stand. Thanatos erste Reise zur Erde endete damit, dass er uns eine Reklametafel, in Form einer leicht bekleideten aber wunderschönen Frau, als seine neue Freundin vorstellte. Selbst Tartaros musste die ein oder andere Klippe herunter stürzen, ehe er das Fliegen erlernte. Er verschwand sogar mal in einem Erdriss und wurde lange Zeit nicht mehr gesehen.“
Thanatos war Misaki's älterer Bruder und Tartaros war der Vater von Keith und zudem noch der König der Ladthaaner. Ein Inkubus war ein Sex besessener Teufel, der die Nähe des anderen Geschlechts zum überleben brauchte. Sein Gegenstück war die Succubus.
„ Keith hat sich von einem Inkubus täuschen lassen?“ sah Aries seinen Dad erstaunt an.
„ Er brauchte sich gar nicht täuschen lassen, da er freiwillig über ihn hergefallen ist.“ schmunzelte er. „ Du hast einiges auf den Kasten, Aries. Lass dich nicht von der Chaos Krankheit anstecken.“
„ Und was war dein größter Fehler? Du hast zwar die der anderen aufgezählt, aber was ist mir dir?“
„ Mit mir? Mir fällt gerade nichts ein.“ lächelte er wissend vor sich hin.
„ Ts! Dabei warst du bestimmt der dümmste von allen!“ murrte Aries.
„ Wie respektlos!“
„ Ich sage nur was ich denke.“
„ Vom wem hast du das nur? Von mir jedenfalls nicht.“ seufzte Misa verhalten auf. „ Wie dem auch sei. Du musst deinen eigenen Weg finden und dich nicht von den Taten der anderen behindern lassen. Es ist ganz egal, was ich oder Thanatos, was Keith oder Risa jemals erreicht haben. Wichtig ist, was DU erreichen willst. Du kannst ewig unserem Schatten hinterher rennen oder aber du trittst ins Licht und schreibst deine eigene Geschichte. Du musst noch viel lernen, das ist wahr. Aber es ist auch noch kein Meister vom Himmel gefallen.“
„ Du hast recht.“ gab er schließlich seufzend nach. „ Ich bin wohl schon zu lange mit Asariah unterwegs, der färbt ab.“
„ Chaos übt eine unwahrscheinliche Kraft auf diejenigen aus, die sich in seiner Nähe befinden. Du musst dem widerstehen, andernfalls wirst du bloß ein weiteres Opfer darstellen. Ich hätte dich niemals hierher gehen lassen, wenn ich nicht zu einhundert Prozent davon überzeugt wäre, dass du ihm seelisch die Stirn bieten kannst. Ihr werdet ihn besiegen und Asariah retten, davon sind wir alle überzeugt.“
„ Danke.“ starrte Aries ins Feuer.
„ Ach was.“ stieß er ihn lachend an. „ Wofür sind Eltern denn da? Außerdem weiß ich noch zu genau wie es ist, wenn man an einer Sache verzweifelt. Ich fühlte mich nutzlos, weil ich tatenlos dabei zusehen musste, wie die zwei wichtigsten Personen in meinem Leben ihren eigenen Tod vorbereiteten. Ich war krank vor Sorge, weil ich rein gar nichts daran ändern konnte. Und immer wenn ich glaubte, jetzt wäre alles überstanden, da knallte man mir die nächste Hiobsbotschaft vor die Füße. Um sie zu retten, hätte ich mein eigenes Leben hergegeben. Risa wird von allen in den höchsten Tönen gelobt, sie ist die Göttin, die selbst den Tod überwunden hat und bekannt dafür ist, das unmögliche möglich machen zu können. Aber niemand sprichst darüber, wie nervenaufreibend dieses Gör für ihre Beschützer war!“ verzog er seinen Mund. „ Sie ging ihren Weg, selbst wenn sie sich dabei in große Gefahr begab. Sie tat alles, um uns ein schönes Leben zu ermöglichen und letztendlich zahlte sie mit ihrem Leben dafür. Ich kann es heute noch kaum fassen, dass wir sie wirklich zurückholen konnten. Also denk daran, egal wie aussichtslos die Situation auch sein mag, solange ihre nicht aufgebt, ist auch noch nichts verloren!“
„ Und was ist, wenn Asariah längst aufgegeben hat?“ hakte er leise nach. „ In seinen Augen ist sein Leben doch nichts wert und warum? Weil die Leute in Illumina, was ja ach so perfekt und friedlich sein soll, ihm das eingeredet haben. In dieser Welt, wo der Rassenunterschied keine Rolle spielen sollte, verurteilten sie ihn, bloß weil er als Teufel des Todes geboren wurde. Aber niemand sieht den Mann, der dahinter steckt! Man muss sterben, damit neues Leben entstehen kann! Warum nur, konnten sie das nicht einsehen?“ ballte er seine Hände kurz zu Fäusten. „ Es ist allein deren Schuld, dass er so geworden ist! Risa sollte ihnen die Berechtigung in ihrer Welt leben zu dürfen entziehen! Diese Flachpfeifen haben dabei zugesehen, wie er innerlich zerbrach.“
„ Glaubst du wirklich, Asariah hätte es gewollt, dass Risa alle die ihn niedermachten raus wirft? Nein, das hätte er nicht gewollt.“ glaubte Misa zu wissen. „ Weil er dann erst recht im Schatten seiner Mutter gestanden hätte. Mag sein, dass er gerade vom rechten Weg abgekommen ist, aber ich glaube fest daran, dass er zu uns zurück finden wird und wenn nicht, dann stehen ihm gute Freunde zur Seite, die nicht zulassen werden, dass er für immer verschwindet.“
„ Ich werde alles mögliche versuchen um ihn daran zu hindern, einfach aus diesem Leben zu verschwinden.“ stimmte er ihm zu. „ Aber ich weiß nicht, ob ich mein Ziel überhaupt erreichen kann.“
„ Natürlich wirst du dein Ziel erreichen, weil du nicht allein bist und genau dieser Zusammenhalt ist Chaos schon einmal zum Verhängnis geworden.“
„ Dieses Mal haben wir aber keine Armee an unserer Seite.“
„ Dafür ist Sasha bei euch und wir sind auch noch da.“
„ Ja...“
Kurz darauf lehnte sich Aries seufzend zurück und schloss die Augen. So bekam er nicht mit, dass Chiara zu uns zurückkehrte und ihn gleich mal als Bett missbrauchte, in dem sie sich, in ihrer kleinen Gestalt, auf seinen Schoss kuschelte.

Als ich ein paar Stunden später erwachte, lag sie da immer noch und auch Asariah war wieder da, der etwas weiter entfernt an einem Baum lehnte und friedlich vor sich hin schlummerte.
Mein Schlaf war allerdings alles andere als ruhig, was meine stoßhafte Atmung und der kalte Schweiß bewies, der meinen Körper fest im Griff hatte.
Während ich schlief, kamen die Erinnerungen und die ganzen unnützen Gefühle zurück, die mich hinterrücks in meinen Träumen überfielen. Ich konnte damit noch immer nicht umgehen, ich hatte das Gefühl, als würde man mir die Luft abdrücken, als würde ich in dem Wirbelsturm der Emotionen ertrinken. Meine Glieder waren so schwer und zittrig, mir war so, als würde meine Energie abnehmen anstatt sich aufzufüllen. Ganz gleich was ich wem auch immer schuldig war oder was ich ihnen jemals versprach, ich konnte diesen Zustand nicht länger ertragen!
Langsam fing ich an, mein Gefäß wirklich zu hassen, ich verabscheute, was er aus mir machte und diesen ganzen Scheiß hatte ich Chaos zu verdanken! Nur wegen seiner Verbitterung, seinem Verlagen nach Rache und seiner starrköpfigen Art, wurde ich in diese Sache mit hineingezogen! Wenn er Lastalia doch einfach in Ruhe lassen würde und seinen eigenen Weg suchte, dann müsste ich mich nun nicht hiermit rum plagen. Es kotzte mich wahrlich an!
Er trug die Schuld daran, dass ich keinen klaren Gedanken mehr fassen konnte, dass mein Blut zu kochen begann und mein Puls wie ein Wahnsinniger durch meinen Körper raste. Er allein war verantwortlich dafür, dass ich nur noch den einen Wunsch verspürte: Den Wunsch ihn zu vernichten und mich dann endlich von meinem Wirt zu trennen.
Mit einer unbeschreiblichen Wut im Bauch kämpfte ich mich auf die Beine und wankte dann zu dem schlafenden Ladthaaner hin. Ich musste Chaos bloß besiegen um mich von meinen Qualen befreien zu können. Ein kurzer Stich und er war Geschichte! Er würde an meiner Stelle auch nicht anders reagieren! Also warum sollte ich seinen inaktiven Zustand nicht auch ausnutzen? Ich pfiff auf Asariah's Leben! Er wollte doch ohnehin mit ihm untergehen, ob er dabei früher oder später starb, machte in meinen Augen keinen Unterschied. Es war mir gleich... sie bedeuteten mir alle nichts! Ich war, bin und blieb ein körperloses Wesen, ohne Gefühle, Empfindungen oder dergleichen! Daran änderte sich nichts! Nicht mal in tausenden von Jahren, wer dachte es wäre anders, der hatte sich geschnitten und das so dermaßen, dass er an dieser Wunde elendig zu Grunde ging!
Ich war weder der Gruppe, noch den Menschen von Elysia noch den Erschaffungen von Lastalia etwas schuldig! Opfer mussten gebracht werden, nicht wahr? Genauso sah ich das auch, als ich mich mit einem hasserfüllten Blick über Asariah in Stellung brachte und einen Blitz aus der reinsten Magie des Lichtes in Händen hielt.
Meine Mächte würde sich direkt in sein Unterbewusstsein brennen, der Ladthaaner bekam davon nichts mit, er würde friedlich weiterschlafen, während der letzte Lebenshauch aus seinem Körper wich und Chaos würde ebenfalls für immer verschwinden.
Ich wollte diesen Wichser vernichten, ich war mehr als bereit dazu, ihn mit meiner Macht zu durchbohren! Dieser miese kleine Dreckssack sollte sich einfach in Luft auflösen und seine stinkende, alles einnehmende Aura gleich mit. Ein Hieb! Ein einziger kleiner Stich und ich war wirklich frei! Aber verdammt nochmal!! Ich konnte es nicht!!
Irgendetwas in mir hielt mich davon ab, Asariah aus dem Leben zu kicken! Genau dieser Teil wollte ihn retten und ihn nicht töten! Ich verstand das einfach nicht! Diese Empfindungen hatten doch nichts mit meinem Wirt oder dessen Erinnerungen zu tun! Warum in Gottes Namen, konnte ich ihn nicht beseitigen? Was war das? Was hielt mich davon ab? Der Wille war nach wie vor da, ich wollte ihn niedermetzeln, um mich selbst zu schützen, um diesem Desaster entfliehen zu können und auch, damit Lastalia endlich seinen Frieden fand.
Es schien fast so, als würde mir mein eigener übernommener Körper einen Strich durch die Rechnung machen, genauso musste es sein! Dieses verfluchte Gefäß stand auf den Teufel, deshalb hinderte er mich daran, ihn dorthin zu schicken wo er herkam, nämlich zurück in die Hölle! Anders konnte es doch gar nicht sein! Es war nicht möglich, dass ICH irgendwelche Gefühle entwickelte, dass ging einfach nicht! Die kurze Zeit des Unwissens nahm keinen Einfluss auf meine Emotionen, das war unmöglich!
Trotzdem war es nun mal so, dass ich mir den Feind nicht vom Hals schaffen konnte. Ganz gleich wie stark das Verlangen nach seinem Tod auch war, es ließ sich nicht in die Tat umsetzen. Mir kam es sogar so vor, als wäre das Zittern meines Körpers noch schlimmer geworden, seit ich mich über dem Herrn befand. Der innere Kampf ging sogar so weit, dass mir die Tränen in Strömen über die Wange liefen. Gerade weil mir bewusst wurde, dass ich diesen Körper wohl doch nicht so bald wieder verlassen sollte. Ich verstand das einfach nicht... es war wie verhext. Wieso nur, hatte diese verfluchte Hülle so viel Macht über mich? Ich war am Ende mit meinem Latein.
Ich bekam in meinem Wahn noch nicht mal mit, dass Misaki erschrocken von seinem Platz aufsprang und zu mir hin gestürmt kam. Er wollte mich aufhalten, ehe ich den Sohn seines besten Freundes ins Jenseits beförderte. Aber kurz bevor er mich erreichte, blendete ich ihn mit einem gleißenden Licht, so das ihm das Herz buchstäblich in die Hose rutschte. Als sich der Nebel lichtete bemerkte er, dass Asariah noch da war, ich allerdings, war verschwunden.

Mein Weg führte mich schnurstracks in das Universum der Götter, um genau zu sein, stand ich auf der Brücke, die Kythos, die Welt der Götter, mit Ladthaa, die Welt der Teufel, verband. Dort befanden sich, etwa in der Mitte zwischen den Planeten, die Statuen der beiden Gestalten, die einst Lastalia verkörperten.
Der dunkle Part, die gute Seele von Ladthaa, hatte lange pechschwarze Haare, auf seinem Rücken saßen prachtvolle dunkle Flügel und sein schwarzes Gewand besaß wunderschöne goldene Verzierungen.
Der helle Part, die gute Seele von Kythos, hatte lange blonde Haare, weiße Flügel und ein hübsches weißes Kleidchen zierte ihren schlanken Körper.
Als Zeichen ewiger Verbundenheit, berührten sich die Fingerspitzen der beiden Abbilder, die sie hoch in die Luft hielten, während sie sich sanft anlächelten. Allerdings konnte ich dieser Idylle gerade so überhaupt nichts abgewinnen.
„ Warum Lastalia?“ lehnte ich meine Hände gegen die männliche Statue. „ Warum wolltest du, dass ich so sehr leide? Ich verstehe das nicht. Was ist so toll daran, wenn man an seinen Gefühlen zu Grunde geht? Was hast du dir davon versprochen? ANTWORTE MIR!!“ brüllte ich ihn an. „ Wolltest du mich denn wirklich zerstören?? Aber warum habt ihr mich dann erst erschaffen?? Bist du sauer auf mich, weil unsere Heimat trotz meiner Anwesenheit unter ging? Was ist es?? SAG ES MIR!!“ allerdings gab er nicht ein Sterbenswörtchen von sich. „ Du versteckst dich hinter dieser steinernen Mauer, hast alles aufgegeben, was dich einst verkörperte, DU bist es doch, der vor seinen Emotionen geflüchtet ist!! Also warum in Herrgotts Namen sollte ich dem gleichen Schicksal folgen?? Nun mach endlich den Mund auf! VERDAMMT!!“ hämmerte ich wie wild gegen die Fassade seiner Statue rum. „ Warum hast du mir das nicht erklärt... warum lässt du mich jetzt im Stich? Ich begreife das nicht... ich begreife das einfach nicht...“ kauerte ich mich vor ihm auf den Boden. „ Was geht nur in meinem inneren vor sich? Ich habe Angst, wahnsinnige Angst.“
Mir fiel keine andere Möglichkeit ein um mich selbst zu schützen, deshalb verbannte ich die Gefühle meines Wirtes aus dem Herzen. Wenn mich die Erinnerungen nicht mehr quälen konnten, dann müsste ich mit meiner Situation eigentlich klar kommen. Dadurch das die Seele meiner Wirtin ohnehin schon weg war, brauchte ich auf ihre Gefühle ja keine Rücksicht zunehmen. Ihr Leben war bereits am Ende nun war ich am Zug.
Ein Riesen Stein fiel mir vom Herzen, die Ketten die meine Atmung ein dämpften wurden gesprengt, die Schmerzen ließen nach und verschwanden dann völlig.
Es war ohnehin schon komisch und ungewohnt überhaupt in einer Hülle zu stecken, da musste ich nicht auch noch damit anfangen, irgendwelche unnützen Empfindungen zu entwickeln. Das war mein Weg, so hatte ich es gewollt, so hatte ich ihn gewählt, auch wenn ich damit so manch einen enttäuschte oder verletzte.
Ich war was ich war, eine gefühllose Seele, ohne Träume, Wünsche oder Hoffnungen. Ohne Grenzen, Regeln oder Gesetze. Ich war mein eigener Herr, mein eigener Boss. Ich agierte wie ich es für richtig hielt, auch wenn es nicht immer richtig war. Es tat nichts zur Sache.
Vielleicht konnte man mich auch mit einem Kind vergleichen, ein junges Leben was früh allein gelassen wurde und sich alles selbst beibringen musste. Ein einsames Licht unter vielen, was Ziellos durch die Gegend streifte, ohne einen Sinn in seinem Leben zusehen, ohne eine Aufgabe, ohne eine Bindung zu irgendwas oder irgendwem.
Wobei letzteres bei mir nicht zutraf, ich verspürte eine Bindung und zwar zu Lastalia. Er hatte von Anfang an versucht mich in die Geheimnisse der Gefühle einzuweihen. Aber alles was ihn zum Lächeln brachte, sei es nun ein Meer aus Schmetterling, der Duft von Blumen, der Sonnenuntergang, spielende Kinder oder die süßesten Tiere aller Zeiten, konnte mich nicht erreichen. Ich verstand seine Faszination nicht, ich konnte nichts von alledem nachvollziehen, was ihn von uns unterschied.
Aber als er sich teilte und somit das Universum der Götter erschuf, da wurde mir bewusst, dass er etwas in mir bewegen konnte. Ich habe es nur nie bemerkt und dann war es zu spät, da er für immer verschwand. Damals, als er sich von mir verabschiedete und ich begriff, dass ich ihn nie wieder sehen sollte, da zog sich mein Herz so dermaßen zusammen, dass mir vor Schmerzen die Tränen über die Wange liefen. Erst da begriff ich, dass mich die Dinge die er mir zeigte zwar nicht erreichten, er selbst aber schon. Es war das erste und einzige mal, dass ich wirklich etwas fühlte. Aber mit ihm ließ ich auch meine Emotionen untergehen. Wenn man für niemanden etwas empfand, dann konnte man auch von niemanden verletzt werden, richtig? Das war meine Devise und damit fuhr ich seit Jahrhunderten schon perfekt durchs Leben. Ich war nicht bereit, dass jetzt zu ändern.
Einige Zeit blieb ich noch vor der Statue sitzen und blickte schweigend das weibliche Abbild an. Ich bemerkte dabei mal wieder nicht, dass Misaki am Ende der Brücke stand und mich mit einem ernsten Blick musterte.

Am Morgen allerdings, als die anderen aufwachten, waren wir beide wieder bei ihnen, ganz so, als wären wir nie weg gewesen.
„ Es wird Zeit für mich wieder nachhause zurückzukehren.“ meinte Misa nach dem Frühstück.
„ Jetzt schon?“ verzog Cheria ihren Mund. „ Ich weiß noch immer so fast gar nichts über dich oder über die Welt, aus der du stammst.“
„ Aries kann dir bestimmt vieles erzählen. Aber ich muss jetzt gehen. Es gibt einiges, was ich mit Risa und Keith zu besprechen habe.“ schielte er mich seitlich an. „ Das kann nicht länger warten.“
„ Grüß Mum und Dad von mir, ja?“ lächelte Serah. „ Sie brauchen sich auch keine Sorgen um mich zu machen, es geht mir gut.“
„ Das werde ich weiter geben.“
„ Meine Eltern brauchst du nicht zu grüßen.“ murrte Chiara. „ Die werden sowieso schon auf 180 sein, da fassen die eventuelle Grüße bloß als Hohn auf.“
„ Wie du meinst.“ nickte er. „ Passt auf euch auf.“ mit diesen Worten verabschiedete er sich schweren Herzen von uns und kehrte nach Illumina zurück.
Vor dem Portal nach Elysia wartete bereits ein wahres Empfangskomitee auf den Seelendieb.
„ Wo ist Serah?“ wollte Keith auch gleich wissen. „ Hast du sie etwa da gelassen??“
„ Es hätte nichts gebracht, sie mit hierher zu bringen. Letztendlich wären die beiden bloß wieder getürmt.“
„ Was macht Chaos?“ hakte Risa nach.
„ Er schläft nach wie vor, allerdings war er schon mal aktiv.“
„ Was?“ riss die Göttin entsetzt die Augen auf.
„ Ich schätze, dass das Licht dafür verantwortlich war. Wir können wohl davon ausgehen, dass er weiß, dass sie sich in seiner Nähe aufhält. Aber ich habe auch gute Nachrichten, Serah konnte den Fluch brechen und Aliah somit befreien.“
„ Das sind wirklich gute Neuigkeiten. Ich wusste doch, dass sie es schaffen kann.“ lächelte Risa.
„ Ja, allerdings gibt es da einen klitzekleinen Haken!“ seufzte der Herr auf. „ Aliah ist mindestens genauso kalt wie Chaos! Sie ist eine gefühllose Seele, die sich nichts aus dem Leben der anderen macht. Sie wird Chaos aufhalten, ganz bestimmt, aber ich lege meine Hand nicht dafür ins Feuer, dass sie nebenbei auch Asariah's Seele retten wird.“
„ Aber sie hat Kronos Seele doch auch gerettet.“ warf die Göttin des Lebens in den Raum.
„ Sie war aber auch bereit dazu, dich mit in den Tod zu reißen und Kronos hatte sie bloß gerettet, weil das dein Wunsch war. Vielleicht zählt es aber auch zu ihren Aufgaben, dass sie den Wirt rettet, wenn es in ihrer Macht liegt. Zur Zeit aber, kann sie Chaos nur besiegen, wenn Asariah dafür seinen Kopf hinhält.“
„ Das ist schlecht...“ verzog Keith seinen Mund. „ Ich dachte das Licht würde uns helfen und die Sache nicht noch verschlimmern.“
„ Sie wird uns helfen, in dem sie unseren gemeinsamen Feind vernichtet.“
„ Das ist nicht das, was ich wollte.“ murmelte Risa. „ Die, die uns retten sollte, entpuppt sich als weitere Gefahr, die uns bedroht. Wenn wir Asariah retten wollen, dann stehen wir bald den mächtigsten Wesen gegenüber, in dessen Kampf wir hineingezogen werden. Wir sollten uns auf das Schlimmste gefasst machen. Ich für meinen Teil werde nicht zulassen, dass Asariah sein Leben verliert, selbst wenn ich dabei mit meinem Leben bezahlen muss!“
„ MOMENT!!“ packte Misa die Dame bei der Schulter. „ DAS habe ich gerade nicht gehört!! DAS hast du nicht gesagt!! Noch einmal werde ich nicht zulassen, dass du dein Leben leichtfertig weg wirfst! Also schlag dir das aus dem Kopf oder du lernst mich von einer Seite kennen, die du nicht kennen lernen willst!!“
„ Wir reden hier über meinen Sohn, Misaki!“ schlug sie seine Hände weg. „ Ich werde ihn beschützen, komme was wolle.“ drehte sie sich von ihnen weg und schlenderte davon.
„ Keith! Nun sag du doch auch mal was dazu!!“ maulte er seinen Freund an. „ Wir können doch nicht zulassen, dass sich die Vergangenheit wiederholt!“
„ Das werde ich garantiert auch nicht zulassen. Aber ich kann ihre Verzweiflung verstehen.“ sah er ihr nach. „ Sie gibt sich die Schuld daran, dass Asariah als Teufel des Todes, also als ihr Gegenstück geboren wurde, und das er mit so vielen Vorurteilen und Ablehnungen zu kämpfen hat.“
„ Aber das ist doch nicht ihre Schuld!“ lehnte er aufseufzend die Hand gegen die Stirn. „ Ich hab eigentlich gedacht, sie wäre inzwischen etwas erwachsener geworden, aber wie ich sehe, muss ich das Ganze noch mal überdenken.“
„ Risa ist zur Zeit wie eine tickende Zeitbombe.“ bemerkte eine Götterkatze.
Dieses hübsche Ding hörte auf den Namen Elara. Sie hatte langes silbernes Haar und Smaragd-grüne Augen. Sie war eine von zwei Wächtern, die mit Risa eine Seelenverbindung eingingen. Die Macht des Lebens war zu groß, als dass sie von einer Göttin allein getragen werden konnte. Deshalb teilte sie ihre Macht und auch ihr Leben mit ihren beiden Götterkatzen. Der andere Part und Vater von Chiara hieß Charon. Er war leicht gebräunt, hatte schwarze Haare und auch schwarze Katzenohren, so wie einen schwarzen buschigen Katzenschweif. Seine Augen waren so klar wie das Meer und hatten denselben tiefen Blauton. Charon war groß gewachsen und hatte den athletischen Körperbau eines Sportlers.
„ War Risa nicht schon immer eine tickende Zeitbombe?“ sah Misa die Katze seitlich an. „ Es wundert mich sowieso, dass sie die ganzen Leute, die Asariah nieder gemacht haben, noch nicht aus Illumina raus geworfen hat.“
„ Weil er selbst die Stärke entwickeln muss, mit seiner Bestimmung umgehen zu können. Es bringt nichts, wenn er sein Leben lang an Risa's Rockzipfel hängt. Asariah muss seinen Weg finden, sonst wird er irgendwann an seinen Selbstzweifeln ertrinken.“ vermutete Charon.
„ Die Bürde des Todes tragen zu müssen, ist gewiss kein Zuckerschlecken.“ meinte Keith.
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Re: Diehieee Geschichte

Beitrag von Alexia am Sa 6 Mai - 10:11

Kapitel 8. Die Entführung


„ Und wo geht es als nächstes hin?“ wollte Serah von den Herrschaften wissen. „ Wie viele Portale befinden sich denn noch hier in der Nähe?“
„ Keine mehr.“ sah ich mich um. „ Aber ich kann noch einige dunkle Punkte am Horizont erkennen.“
„ Wow hast du gute Augen.“ strahlte mich Cheria an.
„ Ich spüre die Dunkelheit, das ist alles.“ wendete ich mich von ihnen ab. „ Egal wie weit sie entfernt sind oder hinter welcher Mauer sie sich auch zu verstecken versuchen.“ sah ich zu Asariah rüber. „ Ich finde sie alle und nicht einer wird mir entkommen.“
„ Mhm.“ verschränkte er schweigend die Arme vor der Brust.
„ Wenn wir dieses Reich von der Pest befreit haben, dann sollten wir uns zum nächsten begeben.“ kramte Lyrias eine Karte raus. „ Hier oben befindet sich eine Brücke, die zum nächsten Königreich führt. Sie wird allerdings von den Priester aus Sant Nyan bewacht. Wir können die Tore nur passieren, wenn wir die Genehmigung von dem Oberhaut des Tempels erhalten. Wir könnten auch das Meer überqueren, um zu diesem Kontinent zu gelangen. Aber der Weg ist lang und ich glaube nicht, dass wir so weit schwimmen können und die, die fliegen können, werden uns nicht so weit tragen können.“
„ Also müssen wir uns ein Schiff besorgen, ja?“ stellte Aries fest. „ Und wo bekommen wir das her?“
„ Wenn das Fischerdorf noch steht, dann können wir von hier oben eine Überfahrt arrangieren.“ deutete er auf ein kleines Haus, was sich ganz am Ende des oberen Königreiches befand.
„ Also ist es am einfachsten, wenn wir die Brücke überqueren und von dort aus dann dieses Reich ergründen.“ bemerkte der Seelendieb.
„ Es ist aber fraglich, ob wir die Erlaubnis erhalten werden.“ räumte die Priesterin ein. „ Wie gesagt, sie sind dort nicht gut auf mich zu sprechen.“
„ Dann prügle ich ihnen den Schein aus den Händen, wo ist das Problem?“ mischte sich Asariah ein. „ Als wenn ich mich von ein paar Menschen aufhalten lassen würde. Wenn alle Stricke reißen, dann bahnen wir uns einfach einen Weg über die Brücke.“
„ Wir sind aber nicht hier, um die Menschen einzuschüchtern oder sie gar zu verletzen, sondern um ihnen zu helfen.“ wies Serah ihren Bruder zurecht. „ Wir werden auch ohne sie zu verprügeln an den Passierschein kommen.“
„ Na klar.“
„ Tja, dann führt wohl kein Weg daran vorbei, was?“ kratzte sich die Heilerin am Kopf rum. „ Dann muss es eben so sein.“
„ Keine Sorge, ich bin ja bei dir.“ ergriff die Göttin die Hände der neuen Freundin. „ Ich werde nicht zulassen, dass sie dir blöd kommen, ok?“ lächelte sie.
„ Ok.“ erwiderte sie das Lächeln entzückt. „ OH! Du bist auch soooo süß!“ drückte sie die Dame feste an sich.
„ Hihihi ist ja gut!“ kicherte Serah. „ Wir stehen das zusammen durch!“
„ Ja.“
„ Dann lasst uns gehen!!“ drehte sie sich nun zu mir um, um sich meine Hand ebenfalls zu greifen und uns dann hinter sich her zu schleifen.
„ Was?? Was soll das?“ versuchte ich mich vergeblich wieder los zu reißen.
„ Den letzten beißen die Flöhe!!“ rief Chiara den Herren zu, während sie ebenfalls davon raste.
Nun wo wir den Wald hinter uns gelassen hatten, fanden wir uns auf einer großen Wiese wieder, die in allen Farben des Regenbogens erstrahlte.
Das Kätzchen hüpfte in ihrer großen Katzengestalt im Zick Zack Muster voran und blieb dann in der Mitte des Feldes stehen. Mit einer eleganten Drehung um ihre eigene Achse, die sie in ihrer menschlichen Form vorführte und einer sanften Druckwelle, scheuchte sie nicht nur die unzähligen bunten Schmetterlinge auf, sie sorgte auch dafür, das uns ein wahrer Sturm aus Blütenblättern um die Ohren zog.
„ Wow!“ blickten sich Serah und Cheria gleichermaßen begeistert um, ganz im Gegenteil zu mir.
„ Thihihihi! Du hast da was.“ sah mich die Göttin dann lachend an und zog mir im nächsten Moment ein Blütenblatt aus den Haaren.
Doch damit nicht genug, da sich plötzlich ein kleiner Schmetterling auf meine Nase setzte, den ich verblüfft an schielte. Gerade als ich ihn vorsichtig ergreifen wollte, erhob er sich wieder in die Lüfte und flog mit dem Wind davon.
„ Die Tiere dieser Welt scheinen dich zu mögen.“ lächelte mich die Göttin warm an. „ Das zeugt von deiner reinen Seele.“
„ Ich verkörpere ja auch das Licht.“
„ Nicht nur das. Ich bin überzeugt davon, dass du eine liebenswürdige Persönlichkeit bist, die mit ihrem Lächeln selbst die Sonne erblassen lässt.“
„ Du irrst dich.“
„ Nein, tu ich nicht. Ich weiß das mehr in dir steckt, als du für möglich hältst. Du wirst schon sehen.“ schliff sie mich weiter hinter sich her. „ Das Leben bietet so viel mehr, wenn man nicht mit verschlossenem Herzen sein Dasein fristet.“
Diese junge Dame hatte ein außergewöhnliches reines Licht, was selbst mich für einen Augenblick faszinierte. Vielleicht saß ich ja im falschen Körper...?

Kurze Zeit später erblickten wir dann den Tempel von Sant Nyan, der im Schein der Sonne geheimnisvoll vor sich hin glitzerte. Neben ihm erstreckten sich einige Häuser und eine dicke Mauer umrandete das Ganze.
„ Warum bewachen die Priester eigentlich die Brücke?“ wollte die Göttin dann von Cheria wissen.
„ Weil wir mit dem Tempel auf dem anderen Kontinent konkurrieren. Die Priester dort sind zur Hälfte Hochstapler, die den Hilfebedürftigen bloß das Geld aus der Tasche ziehen. Diese Nichtsnutze haben schon ein paar Mal versucht, unsere Gemeinschaft zu stürzen. Deshalb befindet sich an der Brücke ein Wachposten, der gleich Alarm schlägt, sollte man uns erneut überfallen wollen. Außerdem achten sie darauf, dass unsere Tränke und Salben nicht auf die andere Seite gelangen. Deshalb lassen sie niemanden durch, der nicht zuvor von unserem Abt überprüft wurde.“
„ Ah, ich verstehe.“ nickte sie die Sache ab. „ Und wie ist euer Oberhaupt so?“
„ Eigentlich ist er ein gutmütiger Mensch, der sein bestes gibt, um die Menschen zu unterstützen. Er wird von allen geliebt und geachtet und von seinen Feinden gefürchtet. Ich weiß also nicht, wie er auf mich reagieren wird. Schließlich bin ich eine Abtrünnige und somit sein Feind.“
„ So ein Blödsinn.“ schüttelte Serah verständnislos ihren Kopf. „ Du tust weitaus mehr für die Menschheit, als alle Priester deines Tempels zusammen. Sie können doch gar nicht so engstirnig sein, dass sie das nicht sehen können.“
„ Doch, das sind sie aber. Sich gegen die Dämonen aufzulehnen gleicht für die einem Kampf gegen Windmühlen. In ihren Augen helfe ich den anderen mehr, wenn ich meine Fähigkeiten dafür einsetze, die Wunden der Leidenden zu heilen. Das Kämpfen, so meinen die, soll ich denen überlassen, die es können.“
„ Die sind sogar noch engstirniger als ich dachte.“
„ Sie glauben nach Gottes Willen zu handeln. Sie haben die seltene Gabe des Heilens geschenkt bekommen, um das Leid der Bevölkerung zu mindern und nicht um sich in vermeidbare Gefahren zu stürzen.“
„ Ach? Wenn jeder so denken würde, dann wäre die Welt längst untergegangen.“
Kurz bevor wir die Tore erreichten, blieben wir stehen und warteten auf den Rest unserer Gruppe.
Die Wachen hatten uns längst entdeckt und Cheria erkannt. Einer von ihnen verschwand hinter der schweren Holztür, um dem Vorsteher des Klosters Bericht zu erstatten.
„ Man seid ihr langsam.“ begrüßte Chiara die Männer breit grinsend. „ Da sind ja sogar lahme Schnecken noch schneller als ihr.“
„ Das halte ich für ein Gerücht.“ konterte Lyrias.
„ Ich bin mal gespannt, ob wir überhaupt rein gelassen werden.“ seufzte Cheria.
„ Inzwischen haben sich die Wogen bestimmt geglättet und sie verstehen warum du gehen musstest.“ versuchte Serah ihre Freundin aufzumuntern.
„ Ich hoffe es.“
„ Warum gehen wir nicht einfach und schauen was passiert?“ schlug das Kätzchen vor.
„ In Ordnung.“ aber wohl war ihr dabei nicht.
Gemeinsam schlenderten wir also zu den Wachen hin, der zweite war zwischenzeitlich auch wieder da.
„ Halt!“ versperrte der eine den Weg. „ Abtrünnige haben hier nichts verloren! Seht zu das ihr verschwindet!“
„ Nein, schon ok.“ mischte sich der andere ein. „ Sie dürfen passieren, dass ist ein Befehl von ganz oben.“
„ Wirklich? Warum das?“
„ Er wird schon seine Gründe haben.“
„ Nun gut, ihr habt es gehört. Aber wehe ihr macht Ärger, dann schmeiße ich euch eigenhändig wieder raus.“ öffnete er die Tore, die in die Stadt führte.
„ Mhm... das war beinahe zu einfach.“ gruselte sich Cheria. „ Vielleicht sollte ich einfach hier draußen warten.“
„ Wir sind doch bei dir. Wir lassen dich nicht allein zurück.“ griff die Göttin nach ihrer Hand.
„ Von mir aus kann sie gern hier bleiben.“ murrte Asariah. „ Dann hätten wir ein Problem weniger.“
„ So ein Unsinn! Wir brauchen sie, um die Portale schließen zu können.“ knurrte die blonde junge Dame.
„ Das kann sie doch gar nicht! Jedenfalls nicht ohne Hilfe.“
„ Sie kann das! Natürlich kann sie das! Schließlich hat sie mir gestern erst gezeigt, dass sie durchaus mit dem Bogen umgehen kann.“
„ Wirklich? Das ist mir neu.“
Letztendlich passierten wir das Tor und das zusammen. Serah und Chiara sahen sich auch gleich begeistert um und entdeckten dabei ein paar Statuen, die im riesigen und prachtvollen Garten des Tempels standen.
„ Das ist Granas!!“ quiekte die Göttin und eilte gleich zu dem besagten Abbild hin. „ Und das hier ist Kronos!!“ um dann von Gebilde zu Gebilde zu stürmen. „ Und Mama ist auch hier!“
Dieses steinerne Objekt befand sich etwa in der Mitte des Gartens, umringt von wunderschönen Rosenbüschen. Sie saß auf einem weißen Brunnen aus Stein und ließ sich das Wasser durch die Hände rinnen.
„ Wow, das sieht fantastisch aus.“ strahlte sie. „ Ich wusste gar nicht, dass wir Götter selbst hier, in diesem weit entfernten Universum, angebetet werden.“
„ Natürlich! Welche Götter sollten wir denn sonst anbeten?“ hakte Lyrias nach. „ Hier in diesem Reich ist Risa diejenige, die von allem am höchsten angesehen ist. Von ihr sollen die heilenden Fähigkeiten verliehen werden.“
„ Schon möglich. Mum ist sozusagen eine Heilerin durch und durch.“ kicherte sie.
„ Risa ist deine Mutter?“ staunte der Herr nicht schlecht.
„ Ja!“ nickte sie voller Stolz eifrig vor sich hin. „ Meine und auch Asariah's Mutter. Ist sie nicht unglaublich? So wunderschön und voller Energie.“
„ Und wie. Ich hatte mir zwar schon gedacht, dass du kein Engel bist, aber das niemand anderes als Risa deine Mutter ist, erstaunt mich schon.“
„ Irgendwann stelle ich sie dir vor!“ lächelte sie. „ Sie wird die Menschen, die uns begleiten, bestimmt kennen lernen wollen.“
„ Es wäre mir eine Ehre.“
Asariah hatte die Statue der Göttin auch entdeckt, aber er betrachtete sie weniger euphorisch. Stattdessen machte sich ein mulmiges Gefühl in ihm breit. Ihm war klar, dass sie niemals zulassen würde, dass er sein Leben einfach wegwarf. Er wusste ebenso, dass Chaos dieses Geschöpf abgrundtief hasste. Sollte er also irgendwann aktiv werden, ohne dass sein Wirt das mitbekam, dann würden sich Risa und Chaos erneut gegenüberstehen, dessen war er sich sicher. Genauso wie die Tatsache, dass sie ihr Leben für seines hergeben würde. Ein Grund mehr, warum er diesen körperlosen Drecksack los werden musste, ehe er auf die Göttin treffen konnte.
„ Wie ist es eigentlich, eine Göttin zu sein?“ wollte Lyrias von ihr wissen.
„ Wie ist es denn, ein Mensch zu sein? Ich schätze da unterscheiden wir uns vom Empfinden nicht so sehr.“ gab sie ihm dies als Antwort.
„ Da könntest du Recht mit haben.“ nickte er.
„ Sasha!! Komm her!“ winkte sie mir aufgeregt zu. „ Erkennst du sie?“
„ Sicher.“ lehnte ich meinen Kopf leicht zur Seite. „ Sie ist die Göttin, die ich damals als Gefäß benutzte, um Chaos aufhalten zu können. Sie trägt Lastalia's unsterblich machendes Blut in sich und verfügt zudem noch über das Leben. Warum fragst du?“
„ Weil wir es dir zu verdanken haben, dass man überhaupt irgendwelche Statuen von ihr aufstellen konnte. Nur durch dein schnelles Handeln konnten wir den Kampf gewinnen und nur durch dich, kann ich jetzt mit dir reden. Wärst du nicht gewesen, dann wäre unser Universum untergegangen.“
„ Ich habe diesem Ladthaaner schon gesagt, dass ich das bloß gemacht habe, um Chaos zu vernichten und nicht um euch zu helfen. Ich kam dazu, weil Lastalia um Hilfe rief, andernfalls hätte ich Chaos niemals so schnell gefunden. Mit euch, eurer Zivilisation oder den sterbenden Planeten hatte das rein gar nichts zu tun. Ich war sogar bereit dazu, das Leben dieser Frau zu opfern, was ich auch getan hätte, wenn mich dieser Typ nicht aufgehalten hätte. Du siehst also, dass du mir nicht danken solltest.“
„ Und doch kann ich jetzt nur hier stehen, weil du Lastalia beschützen wolltest. Und mit ihm auch sein Lebenswerk, nämlich uns. Schließlich verkörpern wir das, was er mit dir aufbauen wollte.“
„ Woher weißt du das?“ sah ich sie irritiert an.
„ Ich kann seine Stimme hören, wenn ich mich auf Kythos oder Ladthaa befinde. Ich vernehme die Stimme der Planeten, die vom Wind über das Land getragen werden.“
„ Du kannst ihn hören?!?“ fiel mir beinahe alles aus dem Gesicht.
„ Ja und weißt du was? Er macht sich tierische Sorgen um dich. Er bereut es, dass er dich in dieser Dunkelheit zurückließ und dass er dir dann auch noch die Bürde auferlegte, den letzten eurer Art auslöschen zu müssen. Du musst ihm sehr wichtig gewesen sein, Aliah.“
„ Kennst du daher meinen wahren Namen?“
„ Die Schönheit des Lichts, das ist die Bedeutung des Namens, den er dir verlieh. Also ja, er sagte mir, wie du heißt.“
Irgendetwas komisches machte sich in meinem inneren breit, ich spürte wie mein Herz schneller zu schlagen begann, während sich ein bedrückendes Gefühl in mir ausbreitete. Verstand man das unter Trauer? Oder sehnte ich mich nach ihm? Ich wusste es nicht.
„ Das tut nichts mehr zur Sache. Er ist weg... und das für immer.“
„ Genaugenommen hat er seine Seele bloß gesplittet. Lastalia lebt noch immer, nämlich als gute Seele der Welten, die er erschaffen hatte.“ widersprach sie mir. „ Er ist also nicht weg. Nur weil du ihn nicht mehr sehen kannst, bedeutet das nicht, dass er nicht mehr existiert. Er lebt, nur nicht mehr als der, den du kanntest.“
„ Aber wie kann man jemanden als lebendig bezeichnen, wenn man ihn weder sehen noch mit ihm sprechen kann? Was zeichnet einen Lebenden denn aus? Wenn nicht das?“
„ Wenn du Muttererde Einlass in dein Herz gewährst, dann kannst du ihn auch hören. Er wacht über dich, Sasha und daran wird sich niemals etwas ändern.“
„ Er soll über mich wachen? Wie denn, wenn er im Erdkern schläft?“
„ Wie mächtig er wirklich ist, müsstest du eigentlich am besten wissen.“ sah sie mich lächelnd an. „ Ich weiß, dass es nicht einfach ist plötzlich in einer fremden Welt und noch dazu in einem fremden Körper aufzuwachen. Aber ich weiß ebenso, dass du durchaus dazu fähig bist zu lachen. Du hast das Potential, was Lastalia in dir sah, wirklich. Du bist anders als Chaos und genau das macht dich zu etwas ganz besonderem.“
Tatsächlich bewirkten ihre Worte das sich ein Lächeln auf meine Lippen schleichen wollte. Aber diesem süßen Drang zerschlug ich schon, ehe er mich überhaupt richtig erreichen konnte. Stattdessen drehte ich mich von ihr ab und sah zum Tempel hin. Dabei entdeckte ich etwas, was die nächste Lawine auslöste.
„ Cheria wird übrigens gerade von zwei Männern verschleppt.“ deutete ich auf den Trubel hin.
„ Was?“ riefen Lyrias, Serah und Aries im Chor, die auch gleich zu den Toren des Gebäudes hin rasten, in das die Priesterin gezerrt wurde.
„ Ihr kommt hier nicht rein!“ versperrten zwei Wachen den Weg.
„ Spinnt ihr? Geht mir sofort aus dem Weg, ehe ich mich vergesse!“ zischte Lyrias die Herren an. „ Und wo wir schon mal dabei sind, könnt ihr Cheria auch gleich wieder heraus rücken!“
„ Nein! Cheria bleibt bis auf weiteres in Arrest!“ erklärte der eine. „ Sie ist von einem Dämon besessen, der ihre Gedanken und ihren Willen kontrolliert. Wir werden dafür sorgen, dass er den Einfluss über sie verliert.“
„ Ich glaube jetzt hackt es!!“ brüllte ihr Beschützer auf. „ Das ist völlig absurd, dass Cheria von einem Dämonen besessen sein soll! Das ist nur eine eurer miesen Ausreden, damit ihr sie dazu zwingen könnt, in diesem Kaff bleiben zu müssen! Habt ihr es denn immer noch nicht verstanden?? WIR ziehen los, um die DÄMONEN zu vernichten und ihre Tore zu schließen!! Wenn wir nichts unternehmen, dann wird sich Elysia in einen Haufen lebloser Erde verwandeln! Warum geht das nicht in euer Erbsenhirn rein??“
„ Hütte deine Zunge, du Wicht! Ansonsten werden wir euch hochkant aus Sant Nyan hinaus werfen! Verzieht euch! Wir werden uns schon um Cheria kümmern.“
„ EIN SCHEIß DRECK WERDET IHR MACHEN!!!“ zückte Lyrias seine Waffe. Nämlich ein Schwert, die Pistolen konnten den Menschen ja nicht gefährlich werden. „ Und nun geht mir aus den Weg!!“
„ Nicht!“ ging Serah dazwischen. „ Lass mich das regeln.“ wendete sie sich den Männern zu. „ Wer gibt euch das Recht, Cheria gegen ihren Willen hier einzusperren?“
„ Es ist Gottes Wille, dass wir Menschen mit heilenden Fähigkeiten in den Kreis der Priester eintreten.“
„ Das kann ja durchaus sein, aber das erklärt noch immer nicht, wer euch das Recht gibt, Cheria hier einzusperren!!“
„ Es ist Gottes...“
„ DAS habe ich verstanden!“ keifte die Göttin. „ Aber es kann nicht Gottes Wille sein, dass ihr Cheria gegen ihren Willen hier fest haltet! Also sagt mir endlich WER euch das Recht dazu gebt!“
„ Das war ich, mein Kind.“ kam ein älterer Mann aus dem Gebäude heraus geschlendert, der von dem Tumult angelockt wurde. „ Ich bin das Oberhaupt dieses Tempels, mein Name ist Keshu.“
„ Gott sei dank, bin ich nicht dein Kind!!“ maulte die sonst so ruhige Serah.
„ Hüte deine Zunge, du vorlautes Gör!“ falteten die Wachen die Dame zusammen. „ Hochwürdigster Vater.“ verbeugten sie sich vor ihm.
„ Nun erkläre mir, warum glaubt ihr, Cheria hier festhalten zu müssen?? Erst verbannt ihr sie aus ihrer Heimat und dann wollt ihr ihr zu allem Überfluss auch noch den eigenen Willen brechen? Und euch fällt nichts besseres dazu ein, als es eine Dämonen Austreibung zu nennen?“
„ Sie ist eindeutig von einem niederen Dämon besessen, der sie daran hindert ihre Bestimmung in diesem Tempel erfüllen zu können.“
„ So ein Unsinn! Nur weil sie über heilende Fähigkeiten verfügt, heißt das noch lange nicht, dass sie in diesem Tempel gefangen gehalten werden muss! Jeder Mensch verfügt über einen freien Willen und kann tun und lassen was er will! Wie kommt ihr dazu, ihnen diese Freiheit zu rauben??“
„ Besondere Menschen, die von Gott gesegnet wurden, müssen auch nach seinen Regeln leben, mein Kind.“
„ ICH BIN IMMER NOCH NICHT DEIN KIND!!“ fauchte sie ihn an. „ Was ihr als Gottes Regeln bezeichnet, ist nichts weiter als eine Mauer, hinter der ihr euch verbergt! Kein Gott würde jemals von euch verlangen, dass ihr euer Leben vergeudet!“
„ Was weißt du denn schon über Gottes Willen? Der Allmächtige persönlich hat zu mir gesprochen und mir befohlen, dieses Kloster zu errichten, damit wir Priester den Menschen in diesen heiligen Gemäuern helfen können!“ breitete er seine Arme aus und betrachtete das Schloss voller Stolz.
„ Ich weiß zwar nicht wer zu dir gesprochen hat, aber ein Gott war es definitiv nicht! Vielleicht hast du zu tief ins Glas geschaut und eine sprechende Gurke hat dir das befohlen!“
„ Reiß dich am Riemen, du Miststück. Niemand redet so mit unserem heiligen Vater!“
„ An diesem Kerl ist nicht mal der kleine Finger heilig!“
„ Und ihr Pappnasen passt jetzt mal auf, wie ihr mit dieser Lady redet, verstanden?“ mischte sich Aries ein.
„ Wie kannst du die Gottheiten nur so durch den Dreck ziehen??“ ballte Serah ihre Hände zu Fäusten. „ Glaubt ihr wirklich, es würde auch nur einen von ihnen glücklich machen, wenn er mitansehen müsste, wie ihr euer Dasein in diesen dunklen Gemäuern fristet? Das ihr jeden verurteilt und verbannt, der einen anderen Sinn in seinem Leben sieht als ihr? Meint ihr denn wirklich, dass es DAS ist, was euer Gott will?? Dann nennt mir SEINEN Namen, damit ich ihn besuchen und ihm einen deftigen Tritt in seinen Arsch verpassen kann!!“
„ Unsere Gottheit, dessen Namen in voller Ehrfurcht ausgesprochen wird, heißt Risa!“
„ Jetzt platzt mir aber gleich der Kragen!!“ kniff sie wütend die Augen zusammen. „ Risa ist nicht das Monster, was ihr aus ihr macht! Sie würde niemals von euch verlangen, dass ihr das Leben, was sie euch schenkte, dazu verwendet, um euch selbst in Ketten zu legen! Sie hält sogar euch Flachpfeifen für etwas besonders! Und ihr zieht sie so durch den Dreck, ich FASS ES NICHT!!!“
„ Wir leben nach ihrem Willen.“
„ NEIN, das tut ihr eben nicht!! Ihr zieht ihren guten Ruf durch den Dreck, ihr macht aus uns Göttern Monster! Ihr... ihr...“ bekam sie sich kaum mehr ein. „ Ihr erbärmlichen WICHTE!!“
„ Genug! Das muss sich unser Vater nicht länger anhören.“ keifte eine Wache zurück. „ Hochwürdigster Herr, dieses Gör ist eurer nicht wert. Bitte geht wieder in den Tempel.“
„ Einen Moment noch.“ nickte er den Kerlen zu. „ Ich würde gern erfahren, warum sich mein verirrtes Schäfchen für einen Gott hält. Vielleicht ist sie ja auch besessen.“
„ Wenn hier wer besessen ist, dann seid ihr das jawohl!!“ konterte Serah. „ Ich halte mich nicht nur für eine Göttin, ich BIN eine!!“ nahm sie ihre wahre Gestalt an und breitete zudem noch ihre prachtvollen Flügel aus. „ Und nun sagt mir, sehe ich aus wie ein Monster???“
„ Deshalb besitzt du also diese reine, helle Aura. Du bist der Engel, der Schloss Edana schützt und Cheria erst auf diese blödsinnige Idee brachte, die Portale der Dämonen schließen zu müssen. Sie ist also nicht von einem Dämon besessen, sondern von dir, himmlisches Wesen. Du bist der schlechte Einfluss, der sie so törichte Dinge machen lässt. Als wenn sie wirklich etwas gegen die Ausgeburten der Hölle unternehmen könnte. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen, nicht mehr aber auch nicht weniger. Ihr könnt nicht gewinnen, nicht mal mit dir an ihrer Seite. Letztendlich bist auch du nur ein niederes Wesen.“
„ Wohow!“ klatschte Aries die beiden Zinnsoldaten beiseite und ging dann auf den Abt zu. „ Niemand betitelt Serah als niederes Wesen, auch du nicht! Du weißt rein gar nichts über die Götter, du erkennst ja nicht mal einen, wenn er direkt vor deiner Nase steht. Und nun sei ein braver Mensch und lass Cheria gehen!“ gab er mit einer bedrohlich wirkenden ruhigen Stimme von sich.
„ Und wer bist du, dass du mir Befehle erteilen darfst?“
„ Nun, vielleicht bin ich ja einer der Teufel, vor denen ihr euch so sehr fürchtet.“
„ Unser Herr und Gebieter wird uns vor der Dunkelheit beschützen.“ zeigte er nicht mal den kleinsten Anflug von Angst.
„ Selbst dann noch, wenn du ihre eigene Tochter beleidigst?“ trat er noch einen Schritt näher. „ Glaubst du das wirklich?“
„ Ihre eigene Tochter? Mach dich nicht lächerlich, mein Sohn!“
„ Lass es gut sein, Aries. Wenn er uns schon keinen Glauben schenken kann, vielleicht glaubt er wenigstens der Göttin, die sie so sehr verehren!“
Serah streckte ihre Hand aus und ließ eine kleine weiße Harfe erscheinen, die mit hübschen goldenen Verzierungen versehen war. Dieses Musikinstrument bekam sie vor einiger Zeit von ihrer Mutter geschenkt. Damals besuchte die junge Göttin ständig fremde Weiten, um ihren Horizont zu erweitern. Wenn sie sich auf ihren Reisen jemals in Gefahr befinden sollte, dann brauchte sie bloß die Harfe zu spielen und sie würde gerettet werden. Genau auf diesen positiven Effekt griff sie nun zurück.
Die Dame spielte eine wunderschöne Melodie auf ihrem Instrument, was gleich vom Wind erfasst und bis nach Illumina getragen wurde. Sie spielte die Ballade des Lebens, jenes Lied, was Risa gewidmet wurde und was dazu in der Lage war, die Göttin zu sich her zu rufen.
Ein sanfter Wind zog auf, er umschmeichelte ihre Körper und forderte die Kleidung auf, mit ihm im Takt der Musik zu tanzen. Kurz darauf erstand ein Sturm aus Federn vor der Harfenspielerin, die wild durcheinander immer im Kreis herum tänzelten und dann, zum krönenden Abschluss, erschien die angebetete Gottheit in Fleisch und Blut vor ihnen. Aber nicht nur sie tauchte auf, auch Elara und Charon ließen ihren Schützling niemals aus den Augen.
„ Ist das denn die Möglichkeit??“ traute Keshu seinen alten Augen kaum. „ Ihr seid es wirklich... eure Heiligkeit!“ warf er sich gleich vor ihr in den Dreck.
„ Was ist hier los, Serah? Warum hast du mich gerufen?“ drehte sie sich zu ihrer Tochter um. „ Ist alles in Ordnung?“
„ Nein! Nichts ist in Ordnung!! Diese Leute haben Cheria entführt und nun weigern sie sich, sie wieder gehen zu lassen! Sie meinen, sie würden in deinem Auftrag handeln! Sie machen aus dir ein Monster!!“
„ Ein Monster? So hat mich wirklich schon lange keiner mehr bezeichnet.“ schmunzelte sie.
„ CHIARA!!“ riefen die beiden Wächter im Chor und stürzten sich auch gleichzeitig auf ihr einziges Kind. „ Wie kannst du es wagen, ohne ein Wort einfach zu verschwinden??“
„ Uah!! Es tut mir leid!! Es tut mir leid!!“
„ Würdest du mir bitte erklären, warum ihr die Freundin meiner Tochter gefangen haltet?“ sah sie den Abt fragend an.
„ S-Sie ist wirklich eure T-Tochter??“ glaubte er sich verhört zu haben. „ D-Das wusste ich nicht!“ drückte er seinen Oberkörper in den Staub. „ Bitte verzeiht mir meinen Frevel!“
„ Schon gut. Steht wieder auf.“
„ O-ok!“ erhob er sich wieder.
„ Ihr seht doch jetzt ein, dass ihr das Mädchen nicht länger gefangen halten könnt, richtig?“ verschränkte sie die Arme vor der Brust. „ Cheria hat eine wichtige Mission zu erfüllen, die keine weiteren Unterbrechungen zulässt. Sie unterstützt die Gruppe nicht nur dabei, die Tore zu den Dämonenwelten zu schließen, nein, sie ist auch noch eine der seltenen und unglaublich wertvollen Seelensammler. Wenn ihr nicht wollt…“ deutete sie mit einem freundlichen Lächeln auf ihre Götterkatzen hin. „ … das euch meine geliebten Wächter zum Frühstück verspeisen, dann holst du sie augenblicklich hier her!“
„ A-Aber Cheria ist von einem Dämon besessen…“ starrte er sie mit großen Augen an.
„ Komisch…“ sah sich Risa um. „ Ich kann hier keine dämonischen Schwingungen feststellen. Also kann sie folglich auch nicht besessen sein, nicht wahr?“
„ Oh… das äh…“
„ Ich wiederhole mich wirklich nur sehr ungern.“
„ DAS braucht ihr auch nicht!!“ kreischte Keshu erschrocken auf. „ Ich werde Cheria sofort holen lassen!!“
„ Geht doch.“ nickte sie die Sache zufrieden ab. „ Und wie geht es dir, mein Schatz?“ wendete sie sich Serah zu. „ Du weißt schon, dass dein Vater gerade am durchdrehen ist, ja?“ zog sie belustigt eine Augenbraue hoch.
„ Mir geht es gut, Mum. Ihr braucht euch keine Sorgen zu machen. Aber woher weißt du eigentlich so viel über Cheria.“
„ Misaki hat mir das erzählt.“ meinte die Göttin. „ Wo ist Asariah?“
„ Öh?“ blickte sie sich suchend um. „ Also bis eben stand der noch dahinten.“
„ Wie es aussieht, meidet er meine Gegenwart.“ seufzte Risa verhalten auf.
„ Vater Keshu!! Vater Keshu!!“ kam ein junges Paar aus dem Tempel gestürmt. „ Kommt schnell mit, Milly, es geht ihr schon wieder schlechter!! Oh bitte, Ihr müsst sie retten!!“ fing die Dame bitterlich an zu weinen.
>Gehört zu ihr die Lebenslinie, die zum reißen gespannt ist?< fragte sich die Göttin des Leben.
„ Eure Heiligkeit, bitte kommt mit mir und rettet das Leben dieses unschuldigen Kindes.“ verbeugte sich der Abt vor ihr.
„ Ach? Jetzt wollt ihr plötzlich ihre Hilfe in Anspruch nehmen, aber wenn sie wieder weg ist, dann macht ihr aus ihr wieder das Monster, was euch dazu nötigt in dieser Bruchbude eingesperrt sein zu müssen!!“ keifte Serah.
„ Schon ok, Serah.“ lächelte sie ihre Tochter warm an. „ Selbst wenn sie das aus mir machen würden, kann das kleine Mädchen da am wenigstens für.“
„ Du hast ja Recht.“ murmelte sie.
„ Also, bringt mich zu ihr!“
„ Folgt mir bitte.“
In dieser Welt gab es unzählige Leben, die alle am seidenen Faden hingen. Risa konnte sie alle spüren und gerade das grausame Schicksal der Kinder ging ihr besonders nah.
Wenn es in ihrer Macht liegen würde, dann würde sie jede einzelne dieser Seelen retten. Aber sie verlor schon einmal ihre Unsterblichkeit, weil sie die Seelen von frühzeitig verstorbenen auffing und Hades so daran hinderte, die Verstorbenen als seine Sklaven missbrauchen zu können. Damals riss sie ihre Wächter mit in den Tod, aber wie durch ein Wunder gelang es ihren Freunden, ihre Seele zu retten und so bekam sie eine zweite Chance geschenkt. Dieses Geschenk des Schicksals wollte sie nicht einfach wieder weg werfen, aber manchmal gab es Dinge, die man einfach tun musste…
Gerade stand die Göttin mit dem Abt und dem Paar vor einem Bett, in dem ein kleines Mädchen lag. Sie war höchstens fünf Jahre alt und doch musste sie in diesen jungen Jahren schon mehr Schmerzen aushalten, als manch Erwachsener.
„ Bitte rettet unser Kind! Sie ist doch das wichtigste in unserem Leben.“ weinte die Mutter.
„ Mhm…“
Das blonde Wesen lehnte seine Hand über das Kind und ließ ihre Lebenskerze erscheinen, dieser Gegenstand zeigte ihr, wie lange das Leben noch existierte. Leider Gottes, war ihre Kerze beinahe völlig abgebrannt.
„ Nein, bitte nicht! Bitte nicht!“ brach die Frau beim Anblick der Kerze zusammen. „ Mein Baby… mein geliebtes Baby! Wie konnte das nur geschehen? Warum? Warum ausgerechnet wir??“
„ Die Lebensdauer der Menschen ist begrenzt.“ vernahm sie plötzlich eine männliche Stimme, die sich hinter ihr befand. „ Sie werden geboren, um eines Tages wieder zu sterben, immer und immer wieder. In meinen Augen ist das nichts anderes, als ein Teufelskreis. Ihr Leid wird niemals vergehen, weil sie dazu gezwungen werden, es in jedem neuen Leben wieder durchstehen zu müssen!“
„ Du irrst dich, Asariah!“ drehte sie sich zu ihm um. „ Du wirst nicht eine Seele finden, die ihr Dasein bereut. Die Menschen wollen nicht für immer verschwinden, sie wollen Leben! Ganz gleich was sie dort erwartet. Sie haben die Kraft alle Katastrophen überstehen zu können.“
„ Mit wem redet sie da??“ sahen sich die Sterblichen erschrocken um. „ I-Ist der Tod etwa schon hier?“ klammerte sie sich schluchzend an ihr einziges Kind. „ Er darf sie nicht mitnehmen! Ich flehe euch an, lasst nicht zu, dass er sie uns entreißt!“
Asariah befand sich schon eine ganze Weile in diesem Zimmer und betrachtete schweigend das kleine Mädchen. Die Erdlinge konnten ihn nicht sehen, da er für sie unsichtbar war. So wie das mit dem Sensenmann nun mal so lief. Es waren mitunter diese Situationen die ihn dazu brachten, das zu hassen was er verkörperte.
Ganz gleich wie sehr er sich danach sehnte, das Leben des Mädchens zu retten, es lag nicht in seiner Macht. Ihre irdische Zeit lief ab, dem konnte er nicht entgegen wirken.
„ Bitte! Rettet Milly!“ flehte ihr Vater. „ Bring sie uns zurück...“
Schweigsam betrachtete die Göttin erst das kleine Mädel und dann ihre Lebenskerze.
Risa wusste, dass sie das Leben nicht retten durfte. Genaugenommen waren auch ihr die Hände gebunden, sie verfügte zwar über das Leben, betreute die Seelen im Paradies und schenkte ihnen eine Wiedergeburt. Aber wessen Zeit abgelaufen war, war nun mal abgelaufen. Verlängerte sie die Lebensdauer des Wesens, brach sie eines ihrer Gesetze.
Aber Risa wäre nicht Risa, wenn sie einfach dabei zusehen würde, wie das Kind den qualvollen Kampf verlor. Die Menschen hier mussten schon genug Leid ertragen, wenn sie da wenigstens ein Stern zum Leuchten bringen konnte, dann weiß Gott, würde sie das auch tun! Sie bereute es nicht, die Seelen damals gerettet zu haben, nur so konnte sie die wiedersehen, die sie liebte. Nur so war ihre Familie wieder komplett und auch nur so, konnte Chiara Serah überhaupt zur Seite stehen. Hätte sie die Seelen nicht gerettet, dann wäre Charon nicht mehr da, dann hätte sie Illumina nicht erschaffen und Chaos damals nicht besiegen können. Eine einzelne Seele zu retten, konnte ihr nichts anhaben. Ihre Unsterblichkeit verlor sie dadurch nicht, deshalb tat sie, was sie tun musste!
„ Hört mich an, Diener des Lebens!“ schloss sie die Augen und faltete die Hände so vor der Brust, als würde sie beten wollen. „ Tretet aus dem Schatten heraus und folgt dem Weg ins Licht, lasst euch von meiner Stimme leiten und kommt her zu mir.“
Plötzlich kam ein leichter Wind auf, der sich um die Dame herum sammelte. Die Schränke begannen zu klappern, alles leichte und unbefestigte flog den Insassen um die Ohren. Die Menschen und Asariah starrten das göttliche Wesen völlig erstaunt an. Ein Hoffnungsschimmer machte sich in den Augen der Eltern breit, während ein wahrer Wirbelsturm unter den Füßen der Göttin entstand. Dieser wurde mit jeder Sekunde immer stärker, so als wartete er darauf, von der Leine gelassen zu werden. Immer mehr Gegenstände wurden von ihr angezogen, letztendlich war er sogar so reißend, dass sich die Sterblichen erschrocken am Mobiliar festklammerten.
Der Sog zerrte an ihren Flügeln, während er mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit um sie herum schnellte und immer heftiger zu wüten begann.
„ Erscheine!“ riss Risa ihre Augen auf und breitete zudem noch die Flügel aus.
Der wirbelnde Sturm raste an ihrem Körper empor und riss eine ihrer Federn mit sich in die Luft. Er durchbrach die Decke des Tempels, aber ohne ihn zu beschädigen und riss schließlich die Wolkendecke auf. Ein kleiner Teil des Himmels brach auseinander und eine bunte Energiesäule stürzte auf das Gebäude herab. Die Bewohner von Sant Nyan starrten die Säule verblüfft und mit offenem Mund an. Sie wussten, dass das ein Zeichen Gottes sein musste. Als ihre Feder die aufgebrochene Stelle im Himmel erreichte, verschwand der stürmische Wind mit einem Mal und die kleine Feder glitt sanft zurück zum Boden.
Erst als sie wieder in Reichweite war, vernahmen wir alle leises Gekicher und schon im nächsten Moment blickten Miniatur Engelchen auf uns herab. Ich konnte nicht anders, als die Wesen erstaunt anzusehen, während sie durch die Stadt rasten und das Volk durch ihre Niedlichkeit und ihrem fröhlichen Lachen aufmunterten. Auch zu mir kam ein kleiner Engel geflogen. Sie war kaum größer als meine Hand. Die Kleine trug ein süßes weißes Gewand, hatte lange blonde Haare und niedliche riesig große Kulleraugen.
Dieses Wesen ließ sich auf meiner Hand nieder und blinzelte mich mit ihrem zuckersüßen Lächeln und den roten Bäckchen glücklich an.
„ Aliah!“ flüsterte sie lachend, ehe sie sich wieder in die Lüfte erhob.
Gemeinsam mit dem anderen Engelchen und der Feder verschwanden sie im Inneren des Tempels, wo sie sich direkt zu der Göttin des Lebens begaben.
Die fast völlig abgebrannte Lebenskerze von Milly war noch immer zu sehen und die Crystalengel verstanden ihren Auftrag, ohne das Risa etwas sagen musste.
Der eine Mini Engel flog direkt zu dem Mädchen hin, um sich dort in eine Lichtkugel zu verwandeln, die dann in dem kleinen Körper verschwand. Der andere Engel kümmerte sich um das Zeichen des Lebens. Mit raus gestreckter Zunge zerknüllte sie die Feder, bis nur noch ein weißer Haufen von ihr übrig blieb. Dann schob sie kichernd ihre Ärmel hoch und stürzte sich mit einem niedlich klingenden Kampfschrei auf Milly's Kerze. Mit einer rasanten Geschwindigkeit raste sie um den Gegenstand herum und stieß dabei immer wieder diesen süßen Schrei aus. Die Anwesenden in dem Raum waren Mucksmäuschenstill, sie trauten sich kaum zu atmen und auch bei Milly setzte die Atmung aus. Ihr Körper leuchtete in einem goldenen Licht, was vom Schutz des Crystalengel stammte, der in das Kind hinein gefahren war.
Asariah spürte, wie die Lebenslinie des Mädchens immer weiter zunahm, bis sie schließlich die Maße annahm, die ein Kind in ihrem Alter haben müsste. Er war entsetzt, aber auch zutiefst erleichtert, weil Milly nun weiter leben würde.
Zu guter Letzt schickte Risa eine Druckwelle von sich, die den Docht, der soeben fertiggestellten Kerze, anzündete und zudem noch alle Wunden der Verletzten heilte, die sich mit im Tempel aufhielten. Mit den Engelchen verschwand auch die Lebenskerze und Milly öffnete nach so langer Zeit ihre Augen wieder. Sie war komplett geheilt und stand nun einem langen Leben gegenüber.
„ MILLY!!“ riefen ihre Eltern gleichzeitig und klammerten sich an ihrem einzigen Kind fest. „ Dem Himmel sei Dank, du lebst!! Du lebst!“
„ Vielen Dank!“ sah die Mutter zu der Göttin rüber. „ Dankeschön!“ mehr brachte sie nicht heraus, da ihr die Tränen noch immer in Strömen über die Wange liefen.
„ Schon ok.“ lächelte diese.
„ Spinnst du??“ trat Asariah an seine Mutter heran. „ Du weißt doch genau, dass du das nicht tun darfst!! Willst du dein Leben schon wieder einfach weg werfen?? Hast du sie noch alle?“ faltete er sie aufgebracht zusammen. „ Ich glaube nicht, dass dich Hades noch einmal einfach gehen lassen wird.“
„ Mach dir keine Sorgen, Asariah. Diese kleine Seele kann meiner Unsterblichkeit nichts anhaben.“
„ Du weißt so gut wie ich, dass es nicht bei dieser einen Seele bleiben wird! Diese ganze Welt besteht doch nur aus Lebenslinien, die bald abreißen werden, wenn du dieses Kind schon rettest, musst du die anderen da nicht auch retten?“
„ Manchmal muss man tun, was man für richtig hält und nicht was richtig ist.“ sah sie ihn kurz an, ehe sie aus dem Zimmer schlenderte.
„ Ich frage mich was Keith oder Misaki wohl dazu sagen werden?!?“ folgte er ihr.
„ Sie werden es verstehen.“
„ Du hast ihnen hoch und heilig versprochen, dass du dein Leben nicht noch einmal leichtfertig aufs Spiel setzen wirst!“
„ Das habe ich auch nicht getan. Ich sagte doch bereits, dass diese kleine Seele nichts ausrichten kann. An meiner Lebensdauer hat sich rein gar nichts verändert.“
„ Geh zurück nach Illumina, bevor du noch mehr kleine Seelen rettest!“
„ Deine Sorgen sind unberechtigt. Wenn sich jemand um das Leben eines anderen sorgen muss, dann sind wir das! Schließlich bist du derjenige, der sein Dasein einfach beenden will.“ blieb sie noch einmal stehen und drehte sich halb zu ihm um.
„ Hast du nicht selbst gesagt, dass man manchmal tun muss, was man für richtig hält und nicht was richtig ist?“
„ Sicher. Aber in deinem Falle gibt es noch einen anderen Weg. Du musst ihn nur finden.“
„ Risa??“ unterbrach Cheria die Beiden. „ Du bist es wirklich!“ eilte sie zu ihr hin. „ Bist du gekommen um mich zu retten?? Wow!! Ich stehe der Göttin des Lebens höchstpersönlich gegenüber.“ giggelte sie wie ein aufgebrachtes Huhn vor sich hin. „ Das ist so cool.“
„ Und du bist...?“ hakte sie lächelnd nach.
„ Ich bin deine ZUKÜNFTIGE SCHWIEGERTOCHTER!!!“ grölte sie.
„ Was?“ staunte die Göttin auch nicht schlecht.
Asariah allerdings, der von Cheria ja nicht gesehen werden konnte, verzog bloß genervt den Mund.
„ Ich bin deine zukünftige Schwiegertochter!“ wiederholte sie sich strahlend. „ Eines Tages werde ich Asariah heiraten!“
„ Ah ja. Ja, warum auch nicht.“ kratzte sie sich am Kopf. „ Ihr wärt bestimmt ein richtig süßes Paar.“
„ Nicht wahr??“ lachte sie leicht gerötet. „ Du gibst mir also dein Ok?“
„ Ich denke nicht, dass ich das tun muss. Es ist allein seine Entscheidung, wen er mit nach Hause bringt.“
„ Ich freue mich schon auf eure Welt.“ verstrahlte sie die Göttin nun erst recht, ehe sie davon eilte.
„ Ich wusste gar nicht, dass du eine neue Freundin hast.“ schielte Risa ihren Sohn seitlich an.
„ Das ist sie auch nicht! Nur über meine Leiche, wird sie zu meiner Freundin!“
„ Aha? Nun, bei mir uns Keith fing es auch so an.“
„ ...“ betrachtete er sie mit einem Blick, der jeden anderen gleich dazu gebracht hätte, schnell das Weite zu suchen. „ Ich bin aber nicht so wie du oder Keith!“
„ Du bist uns ähnlicher, als dir vielleicht lieb ist.“ meinte sie.

Kurz darauf verließ sie den Tempel und trat an ihre Tochter heran.
„ Pass auf dich auf, Schatz.“ drückte sie das Mädel seufzend an sich.
„ Das werde ich, Mum.“ nickte Serah. „ Mach dir keine Sorgen.“
„ Ja, passt trotzdem aufeinander auf, ok?“ lächelte sie leicht, ehe sie sich ihren Wächtern zuwendete. „ Elara? Charon? Wir sollten gehen, bevor jemanden mein Verschwinden auffällt.“
„ Dafür ist es ohnehin schon zu spät!“ grinste die Götterkatze breit auf. „ Inzwischen müsstest du doch wissen, dass du dich nicht einfach davon schleichen kannst, ohne das es jemanden auffällt.“
„ ...“ seufzte sie verhalten auf.
„ Die suchen bestimmt schon ganz Illumina nach dir ab.“ gab auch Charon seinen Senf dazu ab. „ Da bleibt nicht ein Stein mehr auf dem anderen.“ sah er die Göttin kurz an, ehe er sich wieder seiner Tochter zuwendete. „ Gebe auf dich acht, Chiara.“
„ Sicher.“ lächelte sie ihre Eltern an.
„ Wenn du wieder zuhause bist, reden wir über deine Bestrafung! Glaube ja nicht, dass die Sache damit gegessen ist!“ knurrte Elara.
„ Ist ja gut.“ ließ das Kätzchen ihre Ohren hängen.
„ Ok... dann lasst uns gehen.“ widerwillig drehte sie ihrem Kind den Rücken zu und ging zu Risa hin.
„ Du kannst jeder Zeit nach mir rufen, Serah. Vergiss das bitte nicht.“
„ Ich weiß, Mum!“ nickte sie. „ Sollten wir in Schwierigkeiten geraten, dann werde ich dich um Hilfe bitten, versprochen.“
„ Prima.“ mehr konnte sie in dieser Situation wohl nicht erwarten.
Auch wenn es ihr mehr als nur schwer fiel, Serah angesichts der Gefahren die sie umgaben, allein zurückzulassen, blieb ihr nichts anderes übrig, als genau das zu machen.
Die Göttin war kaum verschwunden, da kam Cheria aus dem Tempel gestürmt.
„ Wir haben die Erlaubnis!!“ wedelte sie aufgeregt mit dem Schriftstück herum. „ Nanu? Wo ist denn Risa?“
„ Cheria! Geht es dir gut?“ empfing Lyrias die Dame. „ Haben sie dir etwas angetan?“
„ Nein, nichts.“ lächelte sie ihn beruhigend an. „ Mir geht es gut, keine Sorge.“
„ Gott sei Dank.“ atmete er erleichtert aus.
„ Aber wo ist Risa?“
„ Sie ist schon wieder gegangen.“ erklärte er.
„ Oh, wie schade.“ verzog sie den Mund. „ Ich habe noch tausend Fragen, die ich ihr gern gestellt hätte.“
„ Was für Fragen?“ wollte Serah von der Dame wissen.
„ Wie Asariah als Baby war, zum Beispiel! Er war bestimmt das süßeste Baby, was die Welt jemals gesehen hat!“
„ Ultra wichtig.“ verdrehte Lyrias seine Augen und schlenderte zurück zu Aries hin.
„ Dann können wir die Brücke ja jetzt überqueren.“ bemerkte der Seelendieb.
„ Was ist mit deiner Familie, Cheria? Willst du ihr nicht hallo sagen?“ wollte die Göttin von ihr wissen. „ Du weißt, dass die Familie das Wichtigste ist, was man im Leben hat? Die sollten einen den Rücken stärken, wenn man den Halt verliert. Sie geben auf dich acht, wenn dich alle anderen links liegen lassen. Sie sind da, wenn alle anderen verschwunden sind. Das weißt du doch, oder?“
„ In deiner Welt ist das vielleicht so...“ starrte sie zur Seite. „ In meiner Welt aber, ist Lyrias der einzige, der noch zu mir hält.“ sah sie die Dame nun an. „ Selbst wenn mich meine Eltern und Freunde nun wieder mit offenen Armen empfangen, dann machen sie das nur, weil ich dich kenne und du die Tochter von Risa bist.“
„ Das ist wirklich traurig.“
„ Das ist die Bürde, die ein Priester auf Abwegen zu tragen hat.“ lächelte sie leicht. „ Aber mach dir keine Sorgen, ich habe diesen Weg selbst gewählt. Es ist alles ok.“
„ Und wohin willst du zurückkehren, wenn wir am Ziel unserer Reise angekommen sind?“
„ Keine Ahnung.“ streckte sie sich seufzend. „ Mal schauen wo mich der Wind hinträgt. Ich habe nicht vor, in mein altes Leben zurückzukehren. Also sind die Türe hier verschlossen. Allerdings öffnet eine verschlossene Tür ja zwei andere, nicht wahr?“ grinste die Priesterin schief auf. „ Ganz gleich wo ich auch enden werde, ich wollte es so! Es ist mein eigener Wunsch und nicht der eines anderen.“
„ Du bist wahnsinnig stark, Cheria. Ich weiß nicht, ob ich der Zukunft mit einem Lächeln entgegen treten könnte, wenn ich doch weiß, dass ich entwurzelt wurde.“ senkte Serah den Blick. „ Ich denke, dass sich so manch einer eine Scheibe von dir abschneiden könnte. Vielen fehlt es an Mut.“
„ Jaaa.. mir würde da auch gleich wer einfallen.“ kicherte Cheria. „ Apropos einfallen! Wo ist denn Asariah?“
„ Vielleicht ist er schon vorgegangen?“ vermutete Chiara. „ Vielleicht ist er aber auch getürmt.“
„ Nein, Asariah würde mich nicht einfach hier zurück lassen.“ widersprach Serah ihr. „ Vermutlich wollte er Mum aus dem Weg gehen und deshalb ist er verschwunden.“
„ Es wäre durchaus möglich, dass er ging, damit Chaos nicht durch sie geweckt wird.“ überlegte Aries. „ Immerhin war sie es, die ihn damals aufhielt und somit seine Pläne durchkreuzte. Außerdem trägt sie Lastalia's Blut in sich.“
„ Chaos wird das kaum jucken können.“ mischte ich mich nun ein. „ Er wird erst erwachen, wenn er sich vollständig regeneriert hat. Jede Unterbrechung stellt eine Gefahr für ihn dar, die ihm das Leben kosten könnte. Deshalb wird er sich in Geduld üben, so lange, bis er uns alle mit nur einem Schlag auslöschen kann.“
„ Soll er ruhig kommen! Wir werden ihm seinen Allerwertesten aufreißen!!“ grölte Cheria.
„ Ist das so?“ zog ich fragend eine Augenbraue hoch. „ Was glaubt ihr denn gegen ihn ausrichten zu können? Die göttlichen Waffen können ihm nichts anhaben, also willst du ihn zu Tode heilen?“ sah ich die Priesterin an. „ Und du, willst du ihn mit der bloßen Hand erwürgen? Ein Mensch, der einem Ladthaaner niemals das Wasser reichen kann? Oder hast du schon mal versucht einem Geist an die Gurgel zu gehen? Selbst wenn er Asariah's Körper freigibt, werdet ihr ihn kaum besiegen können.“ ließ ich von Lyrias ab und wendete mich nun der Göttin und ihrem Kätzchen zu. „ Du kannst vielleicht nützliche Schutzschilde erschaffen, aber gegen Chaos würdest du nicht mal eine Sekunde bestehen und dein zahmes Haustier auch nicht. Ihr habt doch schon gegen Asariah selbst keine Chance, wie wollt ihr dann gegen ihn bestehen, wenn er absolut keine Rücksicht mehr auf euer Leben nehmen wird? Und Aries...“ der letzte im Bunde. „ Im Gegensatz zu den beiden Seelendieben, die Chaos damals das Handwerk legten, bist du ein kleiner Welpe. Du besitzt weder das Wissen, noch die Kraft oder die Erfahrung von denen. Euch sollte klar sein, dass ihr alle eurem Untergang entgegen tretet, solltet ihr weiter an Asariah's Rockzipfel hängen. Letztendlich ist er vielleicht der einzige, der diesem Monstrum gewachsen ist und sei es nur das Opfer, was er bringen kann.“
„ Das war gemein von dir, Sasha!“ verzog Cheria den Mund. „ Wir sind vielleicht keine Götter oder Ladthaaner, da magst du recht mit haben! Aber trotzdem sind wir kein Ballast!“
„ Was seid ihr denn dann?“ konterte ich.
„ Wieso bist du nur so furchtbar gemein und kaltherzig??“ pustete sie die Backen auf. „ Du hast mir viel besser gefallen, als du dich noch an nichts erinnert hast! Wo ist die Sasha, die so furchtbar lieb und süß war?“
„ Diese Sasha war bloß eine Illusion! Sie diente mir als Schutz, mehr nicht! Wenn du sie suchst, dann verschwendest du deine Zeit.“ wendete ich mich von ihr ab.
„ Unsinn!!“ protestierte sie. „ Sie war keine Illusion! Du wurdest da nur nicht von deinen Ängsten gesteuert, das ist alles!“
„ Wenn du meinst.“ verließ ich das Dorf schon mal.
„ Und wenn sie recht hat?“ wollte Serah wissen. „ Sie kennt Chaos, deshalb weiß sie ganz genau, wie stark er wirklich ist.“
„ Wir werden ihn trotzdem besiegen. Sie kennt vielleicht Chaos, aber dafür kennt sie uns nicht.“ meinte Aries. „ Mir ist es egal was sie glaubt, ich weiß es besser und bald wird sie das auch so sehen. Wir werden den Sieg nicht geschenkt bekommen, das ist mir durchaus bewusst. Aber wir verfügen über eine Kraft, die weder Chaos noch Sasha kennen.“
„ Die Macht der Gefühle. Du hast recht.“ nickte die Göttin. „ Aber ich frage mich, warum sie sich so sehr gegen ihre Gefühle wehrt. Ob sie mal enttäuscht wurde? Und war die Enttäuschung so groß, dass sie ihr Herz verschließen musste?“
„ Vielleicht hat es was mit Lastalia und seinem Ableben zu tun?“ überlegte der Seelendieb.
„ Das wäre durchaus möglich.“ nickte Chiara die Sache ab.
„ Manno! Ihr sprecht in Rätseln, das ist nicht fair!! Hallo, Erde an göttliche Wesen!! Ihr kämpft an der Seite von Menschen, die über eure Geschichte nicht all zu viel wissen!!“ maulte unsere Heilerin.
„ Lastalia ist das Überwesen, was sich teilte und somit uns Götter und Teufel erschuf.“ klärte Serah die Dame auf. „ Meine Eltern tragen sein magisches Blut in sich.“
„ Ist das dann nicht so was wie Inzucht?“ dachte Cheria darüber nach. „ Wenn sich jene, die von ein und derselben Person abstammen paaren, dann ist das doch Inzucht, oder nicht?“
„ Risa und Keith sind ja nicht seine Kinder. Sie beherbergen bloß das ultimative Geheimnis von Lastalia.“ versuchte Aries die Dinge zu klären.
„ Aber sie tragen sein Blut in sich, also sind sie doch so was wie Geschwister.“
„ Nein, sind sie nicht. Sie haben unterschiedliche Eltern. Das magische Blut ist so was wie ein Erbe, was von Generation zu Generation weiter gegeben wird, sollte der Träger das Zeitliche segnen. Sie verkörpern das Licht und die Dunkelheit, so könnte man es wohl formulieren.“
„ Bei euch ticken die Uhren anders, ich merk schon.“ kratzte sich die Dame am Kopf. „ Sei es drum. Wir sollten Sasha hinterher gehen. Nicht das wir sie auch noch aus den Augen verlieren, Asariah taucht schon wieder auf.“
„ Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.“ stimmte ihr Serah zu.
„ Sasha ist das Licht, nicht wahr?“ hakte die Priesterin nach, als sie zu den Stadttoren marschierten. „ Das erloschen geglaubte Licht, was aber gar nicht erloschen ist und dieser Fluch, den ihr erwähnt habt, der stammt von Chaos, oder nicht?“
„ Ja, richtig.“ meinte Aries.
„ Aber in unseren Mythen und Sagen ist das körperlose Wesen, was das Licht verkörpert, ein reines, unschuldiges Wesen. Sie soll heller strahlen als die Sonne, sie soll das süßeste und liebste Ding aller Zeiten sein. Ok, das süßeste ist sie vielleicht… aber alles andere…“ senkte Cheria die Augen. „ Wird sie uns wirklich alle retten?“
„ Das wird sie bestimmt.“ nickte die Göttin eifrig. „ Sie braucht nur etwas Zeit und einen guten Lehrer, um mit ihren Gefühlen klar kommen zu können.“
„ Dann ist sie bei dir ja an der richtigen Adresse.“ lächelte der Seelendieb. „ Wenn du Sasha nicht bezirzen kannst, dann schafft es keiner.“
„ Nur weil du Vollhonk von ihrem reinen Licht angezogen wirst und ihr beinahe aus der Hand frisst, muss das bei den Anderen nicht auch so sein.“ grinste ihn Chiara schief an. Nicht jeder ist so Reinheitsgeil wie ihr Ladthaaner.“
„ Die Ladthaaner sind also Reinheitsgeil, ja?“ dachte die Heilerin darüber nach.
„ Und wie.“ wurde das Grinsen der Katze noch breiter.
>Wenn das aber wirklich so ist und mich dieser Misaki nicht angelogen hat und ich selbst auch über eine reine Seele verfüge, warum fährt Asariah dann nicht total auf mich ab? Liegt es daran, dass ich ein Mensch bin? Die Reinheit eines Gottes unterscheidet sich bestimmt ganz stark von unserer Reinheit. Aber egal, irgendwie werde ich mein Ziel schon erreichen, auch wenn ich ihn zu seinem Glück zwingen muss!<
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Re: Diehieee Geschichte

Beitrag von Alexia am Sa 6 Mai - 10:20

Kapitel 9. Neue Weiten


Der Kontinent auf dem wir bislang verweilten, war zu mindestens für den Moment sicher. Wir hatten alle Tore, die in die Dämonenwelt führten, geschlossen und die Ausgeburten der Unterwelt vernichtet. Allerdings konnte dieser Zustand nicht lange anhalten. Es existierten noch unzählige weitere Portale aus denen die Dämonen scharenweise heraus strömten. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis die Menschen hier erneut überfallen wurden. Kämpften wir demnach einen erfolglosen Kampf gegen Windmühlen? Schon möglich. Aber auch eine Windmühle konnte man niederreißen, nicht wahr?
Je weniger Leid in dieser Welt herrschte, desto besser war es für mich und desto schlechter lief es im Gegenzug für Chaos. Es konnte also nur in unserem Sinne sein, so viele Windmühlen wie möglich niederzumähen.
Mein Widersacher war mir noch immer in einer Sache weit voraus: Er konnte sich in aller Seelenruhe ausschlafen, während ich mich mit einem Teil meiner Energie am Leben halten musste. Dann kam ihm die Atmosphäre die hier herrschte zugute. Die Schmerzen der Menschen, ihre verängstigten Schreie, der Wunsch nach Rache und der Hass der Hinterbliebenen, stärkten Chaos. Seine Energie konnte sich also viel schneller aufladen, als es bei mir der Fall war. Zum jetzigen Zeitpunkt war es unvermeidlich, dass der Feind vor mir erwachte und wenn das geschah, dann war nicht nur dieser Planet dem Untergang geweiht. Eventuell konnte ich ihm für den Moment die Stirn bieten, um den Geschöpfen von Lastalia mehr Zeit zu verschaffen, aber ein Sieg war unter diesen Umständen nicht drin.
Der einzige der über die Macht verfügte, den Verlauf dieser Geschichte zu unseren Gunsten zu ändern, verleugnete wer er war und was er eigentlich verkörperte.
In seinen Augen gab es nur eine reelle Chance um das Universum von Chaos zu befreien und er war bereit diesen Weg zu gehen, selbst wenn er am Ende sein Leben verlor.
Natürlich war dies eine Möglichkeit, um ans Ziel zu kommen, sofern er das Erwachen seines Untermieters wahrnahm und dem entgegen wirkte. Allerdings war es, nicht nur in meinen Augen, der falsche Weg. Dieses Opfer war vermeidbar!
Er war nicht nur der Teufel des Todes, nicht nur irgendein Ladthaaner, er war viel mehr als das. In ihm schlummerte die Kraft, Chaos ein für alle Mal zu vernichten! Selbst ich brauchte einen Moment um zu erkennen, wer er wirklich war.
>An wen erinnert er mich bloß, wenn er sich in seinem Sensenmann Modus befindet?< lehnte ich mir nachdenklich den Zeigefinger unter das Kinn. >Wenn ich ihn nun betrachte, wo er sich wieder hinter seiner Illusion versteckt, fallen mir weitere eindeutige Merkmale auf, die mir stark bekannt vorkommen und das trotz der Verleugnung. Aber woher sollte ich Asariah denn kennen?< grübelte ich weiter darüber nach. >Es ist unmöglich, dass wir uns vorher schon einmal begegnet sind. Als ich Chaos durch die Universen verfolgte, war da niemand anderes und danach erwachte ich in dieser Welt. Also wieso kommt er mir plötzlich so bekannt vor?< und dann machte es endlich Klick!
Deshalb war ich nicht in der Lage ihn zu töten, als ich kurz davor war, die Nerven zu verlieren. Deshalb fühlte ich mich trotz seiner abweisenden und kalten Art zu ihm hingezogen. Es lag gar nicht an meinem Wirt und dessen Geschmack, nein, es lag einzig und allein daran, weil er so was wie Lastalia's Wiedergeburt war.
Diese Erkenntnis schlug ein wie eine Bombe. Völlig erstarrt und mit weit ausgerissenen Augen blieb ich wie angewurzelt auf der Brücke stehen, die wir gerade überquerten und starrte Asariah dabei ununterbrochen an.
In meinem Kopf drehte sich alles, war es denn überhaupt möglich, dass Lastalia wiedergeboren wurde, obwohl er seine Seele doch spaltete? Und wenn ja, was wurde dann aus Ladthaa und Kythos? Und vor allem: Warum konnte Serah seine Stimme hören, wenn er doch durch Asariah zurück ins Leben fand? Oder spielten mir meine Sinne gerade einen Streich? Wie könnte ein Ladthaaner auch zu meines gleichen zählen? Das war nicht möglich... oder doch? Lastalia's Macht überstieg selbst meine Vorstellungskraft bei weitem, hatte er seine Seele also erneut gesplittet, um mir im Kampf gegen Chaos beistehen zu können? Konnte das wahr sein? Verschwand seine Seele deshalb, wenn er starb? Weil der kleine Teil zum Ganzen zurückkehrte? Sprich, kehrte Asariah's Seele zu Lastalia zurück? Passte dieses Puzzleteil in die Lücke? Diese Frage konnte mir nur Lastalia selbst beantworten, aber wie sollte das gehen, wenn ich seine Stimme doch nicht hören konnte? Oder hatte ich ihm nur nicht gut genug zugehört? Prahlte seine Stimme an meiner Unwissenheit ab? Versuchte er mich vielleicht zu erreichen und ich stieß ihn von mir? Ich musste der Sache auf den Grund gehen.
Wenn es tatsächlich so sein sollte, dass er Lastalia's Wiedergeburt war, wusste Asariah davon? Und wenn ja, wollte er sich deshalb opfern, weil das für ihn der einzige Sinn seines Lebens war? Oder hatte er sein wahres Potential noch nicht erkannt? Wusste überhaupt jemand darüber Bescheid? Wusste der Ladthaaner, wer er wirklich war?
„ Sasha? Ist alles in Ordnung?“ trat Cheria besorgt an mich heran. „Du schaust gerade so drein, als hättest du einen Geist gesehen.“
„ Es ist alles in Ordnung.“ wendete ich meinen Blick von dem Herren ab und schlenderte an der Priesterin vorbei.
„ Wirklich?“ sah sie mir besorgt nach.
„ Wirklich.“
„ Dann ist ja gut.“ aber vollends überzeugen konnte ich sie nicht.
„ Boar! Schaut euch mal diese geniale Aussicht an!!“ stürmte Chiara zum Geländer und blickte dabei freudestrahlend übers weite Meer. „ Wie friedlich es hier aussieht! Kaum zu glauben, dass sich diese Welt in ein Szenario des Schreckens verwandelt hat. Ich frage mich, wie die Menschen unter normalen Umständen hier wohl leben?“
„ Bestimmt genauso wie wir auch.“ vermutete Serah. „ Sie gehen ihren Aufgaben nach, lachen und weinen. Sie verhindern Verbrechen oder stellen diese an. Sie freuen sich auf die Nacht, genauso wie sie sich auf den Tag freuen.“
„ Es ist nur eine Welt von vielen...“ schlenderte Asariah an ihnen vorbei.
„ Nein, es ist die Heimat von den Elysianern. Sie ist genauso wertvoll wie alle anderen auch.“ konterte die Göttin.
„ Eigentlich müsstest du doch am besten wissen, wie wertvoll jedes einzelne Geschöpf ist. Oh ich vergaß...“ schielte das Kätzchen grinsend zu ihm rüber. „ … auf dem Auge bist du ja blind.“
„ Ich wünschte ich wäre auch noch taub, dann müsste ich mir dein dummes Gelaber nicht antun.“ erwiderte er.
„ Du solltest den Lappen aus dem Mund nehmen, dann versteht man dich auch besser!“ ging die Götterkatze zum Gegenschlag über. „ Vielleicht hätte man deinen Wunsch dann nicht völlig falsch verstanden und ich müsste jetzt nicht an deinen Verstand zweifeln.“
„ Mit meinem Verstand ist alles ok, was man von deinem allerdings nicht behaupten kann.“
„ Ja, Psychos glauben ja auch, sie wären völlig normal.“
„ Sprichst du da aus eigener Erfahrung?“
„ Erfahrungen die ich mit dir sammeln musste, wenn überhaupt.“
„ Ist gut jetzt, kommt mal wieder runter.“ ging Aries dazwischen. „ Anstatt uns gegenseitig zu zerfleischen sollten wir unsere Energie lieber für die Dämonen aufbewahren.“
„ Ich habe damit nicht angefangen.“ meinte Asariah.
„ Du hast Recht. Ich sollte mir diesen einzigartigen Moment nicht von ihm zerstören lassen.“ wendete sie sich wieder dem ruhig vor sich hin schimmernden Gewässer zu. „ Irgendwann sollten wir uns alle hier treffen und gemeinsam Urlaub machen.“
„ Das ist eine sehr gute Idee!!“ strahlte die Göttin. „ Eines Tages werden wir hier alle gemeinsam stehen und nicht ein Dämon wird es wagen, diesen Augenblick zu zerstören.“
„ Ich frage mich, was sich bis dahin alles ändern wird.“ grinste die Katze ihre Freundin schief an.
„ Was sollte sich denn ändern?“ hakte Serah nach.
„ Vielleicht zerren da ja schon kleine Kinderhände an deinem Kleid rum.“
„ K-Kleine K-Kinderhände???“ lief sie auch prompt knallrot an. „ R-Redest du von deinen Kindern?“
„ Sie redet bestimmt von meinen!“ grölte Cheria.
„ Und Lyrias wird der Vater sein?“ griente Chiara noch breiter auf.
„ Lyrias? So ein Unsinn!“ widersprach sie ihr. „ Asariah wird das weltgrößte Glück zuteil, mir Kinder schenken zu dürfen.“
„ Das halte ich nun für völligen Unsinn.“ konterte die Götterkatze.
„ Warum das? Gönnst du mir mein Glück etwa nicht?“
„ Das hat damit nichts zu tun.“ setzte sie eine ernstere Miene auf. „ Ich will bloß nicht, dass du hinterher vor den Splittern deiner Träume stehst.“
„ Apropos Wünsche!“ versuchte Serah die Wogen zu glätten, ehe sie überhaupt aufkommen konnten. „ Hab ich dir schon von meiner älteren Schwester erzählt??“
„ Du hast noch eine ältere Schwester?“ hing der Fisch buchstäblich an der Angel.
„ Ja, sie ist die Göttin der Wünsche.“
„ Die Göttin der Wünsche? Das muss ja der Wahnsinn sein!! Ich wünschte, ich könnte mir alle Wünsche erfüllen!“
„ Ich denke nicht, dass sie das machen darf. Allerdings hat sie das auch gar nicht nötig, da sie wunschlos glücklich ist. Zu mindestens glaube ich das...“ dachte sie darüber nach.
„ Hast du keinen Kontakt zu deiner Schwester? Wohnt sie denn nicht da, wo du wohnst?“
„ Nein, dort wohnt sie nicht mehr. Sie hat sich mit dem Gott der Träume zusammen getan und lebt nun mit ihm in der Traumwelt. Dort fängt sie alle Wünsche auf, die sich ein Lebewesen wünscht. Sie sorgt dafür, dass sich der ein oder andere Wunsch oder Traum erfüllt und die anderen, die beschützt sie mit ihrem Leben. Denn nur wenn wir träumen und Wünsche hegen, bleibt das unschuldige Licht in unseren Herzen erhalten.“
„ Wow, das klingt nach einer Heiden Arbeit.“ kratzte sich die Priesterin am Kopf. „ Bewahrt sie wirklich ALLE Wünsche auf? Selbst die, die wir als kleines Kind hatten?“
„ Natürlich.“ nickte sie. „ Und sollte jemand vom rechten Pfad abkommen, dann konfrontiert sie diesen Jemand mit seinen Wünschen aus der Kindheit. Vielen konnte sie so helfen. Meinen Eltern auch.“
„ Deinen Eltern? Sind sie etwa auch vom rechten Pfad abgekommen?“ hakte die Dame nach.
„ Nein, das nicht.“ blickte sie auf das Meer hinaus. „ Aber meine Mum starb, als sie gerade mit Sophia, meine Schwester, schwanger war. Sie beendete ihr Leben frühzeitig, um ihr ungeborenes Kind zu schützen. Damit ihr die Chance auf ein glückliches Leben nicht verwehrt wurde.“
„ Das ist traurig.“ senkte Cheria die Augen. „ Das muss wahre Mutterliebe sein.“
„ Sie wäre doch sowieso gestorben, also so groß war ihr Opfer nun auch nicht.“ gab ich meinen Senf dazu ab.
„ Also wirklich, Sasha!! Weißt du denn nicht mal, was es heißt zu trauern? Oder wie sieht es mit ein bisschen Mitgefühl aus? Du bist doch kein lebloses Wesen! Selbst in dir muss so etwas wie ein Herz schlagen!!“ knurrte die Priesterin.
„ Ist schon in Ordnung, Cheria.“ lächelte Serah. „ Ohne sie, würden wir hier alle nicht stehen. Dann gäbe es weder mich, noch Asariah oder Sophia. Ich bin ihr zutiefst dankbar, dass sie uns half, als wir kurz vor einer Niederlage standen.“
„ Wie du meinst.“ schnaufte sie noch einmal verärgert auf. „ Erzähl weiter! Wie konnte Sophia Risa zurück ins Leben holen?“
„ Sie vernahm die Wünsche aller, die Risa wiedersehen wollten. Die dieses Ende nicht akzeptierten und den Himmel verzweifelt anflehten, meine Mum zurückzuholen.“
„ Wie hatte Risa ihr ungeborenes Kind eigentlich gerettet?“ unterbrach Cheria die Dame.
„ Indem sie meine Schwester in eine Zeitkapsel steckte und ihr die Mächte des Lebens zurückließ. So blieb sie am Leben.“ erklärte sie. „ Sophia wurde durch die Wünsche gestärkt und das, wo sie doch noch nicht mal am Leben war. Aber so war es ihr möglich, einen Weg zu finden, um Mum zu retten. Sie rief die Hinterbliebenen zu sich und erklärte ihnen ihr Anliegen. Die Hymne des Lebens, Mums Lied, was ich auf der Harfe gespielt hatte, holte sie letztendlich zurück. Das Lied wurde überall gesungen, jeder einzelne trug seinen Beitrag dazu bei, um Risa zurückzubringen. Es waren so viele, das sich selbst Hades dieser Macht geschlagen geben musste.“
„ Wow... das muss ein einmalig schönes Erlebnis gewesen sein...“
„ Das war es bestimmt.“ stimmte Serah ihrer neuen Freundin zu.
„ Ob das Lied hier wohl auch zu hören war?“
„ Schon möglich.“
„ Moar! Ich bekomme eine Gänsehaut! Ich kann mir richtig gut vorstellen, wie sie alle am verzweifeln waren und wie groß die Last war, die ihnen dann von der Schulter fiel.“
„ Die Wunden sitzen noch immer tief, gerade bei denen, die dieses Desaster hautnah miterleben mussten. Sie haben Angst davor, dass sich das Ereignis wiederholt und dass sie sie dann nicht mehr zurückholen können.“ bemerkte Aries. „ Und vielleicht sind ihre Sorgen sogar berechtigt, weil Risa nicht einfach dabei zusehen wird, wie Asariah sein Leben weg wirft.“
„ So weit wird es gar nicht kommen! Wir werden ihn retten, bevor er sein Leben beenden kann!“ davon war die Priesterin überzeugt.
„ Und wie wir das schaffen werden.“ wendete sich Chiara ab und schlenderte hinter Asariah und mir her.
„ …“ sah ihr der Seelendieb seufzend hinterher. „ Mich würde es wirklich beruhigen, wenn ihr zurück nach Illumina kehren würdet. Mir gefällt Chiara's Gesichtsausdruck nicht, wenn sie über Asariah's Rettung spricht. Ich hab da kein gutes Gefühl bei.“
„ Wie meinst du das?“ hakte die Göttin nach.
„ Ach nichts, vergiss es einfach.“
„ Nein, nun sag schon. Was glaubst du, könnte Chiara planen?“
„ Sie würde zu mindestens nicht einfach dabei zusehen, wie Asariah in einen Abgrund stürzt, sind wir uns da einig?“
„ Ja sicher, aber da würde keiner von uns zusehen! Wir kämpfen schließlich alle für ein gemeinsames Ziel.“
„ Sicherlich... aber nicht jeder von uns hat die Möglichkeit, seine Seele mit einer anderen Seele zu verbinden und ich weiß zufällig, dass Asariah sie niemals mit in den Tod reißen würde. Sofern er bei klarem Verstand ist.“
„ Du weißt mehr über die Beziehung der Beiden, nicht wahr?“ fixierte Cheria den Herrn mit ihren Blicken. „ Spucke es aus! Was weißt du??“
„ Was ich? N-Nichts!“ wich er entsetzt zurück. „ Ich weiß rein gar nichts!“
„ Lügner!“ flammten ihre Augen noch mehr auf. „ Asariah ist dein bester Freund, da wird er bestimmt mit dir über Chiara gesprochen haben! Also rücke schon damit raus!!! Was weißt du?!?“
„ Nichts! Und selbst wenn ich was wüsste, würde ich es dir nicht auf die Nase binden!“ eilte er uns schnell nach.
„ Mir doch egal!! Dann frage ich halt Chiara!! Die muss ja wissen, was früher zwischen ihr und Asariah lief.“
„ Das sollte man jedenfalls glauben.“ kicherte Serah.

Wir liefen noch ein ganzes Stück weiter und schalteten nebenbei ein paar Dämonenschwärme aus und schlossen das ein oder andere Portal.
Cheria hatte beachtliche Fortschritte gemacht, was den Umgang mit ihrer Waffe anging. Sie schaffte es die Pforten mit nur einem Pfeil zu schließen, was noch vor kurzem undenkbar gewesen wäre.
Dieser Bereich wurde nicht ganz so von den Ausgeburten der Hölle überwuchert, was vielleicht daran lag, weil hier nicht so viele Menschen lebten. Dieser Kontinent war im Gegensatz zu den anderen recht klein. Es gab hier gerade mal ein Fischerdorf, wo wir uns ein Schiff borgen wollten, das Schloss der falschen Priester und ein oder zwei kleine Dörfer. Also nicht gerade der Rede wert.
Gerade als ich einen dieser Fieslinge beim verschwinden zusah fragte ich mich, was ich hier überhaupt tat. Mich interessierten die Elysianer nicht und ihre Welt war, wie Asariah schon so schön sagte, bloß eine von vielen. Ich machte mir nichts aus den anderen Lebewesen, deshalb wäre ich auch nie auf die Idee gekommen, ihnen zur Hilfe zu eilen, sollten sie diese benötigen.
Aber jetzt war irgendwas anders. Seit ich in diesem Körper steckte, geschahen merkwürdige Dinge. Ich verspürte den Wunsch, das reine Licht in den Herzen der Menschen zu schützen. Es war da, dass konnte ich nicht leugnen aber ich versuchte es so gut ich konnte zu verdrängen. Letztendlich, so nahm ich an, war dies bloß ein Überbleibsel der Gefühle meiner Wirtin. Scheinbar hatte ich es nicht geschafft sie alle zu verbannen.
Nichtsdestotrotz beschäftigte mich das ganze, auch wenn ich es nur ungern zugab.
Unterschied sich mein wahres Ich überhaupt von Chaos? Oder war es nicht so, dass die Person, die von allen Sasha genannt wurde, das würdigere Licht war? Ich fing allmählich tatsächlich damit an, mich als gescheitertes Experiment anzusehen und daran trug einzig und allein der vermaledeite Körper die Schuld!
„ Wie viele Tore gibt es hier?“ riss mich Cheria aus meinen Gedanken heraus.
„ Nicht all zu viele.“ erklärte Aries.
„ Kann ich sie von hier aus alle schließen? So wie beim letzten mal?“
„ Das wage ich zu bezweifeln.“ gab Asariah seinen Senf dazu ab. „ In Anbetracht deiner Fähigkeiten und der Position der Tore, halte ich es für unmöglich, dass du sie alle auf einmal schließen kannst.“
„ Bei letzterem muss ich Asariah leider recht geben.“ schielte der Seelendieb seinen Kumpel seitlich an. „ Ich zweifel deine Fähigkeiten allerdings nicht an. Aber auch eine göttliche Waffe hat ihre Grenzen.“
„ Und was machen wir jetzt? Wir können doch nicht einfach weiter ziehen und die geöffneten Pforten ignorieren.“ mischte sich Serah ein.
„ Das wird auch nicht nötig sein.“ sah ich die Gruppe an. „ Cheria ist nicht die einzige hier, die in der Lage ist die Tore zu schließen.“
„ Kannst du das denn auch?“ hakte die Göttin nach.
„ Sicher.“ nickte ich. „ Nichts leichter als das.“
„ Das wusste ich ja gar nicht, dass du die Pforten ebenfalls schließen kannst.“
„ Warum solltest du auch?“ schlenderte ich einige Schritte von ihnen weg. „ Es geht dich doch nichts an, nicht wahr?“ ich wendete mich der Göttin noch einmal kurz zu, ehe ich mich auf meine Aufgabe konzentrierte.
Ich schloss meine Augen und suchte die Insel nach dunklen Portalen ab. Das tat ich um in Erfahrung bringen zu können, wo ich meine Lichtstrahlen hinschicken musste.
Dort wo wir uns befanden, lokalisierte ich drei Sammelpunkte der Dunkelheit und ein paar vereinzelte schwarze Punkte, die ziellos durch die Gegend wabbelten.
Aber unser nächstes Reiseziel, da wimmelte es nur so vor Dämonen und ihren pechschwarzen Behausungen. Leider Gottes, war meine Energie nicht weit genug aufgeladen, deshalb konnte ich mich nicht von hier aus um die Feinde hinterm großen Wasser kümmern. Aber die Feinde die sich in meiner Nähe befanden, die waren nun Geschichte!
Nachdem ich die genaue Position meiner Widersacher und deren Zufluchtsstätte lokalisiert hatte, öffnete ich meine Augen und breitete gleichzeitig meine goldenen Flügel aus.
Ich gab mein Geheimnis preis und lockte die Unterwelt zu mir hin. Zu mindestens diejenigen, die mir nach dem Leben trachteten und nicht wie kleine heulende Kinder zurück in ihre Welt flüchteten.
Selbst die beiden Ladthaaner konnten den Blick nicht von mir abwenden. Sie ließen sich ebenfalls von meinem reinen Licht einwickeln. Wenn ich es wollte, würden sie vor mir gewiss auf die Knie fallen.
„ Wow.. sie ist einfach wunderschön, nicht wahr? Selbst wenn sie was an hat.“ kicherte Serah.
„ Wenn sie was an hat?“ hakte der Seelendieb nach und riss sich dabei von meinem Anblick los.
„ Ja, als ich in ihrem Unterbewusstsein war, um ihren Fluch zu brechen, war sie komplett nackt.“
„ Vielleicht hätte ich doch nicht so genau nachfragen sollen.“ murmelte er und versuchte dabei sein Kopfkino geschlossen zu halten.
„ Soll ich dir dabei helfen, dich abzulenken?“ schielte Chiara den Herrn leicht grinsend an. „ Es wird dir auch mehr wehtun als mir, versprochen.“
Ihr Grinsen wurde immer breiter und dann erfuhr der Herr auch warum. Gerade als ich meine Attacke mit den Worten „ Sanctus Exodus!“ auf die Geschöpfe der Unterwelt losließ, donnerte die Götterkatze dem Herrn ihren Pfennigabsatz auf den Fuß.
„ Ah! Hey! Hast du sie noch alle?“ fauchte er auch gleich auf.
„ Ich habe doch gesagt, dass ich dich von deinen Problemen ablenken werde.“ griente sie ihn noch immer übelst frech an. „ Hat doch geklappt, oder nicht?“
„ Du Biest!!“ griff er sich das Kätzchen und hielt sie im Schwitzkasten gefangen.
„ Uah!!“ lachte sie. „ Ist ja gut, es tut mir leid!!!“
„ Das will ich auch hoffen.“ blickte er lächelnd auf sie herab. „ Alles andere ist inakzeptable.“
„ Sorry...“ flüsterte sie und trat dabei dichter an ihn heran.
Zwischenzeitlich hatte er den Arm um ihre Hüfte gelehnt und musterte sie noch immer. Ihm wurde klar, dass nicht er abgelenkt werden musste, auch wenn es so schon besser war, sondern sie. Vermutlich lag es an Asariah's Blick, den er mir zukommen ließ. Weil er so drein schaute, so würde etwas in ihm vorgehen, was er für unmöglich oder unwahrscheinlich hielt. Was auch immer sein Verhalten verursachte, ich war der Auslöser dafür, so viel war sicher und dessen war sich Chiara ebenfalls bewusst.
„ Schon ok...“ drückte Aries die Katze fester an sich und gab ihr einen sanften Kuss auf das Haar. „ Es wird alles wieder gut werden, Chiara, du wirst schon sehen.“
„ Natürlich wird es das.“ sprach sie leise vor sich hin.
„ Hey! Ich will auch kuscheln!“ mischte sich Serah ein.
„ Meins!“ drückte sich die Götterkatze demonstrativ fester und breit grinsender an den Herrn.
„ DAS merke ich mir!“ wenn Blicke töten könnten, dann wäre die Katze nun tausend Tode gestorben und Aries auch, zu mindestens wenn man auf Asariah achtete.
Der starrte seinen Kumpel mit einem Blick an, der bezeugte, dass er der Teufel des Todes war.
„ Wer zu spät kommt, nicht wahr?“ konterte Chiara.
„ Du bist ein typisches Einzelkind!!“ zerrte die Göttin Aries von dem Kätzchen weg und harkte sich dann bei ihm ein, während sie an dem Teufel vorbei zu ihrer Freundin hin schielte. „ Hättest du Geschwister, dann hätten dir diese schon beigebracht, dass du dein Spielzeug zu teilen hast!!“
„ Ich soll mein Spielzeug also mit dir teilen, so so.“ konnte sie sich ein freches Grienen wahrlich nicht verkneifen.
„ So habe ich das gar nicht gemeint!“ lief Serah auch gleich knall rot an. „ W-Wirklich nicht.“
„ Keine Sorge, mein Spielzeug bekommst du nicht!“ kicherte Chiara. „ Nicht das du es hinterher noch kaputt machst.“
„ Von welchem Spielzeug redet ihr gerade?“ schaltete sich Cheria dann auch noch ein.
„ Na von dem Spielzeug.“ deutete das Kätzchen auf Aries hin.
„ Ach na dann und ich dachte schon ihr redet über ein interessantes Spielzeug.“ wendete sie sich wieder von ihnen ab. „ Der würde ja nicht mal mit euch beiden zurecht kommen, wenn ihr ihn mit Viagra vollpumpt, also wir sollte er mit dreien fertig werden?“
„ Gut das ich mich nicht so leicht provozieren lasse.“ seufzte das Opfer.
„ Außerdem hatten wir noch überhaupt keinen dreier! Also woher willst du wissen, dass er mit uns beiden nicht fertig werden könnte?“ protestierte Serah, die ihren Schwarm gleich mal in Schutz nahm oder eher nehmen wollte.
„ Hattet ihr noch nicht? Dann wird es aber mal Zeit, nicht wahr?“ lachte Cheria.
„ Das wäre reine Zeitverschwendung.“ lehnte Chiara dankend ab. „ Der wird ja mit mir gerade so eben fertig, bei Zweien würde eine von uns definitiv zu kurz kommen und das im wahrsten Sinne des Wortes.“ verwandelte sich das Grinsen in ein herzhaftes Lachen.
„ Ich höre da gar nicht hin.“ schlenderte der Seelendieb kopfschüttelnd zu Lyrias rüber.
„ Och komm schon, wenn du dich nicht provozieren lässt, macht das ganze doch nur halb so viel Spaß!“ schmollten Cheria und Chiara gleichermaßen.
„ Tja, ich habe aus meinen Fehlern gelernt.“
„ Manno, dabei konnte man ihn früher so schön aufziehen.“ murmelte das Kätzchen.
„ Auch Männer werden irgendwann erwachsen, was?“ kicherte die Heilerin.
„ Stimmt auffallend.“
„ Wollen wir dann weiter gehen? Hier gibt es für uns nichts mehr zu erledigen.“ trat ich an die Gruppe heran.
„ Bis zu dem Fischerdorf ist es nicht mehr weit, dort gibt es ein nettes kleines Gasthaus, wo wir einchecken sollten. In der Nacht ist es auf dem Meer nicht sicher, deshalb sollten wir erst morgen früh los segeln.“ erläuterte Lyrias.
„ Ok.“ nickte ich. „ Ich glaube zwar nicht, dass es am Tage angesichts der vielen Dämonen sicherer ist, aber eine Pause ist wohl für alle Beteiligten am besten.“ schließlich wollte ich Lastalia so schnell wie möglich einen Besuch abstatten.
„ Meint ihr denn, dass das Fischerdorf noch steht?“ meinte Chiara. „ Auch wenn dieser Bereich nicht ganz so stark überflutet wurde wie das Nachtbarkönigreich, auch hier gab es Tore zur Unterwelt.“
„ Das erfahren wir wohl nur, wenn wir zu dem Dorf hingehen.“ erklärte Lyrias.
„ Das stimmt wohl, aber was machen wir denn, wenn die Schiffe zerstört wurden?“
„ Auch das überlegen wir uns, wenn es tatsächlich so sein sollte.“
„ Du machst es dir aber ganz schön einfach.“ verzog die Katze ihren Mund.
„ Nein, aber ich denke, dass es besser ist sich nicht wegen allen Eventualitäten den Kopf zu zerbrechen.“ rechtfertigte sich der Herr. „ Der Kopf wird uns noch früh genug platzen, da müssen wir die Dinge nicht noch beschleunigen.“
„ Wo er Recht hat, hat er Recht!“ stimmte ihm Serah zu. „ Und wenn alle Stricke reißen, dann haben wir noch ein paar Leute hier, die übers Wasser fliegen können.“
„ Klar, aber was ist mit Lyrias und Cheria?“
„ Die kriegen wir auch unter.“
„ Natürlich. Irgendwie wird das schon klappen.“ seufzte die Katze auf.
„ Zur Not musst du halt schwimmen und die Beiden auf den Rücken tragen.“ kicherte die Göttin. „ Das dürfte für dich doch kein Problem darstellen.“
„ Natürlich nicht.“
„ Na siehst du. Dann haben wir das Problem doch schon gelöst.“

Gemeinsam machten wir uns dann wieder auf den Weg und kamen einige Zeit später an dem besagten Dorf an. Tatsächlich stand das Dorf noch und schien, mal abgesehen von kleineren Kratzern, nicht all zu viel abbekommen zu haben. Die Menschen waren trotz allem recht freundlich und hatten für jeden Flüchtling oder in unserem Falle Reisende, ein offenes Ohr.
„ Schau mal Mama!“ deutete ein kleines Kind auf Chiara hin. „ Ist das ein Werwolfsmädchen?“
„ Ich bin wenn überhaupt eine Werkatze, oder sehe ich wie ein mutierter Wolf aus?“
„ Wow!! Wo hast du die Ohren gekauft?“ wurde das Kätzchen binnen weniger Sekunden von neugierigen Kindern umzingelt. „ Ist der Katzenschweif echt??“ zog eines von ihnen der armen Katze am Schwanz, die auch gleich auf fauchte.
„ Natürlich ist der Schweif echt!! Soll ich dir vielleicht mal an den Haaren ziehen??“
„ Du musst die Werkatze sein, die Edana zusammen mit dem Engel beschützt hat! Ich habe dir doch gesagt, dass das keine Ammenmärchen sind!“
„ Ja, genau die bin ich. Wärt ihr also so freundlich und würdet aufhören so an mir herum zu zerren??“
„ Darf ich dich behalten?? Du hättest es auch richtig gut bei mir!! Ich werde dich knuddeln, dich baden und dir ganz viel zu fressen geben. Du dürftest sogar mit in meinem Bett schlafen!!“ strahlte eins der Mädchen. „ Och bitte sag ja!“
„ Nein!! Sie soll mein Haustier werden!!“ schaltete sich ein anderes Mädel ein. „ Ich sorge viel besser für sie!“
„ Quatsch!!“
„ Tut mir leid, Kids. Aber Chiara gehört bereits mir.“ mischte sich Aries ein, der die Dame aus ihrer misslichen Lage befreite und sie sanft zu sich zurück zog. „ Ich habe sie als erstes gefunden, also darf ich sie auch behalten.“ lächelte er.
„ Was hast du?“ schielte sie zu ihm auf.
„ Spiel mit oder willst du bei der Meute bleiben?“
„ Ihr habt den Fettsack gehört. Tut mir leid, aber ich bin bereits seine Gefährtin.“
„ Fettsack?“
„ Was denn? Du wolltest doch das ich mitspiele.“
„ Dürfen wir denn mal mit ihr spielen?“ schmollten die Kleinen.
„ Vielleicht später, wenn sie sich ausgeruht hat.“ schob der Seelendieb das Kätzchen vor sich her zum Gasthaus hin. „ Es wäre hier vielleicht vom Vorteil, wenn du den Menschen nicht gleich zeigen würdest, dass du eine Götterkatze bist.“
„ Du hast ja Recht.“
„ Sicher habe ich das.“
Nach einem herzlichen Empfang an der Rezeption verteilten wir uns auf die Zimmer und gingen dann unseren Interessen nach. Lyrias regelte schon mal alles für unsere morgige Schiffsfahrt, Asariah wurde mal wieder vom Erdboden verschluckt, ich wartete in meinem Zimmer auf den richtigen Augenblick, um unbemerkt verschwinden zu können, Chiara saß am Ende des Stegs und blickte über das weite Meer hinaus, Aries und Serah sahen sich die Stadt an und Cheria, die wanderte geradewegs auf das Kätzchen zu.
„ Nichts ist mehr so, wie es einmal war und es wird auch nie wieder so werden. Was vorbei ist, ist vorbei, es kommt nicht mehr zurück, egal wie sehr man auch bittet und bettelt. Die Tränen werden trocknen, aber die tiefen Wunden unserer Seelen, werden uns auf Ewig erhalten bleiben. Es wird Zeit abschied zu nehmen. Abschied von der Vergangenheit, von uns und von der Zeit, die wir zusammen verbrachten. Das Eis wird unser Herz gefrieren lassen, bis zu jedem Tag, an dem die Sonne wieder für uns scheint.“ flüsterte Chiara vor sich hin.
„ Das klang aber traurig...“ ließ sich Cheria neben ihr nieder. „ Ist das so was wie ein Gedicht, aus deiner Welt?“
„ Das ist nicht nur irgendein Gedicht.“ murmelte die Götterkatze. „ Das ist der Abschied des legendären Pärchens. Yujin schrieb diesen Text für seine Freundin, als er sich dazu entschloss, in unserer Welt unterzugehen. Er nahm von seiner großen Liebe abschied. Jene, die ihm alles bedeutete, für die er alles hergegeben und aufgegeben hätte. Aber zum Glück wendete sich das Blatt und die beiden sind auch heute noch glücklich vereint. Dieses Gedicht, steht für den Schwur zweier Liebender, die sich gegenseitig versprechen, dass dieses Unglück niemals eintreten wird. Aber nicht nur die Pärchen sagen den Spruch auf. Auch Freundschaften werden so gesegnet. Das was einst ein Abschiedsbrief war, ist nun ein Symbol für das ewig währende Glück.“
„ Habt ihr ihn auch schon aufgesagt? Also du, Serah, Aries und Asariah?“
„ In der tat, das haben wir. Aber wie du siehst, gibt es für nichts eine Garantie. Genauso wenig wie Sterne Wünsche erfüllen können, kann der Brief einem das ewige Glück schenken. Wir laufen Illusionen hinterher, Einbildungen, die uns zwar täuschen aber auch um einiges stärker machen. Deshalb hören wir nicht auf uns Sachen zu wünschen oder an so etwas blödsinniges wie an ein einfaches Stück Papier zu glauben, selbst wenn wir wissen, dass die Gebete unerhört bleiben. Wir sehen nur so einen Sinn in unserem Leben, diese illusionäre Macht treibt uns, auf unserem Weg durchs Leben, voran. Der Glaube macht uns stark und die Hoffnung schweißt uns zusammen, dass ist bei euch so, genauso wie es bei uns auch zutrifft. Wir alle beten für eine bessere Zukunft.“
„ Ihr steht euch wirklich nah, oder?“
„ Es gab eine Zeit, da hätte ich es niemals für möglich gehalten, dass uns etwas oder jemanden entzweien kann, also ja, wir standen uns mal sehr nah. Uns verband eine Freundschaft, die durch nichts erschüttert werden konnte. Wir hielten zusammen, ganz gleich wie viel Gegenwind wir auch bekamen. Umso heftiger war der Moment, als sich Asariah von uns abwandte. Als er alles niederriss, was uns verband.“ schloss sie für einen kurzen Moment die Augen. „ Als er ging, hinterließ er einen Scherbenhaufen, der einst unsere Freundschaft verkörperte. Ich weiß nicht, ob die Schäden repariert werden können, aber eines weiß ich ganz sicher, ich werde alles dafür tun, damit Asariah nicht stirbt! Schon allein wegen Serah und alle anderen, die an ihn hängen, muss ich mein Ziel erreichen.“
„ Hängst du denn nicht mehr an ihn? Ihr ward doch mal ein Paar, oder nicht?“ hakte die Priesterin vorsichtig nach.
„ Sicher hänge ich noch an ihn, aber das hat nichts damit zu tun, dass wir ein Paar waren. Er war mein bester Freund, einen besseren werde ich nicht finden. Das wir zusammen kamen, änderte bloß unseren Status. Selbst wenn die Beziehung, warum auch immer, gescheitert wäre, hätte uns das nicht voneinander trennen können. Keiner von uns hätte jemals etwas angestellt, was den anderen verletzen könnte. Wir gehörten zusammen, ob als Paar oder als Freunde, das tat nichts zur Sache.“
„ Das klingt nach einer festen Freundschaft.“ Eifersucht machte sich in ihr breit, aber das Mitgefühl war zu mindestens für den Moment noch stärker. „ Liebst du ihn?“
„ Willst du etwa gerade deine Rivalen abchecken?“ schielte Chiara die Dame seitlich an. „ Bringt es dich wirklich weiter, wenn du erfährst was ich für ihn fühle?“
„ Ich bin nur neugierig.“ legte sich ein leichter rötlicher Schleier auf ihre Wangen. „ Mich interessiert es nun mal, was früher zwischen euch war.“
„ Und verdammt ehrlich bist du auch.“ lächelte sie leicht. „ Nun gut, wenn dich das glücklich macht, dann frag halt.“
„ Liebst du ihn?“ wiederholte sie die Frage.
„ Ja, das tue ich wohl.“
„ Und liebt er dich auch?“
„ Wenn man seinen Worten glauben schenken darf, dann hat er mich geliebt.“
„ Er hat dir das gesagt?“ riss sie erstaunt die Augen auf.
„ Ja.“ fing sie plötzlich an zu lachen. „ Aries und er hatten mal wieder so eine Wette am laufen, wer von den Beiden am meisten Alkohol verträgt. Ich bin mir nicht sicher, wer von ihnen gewonnen hat, aber in jener Nacht kam er sturzbetrunken zu mir hin getorkelt und da erzählte er mir, dass er mich liebt. Das war das erste mal, dass er mir so was sagte. Danach kamen diese Worte nur über seine Lippen, wenn er glaubte, dass ich schlief. Auch in unserer letzten gemeinsamen Nacht gestand er mir seine Liebe.“
„ Hast du ihn jemals darauf angesprochen oder ihm gesagt, dass du ihn auch liebst?“
„ Nein, habe ich nicht.“ gestand sie ihr. „ Asariah ist nicht der Typ Mann, der offen zu seinen Gefühlen stehen kann. Ich wusste das er mich liebte, auch wenn er mir das nicht gesagt hätte und das reichte mir vollkommen aus. Ich liebte den kompletten Mann, mit seinen Fehlern und Macken, selbst wenn das hieß, dass ich ihn abfüllen musste, um die drei kleinen aber unheimlich starken Worte aus ihm heraus zu kitzeln.“ kicherte sie.
„ Er liebt dich also...“ wendete Cheria den Blick entgeistert von ihrer Nebenbuhlerin ab. „ Das vereinfacht die Sache zwar nicht gerade, aber trotzdem werde ich ihn nicht einfach aufgeben. Ganz gleich was früher zwischen euch war, die Zukunft mit ihm gehört mir.“ nickte sie die Geschichte eisern ab.
„ Du glaubst ihn zu lieben, wo du den wahren Asariah doch nicht mal kennst?“ sah Chiara die Dame seitlich an. „ Alles was du jetzt von ihm zusehen bekommst ist nichts weiter als eine Illusion. Eine Maske, hinter der er sich versteckt. Du kennst sein echtes Ich nicht, wie kannst du also sagen, dass du ihn liebst?“ wollte sie von ihrer Gefährtin wissen.
„ Ich brauche sein echtes Ich nicht zu kennen um zu wissen, dass er der Mann meines Lebens ist. Das habe ich im Gefühl. Er ist der Richtige. Ich werde ihn dazu bringen, sich in mich zu verlieben, nimm mir das bitte nicht übel, aber was zusammen gehört, sollte auch zusammen kommen.“
„ Keine Sorge, ich nehme dir das nicht übel. Wenn du wirklich der Meinung bist, dass er derjenige ist, mit dem du deine Zukunft verbringen möchtest, dann halte ich dich nicht auf.“ versicherte sie ihr. „ Aber du solltest dir ihm klaren darüber sein, dass Asariah viel mehr verkörpert, als bloß die verdammt heiße Stimme, die dich um den Schlaf bringt. Er braucht eine Frau, die ihm den Rücken stärken kann, damit er nie wieder an seiner Aufgabe zweifelt. Sei für ihn da, wenn er dich braucht. Und vor allem, denk daran, dass ein Ladthaaner unsterblich ist, ein Elysianer im Gegenzug aber nicht. Außerdem kann ein Mensch der Begierde eines Teufels oder Gottes nicht standhalten. Er ist nicht irgendein Bengel aus deiner Nachbarschaft, er ist der Teufel des Todes! Vergiss das nicht.“
„ Das vergesse ich schon nicht, keine Sorge.“
„ Dann ist gut.“
„ Wissen Aries und Serah eigentlich über dich und Asariah Bescheid?“
„ Von mir wissen sie es nicht, aber ich kann mir gut vorstellen, dass Asariah Aries davon erzählt hatte, schließlich war er sein bester Freund. Warum interessiert dich das?“
„ Ach nur so.“ lachte sie. „ Apropos Asariah, wo steckt er überhaupt?“
„ Keine Ahnung. Er hat sich bei mir nicht abgemeldet.“
„ Ich gehe ihn mal suchen und danke für das offene Gespräch.“
„ Warum sollte ich auch nicht offen darüber reden? Letztendlich ist es nichts, wofür ich mich schämen müsste. Auch wenn ich nicht weiß, inwiefern dich das Gespräch weiter gebracht haben sollte? Ich bin schließlich nicht die erste und einzige, mit der er was am laufen hatte.“
„ Ich weiß jetzt, dass er dazu fähig ist jemanden zu lieben und das ist viel wert.“ erklärte Cheria. „ Aber eines verstehe ich noch immer nicht...“ hielt sie doch noch mal inne, gerade als sie sich wieder erheben wollte. „ Wenn du ihn liebst, warum gibst du ihn dann einfach so auf? Müsstest du nicht eigentlich in Dreieck ticken, weil ich mich in den Typen verliebt habe, den du doch auch dein eigen nennen willst? Und was ist mit Sasha...? So wie sie ihn ansieht, bringt er ihr Herz auch zum schlagen. Also warum lässt dich das kalt? Oder glaubst du etwa, dass er auf jeden Fall zu dir zurückkehren wird? Machst du deshalb gute Miene zum bösen Spiel?“
„ Nein, das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.“ bemerkte das Kätzchen. „ Es ist nicht der Exfreund, den ich unter allen Umständen zurück haben will, sondern meinen besten Freund! Ich will denjenigen zurückhaben, dem ich mein Leben blind anvertrauen kann. Ich will das Asariah zu uns zurückkehrt. Ob er mich dabei zum Partner wählt oder nicht, ist nicht wichtig. Ich bin glücklich, wenn er es auch ist, selbst wenn das bedeutet, dass er gemeinsam mit dir oder Sasha sein Glück findet. Ich will meinen Asariah zurückhaben.“ senkte sie ihre Augen. „ Auch wenn unsere Zukunft ungewiss ist und ich nicht mit Sicherheit sagen kann, dass unsere Freundschaft diesen Sturm unbeschadet übersteht, wünsche ich mir nichts sehnlicher, als ihn davon abzuhalten, in sein Verderben zu rennen.“
„ Ich wünschte ich hätte auch eine Freundin, die so ist wie du. Die alles für mich aufgibt und mich begleitet, egal wo mich mein Weg auch hinführt. Es ist eine Schande, dass er das nicht zu würdigen weiß.“
„ Du weißt es doch auch nicht zu würdigen.“ konterte Chiara.
„ Was soll das denn heißen?“
„ Das du bereits einen Freund hast, der so selbstlos agiert wie ich. Der Himmel und Hölle in Bewegung setzt, um bei dir sein zu können. Der sogar bei dir bleibt, obwohl du seine Gefühle mit Füßen trittst und ihn ebenso wenig zu schätzen weißt, wie es bei Asariah und mir der Fall ist.“
„ Redest du etwa von Lyrias? Das ist was komplett anderes!“
„ Ach wirklich?“ schielte sie die Priesterin von der Seite an. „ Er trat dem Orden bei, um bei der Priesterin sein zu können, er folgte ihr sogar ins Ungewisse, obwohl er dadurch verbannt und von seiner Familie und seinen Freunden getrennt wurde. Er riskiert bei jedem Dämonen sein Leben, um deines zu beschützen. Wenn du ihn nicht als Freund ansehen kannst, dann hast du die Bedeutung von Freundschaften nicht verstanden.“ gab sie von sich. „ Du hältst seine Entscheidungen für selbstverständlich, ganz so, als gäbe es für ihn keinen anderen Weg, als dich sein Leben lang zu begleiten. Aber das er bei dir ist, ist nicht selbstverständlich. Er ist da, weil du für ihn etwas ganz besonderes bist.“
„ Und woher willst du das wissen?“ murmelte sie. „ Du kennst uns doch gar nicht.“
„ Sein Verhalten verrät ihn. Daran kann man erkennen, wie wichtig du ihm bist. Andernfalls wäre er jetzt bestimmt nicht hier, oder?“
„ Ja, vielleicht hast du recht...“ gab sie leise nach.
„ Aber letztendlich ist es nicht meine Angelegenheit...“ flüsterte sie und ließ dabei ihren Blick über das Meer schweifen. „ Wie sollte ich dir auch helfen können, wenn ich mir nicht mal selbst helfen kann.“
„ Kopf hoch, Chiara.“ lehnte die Priesterin ihre Hand auf die Schulter des Kätzchens. „ Wenn Asariah wirklich dein bester Freund ist, dann darfst du ihn jetzt nicht fallen lassen. Wir müssen alle zusammenhalten, wenn wir ihn davon abhalten wollen, für immer aus diesem Leben zu verschwinden und du bist ein wichtiges Mitglied dieser Kette. Zerreiß sie nicht, sonst kommt irgendwann der Zeitpunkt, wo ihn niemand mehr erreichen kann. Wenn das eintrifft, dann hat Chaos sein Ziel erreicht und Asariah ist für immer sein Sklave. Das dürfen wir nicht zulassen.“
„ Ich habe nicht vor ihn fallen zu lassen, keine Sorge...“ lächelte sie leicht.
„ Das ist gut.“ atmete Cheria erleichtert aus.
„ Du bist ja doch zu was zu gebrauchen.“ grinste Chiara die Dame frech an. „ Bisher habe ich dich für das liebeskranke und naive Püppchen unserer Gruppe gehalten, dieses Bild muss ich wohl noch mal überarbeiten.“
„ Natürlich bin ich nicht nur das liebeskranke, naive Püppchen!!“ pustete sie beleidigt die Backen auf. „ Aber nur zu deiner Information: Asariah gehört trotzdem mir!!“ mit diesen Worten sprang sie von ihrem Platz auf und eilte zurück zum Festland.
„ Nur zu, versuch dein Glück...“ gab die Götterkatze leise von sich.
Ehe Cheria allerdings von dannen zog, sah sie noch einmal zu ihrer Gefährtin hin und setzte dabei eine besorgte Miene auf.
Chiara sagte zwar, dass es ihr viel wichtiger war, ihren besten Freund zurückzugewinnen, dem war auch so, aber sie hatte sich auch an die Nähe des Ladthaaners gewöhnt. Sie war sich nicht sicher, ob sie ihren Platz in seinem Herzen kampflos aufgeben könnte, wo doch die Eifersucht schon in ihr hoch kochte, wenn er mich auch nur ansah. Ihr war natürlich klar, dass die Teufel, genau wie die Motten, vom Licht angezogen wurden und meines erstrahlte heller als bei allen anderen. Meine Reinheit übertraf sogar die von Serah und das bei weitem! Ihr Herz wusste bereits, dass sie nicht nur ihren besten Freund vermisste...

Einige Zeit blieb sie auf dem Steg sitzen und genoss die angenehm kühle Abendluft. Selbst als der Himmel auseinander brach und wahre Wasserfontänen Sturzbach artig auf die Erde niederprasselten, verharrte sie auf ihrem Holzbrett. Binnen weniger Sekunden stand alles unter Wasser, aber auch das konnte sie nicht verjagen. Sie blieb mit ihren Gedanken allein, bis man auf sie aufmerksam wurde.
„ Du holst dir noch den Tod, wenn du hier weiter sitzen bleibst.“ schütze Aries die Dame mit einem Regenschirm vor dem Regen.
„ Mir macht der Regen nichts aus.“
„ Deinem Immunsystem aber schon! Also komm schon, lass uns zurück zum Hotel gehen.“
„ Geh ruhig, ich bleibe noch ein bisschen hier sitzen.“
„ Ich wäre ja ein toller Freund, wenn ich dich im Regen stehen lassen würde.“
„ Du bist ein guter Freund, auch wenn du jetzt gehst und mich im Regen sitzen lässt.“
„ Sorry, das geht gar nicht.“ seufzte er auf. „ Ist dir nicht kalt?“
„ Ich bin zwar nicht, so wie du, Immun gegen die Kälte, aber trotzdem friere ich nicht so schnell wie manch andere.“
„ Tja, wenn du nicht mit rein kommen willst, dann muss ich wohl hier draußen bleiben.“
„ War Serah nicht bei dir?“
„ Ja das war sie, aber jetzt ist sie mit Cheria im Wellness Bereich des Gasthauses...“ murmelte er.
„ Oh, das tut mir jetzt aber leid!“ kicherte sie.
„ Schon klar.“ schielte er sie schief von der Seite an. „ Ach bevor ich es vergesse, wir müssen uns ein Zimmer teilen.“
„ Warum das?“
„ Weil uns die Wirtin ein paar Zimmer zur Verfügung gestellt hatte, die bereits reserviert waren. Sasha hat sich das einzige Einzelzimmer gekrallt und da Asariah nicht mit Cheria in ein Zimmer wollte und mich nicht mit Serah in eins lässt, teilen wir beide uns jetzt ein Bett.“
„ Ach das passt schon, dann kann ich heute Nacht wenigstens gut schlafen, während du mich in den Schlaf wiegst.“ zeigte sie ihm ihr frechstes Grinsen. „ Wenn du verstehst, was ich meine.“
„ Ich lasse mich noch immer nicht provozieren.“ sah er sie an. „ „ Außerdem kannst du gar nicht wissen, ob ich dich bloß in den Schlaf wiegen würde, weil wir das noch nie ausgetestet haben und auch nie werden, ich hänge nämlich nach wie vor an meinem Leben.“ murrte er. „ Es wundert mich ohnehin, dass Asariah mich in dein Bett lässt. Es hätte mich nicht mal gewundert, wenn er dafür gesorgt hätte, dass du mit Serah in ein Zimmer kommst und er als Aufpasser über euch wacht.“
„ Aber dann würde er sich doch verraten. Schließlich müsste er so zugeben, dass ihm noch immer was an mir liegt.“
„ Das muss er gar nicht mit Worten beschreiben, dass wissen wir beide doch auch so, oder nicht?“
„ Mir wäre es lieber, er würde es noch mal mit seinen eigenen Worten beschreiben...“ flüsterte sie. „ Aber darauf kann ich wohl lange warten.“
„ Es ist nicht immer einfach die richtigen Worte zu finden, die beschreiben was man empfindet.“
„ Hast du Serah denn schon gesagt, was du ihr sagen wolltest?“
„ Nein, habe ich nicht.“ erklärte er ihr. „ Ich habe den richtigen Zeitpunkt noch nicht finden können.“
„ Hast du ihr wenigstens schon gesagt, dass in jener Nacht nichts zwischen euch gelaufen ist?“
„ Glaubt sie etwa, da wäre was gelaufen?“ starrte er sie erstaunt an.
„ Na hör mal, Serah war sternhagelvoll und erwachte am Morgen dann auch noch halb nackt in deinen Armen, was würdest du denn denken??“ maulte sie ihn aufgebracht an.
„ Ich... äh...“
„ Ja, du äh!“ verpasste sie ihm einen leichten Hieb von der Seite. „ Sei endlich ein Mann, du Waschlappen! Wenn ihr das nächste mal alleine seid, dann erzähle ihr verdammt noch mal, was du für sie empfindest! Keith und Asariah werden sich damit anfreunden müssen, dass ihre Prinzessin kein kleines Mädchen mehr ist.“ wendete sie den Blick von ihm ab. „ Sie wartet darauf, dass du endlich offen mit ihr sprichst und wenn du das nicht tust, dann werde ich ihr alles stecken, klar?“
„ Vielleicht sollte ich Asariah dann mal stecken, was du für ihn empfindest.“ blickte er sie mit hochgezogener Augenbraue an. „ So weit ich weiß, hast du ihm das auch nie gesagt!“
„ Das tut jetzt auch nichts mehr zur Sache!“ wendete sie ihr gerötetes Gesicht eisern von ihm ab.
„ Doch sicher tut es das.“ widersprach Aries der Dame. „ Aber darüber können wir in unserem Zimmer weiter diskutieren. Du gleichst bereits einer Gefriertruhe, so ausgekühlt bist du. Bei diesem Regen bringt auch der Regenschirm nichts.“
„ Na gut.“ gab sie schließlich seufzend nach. „ Dann lass uns gehen.“ erhob sie sich, was ihn dazu brachte ebenfalls aus der Hocke empor zu steigen. „ Aber bevor du mir ins Bett kommst, brauchst du erst einmal ein Bad!“ noch während sie diese Worte aussprach, schubste sie den Herrn breit grinsend ins tosende Meer.
Das ließ Aries natürlich nicht auf sich sitzen, schon allein sein Blick, den er ihr gerade zukommen ließ, sprach Bände. Der Herr hatte kaum seine teuflische Gestalt angenommen, um sich so aus seiner misslichen Lage befreien zu können, da schnellt er schon mit einem nach Rache dürstenden Knurren auf sie zu.
Die Verfolgungsjagd führte die Beiden einmal durch die komplette Stadt. Sie hüpften über die Dächer, quetschten sich durch die schmalen Gassen oder wirbelten den Staub der Straßen auf. Chiara änderte immer wieder ihre Gestalt, mal schlüpfte sie als Kätzchen unter die Kutschen hindurch, sprang in ihrer riesigen Gestalt über Hindernisse oder sie benutzte ihre Flügelgestalt um nach oben hin ausweichen zu können. Sie setzt alles daran, um ihn abzuschütteln, damit er sie ja nicht zu fassen bekam. Aber so leicht ließ sich der Seelendieb nicht abhängen und kam ihr immer wieder gefährlich nah. Doch gerade als sie sich ins Gasthaus retten wollte, geschah das Unglück und er bekam sie zu fassen.
Quietschend kullerte sie mit ihm über das Asphalt und fand sich letztendlich unter ihm wieder. Sein Knurren war noch immer zu hören, sein Wunsch nach Rache beherrschte ihn nach wie vor und diese Rache sollte er scheinbar einfacher bekommen, als er gedacht hatte. Denn nun wo er in seiner wahren Gestalt über ihr kniete, reagierte seine Aura mit ihrer und bescherte ihr, genau wie bei Asariah, das aufregende Knistern.
„ Wuha!!“ zuckte sie auch gleich zusammen. „ Hör auf du Idiot!“
„ Aufhören womit? Ich mache doch gar nichts!“ grinste er sie breit an.
„ Geh von mir runter, du Fettsack!!“ versuchte sie sich ihm vergebens zu entziehen.
Überall wo er sie berührte trat das ungewohnte Kribbeln auf, was sie dazu brachte, unruhig herum zu zappeln.
„ Ich könnte ewig so liegen bleiben.“ machte er keinerlei Anstalten, sich auch nur ansatzweise von ihr zu trennen.
„ Uah!“ brachte er sie bloß mit seiner Nähe schon wieder zum zucken. „ Und wenn uns die Falsche sieht?!?“ versuchte sie es nun auf diese Weise. „ Was wird sie wohl dann denken??“
„ Ich sagte doch bereits, dass sie sich bei Cheria befindet. Aber auch wenn sie das nicht wäre, würde sie bei diesem Regen nicht vor die Tür gehen.“
„ Aries!“ knurrte sie ihn an.
„ Was denn? Du bist doch selbst schuld, was gehst du denn auch eine Seelenverbindung mit einem Gott ein? Und hättest du mich nicht ins Wasser gestoßen, dann müsste ich mich jetzt nicht dafür Rächen, du hast damit angefangen, vergiss das nicht!“
Doch dann kam man ihr von unerwarteter Seite zur Hilfe geeilt. Eine schwarze Energiekugel, die direkt auf die beiden zugerast kam, weckte das Interesse des Seelendiebes, geistesgegenwärtig griff er sich die Dame und wich der Attacke aus, ehe sie auf den Boden aufschlug.
„ Was...?“ suchte Chiara die Umgebung nach dem Angreifer ab und entdeckte dabei Asariah, der die beiden mit einem Blick musterte, bei dem sogar das wildeste Tier zum heulenden Schoßhündchen mutiert wäre. „ Asariah...?“
Wortlos, aber mit einer Miene die einem kaltblütigen Killer glich, wendete sich der Teufel von ihnen ab und schlenderte ins Gasthaus.
„ Ich schätze, spätestens jetzt bereut er es, mich in dein Bett gelassen zu haben.“ grinste Aries verschmitzt auf, der inzwischen seine menschliche Gestalt angenommen hatte.
„ Der glaubt doch ohnehin, dass wir was miteinander haben, also wenn ihn das wirklich stören würde, dann hätte er mich erst gar nicht mit dir in ein Zimmer gesteckt. Ich denke also nicht, dass er gerade irgendwas bereut.“
„ Und ich denke, dass du da falsch liegst.“
„ Ich brauche jetzt eine warme Dusche, also lass mich runter.“
„ Ganz wie sie wünschen.“ sprach der Herr und ließ die Dame gleichzeitig runter.
„ Ich werde nach dem Duschen an der Bar sitzen, also wenn dir langweilig ist oder du dich einsam fühlst, dann darfst du dich gern zu mir gesellen.“ meinte die Dame noch, ehe sie ebenfalls im Gasthaus verschwand.
„ Wie ungemein großzügig von dir.“ lächelte er leicht.

Zur gleichen Zeit wanderte Risa auf der Brücke, die Kythos mit Ladthaa verband, zu den Statuen hin. Ihr Blick war wie versteinert, als sie zwischen den Abbildern stehen blieb und ihre Hände so mit einander verschränkte, als würde sie beten wollen.
Aber dem war nicht so, viel mehr rief sie die Seelen der Planeten zu sich hin, die im Einklang ihrer Mächte und der Verbundenheit zwischen Licht und Dunkelheit ihre wahre Form preisgaben. Das Wesen, was einst als Lastalia bekannt war!
Seine Augen waren so klar wie das Meer, sein Haar so schwarz wie die Nacht, seine Flügel schimmerten in einem wunderschönem Silber. Über seiner schwarzen Robe trug er einen dunkel grauen Brustpanzer, der mit goldenen Verzierungen bestückt war. Sein Schulterschutz passte farblich perfekt zu seinem Panzer.
„ Risa? Was verschafft mir die Ehre?“ fragte er sie mit einer anziehenden dunklen Stimme.
„ Wie konntest du nur? Nach allem was wir für dich getan haben? Wir haben unser Leben riskiert um dich zu retten und das ist der Dank dafür?“ starrte sie ihn wütend an.
„ Ich weiß nicht, worüber du redest?“
„ Tu doch nicht so scheinheilig!! Du weißt genau, was ich meine!“ fuhr sie ihn an. „ Ich rede von Asariah und der Bürde die du ihm höchstpersönlich auf gezwängt hast!!“
„ Du weißt es also...“ aber aus der Fassung konnte ihn das nicht bringen. „ Du solltest mir Dankbar sein, dass ich euch beim Kampf gegen Chaos unterstütze!“
„ DANKBAR???“ brüllte sie erbost auf. „ DANKBAR sollen wir sein?? Dankbar wofür?? Dass du Asariah erschaffen hast, um mit Chaos unterzugehen?? Dankbar dafür, dass er geboren wurde um zu sterben?? Du lässt ihn durch die Hölle gehen und dafür sollen wir dir auch noch danken???“
„ Asariah ist meine Reinkarnation, es ist seine Pflicht, Aliah zu beschützen und Chaos ein für alle Male zu stoppen!“
„ Er ist nicht nur bloß deine Wiedergeburt! Er ist mein SOHN!! Ein wichtiges Mitglied unser Gesellschaft! In ihm schlägt ein Herz, er besitzt eine Seele! Genauso wie wir auch!“
„ Eine Seele, die zu mir gehört!“
„ Es ist mir völlig egal, wessen Seele er besitzt! Er verkörpert viel mehr als das Gefängnis, was du aus ihm gemacht hast! Asariah ist nicht nur irgendeine Maschine, die man für seine Zwecke erschafft und sie dann vernichtet, wenn der Job erledigt ist! Er ist einer von UNS!! Er ist genauso ein Kind von dir, wie wir anderen auch! Also wie kannst du es zulassen, dass sein einziger Sinn darin besteht, gemeinsam mit Chaos aus dem Leben zu scheiden?? Hast du denn überhaupt kein Gewissen??“
„ Hüte deine Zunge, Risa! Du stehst immer noch deinem Schöpfer gegenüber! Wenn ich es wollte, dann könnte ich dich genauso aus dem Leben reißen, wie Keith auch! Ihr beide seid ein Teil von mir, es ist ein leichtes für mich, mir euer Blut zurückzuholen!“
„ Ach?? So einfach wie du dir Asariah's Seele zurückholst??“ zischte sie ihn an. „ Wenn wir für dich bloß irgendwelche Spielfiguren sind, dann mein Gott, hol dir dein verdammtes Blut doch wieder!“ hielt sie ihm demonstrativ ihre Arme entgegen. „ NIMM ES!“ schrie sie auf. „ Ich will nicht das Blut eines Monsters in mir tragen!! Eines Wesen, was ein Scheißdreck auf das Leben der Anderen gibt!“
„ Du weißt so gut wie ich, dass an deinen Vorwürfen nichts dran ist.“ griff er sich die Hände der Göttin. „ Ich liebe jedes einzelne Geschöpf, was von mir erschaffen wurde! Um euch zu retten gab ich mein Leben, meine Träume und meine Liebe auf. Ich habe Asariah nicht nur meine Seele geschenkt, damit er mit Chaos untergeht, ich tat es, um die Person zu retten, die mir alles bedeutete! Es zerriss mich jedes Mal aufs neue, dass ich ihr die Aufgabe verlieh, Chaos vernichten zu müssen. Ich kann ihr nicht helfen, aber Asariah schon. Ich schenkte ihm das Leben, damit er meinen Traum weiterlebt. Damit er die Seelen meines Volkes rettet und sie in eine wunderschöne neue Welt führt. Du hast Recht, er ist nicht nur das Gefäß, was die Dunkelheit reinigen soll, er ist der Retter meines Reiches.“
„ Und warum soll er sich dann opfern? Wie soll er dein Volk retten können, wenn seine Seele für immer verloren ist, wenn er mit Chaos in den Tod stürzt? Wie soll das funktionieren?“
„ Ich opfere mich selbst, wenn es sein muss, um Aliah zu retten. Letztendlich müsstest du mich eigentlich verstehen, schließlich hast du dich auch geopfert, um die zu retten die dir am Herzen liegen.“
„ Nein, du siehst da etwas vollkommen falsch!“ entzog sie ihm ihre Hände. „ ICH habe mich SELBST geopfert und nicht irgendeine Wiedergeburt von mir vorgeschickt. Du bist nicht Asariah, auch wenn er einen Teil deiner Seele besitzt. Er ist eine eigenständige Person und nicht dein Doppelgänger. Du hast kein Recht dazu, über sein Schicksal zu entscheiden. Ich werde nicht zulassen, dass du ihn zum Sündenbock machst. Er wird überleben, dafür werde ich sorgen und es ist mir auch völlig egal, was du davon hältst! Wenn es sein muss, stelle ich mich sogar gegen dich! Ich verdanke dir mein Leben, das kann schon sein, aber deshalb bin ich dir nichts mehr schuldig! Schließlich habe ich dir das Leben auch schon gerettet, also sind wir quitt. Ich werde ihn nicht zu dir zurücklassen, ganz gleich was danach mit mir geschieht.“
„ Selbst wenn du anstelle von ihm zu mir zurückkehren wirst?“
„ Dann soll es so sein.“ wendete sie sich von ihm ab. „ Ich werde ihn nicht fallen lassen, nur weil du das von mir verlangst.“ flüsterte sie. „ Ich werde ihn beschützen, koste es was es wolle.“ mit diesen Worten verschwand die Göttin und ließ den Herrn auf der Brücke allein zurück.
„ Ich hätte nicht gedacht, dass mir Chaos irgendwann mal solche Probleme bereiten würde...“ starrte er den Fleck an, wo Risa bis vor wenigen Sekunden noch stand. „ Aber jetzt ist es zu spät. Er wird sich nicht mehr von seinen Plänen abhalten lassen und ich auch nicht.“
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Re: Diehieee Geschichte

Beitrag von Alexia am Di 30 Mai - 20:48

Kapitel 10. Sasha kehrt zurück


Mit weit aufgerissenen Augen stand ich auf der Brücke und starrte den Herrn an, der eigentlich nicht da sein dürfte. Ich wagte es kaum, meinen Augen zu trauen. Aber egal wie oft ich auch zu ihm hin blinzelte, Lastalia war da! Er war wirklich da!
Die Tränen schossen mir in die Augen, mein Herz begann zu rasen und irgendwas tief in meinem Inneren wollte mich regelrecht dazu zwingen, zu ihm hinzurennen und ihn festzuhalten, damit er nie wieder verschwand. Aus Angst, er könnte wirklich einfach so wieder verschwinden, stürmte ich auf ihn zu und klammerte mich von hinten an Lastalia fest.
„ Wow!“ schreckte er auch gleich auf und sah über seine Schulter zu mir zurück. „ Aliah?“ blickte er mich erstaunt an. „ Aliah!“ um sich dann schon im nächsten Moment zu mir umzudrehen und mich ebenfalls feste an sich zu drücken. „ Ich hatte so sehr gehofft, dass ich dich noch einmal wiedersehen darf!“
„ Warum bist du hier und warum kann ich dich berühren?“ lehnte ich meine Hand gegen seine Schulter. „ Wie ist das möglich?“
„ Risa hat mich zu sich gerufen, deshalb kann ich jetzt vor dir stehen. Allerdings bleibt mir nicht mehr viel Zeit, bis der Zauber verblasst und ich wieder in die Erdkerne eintauche.“ drückte er mich wieder an sich. „ Ich bin so froh, dass es dir gut geht und verzeih mir meinen Frevel. Ich hätte dich niemals allein zurücklassen dürfen! Wäre ich nicht gegangen, dann wäre dein Leben jetzt nicht in Gefahr. Kannst du mir das jemals verzeihen?“
„ Du hast getan, was du tun musstest! Nur so konntest du deine Schöpfung retten... das verstehe ich jetzt.“ senkte ich meine Augen. „ Warum redest du nicht mit mir, Lastalia? Warum kann jeder Gott deine Stimme hören, nur ich nicht?“
„ Weil ich dich nicht mehr erreichen kann, Aliah. Mit deinem erwachen hast du mich aus deinem Leben ausgesperrt. Als du dein Gedächtnis noch nicht wiedererlangt hattest, war es mir möglich dich zu leiten. Ich habe dich vor Chaos gewarnt und dir einen Teil deiner Vergangenheit aufgezeigt. Aber es lag nicht in meiner Macht, dich von deinem Fluch zu befreien.“
„ Aber was ist jetzt anders... als vorher...?“ sah ich zu ihm auf. „ Warum erreicht mich deine Stimme jetzt nicht mehr?“
„ Weil du deine Gefühle verbannt und somit dein Herz verschlossen hast. Deshalb ist es mir unmöglich, mit dir zu reden.“ erklärte er. „ Die Stimme der Erde empfängt man mit dem Herzen, nicht mit den Ohren.“
„ Mit dem Herzen...? Also habe ich dich wirklich... weggestoßen? Wo du doch die ganze Zeit versucht hast mich zu erreichen?“ lenkte ich meinen Blick wieder gen Boden. „ Wenn ich mein Herz öffne, kann ich dich dann wieder hören?“
„ Dein verschlossenes Herz ist die einzige Mauer, die uns zur Zeit voneinander trennt, wenn du diese Mauer einreißt, dann komme ich wieder an dich ran. Also ja, dann kannst du mich hören.“ nickte er.
„ Aber dann kehren auch die ganzen Gefühle zurück... ich weiß nicht... ob ich dem Stand halten kann...“ flüsterte ich.
„ Aliah!“ lehnte er seine Hände an mein Gesicht und brachte mich so dazu ihn anzusehen. „ Du brauchst dich vor den Gefühlen nicht zu fürchten! Diese Macht ist es, die Chaos schon einmal zum Verhängnis wurde! Ich weiß, dass es nicht einfach ist diese neue Welt zu verstehen, aber ich weiß ebenso, dass du es schaffen kannst! Du bist keine gefühllose Hülle und genau das unterscheidet dich von den anderen unserer Art. Vertrau mir! Du hast es schon einmal geschafft dein Herz zu öffnen und du wirst es wieder schaffen, davon bin ich überzeugt!“ lächelte er mich aufmunternd an. „ Du bist nicht mehr allein, Aliah. Bitte vergiss das nicht. Deine Freunde werden dir zeigen, dass es nichts gibt, wovor du Angst haben musst. Du musst diese Chance bloß ergreifen.“
„ Wenn ich deine Gegenwart dann wieder spüren kann, dann muss ich es wenigstens versuchen.“
„ Ich bin froh, dass du das so siehst.“
„ Aber verspreche dir nicht zu viel davon... ich bin was ich bin...“ wendete ich meinen Blick von ihm ab. „ Ein gefühlloser Geist...“
„ Unsinn.“ lächelte er mich an. „ Wärst du wirklich ein gefühlloser Geist, dann wärst du nicht so glücklich darüber mich zu sehen. Denn dann wäre ich dir auch egal, aber dem ist nicht so. Ich bin für dich da Aliah. Bitte verliere nicht den Mut.“
„ Ich werde es versuchen.“ erwiderte ich das Lächeln. „ Aber eigentlich bin ich wegen etwas anderem hier.“
Hätte ich den Seelendieb bemerkt, der am Ende der Brücke hinter einem Pfeiler stand und hätte ich da schon gewusst, was ich für eine Welle lostreten würde, vielleicht hätte ich mich dann dazu entschlossen, ihn nicht auf Asariah anzusprechen, vielleicht jedoch, hätte ich ihn trotzdem gefragt...
„ Ist Asariah deine Wiedergeburt, Lastalia?“
„ Dir ist es also auch nicht entgangen...“ lehnte er seinen Kopf schief. „ Ja, du hast Recht. Ich habe meine Seele erneut gesplittet um als Asariah wiedergeboren zu werden.“
„ Dann habe ich mich nicht getäuscht...?“ riss ich erstaunt meine Augen auf. „ Aber was wird nun aus Ladthaa und Kythos? Kannst du sie überhaupt am Leben halten, wenn du deine Kräfte schon wieder geteilt hast?“
„ Deine Sorgen ehren mich, Liebling, aber sie sind unberechtigt! Die Planeten am Leben zu halten bringt mich nicht mal annähernd an meine Grenzen ran. Nicht mal jetzt, wo ich einen weiteren Teil meiner Kräfte verloren habe. Mach dir keine Gedanken, meine Erschaffung wird trotz allem weiter bestehen.“
„ Und warum hast du das getan?“
„ Liegt das nicht auf der Hand?“ lächelte er leicht. „ Ich tat es, um dich zu beschützen! Damit du dich nicht mehr allein gegen Chaos stellen musst.“
„ Aber wenn Asariah stirbt... bedeutet das nicht auch...“ lehnte ich meinen Zeigefinger nachdenklich über die Lippen.
„ Es wird wieder zusammen geführt, was zusammen gehört.“
„ Er wird für immer verschwinden...“ bemerkte ich leise. „ Du wirst mich erneut verlassen...“
„ So darfst du das nicht sehen, Aliah! Ich werde immer bei dir sein, das verspreche ich dir.“ und dann verpuffte der Zauber, der ihm eine Gestalt verlieh. „ Ruf dir ins Bewusstsein, wer ich bin!“
„ Du willst immer bei mir sein? Wie denn, wo du doch genaugenommen gar nicht mehr existierst? Irgendwann wird die Erinnerung an dich verblassen und dein Name aus den Geschichten verschwinden. Irgendwann, wird niemand mehr wissen, wer du eigentlich bist. Asariah darf demzufolge nicht verschwinden, er stellt die einzige Verbindung zu dir dar, die auch in tausend Jahren noch anhalten wird.“
„ Asariah ist also Lastalia's Wiedergeburt?“ trat Misaki vom Schatten ins Licht und sah mir beim Verschwinden zu. „ Was hat das zu bedeuten?“

Als ich Elysia wieder betrat, fand ich mich in dem Gasthaus des Fischerdorfes wieder. Asariah war also wirklich Lastalia's Reinkarnation, also müsste er doch auch über die Kräfte seines Vorgängers verfügen und noch viel mehr als das! Denn als Teufel des Todes konnte er die Seelen verstorbener sehen, was wiederum bedeutete, dass er unser Volk retten konnte. Als unsere Welt unterging, wurden die Seelen in alle Himmelsrichtungen verteilt und nun sind sie dazu verdammt, ein Leben in völliger Dunkelheit zu führen. Sie gleichen Schiffbrüchigen, die sich, ohne Aussicht auf Rettung, in den Weiten des Meeres verloren. Der Ladthaaner besaß die Macht, diese hilflosen Geister zu retten und ihnen eine völlig neue Welt zu präsentieren. Eine Welt, die dieses Mal nicht von ihnen zu Grunde gerichtet wird. Dies war doch auch Chaos Traum. Auch er bedauerte die Opfer! Er war es doch, der loszog und versuchte die Seelen zu retten! Was aber nicht in seiner Macht lag, was er früh erkennen musste. War das der Grund, warum er solch einen Hass auf Lastalia schob? Glaubte er, dass er und das gesamte Reich, von seinem König verraten wurde? Hatte er seinen Traum bereits wieder vergessen? Überwog der Hass, so dass vom alten Chaos nichts mehr übrig war? Und wusste er eigentlich, in wessen Körper er steckte? Irgendwo ganz tief in meinem Inneren, wollte ich die Dunkelheit nicht länger bekämpfen. Dieser kleine Teil meiner Seele, wollte mit Asariah, Chaos und allen anderen ein neues Leben beginnen. So wie wir uns das früher erträumt hatten, dieser Traum, der wie eine Seifenblase zerplatzte. Zwischenzeitlich musste ich erkennen, dass unser gemeinsamer Wunsch nichts mehr wert war, für Lastalia gab es nur noch seine Erschaffung und Chaos lebte einzig für seine Rache. Ein gemeinsames Leben, so wie es einst war, ist nicht mehr möglich! Das wusste ich, trotzdem bedauerte der kleine Teil in mir, den Verlauf der Geschehnisse zutiefst. Gerade auch, weil Chaos wohl niemals erfahren würde, weshalb Lastalia die Erde erschuf und sich dann selbst teilte, um die Götter und Teufel zu erschaffen. Er erfuhr es nicht, weil niemand eine verheilte Wunde fragte, ob sie jemals weh getan hatte...
Wir hatten alle unsere Gründe, weshalb wir handelten, wie wir handelten und weil dem so war, entschloss ich mich dazu meine Gefühle aus der Verbannung heraus zu lassen.
Aber um einen erneuten Ausbruch meinerseits vorzubeugen, musste ich 'Sasha' zurückholen. Das bedeutete, dass ich mich schlafen legte und den Körper bloß mit einem Bruchteil meiner Seele am Leben hielt. So konnte ich mein Herz befreien, allerdings hatte die Sache auch einen Haken: Der Bruchteil meiner Seele konnte auch nur über einen Bruchteil meiner Kräfte verfügen!
Mit dieser Gefahr vor Augen, konnte ich meine Sicherheit nicht nur in meine eigenen Hände legen, ich brauchte Hilfe und da fiel mir nur eine einzige Person ein, der ich mein Leben anvertrauen konnte: Aries!
Deshalb ging ich direkt zu seinem Zimmer hin und klopfte an die Tür. Allerdings bekam ich keine Antwort, deshalb ging ich im ersten Moment davon aus, dass weder Aries noch Chiara da waren. Doch als ich weiterziehen wollte, drang ein lautes Poltern an mein Ohr, es hörte sich beinahe so an, als würde eine Gruppe Rockstars das Zimmer, vor dem ich gerade stand, auseinandernehmen.
Natürlich war es möglich, dass Chiara und Aries für den Krach verantwortlich waren. Aber es war ebenso möglich, dass einer von beiden gerade überfallen wurde. Aus diesem Grund betrat ich den Raum und machte mich darauf gefasst, den Eindringling gegebenenfalls niederzuschlagen.
Da hockte wirklich wer vor dem Götterkätzchen und diese versuchte den Kerl tatsächlich mit aller Kraft von sich weg zu stoßen, sie wehrte sich praktisch mit Händen und Füßen, allerdings ohne Erfolg, wie es aussah.
„ Lass sie in ruhe, du Schwein!!“
Um ihr zu helfen stürmte ich auf die Beiden zu und rammte den Mistkerl mit vollem Körpereinsatz! Er war trotz allem ein Mensch und allein mein Gewissen hinderte mich schon daran, ihn mit meinen Mächten in Stücke zu reißen.
Das menschliche Stück Dreck torkelte mit mir nach hinten und stolperte dann über einen umgeworfenen Stuhl. Der Herr knallte unsanft mit dem Rücken auf den Boden, leider schlug er sich dabei nicht seinen Schädel auf, aber dafür fiel ich auf ihn drauf und ließ ihn als Dankeschön für die weiche Landung, noch meine Knie spüren. Erst als ich ihm ins Gesicht sah, erkannte ich wer da eigentlich von mir angegriffen wurde.
„ Asariah?“ staunte ich auch nicht schlecht.
„ Das geschieht ihm recht!“ keuchte Chiara.
„ Geh von mir runter!“ stieß er mich zur Seite. „ Wir sind noch nicht fertig!“ starrte er die Götterkatze erbost an.
„ Ich bin schon lange mit dir fertig!“ konterte sie.
„ Gut, dass du das nicht zu entscheiden hast!“ stürmte er erneut auf sie zu.
Dass ich mich mit im Raum befand schien ihn dabei herzlich wenig zu interessieren.
„ Lass mich in Ruhe!!“ wich sie ihm immer wieder aus.
Ich war mir nicht sicher, ob das ein Spiel zwischen den Beiden war oder ob Asariah der Dame wirklich schaden zufügen wollte. Eben weil ich die Situation nicht verstand, ging ich noch einmal dazwischen, als er kurz davor stand sie zu fangen.
Er mochte mir körperlich vielleicht überlegen sein, aber gegen das Licht kam er in seinem derzeitigen Zustand bei weitem nicht an. Deshalb stellte es für mich keine größeren Probleme dar, ihn am Arm zu packen und ans andere Ende des Raumes zu befördern.
Nun, mit dieser Aktion verlor Chiara sein Interesse, aber dafür ging er nun auf mich los. Das passierte also, wenn man vor Wut rot sah, so wie bei einem Stier.
„ Was macht ihr denn da?“ sah sich das Kätzchen unsere kleine Auseinandersetzung erschrocken an. „ Ihr bringt euch noch gegenseitig um! Oder ihr weckt Chaos...“ was in ihren Augen noch viel schlimmer war. „ Hört sofort mit diesem Schwachsinn auf!!“ versuchte sie sich dazwischen zu drängen, was aber angesichts der umherwirbelnden Klingen zu gefährlich war. „ Hört ihr schlecht?? Ihr sollt auf der Stelle damit aufhören! Ihr habt doch echt beide den Schuss nicht gehört!“
Der Teufel war so außer sich vor Wut, dass ihn vermutlich nicht mal eine Büffelherde bändigen könnte, selbst dann nicht, wenn diese in Scharen über ihn hinweg galoppierte.
Mir war nicht klar, was den Herrn so stark aus der Fassung gebracht hatte, dass er auf seine Freunde los ging, aber mein Einmischen war bloß der bekannte letzte Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte. Chiara allerdings, wusste ganz genau warum er vor Zorn vor sich hin brodelte und sie wusste ebenso, dass sie die einzige war, die diesen wilden Stier in seine Schranken weisen konnte.
Aus Angst, der Feind könnte wirklich erwachen, erstürmte sie unsere Mitte und stellte sich todesmutig zwischen uns. Hätte der Teufel des Todes nicht so schnell und geistesgegenwärtig reagiert, dann wäre von dem Kätzchen jetzt wohl nicht mehr all zu viel übrig. So aber, zerrte er die Dame zu sich hin und wehrte meinen Angriff mit seinem Schwert ab.
„ Hast du sie noch alle?“ zischte er sie erbost an.
„ Es ist genug...“ sah sie zu ihm auf. „ Du wolltest etwas mit mir klären und nicht mit ihr.“ flüsterte sie. „ Ich will es nicht riskieren, dass Chaos erwacht. Auch wenn ich euch liebend gern dabei zugesehen hätte, wie ihr euch die Köpfe einschlagt...“ wendete sie sich mir zu. „ Danke das du mich beschützen wolltest.“ tätschelte sie lächelnd meinen Kopf. „ Ab jetzt übernehme ich wieder.“
„ Wie du meinst.“ drehte ich mich von ihnen weg und verließ das Schlachtfeld.
Ich hatte die Tür kaum geschlossen, da drang schon wieder ein lautes Poltern an mein Ohr, was mich leicht zusammen zucken ließ. Aber das Kätzchen wollte da allein durch, deshalb ignorierte ich den Krach und begab mich auf die Suche nach Aries.
Der Herr saß an der Bar und unterhielt sich mit einer fremden Frau.
„ Aries? Kann ich dich kurz sprechen?“
„ Klar, was gibt es denn?“ sah er mich fragend an.
„ Unter vier Augen.“ sah ich seine Begleitung an, die mich ebenfalls verstimmt musterte.
„ Oh, ok. Dann gehen wir besser auf mein Zimmer. Ich wollte sowieso mal schauen, wo Chiara bleibt.“
„ Die bekriegt sich gerade mit Asariah. Deshalb sollten wir in mein Zimmer gehen.“
„ Schon wieder?“ verzog er das Gesicht. „ Nun, eigentlich sollte mich das nicht wundern.“ murmelte er. „ Gut, dann lass uns in dein Zimmer gehen. Sorry, die Pflicht ruft.“ entschuldigte er sich bei der Frau und zog dann mit mir von dannen.
„ Die Pflicht ruft? Ist er etwa ein Callboy?“ fragte sie sich.
Aus dem Zimmer des Seelendiebes, an dem wir vorbei kamen, war nichts mehr zu hören. Entweder hatten sie sich inzwischen bewusstlos geschlagen, oder sie hatten ihren Streit beendet und den Raum verlassen. Nun, was es auch immer war, wir werden es wohl nie erfahren! Ohne nach dem Rechten zu sehen betraten wir nämlich mein Zimmer.
„ Warum ist Aries mit Sasha in ihrem Zimmer verschwunden?“ wollte Serah wissen, die gerade den Flur entlang geschlendert kam.
„ Warum wohl?“ grinste Cheria breit auf. „ Der wird sie garantiert nicht in den Schlaf singen wollen, so viel ist sicher.“
„ ...“ verfinsterte sich die Miene der Göttin schlagartig.
„ So wie der die teilweise an schmachtet, war es doch nur eine Frage der Zeit, bis er ihr den Himmel auf Erden zeigt.“ schlenderte sie zu ihrer Tür hin. „ Außerdem stehen die Teufel doch auf reine und unschuldige Auren, oder nicht? Sasha's Licht muss vor Reinheit und Unschuld eigentlich überlaufen. Von daher, wundert es mich nicht, dass er ihr nicht widerstehen kann.“
>Oh dieser Hund!!! Ich hoffe er bekommt einen Herzinfarkt und zwar BEVOR er zum Schuss kommt!!< kochte Serah innerlich vor Wut.
„ Ja... vermutlich hast du recht!“ nach außen aber, versuchte sie sich nichts anmerken zu lassen. >Nun wo er mich hatte, scheine ich uninteressant für ihn geworden zu sein. Dieser Wichser!<
„ Gehen wir gleich noch einen Trinken? Die Nacht ist doch noch jung.“
„ Klar! Warum nicht?“ lächelte sie leicht.
„ Prima, ich ziehe mich nur schnell um.“
„ Ja, das mache ich auch.“ wobei die Göttin auch nichts dagegen hätte, mehr über mein Treffen mit ihrem Schwarm zu erfahren.
Als sich die Damen in ihre Zimmer verzogen hatten, war ich gerade dabei Aries von meinen Plänen zu berichten.
„ Du willst dich also schlafen legen, mh?“ verschränkte er die Arme vor der Brust. „ Und was ist, wenn Chaos plötzlich erwacht? Wirst du das mitbekommen?“
„ Natürlich.“ nickte ich. „ Dadurch das er sich in meiner Nähe befindet, kann ich seine Aura selbst dann vernehmen, wenn ich schlafe.“
„ Du verfügst also auch über ein körpereigenes Alarmsystem, so wie die Götter.“ dachte er darüber nach. „ Sie spüren die dunkle Präsenz auch selbst dann, wenn sie nicht bei Bewusstsein sind.“
„ Chaos ist nicht das Problem, die anderen Dämonen aber schon. Ich spüre zwar das sie da sind, aber ihre Aura ist so schwach, dass ich wegen denen nicht aufwachen werde.“
„ Das musst du auch nicht.“ lächelte er. „ Ich werde dafür sorgen, dass sie dir keinen Grund liefern werden, um aufwachen zu müssen. Wir werden dich alle beschützen. Serah, Chiara, Lyrias und auch Cheria werden auf dich Acht geben. Ja selbst Asariah würde nicht tatenlos dabei zusehen, wie du vor die Hunde gehst. Mach dir also keine Gedanken, bei uns bist du in guten Händen.“
„ Bei Asariah wäre ich mir nicht so sicher...“ wendete ich meinen Blick murmelnd von ihm ab und starrte die Wand an. „ Es würde mich nicht mal wundern, wenn der mich morgen eigenhändig über Bord wirft.“
„ Warum sollte er das tun?“ zog er verblüfft die Augenbrauen hoch.
„ Weil ich mich in seinem Kampf mit Chiara eingemischt habe.“
„ Sie haben miteinander gekämpft?“ verblüffte ich ihn immer mehr. „ Und du hast dich da eingemischt?“
„ Ich war mir nicht sicher, was Asariah vor hatte. Deshalb hab ich mich eingemischt, ja.“
„ Was er vor hatte, könnte ich dir verraten.“ grinste er schief auf. „ Aber ich glaube nicht, dass dich das interessieren würde.“
„ Mhm?“ lehnte ich meinen Kopf schief.
„ Sagen wir einfach, er hat ein Ventil gesucht, um seine Eifersucht los zu werden.“ antwortete er auf meinen fragenden Blick.
„ Deshalb hat er sie angegriffen? Ich verstehe euch nicht...“ verschränkte ich nachdenklich die Arme vor der Brust.
„ Denk nicht weiter darüber nach, ich verstehe ihn manchmal selbst nicht.“ seufzte er lächelnd auf. „ Aber wie es aussieht, bin ich gerade Obdachlos geworden.“
„ Du könntest bei mir schlafen.“
„ Ein wirklich verlockendes Angebot, aber danke, dass wird nicht nötig sein. Ich brauche ohnehin noch keinen Schlaf. Also ist es nicht weiter tragisch.“
„ Wie du meinst.“ zuckte ich bloß mit der Schulter. „ Pass auf mich auf, Aries.“
„ Das werde ich. Schließlich bist du unsere einzige Hoffnung um Asariah zu retten.“
„ Das seht ihr vielleicht so, aber es entspricht nicht der Wahrheit.“ betrachtete ich ihn. „ Asariah ist ebenfalls in der Lage, sich selbst zu retten. Er scheint den Weg dorthin nur noch nicht zusehen.“
„ Was meinst du damit?“
„ Dass er stärker ist, als ihr glaubt.“
„ Und was soll das nun wieder heißen?“ kratzte er sich irritiert am Kopf. „ Mir ist schon klar, dass der Tod mehr kann, als wir bisher zu Gesicht bekommen.“
„ Du wirst irgendwann verstehen, was ich meine. Es ist nicht meine Aufgabe sein Geheimnis weiter zu plaudern.“
„ Sein Geheimnis? Was soll denn das für ein Geheimnis sein? Und warum sollte er dir das erzählen?“
„ Dieses Geheimnis hat er mir nicht erzählt. Ich habe es von allein heraus bekommen.“
„ Ts.“ lehnte er den Kopf schief. „ Ich warte einfach darauf, dass du dich schlafen legst und danach frage ich dich nochmal. Ich wette mit dir, dass du dann Mitteilungsfreudiger bist.“ grinste er mich frech an.
„ Ich könnte das Wissen mitnehmen, dann erfährst du auch nichts. Außerdem bin ich mir nicht wirklich sicher, ob das für deine Ohren bestimmt wäre.“
„ Natürlich wäre es das. Alles was Asariah angeht und was uns dabei helfen kann, ihn zu retten, ist für meine Ohren bestimmt. Ich würde es auch nicht weitererzählen, dein Geheimnis habe ich schließlich auch für mich behalten.“
„ Wieso fragst du nicht mal Lastalia, der würde dir das bestimmt erzählen.“
„ Ich kann die Stimme des Planeten aber nicht hören.“ knurrte er. „ Das können nur die Götter und Keith vielleicht… schließlich trägt er Lastalia's Blut in sich.“
„ Och, das tut mir jetzt aber leid.“
„ Lügnerin!“ verzog er beleidigt den Mund. „ Warum verrätst du mir das Geheimnis nicht? Schließlich geht es hier um meinen besten Freund!“
„ Weil es nicht meine Aufgabe ist, dir davon zu erzählen, das erwähnte ich doch bereits.“
„ Es liegt genaugenommen auch nicht in meinem Aufgabenbereich, dich zu beschützen!! Trotzdem tue ich es.“
„ Dafür bin ich dir auch wirklich dankbar.“
„ Sicher…“ machte er einen auf beleidigte Leberwurst.
„ Du wirst es erfahren, Aries. Hab etwas mehr Geduld.“
„ Geduld ist eine Eigenschaft, die ich nicht besitze. Das liegt in meiner Familie.“ schielte er mich von der Seite an. „ Sozusagen…“
„ Warum willst du das überhaupt unbedingt von mir erfahren? Ist es nicht viel besser, wenn Asariah dir sein Vertrauen damit beweist, dass er es dir selbst sagt?“
„ Wenn es uns dabei hilft, Asariah zu retten, dann wird er ein Teufel tun und uns davon erzählen.“
„ Hm…“ wendete ich meinen Blick von ihm ab.
„ Du wirst es mir nicht sagen, mh?“
„ Ich kann es dir nicht sagen.“ erklärte ich ihm. „ Hat nicht jede Medaille eine Schattenseite? Selbst der Mond besitzt so eine Seite. Was er vor euch verbirgt, ist eine von Meteoriten zerstörte Oberfläche, die dem Bild nach einem Krieg gleicht.“
„ Du meinst also, dass meine Sorgen um ihn noch weiter ansteigen würden, wenn ich wüsste was du weißt?“
„ So wird es kommen, definitiv.“ nickte ich. „ Deshalb lass die Geschichte ruhen.“
„ Nun gut. Ich werde nicht mehr fragen. Aber du musst mir versprechen, dass du mir alles erzählen wirst, wenn es hart auf hart kommt.“
„ Hart auf hart?“
„ Ich habe mich nicht ohne Grund an seine Fersen geheftet. Sollte Chaos erwachen, was er früher oder später tun wird, dann werde ich aus Asariah einen Menschen machen. Damit er für Chaos uninteressant wird und seinen Körper verlässt. Nur so kann ich ihn daran hindern, mit seinem Untermieter in den Tod zu stürzen.“
„ Du willst deine Fähigkeiten einsetzen, um ihm die Mächte zu rauben? Hältst du das für sicher?“ sah ich ihn fragend an.
„ Mir fällt keine andere Lösung für unser Problem ein.“ verriet er mir. „ Ich weiß, dass es nicht ganz ungefährlich ist, wenn ich ihm die Mächte absauge. Wenn ich ihm zu viel seiner Aura stehle, dann wird er das nicht überleben, ich weiß es, trotzdem muss ich es riskieren. Wenn ich das nicht mache, wird er so oder so sterben.“
„ Du kannst ihm nicht alle seine Mächte rauben, Aries.“ verschränkte ich meine Arme vor der Brust. „ Das mag jetzt vielleicht hart klingen, aber du bist nicht stark genug, um seinen Kräften standhalten zu können. Keinem wird das gelingen. Nicht mal diesem Thanatos oder Misaki. Ihr könntet euch sogar alle gleichzeitig auf ihn stürzen, es würde nichts bringen. Ihr werdet sein innerstes bloß in Stücke reißen, seine Seele schänden oder sein Unterbewusstsein zerstören, aber einen Menschen, dass könnt ihr nicht aus ihm machen.“
„ Was…?“ starrte er mich mit weit aufgerissenen Augen an. „ Aber das bedeutet...“ fiel er aus allen Wolken. „ … dass wir ihm nicht helfen können...“ wich jegliche Farbe aus seinem Gesicht. „ Er wird mit diesem Wichser untergehen! Nein... das darf nicht geschehen.“
„ So lange Asariah sein Herz verschlossen hält, könnt ihr ihm nicht helfen. So lange der einzige Sinn in seinem Leben darin besteht, Chaos zu vernichten, wird er von diesem Pfad nicht abweichen. Ihr habt mich erreicht und befreit, nun wird es Zeit, dass ihr ihn erreicht und von seinen selbst angelegten Fesseln befreit! Wenn er erkennt, dass es Dinge in seinem Leben gibt, für die es sich zu kämpfen lohnt, dann wird der Tod sein innerstes nicht länger heim suchen.“ griff ich nach seinen Händen und lächelte ihn aufmunternd an. „ Zeigen wir ihm, dass er nicht sterben will. Gemeinsam schaffen wir das.“
„ Du hast dich bereits schlafen gelegt, hu?“ seufzte er entrüstet auf. „ Ich wusste ja, dass er es uns nicht leicht machen wird. Aber wenn ich aus ihm keinen Menschen machen kann... dann bin auch ich am Ende mit meinem Latein. Was sollen wir nur tun?“
„ Du darfst jetzt nicht aufgeben, Aries!“ verzog ich meinen Mund. „ Ich bin doch auch noch da!“
„ Ja, aber wenn wir Chaos nicht aus seinem Körper bekommen, dann wirst du beide töten müssen.“
„ Wenn Chaos nicht die Zeit hat, um Asariah's Seele vollständig zu verschlingen, dann kann ich ihn aus seinem Wirt herausholen.“ bemerkte ich. „ Dieser Kampf geht ohnehin nur mich und Chaos etwas an. Ihr hättet erst gar nicht mit rein gezogen werden sollen.“
„ Wie lange braucht Chaos, um sich eine Seele vollständig einzuverleiben?“
„ Ein paar Sekunden, vielleicht wenige Minuten.“
„ Was?“ zerschlugen meine Worte noch mehr seiner Hoffnungsschimmer. „ Aber dann wirst du ihn nicht rechtzeitig von Asariah trennen können.“
„ Eine Seele, die von Chaos verschlungen wird, ist nicht unwiederbringlich verschwunden. Du musst ihn dir als eine Art Gefängnis vorstellen. Die Seele sitzt in der Dunkelheit fest, sie sucht nach einem Ausweg, nach dem Licht, aber vergebens, sie findet nichts dergleichen. Aber dafür kann er auch nicht selbstständig agieren. Sollte Chaos Asariah's Seele verschlingen, dann wird er ihn automatisch daran hindern, sich selbst umzubringen. Eine Gefangene Seele ist nur dann verloren, wenn ich nicht mehr existiere. So lange ich noch atme, kann ich die Seele retten, sofern er seinen Wirt verlässt.“
„ Den er aber nicht freiwillig verlassen wird. Das darf doch alles nicht wahr sein...“
„ Aries!“ lehnte ich meine Hände an sein Gesicht und zwang ihn so dazu, mich anzusehen. „ Asariah wird nicht sterben. Wir werden ihn erreichen, ehe Chaos erwachen kann und wenn nicht, dann sind ein paar Sekunden für mich beinahe eine Ewigkeit. Ich werde nicht zulassen, dass Asariah aus diesem Leben verschwindet, ok?“
„ Ok...“
„ Gut, dann lächle jetzt wieder! Du willst die anderen doch nicht beunruhigen, oder? Der glaube daran, dass du aus Asariah einen Menschen machen kannst, hält ihre Hoffnung aufrecht. Zerstöre ihre Zuversicht nicht.“
„ Das hatte ich auch nicht vor.“ murmelte der Seelendieb. „ Ich hätte niemals geglaubt, dass der Tod so mächtig ist, dass ihm nicht mal drei Seelendiebe die Kraft rauben können. Kein Wunder also, dass Chaos in ihm schlummert.“
„ Der Tod ist nicht das einzige, was ihm so viel Macht verleiht.“
„ Ich will es gar nicht wissen!“ wendete er sich von mir ab. „ Eine schlechte Nachricht pro Abend reicht vollkommen aus.“ erzählte er mir, während er zur Tür hin schlenderte. „ Ich bin an der Bar, falls du mich brauchst.“
„ Ich werde jetzt schlafen gehen, mein Wirt signalisiert mir, dass ich das tun sollte. Aber falls ich nicht einschlafen kann, dann komme ich dich besuchen. Vielleicht kannst du mich ja auch in den Schlaf wiegen, so wie du das mit Chiara immer machst!“ kicherte ich.
„ ...“ seufzte er bloß schweigend auf. „ Weil du nicht weißt, was du da eigentlich von dir gegeben hast, verzeihe ich dir deine Worte nochmal.“
„ Ich weiß sehr wohl, was es heißt, jemanden in den Schlaf zu wiegen!!“ protestierte ich. „ Das habe ich bei den Dorfbewohnern gesehen. Die haben ihre Babys so auf dem Arm getragen und sie dann hin und her gewogen, bis sie eingeschlafen sind.“ ahmte ich die Bewegungen nach. „ Auch wenn mir nicht ganz klar ist, wie das bei uns beiden funktionieren soll... mhm...“
„ Gute Nacht, Sasha.“ lächelte er mich an und dann ließ er mich in meinem Zimmer allein zurück.
„ Ja... gute Nacht.“ aber ans schlafen konnte ich jetzt nicht denken.
Ich stahl mich viel mehr nach Kythos und schloss erwartungsvoll meine Augen. Nun müsste ich Lastalia ja hören können und tatsächlich. Seine Stimme kam bei mir an, ich glaubte sogar seine Gegenwart spüren zu können. Auch wenn es nur der Wind war, der mich streichelte.
„ Wirf dein Leben nicht weg...“ das war es, was er mir immer wieder zuflüsterte.

Während ich mich auf Kythos befand, schlich sich Aries aus dem Gebäude und Serah traf sich mit Cheria in der kleinen Cocktailbar.
„ Hast du dir schon was leckeres zu trinken bestellt?“ wollte die Priesterin wissen.
„ Nein, ich habe extra auf dich gewartet.“ erklärte sie. „ Ich dachte, dass du mir vielleicht was empfehlen kannst?“
„ Kommt drauf an, was du für Früchte magst. Ich mag den Kirschcocktail total gern. Der schmeckt richtig lecker.“
„ Dann schließe ich mich deinem Geschmack an und bestelle auch so einen.“
„ Aber nicht, dass ich dich später aufs Zimmer tragen muss.“ kicherte sie.
„ Keine Sorge, ich müsste mir das Getränk literweise in den Rachen schütten, damit ich überhaupt auch nur leicht angetrunken bin.“
„ Ach ja, manchmal vergesse ich, dass du eine Göttin bist. Du bist uns so ähnlich.“
„ Wie sollte ich auch sonst sein?“ hakte sie leicht irritiert nach.
„ Naja... anders halt...“ suchte sie nach den richtigen Worten. „ Ich weiß nicht, wie ich dir das erklären soll. Aber bisher bin ich immer davon ausgegangen, dass sich unsere Gottheiten nicht mit dem einfachen Volk abgeben würden.“
„ Ich habe mich schon öfter unter das einfache Volk, wie du es nennst, gemischt. Wir haben eine tiefe Beziehung zu der Erde, falls dir das was sagt. Und dort habe ich mich oft rum getrieben, um den unschuldigen Kindern zu helfen.“
„ Die Erde?“ überlegte Cheria. „ Nein, das sagt mir gar nichts. Sind sie so wie wir?“
„ Nicht ganz. Der Planet ist um einiges größer, also leben dort auch mehr Menschen. Sie verfügen über keine übernatürlichen Kräfte oder so was. Und wo mehr Lebewesen auf engeren Raum zusammen leben, gibt es auch mehr Verbrechen. Ich versuche die reinen Lichter vor dem verblassen zu bewahren. Diese unschuldigen Seelen sind es nämlich, über die wir Kontakt aufnehmen können. Wir machen aus ihnen Heilige, die Gottes Willen vernehmen können und so mit unserer Hilfe das Gemeinschaftsgefühl steigern. Wir beschützen die Kirchen vor allen Katastrophen und schenken den Menschen so einen Zufluchtsort, wo sie sicher sind.“
„ Und wie erlischt dieses reine Licht?“
„ Bei den meisten erlischt es nach der Pubertät von allein. So wie bei euch nicht jeder ein Priester werden kann, so kann bei uns nicht jeder ein Heiliger werden. Unsere Priester müssen einen bestimmten Bezug zu uns Götter haben, sonst können wir sie nicht erreichen. Manchmal aber, erlöscht das Licht, weil ihnen etwas Grauenvolles angetan wird und sie deshalb den Glauben an uns verlieren. Aber auch wir Götter können nicht überall gleichzeitig sein, dafür geschehen zu viele Verbrechen. Es liegt nicht mal in meiner Macht, allen Kindern zu helfen und diese sind bei uns in der absoluten Minderheit.“
„ Die Menschen müssen sich selbst helfen, wenn ihr ihnen alle Arbeit abnehmt, dann werden sie irgendwann verlernen, auf eigenen Beinen zu stehen. Über sie zu wachen ist ok, aber sie müssen ihre eigenen Entscheidungen treffen können, nur so können sie aus ihren Fehlern lernen und das Gelernte an die nächste Generation weitergeben. Wenn ihr sie zu sehr in Watte packt, dann werden selbst aus den Erwachsenen wieder Kinder werden, die von Tuten und Blasen keine Ahnung haben. So sehe ich das jedenfalls.“
„ Und das ist eine gute Sicht auf die Dinge.“ lächelte sie leicht.
„ Aber ich bin froh darüber, dass ihr her gekommen seid, um uns zu helfen.“
„ Natürlich kommen wir her, um euch zu helfen. Nur weil wir eine besondere Bindung zu der Erde haben, heißt das ja nicht, dass uns die anderen Welten egal sind. Es gibt außer uns schließlich keine anderen Götter, die an unserer Stelle über euch wachen könnten.“
„ Meine Damen, eure Getränke.“ unterbrach der Kellner ihre kleine Unterhaltung, der ihnen ihre Getränke auf den Tisch stellte.
„ Aber wir haben doch noch gar nichts bestellt.“ staunte Cheria nicht schlecht. „ Könnt ihr etwa Gedanken lesen?“
„ Die Getränke kommen von den beiden Herren dahinten.“ deutete er auf die besagten Besucher hin.
„ Aha, ja dann danke.“
„ War ja klar, dass zwei so hübsche Mädchen, wie wir es sind, nicht lange in Ruhe gelassen werden können.“ kicherte die Heilerin.
„ Tja, ihre Libido wird sie nicht weniger beherrschen, nur weil die Welt gerade angegriffen wird. Männer bleiben eben Männer. Egal woher sie kommen.“ ließ sie den Kerlen einen abschätzenden Blick zukommen. „ Und ihre Libido ist bereits bis ins Hirn vorgedrungen.“
„ Ach, kümmere dich nicht weiter drum.“ lenkte Cheria die Aufmerksamkeit wieder auf sich. „ Nun wo wir unter uns sind, können wir ja über so interessante Themen wie Jungs reden. Hast du gerade einen Freund? Oder jemanden, der es dir angetan hat?“
„ Einen Freund? Nein, dafür haben die Kerle meiner Welt zu viel Respekt vor Asariah und meinem Vater.“ schmunzelte sie. „ Sie achten mit Argusaugen auf mich, damit niemand mein reines Licht beschmutzen kann und genau das schreckt die Männer ab.“
„ Wer sich davon abschrecken lässt, wurde wirklich nur von deinem hellen Licht angezogen und wollte bloß seinen kleinen Freund versenken. Derjenige, der sich nicht davon abschrecken lässt, der liebt dich wirklich.“
„ Wenn das so ist...“ seufzte sie auf. „ Dann liebt mich scheinbar niemand.“
„ Ach quatsch!! So darfst du das nicht sehen. So weit ich weiß, bist du Aries nicht egal. Schließlich ist der gleich losgestürmt, als er erfuhr, dass du in unserer Welt bist.“
„ Aries? Du meinst diesen Idioten, der gerade mit Sasha zugange ist?“
„ Mhm...“ setzte sie eine ernste Miene auf und verschränkte dabei die Arme vor der Brust. „ Das nichtssagende Kommentar, dass er auch nur ein Mann ist, ist wohl gerade nicht angebracht.“ kratzte sie sich am Kopf. „ Auf der anderen Seite, will er es sich zur Zeit bestimmt nicht mit Asariah verscherzen und wenn du so was wie sein größter Schatz bist, wäre es ein fataler Fehler, wenn er sich an dir vergeht. Also ist Sasha vielleicht nur so was wie ein Ventil?“
„ Wenn er mich wirklich lieben würde, dann würde er jawohl auf mich warten!!“ protestierte Serah. „ Dann hätte er kein Interesse an anderen Frauen und würde erst recht nicht mit denen in die Kiste springen.“
„ Naja...“ starrte Cheria beschämt auf ihr Glas. „ Ich schlafe doch auch mit einem anderen, obwohl ich wen anderes liebe. Wenn man erst einmal in den Genuss der körperlichen Nähe gekommen ist, dann fällt es einem schwer, davon abzulassen.“
„ Findest du es fair, dass du mit Lyrias Gefühlen spielst? Ich finde es nicht fair. Aber das ist meine Sicht auf die Dinge. Ich kann mich nicht mit jemanden einlassen, den ich nicht liebe und ich würde die Verantwortung nicht tragen wollen, die mein Handeln mit sich bringt. Was wird denn zum Beispiel aus Lyrias, wenn sich Asariah irgendwann in dich verliebt? Wenn du deinen derzeitigen Bettgenossen fallen lässt, weil du es endlich mit demjenigen treiben kannst, den du ja liebst. Ich würde ihn nicht auf diese Art und Weise verletzen wollen.“
„ Wir wissen beide, dass es nur um Sex geht. Es wird unserer Freundschaft also nichts anhaben.“
„ Das denkst du, aber bist du sicher, dass es Lyrias auch so sieht?“
„ Ich... denke schon.“
„ Denken ist nicht wissen. Ich finde es ätzend, wie ihr mit den Gefühlen der anderen spielt!“ griff sie verstimmt nach dem Glas und kippte den Inhalt in einem Stück herunter. „ Mhm! Das ist wirklich lecker! Was ist das?“
„ Es sieht aus, wie der Beeren Cocktail. Mhm ja, der schmeckt auch so.“
Die halbe Nacht bleiben die beiden an dem Tisch sitzen und probierten einen Cocktail nach dem anderen. Nachdem sie sich fast durch die gesamte Karte probiert hatten, zauberte Serah einen beliebten Wein aus Kythos herbei. Cheria bekam allerdings nur einen kleinen Schluck davon ab, da der Wein der Götter mehr Umdrehungen besaß, als die irdischen Getränke.
„ Mhm der ist auch lecker. Aber der haut echt rein, ein kleines Glas davon und ich liege sturzbetrunken unterm Tisch.“
„ Deshalb darfst du ihn auch nur probieren.“ kicherte Serah.
Beide hatten sich zwischenzeitlich gut einen angetrunken, was die Stimmung auch merklich auflockerte.
„ Erzähl doch mal, Serahlein, konntest du dich dem Schutz deiner Familie mal entziehen, oder bist du noch Jungfrau?“
„ Das weiß ich nicht...“ genehmigte sie sich noch einen Schluck. „ Bei unserem letzten Fest habe ich wohl ein bisschen zu viel getrunken. Ich erinnere mich ab einen bestimmten Zeitpunkt an nichts mehr. Als ich am morgen aufgewacht bin, hatte ich einen mächtigen Kater und lag zu dem noch mit Aries in einem Bett. Und wir hatten beide...“ rückte sie mit dem Körper näher zu ihrer neuen Freundin hin, um ihr den Rest der Geschichte zuflüstern zu können. „ … nicht mehr viel an!“
„ Wirklich? Du bist mit ihm in der Kiste gelandet und erinnerst dich nicht mal mehr daran? Wie scheiße ist das denn??“
„ Psss! Schrei es doch noch lauter durch die Gegend, damit es auch wirklich jeder mitbekommt.“ verzog sie den Mund.
„ Tut mir leid.“ lehnte sie sich die Hand vor den Mund. „ War er etwa auch so besoffen, dass er sich nicht mehr daran erinnern kann, ob er was mit dir hatte?“
„ Ich weiß es nicht.“ seufzte sie beinahe theatralisch auf. „ Wir hatten nicht die Zeit, um darüber zu sprechen und auch jetzt scheint er ein riesiges Geheimnis daraus machen zu wollen.“
„ Vielleicht weiß er es ja wirklich nicht und deshalb will er nicht darüber sprechen. Er schämt sich.“ grinste sie breit auf.
„ Meinst du wirklich, er müsste sich dafür schämen, wenn er über mich hergefallen ist? So schlecht kann er gar nicht sein.“
„ Vielleicht schämt er sich dafür, dass er deinen Zustand eventuell ausgenutzt hat, um sich selbst zu befriedigen. Wäre doch möglich, oder nicht?“
„ Er soll mich benutzt haben?“
„ Das klingt so dreckig, ich würde es eher so formulieren: Er war nicht in der Lage, dir zu widerstehen!“
„ Ich denke auch, dass wir es getan haben und dass er deshalb sein Interesse verloren hat. Vielleicht lag ich ja so steif wie ein Brett unter ihm? Vielleicht hatte er absolut keinen Spaß mit mir? Vielleicht will er deshalb nicht darüber reden, damit er mich nicht verletzen muss.“
„ Das glaube ich nicht.“
„ Woher willst du das denn wissen? Du weißt doch nicht, wie ich mich im Bett verhalte.“
„ Aber ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ein leidenschaftliches Wesen, so wie du eins bist, wie ein steifes Brett im Bett unter dem Partner liegt. Das passt nicht zusammen.“
„ Ich soll leidenschaftlich sein?“
„ Natürlich! Du verteidigst uns mit einer Leidenschaft, die wahrlich nicht von dieser Welt ist. Viele könnten sich ein Beispiel an dir nehmen.“ erklärte sie. „ Ich denke wirklich, dass er den richtigen Zeitpunkt noch nicht erwischt hat, um dir zu gestehen, dass er süchtig nach dir ist. Schließlich will er es sich auch nicht mit Asariah verscherzen und das würde definitiv eintreffen, wenn er sich an dir vergeht, oder nicht?“
„ Mhm...“ senkte sie die Augen. „ Ich werde aus ihm einfach nicht schlau.“
„ Kann es vielleicht sein...“ griente Cheria noch breiter auf. „ Dass du dich in unseren Seelendieb verliebt hast?“
„ Das könnte sogar sehr gut sein.“ seufzte sie erneut auf.
„ Wirklich?? Wie romantisch ist das denn??“
„ Romantisch?? Wo er doch gerade über eine andere herfällt!? Aber nun bitte ich dich wirklich! Das kann nicht dein Ernst sein.“
„ Vielleicht treibt er es ja gar nicht mit ihr!“ betrachtete sie das Ganze aus einem anderen Blickwinkel. „ Vielleicht besprechen die beiden ja nur was miteinander.“
„ Klar! Während sie nackt unter ihm im Bett liegt!“
„ Vielleicht stellt er sich dabei ja vor, dass du an ihrer Stelle bist!“
„ Und das soll die Sache nun besser machen?“ zog sie fragend eine Augenbraue hoch.
„ Nu ja...“
„ Ach, reden wir nicht länger darüber! Er ist, was er ist! Nämlich ein Arschloch.“
„ Aber ein unglaublich süßer.“ kicherte sie.
„ Ja, leider.“ stimmte sie beim kichern mit ein. „ Süß ist er wirklich.“
„ Und attraktiv und sexy und heißblütig ist er bestimmt auch.“
„ Ich dachte du interessierst dich für Asariah?“
„ Na und? Deshalb bin ich aber noch lange nicht blind.“ konterte sie. „ Du bist übrigens auch total süß!“ strahlte sie sie verzückt an.
„ Öh, danke!“ blickte sie verdutzt zu ihr rüber. „ Versuchst du mich etwa gerade anzumachen?“ wurden ihre Augen immer größer.
„ Blödsinn.. aber süß bist du trotzdem!“ lachte sie.
„ Na dann, bist du auch total süß.“
„ Das gleiche hat Sasha auch gesagt.“ seufzte sie auf. „ Ich wünschte, sie wäre nicht mehr so kalt und gemein.“
„ Gib ihr etwas Zeit, damit sie sich an ihre neue Situation gewöhnen kann. Ich bin überzeugt davon, dass diese Sasha zurückkehren wird.“
„ Ich hoffe du hast recht.“
„ Das wird schon wieder.“
„ Ja...“ starrte sie in ihr leeres Glas. „ Einen trinke ich noch mit dir, aber dann muss ich ins Bett, sonst bekommt ihr mich morgen nicht aus den Federn raus.“
„ Was? So spät ist es schon? Mist, die anderen stehen ja bald schon wieder auf!“ riss Serah entsetzt ihre Augen auf.
„ Die Zeit vergeht unglaublich schnell, wenn man Spaß hat und ich hatte heute Abend jede Menge Spaß.“
„ Mir hat es auch wahnsinnigen Spaß gemacht.“ nickte sie lächelnd. „ Das sollten wir öfters machen.“
„ Das nächste Mal nehmen wir Chiara mit, die kann uns bestimmt ganz viele peinliche Storys über Asariah und Aries erzählen.“ grinste Cheria die Dame frech an. „ Wenn wir sie abfüllen, wird sie das nicht mehr für sich behalten können. Und wenn sich Sasha an uns gewöhnt hat, dann nehmen wir sie auch mit.“
„ Das machen wir.“
„ Dann stoßen wir noch einmal auf den gelungenen Abend an und denken erst gar nicht darüber nach, dass die Nacht fast schon wieder vorbei ist.“
Nachdem sie das letzte Getränk ausgetrunken hatten, schlenderten die beiden zu ihren Zimmern hin. Cheria verschwand auch gleich in ihrem, Serah aber starrte nachdenklich zu meiner Tür hin. Sie fragte sich, ob Aries noch immer bei mir war. Fiel er noch über mich her oder schlief ich bereits, während er mich im Arm hielt?
Und wo war Asariah überhaupt? Da bestand er darauf, mit ihr ein Zimmer zu teilen und dann fehlte von ihm jede Spur? Wie hohl war das denn bitte? Hätte er Aries in ihr Zimmer gelassen, dann würde sie jetzt in seinen Armen schlafen. Doch kaum hatte sie diesen Gedanken zu ende gedacht, da leuchtete ihr Gesicht schon in einem knalligen rot auf. Ihr Herz begann schneller zu schlagen und auch der Puls erhöhte sich, bloß ihr Verstand, der ließ sich von dieser Vorstellung nicht täuschen. Er gab ihr gleich zu verstehen, dass sich dieser Wunsch niemals erfüllen würde und wenn doch, dann weckte sie nicht die gleichen Gefühle in ihm, wie es umgekehrt der Fall war. Für ihn war sie vermutlich nur die Schwester seines besten Freundes, eventuell sogar, war sie Gefühlsmäßig auch zu seiner kleinen Schwester geworden. Wie konnte sie auch nur auf die bescheuerte Idee kommen, dass etwas zwischen ihnen in jener Nacht gelaufen sein könnte? Nicht nur, dass er ihren Zustand niemals ausgenutzt hätte, er würde sich auch nicht mit Keith oder gar Asariah anlegen wollen und genau das hätte er getan, wenn er über sie hergefallen wäre. Sie hatte sich von ihren Wünschen verführen lassen und die Illusion für die Realität gehalten, nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Betrübt betrat sie das leere Zimmer und schloss die Tür hinter sich, gegen die sie sich seufzend lehnte. Von ihrem Bruder fehlte weiterhin jede Spur, allerdings hatte sie auch nichts anderes erwartet. Schließlich war er ein Teufel und brauchte dementsprechend nicht so viel Schlaf. Zumal die Zeit vorbei war, in der er selbst dann noch über sie wachte, wenn sie schlief. Just in diesem Moment, fühlte sie sich einsamer als jemals zuvor und just in diesem Moment, schwor sie sich, nie wieder auch nur einen Tropfen Alkohol zu sich zu nehmen. Auch wenn Aries sie in ihren Gedanken heimsuchte, fiel sie doch tot ins Bett.

Der Morgen kam unerwartet und viel zu früh. Die beiden Teufel begrüßten die Sonne als erstes, klar, schließlich hatten sie als einziges die Nacht zum Tag gemacht. Als Chiara die Augen öffnete, fielen bereits die ersten Sonnenstrahlen auf ihr Bett.
Am liebsten hätte sie sich einfach umgedreht und weitergeschlafen, aber nach ihrer kleinen Auseinandersetzung mit Asariah gestern Abend, konnte sie das verwüstete Zimmer nicht so wieder übergeben. Deshalb setzte sie sich seufzend auf und blinzelte verschlafen vor sich hin. Die Bettseite neben ihr war leer, aber damit hatte sie bereits gerechnet, was sie allerdings verwunderte war die Tatsache, dass sie sich überhaupt im Bett befand. Das letzte woran sie sich erinnern konnte, bevor ihre Akkus versagten, fand definitiv auf dem Teppich statt und nicht im Bett. Demzufolge musste Asariah das Kätzchen hier abgelegt haben, ehe er das Zimmer verließ.
>Wie außerordentlich nett von ihm, dass er mich nicht auf dem kalten Boden liegen ließ, nachdem er mir mein Bewusstsein raubte.< dachte sie sich gähnend, während sie sich aus den Federn schälte und die Vorhänge aufzog.
Als sie sich dann langsam umdrehte, um den gesamten Ausmaß der Verwüstung betrachten zu können, fiel sie buchstäblich aus allen Wolken.
Der Teufel des Todes hatte sie nicht nur ins Bett gelegt, er hatte die Unordnung auch noch beseitigt und das Erstaunlichste zum Schluss: Er hatte den Frühstückstisch gedeckt.
Perplex rieb sie sich immer wieder die Augen, aber es war, wie es war, nämlich kein Traum.
>Ach ja, ich vergaß.< lächelte sie leicht auf. >Ich teile mir ja mit Aries ein Zimmer, er muss das Ganze wieder in Ordnung gebracht haben. Damit hat er was gut bei mir.<
Aber erstens kam es anders und zweitens als man dachte, was sie auch einsehen musste, als die Badezimmertür geöffnet wurde und nicht der Seelendieb auf den Plan trat.
„ Asariah...?“ blickte sie den frisch geduschten Mann erstaunt an. „ Du bist ja immer noch da?!“
„ Und du bist schon wach, wie ich sehe.“ wendete er den Blick von ihr ab. „ Dann muss ich dich wenigstens nicht mehr wecken.“
„ Dann hast du hier aufgeräumt und nicht Aries?“
„ Siehst du ihn irgendwo? Ich nicht, also muss ich das wohl gewesen sein. Es sei denn, du schlafwandelst neuerdings.“
„ Äh.. danke...“
„ Du musst dich nicht bedanken. Es war schließlich meine Schuld, dass es hier so aussah.“ murmelte er.
„ Einsicht ist der erste Weg zur Besserung.“ lächelte sie leicht. „ Und das Frühstück? Hast dem auch eine Bedeutung verliehen?“
„ Sieh es als Entschuldigung.“
„ Als Entschuldigung, wofür?“ hakte sie irritiert nach.
„ Für gestern... wofür denn sonst?“
„ Du musst dich nicht bei mir entschuldigen, das solltest du lieber bei Sasha tun.“
„ Das mein ich nicht, wobei Sasha selbst schuld ist. Was mischt sie sich auch ein?“
„ Dann redest du also von deinem kleinen Überfall.“ verschränkte sie die Arme vor der Brust. „ Du glaubst dich deshalb entschuldigen zu müssen? So ein Unsinn.“ grinste sie leicht auf. „ Weißt du denn nicht, dass Götterkater um einiges wilder sind, als du es jemals sein könntest? Im Gegensatz zu denen, bist du ein zahmes Schoßhündchen.“
„ ...“ sah er ihr verärgert dabei zu, wie sie im Bad verschwand.
Nachdem auch sie geduscht und sich frische Klamotten angezogen hatte, verließ sie das Badezimmer wieder und setzte sich an den gedeckten Tisch. Asariah hatte es sich auch bereits bequem gemacht und trank einen Kaffee.
„ Ich möchte das ihr zurück nach Hause geht, Chiara.“ begann er zu erzählen. „ Serah, du und auch Aries.“
„ Das Thema hatten wir doch schon. Wir werden nicht tatenlos dabei zusehen, wie du in dein Verderben rennst, also werden wir auch nicht gehen.“
„ Du bist doch ohnehin nur hier, weil Serah und Aries hier sind und du könntest Serah bestimmt dazu überreden, zurück nach Illumina zu gehen.“
„ Glaubst du wirklich, ich wäre nur wegen den beiden hier?“ sah sie ihn kurz an. „ Du scheinst keinen von uns wirklich zu kennen. Dir ist nicht klar, was du von uns verlangst! Wir versuchen deinen Arsch zu retten und riskieren dabei sogar unser Leben...“
„ Worum ich euch aber niemals gebeten habe!“ fiel er ihr wüst ins Wort.
„ Du musst uns nicht darum bitten, dir zu helfen ist für uns selbstverständlich!“ unterbrach sie ihn dieses Mal. „ Würdest du nicht auch alles daran setzen, einen von uns zu retten, wenn wir an deiner Stelle wären? Oder würdest du uns einfach abschreiben, nur weil wir dich darum bitten? Warum in Herrgotts Namen, willst du uns nicht verstehen?“
„ Wenn du an meiner Stelle wärst, würdest du es zulassen wollen, dass sich deine Freunde in solch große Gefahr begeben?? In meiner Gegenwart seid ihr nicht sicher, Chaos könnte jeden Moment erwachen und ich weiß nicht mal, ob ich das überhaupt registrieren kann! Ich will nicht dafür verantwortlich sein, wenn ihr aus dem Leben gerissen werdet!“
„ Wie kommt man nur auf die wahnwitzige Idee, mit diesem Idioten untergehen zu wollen? Ich wusste ja, dass du einen an der Klatsche hast, aber dass du dir so wenig wert bist, das hätte ich niemals für möglich gehalten. Hast du auch nur eine Sekunde darüber nachgedacht, was du deinen Eltern, Serah, Sophia und Aries damit antust??“
„ Ich beschütze sie vor diesen Irren...“ wendete er den Blick von ihr ab. „ Ich weiß, dass Chaos nicht eher ruhen wird, bis unsere Welt komplett ausradiert wurde und nach dem letzten Kampf, ist sein Wunsch nach Rache umso größer. Es gibt keinen anderen Ausweg...“
„ Natürlich gibt es den, du Idiot!“ knurrte sie. „ Sasha ist schließlich auch noch da und du glaubst doch nicht wirklich, dass deine Eltern sicher sind, wenn du mit Chaos verschwindest, oder? Sie werden alles daran setzen, um deine Seele in Sicherheit zu bringen, bist du dir dessen im klaren? Weißt du was mit der Göttin des Lebens geschieht, wenn sie eine Seele der großen Gottheiten auf eigene Faust rettet? Oder glaubst du etwa, dass sie dich einfach gehen lassen kann?“
„ Was mit ihr geschieht?“ starrte er sie entgeistert an. „ Nein, das weiß ich nicht.“
„ Das dachte ich mir.“ war sie es nun, die den Blick von ihm abwendete. „ Wenn du stirbst und deine Seele nicht wie verlangt erlischt, dann tritt deine Retterin an deine Stelle.“ flüsterte sie. „ Verstehst du, was ich dir damit sagen will?“ blickte sie ihn ernst an. „ Risa wird an deiner Stelle verschwinden!“
„ ...“ riss er schweigend aber sichtlich entsetzt die Augen auf.
„ Du hättest besser über deinen bescheuerten Plan nachdenken sollen...“ murmelte sie. „ Vielleicht hättest auch du dann bemerkt, dass es ein irrsinniges Unterfangen ist, was von Anfang an zum Scheitern verurteilt war. Hades wird sie nicht noch einmal gehen lassen. Dieses Mal wird sie dazu verdammt sein, bis in alle Ewigkeit seine Dienerin zu sein und in der Hölle zu schmoren.“
„ Das ist nicht möglich...“ grummelte er vor sich hin. „ Sollte sie wirklich an meine Stelle treten...? Nein, das wüsste ich zu verhindern.“
„ Natürlich!“ neigte sie den Kopf leicht zur Seite. „ Genauso wie du es zu verhindern weißt, dass wir dir bis ans andere Ende der Welt folgen?“
„ Auch ihr werdet noch einsehen müssen, dass es besser ist nicht in meiner Nähe zu bleiben.“
„ Das halte ich für ein Gerücht.“
„ Warum bist du überhaupt hier, wenn es nicht wegen Serah ist?“
„ Liegt das nicht auf der Hand?“ kam sie ihm mit einer Gegenfrage. „ Ich bin wegen dir hier.“
„ Natürlich.“ glaubte er ihr scheinbar kein Wort. „ Bist du dir sicher, dass du nicht wegen deinem anderen Stecher hier bist?“
„ Redest du von Aries?“ zog sie fragend eine Augenbraue hoch.
„ Wie viele Stecher hast du denn noch, die hier herum laufen?“
„ Tja...“ stützte sie ihren Kopf an der Hand ab. „ Von allen Spielzeugen, die in dieser Welt lagern, bist du mir ganz offensichtlich das liebste.“
„ Und warum sollte ich dir das glauben?“
„ ...“ sie schien einen Moment darüber nachzudenken, ob sie ihm den Grund dafür wirklich nennen wollte. „ Ich kann dir sagen warum...“ sah sie zu ihm rüber. „ Weil ich dich liebe.“
„ Was...?“ hakte er erstaunt nach.
„ Du hast mich schon richtig verstanden.“ bemerkte sie. „ Andernfalls hättest du nicht so überrascht reagiert.“
„ Dir ist aber schon klar, dass ich keinerlei Gefühle für dich hege? Mich zu lieben, ist verschwendete Zeit.“ fand er zu seiner gewohnten Kühle zurück. „ Du bedeutest mir rein gar nichts.“
„ Ich weiß, deshalb bist du ja auch nicht mein einziges Spielzeug. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis dein Platz in meinem Herzen neu besetzt wird. Ich kann warten, schließlich habe ich alle Zeit der Welt.“
„ Mhm...“
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Re: Diehieee Geschichte

Beitrag von Alexia am Di 30 Mai - 21:59

Kapitel 11. das weite Meer


Der Morgen stand in voller Blüte, als auch die letzten Langschläfer aus den Federn geworfen wurden.
Lyrias hatte zwischenzeitlich dafür gesorgt, dass unser Schiff startklar gemacht wurde, so dass wir bald ablegen konnten.
Chiara und Aries befanden sich auch bereits am Steg und sahen den Fischern dabei zu, wie sie ihre Köder und Netze aufs Boot schleppten.
„ Ihr solltet heute bei euren Familien bleiben.“ bemerkte das Kätzchen. „ Wenn ihr aufs Meer hinausfahrt, werdet ihr mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht wiederkommen.“
„ Wir haben nichts zu befürchten, Landratte. Poseidon wird uns beschützen.“
„ Auch Götter können ihre Augen und Ohren nicht überall haben.“ bemerkte Aries.
„ Warum sollen wir nicht hinaus fahren? Nennt mir auch nur einen guten Grund dafür.“
„ Das Meer ist unruhig. Glaubt mir, ihr solltet bei euren Familien bleiben.“ wiederholte sich die Dame.
Nachdem die Männer ihren Blick über das ruhige Wasser streifen ließen, brachen sie in lautstarkes Gelächter aus.
„ Oh ich sehe schon, da sind meterhohe Wellen!“ jubelte der eine. „ Pass auf, dass du nicht von Bord gehst, bei den Monsterwellen!“ grölte ein anderer. „ Oh, oh! Das Meer ist so wahnsinnig unruhig, dass mein Boot total gar nicht schaukelt! WOW ich falle gleich nicht herunter!“ lachten sie wieder im Chor.
„ Nicht der Wind macht das Meer heute so gefährlich, sondern die Dämonen, die unter der Wasseroberfläche lauern.“ seufzte der Seelendieb auf.
„ Aber wir müssen hinaus fahren, sonst können wir keine Fische einfangen und bekommen kein Geld, um unsere Familien zu ernähren. Wir sind darauf angewiesen.“ erklärte ein Seemann.
„ Ihr braucht Fische? Die kann ich euch besorgen!“ entgegnete Chiara.
„ Und womit willst du die fangen? Mit den Händen?“ brachen sie schon wieder in lautes Gelächter aus. „ Als wenn eine Frau auch nur einen alten Stiefel angeln könnte.“
„ Ich brauche weder meine Hände noch eine Angel zu verwenden, um euch mit frischen Fischen versorgen zu können.“
Was sie ihnen dann auch eindrucksvoll bewies. Das Kätzchen ließ ihre Flügel erscheinen und begab sich übers Wasser. Mit einem Wirbelsturm, der sich unter der Wasseroberfläche befand, scheuchte sie die Fische zusammen und beförderte sie dann, als man unter ihren Füßen mehr Fisch als Wasser sah, allesamt ans Ufer. Die Männer starrten den Fisch Regen erstaunt an und wagten ihren Augen kaum zu glauben. So viele Fische fingen sie in einer ganzen Woche nicht.
„ Könnt ihr jetzt bei euren Familien bleiben?“
„ Ich könnte dich knutschen!!“ kreischte einer der Männer.
„ Oh bitte nicht.“ verzog die Dame ihren Mund.
„ Du hast uns gerade mindestens zwei Wochen Arbeit erspart!“
„ Gern geschehen.“ landete sie wieder vor dem Teufel in Menschenform. „ Kannst du ein Schiff steuern? Wir können von den Menschen hier nicht verlangen, dass sie sich solch einer Gefahr aussetzen, in dem sie uns ans andere Ufer bringen.“
„ Wenn er es nicht kann, ich kann es auf jeden Fall.“ gesellte sich Lyrias zu ihnen. „ Ich habe auch schon alles mit dem Kapitän unseres Bootes geregelt. Es war zwar nicht gerade einfach, ihm sein Baby ab zu schwatzen, aber letztendlich gibt es auch bei ihm etwas, was ihm wichtiger ist, als sein Schiff. Nämlich sein Leben.“
„ Ich dachte immer, dass ein wahrer Kapitän mit seinem Kutter untergeht...“ überlegte die Katze.
„ Diese Männer hier sind keine Piraten, sie sind einfache Fischer, die nur aufs Meer hinaus fahren, weil sie auf den Fischfang angewiesen sind.“
„ Und ich dachte immer, alle Bootbesitzer wären gleich.“
„ Es gibt nichts auf der Welt, wo alles gleich ist. Man kann die Bootbesitzer genauso wenig alle über einen Kamm scheren, wie man das mit den Menschen, Göttern oder Teufeln machen kann.“ meinte Aries.
„ Da hat er vollkommen Recht.“ nickte der Leibwächter. „ Ihr seid soweit startklar, ja? Dann werde ich mal nach den andern beiden schauen gehen.“ schlenderte Lyrias zurück ins Hotel.
„ Mhm...“ sah ihm Chiara kurz hinterher, ehe sie sich dem Ladthaaner zuwendete. „ Asariah war letzte Nacht bei mir.“
„ Ja, ich weiß.“ grinste er schief auf. „ So wie es aussieht, kann er seine Eifersucht nicht kontrollieren.“
„ Irgendwo tief in ihm befindet sich noch immer der alte Asariah. Die Mauer die er sich aufgebaut hat, besteht nicht aus Stein, sie besteht aus Papier. Deshalb lassen ihn seine Gefühle nicht kalt.“
„ Das hast du jetzt erst bemerkt?“ zog er fragend eine Augenbraue hoch.
„ Er ist wie ein kleines Kind, was über einer schweren Matheaufgabe hockt. Er kennt den Lösungsweg, aber er kann ihn nicht anwenden. Also fängt er an, an sich und alle andern zu zweifeln. Er sehnt sich nach Bestätigung.“
„ Und das hat er dir gezeigt, als er letzte Nacht über dich herfiel?“ schmunzelte er.
„ Nein, dass hat er mir heute Morgen bewiesen.“ sah sie ihn an. „ Ich dachte bisher, dass Chaos für seine Kälte verantwortlich sei. Auch wenn er nicht aktiv ist. Dass er sein Herz gefrieren ließ und somit alle Gefühle vernichtete. Aber nun weiß ich...“ blickte sie über das weite Meer. „ … das Chaos damit nichts zu tun hat. Asariah verstellt sich und das tut er, um die zu schützen die er liebt.“
„ Das hätte ich dir auch schon alles erzählen können.“ verschränkte er die Arme vor der Brust. „ Er tut so, als wären wir ihm alle egal, aber trotzdem ist er gleich zur Stelle, wenn wir verletzt werden. Er sorgt sich um uns, auch wenn er das nicht offen zeigt. Ich bin sein bester Freund, er muss nicht mit mir sprechen, um mir zu sagen was er empfindet, ich weiß es auch so. Das macht eine Freundschaft doch aus, oder nicht?“
„ Dann bin ich wohl keine so gute Freundin.“ seufzte sie auf. „ Ich habe mich von dem was er sagte blenden lassen. Ich habe ihm das wirklich abgekauft. Ich war so wütend auf ihn.“ lehnte sie den Kopf verstimmt zur Seite. „ Aber nicht weil er mich so kalt abserviert hatte sondern weil er Serah praktisch das Herz aus dem Leib riss. Ich hatte solch eine Wut auf ihn, dass ich...“ unterbrach sie sich kurz. „ ... ich hatte gehofft, dass er qualvoll mit Chaos untergeht und dass er, wo er dann auch immer sein mag, viel Zeit hat, um über alles nachdenken zu können. Das er wenigstens dann von seinen Schuldgefühlen gequält wird. Verstehst du?“ sah sie ihn wieder an. „ Ich fing an ihn zu hassen. Ich wäre auch niemals mit hierher gekommen, wenn Serah sich nicht so an der Idee festgebissen hätte, ihrem Bruder folgen zu müssen. Ich kenne Asariah schon mein ganzes Leben lang... wieso konnte er mein Vertrauen so einfach erschüttern?“
„ Da kannst du nichts für. Das liegt an Chaos seiner Präsenz. Er ernährt sich von allen negativen Gefühlen, die um ihm herum existieren. Er mag vielleicht in Asariah schlafen, aber trotzdem nistet er sich in unserer Gefühlswelt ein und manipuliert wo Zweifel auftauchen. Neben diesem Festmahl versucht er natürlich auch dafür zu sorgen, dass sein Wirt völlig allein dasteht. Solange wir an seiner Seite sind, könnten wir ihn ja auffangen und dafür sorgen, dass er Chaos nicht mehr als Gefäß dienen will.“
„ Hat er es bei dir auch versucht?“ hakte sie nach.
„ Natürlich.“ verzog er den Mund. „ Er zerrte an meinen Zweifeln, ihm gewachsen zu sein.“ murmelte er. „ Beim letzten Kampf gegen Chaos, wo Ladthaa gerettet wurde, waren alle um einiges stärker als wir. Es waren Größen an dem Kampf beteiligt, die wir jetzt vergeblich suchen. Granas, Thanatos, mein Alter, deine Alten, Risa und auch Keith. Wir haben Sasha...“ nickte er. „ Sasha... und Sasha.“
„ Du glaubst also, dass wir nicht siegen können?“
„ Ich zweifelte an meinen Fähigkeiten und ja, ich zweifelte auch an unseren Erfolgschancen. Ich bin schließlich nur ein junger Seelendieb, der seine Fähigkeiten noch nie wirklich eingesetzt hat, der von den dämonischen Auren absolut keine Ahnung hat und los rennen will, ehe er überhaupt das Laufen erlernt hat. Aber hey, dem Teufel des Todes die Mächte abzusaugen wird ein Klacks...“
„ …“ machten sich die ersten Zweifel in ihren Augen breit.
„ Jetzt guck nicht so.“ lächelte er sie an. „ Das waren meine Zweifel und nicht deine.“
„ Aber... sie sind berechtigt...“
„ An sich selbst zu zweifeln ist ok, so lange die Zweifel nicht die Oberhand gewinnen. Natürlich bin ich nicht so erfahren wie Misaki oder Thanatos. Aber auch sie waren nicht von Anfang an perfekt und mussten Fehler begehen, um aus ihnen zu lernen. Wir verfügen über dieselben Kräfte.“ ballte er seine Hand zur Faust. „ Und wenn die es geschafft haben, jemanden die Kräfte zu entziehen, dann packe ich das erst Recht.“    
„ Mum hat mir erzählt, dass Misaki zweimal um sein Leben kämpfte. Beim ersten Mal rettete ihn Risa's Blut und beim zweiten Mal das von Patty. Selbst Keith hätte beinahe das Zeitliche gesegnet, wenn Risa ihn nicht gerettet hätte. Sie verfügten also vielleicht über mehr Erfahrung und stärkere Kräfte, aber auch das schützt nicht vor Fehlern. Es macht die Sache vielleicht einfacher, aber es ist noch lange kein Garant für einen Sieg.“
„ Jetzt weiß ich das auch. Deshalb hat Chaos keine Macht mehr über mich.“
„ Ich bin auch gerade dabei ihn hochkant aus meinem Unterbewusstsein heraus zu treten. Ich glaube sogar, dass Asariah auch solche Momente hat, in denen Chaos absolut keine Macht über ihn hat.“
„ Klar, immer dann, wenn er über dich herfällt.“ grinste er breit auf.
„ Bei dem Gespräch heute Morgen, hat er hintenrum herauszufinden versucht, warum ich hier bin und mit wem ich noch das Bett teile.“
„ Das wundert mich jetzt nicht sonderlich.“ griente er verschmitzt auf. „ Und was hast du ihm gesagt?“
„ Das er mir von allen Spielzeugen, die hier in dieser Welt herumlaufen, das Liebste ist.“
„ Wow, das ist ja beinahe so was wie ein Liebesgeständnis!“ zog er verblüfft eine Augenbraue hoch.
„ Nein, dass war bloß eine Andeutung darauf, dass es mir mit ihm am meisten Spaß macht. Die Liebeserklärung kam erst später.“
„ Wie jetzt? Du hast es ihm heute morgen wirklich gesagt???“
„ Enttäuscht? Weil du somit dein Druckmittel verloren hast?“ grinste sie ihn frech von der Seite an.
„ Nun stecke ich wohl im Zugzwang, hu?“ kratzte er sich seufzend am Hinterkopf. „ Hat er was dazu gesagt?“
„ Ja, dass es reine Zeitverschwendung ist, ihn zu lieben und dass er nichts dergleichen für mich empfindet. Ich bedeute ihm nichts, das waren seine Worte.“
„ Du weißt aber, dass das nicht stimmt, oder?“
„ Wissen ist nicht der richtige Ausdruck dafür, ich ahne und hoffe es.“
„ Ich habe ihm versprochen nichts zu sagen, aber...“ sah er zu ihr rüber. „ Was er dir zuflüsterte, wenn er glaubte das du schläfst, waren keine leeren Worte.“ wies er sie darauf hin.
„ Ich versuche daran festzuhalten.“ nickte sie lächelnd.

Wenig später hatten wir uns alle auf dem Schiff versammelt und stachen in See.
Es war meine erste Schiffsfahrt und dementsprechend begeistert war ich. Das Wasser glitzerte in der Sonne, als würden sich tausende Diamanten unter der Oberfläche befinden. Das Geräusch der Wellen und der Möwen war so unfassbar beruhigend. Einfach ein einzigartiger Moment.
Für die anderen beiden Damen war es allerdings nicht mal annähernd so schön, wie für mich.
„ Ist mir schlecht...“ seufzte Cheria.
„ Wie konnten wir auch nur auf die blöde Idee kommen, ausgerechnet am Abend vor der Schiffsfahrt einen Trinken zu gehen?“ stöhnte Serah. „ Als wäre der Kater noch nicht schlimm genug, nun muss ich auch noch Seekrank werden.“
„ Aber der Abend hat sich trotzdem gelohnt.“ grinste sie verschmitzt auf.
„ Und? Hörst oder siehst du schon was?“ trat Aries an Chiara heran, die aufmerksam das Meer beobachtete.
„ Nein, bisher ist alles ruhig. Die Dämonen, die unseren Weg kreuzen, sind zu klein als dass sie unser Boot entern könnten.“
„ Halt die Augen trotzdem offen... ich habe ein ganz mulmiges Gefühl bei der Sache.“
„ Ich auch. Irgendetwas macht den niederen Dämonen und den Meeresbewohnern angst. Sie strömen in Scharen auf uns zu.“
„ Ich hoffe, dass wir den Grund dafür nicht erfahren werden.“ murmelte der Herr. „ Auf dem Wasser sind wir klar im Nachteil.“
„ Wenn sie vor einem Seeungeheuer flüchten, dann haben wir gute Chancen, dass er uns ignorieren wird, falls es sich dabei aber um einen stärkeren Dämonen handelt, dann haben wir schlechte Karten.“
„ Flüchtende Fische kann mehrere Gründe haben, aber das auch die Dämonen davon rennen, kann eigentlich nur bedeuten...“
„ Das ein weitaus stärkeres Vieh im Wasser lauert.“ beendete Chiara seine Vermutung. „ Wir sollten zusehen, dass wir schnellstmöglich das andere Ufer erreichen.“  
„ Wo genau wollt ihr denn hin?“ bat Lyrias die Gruppe zu sich hin. „ Wir könnten hier an der Bucht halten und uns von Oben nach unten durch die Dämonen kämpfen. Oder wir segeln gleich hier bis zur Mitte und erledigen wieder mehrere Portale auf einmal.“ deutete er auf die Karte, die er vor sich ausgebreitet hatte. „ Angesichts der Gefahr, die ihr erahnt, wäre es kürzer, wenn wir hier oben hin reisen.“
„ Wir sollten den kürzesten Weg einschlagen.“ riet Aries den anderen und auch Chiara war seiner Meinung: „ Solange wir uns auf dem Wasser befinden, sind wir ein gefundenes Fressen für unsere Feinde. Deshalb schließe ich mich Aries an.“
„ Je eher wir von dem Boot runter kommen, desto besser ist das für uns.“ murmelte die Heilerin. „ In vielerlei Hinsichten.“
„ Genau...“ war alles was die Göttin dazu sagte.
„ Ich mag die Schiffsfahrt.“ lächelte ich. „ Aber wenn ihr lieber schnell das Land erreichen wollt, dann ist das auch ok.“
„ Dann wäre das ja geklärt.“ wendete sich Asariah von uns ab und schlenderte zurück zum Geländer hin.
Die Zeit verging, ohne das uns irgendwas ungewöhnliches auffiel, mal abgesehen von den Meeresbewohnern die panisch das Weite suchten. So sehr wir auch hofften, den Grund für diese Massenpanik nicht zu Gesicht zu bekommen, es erfüllte sich nicht...
Wir hatten gerade ungefähr die Hälfte unserer Fahrt hinter uns gebracht, da deutete sich am Horizont ein großer Schatten unter der Wasseroberfläche an. Immer mehr Fische streiften unseren Weg und selbst die Vögel flogen kreischend davon. Der Schatten stürmte direkt auf uns zu und je näher er kam, desto größer wurde er.
„ Was ist das für ein Vieh??“ wichen Cheria und Serah zeitgleich von dem Geländer zurück.
„ Macht euch bereit!!“ rief Asariah den anderen zu. „ Er kommt bestimmt nicht auf uns zu, um bloß hallo zu sagen!“
Kurz bevor das Wesen unser Boot erreichte, schoss es aus dem Nass heraus und zeigte sich uns in seiner vollen Pracht. Dieser Dämon hatte die Form einer missgebildeten und übergroßen Krake angenommen, an seinen Tentakeln saßen messerscharfe Klingen und die Opfer, die er bisher verschlungen hatte, ragten, zwar unter seiner Haut aber deswegen nicht weniger abstoßend, aus seinem Körper heraus. Aus den Saugnäpfen tropfte ein widerlich aussehender Schleim, der eine ätzende Wirkung besaß und aus den Poren seiner Haut konnte er ein lähmendes Gas verschießen.
„ Da haben wir noch so ein Exemplar, was durch das Verschlingen seiner Artgenossen an unermessliche Kräfte gelang.“ wich selbst Aries bei dem Anblick ein paar Schritte zurück.
„ Der sieht so widerlich aus... mir ist doch schon schlecht.“ keuchte Cheria.
„ Wir müssen ihn von dem Boot weglocken! Sasha du bleibst bei Cheria, Serah und Lyrias!“ befahl Asariah.
„ Wieso? Ich kann auch kämpfen!“ versuchte sich die Göttin zu rechtfertigen.
„ Du bist jetzt schon ganz grün im Gesicht. Überlasse das uns.“ konterte der Herr.
„ Asariah hat Recht. Bleib besser hier.“ nickte Chiara.
„ Ok...“
„ Und warum soll ich nicht kämpfen?“ hakte ich verwirrt nach. „ Bin ich auch grün im Gesicht?“
„ Nein, aber du musst die anderen beschützen, für den Fall dass eine Tentakel an uns vorbei kommt.“ antwortete mir der Teufel des Todes.
„ Ach so? Ja, das ergibt Sinn.“
Nachdem nun alles geklärt war, schnellte die Front auf den Riesen zu und versuchte ihn mit gezielten Attacken vom Schiff wegzulocken. Aber wie das bei einer Herde, ihren schwächsten Mitgliedern und dem Jäger immer war: Wir verloren das Interesse von dem Tentaklemonster nicht. Vielleicht war ich auch der Grund dafür, weil er meine Aura sehen konnte. Da ich schlief und den Körper ja nur mit einem geringen Teil meiner Seele am Leben hielt, sah es für Außenstehende sicherlich so aus, als wäre ich gerade ein leichtes Opfer. Hätte er mich gestern bemerkt, wäre er mit Sicherheit freiwillig davon gestürmt. Das bedeutete allerdings auch, dass ich vom Schiff runter musste, damit er es nicht mehr bedrohte.
„ Er wird nicht von uns ablassen, solange ich mich hier befinde. Ihr bleibt hier, aber ich werde den anderen helfen.“ erklärte ich ihnen, ehe ich mit einer Wahnsinnsgeschwindigkeit auf die andere Seite des Viehs raste.
„ Was von...!!!“ wollte mich Asariah gerade zur Sau machen, allerdings unterbrach er sich, als er sah, dass sich sein Feind zu mir umdrehte. „ Hinter dir ist er also her...“
„ Was aber nicht bedeutet, dass er sie auch bekommen wird.“ schlug das Kätzchen immer wieder mit seiner Magie zu, die Krallen oder Zähne wollte es angesichts der Widerlichkeit des Feindes nicht benutzen.
„ Pass lieber auf, dass er dich nicht bekommt.“
„ Lieber sterbe ich!“ verzog sie angewidert das Gesicht.
„ Das eine würde unweigerlich zum anderen führen.“
Das Vieh sah zwar richtig stark und übermächtig aus, aber eigentlich war es sehr träge und außer ein paar stinkende Schreie hatte es nicht viel zu bieten. Vermutlich würde es anders aussehen, wenn wir uns direkt im Wasser befinden würden und sich sein giftiger Schleim, bzw. das giftige Gas ungehindert ausbreiten konnte. Vielleicht war das unser erster Fehler, weil wir den Gegner unterschätzten und nicht die Zeichen sahen, die uns jetzt schon aufgezeigt wurden. Da war dieses gefährliche Leuchten in seinen Wunden, was wir mit einem Schulterzucken abtaten. Ein fataler Fehler, wie sich am Ende des Kampfes herausstellen sollte. Jeder Dämon hatte eine Artspezifische Besonderheit, so wie es bei allen Lebewesen war. Der Skorpion hatte seinen Stachel, genauso wie der Gestaltenwandler, die Echse warf ihren Schwanz ab und das Tentaklemonster entledigte sich gleich seines ganzen Körpers. Man könnte sagen, dass seine Außenhülle nachwuchs,  oder dass das wahre Monster in dieser schmutzigen Hülle steckte. Diese Art war vollkommen neu für mich, sonst hätte ich das Drama frühzeitig kommen sehen.    
Ich kann nicht mal sagen, das wir unvorsichtig wurden, aber wir haben das offensichtliche einfach nicht kommen sehen und als es dann vor uns stand, schlug es buchstäblich ein wie eine Bombe!
Nachdem wir unserem Gegner tiefe und unzählige Wunden zugefügt hatten, seine Tentakel beinahe alle abhanden gekommen waren, bestand sein Körper nur noch aus einem leuchtenden Knubbel.
„ Scheiße!“ kreischte Chiara auf. „ Der fliegt uns gleich um die Ohren!! Weg von ihm, WEG VON IHM!!“
So schnell mich meine Flügel tragen konnten, raste ich zurück zu dem Schiff hin, um mich mit der Besatzung in Sicherheit zu bringen. Aber dafür war es bereits zu spät.
Das letzte woran ich mich erinnerte, war ein unglaublich lauter Knall. Ich hatte das Gefühl, als würde mein Trommelfell platzen, ich vernahm das Geräusch von brechendem Holz und irgendwo in diesem ganzen Wirrwarr, war das Gefühl, von einem Orkan weg geweht worden zu sein. Ich glaubte mich auch an Aries zu erinnern, der ebenfalls auf das Boot zu gestürmt war, aber irgendwann setzte meine Erinnerung aus. Was wirklich mit den anderen geschah entzog sich meiner Erkenntnis.
Als ich wieder zu mir kam, befand ich mich an dem Ufer, das wir eigentlich angesteuert hatten. Lyrias und Cheria waren auch bei mir. Wie es aussah konnte ich die beiden, trotz der verwirrenden Katastrophe, noch irgendwie erreichen und in Sicherheit bringen.
Keuchend setzte ich mich auf und kroch dann zu den beiden rüber.
„ Cheria!“ rüttelte ich an ihr rum. „ Lyrias.“ um dann nebenbei auch an ihm herum zu rütteln. „ Wacht auf.“
„ Oh.. mein Kopf...“ murmelte der Herr. „ Was ist passiert?“
„ Das Vieh muss sich in die Luft gejagt haben.“ vermutete ich.
„ Was ist mit den anderen?“ lehnte er sich stöhnend auf. „ Ich habe das Gefühl, als wäre ich vom zehn Meter Brett auf eine Tonne Asphalt gesprungen.“ keuchte er. „ Wie geht es Cheria?“
„ Keine Sorge, sie lebt.“ erklärte ich. „ Aber von den anderen fehlt jede Spur.“
„ Glaubst du, sie wurden von dem Vieh verschlungen?“
„ Nein, er kam um mich zu holen. Wenn er also überlebt hat, dann ist er entweder auf den Weg hierher oder aber er ist in die tiefen des Meeres abgetaucht, um sich zu regenerieren. Vielleicht wurde er aber auch zermatscht.“  
„ Ich hoffe, dass es allen gut geht. Wo ist eigentlich Serah? War sie nicht auch bei uns?“
„ Ich glaube, dass Aries da war um sie zu retten.“ dachte ich darüber nach.
„ Aries, mh? Und was machen wir jetzt?“ wollte der Herr von mir wissen.
„ Asariah und Aries können meine Aura sehen, auch vom Weiten. Sie werden uns früher oder später finden.“
„ Das erklärt aber immer noch nicht, wie wir hier hergekommen sind.“ strich er sich seufzend durch Gesicht.
„ Das war Chiara...“ machte sich Cheria bemerkbar. „ Sie hat uns alle mit einem Wirbelsturm davon geschleudert.“ erklärte die Dame. „ Aber ich weiß nicht, ob sie und Asariah noch rechtzeitig da weg kamen.“
„ Um Asariah müssen wir uns keine Sorgen machen.“ bemerkte ich. „ Um unser Kätzchen allerdings schon.“
„ Kannst du Aries oder Asariah nicht aufspüren? Du siehst die Dunkelheit doch auch.“
„ Ja, aber in meinem derzeitigen Zustand kann ich die Auren der beiden nicht von denen der gemeinen Dämonen unterscheiden und die gibt es hier wie Sand am Meer.“
„ Also praktisch die Nadel und der Heuhaufen.“ seufzte sie.
„ Keine Sorge, Asariah drängt doch immer so zur Eile, deshalb wird er hier bald schon auftauchen und dann sind wir alle wieder beisammen.“ davon war ich wirklich überzeugt.
Während wir von dem Kätzchen zur richtigen Stelle befördert wurden, erging es unseren Freunden nicht ganz so gut. Asariah und Chiara landeten auf einer Insel, die ein paar hundert Kilometer von unserem Ziel entfernt, zwischen den beiden Kontinenten lag. Aries und Serah wurden sogar noch weiter zurück gespült, landeten aber ebenfalls auf einer einsamen kleinen Insel.

Der Seelendieb kämpfte sich gerade aus dem Wasser heraus, er trug Serah auf dem Arm. Ihr Kleid war rot durchtränkt und auch an ihm klebte einiges an Blut. Er schwankte vorwärts, hielt seinen Blick eisern auf einen Fleck in der Ferne gerichtet und zwang sich dazu, der Müdigkeit jetzt nicht nachzugeben. Erst musste die Göttin in seinen Armen von der gefährlichen Flut weg. Aries legte die Dame erst ab, als er eine Stelle erreichte, an die das Wasser nicht heran kommen konnte und das geschah genau zur richtigen Zeit, wie es aussah, da er an einem Punkt ankam, wo er sich nicht mehr auf den Beinen halten konnte.
Mit zittriger Hand fasste er sich an die Brust, genau über seinem Herzen, und entfernte den Stoff, der das Desaster verbarg: Ein Holzpflock hatte sich von hinten in seinen Körper gebohrt, als er mit Serah davon geschleudert wurde. Der Mast, der ihn aufspießte, brach zwar ab, aber zur Hälfte steckte er noch immer in seinem Körper.
Er wollte sich von dem Holzbalken befreien, aber ihm fehlte die Kraft dazu, stattdessen versagte sein Kreislauf, seine Augen flackerten und aus seinem Mund liefen die ersten Blutstropfen.
„ So... kann ich mir wenigstens... mhm... sicher sein, dass du gefunden wirst...“ seine Sinne verabschiedeten sich, er fühlte noch nicht mal die Hand, die er umschlossen hielt, seine Atmung flachte ab und schließlich fielen ihm die Augen zu.
Nur einen Augenblick später erwachte Serah und blinzelte verschlafen den Himmel an. Just in diesem Moment, wo sie die Hand spürte, die auf ihrer lag, war alles in einem rosaroten Licht gehüllt. Erst als sie den Kopf zur Seite drehte und Aries, bzw. sein ganzes Blut entdeckte, war sie mit einem Schlag voll da.
„ ARIES!!!“ fuhr sie hoch und hockte sich neben ihm. „ Was ist mit dir?? Aires!! Nun sag doch was!! Wo kommt das ganze Blut nur her??“ sah sie aufgebracht an ihm herunter. „ Was ist nur mit dir? Ich finde das nicht komisch, bitte öffne deine Augen, Aries!“ traten die ersten Tränen in ihre Augen. „ Oh bitte nicht, tu uns das nicht an.“ sie bettete seinen Kopf auf ihren Schoss und da erst, weil sie mit ihrem Knie sein Hemd zur Seite zog, bemerkte sie den Pflock, der noch in seiner Brust steckte. „ Was...?“ wich nun auch das letzte bisschen Farbe aus ihrem Gesicht. „ Nein... das werde ich nicht zulassen, hörst du??? Du wirst nicht sterben!! Du darfst nicht sterben!!! Aries...“ liefen ihr die Tränen über die Wange. „ Du darfst mich nicht verlassen. Nicht so...“ drückte sie ihn fester an sich. „ Bleib bei mir.“ flüsterte sie. „ Was mach ich denn jetzt? Cheria muss her kommen. Aber wie soll ich sie so schnell hierher schaffen? Aber natürlich! Asariah!“ löste sie sich von dem Verletzten und hielt ihm dann die Ohren zu, ehe sie so laut sie konnte nach ihrem Bruder rief.
Aber auch wenn sie ihn nicht gerufen hätte, hätte er die Lebenslinie bemerkt, die zum Reißen gespannt war und er hätte ebenfalls gewusst, zu wem diese Linie gehörte. Aber nicht nur bei dem Teufel des Todes kam das schwindende Leben an, auch Risa bemerkte es mit Schrecken.
„ Nein...“ riss sie völlig schockiert die Augen auf.
Zur Zeit befand sie sich mit ein paar anderen auf dem Marktplatz der großen und prunkvollen Stadt in Illumina.
„ Keith, mein Freund.“ lehnte Misa seinen Arm um die Schulter seines Freundes. „ Komm mal mit, wir müssen reden!“
Doch gerade als er ihn total unauffällig davon schleifen wollte, drehte sich die Göttin des Lebens in die entgegengesetzte Richtung und eilte blitzschnell davon.
„ He, das ist doch kein Grund, gleich davon zu stürmen.“ rief ihr der Seelendieb verblüfft nach.
Aber als sie dann auch noch nach ihren Wächtern pfiff, schließlich wusste sie nicht, warum Aries um sein Leben kämpfte, entschlossen sich die beiden Männer dazu, ihr zu folgen.
„ Wir müssen nach Elysia!“ rief sie ihren Wächtern zu, als diese neben ihr her rannten. „ Schnell!“
„ Spring auf!“ nickte Charon und nahm im gleichen Atemzug seine große Gestalt an.    
Zwischenzeitlich war Asariah mit Chiara bei dem Verletzten angekommen und hockte mindestens genauso kreidebleich neben seinem Freund, wie es die beiden Damen taten.
„ Verdammt! Komm schon, Aries!! Öffne deine Augen, du Penner!!“ brüllte er seinen Kumpel an, aber der reagierte nicht im geringsten auf das, was man ihm befahl. „ Fuck! Ihr wartet hier!“
Um sich schneller bewegen zu können, hatte er seine Illusion fallen lassen und griff auf die Fähigkeiten des Todes zurück, so konnten ihn weder Stahltüren, Mauern, Raum oder Zeit oder gar andere Dimensionen aufhalten und so, erreichte er uns binnen weniger Sekunden.
„ Ihr müsst mitkommen, schnell!!“ zerrte er Cheria nicht gerade sanft zu sich hin. „ Los doch!!“ keifte er uns an.
„ Ist etwas passiert?“ hakte ich nach, während ich mich zu ihm hin gesellte.
Eine Antwort bekam ich von ihm allerdings nicht geschenkt, stattdessen beförderte er uns allesamt zu Aries hin.
„ Oh Gott!“ stürmte die Heilerin gleich zu zu dem Teufel hin. „ Wie konnte das denn geschehen?? Bist du auch verletzt worden???“ starrte sie Serah entsetzt an, an der mindestens genauso viel Blut klebte, wie an ihm.
„ Nein.“ schüttelte sie den Kopf. „ Mir geht es gut.“
„ Das ist gut.“ wendete sie sich wieder dem Teufel zu.
„ Kannst du ihn heilen??“ wollte Asariah von ihr wissen.
„ Ich... ich könnte schon, aber ich weiß nicht wie!“ starrte sie entsetzt auf ihn herab. „ Wenn ich ihn jetzt heile, wird der Pflock in seiner Wunde eingeschlossen. Aber wenn wir ihn ziehen...“ wich auch aus ihrem Gesicht jegliche Farbe. „ … dann wird er kollabieren. Ich-ich kann nichts für ihn tun. Sein Herz.... der Pflock steckt in seinem Herzen, wenn wir in davon befreien, wird er innerlich verbluten, meine Mächte sind nicht stark genug, um dem entgegen wirken zu können.“
„ DU MUSST ES SCHAFFEN!!!“ zischte Asariah die Priesterin an. „ Wenn du ihn nicht heilst, dann wird seine Lebenslinie reißen!! Verdammt, tu doch was!!“
„ Wie denn?“ liefen ihr die Tränen über die Wange. „ Ich bin keine Göttin!! Ich kann keinen sterbenden Teufel retten!!“
„ Du vielleicht nicht!!“ raste Chiara plötzlich zum Ufer hin. „ MUM!!! DAD!! WIR SIND HIER!!!“ winkte sie ihnen mit beiden Armen zu. „ Schnell kommt her!!“
Wenige Augenblicke später landeten Charon, Elara und Risa bei ihnen, letztere saß noch immer auf dem Rücken des Götterkaters. Diese waren dank ihrer Lichtgeschwindigkeit in der Lage, übers Wasser zu rennen. Sie bewegten sich so schnell, dass sie überhaupt keine Möglichkeit besaßen, ins Wasser fallen zu können. Kurz darauf kamen Misa und Keith bei ihnen an.
„ Mama!!“ vergoss Serah noch immer bittere Tränen. „ Bitte hilf ihm!!“
„ Deshalb bin ich hier.“ eilte sie zu Aries hin. „ Lass mich bitte dahin.“ wies sie Cheria dazu auf, das Feld zu räumen.
„ Ja natürlich.“ die auch gleich gehorchte und zur Seite ging.
„ Aries??“ eilte Misaki schockiert zu ihm hin. „ Was ist passiert??“
„ Da war ein Seeungeheuer und plötzlich ist es explodiert und dann.. irgendwie... und... nun sind wir hier!“ versuchte die Göttin die richtigen Worte zu finden.
„ Ein Seeungeheuer? Etwa ein Dymatron?“ überlegte er. „ Egal. Was ist mit Aries? Wird er durchkommen?“
„ Sein Körper wurde komplett durchbohrt und der Pflock steckt in seinem Herzen. Aber ja, mit der richtigen Magie werden wir ihn retten.“ erklärte Risa. „ Ihr geht weg von ihm! Ihr alle, auch du Serah!“
„ Aber ich will bei ihm bleiben.“ klammerte sie sich an dem Teufel fest.
„ Das ist zu gefährlich, Liebling. Bitte geh zur Seite.“ lächelte sie ihre Tochter aufmunternd an. „ Aries wird überleben, dass verspreche ich dir. Aber jetzt musst du von ihm weg gehen.“
„ Ok...“ löste sie sich zögernd von ihm und wankte dann rückwärts von ihm weg, schließlich stieß sie gegen Asariah's Brust, an den sie sich dann klammerte. „ Asariah!!“ weinte sie.
„ Keine Sorge, er wird es schaffen.“ lehnte er die Arme um ihren Körper.
„ Macht euch bereit. Wenn der Pflock aus seiner Brust gezogen wurde, dann werde ich ihm mein Blut zu trinken geben, ihr wisst ja, was das bedeutet.“ sah Risa erst Misaki, dann ihre Wächter und schließlich Keith an.
„ Wir werden ihn schon stoppen.“ nickte der Gemahl, der, genau wie Misa, vorsorglich seine teuflische Gestalt annahm.
„ Wenn ich los sage, zieht ihr den Pflock heraus, verstanden? Wir haben nur diesen einen Versuch.“ zauberte sie sich einen Pfeil herbei.
„ Überlasse das mir.“ nickte Keith seinem Kumpel zu.
„ Ok...“ blickte dieser besorgt auf seinen Sohn herab.
„ Bereit?“
„ Ja.“
„ Dann los!“ schnitt sie sich in den Arm, während Keith den Pflock heraus zerrte.
„ Hngh!!“ kniff Aries seine Augen zusammen und verkrafte sich zudem noch vor Schmerzen.
Nur wenige Sekunden später verabreichte Risa ihm ihr magisches Blut, das nicht nur in der Lage war, ihn komplett zu heilen, nein, es sorgte auch noch dafür, dass der Seelendieb in einen Blutrausch fiel.
Risa's wie auch Keith's Blut stammte ja bekanntlich von Lastalia und war dementsprechend etwas ganz besonderes. Das Blut der Göttin schenkte einem das ewige Leben, sollte jemand darin baden und das von dem Ladthaaner, machte einen unbesiegbar. Wenn Risa ihr Blut einem Ladthaaner zu trinken gab, verfiel dieser in den sogenannten Blutrausch. Dieser jemand war von dem Wunsch besessen, noch mehr von dem roten Wein trinken zu müssen, selbst wenn er die Göttin dafür umbrachte. Es war im alles egal, selbst wenn es sich um eine Freundin handelte. Im Blutrausch hatte das keinerlei Bedeutung mehr. Außerdem wurden die Kräfte des Trunkenbolds enorm verstärkt, was die Sache noch gefährlicher machte.
Auch Misaki befand sich schon im Blutrausch und bisher, war er der erste und einzige Ladthaaner, der sich dem Drang nach noch mehr Blut entziehen konnte. Auf Keith hatte Risa's Blut eine andere Wirkung. Schließlich war er ihr Gegenstück.
Gerade als sich die Göttin des Lebens von dem Seelendieb entfernt hatte, riss dieser seine Augen auf, die in einem knalligen Rot aufleuchteten.
Er war nicht Herr seiner Sinne, als er seinen Vater und auch Keith mit einer Druckwelle zurück stieß. Im selben Moment nahm er seine teuflische Gestalt an und stürmte mit einem Blick, der seine Gier nach noch mehr Blut bezeugte, auf die Göttin zu.
Keith und Misaki waren gleich wieder zur Stelle und hielten den Amoklaufenden Teufel auf, ehe er sein Opfer erreichen konnte. Auch Elara und Charon schalteten sich ein, um ihren Schützling zu beschützen.
Auch wenn sie in der Überzahl waren und Aries bloß ein junger Seelendieb war, machte er es den anderen echt nicht leicht. Der Blutrausch hatte es eben in sich. Immer wieder durchbrach er ihre Mauer und kam so Stück für Stück näher an sein Ziel heran und dann geschah, was wohl niemand erwartet hätte: Aries schaffte es, die Mauer zu überwinden und stürzte von oben auf die Göttin herab, diese aber, sah zwar zu ihm auf, bewegte sich aber kein Stück zur Seite. Sie vertraute ihm, genauso wie sie damals Misaki vertraut hatte. Sie wusste, dass er den Blutrausch außer Kraft setzen würde! Und tatsächlich, schien sie Recht zu behalten. Gerade als er mit seinen Klingen, die an seinem Unterarm saßen, ausholte, schien sich sein Verstand wieder einzuschalten. Er stürzte an ihr vorbei und landete nicht gerade sanft auf dem harten Boden, über den er auch noch ein paar Meter schlitterte. Seine Augen besaßen noch immer die eindeutige Farbe des Wahnsinns und auch sein Gehirn hatte sich nicht vollends wieder einschalten können, dennoch wankte er von ihr weg und wollte gerade das Weite suchen, um ihr eben nichts anzutun, als er von hinten gepackt wurde.
„ Schon ok, Aries!“ drückte Misaki seinen Sohn an sich. „ Es ist alles in Ordnung.“
Er wollte noch immer verschwinden, aber sein Vater ließ das nicht zu.
„ Beruhige dich.“ tatsächlich schien die Stimme des älteren bei ihm anzukommen, denn seine Abwehr ließ allmählich nach. „ Ruh dich aus, Aries.“
Nachdem der Blutrausch abgeflacht war, verließen ihn die Kräfte. Selbst wenn er sich nicht ausruhen wollen würde, hätte er gar keine andere Wahl, als genau das zu tun.
Deshalb war es nicht verwunderlich, dass er zusammenbrach.
„ Ich werde irgendwann an einem Herzinfarkt sterben, ich sehe das schon kommen.“ murmelte Misa, dem die Erleichterung praktisch ins Gesicht geschrieben stand. „ Was ein Schock..“
„ Was geht denn bitte mit dir ab???“ keifte Keith seine Frau erbost an. „ Wie kannst du einfach da rum stehen und Däumchen drehen, während der Schlächter bereits sein Beil nach dir wirft??“
„ Ich wurde inzwischen so oft durch den Blutrausch bedroht, dass ich schon am Blick des Amokläufers erkennen kann, ob er mir wirklich an den Kragen will oder ob er sich insgeheim dagegen wehrt.“ erläuterte sie ihr Verhalten.
„ Ich würde dich insgeheim so gerne übers Knie legen und dir einbläuen, dass du endlich damit aufhören sollst, dein Leben so leichtfertig aufs Spiel zusetzen!“
„ Das habe ich auch kommen sehen.“ nickte sie schmunzelnd. „ Wenn Aries wirklich mehr von meinem Blut gewollt hätte und das zu jedem Preis, dann hätte er euch mit nur einem einzigen Streich außer Gefecht setzen können. DAS hat er aber nicht getan.“ belehrte sie ihn.
„ Wenn er wüsste wie es geht, dann hätte er es garantiert getan!“
„ Dein Vertrauen in allen Ehren, Risa. Aber das hätte wirklich anders ausgehen können.“ bemerkte Misa.
„ Ist mit Aries jetzt wieder alles in Ordnung?“ eilte Serah zu den beiden Dieben hin.
„ Keine Sorge, ihm geht es wieder gut.“
„ Was war das gerade...?“ blickte Cheria verblüfft in die Runde.
„ Das war der sogenannte Blutrausch.“ erklärte Keith den Elysianern die Sachlage.
„ Aha, ich verstehe.“ nickte sie die Sache ab. „ Und du bist bestimmt Asariah's Vater, nicht wahr??“ griff sie nach seinen Händen und schüttelte diese energisch. „ Die Ähnlichkeit ist kaum zu übersehen!! Ihr habt dieselbe Haar- und Augenfarbe!“    
„ Und du bist...?“ hakte er nach.
„ Das ist Cheria, unsere zukünftige Schwiegertochter.“ kicherte Risa.
„ Aha?“ schielte er mit hochgezogenen Augenbrauen zu seinem Sohn hin, der sich grummelnd von ihnen weg drehte.
„ Wir sollten diese Insel verlassen. Hier sind wir nicht sicher.“ knurrte er.
„ Asariah hat Recht, wir sollten dorthin zurückkehren, wo du uns auf gegabelt hast.“ nickte Lyrias.
„ Ich werde noch hier bleiben. Aber ihr könnt nach Illumina zurückkehren.“ meinte Misa.
„ Ok.“ lehnte Risa den Kopf zur Seite. „ Das ganze sollte unter uns bleiben. Wenn Patty davon erfahren würde, würde sie keine ruhige Minute mehr haben. Es ist besser, keine schlafenden Hunde zu wecken. Nicht dass sie sich auch noch hier her schleicht.“
„ Du hast Recht. Aries geht es wieder gut, wir können wir später immer noch davon erzählen.“
„ Serah...“ hockte sich Keith neben seiner Tochter hin.
„ Ich werde nicht zurückgehen!! Ich bleibe hier, egal ob dir das passt, oder auch nicht!“
„ Ich weiß. Aber passe trotzdem auf dich auf, ok?“ tätschelte er ihren Kopf. „ Ich will weder dich, noch Asariah verlieren.“
„ Das wirst du auch nicht. Ich werde mit ihm zurückkommen.“ lächelte sie ihn an. „ Mit ihm, Aries und auch Chiara.“
„ Elara, Charon? Helft ihr ihnen beim überqueren des Meeres? Ich gehe mit Keith schon mal vor.“
„ Ist gut.“
„ Passt auf euch auf.“ es fiel ihr sichtlich schwer, die Gruppe allein zurückzulassen, gerade weil sie nun wusste, wer Asariah wirklich war und was das für ihn zu bedeuten hatte.
Trotzdem blieb ihr nichts anderes übrig, als das Feld zu räumen.
„ Wenn du Hilfe brauchst, dann Spiel Risa's Lied, versprich mir das.“
„ Ich verspreche es dir, Dad. Ich werde euch um Hilfe bitten, wenn wir nicht weiter wissen.“
„ Gut.“ ließ er seufzend von ihr ab. „ Pass auf dich und deine Schwester auf, Asariah.“
„ Pah.“ wendete er seinen Blick von ihm ab. „ Pass du lieber auf, dass Mum keine Dummheiten begeht, damit hast du schon genug zu tun.“
„ Das werde ich.“
„ Klar, weil das in der Vergangenheit ja schon so gut geklappt hat.“ murmelte er und preschte dann schon mal vor.
Nachdem Risa und Keith ebenfalls verschwunden waren, Lyrias, Cheria, Serah und ich auf den drei großen Götterkatzen saßen und sich Misaki Aries geschnappt hatte, reisten auch wir weiter. Kurz darauf kam unsere Gruppe dann an unserem nächtlichen Lagerplatz an.

„ Danke für die Hilfe.“ lächelte ich die göttlichen Tierchen an.
„ Kein Problem.“
„ Für heute hatten wir wirklich genug Aufregung, wir sollten die Zelte aufbauen und zur Ruhe kommen.“ seufzte Cheria.
„ Dem schließe ich mich an.“ flüsterte Chiara. „ So ein Tag brauch sich auch nicht zu wiederholen.“
„ Warum hat Aries überhaupt diese verwundbare Hülle angenommen? Wäre er in seiner Teufelsgestalt geblieben, dann wäre ihm nichts geschehen.“ sah ich Misaki fragend an.
„ Das wüsste ich auch gern...“ flüsterte Serah, die noch immer neben dem Verletzten hockte und mit Argus Augen über ihn wachte.
„ In Ausnahmesituationen reagiert man nicht immer, wie man reagieren sollte.“ meinte Misa. „ In erster Linie wollte er Serah schützen und nicht sich selbst.“
„ Aber hätte er sie in seiner Teufelsgestalt nicht besser schützen können?“ verstand ich noch immer nicht.
„ Vielleicht hat er ja auch die Angewohnheit, seine teuflische Gestalt vor besonderen Göttern zu verbergen.“ schmunzelte er.
„ So wie du?“ mischte sich nun auch Cheria ein.
„ In der Tat, ja.“ lachte er leicht. „ Selbst heute noch, nehme ich meine Menschengestalt an, wenn ein paar besondere Damen in meiner Nähe sind.“
„ Und die wären?? Kann man dich damit erpressen??“ fixierte die Priestern den Herrn mit ihren Blicken.
„ Ich denke nicht, dass man das kann.“ grinste er leicht auf. „ Tut mir leid, Cheria.“
„ Och... das ist ja blöd. So ein leibeigener Seelendieb hätte bestimmt was. Hehehe... meine Eltern würden auf der Stelle tot umfallen wenn die wüssten, dass ich mich mit waschechten Teufels abgebe.“
„ Einen Teufel legt man nicht in Ketten und mich erst Recht nicht. Du würdest dir damit keinen Gefallen tun.“
„ Wurdest du nicht bereits in Ketten gelegt? Na, na??“ stieß sie ihm breit grinsend den Ellenbogen in die Seite. „ Oder bist du etwa nicht mit Aries Mutter verheiratet?“
„ Ähm... naja... das sind keine Ketten...“
„ Ich verstehe schon. Bei euch ist es eher, Zuckerbrot und Peitsche?“ schielte sie ihn grienend von der Seite an.
„ So würde ich es auch nicht nennen.“
„ Selbst ein Teufel kann so zahm werden wie ein Schoßhündchen, mh? So putzig wie Welpen, anschmiegsam wie Kätzchen und so treu wie Regenbogenpapageien!“ schwärmte die Heilerin. „ Ich hätte gern so einen als Haustier.“ kicherte sie.
„ Warum vergleicht man uns immer mit Tieren?“ wendete er seinen Blick murmelnd von ihr ab.
„ Erzählst du uns ein paar Geschichten aus seiner Kindheit? Er war bestimmt ein total süßes Baby und ein geschniegelter kleiner Bub im gestreiften Hosenanzug.“ wollte Cheria mehr über den jungen Seelendieb erfahren.
„ Ja, ein süßes Baby war er wirklich.“ lächelte er sanft auf ihn herab. „ Aber einen geschniegelten Buben im Hosenanzug konnten wir leider nicht aus ihm machen.“
„ Also war er ein kleiner Wildfang?“
„ Allerdings, das war er. Sobald man ihn auch nur eine Sekunde aus den Augen gelassen hatte, hatte er zu 99 Prozent schon was angestellt. Noch schlimmer wurde es, als er sich mit Asariah anfreundete.“ schielte er zu ihm rüber.
„ Aber sie haben nie jemanden ernsthaft gefährdet, oder?“ hakte ich nach.
„ Nein, natürlich nicht. Das waren alles Lausbudenstreiche. Es nervte zwar, aber verletzt wurde dabei niemand.“
„ Jaha! Weil seine Kräfte als Baby und Kleinkind zu mickrig waren, als dass sie einem Gott gefährlich werden konnten! Und dann hast du ihre ständigen Spannereien vergessen, das tat zwar auch nicht weh, jedenfalls nicht den Frauen, aber als einen Laubbubenstreich würde ich das nicht mehr bezeichnen.“ stieß Chiara den schlafenden Ladthaaner in die rotierende Kreissäge.
„ S-Spanner??“ stand Cheria das Entsetzen sichtlich ins Gesicht geschrieben. „ Wie widerlich ist das denn bitte?? Wer weiß was die da in ihrem Versteck alles getrieben haben!?“
„ Auf jeden Fall nicht das, was du gerade denkst!!“ keifte der Teufel des Todes.
„ Weil ihr entdeckt wurdet, ehe ihr eure Hosen überhaupt öffnen konntet!“ grinste das Kätzchen breit auf.
„ Du weißt genau, dass das nicht stimmt!“
„ Woher soll ich das denn wissen? Wenn überhaupt gehörte ich zu denen, die nichtsahnend am Becken lagen und nicht zu denen, die feige hinter einem Baum hockten!“ schielte sie ihn seitlich an. „ Außerdem, was solltet ihr sonst da zu suchen gehabt haben?“
„ Wir haben uns gar nichts dabei gedacht, dafür waren wir viel zu jung!“ protestierte er. „ Wir haben das bloß getan, weil es euch genervt hat, vielleicht haben wir uns auch über das ein oder andere Detail lustig gemacht. Aber wir haben uns garantiert keine Wichsvorlagen gesucht! Man, Chiara! Wir spielten noch mit Autos, verstecken, fangen und den ganzen anderen Kinderquatsch!“
„ Es ist so rührend, wie sehr du Aries guten Ruf beschützen willst.“ grinste sie ihn übelst frech an.
„ Vergiss es...“ wendete er sich verstimmt von ihnen ab und schlenderte von dannen.
„ Das klingt nach einer festen Männerfreundschaft.“ bemerkte Cheria.
„ Ja, das war sie auch.“
„ Was hat Aries denn früher mit seinen Kräften angestellt?“ sah ich Misa fragend an.
„ Er versuchte die Götter auszusaugen.“
„ Warum das??“ zog ich erstaunt meine Augenbraue hoch.
„ Es ist ganz normal, dass man im Kleinkindalter und auch schon als Ungeborenes, mit seinen Gestalten und Fähigkeiten spielt. Man ergründet alles neue, dass gehört zu unseren Instinkten.“
„ Und warum versuchte er die Götter auszusaugen?“  
„ Weil seine Mutter eine Göttin ist, genau genommen ist sie sogar nur eine halbe Göttin.“ begann er zu erzählen. „ Wie gesagt, es ist ganz normal dass ein Ungeborenes mit seinen Kräften spielt, deshalb dachte ich mir nichts dabei, als auch er damit anfing.“
„ So wie du das sagst, klingt es fast so als wäre es ein Fehler gewesen, dir nichts dabei zu denken?“ dachte Cheria über die Worte nach.
„ Es war ein Fehler, ja.“ verschränkte er die Arme vor der Brust. „ Als ich bemerkte, was mit Patty los war, war es beinahe zu spät. Er hätte sie fast über Nacht zu einer Sterblichen gemacht und wenn das geschehen wäre, dann hätte sie seine Geburt nicht überlebt.“ erklärte er. „ Ich hatte nicht damit gerechnet, dass so ein kleiner Wurm dazu fähig ist eine halbe Göttin zu entkräften.“
„ Mhm...“ dachte die Priesterin darüber nach. „ Wenn er kontinuierlich an der Aura zerrt, dann muss er sie doch irgendwann vollständig absorbiert haben, oder nicht?“  
„ Hast du schon mal versucht einen See mit einem Strohhalm auszutrinken?“ kam er ihr mit einer Gegenfrage.
„ Natürlich nicht. Das würde ich auch gar nicht schaffen.“
„ Na siehst du.“
„ Ist es für einen Menschen immer gefährlich, einen halben Teufel zu gebären, oder ist das nur bei euch Seelendieben so?“ hakte Cheria im eigenen Interesse nach.
„ Wenn es sich nur um einen halben Teufel handelt, dann hat die menschliche Frau nichts zu befürchten. Asariah's Vater ist auch nur ein halber Teufel und seine Mutter überlebte die Geburt ohne besondere Zwischenfälle. Aber wenn die Sterbliche an einen Teufel gerät, der  die Gene der Frau abblockt, so das ein reiner Teufel entsteht.... dann sollte sie anfangen um ihr Leben zu beten.“
„ Würde bei Asariah ein reiner Teufel rauskommen, wenn er sich mit einer Sterblichen einlässt?“
„ Keine Ahnung.“ zuckte Misa mit der Schulter. >Wenn er wirklich Lastalia's Wiedergeburt ist, dann wäre ein reiner Teufel ihr kleinstes Problem.<
„ Seine Mutter lebt doch noch, oder?“ erinnerte ich ihn an die eigentliche Story.
„ Ja, sie lebt noch, da er meine Aura interessanter fand. Zum Glück. Inzwischen hat sie sich auch wieder erholt. Trotzdem werde ich dieses Risiko nicht noch einmal eingehen. Deshalb ist Aries dazu verdammt, für immer ein Einzelkind zu bleiben.“
„ Du bist also so ein Teufel, der die Gene der Frau abblockt?“
„ Nur wenn es ein Junge wird. Bei einem Mädchen mische ich mich nicht ein.“
„ Das heißt?“
„ Dass wenn es ein Junge wird, kommt er nach mir und wenn es ein Mädchen wird, kommt sie nach Patty.“
„ Aber heißt das nicht auch, dass ihr in euren Kindern nicht vereint seid?“ warf ich in den Raum.
„ Biologisch gesehen, vielleicht. Aber letztendlich ist Aries genauso ihr Sohn, wie es mein Sohn ist. Sie hat ihn schließlich Monate lang unterm Herzen getragen.“
„ Aber obwohl er deine Aura interessanter fand, hat er trotzdem noch versucht die Götter auszusaugen?“ bat ich um mehr Informationen.
„ Die Dunkelheit wird vom Licht angezogen, dass solltest du eigentlich am besten wissen.“ schmunzelte er mich an. „ Und wir Seelendiebe können die Auren sehen, die anderen verborgen bleiben. Warum also glaubst du, hat er versucht sie auszusaugen?“
„ Weil für euch das Licht genauso anziehend ist, wie die Süßigkeit bei kleinen Kindern?“
„ So kann man es sagen, ja.“ nickte er. „ Außerdem hat er gefallen an den hellen Auren gefunden, die so ein lustiges Kribbeln auf der Haut verursachen. Risa mochte er sogar von allen am liebsten.“
„ Logisch, ihre Aura ist ja auch reiner und um einiges heller als bei den meisten anderen Göttern.“ erklärte Chiara.
„ Immer wenn er sie sah lief er grölend zu ihr hin, klammerte sich an ihren Beinen fest und bekam prompt ihre Blutmächte zu spüren. Diese verursachten so ein heftiges Kribbeln, dass er sich lachend auf den Boden warf und sich minutenlang nicht mehr einkriegte.“  
„ Oh, das klingt so süß!“ schwärmte Cheria. „ Ich hätte den kleinen Aries so gern gesehen!!“
„ Ich auch.“ kicherte ich. „ Aber wenn er so vielen die Auren absaugte, müsste er dann nicht auch über unterschiedliche Mächte verfügen? Ihr übernimmt die Fähigkeiten eurer Opfer doch, oder nicht?“
„ Aries verfügt auch über unterschiedliche Kräfte, aber da er damals noch so jung war, weiß er davon nichts mehr.“
„ Hast du früher auch mit deinen Kräften gespielt?“ blickte ich den Herrn neugierig an.
„ Sicher. Aber mein Bruder hat über meine lächerlichen Versuche ihn absorbieren zu wollen bloß gelacht.“
„ Und was ist mit deinen Eltern?“
„ Ich habe keine Eltern mehr. Mein Bruder, Aries und ich sind die einzigen Seelendiebe die noch existieren. Ich habe nicht mal irgendwelche Erinnerungen an meine Eltern, genauso wenig weiß ich, was mit ihnen geschehen ist. In allen meinen Kindheitserinnerungen gibt es nur mich und Thanatos. Er hat mich sozusagen aufgezogen.“
„ Dann muss dein Bruder ein großartiger Seelendieb sein, wenn er das aus dir gemacht hat.“ bemerkte ich. „ Und weil Thanatos deinen Erzählungen zufolge großartig war, müssen deine Eltern das auch gewesen sein.“
„ Großartig? Mein Bruder ist ein Spinner.“ verzog er den Mund. „ Der mich selbst nach tausenden von Jahren noch wie ein kleines Kind behandelt.“
„ Machen das die Eltern nicht so? Und er hat doch die Vaterrolle übernommen, wenn er dich aufgezogen hat, oder nicht? So zeigt er dir, dass du ihm wahnsinnig wichtig bist.“ vermutete die Priesterin.
„ Diskutiert ihr mal weiter darüber.“ schlenderte Chiara zu Serah rüber und hockte sich neben ihr hin. „ Sollen wir nicht mal schauen gehen, das wir frisches Wasser oder Früchte finden?“
„ Nein! Ich bleibe hier!“ drückte sie seine Hände noch fester. „ Ich werde warten, bis er endlich seine Augen öffnet.“
„ Er wird nicht schneller aufwachen, nur weil du ihn regelrecht bestalkst. Er wird höchstens deine Aura absaugen, du hast doch gehört, dass er da einen Faible für hat.“ grinste sie.
„ Das ist mir egal.“ senkte sie die Augen. „ Wenn er meint er muss das tun, dann soll er es  machen! Ich halte das schon aus.“
„ Wenn das so ist.“ schielte das Kätzchen ihren Schützling von der Seite an. „ Vielleicht solltest du mal versuchen ihn wach zu küssen!“
„ W-WAS???“ leuchtete ihr Gesicht gleich knall rot auf. „ Sag doch so was nicht so laut.“
„ Er kann uns doch eh nicht hören.“
„ Er vielleicht nicht!! Aber Misaki schon!!“
„ Misaki weiß schon längst über alles Bescheid. Also was soll es??“
„ Weiß er gar nicht!! Und nun sei ruhig!!“
„ Dann musst du wohl mit mir kommen. Ich kann dir auch noch ein paar Vorschläge unterbreiten, die dir um einiges Peinlicher vorkommen werden.“
„ Ich will aber bei ihm bleiben.“
„ Aries kann nicht weg laufen, er ist noch hier wenn wir wiederkommen. Außerdem...“ setzte sie schon wieder ein mega freches Grinsen auf. „ Wenn wir etwas Wasser besorgen kannst du seinen Oberkörper sauber rubbeln.“
„ Chiara!!“ knurrte die Göttin verärgert auf.
„ Was denn? Du kannst Cheria das Ganze natürlich auch machen lassen. Aber wenn die erst einmal seinen muskulösen Oberkörper begrabschen durfte, wird die bestimmt von Asariah ablassen, um sich an unseren kleinen Seelendieb heran schmeißen.“
„ Gehen wir!“ griff Serah die Hand ihrer Freundin und zerrte das Kätzchen hinter sich her.
„ Sollen wir schon mal das Essen vorbereiten?“ sah mich Cheria fragend an. „ Aries wird bestimmt auch am Verhungern sein, wenn der endlich aufwacht.“
„ Hat er dann eigentlich immer noch mit dem Blutrausch zu kämpfen?“ blickte ich Misa fragend an.
„ Er wird Risa nicht mehr töten wollen.“ kam er mit der halben Wahrheit um die Ecke geschlichen.
„ Serah wird er aber auch nicht überfallen wollen, oder?“ fragte Cheria nach. „ Schließlich ist sie Risa's Tochter und ihre Auren müssten sich doch ähneln, oder nicht?“
„ Mhm...“ grinste er wissend auf seinen Sohn herab. „ Ich glaube nicht, dass Serah etwas zu befürchten hat. Er wird weder ihr noch Risa etwas antun.“    
„ Das ist gut.“  
„ Oh, das wird bestimmt richtig gut werden.“ flüsterte er leise vor sich hin.
„ Was hast du gesagt?“
„ Das ich jetzt schauen werde, ob ich dieses dämonische Mistvieh finden kann.“
„ Du willst dich diesem Vieh allein entgegen stellen???“ starrte ihn die Heilerin entgeistert an. „ Bist du lebensmüde?“
„ Niemand raubt meinem Sohn beinahe das Leben und kommt ungestraft davon.“ trat er ans Ufer heran. „ Keine Sorge, mir wird nichts geschehen.“
„ Aber wir waren so viele und du bist ganz allein!“
„ Ich bewege mich auf einem ganz anderen Level als ihr, aber auch ich, bin niemals allein.“ preschte er davon.
„ Was denn? Hat der jetzt auch noch eine gespaltene Persönlichkeit, oder wie?“ murrte Cheria vor sich hin.
„ Vielleicht meint er ja die unzähligen Seelen, die er bereits absorbiert hat?“ vermutete ich.
„ Urks! Du beliebst zu scherzen?!“
„ Hm...“ zuckte ich bloß mit der Schulter. „ Wer weiß.“
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Re: Diehieee Geschichte

Beitrag von Alexia am Di 13 Jun - 7:50

Kapitel 12. das erste Mal


Misaki platzierte seine Erscheinung genau dorthin, wo noch ein paar klägliche Überreste des Bootes aus dem Wasser ragten. Von seinen sonst so sanften Zügen war nichts mehr zusehen, sein Blick war kalt wie Eis und seine Hände kribbelten die ersehnte Rache herbei. Das beinahe Ableben seines Sohnes lähmte sein Herz, in ihm brodelte eine Wut, die kaum zu bändigen war. Diese Angst, der Schmerz, das verdammte Wissen, jenen nicht helfen zu können, die einem alles bedeuteten, raubte ihm den Verstand!
Das schwarze Meer, was auf ihn zu geschwappt kam, bot eine willkommene Abwechslung dar. Sollte der Abschaum des Meeres nur zu ihm hinkommen, sie würden schon früh genug bemerken, was sie davon hatten.
Er wartete auf den Moment, wo sich auch die Krake zeigte und dieser Augenblick sollte schneller kommen, als er erwartet hatte. Inmitten der schwarzen schwachen Seelen, wabbelte ein glühendes Licht auf die Wasseroberfläche zu. Misaki erkannte sofort, dass es sich dabei um einen Dymatron handelte und er konnte auch zu gut die Auren unserer Gruppe an ihm kleben sehen.
Dieses Stück Dreck trug ganz allein die Schuld an dem Desaster, was nur in aller letzter Minute noch abgeschmettert werden konnte und genau dafür würde er nun zahlen!
Der Seelendieb hob seine Hand in die Höhe und erschuf eine furchteinflößende schwarze Kugel, Blitze regneten in ihr herab, die immer größer wurden, als auch die Attacke an Volumen zunahm. Irgendwann setzte sich ein silberner Strahl an der Außenwand ab, der sich seitlich um die Kugel legte und das Gebilde schließlich pausenlos umrandete. Dieser Strahl hielt die Mächte zusammen, so wie eine Kette und verhinderte, dass man das Gefängnis von innen heraus zum explodieren brachte.
„ Du wirst keine Gefahr mehr darstellen!“ blickte Misa mit einem hasserfüllten Blick auf die Dämonenschar herab, in der sich auch der Dymatron befand.
Mit einer einfachen Handbewegung schleuderte er seine Energiekugel auf die Gruppe herab. Diese begann sofort damit, alles in sich hineinzusaugen, alle Dämonen, ob stark oder schwach, das machte keinen Unterschied. So verschwand die Dunkelheit binnen weniger Sekunden aus dem Wasser.
Wieder war es nur eine einfache Handbewegung die dafür sorgte, dass die Monster die Hölle auf Erden durchmachen mussten. Unzählige Blitze schnellten auf sie herab, die Energie im Inneren setzte ihnen zusätzlich zu. Die Wände zersetzten alles, was sie berührte und dann vervielfältigte Misaki auch noch messerscharfe Speere, die er allesamt und von allen Seiten in die Kugel rammte. Kein Wesen aus der Hölle überlebte seinen Angriff, auch der Dymatron nicht. Dieser sprengte sich mit seiner letzten Kraft erneut in die Luft, was aber bloß dazu führte, dass sich die Attacke des Seelendiebes stark ausdehnte, ehe sie sich wieder zusammenzog und regelrecht implodierte. Einzig die dadurch entstandene Druckwelle preschte auf den Ladthaaner zu und zerrte gnadenlos an seinen Klamotten.
„ Wie ich sehe, komme ich zu spät...“ tauchte Keith plötzlich hinter ihm auf.
„ Wie sie sehen, sehen sie nichts.“ murmelte Misa. „ Ich frage mich, ob wir diesen Kampf wirklich unseren Kindern überlassen sollten. Einige dieser Dämonen reichen locker an die Kräfte eines Teufels heran, die Sache gestaltet sich schwieriger, als ich es annahm.“
„ Wenn ich mich richtig erinnere, war Risa damals im selben Alter wie unsere Kinder und sie übertraf alle unsere Erwartungen.“
„ Sicher. Aber unsere Gruppe von damals bestand nicht nur aus unerfahrenen Kindern! Sie hatte Größen auf ihrer Seite, die das Verfallsdatum beinahe überschritten hatten!“ konterte er. „ Aber jetzt...“
„ Ich weiß genau, wie du dich fühlst. Ich finde es auch nicht gerade erquickend, dass Asariah Chaos beherbergt oder das Serah in dieser verpesteten Welt umher läuft. Ich würde sie am liebsten Beide übers Knie legen und ihnen Vernunft einbläuen. Allerdings ist das hier nicht unser Kampf. Wenn wir sie nicht los lassen, werden sie niemals zu den Größen werden, dessen Verfallsdatum fast erreicht wurde.“ lächelte er leicht. „ Du hast doch mit eigenen Augen sehen können, welche Kraft in Aries schlummert. Er kommt ganz nach dir, Misaki. Deshalb wird er Asariah retten.“
„ Ach wirklich? Er kommt also ganz nach mir? Deshalb lief er als Kleinkind also immer hinter Risa her!“ wendete er seinen Blick murmelnd ab. „ Deshalb also, musste er ihr Blut trinken, um zu überleben.“
„ Ersteres hab ich überhört und letzteres hat nichts zu bedeuten. Schließlich bist du nicht der einzige, der so gerettet wurde. Hör schon auf zu zweifeln, sonst fange ich auch wieder damit an.“
„ ...“ seufzte er schweigend auf. „ Du hast Recht.“ nickte er. „ Sie sind vielleicht unerfahren, aber das bedeutet nicht, dass sie völlig wehrlos sind.“
„ Schon besser.“ verschränkte er die Arme vor der Brust. „ Du wolltest mir vorhin was sagen, was war es?“
„ Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt um uns darüber zu unterhalten. Ich werde dir davon berichten, wenn ich wieder da bin.“
„ Wie du meinst.“
„ Wir reden später, ich werde jetzt zu unseren Frischlingen zurück gehen.“
„ Alles klar.“ sah er ihm dabei zu, wie er von dannen zog. „ Ist das Vertrauen in unsere Kinder wirklich so mickrig? Hätten wir auch aufgeben sollen, als jemand von uns schwer verletzt wurde? Sicher, es sind unsere Kinder...“ blickte er auf das leise vor sich hin rauschende Wasser herab. „ Aber auch sie besitzen eine Mauer, die nur schwer eingerissen werden kann. Gemeinsam werden wir es schaffen. Zweifel sind fehl am Platz.“
Wenig später kam Misaki wieder bei uns an, zwischenzeitlich war auch Lyrias vom Feuerholzsammeln zurückgekehrt und hatte bereits ein kleines Lagerfeuer angezündet.
„ Geht es dir gut, Misaki?“ wollte Cheria von dem Herren wissen, diese schälte gerade mit mir zusammen Kartoffeln.
„ Sicher.“ ließ er sich neben Aries nieder.
„ Vielleicht war es ein Fehler, meine vollen Kräfte schlafen zu legen.“ dachte ich darüber nach. „ Wenn ich das nicht getan hätte, dann wäre das alles vielleicht gar nicht erst passiert.“
„ So ein Unsinn!“ widersprach die Heilerin. „ Du hast Lyrias und mir das Leben gerettet. Ich weiß nicht, ob du das auch getan hättest, wenn du nicht wieder zu unserer Sasha geworden wärst.“
„ Mhm...“ blickte ich auf die Kartoffel in meinen Händen herab. „ Mein wahres ich ist furchtbar, nicht wahr?“
„ Das wollte ich damit nun auch nicht sagen.“ entgleisten kurz ihre Gesichtsmuskeln. „ Du bist eine außergewöhnliche Persönlichkeit, die viel zu lange allein unterwegs war. Deshalb kannst du gar nicht wissen, wie wichtig Freundschaften sind.“
„ Aber du wirst es früher oder später begreifen und dann hast du keinen Grund mehr, um dein wahres Ich zu verstecken.“ meinte Lyrias.
„ So sehe ich das auch.“ stimmte ihm Misa zu. „ Du hast das Potential, was Lastalia die ganze Zeit über in dir sah.“
„ Genau. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, nicht wahr?“ lächelte Cheria.
„ Danke!“ erwiderte ich das Lächeln leicht. „ Ich freue mich darüber, dass ihr mich nach allem was ich gesagt und getan habe noch immer akzeptiert.“
„ Natürlich tun wir das, schließlich bist du doch eine von uns!“
„ Eine von euch...“ wiederholte ich die Worte leise. „ Das siehst du so, obwohl ich nicht mal einen eigenen Körper besitze und weder ein Elysianer noch ein Gott bin?“
„ Was macht das denn für einen Unterschied?“ hakte die Priesterin nach. „ In einer Freundschaft spielt die Herkunft keine Rolle. Es ist egal, ob du ein Gott, Teufel oder ein Mensch bist. Wir mögen in unterschiedlichen Welten leben, aber das heißt noch lange nicht, dass wir keine Freunde sein können. Du bist eine von uns und damit Basta!“
„ Dem hab ich nichts mehr hinzuzufügen.“ lächelte der Seelendieb.
„ Ich aber!“ bemerkte Cheria. „ Wir werden uns um dich kümmern, Sasha oder Aliah... oder wie auch immer! Ab jetzt bist du nicht mehr allein, nie mehr!“
Ein ungemein warmes Gefühl macht sich in mir breit, was mich regelrecht dazu zwang, glücklich zu lächeln. Vielleicht hatten sie wirklich Recht und ich schaffte es eines Tages den Mythen und Legenden, die sich um mich drehten, gerecht zu werden.
Chiara und Serah durchstreiften gerade die nähere Umgebung auf der Suche nach essbaren Früchten, frisches Quellwasser hatten sie bereits bei uns im Lager abgestellt.
„ Schau mal, die sehen aus wie unsere Erdbeeren!“ bemerkte die Göttin.
„ Warum sollten sie auch anders aussehen? Dieser Planet unterscheidet sich nicht wirklich von der Erde.“ zuckte das Kätzchen mit der Schulter.
„ Trotzdem befinden wir uns in einem vollkommen anderen Universum und auch die Menschen hier sind anders. Sie verfügen über heilende Fähigkeiten, von so etwas können unsere Erdlinge nur träumen. Also warum sollten die Früchte hier nicht auch etwas anders sein?“
„ Vielleicht schmecken die Erdbeeren ja nach Äpfeln.“ grinste sie leicht auf.
„ Ja wer weiß? Vielleicht ist das ja so.“ stopfte sie sich eine der Beeren in den Mund und verzog diesen nach wenigen Sekunden schon. „ Urks!“
„ Was denn? Sind die roten Erdbeeren hier etwa noch unreif?“ zog sie schmunzelnd eine Augenbraue hoch.
„ Nein, sie schmecken nach Zitronen!! Boar ist das sauer!“
„ Im ernst jetzt?“ probierte sie ebenfalls eine der Früchte. „ Ih! Du hast Recht! Vielleicht sollten wir das Früchtesammeln lieber den Elysianern überlassen.“
„ Ja, ich denke das ist das Beste. Nicht das wir unsere Freunde noch vergiften.“
„ Apropos vergiften.“ lehnte sie den Kopf schief. „ Du solltest baden gehen und dich danach umziehen. Du siehst als, als hättest du gerade die halbe Menschheit abgeschlachtet.“
„ Mhm...“ sah sie mit einem mulmigen Gefühl an sich herunter.
„ Das Schlachter Image steht dir auch ausgesprochen gut, es untermauert deine unantastbare Reinheit. Aber trotzdem möchte ich mich davon überzeugen, dass das alles nicht dein Blut ist und das du von diesem Gift des Kraken nichts abbekommen hast.“
„ Ok. Dann lass uns gleich baden gehen.“

Wir warteten bis in die späten Abendstunden darauf, dass der Seelendieb erwachte, aber das tat er nicht. Viel mehr sah es so aus, als würde ihn Risa's Blut noch immer quälen, ganz so, als wäre der rote Fluss dafür verantwortlich, dass er aus seinem Alptraum nicht erwachen konnte. Seine Atmung war Stoßhaft und seine Muskeln zuckten immer wieder auf, was man besonders gut an seinen Fingern sehen konnte. Er hatte teilweise eine Maske aufgesetzt die so aussah, als würde er den Moment, als er von dem Pfahl durchstoßen wurde, immer wieder durchleben.
Ihn quälte tatsächlich etwas, es hatte auch definitiv mit dem Blut zu tun, was man ihm verabreicht hatte. Aber er erlebte nicht den Moment seiner Verletzung in Endlosschleife, nein, ihm wurde immer wieder vor Augen geführt, was geschehen würde, wenn er die Kontrolle verlor. Erst als die Göttin des Lebens aus seinen Wahnvorstellungen verschwand und nicht mehr sie sondern Serah plötzlich vor ihm lag, riss er schockiert die Augen auf.
Völlig außer Atem starrte er den sternenklaren Himmel an, der für ihn gerade wie ein verschmiertes Ölgemälde aussah. Sein Körper kam ihm unnatürlich schwer vor, fast so, als hätte man ihn am Boden fest gekettet. Was aber nicht an dem war. Wie er dann erkannte, als er seine Arme leicht anhob. Der Ladthaaner stand noch immer neben sich, was der rötliche Schleier seiner Augen klar erkennen ließ. Man konnte auch mit Recht behaupten, dass er keinesfalls Herr seiner Sinne war. Nun wo der Effekt des Blutrausches abgeklungen war, wo er Risa niederstrecken und noch mehr von ihrem Blut trinken wollte, trat ein anderer Effekt ein, von dem auch Misaki ein Liedchen singen konnte: das körperliche Verlangen nach der Göttin.
Nur das es bei Aries nicht Risa war, die ihm den Verstand raubte, sondern Serah.
Zu mindestens war sein Verstand so weit zu ihm zurückgekehrt, dass ihm bewusst war, dass er verschwinden sollte, ehe sein Traum zur Realität wurde.
Als er versuchte sich aufzusetzen, musste er den Anschein gemacht haben, als sei er bereits ein alter Greis. Seine Knochen knackten und sein leises Stöhnen ließ darauf schließen, dass die Verspannung seines Körpers recht unangenehm sein musste. Dabei war er nicht wirklich vom Boden weggekommen. Er wollte den Plan seiner Flucht schon begraben, denn was sollte er Serah schon an tun können, wenn er sich nicht mal hinsetzen konnte? Aber dann bemerkte er das Hindernis, was in der Lage war seinen geschwächten Körper am Boden festzuketten:
Da war eine Hand, die plötzlich von seiner Hüfte zu seiner Brust wanderte und ein Bein, was über seine Beine gelehnt wurde. Nun erkannte er auch, warum sich sein Körper so schwer anfühlte, weil sich Serah an ihn gekuschelt hatte und nun halb auf ihn drauf lag.
Als das in seinem Hirn ankam, starrte er mit weit aufgerissenen Augen zum Himmel auf, er wagte es kaum zu atmen, geschweige denn sich überhaupt zu bewegen. Sein Herz raste wie wild und das angenehme, gerade unangenehme, Kribbeln seiner Finger machte sich wieder bemerkbar. Er verspürte den unstillbaren Drang, sich mit ihr vereinen zu müssen. Er wollte sie spüren und das mit jeder Phase seines Körpers.
Womit hatte er diese Strafe nur verdient? Als wenn das Verlangen nach der Göttin im normalen Zustand nicht schon schlimm genug wäre, aber nun mit dem verdammten Rausch in den Venen, war es noch tausendmal schlimmer! So schlimm, dass er sich seinem Verlangen kaum widersetzen konnte. Was bestimmt auch daran lag, weil sie ihm nicht von der Seite wich und ihm so die Nähe schenkte, nach der er sich sehnte.
Nachdem der erste Schock gewichen war, erkannte man sein innerliches Bedürfnis schon an seinem Blick. Das Verlangen stieg sogar noch mal erheblich an, als er zu ihr runter sah und ihm ihre unfassbar reine Aura ins Auge sprang.
Jetzt nicht wie ein ausgehungerter Wolf über sie herzufallen forderte seine gesamte Selbstbeherrschung ein. Er musste sich dieser gefährlichen Situation entziehen und zwar bevor sich sein Verstand verabschiedete und er allen hier bewies, wie leidenschaftlich er wirklich werden konnte.
Deshalb beugte er sich hoch und drückte Serah dabei mit einer Hand fester an sich. Schließlich wollte er nicht, dass sie abrutschte und mit dem Kopf auf dem harten Boden aufschlug. Dann schob er seine andere Hand unter das Bein, was auf seinen ruhte und stützte dieses, während er sich auf die Seite drehte. Sein Entschluss sich trennen zu wollen, wurde dann noch mal gehörig auf die Probe gestellt, als sie sich säuselnd an ihn rieb und ihr Bein, was er gerade stützte, einfach mal zwischen seine Beine schob, so das seine Hand, die ja an ihrem Oberschenkel lehnte, weiter hoch geschoben wurde.
Dank der neuen Versuchung zuckte er seufzend zusammen und sah sich dann verstohlen um. Alle schliefen augenscheinlich, also würde es auch keiner mitbekommen, wenn er nun doch die Kontrolle verlor. Ihm würden auch gleich mehrere Möglichkeiten einfallen, um sie zum Schweigen zu bringen oder eher, um ihre Lautstärke zu dämpfen, es war also ziemlich unwahrscheinlich, dass irgendwer durch ihr Spiel geweckt wurde.
Allerdings wäre er nicht Aries, wenn er sich dieser verdammt aufreizenden Atmosphäre kampflos geschlagen geben würde. Zumal er trotz seines Hirns, was dabei war eine Etage weiter runter zu rutschen, durchaus bemerkt hatte, das einer aus unserer Gruppe fehlte.
Schweren Herzens bettete er Serah's Kopf, der gerade noch auf seinem Oberarm ruhte, auf den Boden und löste sich schließlich vorsichtig von ihr.
Dann griff er sich den Mantel, der ihm bisher als Kopfkissen diente und lehnte diesen über die schlafende Dame, ehe er das Camp verließ.
Der Ladthaaner war kaum verschwunden, da öffnete Misaki schon seine Augen. Dieser lehnte an einem Baum, ganz in der Nähe des Platzes, wo Serah schlief, damit er zur Not sofort eingreifen konnte. Natürlich wäre er seinem Sohn gleich hinterher geeilt, wenn da nicht schon wer dieselbe Idee gehabt hätte.
Aries suchte nach dem Götterkätzchen, sie war es nämlich, die mit ihrer Abwesenheit glänzte. Er befürchtete, dass sie den Kampf gegen die Krake gar nicht erst überlebt hatte und dass sie deshalb nicht im Camp war. Er ging davon aus, obwohl er doch der Aura folgte, die dem Kätzchen gehörte.
Diese stand gespannt am Strand und fixierte aufmerksam das Wasser an. Sie bemerkte den Seelendieb erst, als dieser hinter hier landete und das nicht gerade leise.
„ UAHHHHH!!!“ kreischte sie erschrocken auf und stolperte einige Schritte von dem Knall weg, ehe sie sich zu ihm umdrehte. „ Aries??“ riss sie schockiert die Augen auf. „ Was machst du denn hier??“ eilte sie zu dem am Boden knienden Mann hin. „ Alles ok?“ strich sie ihm einige Strähnen aus dem Gesicht.
„ Warum bist du nicht im Lager, so wie die anderen auch?“ hakte er leise nach.
„ Ich wollte mir den Sonnenaufgang ansehen...“ gab sie von sich, während sie sich nun seine Augen ansah. „ Du bist noch immer nicht voll da, mh?“
„ Dein Verschwinden fiel mir trotzdem auf.“
„ Du hättest bei den anderen bleiben sollen. Ich glaube nicht, dass es für dich gut ist, wenn du ständig aus dem Himmel fällst.“
„ Ich konnte nicht länger da bleiben.“ murmelte er.
„ Du meinst wegen Serah?“ ließ sie sich seufzend vor ihm nieder. „ Ich habe alles versucht, um sie von dir weg zu locken. Aber es hat nicht geklappt.“ kratzte sie sich am Kopf. „ Sie konnte sich nicht von dir lösen.“
„ Sie hat so dafür gesorgt, dass die Nachwirkung des Blutrausches nicht abklingen konnte.“ bemerkte er. „ Wärst du da gewesen... ich weiß nicht, ob ich mich dann auch von ihr gelöst hätte.“
„ Soll ich es wieder gut machen?“ hakte Chiara leise nach.
„ Welch verführerisches Angebot.“ lehnte er seinen Arm um ihre Schulter und drückte sie fester an sich. „ Aber ich werde niemals mit der Freundin meines besten Freundes schlafen. Dazu kann mich nicht mal der Blutrausch bringen.“
„ Ex-Freundin.“ korrigierte sie ihn.
„ Das tut nichts zur Sache, so lange er dich liebt, werde ich dich nicht anfassen.“
„ Ach?“ sah sie ihn mit hochgezogener Augenbraue an. „ Wenn er mich also nicht mehr lieben würde, dann würdest du über mich herfallen?“
„ Ohne zu zögern.“
„ Ist das so?“ lehnte sie den Kopf leicht zur Seite. „ Der Blutrausch scheint auch noch einen Effekt zu haben, der einem Wahrheitssirup gleicht. Ist ja interessant.“ kicherte sie. „ Ich bin wirklich froh darüber, dass es dir gut geht, Aries.“
„ Gut? Du bezeichnest meinen derzeitigen Zustand als gut?“
„ Im Gegensatz zu dem Zustand, den du hattest ehe man dir das Blut verabreicht hatte, ist dieser gut, ja!“
„ Mhm...“
„ Und jetzt? Was hast du jetzt vor?“
„ Ich werde warten, bis der Rausch nachlässt und dann kehre ich zu euch zurück.“
„ Du weißt doch gar nicht, wie lange das dauern wird.“
„ Hast du eine bessere Idee?“
„ Klar.“ grinste sie ihn frech an.
„ Vergiss es.“
„ Du weißt doch gar nicht, was ich meine.“
„ Egal. Dein breites Grinsen verrät mir schon, dass mir deine Idee nicht gefallen wird.“
„ Mein breites Grinsen sollte dir eigentlich verraten, dass du dir diese einmalige Gelegenheit nicht entgehen lassen solltest!“
„ Und dann?“
„ Und dann weißt du endlich, was es wirklich heißt befriedigt zu sein.“ zerwühlte sie ihm lachend das Haar.
„ Ich denke, dass ich das längst weiß.“ griff er sich ihre Hände. „ Aber danke für deinen dezenten Hinweis.“
„ Du kannst gar nicht wissen wie es ist, weil du es noch nie mit Liebe getan hast.“
„ Das hole ich nach.“ erhob er sich langsam. „ Aber nicht heute Nacht.“
„ Willst du dir mit mir den Sonnenaufgang ansehen?“ lehnte sie sich seinen Arm stützend über die Schulter. „ Das soll ein einzigartig schöner Moment sein.“
„ Sicher das du diesen Moment mit mir erleben willst?“
„ Es ist ja kein anderer da. Außerdem vergeht die Zeit viel schneller, wenn man nicht allein ist.“ lächelte sie ihn an. „ Geteiltes Leid ist halbes Leid, nicht wahr?“
„ Mhm.“ erwiderte er das Lächeln. „ Danke.“
„ Ich finde trotzdem, dass Serah jetzt an meiner Stelle sein sollte.“
„ Asariah würde mich umbringen.“
„ Ich wüsste ihn schon zu beschäftigen.“ griente das Kätzchen.
„ Ich würde die Kontrolle verlieren und dann? Ich würde ihr keine andere Wahl lassen, als sich mir hingeben zu müssen.“
„ Glaub mir, sie wartet darauf, dass du die Kontrolle verlierst.“ ließ sie lächelnd von ihm ab, um näher an das Wasser heran treten zu können. „ Gleich müsste es los gehen!!“ wedelte sie voller Vorfreude mit ihrem Schweif hin und her. „ Nun komm schon her!! Von dort aus wirst du das beste verpassen!!“ griff sie sich seine Hand und zerrte ihn hinter sich her.
„ Asariah ist ein Idiot.“ flüsterte er.
„ Warum?“ sah sie über ihre Schulter zu ihm zurück.
„ Weil er dich gehen ließ.“
„ Ich bin mir sicher, dass er das längst bereut.“
„ Wenn nicht, dann ist er ein noch größerer Idiot, als ich dachte.“
„ Mh.“ rieb sie schnurrend ihr Gesicht an seinen Handrücken. „ Ich muss gestehen, dass du mir im Blutrausch auch recht gut gefällst.“
„ Ich glaube es geht los...“ deutete er auf das Wasser hin.
Tatsächlich leuchtete das Wasser am Horizont plötzlich in einem hellen Licht auf. Alle Farben des Regenbogens waren in dem Schein vertreten. Dann schoss eine Wahnsinns Wasserfontäne in die Höhe, dessen Tropfen wie kleine Kristalle auf den Boden rieselten.
Langsam schob sich eine riesige Flosse aus dem Nass, die in einem zarten rosa Licht schimmerte. Die Flosse war schon gigantisch, aber der Fisch, der da dran hing, hatte die Ausmaße eines Wolkenkratzers! Er besaß alle Farben die man sich vor stellen konnte, er funkelte und glitzerte von allen Seiten. Seine Flossen schienen aus der reinsten Seide zu bestehen und seine Augen waren so klar wie das Meer.
„ Wow...“ flüsterte Chiara ergriffen. „ Er ist wunderschön.“
„ In dieser Welt nennen sie ihn den Fisch der Morgenröte.“ stand Asariah plötzlich neben ihnen. „ Er soll die Sonne mit seinem Antlitz aus der Dunkelheit heraus locken.“
„ Wo kommst du denn her??“ wich das Kätzchen entsetzt zurück.
„ Glaubst du etwa, ich sehe einfach dabei zu, wie er verschwindet.“ sah er den Seelendieb an.
„ Wie auch immer. Sei still, dann darfst du bleiben.“ wendete sie sich wieder dem Fisch zu.
Dieser war gerade dabei in den tiefen des Meeres abzutauchen, aber auch nur um dann mit einem eleganten Sprung aus dem Wasser heraus zu springen und sich am Himmel einmal um die eigene Achse zu drehen.
Erst als er wieder in das Wasser eintauchte und sein Licht verschwand, linste die Sonne am Horizont hervor und verlieh dem Himmel die bekannte romantische Atmosphäre.
„ Das war großartig!“ strahlte das Kätzchen.
„ Bist du überhaupt fit genug, um dir so was mit ansehen zu können?“ wollte Asariah von seinem Kumpel wissen.
„ Mir geht es gut.“ war alles was dieser dazu sagte.
„ Serah muss sich das auch unbedingt mal ansehen. Die wird vielleicht Augen machen.“ kicherte Chiara.
„ Vielleicht solltest du doch mit Asariah zurück zum Camp gehen.“ meinte Aries.
„ Wieso?“ sah sie ihn erstaunt an.
„ Ich komme nicht zur Ruhe, solange du in meiner Nähe bleibst. Ich wollte schon immer wissen, warum dein Kleid nicht runter rutscht. Wo es doch keinen Verschluss besitzt. Umso größer ist die Versuchung, an deiner Schleife zu ziehen.“ deutete er auf den Schal hin, den sie um ihre Hüfte gebunden hatte. „ Ich würde wirklich zu gern erfahren, was dann geschieht. Wobei ich mir zu mindestens über das Ende durchaus im klaren bin.“ versuchte er nicht mal ansatzweise die Gier zu verbergen, die ihn gerade überkam. „ Du kannst natürlich auch gern hier bleiben und mit mir zusammen baden gehen. Aber wie das ausgehen würde, muss ich dir nicht erst erklären, oder?“ verschränkte er die Arme vor der Brust. „ Und ich muss dir auch nicht erklären, wie ich mich fühlen werde, wenn der Blutrausch nachlässt und genau das eingetreten ist, was ich kommen sehe, wenn du bei mir bleibst, nicht wahr?“
„ Können wir dich wirklich allein lassen?“ hakte sie nach.
„ Natürlich.“
„ Nun gut, dann werde ich gehen.“
„ Danke.“
„ Pass auf dich auf.“ wendete sie sich von ihm ab.
„ Passt ihr auch auf euch auf.“
„ Das werden wir.“
Auch Asariah zog sich zögernd zurück und schlenderte seiner Ex langsam hinterher. Im Gegensatz zu Aries, wusste der Herr was geschah wenn man an der Schleife zog. Das schoss ihm unweigerlich durch den Kopf, als er dem Kätzchen dreist auf den Hintern starrte. Bisher war er wirklich davon ausgegangen, dass der Seelendieb was mit der Katze am Laufen hatte, nun aber musste er einsehen, dass dem nicht so war. Er hatte das Gespräch der Beiden mithören können, deshalb wusste er nun von Dingen, die er bislang nur erahnen konnte.
Kurz bevor sie wieder im Camp ankamen, erwachte Serah aus ihrem wohlverdienten Schlaf und sah sich gleich erschrocken um, nachdem sie bemerkt hatte, dass ihr Kissen verschwunden war.
„ Wo ist Aries?“ saß sie prompt kerzengerade auf dem Boden. „ Er wird doch nicht...“
„ Serah? Warum bist du denn wach?“ sah Chiara die Dame verblüfft an.
„ Aries ist verschwunden!“ sprang sie auf und eilte zu ihr hin. „ Hast du ihn gesehen?“
„ Mhm...“ kratzte sie sich seufzend am Kopf.
„ Wir sind ihm dahinten am Strand begegnet.“ deutete Asariah in die Richtung. „ Du kannst dich selbst davon überzeugen, dass es ihm gut geht. Es ist nicht all zu weit von hier entfernt.“
„ Danke!“ raste sie an ihnen vorbei.
„ Du weißt wo das enden wird?“ sah Chiara den Herrn erstaunt an.
„ Sie wartet doch darauf, dass er die Kontrolle verliert, oder nicht? Dann ist jetzt die perfekte Gelegenheit gekommen, um ihn dazu zu bringen.“
„ Du hast uns belauscht...“
„ Vielleicht.“
„ Du gibst den beiden also dein ok?“
„ Mhm...“ blieb er stehen und drehte sich halb zu ihr um. „ Vielleicht.“ wendete er sich wieder ab.
>Vielleicht war das der Funke, den er brauchte um wieder geradeaus gucken zu können. Vielleicht ist doch noch nicht alles verloren. Das Eis lässt sich durchbrechen.< lächelte das Kätzchen.

Serah war noch immer auf der Suche nach dem Seelendieb und hatte bereits den Teil des Strandes erreicht, wo er sich befand. Allerdings fehlte von dem Herrn jede Spur. Nur die Klamotten, die im Sand lagen, deuteten darauf hin, dass er sich ganz in der Nähe befinden musste. Das Schmuckstück, was ihm als Kommunikationsgerät diente, lag ebenfalls auf seinem Pulli. Die Göttin wusste, dass er die Kette nicht einfach zurücklassen würde. Er musste sich also hier aufhalten und dann entdeckte sie ihn endlich, als er an die Wasseroberfläche zurückgekehrte.
Er hatte sie allerdings noch nicht bemerkt, was wohl auch der Grund war, weshalb er seelenruhig im Nass stand und vor sich hin starrte.
„ Aries!!“ rief sie seinen Namen und eilte dann zu ihm hin, da erst registrierte er ihre Anwesenheit.
„ Serah?“ sah er sie erstaunt an. „ Was machst du denn hier?“
„ Was für eine blöde Frage!“ maulte sie. „ Du kannst doch nicht einfach so verschwinden!! Ich habe mir Sorgen um dich gemacht.“
„ Wie du siehst, geht es mir gut. Du solltest jetzt wieder gehen!“
„ Spinnst du? Ich werde nicht gehen! Was ist denn, wenn du plötzlich wieder zusammen brichst und niemand da ist um dich zu retten??“
„ Das wird nicht geschehen und nun geh!“ drehte er sich halb zu ihr um. „ Du bist in meiner Gegenwart nicht sicher!“
„ Das sagt Asariah auch ständig, trotzdem bleibe ich bei ihm! Und dich werde ich jetzt auch nicht allein lassen!“
„ Du verstehst nicht! Ich befinde mich noch immer im Blutrausch, wenn du nicht gehst, dann werde ich die Kontrolle verlieren!“
„ Das ist mir egal!“ blickte sie ihm entschlossen in die Augen. „ Es ist völlig gleich womit du mir drohst, ich werde nicht von deiner Seite weichen! Du willst meine Aura haben?? Dann hol sie dir!! Du kannst von mir aus auch die Kontrolle verlieren so oft du willst, ich werde es schon aushalten!“
„ Aber mir ist es nicht egal!!“ fuhr er sie an. „ Ich will nicht, dass es auf diesem Wege geschieht!“
„ Was macht das denn schon für einen Unterschied?? Du bist du, ob im Blutrausch oder nicht macht keinen Unterschied.“ konterte sie. „ Wenn ich dann bei dir bleiben kann, dann mach, was immer du meinst machen zu müssen!“
„ Du weißt nicht, was du da sagst!“
„ Natürlich weiß ich das! Oder willst du mir jetzt auch noch unterstellen, dass ich blöd sei?“
„ Natürlich nicht!“
„ Dann ist doch alles klar! Ich werde bei dir bleiben, egal was das für mich bedeuten wird!“
Er spürte wie das Verlangen mit einem Schlag wieder voll da war. Alles in ihm wollte die Abwehr fallen lassen, damit er endlich über sie herfallen konnte, damit er endlich das bekam, wonach es ihm schon so lange verlangte. Allerdings ignorierte er das aufregende Kribbeln noch immer und weigerte sich strickt dagegen, seiner Begierde nachzugeben. Er wollte sie, keine Frage, aber er war sich nicht sicher, ob sie dasselbe Verlangen verspürte wie er es tat.
„ Das kann nicht dein Ernst sein.“ drehte er sich von ihr weg.
„ Natürlich ist das mein Ernst, oder warum sollte ich hier noch stehen?“ gab sie von sich. „ Warum darf ich nicht in deiner Nähe bleiben? Bin ich wirklich so schlecht, dass du es nicht ertragen kannst noch einmal die Kontrolle zu verlieren? Verdammt rede doch mit mir!“
„ Ich habe die Kontrolle noch nicht verloren!! In jener Nacht ist nichts zwischen uns vorgefallen!“
„ Und so soll es auch bleiben, hu?“ wendete sie den Blick von ihm ab. „ Warum sagst du mir nicht einfach, dass du kein Interesse an mir hast? Wenn du von vornherein offen mit mir gesprochen hättest, dann...“ unterbrach sie sich kurz und senkte betrübt ihre Augen. „ … dann hätte ich mir vielleicht auch nicht eingeredet, dass es zwischen uns gefunkt haben könnte. Aber ich verstehe schon, du willst nicht, dass ich ein Teil deines Lebens werde, schon klar.“
„ Serah!“ verließ er das Wasser und kam ein Stück auf sie zu.
„ Vergiss es einfach. Ich habe schon verstanden. Du wolltest nicht mit mir reden, um mir deine Gefühle zu gestehen.“ nahm sie das Lederarmband ab, was sie von ihm geschenkt bekam und ließ es achtlos auf seine Klamotten fallen. „ Du wolltest mir bloß sagen, dass ich auf ewig die kleine Schwester deines besten Freundes sein werde! Vielleicht siehst du ihn mir sogar die Schwester, die du nie haben wirst! Ich war so blöd!“
„ Du siehst das vollkommen falsch, Serah.“
„ Nein! Jetzt sehe ich endlich alles ganz klar!“ widersprach sie ihm. „ Cheria hat vollkommen recht.“
„ Was hat Cheria denn jetzt damit zu tun?“
„ Sie hat längst erkannt was du für einer bist, während ich wie geblendet durchs Leben wankte. Du bist auch nur irgendein dahergelaufener Teufel, der von dem reinen Licht eines Wesen angezogen wird und sich gleich bei der erst besten Gelegenheit darauf stürzt. Deshalb teilst du dein Bett mit Sasha, weil ihr Licht viel reiner ist als meines.“
„ Wer erzählt denn bitte, dass ich was mit Sasha am Laufen habe? Das ist völliger Blödsinn!“ versuchte er sich zu rechtfertigen.
„ Natürlich. Deshalb verschwindest du auch ständig mit ihr in einem Zimmer.“
„ Das mache ich bestimmt nicht, um über sie herfallen zu können! Serah bitte, du irrst dich!“
„ Stimmt, ich habe mich was dich angeht leider viel zu oft geirrt. Zu mindestens bin ich aufgewacht, ehe ich ernsthafte Schäden davon tragen konnte.“ drehte sie sich von ihm weg. „ Gute Nacht, Aries.“ sie wollte gehen, ehe sich die Tränen, die ihr in die Augen schossen, in der Öffentlichkeit zeigten.
„ Nein, ich kann dich so nicht gehen lassen.“
„ Du wolltest doch das ich gehe, bitte, du hast dein Ziel erreicht.“ flüsterte sie.
„ Wie kann man die Dinge nur so komplett falsch verstehen!?!“ preschte er auf sie zu.
„ Ich habe gar nichts falsch verstanden!!“ wich sie erschrocken vor ihm zurück und türmte dann zum Wasser hin. „ Lass mich in Ruhe!!“
„ Natürlich hast du alles falsch verstanden!! Sonst wüsstest du, dass ich nicht an Sasha interessiert bin!!“ verfehlte er sein Ziel gerade mal so um Haaresbreite, aber aufgeben wollte und konnte er nicht. „ Dann wüsstest du, dass ich mir nichts mehr wünsche, als dich mein Eigen nennen zu dürfen!! Dann wäre dir verdammt noch mal bewusst, dass ich dich liebe!!“ fluchte er, als sie ihm schon wieder entkam. „ Das war es, was ich dir erzählen wollte, wenn ich zurück bin! Aber dann wüsstest du ebenfalls, dass du mir nicht entkommen kannst, wenn du mir im Blutrausch gegenüber trittst!“ nahm er plötzlich seine teuflische Gestalt an.
„ Du bist ein verfluchter Heuchler!! Ich glaube dir kein Wort!“ sah sie zu ihm zurück. Allerdings war er weit und breit nicht mehr zu sehen. „ Was...?“ blickte sie sich aufgebracht um. „ Wenn du glaubst, dass du mich so überrumpeln kannst, dann hast du dich aber gehörig geschnitten!“ sie schloss die Augen und hörte aufmerksam dem Wind zu, der ihr verriet, wo sich der Ladthaaner aufhielt. „ Aha!“ wirbelte sie herum und wehrte den erneuten Versuch sie greifen zu wollen gekonnt ab. „ Du Idiot!“ fauchte sie ihn noch an, ehe sie davon rannte.
Erst als sie einige Meter von ihm entfernt war, sah sie zu ihm zurück und bemerkte, dass er noch immer auf dem Boden kniete und sich sein Brustkorb unnatürlich schnell auf uns ab bewegte.
„ Du solltest dich noch nicht überanstrengen!!“ lief das naive und sichtlich besorgte Mädchen zu dem Herrn hin. „ Bist du ok?“ ließ sie sich neben ihm nieder. „ Brauchst du Hilfe? Soll ich Misa oder Asariah holen?“
„ Nein. Die würden gerade nur stören.“ sah er zu ihr auf.
„ Jetzt sag nicht, dass war eine Finte?“ seufzte sie verhalten auf.
„ Wer weiß.“ zuckte er leicht mit der Schulter, ehe er sich auf sie stürzte.
„ Das ist unfair!“ kreischte sie.
„ Nein, unfair ist, was du mit mir machst!“ konterte er, während er sich zwischen ihre Beine drückte. „ Und jetzt hör mir zu!“ hielt er ihre Hände mit nur einer Hand fest.
„ Ich hab ja keine andere Wahl!!“ maulte sie.
„ Ich liebe dich, Serah!“
„ Na klar!! Das kannst du deiner Oma erzählen, wenn du dann eine hättest!“
„ Du traust mir wirklich zu, dass ich das alles nur so erzähle?“ starrte er sie nicht gerade begeistert an. „ Nun gut, wenn du meinen Worten nicht trauen kannst, dann sag mir, was das zu bedeuten hat.“ griff er sich eine ihrer Hände und lehnte sich diese auf die Brust. „ Erkläre mir, warum mein Herz rast, wenn du in der Nähe bist?“ zwischenzeitlich hatte er natürlich seine Menschen ähnliche Gestalt wieder angenommen, andernfalls würde sie seinen Herzschlag gar nicht vernehmen können. „ Glaubst du denn wirklich, dass ich das auch beeinflussen kann?“ hakte er leise nach. „ Ich liebe dich wirklich, Serah. Wenn du meinem Körper auch keinen Glauben schenken kannst, dann frag Chiara. Sie weiß auch, dass ich dich mehr liebe als alles andere auf der Welt.“ erklärte er. „ Ich habe nur nichts gesagt, weil ich Angst davor hatte, dass ich Asariah's Vertrauen verliere wenn er erfährt, dass ich mich an seiner geliebten kleinen Schwester vergehe, verstehst du das?“
„ Ist das dein Ernst?“ sah sie unsicher zu ihm auf.
„ Mein voller Ernst.“
„ Und was soll dann immer diese Heimlichtuerei mit Sasha?“
„ Das ist alles auf einer freundschaftlichen Basis. Sie vertraut mir und ich vertraue ihr. Sie ist vielleicht die einzige, die Asariah von Chaos befreien kann.“
„ Mhm.“
„ Vertraust du mir?“
„ Natürlich.“ gab sie leise von sich.
„ Dann glaubst du mir auch, dass ich dir keinen Bären aufbinden will?“
„ Und wie soll es nun weiter gehen?“
„ Nun, ich werde gleich die Kontrolle verlieren...“ biss er sich auf die Unterlippe. „ Und wenn ich erst einmal in den Genuss deines Körpers kam, dann wirst du nie wieder vor mir sicher sein. Aber dafür wirst du einen Freund erhalten, auf den du dich immer verlassen kannst und der dich auch in tausend Jahren noch so stark lieben wird, wie am ersten Tag.“
„ Und was ist mit Asariah?“
„ Der wird nichts davon mitbekommen, zu mindestens so lange nicht, bis er es erfahren darf.“ grinste er verschmitzt auf. „ Darf ich nun endlich die Kontrolle verlieren?“
„ Darfst du.“ lächelte sie ihn an.
„ Sicher? Noch besteht die klitzekleine Chance, dass du mir doch noch entkommen könntest.“
Anstatt zu antworten lehnte sie ihre Hände an seine Wange und küsste ihn verführerisch auf den Mund.
Ihr Herz begann gleich schneller zu schlagen und ein angenehm aufreizendes Kribbeln machte sich in ihrem Bauch breit. Es gefiel ihr sichtlich, ihm den Verstand zu rauben, was sie durch ihr unfaires Spiel mit der Zunge auch binnen weniger Sekunden schaffte. Ihn so nah bei sich zu spüren, tat ungemein gut. So gut, dass sie kaum genug von ihm bekommen konnte.

Und folgend lesen Sie Serah's erstes Mal oder auch nicht, dann geht's da unten (haben wir keine Pfeile hier??) weiter xD

Es machte ihr auch nichts aus, als er ihren Minirock hochschob und sich aufseufzend noch fester an sie drückte. Sie half ihm sogar dabei die Kontrolle noch schneller zu verlieren, in dem sie ihre Beine weiter auseinander drückte, so dass er sich ganz von allein verführerisch an sie rieb.
Was sie da von ihm spürte, brachte nicht nur ihr Blut zum kochen, es entfachte vielmehr einen Sturm in ihr, der kaum zu bändigen war. Dass er so heftig auf sie reagierte ging runter wie Öl. Es stachelte sie dazu an, noch mehr aus ihn heraus zu locken, sie wollte seine ungezügelte Seite zu Gesicht bekommen. Er sollte seinen Verstand, die Beherrschung und auch seinen Willen verlieren, damit er wie Wachs in ihren Händen zerfloss. Nur dann bekam sie seine teuflische Seite zu spüren.
Deshalb kickte sie ihn von sich runter und beugte sich dann über den erstaunten Teufel, um ihm gleich den nächsten, zutiefst erregenden Kuss zu stehlen.
„ Mhm.. ich frage mich gerade, wer von uns beiden im Blutrausch ist.“ wisperte er ihr zu.
„ Vielleicht ist er ja ansteckend.“ flüsterte sie ihm unter niemals enden wollenden Küssen zu.
Zielstrebig tastete sie seine breite Brust ab, zog die Konturen seiner Muskeln nach und glitt dann zum Ansatz seiner Hose runter.
Sein leises Stöhnen brachte sie dazu, ihre Scheu und Unsicherheit zu vergessen, durch die Art, wie er sie an sich drückte oder über ihren Rücken strich, signalisierte er ihr, dass ihm gefiel, was sie da mit ihm anstellte. Er wollte mehr, viel mehr! Was sein ungeduldiges Wackeln mit seiner Hüfte bewies. Aber dem kam sie bei weitem nicht nach. Stattdessen streichelte sie die Innenseiten seiner Schenkel bis hin zu dem Ansatz seiner Hüfte. Dabei strich sie beinahe wie nebenbei mit dem Daumen an seiner Erregung vorbei, was ihm ein leises Knurren entlockte.
„ Mach es richtig, oder ich übernehme ab hier!“
„ Aber garantiert nicht!“ hob sie ihren Kopf leicht an, um ihm in die Augen sehen zu können. „ Du musst dich noch schonen, also bleibt dir gar nichts anderes übrig, als meine kleine Tortur aushalten zu müssen.“ grinste sie ihn frech an. „ Sieh es als Rache an, weil du mich im Glauben gelassen hast, schon in unserer ersten Nacht miteinander geschlafen zu haben.“
„ Das ist nicht fair!“ murmelte er. „ Ich wusste doch gar nichts davon, dass du das geglaubt hast!“
„ Nun weißt du es doch!“ kicherte sie. „ Und nun sei ein lieber Seelendieb und halte endlich deinen Mund!“ grinste sie ihn übelst frech an, während sie ihren Kopf wieder senkte und seine Lippen mit der Zunge nachzog, gleichzeitig begannen ihre Finger seine intimste Stelle zu massieren. Zwar über die Hose, aber ihren Zweck verfehlte sie dadurch nicht. „ Besser?“
„ Serah!“ stöhnte er auf. „ Du machst mich wahnsinnig! Mach es endlich richtig!“
„ Das mache ich doch.“
„ Lass mich dir kurz zeigen, was ich mit richtig meine!“ wollte er sich gerade hoch beugen.
„ Nicht nötig!“ drückte sie ihn wieder runter.
„ Komm schon!“
„ Noch nicht.“
„ Du bist diejenige, die von mir verwöhnt werden sollte!“ versuchte er es nun so.
„ Später.“
„ Serah!“ seufzte er ungeduldig auf.
„ Ich weiß das ich so heiße!“
Alles flehen und betteln brachte mal so rein gar nichts, sie hörte nicht damit auf ihn zu quälen. Stattdessen setzte sie noch einen drauf, in dem sie an seinem Ohr knabberte und ihr gemeines Spiel an seinem Hals fortführte. Nebenbei massierte sie weiterhin seinen Oberschenkel und strich immer wieder dreist an seiner Männlichkeit vorbei. Solange, bis ihm der Geduldsfaden riss und er die Dame aufseufzend auf seinen Schoss zog. Bestimmend zog er ihr das Shirt über den Kopf und ließ dieses dann achtlos neben sich in den Sand fallen.
Seine Augen schimmerten geheimnisvoll im Schein der aufgehenden Sonne und das rot des Blutrausches verlieh ihnen einen zusätzlichen gefährlichen und äußerst anziehenden Touch. Man sah ihm sein Verlangen deutlich an, was ihr Herz immer wieder zum jubeln brachte. Viel zu lange musste sie auf diesen Moment warten und beinahe, wäre alles zu spät gewesen.
Ihr schossen gleich wieder die Bilder in den Kopf, als sie erwachte und ihn bewusstlos und schwer verletzt vorfand. Wie verzweifelt sie alle um sein Leben kämpften, sie gewannen, ja, aber auch nur weil sich Risa einmischte. Wäre sie nicht herbei geeilt, dann könnte Serah den Seelendieb nun nicht um den Verstand bringen. Dann wären all die Worte, die sie auf dem Herzen hatte, für immer unerhört geblieben.
„ Serah...?“ flüsterte er irgendwann ihren Namen, nachdem sie eine Zeit lang wie in Trance auf ihre Hand starrte, die auf seiner Brust ruhte.
„ Ich hatte solche Angst davor, dass du sterben könntest.“ gab sie leise von sich.
„ Deshalb bist du mir auch nicht von der Seite gewichen, mh?“ lächelte er sie kurz an, ehe er an ihrem Hals knabberte.
Nebenbei schob er die Träger ihres BHs von ihren Schultern runter, um ihre Haut auch dort ungestört liebkosen zu können.
„ Ich war nicht die einzige, die dir nicht von der Seite wich!“ grummelte sie.
„ Mhm, aber du warst die einzige, die in meinen Armen lag.“
„ Für mehr war ja auch kein Platz.“
„ Mhm...“ lächelte er leicht auf und küsste sie dann zärtlich auf den Mund. „ Lass uns da später drüber diskutieren.“ öffnete er ihren BH Verschluss. „ Viel später...“ um sie auch von diesem Kleidungsstück zu befreien. „ Ich verspreche dir, dass du dir nie wieder solche Sorgen machen musst, ok?“
„ Ok.“ lächelte sie leicht.
„ Gut.“ legte er sie zurück in den Sand und beugte sich dann über sie.
Der Teufel küsste sie mit einer Leidenschaft auf den Mund, so dass sie glaubte, dass der Boden zu beben begann. Ihre Sinne ließen sich von dem aufregenden neuen Sturm mitreißen und verloren sich Zusehens im dichten Nebel der Leidenschaft. Ungeduldig warteten sie darauf, dass man ihnen den Gipfel der Gefühle zeigte und sie dort gefangen hielt.
Bislang hatte er den Blutrausch noch ganz gut im Griff, aber je länger er in ihrer Nähe blieb, sie berührte oder berührt wurde, desto schwieriger wurde es, die Kontrolle zu wahren. Aries ging äußerst behutsam mit der Göttin um, damit er sie nicht gleich bei ihrem ersten Mal total überforderte. Ihr weh zu tun oder gar zu verletzen, war das letzte was er wollte. Deshalb ließ er sich extrem viel Zeit bei ihrem Vorspiel, damit sie sich an seine Nähe gewöhnen konnte, er schien tatsächlich davon auszugehen, dass er eine zerbrechliche Porzellan Schnecke unter sich liegen hatte, die sich bei jeder unvorhergesehenen Bewegung in ihr Häuschen zurückzog. Aber dem war nicht so.
Verführerisch knabberte er an ihrem Ohrläppchen und führte sein Spiel dann an ihrem Hals fort, während sein Daumen vorsichtig über ihre Brustspitze strichen.
Ein einnehmendes Kribbeln machte sich genau dort breit wo er sie liebkoste, es entlockte ihr ein verzücktes aufseufzen, was ihn wiederum dazu anstachelte, immer einen Schritt weiter zu gehen.
Langsam schob er sich an ihrem Körper runter und verteilte dabei sanfte Schmetterlingsküsse auf ihrer Haut, so lange bis er ihre Brüste erreichte. Er sah kurz zu ihr auf, um sicher gehen zu können, dass es wirklich für sie ok war, dass er über sie herfiel. Als sie ihm dann absolut keinen Hinweis darauf lieferte, dass ihr das hier auch nur ansatzweise unangenehm erscheinen könnte, senkte er seinen Kopf wieder und umschmeichelte ihre aufgerichteten Knospen mit der Zunge.
Der lodernde Feuersturm in ihrem inneren wurde immer reizender und gewaltiger, je länger sie seine Zärtlichkeiten genießen durfte. Aufseufzend spannte sie ihre Muskeln an und rutschte dabei unruhig unter ihm hin und her. Er sorgte wirklich gekonnt dafür, dass sie wie Butter in seinen Händen zerfloss.
Zärtlich schob Serah ihre Hände in sein dichtes Haar und schloss seufzend ihre Augen. Egal was er mit ihr anstellte, es fühlte sich alles so wahnsinnig schön an. Aries war so verdammt zärtlich und stets darauf bedacht, dass sie voll auf ihre kosten kam.
Ihr Puls raste, als er ihren Bauch küsste und langsam weiter runter glitt. Seine eine Hand streichelte ihre Hüfte und die andere kümmerte sich liebevoll um die Innenseite ihrer Schenkel. Als er dann ihren Rock hochgeschoben hatte, begann er damit, ihre Oberschenkel mit zarten Küssen zu verwöhnen, während sie gebannt die Luft anhielt und darauf wartete, dass er sich ihr endlich unsittlich näherte.
„ Mhm...“ biss er ihr sanft in den Schenkel. „ Warum musst du nur so verdammt verführerisch drein schauen?“ beugte er sich wieder über sie. „ Du raubst mir noch den Verstand.“ flüsterte er ihr zu, ehe er sie erregt auf den Mund küsste, zeitgleich schob er seine Hand in ihr Höschen.
Aufstöhnend schlang sie die Arme um seinen Nacken und krallte sich regelrecht an ihn fest, während er sie mit geschickten Bewegungen seiner Finger wahnsinnig machte.
„ Aries!“ stöhnte sie erregt auf.
„ Mist...“ lehnte er seine Stirn gegen ihre Schulter. „ Ich halte das nicht mehr lange aus.“
„ Schon ok!“ wisperte sie ihm seufzend zu. „ Verliere ruhig die Kontrolle, ich werde es schon überleben.“
„ ...“ sah er zweifelnd zu ihr auf.
„ Meine Wunden heilen alle gleich von selbst. Du kannst also nichts kaputt machen. Nun komm schon...“ zog sie ihn wieder zu sich hin, um ihm den nächsten Kuss stehlen zu können. „ Lieb mich!“ rieb sie sich verführerisch an ihn.
Er sollte das gleiche Verlangen spüren, was er in ihr auslöste und sollte genauso an seine Grenzen stoßen, wie sie es tat.
Tatsächlich schaltete sich sein Hirn aus und der erregende Rausch der Gefühle ein. Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, wo der Blutrausch über ihn siegte und ihm die komplette Zurückhaltung nahm.
Bestimmend zog er ihr den Spitzentanga aus und drückte dann ihre Beine auseinander. Ehe er allerdings wieder über sie kroch, öffnete er seine Hose, sie wusste was als nächstes folgen würde. Natürlich hatte sie Angst davor, schließlich war dies ihr erstes mal und ihr Partner war sichtlich nicht mehr dazu in der Lage, sich das ins Gedächtnis zu rufen. Auf der anderen Seite war sie mehr als bereit dazu, sich ihm hinzugeben. Sie wollte ihn spüren, egal was das für Schmerzen mit sich brachte. Die Göttin wollte ja die teuflische Seite ihres Freundes zu Gesicht bekommen, ungezügelt und wild, damit er sie nicht mehr wie ein Porzellan Tierchen behandelte und genau diese Art, zeigte er ihr jetzt.
Als er sich mit ihr vereinte, sammelte er den kläglichen Rest seiner Selbstbeherrschung ein und sah ihr aufseufzend ins Gesicht.
„ Bist du ok...?“ hakte er leise nach. „ Also nicht, dass ich mich jetzt noch zurückziehen könnte, wenn es nicht so wäre.“ biss er sich angestrengt auf die Unterlippe. „ Aber sag mir trotzdem, dass dir nichts weh tut!“
„ Mir geht es gut, Aries!“ natürlich verspürte sie einen leichten Schmerz, als er in ihr eindrang, aber dieser Schmerz war längst gewichen. „ Bewege dich!“
„ Das ist gut...“ und dann drückte er sich das letzte Stück noch an sie, was ihr ein lautes Aufstöhnen entlockte.
Fordernd und fest waren seine Stöße, währenddessen liebkoste er ihre Brüste mit seinen Lippen und umschmeichelte dessen Spitze mit der Zunge.
Mit der einen Hand stütze er sich ab, während die andere ihr Bein anwinkelte.
Die Göttin schlang ihre Arme um seinen muskulösen Rücken und strich ihm zärtlich über die Wirbelsäule.
Spielerisch gelang es ihm, sie völlig Willenlos zu machen und das brodelnde Feuer aus Verlangen und Begierde, in einen wirbelnden Sturm zu verwandeln.
Die Schmetterlinge in ihrem Bauch mutierten zu riesigen Motten Schwärmen und verursachten ein betörendes Kribbeln auf ihrer Haut.
Getrieben von seinem eigenen Verlangen wurden seine Berührungen immer fordernder, seine Stöße wilder. Ihr Herz raste, die Wangen glühten und der Puls passte sich dem Takt ihres Herzens unterwürfig an, als sie dieser Teufel nahe an das Höchste der Gefühle heran brachte.
Stöhnend spannte Serah plötzlich ihren Körper an und krallte sich in den weichen Sand des Strandes fest, als sie einen mitreißenden und intensiven Höhepunkt erlebte.
Aries bekam ihren Gipfel so intensiv mit, dass er sich der Schlange zum Glück beinahe angeschlossen hätte. Aber so schnell wollte er sich und sie nicht erlösen.
Mit einer atemraubenden Geschwindigkeit bewegte er sich wieder in ihr und brachte ihr Verlangen so erneut zum pulsieren. Er wollte sie mit jeder Phase seines Körpers spüren.
Gefesselt von seinem Spiel, presste sie ihn noch fester an sich und schob ihre Hand dabei in sein dichtes schwarzes Haar.
Aries bewegte sich so dermaßen schnell und feste in ihr, dass er sie dazu brachte, alles um sich herum zu vergessen.
Sie war nicht in der Lage, ihr Stöhnen zu unterdrücken oder überhaupt einen Gedanken daran zu verschwenden, dass irgendwer nach den beiden suchen und sie praktisch in flagrante erwischen könnte.
Der Seelendieb raubte ihr vollends den Verstand, oder eher das bisschen was davon übrig geblieben war und zeigte ihr wie schön es sein konnte, von ihm geliebt zu werden.
Während er sich in diesem schnellen Rhythmus in ihr bewegte, knabberte er der Dame am Ohrläppchen und streichelte mit der einen Hand ihre Brust, mir der anderen stützte er sich ab.
Es war unglaublich, wie lange er sich so in ihr bewegen konnte, ohne dabei die Erfüllung zu finden. Wobei Serah mehr als einmal an ihre Grenzen stieß. Seine zutiefst erregenden Laute waren da bestimmt auch nicht ganz unschuldig dran.
„ Lass uns die Stellung wechseln.“ wisperte sie ihm irgendwann zu. „ Ich spüre meine Beine nicht mehr.“
„ Wie du meinst.“ löste er sich vorsichtig vor ihr und kniete sich dann hin, um ihr ganz Gentlemanlike hoch zu helfen. „ Soll ich dir zeigen, wie es noch intensiver wird?“ strich er mit dem Daumen über ihre Lippen, ehe er sie zärtlich küsste.
„ Noch intensiver? Das geht nicht!“ flüsterte sie.
„ Und wie das geht.“ drehte er sie um, so dass sie mit dem Rücken gegen seine Brust lehnte.
Bevor er sich wieder mit ihr vereinte, nahm er noch seine Ladthaaner Gestalt an, jene Gestalt, die bei einem göttlichen Wesen dieses verführerische Knistern auf der Haut verursachte.
„ Uah!“ zuckte sie auch gleich zusammen und starrte entsetzt zu ihm zurück. „ Spinnst du?? Nicht so! Das ist viel zu gefährlich!!“
„ Es wird nichts geschehen, keine Sorge.“ drückte er sie noch fester an sich. „ Ich weiß, was ich tu!“
„ Ja-ah!!“ stöhnte sie laut auf, als er vorsichtig in ihr eindrang und der betörende Sog von innen auf sie einwirkte. „ Das hatte Dad auch damals gesagt und dann ist daraus Sophia entstanden!!“
„ Zum Glück, bin ich nicht Keith.“ küsste er ihren Hals.
„ Aries...“ wisperte sie seinen Namen, unfähig sich seiner Nähe zu entziehen.
„ Keine Sorge, es wird schon nichts geschehen.“ bewegte er sich extra langsam und genießerisch in ihr, um sie mit jeder Phase seines Körpers spüren zu können.
„ Keith stand damals auch unter der Wirkung ihres Blutes...“ sah sie zu ihm zurück und lehnte ihre Hand an seine Wange. „ ... nur mal so am Rande bemerkt.“
„ Ich passe schon auf, also entspann dich.“ stahl er ihr einen sanften kleinen Kuss. „ Und nun beuge dich nach vorne.“
„ Und dann fragt ihr euch wirklich, warum wir Götter glauben, dass ihr von Tieren abstammt.“ schmunzelte sie.
„ Wegen dem wilden Stier... oder dem Hengst?“ hakte er leise nach.
„ Na, die Schweine machen es auch auf diese Art.“ kicherte sie.
Wobei ihr das Kichern schnell verging, als er sie seufzend nach vorne stieß und ihr durch seine ungezügelte leidenschaftliche Art bewies, dass er mehr von einem Hengst als von einem Schwein besaß.
Sein Überfall endete erst am frühen Morgen, erst da konnte er von ihr ablassen und den Blutrausch besiegen. Zu den anderen kehrten sie allerdings nicht zurück.
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Re: Diehieee Geschichte

Beitrag von Alexia am Di 13 Jun - 7:53

Kapitel 13. Necorana


„ Aries! He Aries!“ rüttelte Serah den Herrn wach.
„ Was...?“ öffnete er verschlafen seine Augen.
„ Hätte ich gewusst, dass du dich hier nieder lässt um ein Nickerchen zu machen, dann hätte ich dich letzte Nacht zurück ins Camp geschliffen.“ blickte Chiara grinsend auf den Teufel herab.
Die drei befanden sich noch immer an dem Strand, wo sich der Seelendieb hin stahl, als er aus seinem Koma erwachte.
„ Die arme Serah war ganz aufgelöst vor Sorge, als sie gerade erwachte und du nicht da warst.“ wurde das Grinsen des Kätzchens noch breiter.
„ Wie jetzt...?“ setzte er sich hin und blinzelte die Damen abwechselnd an. „ Wieso heute morgen aufgewacht...?“ ihm war schließlich so, als hätte er die Dame letzte Nacht geliebt und das nicht zu knapp.
„ Ja, ich habe meine Augen geöffnet, weißt du?“ giggelte sie. „ Hab die Traumwelt verlassen und bin in die Realität zurückgekehrt und tja, du warst nicht da.“
„ Ich weiß sehr wohl, was es heißt aufzuwachen.“ murmelte er. „ Ihr verarscht mich doch gerade, oder?“
„ Warum sollten wir dich denn verarschen?“ sah Serah verblüfft zu ihrer Seelenverwandten auf. „ Weißt du, was er meint?“
„ Er ist gerade erst aufgewacht und noch etwas verwirrt!“ zerwühlte sie ihm grienend das Haar. „ Gib ihm ein paar Minuten, um wieder klar zu kommen.“
„ Unter dem Blutrausch scheint er nicht mehr zu leiden. Der rötliche Schimmer seiner Augen ist vollkommen verschwunden.“ bemerkte die Dame.
„ Natürlich ist er verschwunden, du hast doch gestern selbst dafür gesorgt, dass er verschwindet.“ schob er murrend die Hände des Kätzchens weg.
„ Ich? Nein.“ setzte sie eine verblüffte Miene auf. „ Ich bin gerade erst aufgewacht. Hätte mir Chiara nicht gesagt, dass sie dich hier getroffen hatte, dann wüsste ich gar nicht, dass du hier bist.“
„ Du beliebst zu scherzen?“ starrte er sie entgeistert an.
„ Ähm, nein?“ lehnte sie den Kopf schief. „ Was sollte ich deiner Meinung nach denn dafür gesorgt haben, dass der Blutrausch abklingt?“ hakte sie leicht grinsend nach.
„ Das weißt du doch ganz genau!“ sah er sie eindringlich an.
„ Ich habe nicht die leiseste Ahnung. Wirklich nicht.“ zuckte sie mit der Schulter.
„ Unmöglich.“ murmelte er. „ Du versuchst mir gerade einen Bären aufzubinden.“
„ Gewiss nicht.“ erhob sie sich wieder und wollte eigentlich von ihm weg gehen, wenn ihr da die Beine keinen Strich durch die Rechnung gemacht hätten, diese verweigerten ihr nämlich gleich die Zusammenarbeit, so dass sie Aries praktisch in die Arme fiel.
„ Aha...?“ sah er sie mit hochgezogener Augenbraue an.
„ Der Strand ist so furchtbar uneben.“ schmunzelte sie.
„ Der Strand ist schuld, schon klar.“ starrte er sie noch immer an.
„ Thihihihi!!!“ brach Chiara plötzlich in lautstarkes Gelächter aus. „ Dein Gesichtsausdruck!! Ein Bild für die Götter!!“
„ Das war nicht witzig.“ murmelte er ihr zu, nachdem Serah ihm einen sanften Kuss schenkte. „ Ich hätte euch das beinahe abgekauft.“
„ Komm schon!“ tätschelte die Götterkatze lachend seine Schulter. „ Das war doch die perfekte Einleitung eures happy End! Lang genug hat es ja gedauert.“
„ Was machst du überhaupt hier?“ sah er zu der Katze auf.
„ Sei doch froh, dass ich hier bin und nicht Misaki oder Asariah.“ verschränkte sie die Arme vor der Brust. „ Wenn euch Misa so eng umschlungen vorgefunden hätte, dann wärt ihr nun in Illumina Gesprächsthema Nr. 1 und schon heute Abend hätte Keith eure kleine Party gesprengt.“ grinste sie ihn schief an.
„ Hm...“ verzog er seinen Mund. „ Dad hätte mich niemals verraten.“
„ Keith ist immerhin sein bester Freund.“
„ Und ich bin sein Sohn!“
„ Wenn du dir deiner Sache so sicher bist, dann kann ich ihn ja her holen, damit er Serah zurück ins Camp bringen kann.“ blickte sie ihn herausfordernd an. „ Du kannst sie natürlich auch zurück bringen, auffälliger geht es eh nimmer, nicht wahr?“
„ Dir macht es richtig Spaß, uns aufzuziehen, was?“ bewarf er sie mit einer kleinen Muschel. „ Und so was schimpft sich Freundin?“
„ Die beste!“ kicherte sie. „ Na los, lasst uns zurück gehen.“
„ Mhm, ich lieb dich auch.“ grummelte der Herr.
„ Pss! Nicht so laut, du willst doch nicht das Serah von uns erfährt!“ kicherte sie. „ Aber ich bin froh darüber, dass ihr endlich zueinander gefunden habt. Ich wollte die Hoffnung schon aufgeben. Ihr werdet miteinander glücklich werden.“
„ Natürlich.“ stand Aries auf und hielt seine Liebste dabei weiter auf dem Arm. „ Und du wirst jede einzelne Minute unseres Glückes miterleben.“
„ Sicherlich...“ wendete sie sich lächelnd von ihnen ab. „ Ich freue mich schon darauf.“ nahm sie ihre große Katzengestalt an. „ Steigt auf.“
„ Ich kann selbst laufen, danke.“ setzte er die Göttin auf dem Rücken des Kätzchens ab.
„ Wie du meinst! Ich bin als erste wieder bei den anderen!!“ raste sie grölend davon.
„ Träume weiter, du Schnecke!“ preschte er an ihr vorbei.
„ Komm schon, Chiara! Wir lassen und von diesem Windbeutel doch nicht abhängen!!“ klammerte sich die Dame am Hals ihrer Freundin fest.
„ Natürlich nicht! Festhalten!!“
Die Götterkatzen waren für ihre Schnelligkeit bekannt, deshalb nahm man sie auch so gern mit auf Reisen. Sie waren in vielerlei Hinsicht die perfekten Reisebegleiter.
Die meisten Ladthaaner besaßen auch eine beachtliche Geschwindigkeit, aber wenn sie diese nicht trainierten, dann konnten sie einer Götterkatze bei weitem nicht das Wasser reichen. Aries allerdings, konnte es.
Sie lieferten sich ein echtes Kopf an Kopf Rennen, bis sie schließlich das Camp erreichten und Chiara mit einem minimalen Vorsprung gewann.
Sie hatte so einen Affenzahn drauf, dass sie sich mit allen vier Pfoten im Boden festkrallen musste, um nach einigen Metern des Schlitterns zum stehen zu kommen.
„ Ha! Wer von uns beiden ist jetzt die Schnecke, hä?“ hüpfte sie kampfeslustig hin und her.
„ Das weiche Fell ist wieder da!!“ klammerte ich mich strahlend an ihren Hals fest. „ Dich hätte ich gern als Kopfkissen!!“
„ Das lässt sich einrichten.“ schnurrte sie mich an. „ Zu mindestens dann, wenn du mich die ganze Nacht über streichelst.“
„ Aha, so bringt man dich also dazu, die Nacht mit einem zu verbringen. Gut zu wissen.“ giggelte Cheria.
„ Bist du ok, Aries?“ ging Misa auf ihn zu. „ Ist alles noch dran?“
„ Es geht mir gut, danke der Nachfrage.“ lächelte er leicht. „ Tut mir leid, dass ihr euch um mich sorgen musstet.“
„ Warum hast du überhaupt diese verletzliche Gestalt angenommen? Hättest du das nicht getan, dann wäre das alles nicht passiert.“ gesellte sich die Priesterin zu ihnen. „ Aber es ist schön zu sehen, dass du wieder voll da bist.“
„ Warum ich diese Gestalt angenommen habe?“ dachte er darüber nach. „ Ich... weiß es nicht.“ um dann auf das Ergebnis zu kommen. „ Vielleicht hatte ich Angst davor, dass etwas von dem Gift an meinem Körper kleben könnte und dass ich es dann an Serah weitergebe.“ vermutete er. „ Ich erinnere mich nicht mehr an die genauen Umstände.“
„ Jetzt lässt es sich ohnehin nicht mehr ändern.“ bemerkte Misa. „ Es ist ja noch mal alles gut gegangen.“ lehnte er den Arm um die Schulter seines Sohnes. „ Aber sollte sich das Ganze noch einmal wiederholen, dann werde ich euch alle übers Knie legen, klar?“ starrte er uns eindringlich an. „ Und glaubt mir, das wird euch mehr weh tun, als mir.“
„ Hihihi! Ich wollte mich schon immer mal von einem waschechten Teufel übers Knie legen lassen!!“ lachte die Priesterin.
„ Ich glaube nicht, dass dir das gefallen würde.“ konterte Chiara.
„ Mir würde es gefallen.“ grinste der ältere Seelendieb frech auf. „ Aber nun werde ich erst einmal nach Illumina zurückkehren. Ich möchte nicht, dass Patty verdacht schöpft.“ murmelte er. „ Begleitest du mich noch ein Stück?“ sah er zu Aries herab.
„ Wozu? Du hast allein her gefunden, also wirst du auch wieder allein zurückfinden, oder nicht?“
„ Nach den Sorgen, die du mir bereitet hast, ist das doch wohl das mindeste was du machen kannst!“
„ Ist ja gut.“ seufzte er. „ Ich komme ja mit.“
„ Geht doch.“ nickte er. „ Also dann, war schön euch wiedergesehen zu haben.“ gab er Cheria, Serah und mir einen sanften Handkuss und Chiara kraulte er lächelnd das Kinn. „ Pass gut auf die Gruppe auf, verstanden?“
„ Natürlich.“ schnurrte sie.
„ Bis dann.“ winkte er uns noch einmal zu, ehe er mit Aries davon schlenderte.
„ Also? Warum sollte ich dich unbedingt begleiten?“ wollte der junge Ladthaaner wissen, als sie weit genug vom Camp entfernt waren.
„ Ich möchte, dass du dir einen Teil meiner Kräfte aneignest.“ erklärte er.
„ Was?“ staunte er nicht schlecht. „ Du willst, dass ich dir einen Teil der Aura absauge? Spinnst du? Das ist viel zu gefährlich! Ich habe meine Kräfte bisher kaum bis gar nicht eingesetzt!“
„ Trotzdem willst du Asariah die Kräfte absaugen, sollte Chaos erwachen. Ist es da nicht besser, du probierst es erst an mir aus?“
„ Und was soll das bringen?? Du kannst nichts, was ich nicht auch kann.“
„ Du irrst dich.“ widersprach er ihm. „ Ich erkenne die meisten Auren meiner Feinde, außerdem besitze ich Fähigkeiten, die uns nicht von Haus aus gegeben wurden! Lass mich dir dabei helfen, deine Freunde zu beschützen, Aries!“ drehte er sich zu ihm um. „ Du kannst deinen Feind nur dann effektiv bekämpfen, wenn du ihn kennst. Also nutze mein Wissen, um einen weiteren Tiefschlag zu vermeiden.“ meinte Misaki. „ Über Risa's Fähigkeiten verfügst du ja jetzt, sie werden dafür Sorgen, dass sich dein Körper von allein heilen kann. Aber ich, ich besitze Keith's Fähigkeiten ebenfalls! Deshalb bin ich stärker als ein normaler Seelendieb. Profitiere davon, du hast doch nichts zu verlieren.“
„ Doch... ich könnte dich verlieren.“ flüsterte er.
„ So ein Unsinn.“ zerwühlte er ihm lachend das Haar. „ Mir wird nichts geschehen. Ich werde dich führen, also sei unbesorgt. Glaub mir, mein Ego ist groß genug für uns beide.“
„ Davon bin ich überzeugt.“ murrte Aries.
„ Na los.“ hielt er ihm seine Hand hin. „ Es wird alles gut gehen, du wirst schon sehen.“
„ Nun gut, wenn du meinst, dass ich es schaffen kann, dann lass es uns versuchen.“ zog er sich die schwarzen Lederhandschuhe aus.
„ Wäre ja nicht das erste Mal, dass du versuchst mich auszusaugen.“ grinste er ihn frech an.
„ Ja, aber inzwischen bin ich kein kleines Kind mehr. Jetzt besitze ich durchaus die Kraft, um dich vollständig zu absorbieren.“
„ Das macht keinen Unterschied. Ich werde es jetzt auch überleben.“ griff er sich die Hand seines Sohnes und lehnte sie sich auf die Brust. „ Konzentriere dich auf meine Aura. Solange du meine Seele unangetastet lässt, wird sie sich wieder erholen.“
„ Das sagst du so einfach.“
„ Das ist so einfach.“
„ Klar, weil es ja nur die Auren und Seelen in einem Körper gibt, die wir absaugen könnten. Die ganzen Kräfte, Fähigkeiten und Mächte bilde ich mir bestimmt nur ein.“
„ Na los, konzentriere dich schon.“
„ Mum wird mich umbringen...“ schloss er murmelnd die Augen und analysierte die Beschaffenheit seines Gegenübers.
Als er die Aura von der Seele getrennt hatte, begann er mit zaghaften Versuchen damit, die Aura seines Vaters zu absorbieren. Misa's Hand lehnte noch immer auf der seines Sohnes, was Aries zu mindestens ein bisschen zu beruhigen vermochte.
„ Du benutzt zu wenig Kraft, so werden wir morgen immer noch hier stehen.“ lächelte der ältere leicht. „ So wird das nichts.“
„ Wie du meinst...“ verstärkte er den Sog.
Er zerrte die Aura seines Gegenübers auseinander und absorbierte die Fetzen, die er aus ihm heraus riss. Wie von selbst überkam ihm die Erkenntnis, dass der Hund ein Gestaltenwandler und das die Krake ein Dymatron war. Er erkannte, welche heimtückischen Fähigkeiten in den Dämonen schlummerten und wie man sie am besten besiegen musste. Außerdem spürte er, wie seine Energie zunahm, was sich auch auf die Stärke seiner Angriffe auswirkte. Dieses Phänomen verlieh ihm das Blut von Keith, was Misaki vor langer Zeit verabreicht bekam. Allerdings führte es auch dazu, dass er seine Kräfte für einen kurzen Moment nicht unter Kontrolle hatte und das Innerste seines Vaters gehörig durch schüttelte.
Letztendlich endete sein Vorhaben damit, dass er und Misaki einen gewischt bekamen. Dieser Funke glich einer kleinen Explosion.
„ Was?“ riss Aries seine Augen auf. „ Bist du ok??“
„ Es ist alles in Ordnung!“ keuchte Misa. „ Es ist nichts weiter passiert.“
„ Wirklich nicht?“ starrte er ihn schockiert an.
„ Wirklich nicht.“ lächelte er. „ Es geht gleich wieder.“
„ Ok...“ atmete er erleichtert aus.
„ Ich sagte doch, dass du es schaffen wirst und ich habe mich nicht getäuscht.“ lehnte er seine Hand über die Brust. „ Ich hoffe, ich konnte dir helfen.“
„ Da kannst du Gift drauf nehmen.“ nickte er. „ Danke.“
„ Nicht dafür.“ wehrte er grinsend ab. „ Und nun geh zu deiner kleinen Freundin zurück. Sie wartet bestimmt schon auf dich.“
„ Das bleibt unter uns, verstanden?“ knurrte er.
„ Sicher.“
„ Gut...“ schlenderte er den Weg zurück und drehte sich dann noch mal zu Misa um. „ Sonst müsste ich Keith nämlich stecken, dass Risa's Aura an dir klebt und das wird ihm bestimmt mehr interessieren, als der Umstand, dass Serah's Aura an mir klebt.“
„ Versuchst du mich etwa gerade zu erpressen?“ zog er fragend eine Augenbraue hoch.
„ Nein, ich habe dir bloß gesagt was passieren wird, wenn Keith von mir und Serah erfährt.“ konterte er. „ Ich will auch gar nicht wissen, warum ihre Aura an dir klebt. Es geht mich schließlich nichts an.“
„ Vermutlich aus dem selben Grund, weshalb Chiara's Aura an dir klebt.“ bemerkte er.
„ Ja, wer weiß.“ wendete er sich wieder von ihm ab. „ Komm gut nach Hause.“ mit diesen Worten verschwand er.
„ Puhh...“ seufzte Misa verhalten auf. „ Ich fühle mich, als hätte ich eine Bombe verschluckt, die dann in mir detoniert ist.“ flog er zum Portal hin. „ Das wird einige Zeit dauern, bis sich meine Seele wieder gefangen hat.“

In Illumina erwartete man den Seelendieb bereits. Keith stand mit verschränkten Armen vor dem Portal, was nach Elysia führte und wippte dabei ungeduldig mit dem Fuß auf und ab.
„ Da bist du ja endlich!“ begrüßte er seinen Kumpel, als dieser endlich wieder zuhause ankam. „ Ich dachte schon, ich müsste mich hier häuslich einrichten.“
„ Was denn?“ grinste er ihn frech an. „ Hast du dir etwa Sorgen um mich gemacht?“
„ Klar und wie.“ lehnte er den Kopf schief. „ Wie geht es Aries?“
„ Großartig.“ ließ er sich seufzend auf einer Stufe nieder.
„ Was ist los?“
„ Kinder... sie bringen das Innerste gehörig durcheinander.“ schmunzelte er.
„ Und dann saugen sie einem bis zum letzten Tropfen aus, hu?“ ließ sich Keith neben ihm nieder.
„ Bist du jetzt plötzlich unter die Hellseher gegangen?“
„ Nein, das war nur eine Vermutung.“ blickte er ihn besorgt an. „ Hat er sich mehr genommen, als er eigentlich sollte?“
„ Nein, er hat bloß ein bisschen Staub aufgewirbelt.“
„ Du wirst es also überleben, ja?“
„ Sicher.“
„ Gut.“ nickte er zufrieden. „ Willst du mir jetzt sagen, was du mir gestern schon sagen wolltest?“
„ Ich werde dir alles erzählen, wenn wir in der Bibliothek der alten Götter sind.“ erhob er sich langsam wieder.
„ Was willst du denn da?“ hakte er irritiert nach.
„ Ich will mir das Buch der großen Gottheiten ansehen.“ erklärte er.
„ Wozu? Über Chaos werden wir da nichts finden.“
„ Über Chaos nicht, aber über Asariah.“
Das besagte Buch wurde von dem Gott der Geschichte geschrieben oder eher, seine Magie sorgte dafür, dass sich das Schriftstück stets von allein aktualisierte. Jede große Persönlichkeit, sei es nun ein Gott oder Teufel, wurde dort namentlich festgehalten. Es beschrieb alle wichtigen Merkmale der Gottheit, zählte die Regeln und Verbote auf und erläuterte zu dem noch die Aufgabe, die das mächtige Wesen zu erfüllen hatte. Es wurde also alles wichtige niedergeschrieben, was man über einen Gott oder Teufel wissen musste. Wen er liebte, was er liebte, wo er lebte oder ähnliches was sein Privatleben betraf, blieb allerdings unangetastet.
„ Asariah? Was sollte dort geschrieben stehen, was wir noch nicht wissen?“ hakte er verblüfft nach.
„ Weißt du zum Beispiel, warum seine Seele verschwindet, wenn er stirbt?“
„ Weil der Teufel des Todes mit diesem Schicksal belegt wurde?“
„ Vielleicht. Vielleicht hat es aber auch einen anderen Grund.“
„ Sprich dich ruhig aus, erzähl mir was du vermutest.“
„ Reisen wir erst einmal zur Erde, ich werde dir schon alles erklären.“
„ Sicher das du in deinem derzeitigen Zustand auf große Reise gehen solltest?“
„ Klar, mir geht es gut.“ wehrte er grinsend ab.
„ Mir war so als würdet ihr eure Gegner damit außer Gefecht setzen, dass ihr seine Seele sprengt. Ist es nicht richtig, dass eine Person mit gebrochener Seele nicht kämpfen kann? Sie kann ihre Kräfte nicht kontrollieren, nicht wahr?“
„ Woher weißt du das denn?“ kratzte er sich am Kopf.
„ Ich bin lang genug mit dir befreundet, um all deine dunklen Geheimnisse zu kennen.“ grinste er leicht auf. „ Aries wäre stolz auf sich wenn er wüsste, dass er dich ausgeknockt hat.“
„ Mhm...“ schmunzelte er. „ Ich hätte auch eine Party geschmissen, wenn ich jemals in den Genuss gekommen wäre, meinen Bruder zu besiegen.“
„ Dein Bruder, hu?“ seufzte er. „ Vielleicht sieht Aries in dir ja genau das, was du in Thanatos siehst. Ein Seelendieb, der bis in alle Ewigkeit seinen Schatten über dich wirft.“
„ Mein Bruder ist ein Idiot! Ich habe seinen Schatten längst abgehängt.“ murrte Misa.
„ Klar, du bist immer noch beleidigt, weil er in die Pläne der Großen eingeweiht wurde und du nicht, mh?“
„ Pah.“ verschränkte er die Arme vor der Brust. „ Letztendlich war ich es, der das Ganze erst ins Rollen gebracht hat. Ohne mich, wärst du jetzt nicht mit Risa zusammen.“ murmelte er. „ Aber egal. Lass uns gehen.“
Die Bibliothek der alten Götter lag auf einer kleinen Insel, die einst von Vulkano, dem Gott des Feuers, heimgesucht und dann von Granas, dem König der Götter, gerettet wurde. Dieser Vorfall lag schon einige Jahrhunderte zurück, aber die Legende über den Frauen verschlingenden Gott, der seinen Palast in einem unterirdischen Vulkan erbaut hatte und die weiblichen Bewohner der Insel genau dorthin verschleppte, wurde auch heute noch von Generation zu Generation weitergeben.
Granas hielt seine Hand über die kleine Gemeinde und beschütze sie fortan persönlich vor den Gefahren der Unterwelt. Nachdem er aus dem Reich der Götter verbannt wurde, kam er auf der Insel unter und lebte von dort an als Mensch getarnt unter ihnen.
Er hatte es gewagt, sich gegen seinen eigenen Sohn zu stellen, der damals der König der Kythosianer war und von Chaos besetzt wurde. Weil er die beschützen wollte, die er liebte, wurde er aus seiner Heimat verbannt und für Tod erklärt.
Nachdem Kronos, der Sohn von Granas, von Chaos befreit wurde, bestieg Granas wieder den Thron und regierte von nun an die Götter. Sein Sohn legte sich selbst in Ketten, in dem er ohne Mächte auf der Erde lebte, so lange, bis er selbst der Überzeugung war, für seine Sünden gebüßt zu haben.
Granas wachte auch heute noch über die Insel und zwischenzeitlich wurde auch Vulkano aus seiner Verbannung befreit, der seinem neuen Kumpel dabei unterstützte, die Insel der Menschen zu beschützen, statt sich an ihnen zu bereichern.
Die Bibliothek der alten Götter befand sich im Kellergewölbe einer großen Kirche, sie wurde von zwei Steinbestien beschützt, die Unbefugten den Zutritt verweigerten. Die Ladthaaner zählten damals dazu, sie kamen gerade so in der Gegenwart einer Göttin hinein. Heute war es natürlich anders.
Deshalb reagierten die Wächter auch nicht auf die beiden, als sie an ihnen vorbei schlenderten.
„ Du glaubst also, dass Asariah Lastalia's Wiedergeburt ist??“ staunte Keith nicht schlecht, als Misa das erwähnte.
„ Ich habe selbst gehört, wie Aliah und Lastalia darüber sprachen. Ich weiß nur noch nicht, was das zu bedeuten hat.“
„ Wie ist das möglich...“ dachte er darüber nach. „ Wie kann er zeitgleich in den Kernen der Planeten schlafen und als Asariah durch die Weltgeschichte marschieren?“
„ Lastalia ist allmächtig. Er hat das gesamte Universum erschaffen und das nur mit einem Fingerschnipp, also sollte uns eigentlich gar nichts mehr schocken.“
Der Durchgang aus weißem Marmor wurde auch Spiegelhalle genannt. An der einen Wand befand sich nämlich ein Spiegel, der einem sein wahres Ich offenbarte. So verhinderte man, dass sich Leute hinter einer Maske verstecken und dann in die Bibliothek eindringen konnten. Am Ende dieses Ganges erwartete einem ein Schleier aus glänzendem Licht, der einem genau die Gestalt verpasste, die man im Spiegel zuvor sah.
Nur Misa verwandelte sich nicht, ganz im Gegensatz zu Keith, der nun in seiner teuflischen Form die Bibliothek betrat.
„ Warum hast du dich nicht verwandelt?“ hakte er nach, während er seine menschliche Form wieder annahm.
„ Meine Seele ist gebrochen, wie will der Spiegel da erkennen, wer ich wirklich bin?“ schmunzelte er ihn an. „ Gut das man uns hier schon kennt, sonst hätte wir jetzt vermutlich große Probleme am Hals. Mit den Drachengöttern, die über diese verstaubten Hallen wachen, will ich mich immer noch nicht anlegen.“
„ Wie lange wird es dauern, bis sich deine Seele wieder erholt hat?“
„ Ein paar Tage... vielleicht auch Wochen... wer weiß?“
„ Du nimmst das Ganze ja ganz schön locker.“
„ Was sollte mir in Illumina schon groß passieren?“ zuckte er mit der Schulter. „ So und wo befindet sich das Buch nun?“
„ Das kann uns bestimmt Yuri sagen. Wo ist der überhaupt?“ sah er sich suchend um. „ Der ließ sich doch sonst nicht lange bitten, wenn wer seine Hallen betrat.“
„ Dann müssen wir uns wohl selbst helfen. Wir sollten als erstes in der Halle nachschauen, wo auch das Buch über eure Blutlinie liegt.“
„ Gehen wir.“
Als sie die besagte Halle erreichten, überraschten sie ein Pärchen, was ihnen den Rücken zugedreht hatte und über irgendwas wichtiges tuschelten.
Der Gott hörte auf den Namen Yuri, er war der Gott der Vergangenheit und zudem noch die gute Elfe dieser Hallen. Er besaß den Körperbau eines Athleten, hatte kurzes dunkelbraunes Haar und strahlend blaue Augen. Außerdem war er schwul, stockschwul.
Die Dame hieß Charis, die Göttin des Schicksals. Sie hatte lange schwarze Haare, die ihr in sanften Korkenzieherlöckchen über die Schulter fielen, ihr Outfit war wie immer gewagt, und betonte ihre perfekten Kurven.
„ Egal wie wir es drehen oder wenden, der Arsch bleibt immer hinten.“ murrte die Göttin.
„ Das ist furchtbar! Gibt es denn keinen Weg, bei dem kein Opfer gefordert wird?“
„ Der gestrige Vorfall hat Asariah's Mauer zu mindestens ein kleines Stück einreißen lassen, wenn wir Glück haben, wacht er von allein auf und die Opfer werden überflüssig werden.“ tuschelte sie.
„ Charis, Yuri. Was macht ihr denn da?“ machte sich Keith bemerkbar.
„ Mh?“ sahen die beiden zeitgleich zu ihnen zurück.
„ Keith?? Misaki??“ verjagte sich Charis so dermaßen, dass ihr ihre Wahrsager Kugel aus den Händen flutschte. „ Oh nein!! Nein, nein!!“
Charis und Yuri versuchten beide die Glaskugel vor dem Zersplittern zu bewahren und tänzelten praktisch mit ihr durch den Raum. Bis der junge Gott gegen einen Sessel stieß, auf den er fiel und da ein Unglück selten allein kam, stürzte die Dame auf ihn drauf. Diese Kettenreaktion sorgte dafür, dass der Sessel nach hinten kippte und seine Insassen gleich mit sich zerrte. Gott sei dank, bekamen sie aber die Glaskugel noch zu fassen, ehe diese in tausend kleine Teile zersprang.
„ Puhh...“ seufzte Charis.
„ So fühlt es sich also an, wenn eine Frau auf einem drauf liegt.“ kicherte er. „ Ich könnte mich glatt daran gewöhnen, wenn ich nicht auf den stählernen Körper eines durchtrainierten Bodybuilders stehen würde.“ drückte er grinsend auf ihrer Hüfte rum.
„ Hör auf, dass kitzelt!“ lachte sie.
„ Darf man jetzt vielleicht erfahren, was ihr hier macht?“ sah sich Misa das Treiben amüsiert an.
„ Wir spielen... das sieht man doch.“ grummelte die Schönheit. „ Wie wäre es, wenn mir einer von euch mal eine helfende Hand reichen würde?“
„ Sicher.“ half der Seelendieb der Dame wieder auf die Füße.
„ Hu, danke.“
„ Also nun sagt schon, was meintet ihr mit Opfer? Welches Schicksal habt ihr betrachtet.“
„ Schicksal? Wer sagt denn, dass wir uns ein Schicksal angesehen haben?“ sabbelte der Gott nervös vor sich hin.
„ Wenn es etwas gibt, was wir wissen sollten, dann sagt es uns.“ trat Keith an sie heran.
„ Risa kann deine gesprungene Seele wieder zusammen flicken.“ erklärte Charis. „ Mehr weiß ich nicht.“
„ Woher weißt du das mit meiner Seele?“
„ Äh.. das habe ich rein zufällig gesehen. Gestern... oder so...“
„ Charis.“ starrte Misa seine Ex-geliebte eindringlich an. „ Was hast du gesehen?“
„ Es hat doch keinen Zweck, Charis. Wir sollten ihnen sagen, was wir wissen.“
„ Hm...“ seufzte sie. „ Nun gut... schaut es euch halt selbst an.“ hielt sie ihnen die Kugel entgegen. „ Der entscheidende Kampf, viel Spaß.“
In der Kugel lichtete sich der Nebel und gab die Sicht auf das Geschehene preis.
Sie sahen Asariah, der von Chaos besessen war, unfähig sich von ihm zu befreien. Die Dunkelheit brach über das Reich ein, überall schossen spitze Stacheln aus dem Boden heraus, von der dunklen Armee mal ganz zu schweigen, die ihnen über den Weg kroch. Chaos schütze sich selbst durch eine dunkle Barriere, die nicht mal das Licht durchbrechen konnte. Sie kamen nicht an Asariah heran und dieser verlor sich immer mehr in der Finsternis. Seine Seele drohte zu verschwinden und sein Licht war dabei zu erlöschen.
Der Kampf nagte an ihren Kräften, was man der Gruppe deutlich ansah. Sie schienen dem Herrscher der Dunkelheit unterlegen zu sein, aber dann geschah etwas, was das Blatt wenden konnte, was aber auch gleichzeitig nichts gutes bedeuten könnte.
Chiara wankte von der Gruppe weg und starrte dabei mit ernster Miene zu dem Teufel auf. Sie hatte bereits einige Schläge einstecken müssen, was man deutlich an ihrem lädierten Körper sehen konnte. Dennoch wollte und konnte sie ihren Freund nicht aufgeben, deshalb kappte sie die Verbindung, die sie mit Serah eingegangen war.
Die Gruppe sah dabei zu, wie das Kätzchen auf den Herrn zuraste, sie nahm eine Geschwindigkeit an, die ihre Gestalt verblassen ließ, einzig ein silberner Schleier war zu sehen. Chaos schleuderte der Dame alles entgegen, was er als Wurfgeschoss missbrauchen konnte, aber sie wich allem geschickt aus. Doch dann prallte sie genau wie das Licht an seiner Barriere ab. Leider oder zum Glück, gab die Kugel nur die Bilder wieder und nicht die Geräusche oder Gespräche. Sonst wüssten sie, was Chiara ihrem Feind sagte, als diese auf seinem Schild hockte und dieser Mistkerl bloß mit einem überlegenen Blick zu ihr aufsah. Aber diese Entschlossenheit, die ihre Augen widerspiegelten ließen darauf schließen, dass sie nicht aufgeben würde. Chaos nahm sie nicht ernst, was sein lachen erkennen ließ, er glaubte nicht daran, dass seine überdimensionalen Kräfte von einer einfachen Götterkatze geschlagen werden konnten.
Und genau das wurde ihm dann zum Verhängnis. Chiara flog weiter von ihm weg und riss dabei einen der Zapfen ab, die überall aus dem Boden sprießten. Wenn sie sein Schild nicht mit ihren Klauen durchbrechen konnte, vielleicht schaffte sie es ja dann mit seiner eigenen Attacke.
Blitzschnell donnerte sie auf ihn zu und rammte den Pflock mit aller Kraft in sein Schutzschild. Tatsächlich bildeten sich die erste Risse ab, als sich der Zapfen durch die Materie drückte und dann zersplitterte sein Schild in tausend Teile.
Aber anstatt den völlig perplexen Chaos anzugreifen, warf sie sich ihm um den Hals. Man sah die Dunkelheit und der silberne Schein, der sie durchbrach, dann entdeckte man Asariah, der von einer Dornenranke umschlungen wurde und kaum mehr ein Lebenszeichen von sich gab.
Erst als Chiara seinen Namen rief, öffnete er seine Augen und blickte langsam zu ihr auf. Seine Augen waren glanzlos, ganz so, als hätte er jeglichen Willen zu Leben verloren.
Doch als sie ihn erreichte und seine Hand zu fassen bekam, erhellte eine heftige Explosion sein innerstes, aber nicht nur da, auch außerhalb seines Unterbewusstseins schleuderte eine Explosion Chaos aus seinem Körper heraus. Aber nicht nur er wurde weg geschleudert, auch das Kätzchen knallte ungebremst auf den harten Boden, über den sie einige Meter schlitterte.
Chaos wurde vernichtet, Asariah überlebte, aber Chiara... ihr Licht erlosch, nachdem sie die Seelenverbindung wieder getrennt hatte.
„ Chiara wird sterben...?“ riss Keith entsetzt die Augen auf.
„ Sie oder...“ zeigte Charis ihnen das nächste Schicksal.
In dieser Version bemerkte Asariah die Aktivitäten seines Untermieters und löschte sich selbst aus, um auch Chaos zu vernichten. Die andere Vision, wo sich Risa dazwischen warf, um ihren Sohn zu retten und daraufhin selbst verstarb, zeigte sie den Herrschaften allerdings nicht.
„ Oder das Licht erlischt mit der Dunkelheit. Es ist egal aus welchem Blickwinkel wir es betrachten, wir können nicht gewinnen, ohne jemanden zu opfern.“
„ Das was du uns gezeigt hast, basiert auf den momentanen Stand der Dinge. Wenn wir die Sache zu unseren Gunsten verändern können, dann wird sich auch niemand opfern müssen.“ bemerkte Misa. „ Wir müssen alles in Erfahrung bringen, was uns weiter helfen könnte. Also wo ist das Buch der großen Gottheiten?“
„ Das Buch der großen Gottheiten? Das liegt hier vorne. Es muss ja echt gefragt sein, wenn ihr alle ein Blick darein werfen wollt.“ schnalzte Yuri mit der Zunge.
„ Wieso alle?“ hakte der Seelendieb nach.
„ Na, Risa hat da auch erst einen Blick rein geworfen. Dass ist noch gar nicht so lange her und das kleine Götterkätzchen war auch dabei. Sie ist ihr hinterher geschlichen und hat sie heimlich belauscht.“
„ Das kleine Götterkätzchen? Etwa Chiara?“ wollte Keith wissen.
„ Natürlich. Wer sonst?“
„ Also dann lass uns mal schauen, was Risa in Erfahrung gebracht hat, was wir bisher noch nicht wissen.“ schlug Misaki das Buch auf und blätterte gleich zu den Seiten hin, die dem Teufel des Todes gewidmet wurden. „ Aha, da haben wir es ja. Der Teufel des Todes, Herkunft, Eltern, Aufgaben bla bla. Das wissen wir alles schon.“
„ Da steht auch erklärt, warum Risa die Seelensammler auserkoren hat.“ quakte Yuri dazwischen.
„ Wirklich? Warum denn?“ wollte Charis wissen.
„ Wenn der Teufel des Todes seinen Aufgaben nicht mehr nachkommt, dann muss ein neuer auserkoren werden und dass hätte unweigerlich dazu geführt, dass man Asariah abserviert hätte. Er wäre also von der Bildfläche verschwunden.“
„ Und die Seelensammler bewahren ihn davor, einfach ausgelöscht und ersetzt zu werden?“
„ Genau. Das war bestimmt Asariah's Plan gewesen. Aber Risa funkte ihm dazwischen. Er wollte verschwinden und dass mit Chaos zusammen.“
„ Tatsächlich.“ riss Misa plötzlich die Augen auf. „ Asariah ist Lastalia's Wiedergeburt!! Das steht hier schwarz auf weiß! Lastalia hatte seine gesplitterte Seele erneut gesplittet und mit deinem und Risa's Blut, gelang ihm die Wiedergeburt.“ erklärte er. „ Asariah dient Chaos als Gefäß. Er wurde dafür geboren, um mit ihm unterzugehen. So soll verhindert werden, das Sasha stirbt. Deshalb verschwindet seine Seele, wenn er stirbt. Er kehrt zu Lastalia zurück und Chaos reißt er gleich mit sich. Lastalia wird ihn absorbieren und bis in alle Ewigkeit unter Verschluss halten.“
„ Da steht aber auch, dass er Lastalia's Traum weiter leben soll und dass er sein Volk zurück ins Licht führen wird. Leider steht da auch...“ seufzte Yuri auf. „ Dass sich Lastalia holen wird, was ihm gehört, wenn dieses nicht zu ihm zurückkehrt. Sprich, sollte Asariah sterben und seine Seele kehrt nicht zu ihm zurück, dann wird der Grund dafür zu ihm zurückkehren. Und da nur die Göttin des Lebens dazu in der Lage ist, seine Seele zu retten... der Rest erklärt sich wohl von selbst...“ senkte er die Augen.
„ Ich wusste es.“ ballte Misa seine Hände zu Fäusten. „ Sie bereitet schon wieder ihren eigenen verdammten Tod vor!!!“
„ Das werden wir zu verhindern wissen, wir werden sie beide retten.“ versuchte Charis die Wogen zu glätten. „ Keinem wird etwas geschehen, wir müssen nur herausfinden, wie wir das schaffen können.“
„ Ich weiß schon, wie ich das verhindern kann! Ich werde ihr diese dämliche Idee aus dem Schädel prügeln!“ schlug der Seelendieb mit der Faust auf das Buch.
„ Du solltest deine Seele richten lassen und das schnellstmöglich.“ verzog Charis ihren Mund. „ Asariah scheint nicht zu wissen, wer er wirklich ist. Wenn wir Lastalia's Gene wecken könnten, dann wäre er bestimmt stark genug, um Chaos zu besiegen, ohne dabei drauf zu gehen. Im Buch der großen Gottheiten steht schließlich nirgends geschrieben, dass sein Opfer keine Notlösung sein kann, richtig? Und ich glaube nicht, dass Lastalia seine Wiedergeburt arrangiert, nur um dann wieder zu sterben. Da steckt mehr dahinter. Irgendwas übersehen wir. Das habe ich im Gefühl.“
„ Und wenn sich die Dinge nicht schnell genug aufklären? Was dann?“ starrte Misa die Dame fragend an.
„ Es gibt bestimmt ein Buch, was Lastalia gewidmet ist, nicht wahr?“ sah sie Yuri hoffnungsvoll an.
„ Sicher. Mehrere sogar.“ nickte er.
„ Gut, dann werden wir uns die Bücher vornehmen und so herausfinden, was Lastalia wirklich damit bezweckt hatte, als Teufel des Todes wiedergeboren zu werden.“
„ Haltet uns auf dem Laufenden.“ sah Keith auf das Buch herab.
„ Das machen wir natürlich. Wir werden verhindern, dass sich irgendwer opfern muss, wirklich.“ lächelte Charis die Männer aufmunternd an. „ Es wird alles gut werden.“
„ Hast du das auch im Gefühl?“ sah Misa zu ihr hin.
„ Mach dich nur lustig.“ verzog sie den Mund. „ Dennoch werde ich Recht behalten! Weil wir alle dafür sorgen werden, dass alles gut wird.“ flüsterte sie.
„ Natürlich werden wir das. Es wird bestimmt alles gut gehen.“
„ Na endlich siehst du es ein.“ lächelte sie. „ Und nun geht nach Hause, wir melden uns, wenn wir was interessantes entdeckt haben.“
„ Ich kann Lastalia ja irgendwie verstehen. Er will Aliah beschützen, weil sie seine große Liebe ist. Aber als gespaltene Seele, die zu dem noch ihr Kräfte an die nächste Generation weiter gegeben hat, sind ihm die Hände gebunden. Er muss tatenlos dabei zusehen, wie seine Liebste immer wieder in ihr Verderben rennt, ohne das er sie auch nur vor dem kleinsten dunklen Hauch schützen kann. Nach den jüngsten Ereignissen, solltet auch ihr ihn verstehen können.“ sah Yuri die Herrschaften abwechselnd an. „ Rika hat sich ebenfalls selbst geopfert, um Risa mehr Zeit zu verschaffen. Tartaros verlor sein Leben, um den perfiden Plan seines Bruders zu unterstützen. Selbst Risa verspielte wissentlich ihre Unsterblichkeit, um all die Seelen aufzufangen, die zu früh aus ihrem Leben gerissen wurden. Sie alle fühlten in etwa genau wie Lastalia. Ihnen war das Leben ihrer Liebsten mehr wert, als das eigene.“ verschränkte er die Arme vor der Brust. „ Lastalia opferte sich, um uns zu retten, dabei gab er alle seine Wünsche und Träume auf. Er wendete sich sogar von Aliah ab, die für ihn doch so viel mehr war, als bloß das Symbol des Lichtes. Auch er ging diesen Schritt nicht ohne Hintergedanken. Er verfolgte etwas Größeres und wir sollten ihm dabei helfen.“
„ Ja! Wir sollen ihm dabei helfen die Erde im Gleichgewicht zu halten. Damit die Welt nicht untergeht.“ bemerkte der Seelendieb.
„ Das ist nur zum Teil richtig.“ erklärte der Gott der Vergangenheit. „ Lastalia ist in der Lage, neue Welten, ja sogar ein vollkommen neues Universum, zu erschaffen. Er verkörpert denjenigen, den die Menschen als den 'Allmächtigen' bezeichnen. Aber auch seine Kräfte haben ihre Grenzen. Denn er kann keine Seelen wiederbeleben, die einst über ein Leben verfügten. All seine 'Kinder' waren Wesen, die über eine jungfräuliche Seele verfügten. Er erschuf die Erde, weil er die Hoffnung hegte, dass die Menschen dazu in der Lage waren, sein Volk zu retten. Aber die Erdlinge waren nicht weit genug entwickelt. Sie besitzen, wie wir wissen, keinerlei magische Kräfte. Seine zweite Erschaffung, die Engel, waren zwar höher entwickelt, aber immer noch nicht weit genug, dass sie die Seelen seines Volkes retten könnten. Ihm wurde also klar, dass er ein nie zuvor dagewesenes Gleichgewicht erschaffen musste. Damit die Menschen überleben konnten und damit sein Traum eines Tages in Erfüllung gehen konnte. Also erschuf er uns. Die Götter und Teufel. Das Licht und die Dunkelheit, das Leben und den Tod, den Tag und die Nacht. Damit wir sein Ziel erreichen konnten, spaltete er seine Seele und gab gleichzeitig sein magisches Blut weiter. Wir, die eine schwächere Version seines Gleichen darstellen, waren schon eher dazu fähig, sein Volk in eine glorreiche Zukunft zu führen.“ starrte er mit funkelnden Augen zur Decke auf. „ Mhm...“ um seinen Blick dann nach wenigen Sekunden wieder zu senken. „ Allerdings übersah er ein wichtiges Detail. Denn ein Kreislauf schien unvollständig zu sein.“
„ Der Kreislauf des Lebens.“ traf Keith direkt ins Schwarze. „ Bevor der Teufel des Todes auf den Plan trat, wurden nur die Seelen wiedergeboren, die zu unserem Universum zählten. Denn nur ihnen war es möglich, das Paradies zu betreten und nur von dort aus, kann Risa ihnen die Wiedergeburt schenken.“
„ Richtig.“ nickte Yuri. „ Nicht nur attraktiv sondern auch noch schlau.“ grinste er ihn breit an. „ Als Lastalia darauf stieß, wurde ihm bewusst, dass er noch einen mächtigen Gott oder in diesem Fall Teufel erschaffen musste. Um auch diesen Kreislauf zu schließen. Es durfte aber nicht irgendein Ladthaaner sein, er musste von seinen Kräften her an Risa und dich heran reichen, nein, er musste Lastalia ebenbürtig sein! Nur dann war der Teufel des Todes in der Lage, die Seelen der Überwesen zu führen.“ beendete er seinen Vortrag. „ Wenn man nun also bedenkt, dass er das alles wegen seinem Volk auf sich nahm, dann erscheint es doch weit hergeholt zu sein, dass er sich nur wieder teilte, um mit Chaos unterzugehen. Auch wenn er sich bestimmt nichts sehnlicher wünscht, als Aliah in Sicherheit zu wissen, glaube ich nicht, dass das Asariah's wichtigste Bestimmung ist. Ich gehe also ganz stark davon aus, dass unsere liebe Charis Recht hat und das sein Opfer bloß so was wie eine Notlösung darstellt.“ klopfte er der Göttin anerkennend auf der Schulter rum. „ Asariah's Seele kehrt im Falle seines Ablebens zu unserem Schöpfer zurück, daran lässt sich nicht herum rütteln. Aber er ist Lastalia's Wiedergeburt! Das stärkste und mächtigste Wesen aller Zeiten! Im Gegensatz zu ihm, ist Chaos ein kleines unbedeutendes Licht und so ein Übergott stirbt doch nicht einfach. Ich bin mir also absolut sicher, dass wir den drohenden Tsunami stoppen können, wenn wir nur mehr über seine Beschaffenheit herausfinden. Die Wogen werden sich glätten, davon bin ich überzeugt.“ sah er zu den beiden Ladthaanern hin. „ Gebt uns nur ein bisschen mehr Zeit, damit wir der Sache auf den Grund gehen können.“
„ Ich wünschte, mich könnten deine Worte beruhigen, aber leider ist es nicht so.“ murmelte Keith. „ Wir reden hier über Lastalia, dass ist mir durchaus bewusst. Er verfügt über Kräfte, die selbst unsere Vorstellungskraft sprengen. Aber sein Volk zählte auch dazu, allerdings wurde dieses bis auf Chaos und Aliah komplett ausgelöscht und nun sind sie dazu verdammt, ihr trauriges Dasein in ewiger Dunkelheit zu fristen.“
„ Nicht mal Aliah oder Chaos können ihm das Wasser reichen. Andernfalls hätte einer von beiden längst eine neue Welt erschaffen.“ warf Charis in den Raum. „ Sie sind auf Lastalia angewiesen, so viel ist schon mal sicher. Deshalb gab er auch seine Fähigkeit, neue Welten erschaffen zu können, an euch weiter.“
„ Es ändert aber nichts an der Tatsache, dass zwei der wichtigsten Personen meines Lebens drauf gehen könnten. Ich möchte keinen von beiden verlieren.“
„ Das wirst du auch nicht, das schwöre ich dir!“ meinte der Gott. „ Aber nun solltet ihr gehen, damit wir uns in Ruhe auf die Lektüre stürzen können. Also husch, husch!!“ scheuchte er die beiden aus der Halle raus. „ Wir melden uns, so bald wir was neues in Erfahrung bringen konnten.“
„ Ihre Wahrsager Kugel hat uns doch gerade erst gezeigt, dass er sterben könnte.“ wanderte Keith grummelnd zum Ausgang hin.
„ Sicher, aber es zeigt uns nur das Schicksal der momentanen Situation. Asariah weiß nicht, dass er Lastalia's Reinkarnation ist, also kann die Kugel nicht das Schicksal sehen, was ihn betrifft wenn er es denn wüsste.“
„ Stimmt. Sie hat ja auch deinen frühzeitigen Tod vorher gesehen, als Risa noch nicht zu uns stieß.“
„ Eben.“ nickte er. „ Noch ist nicht alles verloren.“

Zur gleichen Zeit waren wir gerade dabei, unser Lager abzubauen, damit wir unsere Reise fortsetzen konnten.
„ In der Nähe befindet sich ein kleines Dorf, wo wir uns erst einmal niederlassen werden.“ erklärte Asariah. „ Dort kannst du dich erholen, Aries.“
„ Ich brauche mich nicht zu erholen, mir geht es gut.“
„ Du wirst dich dort ausruhen! Ich kann keine schwächelnden Gruppenmitglieder gebrauchen, verstanden?“ stauchte er ihn zusammen. „ Du wirst uns nur aufhalten, wenn du dich nicht vollständig regenerierst.“ wendete er sich wieder von ihm ab. „ Serah wird bei dir bleiben, dort sollte sie in Sicherheit sein. Sasha und Cheria werden die Portale schließen, die sich in der Nähe befinden und wir anderen kümmern uns um die Dämonen.“
„ Wenn du so sehr darauf bestehst, dass ich mich ausruhe, dann werde ich es halt tun.“ zuckte er mit der Schulter.
„ Dann wäre das ja geklärt. Lasst uns aufbrechen.“ ging er schon mal vor.
„ So zeigt er dir, dass er sich sorgen um dich macht.“ trat Chiara an ihn heran. „ Er war mindestens genauso krank vor Sorge, wie wir anderen auch.“
„ Ja, ich weiß.“ sah er ihm lächelnd hinterher.
„ Was ist das für ein Dorf, was wir ansteuern?“ sah ich Lyrias fragend an.
„ Wenn ich richtig liege, dann steuern wir jetzt Necorana an.“ erklärte der Herr. „ Wenn die Dämonen dort noch nicht eingefallen sind, dann wird dir die Stadt bestimmt gefallen, Chiara.“ grinste er sie schief an.
„ Wieso?“
„ Weil die Bewohner von Necorana allesamt Katzenfanatiker sind. Sie beten die Tiere an, als ständen sie mit unseren Göttern auf der selben Stufe.“
„ Katzenfanatiker, wirklich?“ kratzte sie sich am Kopf. „ Ich hätte nicht gedacht, dass es so was hier geben könnte.“
„ Warum nicht? Die einen verschreiben sich einem Gott, die anderen einem Teufel und die Necoraner beten eine Katze an.“ meinte Cheria. „ Dort wo die Leidenschaft kein unbekanntes Phänomen ist, werden Fanatiker geboren.“
„ Mhm...“ verschränkte sie die Arme vor der Brust. „ Ich finde es zwar irgendwo richtig niedlich, dass sie so auf die kleinen süßen Kätzchen stehen. Aber ich finde es auf der anderen Seite auch echt beängstigend.“
„ Sie werden dich verschleppen, wenn sie erfahren, dass du eine waschechte göttliche Katze bist.“ vermutete Serah. „ Vielleicht werden sie dich mit Geschenken überhäufen und dir alle Wünsche von den Augen ablesen. Allerdings glaube ich auch, dass sie dich nicht mehr gehen lassen werden und ich glaube ebenfalls, dass sie versuchen werden mehr von deiner Art zu erschaffen.“
„ Ist die Technologie hier wirklich so weit fortgeschritten, dass sie unser Kätzchen einfach klonen können?“ hakte ich nach.
„ Klonen. Ja klar!“ lachte die Priesterin. „ Oh du bist so süß!!!“ drückte sie mich strahlend an sich. „ So unschuldig und rein, wie ein kleines Kind.“
„ Was.. habe ich denn jetzt wieder falsch gemacht?“ sah ich sie leicht verwirrt an.
„ Nichts!!“ knuddelte sie mich weiter.
„ Du solltest ihnen nicht zeigen, wer du wirklich bist. Aber nun sollten wir uns beeilen.“ meinte die Göttin. „ Vielleicht können wir sie noch retten.“
„ Du hast Recht.“ nickte das Kätzchen. „ Steigt auf!“
„ Ich gehe schon mal vor.“ erklärte ich. „ Von hier aus kann ich sowohl die Dämonen, als auch ein paar Lichter erkennen, die zu euch Elysianern gehören. Wenn ich mich beeile, dann kann ich sie retten, ehe auch das letzte Licht erlischt.“
„ Du willst allein dahin gehen?? Das halte ich für keine gute Idee.“ starrte mich Cheria besorgt an.
„ Keine Sorge, mir wird nichts geschehen.“ lächelte ich sie beruhigend an. „ Wir sehen uns gleich wieder.“
„ Hey!! Warte!!“ hörte ich noch, wie sie mir erschrocken hinterher brüllte.
Aber ich wollte und konnte mich nicht von meinem Plan abbringen lassen, diese Menschen zu retten und letztendlich, konnte ich mich schneller fortbewegen als die Götterkatze oder die Ladthaaner. Ich wollte es nicht riskieren, dass wir auch nur eine Sekunde zu spät am Unfallort ankamen.
Als ich Necorana erreichte, nahmen die Dämonen das kleine Dorf gerade auseinander. Die Überlebenden hatten sich unter der Erde in Sicherheit gebracht, jedenfalls konnte ich ihr Licht unter dem Boden aufblitzen sehen. Sie flohen in ein Unterirdisches Gewölbe, was noch aus der Zeit stammte, bevor die Katzenstadt erbaut wurde. Damals befand sich an diesem Ort ein pechschwarzes Schloss, was von einem raffgierigen König bewohnt wurde. Seine Armee versetzte ganz Elysia in Angst und Schrecken. Die Krieger plünderten die anderen Reiche und entführten die wunderschönen Königstöchter oder Jungfern. Und waren diese erst einmal hinter den Schlossmauern verschwunden, wurden sie nie wieder gesehen! Aber dann tauchte ein Ritter in glänzender Rüstung auf. Ein fähiger Kämpfer, der den Erzählungen zufolge das gesamte Königreich des bitterbösen Herrschers im Alleingang und zudem noch binnen kürzester Zeit niedermähte. Er sollte die Stärke von tausend Ochsen besessen haben und den stählernen Körper eines Grizzlybären. Seine Augen waren so scharf wie die eines Adlers und seine Ohren waren so gut, dass er sogar die Gedanken seiner Feinde hören konnte. Zu mindestens erzählte man sich das. Die Menschen redeten sich die Dinge ja gern schön und erschufen Legenden, die auf eine banale Naturkatastrophe basierten. Vielleicht wurde das Reich also einfach von einem Blitz getroffen und brannte dann bis auf die Grundmauern nieder. Für beide Theorien gab es keine Beweise, die es bezeugen oder widerlegen konnten. Also war alles möglich.
Ich brauchte wohl nicht darauf warten, dass der edle Held erneut auftauchte und die Bewohner dieser Stadt rettete, so wie er einst ganz Elysia gerettet haben sollte. Deshalb ließ ich meine Sichel erscheinen und stürzte mich auf die dunkle Brut. Diese hässlichen Ausgeburten der Hölle, die bei ihrer gierigen Gafferei beinahe ihre Augäpfel verloren. Ihr widerwärtiges Gestöhne hallte durch die menschenleeren Straßen, während sie auf mich zu schlurften. Sie verpesteten mit ihrem Gestank die Luft, es war einfach nur widerlich.
Umso glücklicher war ich, als ich Unterstützung erhielt. Ich hörte die Schreie der Viecher von der anderen Seite des Dorfes und spürte zudem, wie ein dunkles Licht nach dem anderen verschwand. Als auch die letzte Bestie fiel, landete ich auf einem Dach und schloss von dort aus die Portale, die sich unmittelbar in der Nähe befanden. Dann erst, drehte ich mich zu meiner helfenden Hand um, der in diesem Moment ebenfalls zu mir aufblickte und vor Erstaunen seine Augen aufriss.
„ Ist das denn die Möglichkeit??“ blubberte er vor sich hin.
Dieser Typ hatte kurzes pechschwarzes Haar, einen durchtrainierten Körper und zudem trug er eine Rüstung, die mir auf seltsame weise arg bekannt vor kam. Seine Aura schien mir so vertraut aber auch fremd zu sein. Ich konnte es nicht erklären, aber ich hatte das Gefühl, als würde ich diesen attraktiven jungen Mann von irgendwoher kennen.
„ Ich hätte nicht gedacht, dass diese unvorstellbare Kraft zu solch einer wunderschönen Frau gehört.“ sah er lächelnd zu mir auf. „ Du bist nicht von hier, oder?“
„ Mhm...“ betrachtete ich ihn mit einer gesunden Portion Skepsis. „ Und wer bist du?“
„ Ich bin bloß ein unbedeutender Reisender, der auf seinem Weg zufällig hier vorbeikam.“ erklärte er.
„ Ein Reisender, der nicht aus Elysia stammt.“ so viel war schon mal sicher. „ Also was machst du hier?“
„ Du stammst augenscheinlich auch nicht von hier und trotzdem stehst du gerade vor mir. Vielleicht sind wir ja aus demselben Grund in dieser Welt.“
„ Das wage ich zu bezweifeln.“ konterte ich.
„ Wirklich?“ lehnte er den Kopf schief. „ Vielleicht solltest du noch mal in dich gehen, eventuell erkennst du dann, dass wir beide hier sind, um dieses Universum zu retten.“ stand er plötzlich wie aus dem Nichts kommend vor mir, was mich erschrocken einen Schritt zurück weichen ließ. „ Oder verfolgen wir den gleichen Feind?“ griff er sich eine meiner Hände und drückte seine Lippen sachte auf meinen Handrücken. „ Ist Chaos dafür verantwortlich, dass wir uns hier treffen? Wer weiß...“ mit diesen Worten und einem charmanten Lächeln verschwand er genauso schnell wieder, wie er aufgetaucht war.
„ Chaos...? Woher kann er wissen, dass er hier ist...?“ starrte ich erstaunt den Fleck an, wo der Kerl gerade noch stand. „ Wer war er bloß... und warum werde ich das Gefühl nicht los, dass ich ihn kenne?“ dachte ich darüber nach. „ Oder weiß bloß meine Wirtin, wer er ist?“
„ Sasha!! Sasha!!“ brüllte Cheria meinen Namen, die gerade auf dem Rücken der Götterkatze an geprescht kam. „ Bist du in Ordnung?“
„ Mir geht es gut, danke der Nachfrage.“ lächelte ich sie an.
„ Wie es aussieht, hast du die Dämonen bereits ohne uns erledigt.“ stieg Lyrias von dem Kätzchen runter und schlenderte auf die Stadt zu.
„ Es waren nur ein paar Dämonen, die sich hier eingenistet hatten.“ dass ich von einem unbekannten Herrn Unterstützung erhielt, verschwieg ich ihnen allerdings. „ Es wären gar nicht genug von denen dagewesen, dass wir alle einen abbekommen hätten.“ bemerkte ich.
„ Gibt es überlebende?“ hakte Serah nach.
„ Ja, sie befinden sich unter der Erde.“
„ Sie konnten sich also in die unterirdischen Katakomben retten. Dann sollten wir mal schauen, wo sich der Eingang befindet.“ sah sich der Herr in der Stadt um.
„ Du solltest aus dir einen Menschen machen, Chiara.“ landete Aries neben ihr. „ Es sei denn natürlich, du willst dass sie in Scharen über dich herfallen.“ wäre er nicht noch geschwächt gewesen, hätte er die Aura des geheimnisvollen Mannes bestimmt registriert. Aber so verschwand sie im Nichts, ohne das sie von wem anderes wahrgenommen wurde.
Der Typ allerdings beobachtete uns noch immer aus sicherer Entfernung.
„ Deine Liebste lebt also noch und Chaos auch, aber was ist mit dir passiert? Wo bist du, Lastalia?“
Wir anderen suchten in der Zeit die Stadt ab und schließlich fanden wir den Eingang in ihr Versteck. Er befand sich in einer alten Scheue, verborgen unter einem Haufen Stroh und dem eingestürzten Dach des Gebäudes. Wären wir also nicht aufgetaucht, dann hätten die Dämonen sie zwar nicht dahingerafft, aber der Wassermangel schon. Sie waren in ihrem Bunker eingeschlossen.
„ Kommt hierher!! Ich habe den Eingang gefunden!“ rief ich ihnen zu. „ Er befindet sich hier unter dem Schutt.“
„ Sei vorsichtig!“ gab Cheria von sich, als Aries die Trümmer beiseite räumen wollte. „ Nicht das der Rest auch noch zusammen bricht.“
„ Keine Sorge, ich passe schon auf.“ versicherte er und entfernte dann die Balken, die den Menschen die Flucht verweigerten.
Vorsichtig öffneten wir die versteckte Geheimtür und stiegen dann eine steile Steintreppe herab. Die Mauern in diesem stickigen Loch waren Pechschwarz. An den Wänden hingen vergilbte Fackeln und das ein oder andere Spinnentier hatte sich hier häuslich eingerichtet. Über den Steinboden krabbelten unzählige Käfer und dann kam uns die erste Katze miauend entgegen geschlichen.
„ Es ist ganz schön Duster hier.“ bibberte Cheria, die sich an Lyrias Arm festgeklammert hatte.
„ Ich wette mit dir, dass der alte Schlossherr in diesen Gängen umher wandert, auf ewig dazu verdammt, sein armseliges Dasein als Geist in dieser Dunkelheit zu verbringen.“ grinste der Herr auf sein Anhängsel herab.
„ Das ist nicht witzig!!“ umklammerte sie seinen Arm noch fester.
„ Oh, das war auch kein Scherz.“ bemerkte er.
„ Sei still!“ fuhr sie ihn verängstigt an.
„ Wie kannst du Angst vor Geistern haben, wenn du doch die Seelen verstorbener sehen kannst? Sind das nicht auch Geister?“ hakte ich nach.
„ Nein, Seelen sind Seelen und Geister sind Geister!!“ widersprach sie mir. „ Geister sind böse...“ flüsterte sie. „ Sie spuken durch die Weltgeschichte, um sich an den Lebenden zu rächen. Sie wollen uns umbringen.“
„ Wenn dem so wäre, dann hätte sich der König längst gerächt.“ gab Chiara zu bedenken. „ Aber wie wir ja wissen, leben die Menschen noch.“
„ V-Vielleicht sind sie ja alle ZOMBIES!!“ kreischte die Dame panisch auf.
„ Du hast eindeutig zu viel Fantasie.“ seufzte das Kätzchen.
Letztendlich konnte sie sich selbst davon überzeugen, dass die Bewohner des Dorfes keine Zombies waren. Wir erreichten schon kurz darauf die Kammer, in der sie sich versteckt hielten. Verängstigt starrten sie uns an, aber als sie erkannten, dass wir keine Dämonen waren, kamen sie freudestrahlend auf uns zu gestürmt.
„ Habt ihr die Dämonen vertrieben?“ strahlte eine Dame. „ Können wir in unser Dorf zurück?“ fragte eine andere. „ Ihr seid Helden!! Waschechte Helden!!“
Neben den Menschen hausten hier unten auch noch unzählige große und kleine Katzen und Kater. Manche von den Zweibeinern trugen unechte Katzenohren in Form eines Haarreifs oder eine Mütze, in der die Katzenohren eingenäht waren. Einige der verstaubten Shirts zeigten ein lachendes Katzengesicht oder einen Miauigen Spruch.
Diese Elysianer waren den Katzen ganz eindeutig total verfallen.
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Re: Diehieee Geschichte

Beitrag von Alexia am Sa 17 Jun - 15:29

Kapitel 14. Amelié


Die Dorfbewohner waren überglücklich, als sie endlich wieder das Licht der Sonne erblicken konnten. Sie wussten nicht genau, wie lange sie schon da unten hockten und auf ihr Ende oder ihre Rettung warteten. Selbst die unzähligen kleinen Kätzchen kamen aus dem Bunker herausgestürmt und sahen sich erst einmal neugierig um.
„ Uh tut das gut.“ seufzte ein Herr. „ War die Sonne schon immer so grell?“ gab ein anderer von sich. „ Schaut euch nur die ganzen Verwüstungen an.“ sah sich eine ältere Dame schockiert um. „ Es wird Monate dauern, bis wir das wieder gerichtet haben.“
„ Wenn wir alle zusammenarbeiten, dann wird hier ruckzuck wieder die Ordnung herrschen.“ krempelte eine junge Frau ihre Ärmel hoch. „ Nur ein sauberes Körbchen ist ein schönes Körbchen, nicht wahr?“
„ Aber erst einmal sollten wir uns um unsere Gäste kümmern. Wir haben es schließlich ihnen zu verdanken, dass wir alle noch am Leben sind.“ bemerkte eine andere.
„ Du hast Recht, mein Kind.“ nickte die Oma. „ Schaut doch gleich mal nach, ob wir unsere Gäste in unser Katzenkörbchen bringen können.“
„ Natürlich.“ eilte die junge Dame in eins der Häuser.
Kurze Zeit später öffnete sie ein Fenster der obersten Etage und sah zu uns runter.
„ Ihr könnt unsere Katzen herbringen!“ grölte sie. „ Die Dämonen haben unser Katzenkörbchen nicht angerührt.“
„ Wir werden euch gleich ein paar Zimmer herrichten lassen. Die anderen kümmern sich um den Wiederaufbau unserer geliebten Stadt, ok?“ blickte sie die Männer an.
„ Sicher.“ nickten diese.
„ Wir sollten uns jetzt auch aufteilen.“ tauchte Asariah bei uns auf. „ Aries und Serah bleiben hier, Chiara und Lyrias gehen mit Sasha mit.“
„ Und was ist mit mir?“ wollte Cheria wissen. „ Soll ich etwa allein durch die Weltgeschichte reisen?“ starrte sie ihn entsetzt an.
„ Nein, du kommst mit mir.“ kaum hatte er das ausgesprochen, da bereute er seine Worte schon wieder.
Allerdings wollte er mich nicht mitnehmen, die Gefahr das Chaos reagieren könnte war viel zu groß und da unsere Priesterin die einzige neben mir war, die die Tore schließen konnte, musste er sie mitnehmen. Es brachte ja auch nichts, wenn sich die Portalschließer im Weg rum standen.
„ Ich soll mit dir mit gehen?“ staunte die Heilerin nicht schlecht.
„ Wenn dir meine Anwesenheit nicht passt, kannst du auch gern allein los ziehen.“
„ Nein, nein!“ wehrte sie energisch ab. „ Das geht schon in Ordnung so!“ >Aber so was von!< fügte sie in Gedanken noch hinzu.
In ihrem Inneren feierte sie gerade eine bombastische Party, äußerlich aber, ließ sie sich nichts anmerken. Er stand ja augenscheinlich auf die unnahbaren Frauen, die es zu erobern galt und genau solch ein Bild präsentierte sie ihm.
Dem Ladthaaner passte es natürlich auch nicht, allein mit seiner Verehrerin umher wandern zu müssen, aber letztendlich glaubte er zu wissen, dass ich auf besondere weise geschützt werden musste. Deshalb sollten Chiara und Lyrias mit mir kommen. Sie waren beide ausgezeichnete Kämpfer. Ich auch, aber das schien dem Teufel nicht zu interessieren. War es letztendlich nicht sogar so, dass in mir die stärkste Macht von allen schlummerte? Also war doch eigentlich Cheria diejenige, die jede helfende Hand gebrauchen konnte. Natürlich würde sich das Stärkeverhältnis ändern, wenn Asariah seine wahre Herkunft entdeckte. Ich fragte mich noch immer, ob Chaos wusste wer er war und wenn nicht, wie er auf die unvorstellbaren Mächte reagieren wird, wenn er bemerkt in wen er da eigentlich gerade schlummerte. Seine Kraft könnte sich als Segen herausstellen, so dass sich alle Hürden überwinden ließen, allerdings könnte es sich auch als Fluch entpuppen, der uns alle dahin raffte. Also was war nun der richtige Weg? Sollte Asariah erwachen, trotz der Gefahren oder ließ ich ihn weiter im ungewissen? Mir war ja klar, dass wir nichts zu befürchten hätten, wenn Lastalia hier auftauchen könnte und wenn er sich um Chaos kümmern würde. Er würde ihn einfach mit einem Fingerschnipp reinigen und somit neutralisieren. Asariah war Lastalia's Reinkarnation, dass wusste ich. Aber der Ladthaaner stand im Gegensatz zu seinem Vorgänger unbekannten Weiten gegenüber. Ich war mir nicht sicher, ob er dieser Bürde gewachsen war. Wenn er die Kontrolle verlor, dann besaß unser Feind eine Kraft, die von nichts übertroffen werden konnte. Dann könnte nicht mal ich ihm gefährlich werden. Er befand sich also in der ultimativen Waffe, die Frage lautete nun, ob er sie beherrschen oder ob ich das verhindern konnte?
„ Ich könnte euch auch helfen.“ riss mich Aries aus den Gedanken raus. „ Jaja ich weiß, dank meines Unfalles bin ich leicht gehandicapt, aber das ist nichts. Mir geht es gut, wirklich!“
„ Das Thema hatten wir doch schon!“ fuhr Asariah seinen Freund an. „ Du bleibst hier und damit Basta! Ich hab kein Bock darauf, dass du dich wieder verletzt und wir noch mehr Zeit verlieren.“
„ Ist ja gut!“ seufzte er auf. „ Ich wollte es ja nur noch mal erwähnen.“
„ Es wird dich schon nicht umbringen, wenn du dich einfach mal ausruhst und nichts tust.“ meinte Chiara.
„ Schon klar. Ich wollte es ja nur noch mal erwähnen.“ schlenderte er schulterzuckend in das Gebäude.
„ Es liegt ihm einfach nicht, nichts zu tun, während die anderen gegen die Dämonen kämpfen.“ versuchte Serah die Sache zu erklären.
„ Selbst ein schwächelnder und unachtsamer Teufel ist ein toter Teufel!“ konterte Asariah.
„ Keine Angst, dich verstehe ich auch.“ nickte die Göttin. „ Du machst dir Sorgen um deinen besten Freund und du fürchtest dich davor, ihn zu verlieren.“
„ Mhm...“ schielte er seine Schwester nicht gerade begeistert an. „ Wir gehen!“
„ Ich weiß, dass ich Recht habe.“ sah sie ihm und Cheria lächelnd hinterher. „ Passt auf euch auf.“
„ Pass du lieber auf Aries auf, nicht dass er uns noch heimlich folgt.“ grinste das Kätzchen.
„ Davon werde ich ihn abhalten, versprochen.“ kicherte sie.
„ Davon bin ich überzeugt.“ griente sie noch breiter auf. „ Bis später.“ nahm sie aus unachtsamer Gewohnheit ihre große Katzengestalt an. „ Steigt auf.“
„ Oh wow!“ keuchte ein Katzenfanatiker. „ Ein Mensch der sich einfach so in eine überdimensional große Flausche-Katze verwandelt!!“
„ Das kann kein Mensch sein!! Sie muss die Königin der Katzen sein! Ihre Hoheit, ihre Gottheit ihr... ihr SCHÖPFER!!“ strahlte ein anderer.
„ Sie ist vom Himmel hinab gestiegen um uns zu retten!“ meinte eine völlig faszinierte Frau. „ Uns, ihr liebendes Völkchen.“
„ Oh-oh!“ schielte sie verängstigt zu der Masse zurück. „ W-Wir sollten nun verschwinden!“
„ Nein bitte warte, eure Miauheit!“ eilten ihr die vielen Menschenhände hinterher. „ Ich will dein glänzendes Fell berühren!!“
Geistesgegenwärtig griff Lyrias nach mir und warf mich mal eben einfach so über seine Schulter, während er dem Kätzchen hinterher sprintete und uns dann auf ihrem Rücken beförderte.
„ Wuha!“ fiel ich auf seinen Schoss.
„ Halt dich an mir fest!“ befahl er mir. „ Und nun gib Gas, Chiara!“ meinte er, nachdem er mich fester an sich gedrückt hatte.
„ Aber mit Vergnügen!!“ raste sie auf ein Haus zu und sprang darüber hinweg ins Freie.
„ Bald wird bestimmt eine Statue von dir bei ihnen auf dem Marktplatz stehen.“ sah der Herr grinsend zu der Stadt zurück.
„ Na toll!“ fauchte sie. „ Dafür brauche ich mich bei denen nicht mehr blicken zu lassen. Mist, das war so nicht geplant!“
„ Mach dir nichts draus.“ kicherte ich. „ Wir schmuggeln dich einfach wieder ins Dorf, wenn wir mit unserer Aufgabe fertig sind.“
„ Juhu...“ grummelte sie. „ Sag mir mal lieber, wo wir hin müssen!“
„ Immer der Nase nach, dann stoßen wir von allein auf ein dunkles Tor.“ erklärte ich.
„ Dann mal los!“

Aries und Serah hatten zwischenzeitlich eins der Zimmer bezogen und sahen sich in dem Raum um.
„ Ein bisschen viel Plüsch..“ seufzte der Teufel.
Tatsächlich befanden sich in allen Gemächern eine Tonne voller weichem Plüsch und Katzenspielzeug. Selbst auf dem Wasserbett saßen einige Kuscheltiere und das Bettzeug lud mit seiner Kuscheligkeit zum Schlafen ein.
„ Ui ist das weich!“ warf sich die Göttin auf das samtig weiche Bett. „ Da wünschte ich mir glatt, ich wäre selbst eine Katze!“ giggelte sie. „ Hier könnte ich sofort einziehen.“ versank sie regelrecht in der Weichheit der Schlafgelegenheit. „ Das solltest du auch mal ausprobieren.“ seufzte sie glücklich auf.
Als er sich dann neben ihr auf die Matratze warf, fiel sie ihm durch die Kettenreaktion direkt in die Arme.
„ Wuha!“ erschrak sie leicht.
„ Mhm, du hast Recht.“ nickte er. „ Es ist wirklich bequem hier.“ lächelte er auf sie herab.
„ Nun wo du hier bist, ist es sogar noch besser.“ kuschelte sie sich säuselnd an ihn. „ Ich könnte auf der Stelle einschlafen.“
„ Du kannst ruhig schlafen.“ verschränkte er seine Hand mit ihrer. „ Deshalb sind wir ja hier.“
„ Mhmmmm...“
Während die Beiden den ruhigen Moment genossen, hatten Asariah und Cheria das erste Portal längst geschlossen, die Dämonen besiegt und die Seelen nach Illumina befördert. Gerade marschierten sie schweigend zum nächsten Tor hin.
„ Du bist zu langsam...“ durchbrach er irgendwann die Stille.
„ Ich gehe schon so schnell ich kann.“ maulte sie. „ Ich bin im Gegensatz zu dir nur ein Mensch, vergiss das nicht.“
„ Das dauert mir trotzdem zu lange!“ drehte er sich plötzlich zu ihr um und nahm die erstaunte Dame gleich mal auf den Arm. „ So werden wir nie fertig.“
Ihre Wangen leuchteten gleich knallrot auf, als sie realisierte was hier eigentlich gerade geschah. Sie kam ihrem Schwarm so verdammt nah, dass es beinahe unmöglich war ihre neuerliche Distanz zu wahren. Die Priesterin spürte seine Wärme, vernahm seinen betörenden Duft und ihr Körper reagierte mit einem aufreizenden Kribbeln auf seine Berührungen.
„ Halte dich fest!“ forderte er sie auf.
„ Uhum...“ schlang sie beinahe wie in Trance die Arme um seinen Nacken.
Sie ließ sich von seinen Augen in den Bann ziehen, auch wenn sie nicht mal eines Blickes gewürdigt wurde. Wie gerne würde sie diese gefährliche Situation ausnutzen und ihm einen einzigen winzig kleinen Kuss stehlen. Allerdings brauchte sie wohl nicht zu hoffen, dass er davon nichts mitbekommen würde und bei dem Affenzahn den er gerade drauf hatte, wollte sie nun auch nicht einfach von Bord geworfen werden. Deshalb genoss sie einfach die Tatsache, dass er sie auf den Arm trug und sie zudem noch so feste an ihn gepresst wurde. Mehr konnte sie zu dem jetzigen Zeitpunkt wohl nicht erwarten.
Dann war es auch noch schneller vorbei, als ihr lieb war und sie wurde von ihm abgesetzt.
Ihre Knie zitterten noch immer als sie ihren Bogen spannte und die Tür zur Dämonenwelt schloss. Asariah hielt ihr währenddessen die Ungeheuer der Unterwelt vom Leib, so dass sie in Ruhe ihrer zweiten Aufgabe nachgehen konnte: Das rufen der umher wandernden Seelen. Danach half sie ihm beim Beseitigen ihrer Feinde.
„ Du hast wirklich dazugelernt. Ich hätte nicht gedacht, dass in einem Menschen so viel Potential stecken könnte.“ bemerkte er.
„ Danke.“ wendete sie sich leicht gerötet von ihm ab. „ Du bist auch nicht schlecht.“
„ Natürlich nicht. Andernfalls hätte ich hier nichts zu suchen.“ steckte er sein Schwert weg. „ Wir sollten keine Zeit verlieren und gleich weiter ziehen.“
„ Meinst du Sasha und die anderen kommen zurecht?“
„ Natürlich.“ war alles was er dazu sagte.
„ Ja... natürlich...“ folgte sie ihm murmelnd. „ Weil sie ja alle allein zurecht kommen... aber es würde dich auch nicht umbringen, wenn du mehr Anerkennung und Besorgnis zeigen würdest.“ flüsterte sie leise vor sich hin.
„ Es bringt mich meinem Ziel aber auch nicht näher.“ konterte er. „ Jeder der in meiner Nähe ist könnte zur Zielscheibe werden. Sie könnten durch meine Hand sterben und genau das muss ich unter allen Umständen verhindern.“
„ Ich bin mir sicher, dass du in der Lage bist Chaos zu kontrollieren und nicht dass du von ihm kontrolliert wirst.“ bemerkte sie. „ Er wird vielleicht als das dunkle Überwesen bezeichnete, aber dafür bist du die Ewigkeit. Durch dich wird sich die Welt weiter drehen und die Nationen werden auch noch in tausend Jahren ihr Universum beherrschen. Du sorgst dafür, dass die Ewigkeit voller Leben stecken wird.“
„ Nicht ich bin es, der dafür sorgen wird sondern der Teufel des Todes.“
„ Aber du bist der Teufel des Todes!“
„ Wenn ich mit Chaos verschwinde, wird es einen neuen Teufel des Todes geben und genau der wird dafür sorgen, dass die Zukunft gesichert ist.“
„ Ist es dann nicht so, dass niemand auf der Welt etwas besonderes ist? Jeder kann ersetzt werden, wenn du es von dieser Schiene aus betrachtest. Dann bin ich nur eine Elysianerin, deine Mum nur eine Göttin und Aries nur ein Teufel von vielen. Warum sollte man sich opfern, wenn man eh denkt, dass auf ein erloschenes Licht ein neues folgt?“
„ Sie können nicht ersetzt werden!“
„ Ach? Und warum sollte es bei dir anders sein?“ sah sie ihn kurz an, ehe sie schon einmal voraus schlenderte. „ Warum glaubst du dann, dass man dich einfach so ersetzen kann?“
„ Weil es so ist!“
„ So ein Unsinn. So wie die anderen für dich unersetzbar sind, bist du für sie unersetzbar. Jedes erloschene Licht hinterlässt ein Loch, was durch nichts gestopft werden kann. Da hilft es auch nichts, dass es einen neuen Teufel des Todes oder eine neue Göttin des Lebens gibt. Leer bleibt leer. Egal wie rum du die Sache auch drehst, es ändert sich nichts an dem Leid, was du deiner Familie und deinen Freunden zufügst. Sie werden auf jeden Fall durch die Hölle gehen.“
Es gab immer wieder solche Momente, wo er sich wirklich fragte, ob das was er tat richtig war. Asariah ging stark davon aus, dass man ihn verstehen würde und dass sie ebenfalls bemerkten, dass ein Opfer gebracht werden musste. Sein Ableben erschien ihm angesichts der Bedeutung seines Zieles, so unwichtig zu sein. Ein Kollateralschaden, den man verkraften konnte. Aber so langsam kochten in ihm die Fragen hoch, die seinen Entschluss anzweifelten. War seine Sicht auf die Dinge überhaupt realistisch? Wollte er wirklich sterben oder sorgte Chaos dafür, dass er das glaubte? War seine Seele längst dabei, in der Dunkelheit zu versinken und er bemerkte es nicht einmal? Schon allein der Umstand, dass er Chiara nicht in den Armen eines anderen Mannes sehen konnte, zeigte doch schon, dass er mit seinem Leben längst noch nicht abgeschlossen hatte. Würde er tatsächlich einfach verschwinden wollen, dann müsste er sich darüber freuen, wenn sie sich mit wem anderes abgab. Aber dem war ganz und gar nicht so. Wenn ihm sein Leben nichts mehr bedeutete, dann würde er auch nicht zwanghaft dafür sorgen, dass das Kätzchen nicht von ihm loskam. Dann hätte er die Seelensammler längst zurückgepfiffen, ja auch das vermochte er zu tun, und würde nun darauf warten, dass man ihn fürs nichts tun bestrafte. Warum warten bis Chaos aktiv wird, wenn man ihn auch schon im Schlaf vernichten konnte? Also warum lief Asariah durch die Weltgeschichte und wartete darauf, dass er erwachte, wenn er darauf gar nicht angewiesen war? Vielleicht weil er nicht wirklich sterben wollte? Weil sein Untermieter dafür sorgte, dass er es glaubte, damit er sich von den Gefühlen ernähren konnte, die das baldige Ende heraufbeschworen? Aber wenn er sich nicht mit Chaos einließ, um mit ihm unterzugehen, warum tat er es dann?
Die Gedanken wirbelten in seinem Kopf nur so umher, als er mit Cheria zum nächsten Portal latschte. Bisher war er fest davon überzeugt gewesen, dass es sein Wille war zu sterben, weil das der einzige Weg war um die zu retten die er liebte. Aber wenn er nun an die Zeit zurückdachte, als er den Packt mit Chaos schloss, da schien dieser Moment hinter unzähligen Schleiern verborgen zu liegen. War das auch der Grund, warum er Chaos erwachen beim letzten Mal nicht wahrnehmen konnte? Weil dieser Bastard längst dabei war Asariah's Seele mit in die Dunkelheit zu zerren!? Also war es eigentlich so, dass er Leben wollte? Hatte er sich selbst von Chaos blenden lassen?

Während der Teufel des Todes versuchte, die Illusion zu durchschauen, waren wir gerade dabei ein weiteres Tor zu schließen.
Es faszinierte mich, wie gut wir miteinander harmonierten. Ganz so, als würden wir schon seit Jahrzehnten gemeinsam gegen die Ausgeburten der Unterwelt kämpfen. Ich konnte mich zu einhundert Prozent darauf verlassen, dass man mir die Dämonen vom Hals hielt, so dass ich mich voll auf das Schließen der nahegelegenen Portale konzentrieren konnte.
Außerdem sah ich den beiden gern beim Kämpfen zu. Es hatte etwas hypnotisierendes an sich, so wie bei einem genialen Tanz, den man bis zum Ende mitverfolgen musste. Akrobaten, die ihr gesamtes Können auf der Bühne zur Schau stellten, so könnte man sie auch noch bezeichnen. Lyrias griff auf seine göttlichen Waffen oder seinem Ordensschwert zurück, während Chiara unsere Feinde mit ihren Klauen zerriss.
„ Das war der letzte.“ verkündete der Herr.
„ Wir sind wirklich ein gutes Team!“ lächelte ich.
„ Befinden sich hier noch irgendwelche Tore?“ kam das Kätzchen zu uns hin geschlendert.
„ Nein, die anderen muss Cheria geschlossen haben.“ sah ich mich um. „ Das nächste ist ganz weit dahinten!“
„ Dann können wir wohl zurück ins Dorf gehen.“ ließ sie sich seufzend im weichen Gras nieder.
„ Oh ja, die freuen sich bestimmt schon darauf, dich endlich wiederzusehen.“ grinste Lyrias breit auf.
„ Klar! Genauso wie sich Cheria darüber gefreut hat, mit Asariah allein umher ziehen zu können!“
„ Ouh! Das hat gesessen.“ kniff er noch immer frech am Grienen ein Auge zusammen.
„ Das sollte es auch!“ maulte sie. „ Aber scheinbar scheint dich das ja gar nicht zu jucken. Du bist dir sicher, dass er sie abblitzen lassen wird, was?“
„ Selbst wenn es nicht so ist, kann ich daran ohnehin nichts ändern, oder?“ verschränkte er die Arme vor der Brust. „ Also warum sollte ich deshalb an die Decke gehen? Sie liebt ihn nun mal.“
„ Ja, weil sie die Augen vor der Realität verschließt.“ grummelte sie. „ Sie läuft einem Schatten hinterher, ohne dabei zu bemerken, dass derjenige den sie so verzweifelt sucht, längst an ihrer Seite ist.“
„ Vielleicht ist es besser so.“ wendete er den Blick von ihr ab. „ Irgendwann wird uns die Realität einholen und ich weiß nicht, ob ich dann noch bei ihr sein kann.“
„ Wo solltest du denn sonst sein?“ hakte ich nach.
„ Zu mindestens nicht bei ihr.“
„ Sie wird erst merken was sie an dir hatte, wenn du nicht mehr da bist. Du solltest mal darüber nachdenken, ob du dich weiter von ihr benutzen lassen willst. Sie geht mit dir um, als wärst du irgendeine Puppe, die man nach Belieben aus dem Schrank holt und sie dann dorthin zurückstellt, wenn sie ihren Dienst getan hat. Du machst aus dir ihren hauseigenen Sexklaven!“
„ So würde ich das nun nicht sagen.“ verzog er seinen Mund.
„ Aber es ist doch so! Es würde mich nicht mal wundern, wenn sie an Asariah denkt, während du über sie drüber rutschst!“
„ Ich rutsche nicht über sie drüber!“ protestierte der Herr.
„ Was machst du denn dann? Du wartest doch nur darauf, dass sie endlich mal wieder mit dem Finger schnippst, damit du sie besteigen kannst.“ erhob sie sich wieder und schlenderte zu ihm hin. „ Wie ein liebeskranker Fiffi!“ um ihm dann das mit einem breiten Grinsen zu stecken.
„ Fiffi?“ zog er fragend eine Augenbraue hoch. „ Dabei dachte ich eigentlich, dass du die tierischen Gene von uns beiden in dir trägst.“ bot er ihr locker die Stirn. „ Wie oft wirst du denn läufig? Einmal im Monat? Alle halbe Jahre? Einmal im Jahr?“
„ Das wirst du wohl nie erfahren, ich frage dich schließlich auch nicht, wann du für gewöhnlich mit einem Ständer durch die Gegend läufst!“
„ Ich denke das tu ich, wenn Cheria mit den Finger schnippst.“ legte sich wieder ein sanftes Grienen auf seine Lippen.
„ Überlasse das Denken lieber den Pferden, die haben den größeren Kopf.“ bemerkte sie.
„ Dich kann man nicht aufziehen, hu?“
„ Selten.“ meinte er. „ Ich weiß schon seit langem, dass es keine Zukunft für uns gibt und inzwischen habe ich mich damit abgefunden. Wir stammen nun mal aus verschiedenen Welten und der Graben der uns trennt ist einfach zu gewaltig.“
„ Trotzdem hast du dich auf sie eingelassen und das nicht nur ein Mal.“
„ Tja, was soll ich dazu sagen?“ lächelte er verschmitzt auf. „ Ich bin halt auch nur ein Mann.“
„ Der Graben befindet sich doch gar nicht mehr zwischen euch? Schließlich ist Cheria keine Priesterin mehr. Nun steht einer glücklichen Zukunft nichts mehr im Wege, oder irre ich mich da?“ dachte ich darüber nach. „ Du bist ihr doch nicht in die Verbannung gefolgt, obwohl es für dich keine Chance auf ein glückliches Leben mit ihr gibt. Das ergibt keinen Sinn.“
„ Nur weil ich weiß, dass wir kein glückliches Pärchen werden können, heißt das ja noch lange nicht, dass ich sie nicht mehr mag. Sie wird immer etwas besonderes für mich sein, ganz gleich was auch kommen mag.“
„ Oh, das hast du aber süß gesagt!“ funkelte ich ihn an.
„ Wenn du so denkst, dann musst du sie wirklich sehr lieben.“ erzählte Chiara. „ Wenn du ihr Glück über deines stellst, dann weiß sie nicht, was sie an dir hat.“
„ Schon möglich.“ lächelte er.
„ Wie kannst du dabei nur weiterhin lächeln?“ schüttelte das Kätzchen seufzend ihren Kopf. „ Sie nutzt dich ganz offensichtlich bloß aus und du lächelst! Ein hoffnungsloser Fall, ich kann es nur immer wieder betonen! Hoffnungslos...“ murmelte sie.
„ Wir sollten langsam zurück gehen.“ mischte ich mich ein. „ Nicht das sich die anderen noch sorgen um uns machen.“
„ Ja, du hast Recht.“ seufzte Chiara noch lauter auf.
„ Nimm deine kleine Katzengestalt an, dann schmuggel ich dich ins Gasthaus.“ schlug Lyrias vor.
„ Das wird wohl das Beste sein.“
Und genauso machten wir es dann auch. Die Menschen waren zwar mehr als enttäuscht, dass ihre Miauheit nicht mehr zu ihnen zurückkehren würde, aber letztendlich blieb ihnen nichts anderes übrig, als sich damit abzufinden. Erst als Lyrias in seinem Zimmer ankam, zeigte sich das Kätzchen wieder.
„ Hoffentlich können wir bald weiter reisen.“ seufzte sie. „ Ich fühle mich in der Nähe der Katzenfanatiker und den unzähligen Katern nicht sicher.“
„ Ich habe doch gesagt, dass es dir hier gefallen wird.“ grinste er sie breit an.
„ Dir wird das Grinsen auch noch vergehen, das schwöre ich dir.“ knurrte sie.
„ Tja, ich denke das du Recht haben wirst...“ verschränkte er seufzend die Arme vor der Brust. „ Irgendwann wird man von der Realität eingeholt, nicht wahr?“
„ Du meinst also, dass du dich zurzeit in einem Traum befindest? Für mich fühlt sich das ganze ziemlich echt an.“
„ Die Situation ist auch echt...“
„ Aber du bist es nicht?“
„ Natürlich bin ich echt, andernfalls könntest du jetzt nicht mit mir reden, richtig?“
„ Du sprichst in Rätseln, Lyrias. Ich kann dir nicht folgen.“
„ Das macht nichts.“ griente er sie erneut schief an. „ Du brauchst dir meinetwegen nicht den Kopf zu zerbrechen.“
„ Keine Sorge, du passt in meine Sorgen-Box garantiert nicht mehr hinein.“
„ Das ist gut.“
„ Du bist aber nicht schwerkrank oder so was, oder?“
„ Nein, das bin ich nicht.“ lachte er leicht auf. „ Nun wo das geklärt ist, was wollen wir heute Abend machen?“
„ Meinst du nicht auch, dass dich Cheria wieder aus dem Schrank holen wird? Nun wo sie mit Asariah allein unterwegs sein durfte, hat sich bestimmt eine ganze Menge bei ihr angestaut.“ zog sie ihn grinsend auf.
„ Selbst eine Puppe macht nicht immer das, was man von ihr erwartet.“ murmelte er.
„ Oh? Versucht der Sklave etwa auf zu mucken?“
„ Mutig, was?“
„ Total. Ich bin quasi stolz auf dich.“
„ Danke für die Blumen.“
„ Du weißt aber schon, dass sie bereits am verwelken sind, ja?“ kicherte Chiara.
„ Wahre Schönheit kommt vom inneren.“
„ Da ist was wahres dran.“ nickte sie beipflichtend.
Dadurch das die Götterkatze nicht frei herumlaufen konnte, verbrachte Lyrias den gesamten Abend mit ihr. Er besorgte ihnen Knabberzeug und genügend zu trinken, auch alkoholische Getränke, und dann warfen sie sich vor dem Fernseher, der sich im Zimmer befand. Sie lachten, schäkerten miteinander und sprachen über Gott und die Welt. Irgendwann, als der Mond schon hoch am Himmel stand, war Chiara auf der Couch eingeschlafen und der Herr, der nutzte diese Gelegenheit um sich klammheimlich aus dem Zimmer schleichen zu können.

Die Flure des Hotels, wie auch die Straßen der Stadt waren menschenleer. Nicht einmal Asariah oder Aries waren zusehen, was Lyrias gerade recht gelegen kam. So konnte er für einen kleinen Moment verschwinden, ohne dass es jemanden auffallen würde.
Sein Weg führte ihn schnurstracks aus Necorana heraus, er lief auch noch einige Meter dem Mond entgegen, so lange, bis die Stadt im Hintergrund beinahe vollkommen von der Bildfläche verschwunden war.
Die ganze Zeit über behielt er sein Umfeld aufmerksam im Auge, damit er nicht doch von irgendwem überrascht wurde. Erst als er sich sicher war, dass ihn niemand beobachtete oder gar verfolgte, setzte er sein nächtliches Vorhaben in die Tat um.
Schweigend lehnte er seine Hand auf die Brust und schloss die Augen. Unter seiner Hand machte sich ein goldener Schimmer bemerkbar, der immer heller aufleuchtete und sich bald schon in ein gleißendes Licht verwandelte. Aber mehr, geschah da nicht.
„ Nun kommt schon.“ murmelte er. „ Ihr seid wütend auf mich, dass kann ich verstehen. Trotzdem ist das kein Grund, mich zu ignorieren. Ich weiß, dass ihr mich hören könnt, los zeigt euch schon.“
Tatsächlich geschah etwas mit dem Licht, es teilte sich in vier Kugeln auf, die sich vor Lyrias versammelten und dann ihre Farbe änderten. Rot wie das Feuer, blau wie das Meer, grün wie der Wind und braun wie die Erde. Und dann nahmen die Lichtlein Form an.
Der eine hatte feuerrotes Haar und gelb-orangene Augen. Sein muskulöser Körper wurde durch ein Outfit verdeckt, was ebenfalls die Farben des Feuers besaßen, ebenso wie die hübschen Male, die seine Haut zierten. Sein Name war Neos, der Feuergeist.
Grantus, der Elementargeist der Erde besaß dunkel braunes Haar und braune Augen. Seine Haut zierten braune Male und auch sein Outfit deutete die Erde an. Von allen Wesen war er der mit dem breitesten Kreuz und den größten Muskeln.
Der, der den Wind verkörperte, sah von allen am wildesten aus, seine grünen Haare verliehen ihm einen spitzbübischen Touch und auch seine Klamotten, die an einigen Stellen zerrissen waren, deuteten seine Wildheit an. Petros, der Elementargeist des Windes, hatte durchdringende dunkelgrüne Augen, einen durchtrainierten Körperbau und auch seine Haut wurde von blitzartigen Malen überwuchert.
Seleas, der Wassergeist, hatte den eleganten und athletischen Körper eines Sportlers. Seine Augen waren klar wie das Meer und leuchteten in einem wunderschönen blau auf. Sein Haar und auch das Outfit waren ebenfalls blau. Wobei er der einzige mit einer langen Robe und langen Haaren war.
„ Wie schön, dass ihr euch doch noch zeigt.“ lächelte Lyrias verschmitzt auf.
„ Verdient hast du es nicht.“ verschränkte Seleas die Arme vor der Brust.
„ Da begleiten wir dich schon dein gesamtes Leben lang und was ist der Dank dafür? Du schiebst uns einfach ab, um bei diesem Menschengör bleiben zu können.“ brummte Grantus.
„ Und wie siehst du überhaupt aus??“ fegte Petros um ihn herum. „ Ist dir deine Herkunft jetzt etwa auch zu wider?“
„ Ich dachte wir waren Freunde!“ ballte Neos seine Hände zu Fäusten, die auch gleich aufflammten. „ Aber dein jahrelanges Desinteresse hat uns eines besseren belehrt! Und nun wagst du es, uns nach langen zehn Jahren einfach so zu rufen??? So als wenn nichts gewesen wäre? Wer glaubst du denn, wer du bist??“
„ Du magst vielleicht der Thronfolger sein, aber bist du es überhaupt würdig, den Titel Prinz oder gar König zu tragen?“ starrte ihn der Wassergeist eindringlich an.
„ Verdammt Lyrias!!“ heftete sich Petros an den Kragen seines Schützlings und fixierte seine Augen erbost an. „ WAS hat dich in den letzten Jahren davon abgehalten, mit uns in Kontakt zu treten?? Hä?? Hä??“
„ Haben dir die Elysianer etwa so sehr den Verstand vernebelt, dass du vergessen hast, wo deine Wurzeln liegen?“ wollte Grantus von ihm wissen. „ Sag uns warum!“
„ Ihr habt Recht...“ griff er nach den Händen seines Windgeistes und befreite sich so aus den Fängen des Wesens. „ Ich habe eure Anwesenheit gar nicht verdient. Ich verleugne euch und mich selbst, um bei Cheria bleiben zu können. Mir war die ganze Zeit über bewusst, dass aus uns nichts werden kann, weil wir beide aus unterschiedlichen Welten stammen. Trotzdem habe ich mein Wohlergehen über eures und selbst über das meines eigenen Volkes gestellt. Ich weiß nicht, ob ich mich selbst noch als Prinz bezeichnen darf, schließlich war mein Handeln mehr als nur egoistisch. Aber ich... brachte es nicht übers Herz, mich von ihr zu trennen...“ senkte er seine Augen. „ Ich lebe nun schon so lange mit dieser Lüge, dass ich sie letztendlich beinahe selbst geglaubt hätte.“
„ Du hast dich wirklich in sie verliebt, hu?“ strich sich Neos seufzend durchs Haar.
„ Ich habe ja von Anfang an gesagt, dass es nicht gut ist, wenn man planlos durch die Weltgeschichte reist.“ bemerkte Seleas. „ So etwas musste ja früher oder später geschehen.“
„ Und wie soll es nun weiter gehen? Meinst du denn, dass es dir nun leichter fällt das Menschenkind zu verlassen?“ wollte Petros von ihm wissen.
„ Es wird mich innerlich zerreißen...“ flüsterte er. „ Aber mir ist durchaus bewusst, dass ich bald zurückkehren muss. Aber erst, habe ich hier noch etwas zu erledigen.“
„ Nun, die Einsicht kam spät, aber besser spät als nie.“ nickte der Wassergeist.
„ Du solltest dich mit dem Erledigen deiner Aufgaben etwas beeilen.“ erklärte Neos. „ Sie suchen bereits nach dir.“
„ Was?“ riss er erstaunt die Augen auf.
„ Wie was?“ grölte der Windgeist. „ Nun, der Hellste warst du ja noch nie.“
„ Natürlich suchen sie nach dir! Du bist seit zehn Jahren spurlos verschwunden, da ist es doch nicht verwunderlich, dass dein Vater nach dir sucht. Er macht sich Sorgen um dich.“ erklärte Seleas.
„ Dann kommt das Ende also schneller, als mir lieb ist...“ gab der Herr leise von sich.
Schweigend sahen sich die Geister abwechselnd an und nickten sich dann zu.
„ Wir haben uns gerade dazu entschlossen, dir noch einmal zu verzeihen!“ meinte Neos.
„ Du musstest deinem Herzen folgen und das kann kein Fehler sein.“ grummelte Petros vor sich hin. „ Wir waren auch eigentlich nie wütend auf dich, aber manchmal muss man auch seinem besten Freund die Grenzen aufzeigen und ihm eine gewaschene Abreibung verpassen.“
„ Du warst glücklich, weil du in ihrer Nähe sein durftest und diesem Glück wollten wir nicht im Wege stehen. Auch uns war bewusst, dass du niemals eine Zukunft mit deiner Liebsten zu erwarten hattest. Aber...“
„ Ein gebrochenes Herz lässt sich nicht so einfach wieder zusammenflicken.“ beendete Grantus den Satz von Seleas. „ Wir haben dir die Zeit an ihrer Seite gegönnt, auch wenn eurer gemeinsames Glück nicht für die Ewigkeit bestimmt war.“
„ Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss. Dieser Augenblick ist bei dir schon längst überfällig. Je länger du in ihrer Nähe bleibst, desto heftiger wird für dich die Trennung sein. Es wird dich nicht nur innerlich zerreißen, es wird dich zu Grunde richten! Also springe über den Abgrund, bevor du hinein fällst und für immer verloren bist.“ erzählte Neos.
„ Macht euch um mich keine Sorgen.“ lächelte Lyrias leicht. „ Die Zeit heilt alle Wunden, sagt man das nicht so? Irgendwann wird es bei mir auch so sein.“
„ Du bist ein Idiot...“ sah Petros seinen Schützling mitfühlend an. „ Wie kannst du dein Herz nur so leichtfertig verschenken?“
„ Es ist ja nicht so, als hätte ich das geplant. Für seine Gefühle kann man nichts, dem kann ich nur zustimmen.“
„ Lass sie gehen, Lyrias. Bevor du sie nicht mehr gehen lassen kannst. Du musst die Reißleine ziehen, ehe es für dich kein zurück mehr gibt. Sie ist nur ein Mensch, vergiss das nicht!“ mit diesen Worten verschwand Neos.
„ Solange du der Thronfolger bist, gibt es für euch keine Zukunft. Du solltest also drüber nachdenken, ob du dein Volk führen willst oder ein Leben als Elysianer vorziehst.“ gab Grantus von sich, ehe auch er verschwand.
„ Es ist egal wie du dich nun entscheidest, auf uns kannst du dich immer verlassen. Mitgehangen, mitgefangen, nicht wahr?“
„ Solltest du uns aber wieder einfach so ignorieren, dann werde ich dich erst eigenhändig rösten, dich dann den Wölfen zum Fraß vorwerfen und zu guter Letzt werde ich mir aus deinen Überresten Zahnstocher anfertigen, verstanden?“ und somit verschwanden auch die letzten beiden Elementargeister.
„ Das kommt nicht wieder vor, versprochen.“ flüsterte er lächelnd vor sich hin.
Allerdings wurde ihm das Lächeln wie von Geisterhand aus dem Gesicht gewischt, als er sich umdrehte und bemerkte, dass er gar nicht allein war.
Vor ihm stand eine wunderschöne junge Frau, mit langem schwarzen Haar und smaragdgrünen Augen. Sie trug ein langes Kleid, was ihr bis zu den Knien reichte und an ihrer Hüfte glitzerte eine hübsch verzierte goldene Korsage vor sich hin.
Die Dame hatte ihre Arme vor der Brust verschränkt, wippte ungeduldig mit dem Fuß auf uns ab und starrte Lyrias dabei mit einem Blick an, der ihn auf schmerzhafteste weise aus dem Leben reißen wollte.
„ Amelié??“ riss er die Augen auf, nachdem er sie endlich erkannt hatte.
Ohne zu antworten ging sie die letzten paar Schritte noch auf ihn zu, holte aus und verpasste ihm eine Ohrfeige, die auch noch in tausend Jahren im Land widerhallte.
„ DU DRECKIGER MISTKERL!!!“ brüllte sie ihn an, während sie weiter auf ihn einschlug.
Dieses mal aber, wehrte er die Angriffe gekonnt ab.
„ Weißt du überhaupt, was wir uns für Sorgen um dich gemacht haben? Wir sind beinahe verrückt geworden, weil wir nicht wussten, was mit dir geschehen ist oder wo du bist! Und dann muss ich erfahren, dass du das alles für einen Menschen getan hast?? FÜR EINEN MENSCHEN???“ redete sie sich weiter in Rage. „ Wann wirst du endlich erwachsen?? Wann beginnst du endlich damit, deinen Pflichten nachzukommen?? Du bist nicht irgendwer, du bist der Prinz unseres Volkes!! Sie haben zu dir aufgesehen, haben dich verehrt und vergöttert und was tust du??? DU verleugnest uns!! Du lässt uns im Stich und versteckst dich hinter einer bemitleidenswerten Fassade!! Was ist aus dem Mann geworden, der für seine Prinzipien lebte?? Du zwingst mich dazu, die schützenden Mauern unserer Welt zu verlassen, um dich Vollpfosten zu suchen!! Und warum das alles?? WEGEN EINEM MENSCHEN??? HAST DU SIE NOCH ALLE???“
„ Amelié bitte beruhige dich!“ versuchte er die Wogen zu glätten.
„ Ich soll mich BERUHIGEN??“ schnaufte sie auf. „ Wie bitte soll das gehen?? Nach all der angestauten Wut und der Verzweiflung, weil ich dich einfach nicht finden konnte??? Hättest du deine Elementargeister nicht gerufen, dann würde ich noch immer im Dunkeln tappen. Oh, du bist so ein unsensibler Penner!!!“
„ Es tut mir leid, wirklich!“
„ Deine Entschuldigung kannst du dir sonst wo hinschieben!!“ fauchte sie. „ Jahrelang hab ich auf deine Rückkehr gewartet. Ich habe dich verstanden und es akzeptiert, dass du deine Freiheit noch einmal in vollen Zügen genießen wolltest. Ich habe dich vor den ersten Zweiflern in Schutz genommen, habe ihnen versichert, dass du zurückkommen wirst! Aber du bist nicht zurückgekommen!“ schossen ihr die Tränen in die Augen. „ Ich habe mir das schlimmste ausgemalt, ich bin fest davon ausgegangen, dass du dich melden würdest, wenn du in der Lage dazu wärst! Ich dachte verdammt noch mal, dass du schwerverletzt in irgendeiner Ecke liegst!! Und dann DAS!!“ trat sie ihm mit voller Wucht gegen das Schienbein. „ Hast du auch nur eine Minute lang darüber nachgedacht, was du uns damit antust, wenn du einfach so verschwindest? Deine Eltern, dein Bruder ja selbst ich verlor die Hoffnung darauf, dich jemals lebend wiederzusehen. Wie konntest du das nur tun?“ schüttelte sie verständnislos den Kopf. „ DU SCHEIßKERL!!“ stampfte sie wütend mit dem Fuß auf, ehe sie sich umdrehte und von ihm weg ging.
„ Amelié, bitte warte!“ humpelte er ihr mit schmerzverzerrten Gesicht hinterher.
„ Halt den Mund!!“ stauchte sie ihn zusammen. „ Ich werde jetzt nach Hause zurückkehren, um deiner Familie mitzuteilen, dass ich dich gefunden habe. Morgen früh bin ich wieder da, bis dahin solltest du geregelt haben, was du regeln wolltest. Ansonsten stecke ich der Kleinen, wer du wirklich bist, verstanden?“ strafte sie ihn mit bitterbösen Blicken. „ Es wird Zeit, dass du deinen Pflichten nachkommst. Die Zeit für deine egoistischen Spielchen ist abgelaufen. Du bist der Thronfolger und ich werde dafür sorgen, dass du deiner Bestimmung nachkommst. Als deine Verlobte ist es meine Pflicht, dich auf den rechten Weg zurückzuführen. Viel zu lange habe ich mir dein Treiben tatenlos mitangesehen. Noch mal passiert mir das nicht.“
„ Morgen früh schon? Das geht nicht! Ich werde zurückkommen und ich werde auch den Thron besteigen, aber morgen noch nicht!“
„ Zwing mich nicht dazu, die Armee mit einschalten zu müssen, Lyrias. Du wirst mich morgen begleiten, ob freiwillig oder nicht, das spielt keine Rolle.“
„ Nein, du verstehst nicht!“
„ Du bist derjenige, der nichts versteht! Seit du verschwunden bist, können deine Eltern kaum mehr was essen. Ihr Schlaf wird von Alpträumen gesteuert, ihre Gedanken kreisen bloß noch um den verschollenen Sohn. Mit jedem Tag der verstreicht, ohne das sie ein Lebenszeichen von dir erhalten, fallen sie immer tiefer in ein bodenloses Loch. Sie sind bloß noch ein Schatten ihrer Selbst. Was also könnte wichtiger sein, als ihnen das Licht zurückzubringen?“
„ Ich muss dabei helfen, die Universen zu retten. Ich kann jetzt noch nicht zurückgehen. Unsere Welt ist genauso in Gefahr, wie alle anderen Welten auch! Versuch mich bitte ein allerletztes Mal zu verstehen, Amelié. Ich flehe dich an!“
„ ...“ betrachtete sie ihn eine Zeit lang schweigend. „ Ich bin morgen früh wieder da.“ um ihm dann das um die Ohren zu knallen, ehe sie verschwand.
„ AMELIÈ!! Warte!“ aber es war bereits zu spät, denn sie war schon fort. „ Und was mache ich jetzt?“ strich er sich seufzend durchs Haar. „ Wenn sie erfahren wer ich wirklich bin, werden sie mich ebenfalls als Feind ansehen. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als morgen mit ihr mitzugehen?“ blickte er zum Himmel auf. „ Ich wusste ja, dass dieser Tag irgendwann kommen würde, aber musste es denn wirklich so plötzlich sein?“
Mit einem bedrückenden Gefühl machte er sich auf den Weg und erreichte kurz darauf die Stadt der Katzenfanatiker.
Als er durch die Flure des Hotels schlenderte, blieb er vor dem Zimmer von Cheria stehen und dachte kurz darüber nach, ob er diese letzte Nacht noch einmal an ihrer Seite verbringen sollte. Um ihr dann am Morgen zu erklären, was er seit Jahren vor ihr verbarg. Aber er konnte es nicht. Es war in seinen Augen für alle Beteiligten das beste, wenn sie nicht wussten wer er wirklich war. Wenn er einfach verschwand und die Dinge ungeklärt zurückließ. Es mochte ja sein, dass seine Gruppe unter anderem aus Teufeln, Göttern und sogar einer Götterkatze bestand. Allerdings kämpften sie gegen Dämonen, die auch gerne als Ausgeburten der Hölle oder Bastarde oder Mistviecher oder ähnliches bezeichnet wurden. Konnten sie also so jemanden in ihren eigenen Reihen akzeptieren? Denn letztendlich zählte auch seine Rasse zu den Dämonen...
Die Gewissheit, Cheria bald schon nie wiederzusehen, schien ihn erdrücken zu wollen. Ihm war, als würde sein Herz jeden Moment stehen bleiben. Der Schmerz schnürte ihm die Kehle zu und die Sehnsucht würde seine Seele bald schon zerrissen haben.
Der Tag des Abschieds schlitterte unweigerlich auf ihn zu, dass wusste er nicht erst seid gestern, trotzdem war es ihm nicht möglich, sich so perfekt darauf vorzubereiten, dass es ihm nichts mehr ausmachte. Das ging gar nicht.
Die Nacht war für ihn natürlich gelaufen, ans schlafen konnte er beim besten Willen nicht mehr denken. Die restlichen Stunden, bis die Sonne aufging, lag er in seinem Bett und starrte nachdenklich die Decke an. Den Bock hatte er selbst abgeschossen, er hatte sich das ganze eingebrockt, also musste er die Suppe nun auch auslöffeln. Wenn das ganze doch nur nicht mit so vielen Schmerz und Leid verbunden wäre. Allerdings hatte er es verdient, das gleiche durchmachen zu müssen, was seine Familie bislang ertrug. Vielleicht konnte er seine Schulden auf diesem Wege eines Tages begleichen.
Die Unruhe trieb Lyrias wieder aus den Federn heraus und ließ ihn aufgekratzt, aber leise um Chiara nicht zu wecken, in seinem Raum auf und ab laufen. Sollte er den anderen noch Bescheid sagen oder sollte er einfach still und heimlich verschwinden? Nur, was wollte er ihnen denn als Erklärung liefern? Was konnte er von sich geben, was auch nur Ansatzweise glaubwürdig war und seinen Entschluss die Gruppe zu verlassen verständlich darstellte? Er wusste es nicht.
Das war wohl der Grund dafür, weshalb er das Hotel verließ, ohne mit irgendwem darüber zu sprechen.

Amelié war auch schon da, sie stand in einer ungeachteten Ecke der Stadt und wartete dort auf ihren Prinzen.
„ So früh schon auf den Beinen, Lyrias?“ machte sich Aries bemerkbar, der neben dem Eingang an der Wand lehnte.
„ Du auch, wie ich sehe.“ verzog er seinen Mund.
Dass der Seelendieb so früh schon auf war, passte dem Herrn gerade so gar nicht in den Kram.
„ Ich brauche nicht so viel Schlaf, wie du sicher weißt.“
„ Und ich muss mir mal die Beine vertreten.“ ging er die Treppen hinunter.
„ Du willst also wirklich einfach so gehen, ohne dich wenigstens zu verabschieden?“ sah ihm Aries mit hochgezogener Augenbraue hinterher.
„ Ich...bin doch gleich wieder da?“ riss er erstaunt die Augen auf.
„ Wir wissen doch beide, dass das nicht stimmt.“ konterte der Teufel. „ Ich habe dich letzte Nacht beobachtet, deshalb weiß ich, dass die schwarzhaarige Dame dort vorne hier ist, um dich mit nach Hause zunehmen.“
„ ...“ senkte er schweigend den Kopf.
„ Aber selbst wenn ich dich letzte Nacht nicht gesehen hätte, wüsste ich, dass du nicht von hier bist.“ redete er weiter. „ Deine Illusion ist wirklich nicht schlecht. Sie verbirgt nicht nur deine wahre Gestalt, sondern auch deine Aura. Aber seit gestern, kann ich deine Illusion durchschauen. Ist das der Grund, warum du uns nichts sagen willst? Weil du bist, was du eben bist?“
„ Wenn du es schon weißt, brauche ich dazu doch nichts mehr zu sagen, oder?“
„ Kennst du die Phantome?“
„ Sicher, das sind Dämonen, die für ihre heftigen Flüche bekannt sind, aber was hat das mit mir zu tun?“
„ Kennst du auch den Inkubus oder sein Gegenstück die Succubus?“
„ Auch das sind Dämonen.“ drehte er sich verärgert zu Aries um. „ Willst du mein Wissen auf die Probe stellen oder was hast du für einen Auftrag?“
„ All diese Wesen leben in unserer Welt friedlich mit uns zusammen.“
„ Was?“ fiel Lyrias beinahe alles aus dem Gesicht. „ Ich dachte, die Dämonen seien eure Feinde?“
„ Dämon ist nicht gleich Dämon, aber da erzähle ich dir wohl nichts neues, oder? Du musst dich nicht hinter deiner Mauer verstecken, nur damit niemand bemerkt, wer du wirklich bist. Wir tun das doch auch nicht. Deine Herkunft spielt keine Rolle, hast du Cheria und Serah denn nicht zugehört? Du gehörst ebenfalls zu uns, egal wer du wirklich bist. Vergiss das nicht, wenn du nach Hause zurückkehrst. Auch deine Welt ist irgendwie mit unserer verbunden. Du bist ein Teil unserer ungleichen Truppe, genau wie ich, Asariah oder Sasha.“
„ Hm... danke.“ lächelte er.
„ Sag uns Bescheid, wann die Krönung stattfindet, wir werden auf jeden Fall da sein, um dich aus erster Reihe anzufeuern. Und mach dir keine Gedanken wegen Chaos, ich werde ihm auch von dir einen deftigen Tritt in seine Weichteile verpassen.“
„ Da bestehe ich drauf.“ drehte er sich wieder von ihm weg. „ Pass auf Cheria auf.“
„ Bist du dir sicher, dass du dich nicht von ihr verabschieden willst?“
„ Das geht schon klar, solange Asariah da ist, bemerkt sie meine Abwesenheit ohnehin nicht.“
„ Ich denke zwar, dass du dich irrst, aber nun gut, das ist allein deine Entscheidung.“
„ Bis dann, Aries.“
„ Ja... bis dann...“ sah er ihm dabei zu, wie er zu seiner Verlobten hinging.
„ Wer war das?“ wollte Amelié von ihm wissen.
„ Aries, ein Freund. Wir sollten gehen, ehe die anderen auch noch auftauchen.“
„ Du willst also wieder einfach so verschwinden, ohne es den anderen zu sagen, ja?“
„ Aries weiß Bescheid. Sie wissen also, wo ich bin.“
„ Ich habe mit deinen Eltern gesprochen. Sie sind überglücklich, endlich ein Lebenszeichen von dir erhalten zu haben. Außerdem können sie es kaum erwarten, dich endlich wiederzusehen, aber...“ verschränkte sie die Arme vor der Brust.
„ Aber?“
„ Ich konnte sie dazu überreden, dir noch etwas mehr Zeit zugeben.“ grummelte sie. „ DAS ist aber der letzte Gefallen, den du jemals von mir bekommst, klar???“
„ Das heißt, ich muss jetzt nicht mit dir zurückgehen?“ leuchteten seine Augen freudig auf. „ Du bist die beste Verlobte, die man sich wünschen kann!!“ drückte er sie überglücklich an sich.
„ Jaja, schon gut.“ räusperte sie sich und löste sich dann von ihm. „ Ihre Geduld wird nicht ewig währen, denk daran! Du solltest schnellstmöglich klären, was du noch zu klären hast. Wenn ich an ihrer Stelle wäre, wäre meine Geduld längst am Ende.“ murmelte sie. „ Und beende dein Techtelmechtel mit dem Menschenkind, letztendlich hat eure Geschichte kein happy End. Du musst den Schaden so gering wie möglich halten, dass bist du euch schuldig.“ sah sie ihm fest in die Augen. „ Und noch etwas, glaube ja nicht, dass ich eure Affäre dulden werde, wenn unsere Verlobung offiziell wird. Nur für den Fall, dass du glaubst, du könntest sie dir neben mir noch warm halten. Das ist nicht möglich! Schlag dir diese Idee besser gleich aus dem Kopf.“
„ Ich habe das ganze in meinem Kopf bereits letzte Nacht beendet. Nun muss das nur noch mein Herz begreifen, dann ist alles gut.“
„ Es ist das Beste, für euch beide. Das solltest du dir jedes Mal ins Gedächtnis rufen, wenn du der Versuchung nachgeben willst.“
„ Guten Morgen, Lyrias!“ stand plötzlich eine fröhliche Cheria neben ihnen. „ Warum seid ihr denn alle schon so früh auf?“
„ Äh... das gleiche könnte ich dich auch fragen?“
„ Oh und wer bist du?“ sah sie Amelié fragend an.
„ Ich bin Amelié Lyrias seine... äh... Freundin! Und du bist diejenige welche?“ sah sie ihren Verlobten fragend an.
Diesem passte es offensichtlich ganz und gar nicht, dass Amelié und Cheria aufeinander trafen.
„ Ich heiße Cheria! Freut mich deine Bekanntschaft zu machen.“ schüttelte sie die Hände ihrer 'Rivalin'. „ Du hast mir nie erzählt, dass du eine Freundin hast?!“ starrte sie Lyrias vorwurfsvoll an.
„ Sie ist nicht so eine Freundin, sie ist eine Freundin. Eine Bekannte von früher.“
„ Du bist es also wirklich.“ betrachtete Amelié die Dame von oben bis unten. „ Niedlich bist du ja, aber eigentlich war das auch nicht anders zu erwarten. Er besaß schon immer einen exzellenten Geschmack, was seine Gespielinnen anging.“ trat sie an den Herren heran und spielte mit der Kette rum, die er trug. „ Du kannst froh darüber sein, dass er dir wenigstens seinen echten Namen verraten hat, aber alles andere was du von ihm kennst, ist nichts weiter als eine Illusion.“ sah sie nun zu ihrem Opfer auf. „ Nicht wahr, Lyrias?“ um dem ganzen dann noch die Krone aufzusetzen, stellte sie sich auf die Zehenspitzen und gab ihm einen sanften Kuss auf seine Lippen. „ Vielleicht, bin ich ja doch seine Freundin.“ dann ließ sie von ihm ab und schlenderte an ihm vorbei. „ Wir sehen uns bald schon wieder, Liebling.“
„ Also ist sie doch deine Freundin?“
„ Nein!“
„ Aber sie hat dich geküsst!!“
„ Das war nur um mich... oder dich.. oder wen auch immer aufzuziehen!!“
„ Warum sollte sie wen auch immer aufziehen wollen?“
„ Weil sie Spaß daran hat, vielleicht?“ knurrte er. Wobei er auf der anderen Seite froh darüber war, dass sie scheinbar nicht wissen wollte was mit der Illusion gemeint war. „ Außerdem, warum soll ich mich vor dir rechtfertigen? Du liebst schließlich auch einen anderen und schläfst trotzdem mit mir!“
„ Was heißt denn hier auch??“ pustete sie empört die Backen auf. „ Liebst du sie etwa?“
„ Selbst wenn es so wäre, was stört dich das?“ zog er fragend eine Augenbraue hoch. „ Soweit ich weiß, sind wir kein Paar. Deshalb sage ich nichts dazu, wenn du wie ein verliebter Teenager hinter Asariah her rennst und du kannst nichts dazu sagen, wenn ich nebenbei noch was mit Amelié am laufen habe, richtig? Unsere Liaison hat doch rein gar nichts zu bedeuten.“
„ Wenn du das so siehst, dann können wir es ja auch einfach beenden!“
„ Gut, dann beenden wir es halt.“ zuckte er so gleichgültig wie es ging mit der Schulter.
Natürlich wollte er genau das nicht hören, auch wenn dies nun der richtige Weg war und ihn alles andere bloß tiefer in die Scheiße hinein geritten hätte. Wie sollte er sich auch von ihr trennen können, wenn sie ihm zum Beispiel ihre Liebe gestand? Wenn sie ihn anflehte nur noch sie zu berühren, damit keine andere in den Genuss seiner Nähe kam. Wie sollte er das ertragen und seine Ziele gleichzeitig weiter verfolgen können? Wo er ihr doch komplett verfallen war und sie mehr liebte, als alles andere auf der Welt? Allerdings war sie auch das Schäfchen gewesen, was den egoistischen Wolf überhaupt erst in ihm geweckt hatte. Hätte sie ihn nicht mit ihrer kindlichen Leichtigkeit so dermaßen fasziniert, dann wäre er niemals auf die Idee gekommen einfach unterzutauchen. Wozu konnte sie ihn also nun, wo sie alles andere als ein kleines Kind war, bringen? Welche Hebel würde er dieses Mal in Bewegung setzen, um bei ihr bleiben zu können? Sie war etwas ganz besonderes, so besonders, dass sie sein Herz im Sturm eroberte und es nicht wieder rausrückte. So sehr es auch schmerzte, ihr nicht mehr nah sein zu dürfen, es war die einzige Entscheidung die er treffen konnte.
„ Fein! Dann schlafen wir halt nicht mehr miteinander! Es war ja für dich ohnehin ohne jegliche Bedeutung! Und so jemanden habe ich mein erstes Mal geschenkt.“ sah sie beleidigt von ihm weg. „ Im nächsten Leben wird mir das nicht passieren, das schwöre ich dir!!“
„ Es tut mir leid...“
„ Ja, mir auch!“ stampfte sie erbost davon.
Hätte sie sich noch einmal zu ihm umgedreht dann wäre ihr aufgefallen, dass man ihm deutlich ansah wie sein Herz langsam zerbrach. Dann hätte sie an seinem Blick erkannt, wie tief der Schmerz bereits saß. Aber sie sah nicht noch einmal zurück, deshalb entging ihr das Desaster, was sich gerade in ihm abspielte.
Amelié aber, war ein aufmerksamer Beobachter. Sie wusste ja, dass er sich in das Menschenkind verliebt hatte, aber das seine Gefühle so stark waren, davon hatte sie bisher nicht mal was geahnt. Ihr wurde schlagartig klar, dass er zu Grunde gehen würde, wenn er nach Hause zurückkehrte. Dann sollte er auch noch eine andere Frau heiraten und ihr all das geben, was er Cheria bislang schenkte. Es konnte ihn also nur zerreißen und das im wahrsten Sinne des Wortes. Sie mochte Lyrias, na klar, sonst hätte sie der baldigen Verlobung gar nicht erst zugestimmt. Ihn nun so zu sehen, erfüllte sie mit einer unbeschreiblichen Trauer. Sie bereitete sich schon seit einer gefühlten Ewigkeit auf ihre Aufgaben als Königin vor, genaugenommen wüsste sie gar nichts mit sich anzufangen, wenn sie den Thron nun doch nicht bestieg. Allerdings schien ihr der Preis, den er zu zahlen hätte, viel zu groß zu sein, das konnte sie nicht einfach so akzeptieren.
Sie verließ Elysia, um das nächste Mal mit guten Neuigkeiten wiederzukommen, das hatte sie sich fest vorgenommen.

Cheria verkroch sich währenddessen im Speisesaal des Katzenkörbchens und schüttete einen Orangensaft nach dem anderen in sich hinein.
Einige Zeit später betrat dann Serah den Raum, die von dem wütenden Sturm erst etwas mitbekam, als sie sich zu diesem an den Tisch setzte.
„ Was machst du denn da?“ starrte die Göttin verwundert auf die leeren Gläser herab.
„ Hier gibt es keinen Alkohol, deshalb versuche ich mich nun mit Orangensaft abzuschießen.“ grummelte sie.
„ Was ist los? Hast du etwa schlecht geschlafen? Bist du aus dem Bett gefallen oder hat dich wer geärgert?“ wollte die Dame wissen, die sich ebenfalls einen Saft gönnte. „ Du weißt aber schon, dass man sich mit Orangensaft nicht abschießen kann, ja? Du bekommst allerhöchstens einen Vitaminschock, mehr aber auch nicht.“
„ Das ist mir egal!!“ schnaufte sie.
„ Ok, was ist passiert? Hat dich Asariah so verärgert? Hat er irgendwas gemeines zu dir gesagt?“
„ Nein, Asariah ist nicht schuld daran! Lyrias dieser Spinner, der war es!!“
„ Lyrias?“ riss sie erstaunt die Augen auf. „ Was hat er denn schlimmes gemacht?“
„ Ich habe ihn draußen mit einer fremden Frau erwischt, die sich als seine Freundin vorstellte! Kannst du dir das vorstellen?? Da schläft er mit mir, hat nebenbei aber noch eine Freundin!! Natürlich hat er alles abgestritten, er meinte sie wäre nur eine alte Kindergartenfreundin!! Aber weißt du was??“ knallte sie ihr Glas auf den Tisch. „ Alte Kindergartenfreunde verabschieden sich nicht mit einem Kuss!! Und dann setzt dieser Mistkerl dem ganzen auch noch die Krone auf indem er meint, dass unsere Beziehung für ihn bedeutungslos wäre!! Geht es noch?? Er war mein erster und ihm hat es nie etwas bedeutet?? Ich fasse es nicht, dass ich auf diesen Wichser herein gefallen bin!!“
„ Du bist also sauer, weil er noch was mit anderen Frauen am laufen hat?“ zog sie fragend eine Augenbraue hoch.
„ Das ist unter aller Sau!! Außerdem meinte er doch noch zu mir, dass ihm unser Sexleben nichts bedeuten würde!! Ich war so unsagbar doof!!“
„ Aber warum geht dir das so nah? Ich dachte du liebst Asariah? Da kann es dir doch egal sein, wie viele Frauen er noch hat oder ob ihm der Sex mit dir gefällt. Die Hauptsache ist doch, dass mein Bruder neben dir keine andere hat. Zu mindestens, wenn ihr ein Paar werdet. Letztendlich hat dir die Liaison mit ihm doch auch nicht wirklich viel bedeutet, oder?“
„ Natürlich hat sie mir was bedeutet!! Ich verschenke meine Jungfräulichkeit doch nicht an jeden dahergelaufenen Affen. Diesen besonderen Moment teilt man nicht mit irgendwem, nein, die Person muss einem schon verdammt wichtig sein, oder siehst du das anders?? Man muss ihn sehen und gleich spüren, dass er der richtige für einen ist. Jemand, mit dem man sein komplettes Leben verbringen will, ein gesucht und gefundener Seelenverwandter. So jemanden lässt man die Ehre zuteil werden, der erste und einzige Mann zu sein.“
„ Aber ich dachte du liebst Asariah?“ lehnte Serah ihre Arme auf die Tischplatte und stütze ihren Kopf dann an der Hand ab, während sie ihrer Freundin lächelnd musterte. „ Wie kann Lyrias denn da der Richtige für dich sein, mit dem du dein Leben verbringen willst?“
„ Aber ich liebe... Asariah...“ riss sie völlig perplex die Augen auf.
Just in diesem Moment konnte man beinahe hören, wie die Illusion in ihrem Inneren in tausend kleine Stücke zersprang.
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Re: Diehieee Geschichte

Beitrag von Alexia am Sa 17 Jun - 15:31

Kapitel 15. Zerbrochenes Eis?



Cheria hatte wirklich geglaubt, sie würde den Ladthaaner lieben, weil er es war, der sie mit seiner Stimme zurück ins Leben holte. Aber eigentlich war es nicht seine Stimme, die sie zurück ins Licht führte. Es war Lyrias, der sie anflehte nicht zu sterben. Der bettete und bettelte, dass sie endlich ihre Augen öffnete. Er war es, der nicht von ihrer Seite wich und auch er war es, den sie als erstes erblickte, als sie ihre Augen endlich aufschlug. Seine Tränen fielen auf ihre Haut, als er sich erleichtert über sie beugte und sie so feste an sich presste, als würde er sie nie wieder gehen lassen wollen. Er war für ihr Herzrasen verantwortlich und nicht der Teufel! Warum war ihr das vorher noch nie aufgefallen? Alle haben es bereits bemerkt, nur sie nicht! Wie konnte das sein? Sie war doch live dabei gewesen, wie also, konnte sie den Moment vergessen, als er ihr lächelnd in die Augen sah und ihr dabei durchs Gesicht strich? Wie konnte sie die Tränen vergessen, die ihm über die Wange kullerten und wie in aller Welt konnte sie vergessen, welche Bedeutung er in ihrem Leben einnahm?
„ Welch fataler Fehler...“ flüsterte sie vor sich hin. „ Ich bin so ein Idiot...“ um dann mit dem Oberkörper auf den Tisch zu sinken und ihren Kopf unter den Armen zu vergraben. „ Wie konnte ich nur glauben, dass ich Asariah liebe?“
„ Der Orangensaft scheint ja doch was zu bewirken“ kicherte Serah. „ Ich bin froh, dass du es endlich einsiehst und ich denke nicht, dass Lyrias das wirklich ernst gemeint hat. Dafür war er zu eifersüchtig, wenn du Asariah zu nah kamst.“
„ Er war eifersüchtig?“ sah sie zu ihr auf.
„ Und wie.“ nickte sie. „ Man hat ihm quasi angesehen, wie gern er meinen Bruder auseinander nehmen würde.“
„ Aber dann hat er mich ja gerade angelogen... warum sollte er das tun?“
„ Ich schätze Lyrias nun nicht so ein, als würde er irgendwelche Spielchen mit dir spielen. Er wird seine Gründe dafür haben, warum er sich plötzlich von dir entfernen will.“ dachte sie darüber nach.
„ Ach? Und welche Gründe könnten das sein?“
„ Vielleicht erträgt er dein Desinteresse nicht mehr und deshalb zieht er sich zurück, ehe er vollends daran zerbricht. Vielleicht hat aber die fremde Frau was damit zu tun. Du kanntest sie nicht, ja?“
„ Ich habe sie noch nie in meinem Leben gesehen.“
„ Aber ihr seid doch zusammen aufgewachsen, Lyrias und du, oder nicht? Wenn er sie wirklich von früher kennen würde, dann müsstest du sie doch auch kennen.“
„ Du meinst also, dass er mich da auch angelogen hat?“
„ Wer weiß. Vielleicht hat sie ihn ja mit irgendwas in der Hand und nun erpresst sie ihn damit. Das ist zwar wirklich sehr weit hergeholt.. aber möglich wäre es doch, oder nicht? Er könnte ja ein dunkles Geheimnis verbergen oder er hat irgendwelche Leichen im Keller vergraben. Was weißt du eigentlich über seine Familie?“
„ Er ist ein Waisenkind. Seine Eltern und das gesamte Dorf sind wohl bei einem Brand ums Leben gekommen. Das Waisenhaus des Ordens hat ihn aufgenommen und ja, seitdem ist er bei mir.“
„ Ein Waisenkind, so so.“ grübelte Serah darüber nach. „ Und wenn er das gar nicht ist? Ich glaube zwar nicht, dass er was mit dem Brand zu tun hatte, aber was ist denn, wenn es so war? Oder er ist als kleiner Junge ausgebrochen, aber damit könnte man ihn wohl nicht erpressen. Es sei denn, die fremde Frau hat ihn erkannt, wie auch immer und nun erpresst sie ihn damit, dies seinen Eltern zu stecken. Und diese sind irgendwelche Säufer, die ihn geschlagen und vernachlässigt haben und nun soll er zu ihnen zurückkehren, damit er für mehr Stoff sorgen kann. Oder aber!“ erreichte ihre Fantasie den Höhepunkt. „ Sie sind irgendwelche hohen Tiere und als einziger Sohn soll er das Imperium übernehmen. Deshalb wurde er schon als Kind auf Geschäftsmann getrimmt und zudem noch an die fremde Frau versprochen. Er riss aus, um der Verantwortung entkommen zu können und nun haben sie heraus gefunden, wo er sich versteckt hält!“
„ Deshalb meinte sie auch zu mir, dass sein Name zwar echt wäre, aber der Rest von ihm bloß eine Illusion sei!!“
„ Also ist er wirklich von zuhause abgehauen und nun versteckt er sich vor seiner Vergangenheit, die ihn nun eingeholt hat. Aber wenn er wirklich an die fremde Frau versprochen wurde, dann wäre sie ja seine Verlobte.“
„ SO WAS will ich gar nicht hören!!“ steckte sie ihren Kopf wieder in ihre Höhle.
„ Tut mir leid, ich habe nicht darüber nachgedacht.“
„ Deshalb also, zieht er sich vor mir zurück. Weil seine Schnalle aufgetaucht ist und somit auch seine Vergangenheit.“
„ Es wäre zu mindestens möglich. Wir könnten genauso gut vollkommen falsch liegen.“
„ Wir wissen es nicht, ich weiß. Aber es klingt alles so logisch.“
„ Und was machst du jetzt?“
„ Ist doch klar!“ fasste sie neuen Mut. „ Ich werde ihm zeigen, dass er ohne mich nicht kann und wenn seine Alte wieder auftaucht, dann zeige ich ihr, dass sie besser schnellst möglich das Weite suchen sollte!“
„ Ja.“ lachte sie. „ Das kann ich mir sogar richtig gut vorstellen.“
„ Lyrias weiß wie ich mich anfühle, sein Körper ist mir praktisch schon längst verfallen und genau das, werde ich ihm deutlich vor Augen führen.“ nickte sie die Entscheidung entschlossen ab. „ Danke, dass du mir den Kopf gewaschen hast. Das habe ich gebraucht.“
„ Ach was, ich habe doch eigentlich gar nichts gemacht. Du bist von allein darauf gekommen.“
„ Aber nun erzähl doch mal, wie war deine Nacht mit Aries? Hast du ihm endlich alles gesagt oder hat er dir etwas gesagt?“
„ In der einen Nacht, von der ich dir erzählte, ist nichts gelaufen. Das hat er mir erzählt, aber in der vorletzten Nacht, als er noch unter den Einfluss des Blutrausches stand, da haben wir es ganz eindeutig wirklich getan!“ flüsterte sie ihr leicht gerötet zu.
„ Wirklich?“ strahlte sie. „ Das ist großartig!! Es war doch großartig, oder nicht?“
„ Mehr als das, es war der pure Wahnsinn.“ kicherte sie.
„ Und nun seid ihr...“ sah sie sich verstohlen um, ehe sie mit dem Oberkörper näher an die Göttin heran rutschte. „ ... ein Paar?“
„ Ja, das sind wir.“
„ Er hat dir also gestanden, dass er dich liebt? Ich wusste doch, dass es so ist.“
„ Ja, er hat es mir gesagt.“
„ Und wie kommt es dann, dass er um diese unchristliche Zeit schon durch die Gegend wandert, wo er doch noch mit dir im Bett kuscheln könnte?“
„ Die Versuchung war zu groß.“ kratzte sie sich am Hals rum. „ Er hatte Angst davor, dass Asariah in den Raum gestürmt kommt, während er mich... du weißt schon.“
„ Dich nagelt, liebt, vögelt...“ grinste Cheria frech auf.
„ Ja genau...“
„ Oh, wenn dein armer Bruder wüsste, was Aries mit seiner geliebten kleinen Schwester anstellt, der würde ihm glatt den Kopf abreißen.“ kicherte sie.
„ Deshalb darf er es noch nicht erfahren.“
„ In der Öffentlichkeit seid ihr also nur Freunde, aber wenn ihr ungestört seid, dann werden ihr zu einem leidenschaftlichen Paar, hu? Hehe, ich würde das knallhart ausnutzen!“ setzte sich ein breites Grinsen auf ihre Lippen. „ Der würde seinen Verstand verlieren, während er sich zwanghaft am Riemen reißen muss.“
„ Du steckt mit Lyrias doch in einer ähnlichen Situation. Er muss sich auch am Riemen reißen, wenn er nicht will, dass sein Lügengerüst gleich wieder zusammenbricht.“
„ Ich weiß!“
„ Keine Ahnung wieso, aber Lyrias tut mir jetzt schon leid.“
„ Keine Sorge, Lyrias wird voll und ganz auf seine Kosten kommen.“
„ Ja, davon bin ich überzeugt...“
„ Aber mal was anderes, wo ist Chiara eigentlich? Ich hab sie seit gestern nicht mehr gesehen.“
„ Ich auch nicht.“ bemerkte Serah. „ Vielleicht ist sie bei Asariah.“
„ Stimmt, ihn hab ich seit gestern auch nicht mehr gesehen. Und Sasha schläft wohl auch noch.“
„ Es ist ja auch noch früh am morgen, da darf man ruhig schlafen.“ erklärte Serah. „ Aber wieso bist du überhaupt schon so früh auf den Beinen?“
„ Weil ich es nicht gewohnt bin, allein schlafen zu müssen. Vermutlich hatte ich gehofft, dass sich Lyrias noch mal mit mir hinlegt. Aber das hat sich ja jetzt erledigt.“
„ Die nächste Nacht wird garantiert kommen, dann kannst du dich wieder mit ihm in die Kissen kuscheln.“
„ Jaaa und wie ich das werde!“
„ Dann kannst du ja jetzt damit aufhören, dich besinnungslos zu betrinken.“ lachte die Göttin.
„ Schade, dabei hab ich gerade erst angefangen.“ seufzte sie gespielt auf.
„ Angefangen womit?“ setzte sich Aries zu ihnen hin.
„ Mich mit Orangensaft abzuschießen.“ kicherte sie.
„ Mit Orangensaft... ah ja...“
„ Hast du Chiara gesehen?“ wollte Serah von ihrem Freund wissen.
„ Gesehen nicht, aber gehört.“
„ Gehört?“ blitzte sie ihn verstimmt an.
„ Nicht was du gerade denkst.“ stützte er seinen Kopf an der Hand ab. „ Sie war letzte Nacht bei Lyrias und nun hat sich Asariah unser Kätzchen gekrallt.“
„ Sie war bei Lyrias? Die ganze Nacht über?“ hakte Cheria nach.
„ Allerdings ja.“
„ Oh...“
„ Aber es hörte sich nicht so an, als wäre da was zwischen ihnen gelaufen.“
„ Wie lange hast du sie denn belauscht?“ verfinsterte sich der Blick der Göttin noch mehr.
„ Ich habe sie gar nicht belauscht, sie waren im Zimmer neben an, ich konnte gar nicht anders als sie zu hören.“ versicherte er. „ Wirklich! Was sollte es mir denn bringen, die beiden zu belauschen?“
„ Vielleicht stehst du ja darauf?“
„ Unsinn.“
„ Aber du würdest auch nicht weg hören, wenn du sie hören könntest, oder?“
„ Soll ich euch vielleicht allein lassen?“ schmunzelte die Priesterin.
„ Nein, schon gut. Ich muss ohnehin noch meine Sachen packen und duschen gehen.“
„ Nun ja, vielleicht will dir Aries ja helfen. Asariah dürfte ja noch ein Weilchen beschäftigt sein.“
„ Nein, danke. Das schaffe ich auch allein.“ erhob sie sich und schlenderte erhobenen Hauptes davon.
„ Ich hätte nicht gedacht, dass sie so eifersüchtig reagieren kann.“ sah Cheria der Dame verblüfft hinterher.
„ Wie ungemein anziehend...“ stand der Herr grinsend auf. „ Du entschuldigst mich?“
„ Klar, genieße ruhig die Zeit, wo der Tyrann, der sich Bruder schimpft, verhindert ist.“ kicherte sie.
„ Zu gütig.“ folgte er der Göttin.
„ Tja, so bin ich.“ seufzte sie. >Ich wüsste zu gern, wer diese Amelié war. Hat sie ihn wirklich mit irgendwas in der Hand und deshalb will er sich von mir abwenden?< überlegte sie. >Weil der Abschied unweigerlich näher rückt? Aber wie kann ich das verhindern? Wenn es seine Pflicht ist, sich von mir zu trennen, wie sollte ich mich ihm dann noch nähern können? Wie lange ist er nun schon bei mir? Seit zehn Jahren? Er ist mir sogar bis in die Verbannung gefolgt, dass tat er bestimmt nicht aus einer Laune heraus. Nein, das tat er, weil ihm etwas an mir liegt. Wenn er mich verlassen muss, dann wird ihm das bestimmt nicht leicht fallen. Ich als seine beste Freundin, darf es ihm da doch nicht noch schwerer machen. Aber wie soll ich denn jetzt darauf reagieren? Lass ich ihn einfach gehen? Dann glaubt er hinterher noch, er wäre mir egal. Aber wenn ich ihm nun zeige, was ihm alles entgeht, dann quäle ich ihn noch zusätzlich.< zählte sie die Möglichkeiten auf, die ihr gerade einfielen. >Ich will ihn nicht verlieren... nur, kann ich daran überhaupt etwas ändern? Und was ist mit ihm? Kann er einfach die Richtung ändern? Wie sieht der richtige Weg aus? Ich weiß es nicht...< senkte sie betrübt die Augen. >Kommt der Tag, an dem ich mich für immer von ihm verabschieden muss oder kann ich ihn anflehen, mich nicht zu verlassen? Liegt diese Entscheidung in seiner Macht oder laufe ich schon wieder einer Illusion hinterher?<
„ Guten Morgen, Cheria.“ setzte sich plötzlich Chiara zu ihr hin.
„ Chiara? Was machst du denn hier??“ riss sie verblüfft die Augen auf.
„ Wo soll ich denn sonst sein?“ zog sie fragend eine Augenbraue hoch. „ Falls du das fanatische Völkchen hier meinst, die haben mich gestern nur kurz gesehen, ich glaube also nicht, dass sie mich wiedererkennen und wenn doch, dann habe ich auch kein Problem damit, meine Krallen auszufahren.“ murrte sie. „ Ich habe keine Lust, mich die ganze Zeit in meinem Zimmer zu verbarrikadieren.“
„ Die Leute haben also bemerkt, dass du eine Götterkatze bist?“ grinste sie breit auf. „ Sie waren bestimmt total aus dem Häuschen, aber das meinte ich gerade nicht. Aries hat Serah und mir gerade noch erzählt, dass du bei Asariah bist.“
„ Bei Asariah?“ hakte sie erstaunt nach. „ Warum sollte ich denn bei Asariah sein? Lyrias hat die Nacht auf mich aufgepasst und nicht er.“
„ Aries meinte, dass er mitbekommen hätte, wie dich Asariah in sein Zimmer schleppte.“
„ Nun, ich sitze gerade vor dir, also kann ich wohl schlecht bei ihm sein, oder?“
„ Aber wer ist denn dann bei ihm?“
„ Was weiß ich. Er wird schon wissen, was er tut.“
„ So wie damals, als er sich mit Chaos einließ?“
„ Auch da glaubte er zu wissen, was er tat.“
„ Aber ich wüsste trotzdem zu gerne, wer da gerade bei ihm ist.“ murmelte sie.
„ Klopf doch an und sieh nach.“
„ Das kann ich doch nicht bringen! Was ist denn, wenn er gerade mit wem zugange ist?“
„ Das wirst du dann schon erfahren.“
„ Nein, niemals! Ich gehe da bestimmt nicht hin!“
„ Dann kann es dir ja nicht so wichtig sein.“
„ Ist es auch nicht... ich war bloß neugierig...“ wandte sie den Kopf von dem Kätzchen ab.

Tatsächlich aber war ich bei dem Ladthaaner. Die ganze Nacht dachte er darüber nach, ob Chaos ihn in seiner Entscheidung sterben zu wollen, beeinflusste und wenn es so war, ob er ihn dann überhaupt noch aufhalten konnte, wenn er erwachte. Bisher war er davon überzeugt gewesen, dass er Chaos stoppen und vernichten konnte, aber was war denn, wenn dem nicht so war? Wenn der Feind die Kontrolle über den Teufel des Todes erlangte und dessen vollen Mächte ausschöpfte? Asariah besaß die Möglichkeit, jedes Leben dieser Zeit auszulöschen, auch wenn es ihm verboten war, eine Seele vorzeitig aus dem Leib zu reißen. Das interessierte das körperlose Wesen garantiert nicht. Ein einfacher Fingerschnipp genügte, um die verhassten Widersacher verschwinden zu lassen, also selbst wenn danach die Strafe folgte und Asariah selbst auch verschwand, hatte Chaos sein Ziel erreicht. Unaufhaltsam, wenn nicht sogar unbesiegbar. Und als nächstes musste dann Lastalia dran glauben. Wenn erst einmal alle Götter und Ladthaaner verschwunden waren, dann konnte ihn auch niemand mehr aufhalten. Lastalia wäre ihm schutzlos ausgeliefert. Um das zu verhindern, musste er wissen woran er war. Deshalb bat er mich um ein Gespräch.
„ Worum geht es denn, Asariah?“ fragte ich nach.
„ Du kannst Chaos sehen, nicht wahr? Siehst du auch, ob er meine Seele bereits in die Dunkelheit zerrt?“ fiel er gleich mit der Tür ins Haus.
„ Ich sehe, dass er deine Seele gefangen hält. Er hält dich fest, damit du ihm nicht entkommen kannst, wenn er erwacht.“ erklärte ich ihm.
„ Beeinflusst er meine Entscheidungen damit?“
„ Durch das bloße Festhalten nicht, nein.“ schüttelte ich meinen Kopf. „ Er hat dich praktisch in einen Käfig gesperrt, aus dem du nicht entkommen sollst. Aber deine Gefühle oder Entscheidungen kann er damit nicht kontrollieren.“ bemerkte ich. „ Aber es kann gut sein, dass er dich anzapft, um dir langsam die Energie zu rauben. Allerdings kann ich das nicht von außen sehen.“
„ Und du kannst nicht in mein Unterbewusstsein vordringen, weil er dadurch erwachen könnte, richtig?“
„ Ich könnte schon, aber ich bin mir nicht sicher, ob du das auch willst. Wenn ich in dein Unterbewusstsein eindringe, dann legst du mir deine geheimsten Gefühle und Bedürfnisse offen. Ich schaue dann praktisch hinter deiner Mauer nach.“
„ Das ist mir egal.“ versicherte er. „ Wenn wir so verhindern können, dass er mich später kontrolliert, dann tu es!“
„ Bist du dir sicher?“
„ Natürlich bin ich mir sicher! Wenn ich nicht verhindern kann, dass er meinen Körper übernimmt, dann haben wir schon jetzt verloren!“
„ Ok.“ trat ich an ihn heran. „ Dann halte jetzt still.“ ich schloss meine Augen und lehnte meine Hand auf seine Brust.
Vollkommen konzentriert achtete ich darauf, dass ich nicht zu viel meiner Aura in seinen Körper schickte. Die Dunkelheit zu reizen, war das letzte was ich gerade wollte. Mein Gegenpart war mir noch immer in vielem voraus, auch wenn ich nicht länger unter seinen Bann stand. Die Atmosphäre, die in ganz Elysia stets allgegenwärtig war, pushte ihn auf, aber mich zog sie runter. Ich klammerte mich sozusagen an die positiven Empfindungen meiner Wirtin, ihre Erinnerungen, die noch immer in meinem Unterbewusstsein herum spuckten. Natürlich halfen mir auch meine neuen Freunde dabei, meine Energie aufzuladen, allerdings war ich dadurch noch lange nicht an der Spitze des Rennens gegen die Zeit. Wenn ich Asariah nun dazu bringen konnte, sich von den Fängen des Bösen zu befreien, dann vermochte ich es vielleicht zu schaffen, meinen Gegner einzuholen. Und ich konnte überprüfen, was mit Lastalia's Genen, also seinen Mächten, geschah. Ob sie in ihm schlummerten, vielleicht sogar hinter einem Siegel verborgen lagen oder ob Chaos sich bereits an ihnen labte. Aus diesem Grund legte ich sein Innerstes offen. In Form eines kleinen, beinahe unscheinbaren Lichtes ergründete ich das, was er vor allen anderen versteckte und dabei musste ich feststellen, dass mein Traum eins zu eins zutraf.
Das Schloss, was sich schon in meiner Illusion als sein Unterbewusstsein entpuppte, war vom Eis überwuchert worden, um genau zu sein, war es sogar noch schlimmer geworden. Die Kälte riss seine Mauern auseinander, durchbrach den Boden oder auch die Decke. Die Scheiben der Fenster waren zerbrochen und ein eisig kalter, fast schon gefrierender Windhauch zischte durch die Gänge. Dieses Bild ließ keine Zweifel zu, Asariah war ein Gefangener seines Untermieters. Aber dessen war ich mir ja schon bewusst.
Schnurstracks folgte ich dem Flur zu einer Tür hin, die direkt zum Thronsaal führte. Ich spürte, dass sich Asariah's Seele hinter diesem Tor befand und ich wusste ebenfalls, dass Chaos nicht weit weg war. Trotzdem betrat ich den Raum, der nebenbei auch in die einzelnen Bereiche seines Unterbewusstseins führte und stand kurz darauf dem Teufel des Todes gegenüber. Dieser saß auf seinem dämonisch aussehenden Thron, mit den Totenköpfen, dem pechschwarzen Gestein und den skelettierten Flügeln auf der Rückseite der Rückenlehne. Aber anders als in den Erzählungen und Bildern des Todes, saß kein Mann vor mir, der weder Fleisch noch Haut besaß. Auch der bekannte schwarze Mantel fehlte ihm. Stattdessen trug er eine schwarze Rüstung, die mit goldenen Verzierungen bestückt war. Auf seinem Brustpanzer, direkt unter seiner Brust, saß ein schimmernder Kristall, der die Form eines Totenkopfes besaß. Seine komplette Panzerung bestand aus einem Material, was durch nichts zerstört oder durchbrochen werden konnte. Seine silbernen Haare glitzerten angesichts des Eises, was ihn gefangen hielt, geheimnisvoll vor sich hin und die faszinierenden goldenen Augen durchdrangen selbst die Kälte seines Käfigs.
Auf seinem Rücken saßen schwarze Flügel, die ebenfalls eine silberne Schattierung aufwiesen. In seiner rechten Hand hielt er eine Sichel fest umschlossen, die sich stark von der oft gezeigten Sichel mit dem Holzgriff unterschied. Die Klinge glänzte ruhig vor sich hin, der Griff aus reinstem Silber, mit den hübsch anzusehenden Kristallen, wirkte weder zerbrechlich, noch splitterte seine Fassade ab. Man konnte also mit Recht behaupten, dass er der moderne Überbringer des Todes war.
In der Mitte des Saales hatte es sich Chaos bequem gemacht. Er schlummerte in einer Mulde, die sich durch seine Dunkelheit in den Boden gefressen hatte. Sie leuchtete in einem Angst einflößenden rötlichen Ton, dessen Flüsse im kompletten Raum zusehen waren. Sie verschlossen die guten Erinnerungen und hatten die Türe zu den schlechten Empfindungen weit aufgerissen. Außerdem führte ein Arm direkt zum Thron hin. Das war auch der einzige Fluss, der sich permanent bewegte. Nämlich immer von Asariah zu Chaos hin. Als ich mich dem Eisklotz näherte, vernahm ich die gedämpfte Stimme des Feindes, es hörte sich beinahe so an, als würde sie sich hinter einer Tür befinden. Aber eigentlich befand sie sich im Eisgefängnis. Er flüsterte dem Ladthaaner immer wieder zu, dass er sterben wollte, dass dies der einzige Weg war, um Chaos aufzuhalten. Er redete ihm ein, dass er von allen gehasst wurde und das er zu dem Abschaum des Universums zählte. Niemand brauchte ihn, keiner mochte ihn, er war völlig auf sich allein gestellt. Sein Verstand hätte dies längst begriffen und nun war es an der Zeit, dass er sein Herz auch davon überzeugte. Er solle die, die er liebte, von sich stoßen. Schließlich wurde man allein geboren und würde genauso einsam wieder sterben. Asariah sollte endlich das Richtige tun, damit er in Ruhe aus dem Leben scheiden konnte.
Der Teufel ließ sich von ihm einlullen, was das Gefängnis bewies, in dem er hockte, allerdings war er ebenfalls dabei, aus seiner Trance zu erwachen. Denn die dicke Eisschicht hatte bereits tiefe Risse bekommen.
Nun war es also amtlich. Chaos war wirklich schon dabei, seine Seele mit in den Abgrund zu zerren.
Allerdings gab es auch gute Nachrichten. Asariah schien sich endlich aus seiner Gefangenschaft befreien zu wollen und zudem kam noch, dass Chaos absolut keine Ahnung davon hatte, in wen er der eigentlich gerade schlief.
Es gab bloß eine einzige Tür, die für den Untermieter uninteressant war. Dieser Bereich wies weder rote Flüsse auf, noch war das Tor auf irgendeine Art beschädigt worden. Zugegeben, von Außen sah sie wirklich unscheinbar und unwichtig aus. Aber im inneren schlummerte die Ultimative Waffe. Es war der Weg, der zu Lastalia führte. Im Gegensatz zu Chaos konnte ich hinter das Siegel sehen und was ich da sah, war ein Zimmer voller Energie, die nur darauf wartete, von der Leine gelassen zu werden.
Bevor mich Chaos doch noch bemerkte, verließ ich den Körper meines Gegenübers und öffnete meine Augen.
„ Und?“ sah mich Asariah fragend an. „ Was konntest du sehen?“
„ Das du ein gutaussehender Bote des Todes bist.“ lächelte ich leicht.
„ Ist das alles?“ verfinsterte sich sein Blick kurz.
„ Nein, natürlich nicht.“ sah ich zu ihm auf. „ Ich konnte ebenfalls sehen, dass Chaos bereits dabei ist, sich deine Seele unter den Nagel zu reißen. Allerdings sah ich ebenso, dass du dich von ihm befreien willst.“
„ Also ist es wirklich nicht mein Wunsch, mit ihm unterzugehen?“ wich er einen Schritt zurück. „ Wie kann ich mich von ihm befreien? Was muss ich tun, um den Bann zu brechen?“
„ Du musst aufwachen, Asariah.“ meinte ich. „ Nur wenn du erkennst, was du wirklich willst, wirst du dem Fluch entkommen, der dich gefangen hält.“
„ Aber was will ich denn wirklich? Wie soll ich das herausfinden können, wenn er mich negativ beeinflusst?“
„ Chaos kann bloß deine Gegenwart und Zukunft steuern, nicht aber deine Vergangenheit. Du musst dich an die Wünsche erinnern, die du vor der Begegnung mit ihm verspürt hast. Ich glaube nicht, dass du damals schon sterben wolltest oder dass du dir eine Zukunft ohne Aries, Chiara oder Serah vorstellen konntest. Ich gehe auch nicht davon aus, dass dir niemals klar war, wie wichtig die Rolle des Todes ist. Ich glaube dir, dass du an manchen Todesfällen verzweifelt bist. Sie brachten dich dazu, dass hassen zu wollen, was dich ausmacht. Die ganzen Anfeindungen haben dich innerlich zerrissen, aber sie haben dich auch stark gemacht. Du bist nicht der Typ, der sich hinter einer Mauer versteckt und darauf wartet, dass alles bald ein Ende hat. Du hast mir gezeigt, dass du ein Kämpfer bist. Jemand der nach einem Niederschlag wieder aufsteht und sich dem Sturm entgegen stellt. Dein altes ich ist noch immer da drin...“ drückte ich meinen Zeigefinger auf seine Brust. „ .. und wartet darauf, dass du dich selbst befreist.“ lächelte ich ihn an. „ Du kannst das schaffen, das weiß ich, das wissen alle anderen und nun ist es an der Zeit, dass du das auch begreifst.“
„ Aber wie?“
„ Sophia, ist das nicht die Göttin der Wünsche? Vielleicht solltest du ihr mal einen Besuch abstatten. Wenn sie dich nicht an deine alten Wünsche und Träume erinnern kann, dann schafft es wohl niemand.“
„ Du hast Recht.“ stimmte er mir nach einer künstlerischen Pause zu. „ Solange ich weg bin, bleibt ihr hier.“ wandte er sich dann ab und verschwand plötzlich.

Sein Weg führte ihn zugleich ins Land der Träume, wo sich seine Schwester mit dem Gott der Träume häuslich einrichtete.
Das Reich befand sich auf einer flauschigen Wolkendecke, ähnlich wie es bei Kythos der Fall war. Überall erblickte man kleine Traumfeen, die fröhlich lachend durch die Gegend flogen. Wundersame und traumhafte Blumen und Tiere zierten die Landschaft und am Horizont erblickte man die beiden Schlösser der Gottheiten.
Asariah peilte sofort das Zuhause seiner Schwester an. Er marschierte an bunte Einhörner vorbei, die von kleinen Mädchen in ihren Träumen erfunden wurden. Der ein oder andere Roboter kreuzte seinen Weg und natürlich durfte das Geräusch von Glocken in der Ferne auch nicht fehlen. Dann betrat er die Wolkenbrücke, die zu dem prunkvollen Schloss führte.
Sophia stand bereits vor den Palasttoren und lächelte ihren Bruder warm an.
Die Göttin war ungemein hübsch, hatte langes blondes Haar, was ihr in zarten Korkenzieherlöckchen sanft über die Schulter fiel. Ihre Augen waren Opal-blau, ihre Lippen sinnlich und ihr Körperbau zum dahin schmelzen. Ihr langes weißes Kleid betonte ihre Kurven und schmiegte sich perfekt an ihren Körper.
„ Asariah!“ ging sie auf ihn zu und umarmte den Herrn glücklich. „ Ich freue mich, dich gesund und munter wiederzusehen.“ ließ sie ihre Fingerspitzen durch sein schwarzes Haar gleiten, ehe sie leicht betrübt in seine blauen Augen sah. „ Du verleugnest noch immer, wer du wirklich bist.“ flüsterte sie. „ Also hast du dich noch nicht befreien können.“
„ Deshalb bin ich hier.“ erklärte er.
„ Und wie sollte ich dir dabei helfen können, dich von Chaos zu befreien?“
„ Indem du mir meine alten Wünsche zeigst. Irgendeiner muss doch dabei sein, der mich wachrütteln kann.“
„ Ein Hoffnungsschimmer.“ lächelte sie glücklich auf. „ Du hast erkannt, dass dich nicht dein eigener Wille voran treibt.“ drehte sie sich von ihm weg. „ Komm mit mir, ich werde dir zeigen, was dein Herz begehrte.“
„ Ich finde es noch immer beunruhigend, dass du so viel von mir weißt.“ folgte er ihr murmelnd.
„ Wie geht es Mum und Dad?“ lenkte sie geschickt vom Thema ab. „ Und was macht unser Nesthäkchen?“
„ Serah geht es gut.“
„ Natürlich geht es ihr gut, schließlich passt du auf sie auf.“ bemerkte sie, als die beiden durch den prachtvollen Flur schlenderten.
An den Wänden befanden sich hübsche Marmorstatuen, die allesamt mit viel liebe zum Detail angefertigt wurden. Von der Decke hingen Kristallkronleuchter herab, die ruhig vor sich hin glimmten und ein leises Liedchen klimperten, ähnlich wie bei einem Windspiel.
Dann standen sie irgendwann vor einer riesigen Tür, die in den magischen Teil dieses Schlosses führte.
Als sie den nächsten Flur betraten, verließen sie die edlen Bodenplatten und liefen über einen Wolken gleichen Boden hinweg. Unzählige Türe breiteten sich vor ihnen aus, jede dieser Pforten führte in einen anderen Wunschraum.
Irgendwann standen sie dann vor dem Zimmer, wo sich Asariah's Wünsche befanden, dieser aber, interessierte sich gerade sichtlich für einen anderen Raum.
„ Hier lagern Chiara's Träume, ja?“ las er den Namen, der neben der Tür auf einem Schild geschrieben stand.
„ Ja, aber diese Wünsche gehen dich nichts an. Du würdest doch auch nicht wollen, dass sie sich in deiner Wunschwelt herum treibt, oder?“ sah sie zu ihm hin. „ Hier lagern deine Wünsche.“ deutete sie ihm an, ihr weiterhin zu folgen.
„ Schade...“ ging er ihr zögernd nach.
In diesen Sälen befanden sich alle Wünsche, die man jemals hegte. Ganz gleich wie alt man da war oder wie unwichtig dieser Wunsch für einen mit der Zeit wurde. Es spielte keine Rolle. Jeder noch so kleine Schein hatte seine Bedeutung, jedes Leuchten ein Ziel. Nur weil sich die Interessen oder die Ziele änderten, waren die Wüsche nicht weniger wert. Man behielt sie im Herzen, ja, sie begleiteten uns sogar das ganze Leben lang. Sie verschwanden nicht, nur weil man sich nicht mehr an sie erinnern konnte.
Asariah's Wünsche befanden sich in Schatullen, die in zahlreichen Regalen lagerten und von innen mit der feinsten Seide ausgepolstert waren. Sie besaßen das Aussehen von schimmernden Seifenblasen, die bei der kleinsten Berührung zu zerplatzen drohten.
Der gesamte Saal war mit Regalen und diversen Schatullen zugepflastert.
„ Sind das wirklich alles meine Wünsche? Sicher, dass sich hier nicht noch wer anderes breit gemacht hat?“ sah er sich erstaunt um.
„ Die gehören alle dir. Ich sammele sie bereits, seit du ein kleiner Junge warst.“
„ Und was habe ich mir damals alles gewünscht? Autos, Spielfiguren oder doch das Skateboard?“
„ Siehe es dir doch an.“ deutete sie auf den Bereich hin, wo die Träume der Kindheit lagen.
„ Mh.“ schielte er sie kurz an, ehe er zu dem besagten Regal hin schlenderte.
„ Ich wünsche mir ein Auto, mit dem ich durch die Lüfte fliegen kann!“ ertönte die Stimme eines kleinen Jungen, als er die Seifenblase vorsichtig berührte.
„ Wusste ich es doch.“ murmelte er.
„ Ich wünsche mir, dass wir für immer beste Freunde bleiben!“ erklärte eine andere Blase. „ Ich wünschte, ich wäre eine Götterkatze!“ besagte die nächste. „ Ich wünschte, ich würde mich nicht so einsam fühlen.“ vernahm er die traurige Stimme des Jungen. „ Ich wünschte, die anderen Kinder hätten keine Angst vor mir und würden mit mir spielen. Ich tu ihnen doch nichts.“ flüsterte das Kind. „ Ich wünschte, Sophia würde hier bleiben! Sie soll nicht gehen! Was will sie überhaupt in dieser Traumwelt? Hier ist es doch viel schöner!“ maulte das Kid. „ Ich wünsche mir, dass die Seelendiebe niemals aussterben! Wenn sie weg sind, habe ich doch keine rechte Hand mehr.“
Bei dem letzten Wunsch musste er unweigerlich anfangen zu schmunzeln. Er erinnerte sich daran, damals hatte man ihn erzählt, dass die Seelendiebe seit je her die rechten Hände der Königsfamilie waren. Da er aber da noch nicht verstand, was mit rechter Hand gemeint war, ging er wirklich davon aus, dass man seine rechte Hand verlor, wenn die Seelendiebe von der Bildfläche verschwanden.
„ Du hattest wahnsinnige angst davor die zu verlieren, die dir nahe standen. Deshalb hast du damals so einen Aufstand veranstaltet, als ich ging. Du hast nicht verstanden, dass ich trotzdem immer für dich da bin.“ erklärte Sophia. „ Das änderte sich erst, als Serah geboren wurde und du somit die Rolle des großen Bruders einnahmst. Du hast geschworen, sie immer und vor allen zu beschützen.“
„ Ja, weil sie die Göttin der Reinheit ist und kein schmieriger Typ diese Reinheit beschmutzen sollte. Ich habe die Furcht, die sie mir entgegenbrachten, für mich genutzt, damit sie auf jeden Fall die Finger von Serah ließen.“ flüsterte er. „ Sie war der Lichtblick, nach dem ich gesucht habe. Ihr Lächeln ließ selbst die Sonne erblassen, Serah hat meinen Leben erst wieder einen Sinn gegeben.“
„ Nun willst du sie wirklich ins Unglück stürzen, in dem du stirbst?“ hakte die Göttin nach. „ Und was ist mit Aries und Chiara? Auch sie wichen dir niemals von der Seite und auch jetzt, wo du ihnen deine Gleichgültigkeit versicherst, sind sie immer noch bei dir.“
Schweigend sah er auf die Zone, die die Wünsche aus dem Zeitalter seiner Pubertät beherbergten. Ein beklemmendes Gefühl machte sich in seiner Brust breit, schließlich konnte er sich noch zu gut daran erinnern, was er sich zu dieser Zeit am meisten gewünscht hatte.
„ Ich wünschte, ich könnte dir sagen, was ich für dich empfinde.“ aktivierte er eine Kugel. „ Ich wünschte, wir hätten eine gemeinsame Zukunft!“ „ Ich wünschte, du würdest meine Gefühle erwidern.“ berührte er zwei weitere Seifenblasen. „ Selbst wenn mein Herz daran zerbricht, ich wünsche mir, dass du glücklich wirst.“ alle diese Wünsche drehten sich um das Kätzchen, natürlich wusste er das. „ Die Zeit soll stehen bleiben, damit dieser Moment niemals vorbei geht!“ ein Wunsch seines Herzens.
Auch hier bat er in manchen Erinnerungen um Akzeptanz und Verständnis für seine Position. Erst im Erwachsenenalter verschwanden diese Wünsche. Er hatte seine Seelenverwandten gefunden und diese Personen reichten vollkommen aus, um ihn glücklich zu machen. Mehr brauchte er im Leben nicht. Ganz gleich wie viele Kugeln er auch aktivierte, nicht in einer Sprach er mehr davon, dass er sterben wollte. Ganz im Gegenteil sogar, denn er träumte von der Zukunft. Seine Zukunft! Er wollte das Kätzchen an sich binden, mit ihr eine Familie gründen und sie nie wieder gehen lassen. Sie sollte ihn heiraten, ihm versichern, dass sie ihn bis in alle Ewigkeit lieben würde, aber vor allem, sollte sie sich niemals von ihm entfernen.
Ebenso wusste er, dass es zwischen Aries und Serah gefunkt hatte, dass hatte er nicht erst in den vergangenen Tagen herausgefunden. Er hatte bloß nie etwas gesagt, weil er seinen besten Freund auf die Probe gestellt hatte. Aber letztendlich wünschte er sich nichts sehnlicher, für seine Schwester, als dass sie ihr ewiges Glück fand! Asariah hatte seinen Kumpel als Serah's Freund längst akzeptiert, nur hatte er ihm dies nie gesagt.
Als er sich mit Chaos einließ, tat er das auch nicht, um mit ihm unterzugehen! Nein, er tat es, damit er wusste wo sich der Feind befand! Weil sich der Ladthaaner sicher war, dass sein Wille stärker war, als der seines Untermieters! Es war nie davon die Rede, dass er sich für seine Ziele opferte. Nein, er wollte bloß verhindern, dass dieser Mistkerl plötzlich und aus heiterem Himmel eines Tages bei ihnen aufschlug und seinen Plan von damals vollendete. Er sorgte sich um seine Familie, deshalb ließ er sich auf ihn ein!
Völlig schockiert starrte er das Regal vor sich an, während der Schleier, der sich um seine Erinnerungen an den Pakt gelegt hatte, verschwand. Zeitgleich kehrte sein Kampfgeist zu ihm zurück und mit ihm sein Wille zu Leben. Seine Seele erwachte aus der Starre, das Leuchten seiner Augen fand zu seinem Besitzer zurück und dann geschah, womit Chaos wohl niemals gerechnet hatte: Seine Hand begann sich unter dem Eis zu bewegen!
Ein heller Schein umgab seinen Körper, der selbst Sophia blendete, so dass sie sich die Arme schützend vor die Augen lehnte. Seine Glieder pochten, der Kopf schmerzte, ihm überkam das Gefühl, als würde man ihm die Luft abschnüren. Ganz so, als wäre er unter einer Tonne Schutt vergraben, die ihn daran hinderte, dass er sich frei bewegen oder überhaupt atmen konnte. Doch irgendwann kam der Moment, in dem man sich von seinen Ketten befreien musste und genau dieser Augenblick war bei Asariah nun gekommen!
Mit einem Schmerz verzehrten Gesichtsausdruck, der seine Qualen bezeugte, sank er auf die Knie, während er sich den Kopf hielt und dabei weiter auf seine Wünsche starrte. Er wollte sich daran erinnern, was er sich wirklich im Leben wünschte und das war nicht der Tod! Asariah sammelte jegliche Energie, die ihm gerade zur Verfügung stand und dann zerbrach er damit das Eis, was seine Seele umschlossen hielt. Der Ladthaaner befreite sich mit einem Kampfschrei von der Kälte und jagte zudem noch seine Sichel, die sich in ein Schwert verwandelt hatte, in den Fluss, der Chaos mit den negativen Emotionen fütterte.
Als das Licht verschwand, hockte der Teufel völlig außer Atem auf dem Boden und das in seiner wahren Gestalt.
„ Du hast es geschafft...“ schossen Sophia die Tränen in die Augen. „ Du hast dich aus seinem Bann befreien können.“ eilte sie zu ihm hin, um sich neben ihn auf die Knie fallen zu lassen und ihn besorgt zu mustern. „ Bist du in Ordnung?“
„ Jetzt wieder, ja.“ keuchte er. „ Danke.“
„ Nein, mir musst du nicht danken. Es waren deine eigenen Wünsche, die dich wachrüttelten, nicht meine.“
„ Aber nur durch euch, fand ich die Kraft um mich von den Ketten zu befreien.“ erhob er sich wieder. „ Also danke.“
„ Du musst mir immer noch nicht danken. Aber Aries, Serah und allen anderen solltest du danken. Sie haben dir den Kopf gewaschen.“
„ Das mach ich auch noch. Aber erst, muss ich mich um was anderes kümmern.“ lächelte er sie an. „ Wie sehen uns bald wieder, Schwesterchen.“ verschwand er vor ihren Augen.
„ Dabei dachte ich immer, dass ich die ältere von uns beiden bin, Brüderchen.“ lächelte sie ebenfalls verweint auf.

Asariah kehrte nach Elysia zurück. Genaugenommen stand er auf einem menschenleeren Feld.
„ Eure Dienste werden nicht länger gebraucht, Seelensammler dieser und jener Zeit! Ich kappe das Seil, was euch mit mir verbindet und beraube euch so euren Aufgaben und Kräften. Ab jetzt kümmere ich mich wieder um alles!“ ließ er die unzähligen Verbindungen erscheinen, die ihn mit den Sammlern verbanden. „ Ich bin zurück!“ grinste er schief auf, ehe er alle Lichter mit nur einem Streich zerschnitt.
„ Was...?“ riss Cheria ihre Augen auf.
„ Was ist?“ wollte Chiara von ihr wissen, die beiden saßen noch immer an dem Frühstückstisch.
„ Ich konnte Asariah's Stimme hören!!“ sprang sie plötzlich auf. „ Er hat die Verbindung zu mir gekappt! Chiara! Er ist wieder da!!“
„ Was?“ riss sie nun auch erstaunt die Augen auf. „ Wie er ist wieder da?“ erhob sie sich ebenfalls.
„ Der Teufel des Todes ist zurückgekehrt!!“
„ Unmöglich.“ verharrte sie in ihrer Bewegung und riss dabei die Augen immer weiter auf.
Aus heiterem Himmel stürmte sie just wenige Sekunden später an dem Tisch vorbei und raste aus dem Speisesaal heraus.
„ Hey, warte auf mich!“ eilte die Priesterin hinterher.
„ Ich werde Serah und Aries Bescheid sagen, warte du hier!“ erklärte das Kätzchen, ehe es weiter raste.
„ Ok.“ nickte die Heilerin.
Als Chiara an dem Zimmer des Pärchens ankam, riss sie ohne zu zögern die Türe auf und erstürmte das Zimmer.
Aries, der seine Freundin gerade lächelnd an sich gedrückt hatte, wurde von dieser erschrocken weg stoßen, so dass der Herr unschöne Bekanntschaft mit dem Teppichboden schloss.
„ Chiara, sag mal spinnst du?!?!“ herrschte Serah ihre Freundin gleich an. „ Du kannst hier doch nicht einfach herein gestürmt kommen, hast du denn noch nichts von Anklopfen gehört?“
„ Au...“ seufzte der Seelendieb verhalten auf.
„ Wir haben für so etwas gerade keine Zeit! Kommt schnell mit, es ist etwas mit Asariah geschehen!“
„ Mit Asariah? Was ist denn mit ihm? Ist er verletzt worden?“
„ Oder ist Chaos erwacht?“ starrten die beiden das Kätzchen entsetzt an.
„ Kommt mit, dann werdet ihr es erfahren!“
Wie von der Tarantel gestochen preschten sie aus dem Zimmer heraus und kehrten zu Cheria zurück, die ungeduldig im Eingangsbereich wartete.
Asariah hatte zur gleichen Zeit seine teuflische Gestalt angenommen, die als Bote des Todes bekannt war und ließ vor der Monsterarbeit seine Knochen knacken.
„ Dann wollen wir mal.“ griff er nach der Sichel, die im Boden steckte.
Elegant wirbelte er seine Waffe vor sich und um seinen Körper herum, während er mit der anderen Hand ein Symbol in die Luft zeichnete. Der goldene Schein, der von seinen Fingern ausging, ersetzte dabei die Farbe und bald schon leuchtete das Zeichen in seiner vollen Pracht auf. Kurz darauf zerschnitt er sein Gemälde mit der Klinge und rief so eine bombastische Säule auf den Plan. Diese Säule aus reinem Licht schlug ein wie eine Bombe, sie durchbrach die Wolkendecke und schien den Himmel auseinander zu reißen.
Der Schein bahnte sich seinen Weg direkt ins Schloss der Götter, um genau zu sein, endete seine Reise in der Halle des Lebens, jener Saal, der die Seelenvase beherbergte. Dieses Gefäß diente den Seelen als Zufluchtsort. Jegliche Seelensammler schickten ihre Beute genau dorthin.
Risa befand sich auch gerade in diesem Raum, als Asariah's Attacke die Vase zum Zerbersten brachte. Der Spiegel über dem Altar leuchtete ebenfalls auf und öffnete dann für die rastlosen Seelen seine Pforten. Sämtliche Geister, die durch das Zerspringen der Vase befreit wurden, gelangten über dem Fluss des Lebens, dem Spiegel, ins Paradies.
Risa traute ihren Augen kaum, als auch das letzte Lichtlein verschwand und der Spiegel wieder zu einem Spiegel mutierte. Dass die Verstorbenen ins Paradies ziehen konnten, ließ nur einen Schluss zu: Asariah kümmerte sich wieder selbst um seine Aufgaben!
Ein erleichtertes Lächeln machte sich auf ihren Lippen breit. Endlich war das verirrte Schäfchen zu ihnen zurückgekehrt. Nun mussten sie sich nur noch überlegen, was mit Chaos geschehen sollte.
Als die Gruppe bei dem Ladthaaner ankam, war er gerade dabei alle Seelen aus Elysia zu sich her zu rufen. Anders als die Seelensammler musste er nicht bei den Verstorbenen in der Nähe stehen, damit sie die Seelen rufen und weg bringen konnten. Seine Anwesenheit und ein kleiner Strudel unter seinen Füßen reichte vollkommen aus, um die Geister dieser Welt zu sich her zu rufen. Erst als alle bei ihm angekommen waren, schickte er die Meute mithilfe seiner Himmelssäule kürzesten Weges direkt ins Paradies. Danach steckte er seine Sense weg und nahm wieder seine menschliche Gestalt an. Dieses Mal aber, blieben ihm die silbernen Haare und goldenen Augen erhalten. Er versteckte sich nicht länger hinter seiner Mauer. Asariah fand zu seiner alten Stärke zurück und war entschlossener denn je, Chaos für alles was er tat büßen zu lassen und dass nicht, mit dem Ladthaaner als zusätzliches Opfer.
Mit einem Lächeln, was seine Erleichterung bezeugte, drehte er sich zu der Gruppe und und stutzte kurz.
„ Wo kommt ihr denn her?“ hakte er verblüfft nach.
„ Asariah...“ flüsterte Serah und starrte ihren Bruder dabei mit Tränen gefüllten Augen an. „ Bist du wieder... du selbst?“
„ Mhm.“ lächelte er sie warm an. „ Du brauchst dir keine Sorgen mehr um mich zu machen, Serah. Ich habe nicht vor, mich für diesen Bastard zu opfern. Wir werden Chaos besiegen, auch wenn ich dabei nicht sterben werde.“
„ Asariah!“ fiel sie dem Herrn um den Hals, der auch gleich die Arme um ihren Körper schlang.
„ Es tut mir so leid, Schwesterchen.“ flüsterte er. „ Ich habe furchtbare Dinge zu dir gesagt, die ich niemals wieder gut machen kann.“ strich er ihr eine Träne weg. „ Ich war ein Idiot, der deine Zuneigung gar nicht verdient hat, trotzdem hoffe ich, dass du weiter bei mir bleibst. Du hast meinem Leben erst einen Sinn verliehen, ich kann dieses Licht nicht einfach wieder gehen lassen. Deshalb versprich mir, dass du an meiner Seite bleiben wirst.“
„ Ich verspreche es!“ schlang sie ihre Arme stürmisch um seinen Hals. „ Du kannst nichts für das, was du unter Chaos Einfluss von dir geben hast! Da warst du nicht du selbst, deshalb darfst du dir deswegen keine Vorwürfe machen. Ich habe dir schon längst verziehen.“
„ Und was ist mit dir, Aries?“ sah er seinen Kumpel an. „ Kannst du mir auch verzeihen?“
„ Was glaubst du denn?“ kam er ihm mit einer Gegenfrage, während er ihn schief angrinste und die Arme vor der Brust verschränkte. „ Ich wäre kaum hier, wenn ich dir das alles übel nehmen würde, oder?“
„ Nun, wenn das so ist, kann ich dir vielleicht auch verzeihen, dass du dich an Serah vergangen hast.“
„ Du weißt es?“ riss nicht nur der Seelendieb die Augen erstaunt auf.
„ Ich stand vielleicht unter Chaos Bann, aber deshalb war ich noch lange nicht blind.“ entgegnete er. „ Außerdem kann es auffälliger gar nichts sein.“ deutete er auf die klitschnassen Haare des Pärchens hin. „ Aber lass dir eines gesagt sein, solltest du sie auch nur ansatzweise verletzen, dann werde ich dir persönlich den Arsch aufreißen, verstanden?“
„ Ich habe nicht vor sie zu verletzen, keine Sorge. Ich werde mindestens genauso gut auf sie achten, wie du.“
„ Mit weniger wäre ich auch nicht zufrieden.“
Doch als er zu Chiara rüber sah, wandte sich diese von ihm ab und schlenderte zurück zur Stadt hin.
„ Chiara warte.“ ließ er von seiner Schwester ab, um ihr schnell nachzueilen.
„ Worauf?“ drehte sie sich halb zu ihm um. „ Ich freue mich darüber, dass du wieder der Alte bist, wirklich... aber...“ senkte sie kurz die Augen. „ … ich weiß nicht, ob ich wie die anderen so tun kann, als wenn nichts gewesen wäre.“ erklärte sie ihm. „ Mir ist schon klar, dass du letztendlich nichts für das kannst, was uns Chaos in deinem Namen weiß machen wollte. Allerdings muss ich, wenn ich dich ansehe, immer daran denken, wie du nicht nur Serah das Herz zerfetzt hast. Du hast uns durch die Hölle gehen lassen, dass kann ich nicht einfach mit einem Lächeln abtun. Es tut mir leid, aber das kann ich nicht.“ ließ sie von ihm ab und ging weiter.
Doch so schnell konnte er sich nicht abwimmeln lassen. Nicht so lange er den Mut verspürte, ihr endlich alles gestehen zu können. Er musste diese Chance einfach ergreifen und das bevor sie wieder im Nichts verschwand. Aus diesem Grund griff er nach ihrer Hand und zerrte sie ruckartig zu sich zurück. Noch bevor sie in irgendeiner Art darauf reagieren konnte, hatte er seinen Arm um ihre Hüfte geschlungen, ihr Kinn angehoben und seine Lippen zärtlich auf ihre gedrückt. Mit weit aufgerissenen Augen stand sie einfach nur da und wagte es kaum, auch nur zu atmen. Bisher hatte er sie nie in der Öffentlichkeit überfallen, damit keiner erfuhr, was eigentlich schon jeder wusste.
„ Kannst du mir auch nicht verzeihen, wenn ich dir versichere, dass ich jede einzelne meiner Taten bereue? Wenn ich dir verspreche, dass so was nie wieder vorkommen wird?“ wollte er von ihr wissen. „ Wenn ich dir sage, dass ich dich schon seit einer Ewigkeit abgöttisch liebe? Und dieses mal, bin ich wieder besoffen noch musst du so tun, als würdest du schlafen. Ich will meine Gefühle nicht länger vor dir verbergen, ich will der Mann sein, der dich glücklich macht. Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als mit dir unsere Zukunft planen zu dürfen. Bitte verwehre mir diesen Wunsch nicht.“
„ …“ senkte sie schweigsam die Augen.
„ Chiara.“ lehnte er seine Hände an ihre Wangen und brachte sie so dazu, ihn wieder anzusehen. „ Gib mir eine Chance, du hast mir doch schon gesagt, dass du mich auch liebst, also hast du nichts zu verlieren, du kannst nur gewinnen.“ lächelte er sie sanft an. „ Und nun lass mich nicht länger betteln, das ganze ist schon peinlich genug.“ deutete er mit seinem Kopf zu den Schaulustigen hin.
„ Das ist deine einzige und letzte Chance, versaue es dieses Mal nicht.“ murmelte sie leicht gerötet.
„ Das werde ich nicht, versprochen!“ drückte er sie erleichtert an sich.
„ Das nenne ich mal ein happy End.“ grinste Aries schwach auf.
„ Mhm, dann sollte ich jetzt wohl mal um meins kämpfen, hu?“ wendete sich Cheria von den glücklichen Pärchen ab. >Ich muss mit Lyrias reden. Wenn ich die Dinge auf sich beruhen lasse, werde ich ihn garantiert verlieren. Das darf nicht geschehen, wenn er wirklich gehen muss, dann soll er zu mindestens wissen, dass er mir nie egal war.<
„ Wird sie es verkraften?“ sah ihr Aries hinterher.
„ Sicher. Inzwischen hat sie nämlich erkannt, dass sie Lyrias liebt und nicht Asariah.“ erklärte Serah.
„ Da hat sie ja richtig Schwein gehabt, dass er noch hier ist.“
„ Wo sollte er denn sonst sein?“ hakte die Göttin nach. „ Weißt du etwa, wer diese Amelié war?“
„ Amelié? Ich kenne keine Amelié.“
„ Na die Frau, die heute Morgen bei Lyrias war.“
„ Ach die.“ nickte er. „ Entschuldige, sie hatte sich mir nicht mit Namen vorgestellt.“
„ Du weißt also wirklich, wer sie war, beziehungsweise was sie von Lyrias wollte?“
„ Schon möglich.“ grinste er sie frech an. „ Aber ich denke nicht, dass er es gut findet, wenn ich sein kleines Geheimnis lüfte.“
„ Du meinst das Geheimnis seiner Herkunft?“ mischte sich Asariah ein.
„ Du weißt es auch?“ starrte er ihn verblüfft an.
„ Natürlich, ich kann seine Lebenslinie sehen und die ist definitiv nicht menschlich.“ erklärte er.
„ Was denn? Ist er etwa kein Elysianer?“ wollten die Damen zeitgleich wissen.
„ Nein, ist er nicht.“
„ Und warum habt ihr uns das nicht gesagt?“ starrte Serah erst ihren Freund und dann ihren Bruder vorwurfsvoll an.
„ Ich wusste nicht, dass das so wichtig für dich ist.“ konterte der Teufel des Todes. „ Ist es nicht egal wo er herkommt? Wir kämpfen für das gleiche Ziel, alles andere ist nebensächlich und uninteressant.“
„ Aber wenn er kein Mensch ist, was ist er dann?“ stellte sich Chiara auf die Seite ihrer Freundin.
„ Jedenfalls kein Teufel oder Gott.“ griente der Seelendieb frech vor sich hin.
„ Ach ihr seid beide doof.“ murrte die Göttin.
„ Aber so was von.“ stimmte ihr das Kätzchen zu.

Zur gleichen Zeit war Cheria im Katzenkörbchen angekommen und suchte dort nach Lyrias. Im Speisesaal traf sie ihn nicht an, also versuchte sie ihr Glück in seinem Zimmer.
„ Lyrias?“ öffnete sie die Tür und linste in den Raum.
Tatsächlich befand sich der Herr in seinem Schlafgemach. Er stand mit verschränkten Armen vor dem Fenster und starrte betrübt vor sich hin. Die Dame bemerkte er erst, als sie schon neben ihm stand und ihn besorgt musterte.
„ Cheria?“ wich er erschrocken seitlich aus. „ Man, hast du mich erschreckt.“
„ Was ist los mit dir, Lyrias?“
„ Was soll denn los sein?“ hakte er verblüfft nach.
„ Nun tu doch nicht so, als wenn nichts wäre! Ich sehe doch, dass dich etwas beschäftigt!“
„ Natürlich beschäftigt mich etwas! Schließlich laufen wir mit Chaos höchstpersönlich durch die Gegend. Ständig wird irgendwer schwer verletzt oder es tauchen Dämonen auf, die schier unbesiegbar wirken!“ meinte er. „ Entschuldige bitte, dass mich das ganze nicht kalt lässt.“
„ Du lügst.“ verschränkte sie die Arme vor der Brust. „ Deine Probleme hängen mit dieser Amelié zusammen, davon bin ich überzeugt. Hat sie dich mit irgendwas in der Hand oder erpresst sie dich gar? Sag mir doch, was dich quält.“
„ Plötzlich interessiert es dich also, was mich quält, hu?“ setzte er eine kalte Maske auf. „ Aber als du die Quelle allen Übels warst, da war es dir egal, ob du mich mit deinem Verhalten quälst oder halt nicht.“
„ Ich war eine furchtbare Freundin, dass ist mir jetzt klar geworden...“ senkte sie kurz die Augen. „ Aber ich wollte dich niemals quälen! Ich war bloß zu blind, um zu bemerken was in dir vorging! Es tut mir leid, Lyrias! Wirklich!“ ging sie einen Schritt auf ihn zu. „ Ich war ein Idiot, weil ich deine Freundschaft für selbstverständlich hielt und nicht das Besondere erkannte, was uns umgab. Du hast so viel für mich getan und mir so viel gegeben und ich, ich gab dir nichts zurück. Ich weiß das...“ wandte sie den Blick von ihm ab und starrte aus dem Fenster. „ ... aber ich will dich nicht verlieren. Vielleicht bin ich in den Augen der meisten eine begriffsstutzige Egoistin, vielleicht trifft das sogar zu. Jedoch ändert das nichts an der Tatsache, dass mir deine Freundschaft unheimlich viel bedeutet. Ich...“
„ Halt den Mund!“ unterbrach er sie fluchend. „ Es ist zu spät! Deine Einsicht kommt zu spät! Es gibt kein zurück mehr.“
„ Aber warum? Warum willst du mich plötzlich von jetzt auf gleich aus deinem Leben streichen? Sag mir wieso!?“
„ Ich habe meine Gründe!“ maulte er.
„ Dann erkläre sie mir! Wenn ich dich nicht verstehen kann, dann kann ich die Trennung auch nicht akzeptieren! Also sag mir warum!“
„ Ich muss dir überhaupt nichts erklären und mich schon gar nicht vor dir rechtfertigen! Warum kannst du mich nicht einfach in Ruhe lassen und meinen Entschluss akzeptieren? Warum gehst du nicht Asariah weiter auf den Sack und lässt mich dafür ein für alle Male in ruhe!?“
„ WEIL ICH DICH LIEBE UND NICHT ASARIAH!!“ fauchte sie ihn an. „ Deshalb musst du mir erklären, warum mein Herz dich vergessen soll.“
„ ...“ starrte er sie mit weit aufgerissenen Augen sprachlos an. „ Warum erzählst du mir das...?“ strich er sich gequält durchs Haar. „ Ich will das nicht hören, ich darf das nicht hören.“ wich er erneut vor ihr zurück. „ Mach es mir doch nicht noch schwerer... du wirst mich noch völlig zerstören...“
„ Ich will dich doch gar nicht zerstören! Ich will dich endlich erlösen, dich für die zehn Jahre entlohnen, die du an meiner Seite verbracht hast. Ich will dich glücklich machen, Lyrias!“
„ Hör bitte auf, ich will nichts mehr davon hören...“ flehte er sie regelrecht an. „ Wir haben keine gemeinsame Zukunft, für uns gibt es kein happy End. Also halt den Mund, Cheria. Bitte, rede nicht weiter.“
„ Warum verschließt du dich vor mir?“ fragte sie leise nach. „ Was hat sich zwischen uns so plötzlich geändert, dass du mir nichts mehr anvertrauen kannst? Es ist mir egal, was in deiner Vergangenheit schief gelaufen ist, du bist und bleibst mein bester Freund. Selbst wenn uns Welten trennen würden, würde ich einen Weg finden, um dich erreichen zu können! Nur weil ich meine wahren Gefühle nicht erkennen konnte, heißt das doch noch lange nicht, dass du mir nichts bedeutest. Bitte sag mir doch, was dich beschäftigt! Gemeinsam werden wir eine Lösung finden, Lyrias!“
„ Es gibt kein uns mehr, Cheria.“ gab er mit einer ausdruckslosen Stimme von sich. „ Der Tag an dem ich dich für immer verlassen muss, rückt immer näher. Es liegt nicht in meiner Macht, das Unvermeidliche abzuwenden. Es ist für uns beide das beste, wenn wir uns gefühlsmäßig voneinander entfernen. Es tut mir leid, aber du musst mich vergessen. Mehr habe ich dir nicht zu sagen.“
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Re: Diehieee Geschichte

Beitrag von Alexia am Fr 7 Jul - 0:16

Kapitel 16. Akemi


„ Es gibt kein uns mehr, Cheria.“ gab Lyrias mit einer ausdruckslosen Stimme von sich. „ Der Tag an dem ich dich für immer verlassen muss, rückt immer näher. Es liegt nicht in meiner Macht, das Unvermeidliche abzuwenden. Es ist für uns beide das Beste, wenn wir uns gefühlsmäßig voneinander entfernen. Es tut mir leid, aber du musst mich vergessen. Mehr habe ich dir nicht zu sagen.“
„ Ist das dein Ernst?“ stiegen ihr die Tränen in die Augen. „ Ist das dein letztes Wort?“
„ Ja.“
„ Aber warum? Warum glaubst du, mich bald für immer verlassen zu müssen? Ist es wegen dieser Amelié? Zwingt sie dich dazu?“
„ Das geht dich nichts an.“
„ Du hast mir doch sonst auch alles von dir erzählt! Wieso geht es dieses Mal nicht?“
„ Was ich dir erzähle oder halt nicht, ist immer noch meine Angelegenheit. Letztendlich habe ich dir nur gesagt, was du hören wolltest. Du weißt rein gar nichts von mir, Cheria und so wird es auch bleiben.“
„ Ich verstehe dich nicht!“ strich sie sich die ersten Tränen weg, die ihr über die Wange kullerten. „ Glaubst du denn wirklich, dass mir der Abschied leichter fällt, wenn du mir jetzt die kalte Schulter zeigst? Meinst du denn deine Art führt dazu, dass ich dich hassen kann? Das ist völlig absurd! Ich will deine Beweggründe ja verstehen, aber wenn du sie mir nicht erklärst, dann kann ich sie auch nicht verstehen! Sprich doch mit mir!“ sah sie ihn verzweifelt an. „ Ich sehe doch, dass es dir nicht gut geht! Du willst gar nicht gehen, ohne mich vorher aufgeklärt zu haben. So bist du nicht! Du bist nicht so herzlos und kalt, wie du dich gerade gibst. Du warst nicht die ganze Zeit bei mir, weil ich dir egal bin oder weil du mich nicht leiden kannst. Es kann ja sein, dass ich nichts von dir weiß. Vielleicht war alles, was du mir über dich erzählt hast, eine Lüge! Aber das ist unwichtig! Du warst immer für mich da und nun will ich für dich da sein!“
„ Es kommt der Zeitpunkt, wo man aus seinem Traum erwachen muss. Bei mir, ist dieser Moment längst überfällig. Du kannst nichts tun oder sagen, um mir meine Entscheidung zu erleichtern. Ganz im Gegenteil sogar, denn solange du um mich kämpfst, machst du es mir nur unnötig schwer. Also hör einfach auf und akzeptiere meinen Entschluss. Ich werde dir nichts sagen.“
„ Und nun erwartest du wirklich von mir, dass ich unsere Freundschaft einfach so auf Eis legen kann? Dass ich unsere gemeinsame Zeit verdrängen oder vergessen kann? Nein, so einfach ist das nicht. Wenn ich nicht um das kämpfe, was uns verbindet, dann werde ich es später tierisch bereuen. Wenn ich dich nicht anflehe, bei mir zu bleiben, dann kann ich mein eigenes Spiegelbild nicht mehr ertragen. Es tut mir leid, Lyrias. Aber ich kann dich nicht kampflos aufgeben. Nicht so.“
Aus ihrer Verzweiflung heraus ging sie zu ihm hin und stieß den Herren auf das Bett, was sich neben ihm befand. Er wollte noch darauf reagieren und sie von sich stoßen, aber da saß sie schon auf seinem Schoß und küsste ihn mit einer Leidenschaft auf den Mund, die sein Herz zum pulsieren brachte. Mit seinen kläglichen Abwehrversuchen konnte er in dieser Situation nicht mal einen Blumentopf gewinnen. Die königlichen Probleme zerrissen ihn doch eh schon innerlich, warum musste sie die Dinge noch komplizierter gestalten? Er wollte sie nicht verlassen, er wollte bei ihr bleiben und mit ihr einer glücklichen Zukunft entgegen steuern, nur, was hatte er denn für eine Wahl? Lyrias musste seinen Verpflichtungen nachkommen und das bedeutete, dass er eine andere heiratete und den Thron bestieg. Es führte kein Weg daran vorbei.
„ Hör auf...“ wisperte er. „ Ich kann an meiner Situation nichts ändern...“ versuchte er ihr seine Lippen zu entziehen, was sie allerdings nicht zu ließ. „ Du raubst mir die Selbstbeherrschung... hör doch...“
Jedoch hörte sie nicht auf das, was er sagte. Sein Flehen blieb unerhört, damit er seine Beherrschung verlor und ihr somit beichtete, was er vor ihr verbergen wollte und sie war nahe dran, ihr Ziel zu erreichen.
Der Herr war nicht mal ansatzweise dazu in der Lage, ihrer Nähe zu widerstehen, auch wenn sein Verstand etwas anderes besagte. Viel zu lange war er in ihrer Nähe, ohne sie wirklich berühren zu dürfen. Er ertrug das Leid, weil er bei ihr bleiben wollte, weil ihn dieser Umstand bereits glücklich machte. Dann folgte ihr Überfall und die pure Angst, die er verspürte, als sie sich weigerte die Augen wieder zu öffnen. Die Verzweiflung ließ sein Herz erstarren, die Luft wurde ihm abgeschnürt und seine Seele war dabei zu zerbrechen. In dieser Zeit wich er ihr nicht von der Seite, er wollte da sein, wenn sie das Bewusstsein wiedererlangte. Lyrias war so blöd, sich in einen Menschen zu verlieben, auch wenn er wusste, dass sie aus verschiedene Welten stammten. Hoffnungslos verloren geisterte er durch seine Illusion, so lange, bis er sein Trugbild selbst glaubte. Die Realität verschwand völlig, als er in den Genuss ihres Körpers kam. Er erfuhr den Himmel auf Erden, ohne dabei zu bemerken, dass er die Grenze zur Hölle überschritt. Mit ihrer ungezwungenen fröhlichen Art raubte sie ihm den Verstand, stahl sein Herz und überfiel seine Gefühlswelt.
Nun war der Moment gekommen, wo er seinen Mann stehen musste. Die Vergangenheit holte ihn unweigerlich ein und nun musste er dafür sorgen, dass die Wunden nicht tödlich endeten. Trotzdem konnte er nicht anders, als ihren viel zu zärtlichen Kuss forsch zu erwidern. Sein Hirn war dabei, die weiße Flagge zu hießen und sein Herz stand bereits in den Startlöchern, um seine Handlungen zu steuern. Es trieb seinen Puls an, damit dieser auf Hochtouren lief, es ließ einen Schwarm zappelnder Schmetterlinge von der Leine und zum Schluss sorgte es noch für das einnehmende Kribbeln, was sich auf seinen gesamten Körper ausbreitete. Unfähig sich ihr oder seinem eigenen Verlangen zu entziehen, gab er seiner Sehnsucht nach und zeigte ihr, wie leidenschaftlich er wirklich werden konnte.
Er ließ es sogar zu, dass sie sein Hemd aufknöpfte und seine Muskeln mit den Fingern nachzeichnete, während sie ihn weiter küsste. Cheria rutschte das letzte Stück noch an ihn heran und verriet ihm mit ihrem leisen Seufzer, dass sie ihn jetzt spüren wollte.
Doch als ihre Hände zu seinem Hosenbund wanderten, sie den Knopf und den Reißverschluss öffnete, zog er die Notbremse.
Er konnte sich nicht aus ihrem Bann befreien, dass wusste er, deshalb tat er in seinem benebelten Zustand das einzige, was ihm noch in den Sinn kam: Er öffnete den Verschluss seiner Kette und ließ diese achtlos neben sich aufs Bett fallen.
Der Schein löste sich auf, die Illusion verpuffte. Angefangen bei seinen Klamotten, die sich vor ihren Augen in Luft auflösten, was sie allerdings nicht mitbekam, da sie ihn noch immer mit geschlossenen Augen küsste. Plötzlich zeichneten sich silberne Male auf seiner Haut ab, die sowohl am Hals, an seinen Armen und an seiner Hüfte zusehen waren. Sein stählender Oberkörper wurde bloß von einer Art Bolero verborgen, der ihm im Zickzack Muster bis über die Brust reichte, seine Schulter bedeckte und einen Stehkragen besaß. Sein muskulöser Bauch und auch die Oberarme zeigten bloß die silbernen Male. Seine Handschuhe, die bis zu seinem Ellenbogen gingen, passten farblich perfekt zu seinem Brustschutz und endeten in einem ähnlichen Muster. An seiner Hüfte erschien ein breiter goldener Gürtel, der in der Mitte einen Kristall sitzen hatte. An seinen Oberschenkeln saßen hübsch verzierte Platten. Seine Hose verwandelte sich in ein Stofffetzen, was ihm gerade bis zu den Knien reichte. Die Schuhe verblassten und zum Vorschein kam ein paar
glitzernde Stiefel.
Neben den Klamotten, die sich ganz offensichtlich änderten, veränderte sich auch sein Körperbau. Er war größer, muskulöser und auch breiter als vorher. Außerdem hatte er plötzlich Elfenartige Ohren und die Zähne eines Vampirs.
Seine Verwandlung bemerkte Cheria erst, als seine Dämonenflügel erschienen. Das Geräusch, was sie von sich gaben, wenn man sie bewegte, sorgte dafür, dass sie sich leicht von ihm löste und ihn irritiert ansah.
Es dauerte einen Moment bis sie das Bild, was sich vor abspielte, realisiert und verarbeitet hatte. Als das geschah, riss sie völlig schockiert ihre Augen auf und rutschte prompt von seinem Schoss runter, so dass ihr Hintern unschöne Bekanntschaft mit dem harten Boden schloss.
„ Was zur Hölle...?“ lehnte sie erschrocken die Hände vor den Mund.
„ Du wolltest es ja unbedingt wissen...“ senkte er seinen Kopf. „ Nun kennst du mein Geheimnis.“
„ Du... bist ein Dämon..?“ riss sie die Augen immer weiter auf.
„ Ja, das bin ich wohl.“ flüsterte er. „ Und? Willst du nun immer noch, dass ich die Kontrolle verliere?“ lehnte er die Arme auf seine Beine.
Sprachlos starrte sie ihn bloß mit offenem Mund ununterbrochen an. Sie sah es mit eigenen Augen und doch konnte sie es kaum fassen. Die Priesterin hatte mit allem gerechnet, aber das überstieg ihre Vorstellungskraft bei weitem, nicht mal im Traum konnte sie der Wahrheit auf die Schliche kommen. Er war ein Dämon, ein waschechter Dämon. Wie konnte er das nur die ganze Zeit vor ihr verbergen? Wollte er deshalb, dass sie sich von ihm fernhielt, weil seine Mauer zu bröckeln begann?
Das sein Geheimnis gelüftet wurde, war ihm sichtlich unangenehm, was sie auch irgendwo nachvollziehen konnte. Es gab keine Dämonen, die über einen guten Ruf verfügten, zu mindestens war das bei den Menschen so. Er zählte sich selbst zu den Feinden, was aber völlig absurd war. Lyrias blieb Lyrias, auch wenn er dämonische Gene in sich trug und wann hatte man schon die einmalige Gelegenheit, einem friedlichen Vollblutdämonen zu begutachten? In dieser Welt niemals!
Neugierig wie sie war stützte sie sich an seinen Beinen ab und strich vorsichtig mit dem Finger über ein Mal, was sich an seinem Oberarm befand. Aber ganz gleich wie energisch sie auch daran rieb, es ließ sich nicht weg wischen. Danach tippte sie ganz langsam und vorsichtig seinen Flügel an, ehe sie ihre Fingerspitzen über die lederartige Haut gleiten ließ.
„ Die sind wirklich echt...“ betrachtete sie seine Schwingen völlig fasziniert.
„ Was hast du denn gedacht?“ sah er sie seitlich an. „ Dass ich mich angemalt habe oder das die Flügel aufgeklebt sind? Nein, tut mir leid...“ lehnte er seine Schwinge um ihren Körper und drückte sie fester an sich. „ Das ist alles echt.“
„ Das meinte Amelié also damit, dass nur dein Name echt sei...“ murmelte sie und ließ sich währenddessen auf seinem Oberschenkel nieder, um ihre Fingerspitzen über die Male an seinem Hals gleiten zu lassen. „ Du bist aber nicht so was wie der Inkubus, oder?“ strich sie über seinen nackten Bauch. „ Wobei... wenn ich jetzt darüber nachdenke, waren die Dämonen die wir trafen allesamt nackt. Also vielleicht zählt es ja zu euren dämonischen Eigenschaften, dass ihr leicht bekleidet durch die Weltgeschichte rennt.“
„ Zu mindestens bin ich kein Inkubus. Mir fehlen die Hörner und der Teufelsschweif. Außerdem wäre ich schon längst eingegangen, wenn ich einer wäre.“ erklärte er. „ Aber wie du siehst, lebe ich noch weil ich kein Inkubus sondern ein Mondlichtdämon bin.“
„ Ein Mondlichtdämon? Davon habe ich gelesen.“ überlegte sie. „ Ihr tragt einen Kristall in euch, der dem Mond ähneln soll und der demjenigen, der in erlangt, ewiges Leben, Schönheit, Jugend und Immunität gegen jegliche Krankheiten verleiht.“
„ Zu mindestens in dieser Hinsicht erzählen eure Bücher die Wahrheit.“ wandte er den Blick von ihr ab.
„ Verrätst du mir jetzt den Grund, warum du dich von mir fernhalten willst?“ lehnte sie ihre Hand an seine Wange und brachte ihn so dazu, sie wieder anzusehen. „ Liegt es daran, weil dich Amelié daran erinnert hat, dass du kein Elysianer bist?“
„ Nicht nur deshalb.“ atmete er schwer aus. „ Ich bin nicht nur kein Elysianer... ich bin der Thronfolger der Mondlichtdämonen und zudem noch Amelié's Verlobter...“ gab er leise von sich. „ Sie kam, um mich mit nach Hause zunehmen. Damit ich den Thron besteigen und sie zu meiner Königin machen kann.“
„ Du bist verlobt...?“ brach ihre Welt ein weiteres Mal zusammen.
„ Mhm...“ nickte er. „ Und das schon seit einer Ewigkeit. Die Verlobung war bisher nur nicht aktiv. Aber nun haben sie mich gefunden und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis ich zurück gehen muss. Ich wusste, dass dieser Tag irgendwann kommen würde, aber ich hatte gehofft, dass es noch etwas dauert. Du siehst also...“ legte er sich die Kette wieder um. „ … ich muss mich von dir lösen, wenn ich nicht zugrunde gehen will.“
„ Es führt also kein Weg daran vorbei... ja?“ senkte sie bestürzt den Blick.
„ Leider nicht, nein.“ drückte er sie wieder an sich. „ Ich will nicht gehen, ich würde viel lieber hier bei dir bleiben, aber ich kann nicht. Sie werden kommen um mich zu holen, notfalls auch mit Gewalt.“
„ Sollen sie nur kommen.“ schlang sie ihre Arme um seinen Nacken und presste sich fester an ihn. „ Aries, Chiara und auch Sasha werden ihnen schon erzählen, was sie von ihrem Plan halten.“
„ Mh.“ lächelte er leicht auf. „ Das glaube ich auch. Aber das ist auch keine Option. Es ändert nichts daran, dass ich bin was ich bin. Ich muss mich meiner Vergangenheit stellen, es geht nicht anders.“
„ Und du wirst diese Amelié heiraten, mh?“ murrte Cheria.
„ Ich würde viel lieber dich heiraten.“ flüsterte er. „ Ich will den Thron nicht und ich hätte auch kein Problem damit, für immer hier auf Elysia zu bleiben.“
„ Warum kannst du nicht selbst über dein Leben bestimmen? Ich konnte es doch auch!“ sah sie ihn gequält an.
„ Weil ich meiner Bestimmung folgen muss. Ich wusste das, als ich dich zum ersten Mal sah und mich dazu entschied, bei dir zu bleiben. Ich habe es billigend in Kauf genommen, dass genau das hier passiert. Es tut mir leid, Cheria. Ich war ein egoistischer Idiot, der unbeholfen seinem Herzen folgte und dabei nicht an die Konsequenzen dachte.“
„ Seinem Herzen zu folgen kann nicht verkehrt sein.“ konterte die Dame. „ Und wenn doch, dann bin ich froh darüber, dass der unbeholfene und idiotische Egoist stets an meiner Seite war.“ lächelte sie. „ Du darfst nicht aufgeben, Lyrias. Selbst wenn du das Gefühl hast, dass alles bereits verloren ist, kämpfe weiter! Das Spiel ist erst vorbei, wenn du aufgibst. Die Sonne wird irgendwann wieder aufgehen, du wirst schon sehen. Auch wenn wir uns nicht mehr sehen können, bitte verliere dein Lächeln nicht, immerhin bleiben uns die Erinnerungen erhalten.“ das waren ihre Worte, auch wenn es sie innerlich zerriss, wollte sie für ihn stark sein.
„ Mhm...“ senkte er seinen Kopf und drückte das Mädel dabei wieder an sich. „ Du musst dich von mir fernhalten, Cheria. Verstehst du jetzt, dass es so am besten ist? Unser Ende naht, das lässt sich nun nicht mehr aufhalten. Nun müssen wir dafür sorgen, dass der Abschied keine tödliche Wunden hinterlässt.“
„ Wie du meinst...“ rutschte sie schweren Herzens von seinem Schoß runter.
Sie wollte ihm noch so viel sagen, aber gerade schnürten ihr die aufkommenden Tränen die Luft ab und unterdrückten somit alle Worte, die ihr in den Sinn kamen. Ihn nie wieder zusehen zerbrach ihr das Herz. Der Schmerz zog in ihre kleine heile Welt ein und übernahm dort die Herrschaft. Ihr war nicht klar, wie sie mit dieser Situation umgehen musste. Sollte sie um ihn kämpfen und ihn selbst auch zum kämpfen animieren oder akzeptierte sie seine Bitte und ließ ihn von jetzt an links liegen? Nun kannte sie zwar seine Gründe, allerdings machte das die Sache nicht gerade einfacher. Sie wusste nicht, was sie nun tun sollte.
Cheria verließ sein Zimmer, um seiner Bitte fürs erste nachzukommen und damit sie sich selbst wieder fangen konnte.

Zur gleichen Zeit stieß ich auf die anderen und erfuhr so von Asariah's Fortschritt.
„ Du konntest dich also aus seinen Fängen befreien, das ist gut.“ lächelte ich. „ Das stellt uns wieder auf eine Stufe.“ lehnte ich meinen Finger auf die Lippen. „ Wenn wir die katastrophalen Umstände die hier herrschen, auch noch in den Griff bekommen, dann stehen die Chancen nicht schlecht, dass ich mich vor ihm erholen werde.“
„ Da sind wir ja dran.“ bemerkte Aries. „ Wir werden bestimmt bald weiter ziehen und die nächsten Pforten schließen.“
„ Die Dämonen zu besiegen stellt in unserer Situation nicht das Nonplusultra dar. Wir müssen weitaus mehr bewirken, damit ich der Dunkelheit überlegen bin. Elysia lebt in Todesangst, natürlich, schließlich fürchten sie sich vor der dunklen Brut, allerdings ist ihr Drang nach Rache mindestens genauso groß. Sie verspüren einen Hass, den man nicht mit Worten beschreiben kann. Sie hassen ihre Nachbarn, die nichts taten als ihr Familienangehöriger getötet wurde, genauso verachten sie die Götter, die sie im Stich ließen.“ erklärte ich. „ Es gibt nur noch wenige Städte, die sich an das Licht klammern, der Rest hat die Hoffnung längst verloren. Diese Welt verwandelt sich in eine Brutstätte des Bösen, wenn wir diesen Prozess nicht aufhalten, dann gibt es nichts mehr, was wir für Elysia tun können.“
„ Die Erde wurde doch auch von den Dämonen aus der Hölle heimgesucht und damals kam noch Ladthaa hinzu, der sterbende Planet. Wieso ist die negative Energie hier stärker?“ wollte Serah von mir wissen. „ Ich verstehe das nicht.“
„ Auf der Erde haben sich Teufelsschlächter niedergelassen, die den Menschen Schutz und Sicherheit vermittelten. Die Dämonen dort hatten also gar nicht die Chance, die Menschen so stark auszubeuten, dass das Chaos überwog. Dann gab es noch Heilige, die Gottes Stimme hören konnten, auch das stärkte die Hoffnung. Sie haben den Glauben an eine bessere Zukunft niemals verloren.“ bemerkte der Seelendieb.
„ Richtig.“ nickte ich. „ Aber das ist nicht alles. Lastalia höchstpersönlich hatte seine Hände schützend über seine Schöpfung gelegt, auch wenn er selbst mit dem drohenden Tod rang. Die Ausgeburten der Hölle konnten nicht auf die Lebensenergie der Erde zugreifen, Lastalia verweigerte ihnen den Zugriff auf den Erdkern, also der guten Seelen des Planeten. Die Aura einer jeden Welt beeinflusst die Lebewesen, die dort leben. Ist die Aura zum Beispiel dunkel, dann überwiegt das Böse und die Welt verwandelt sich in ein Reich der Unterwelt. Ist die Aura hell, so wie das Reich der Götter, dann werden dort himmlische Geschöpfe geboren. Die Aura der Erde ist ausgewogen, Das Licht und die Dunkelheit sind dort gleich stark. Hier sollte es genauso sein, aber ich spüre, wie die Dämonen das Licht zurückdrängen. Sie greifen den Erdkern an.“
„ Aber dann müssen wir etwas dagegen unternehmen!“ verkündete die Göttin schockiert.
„ Wie gelangen wir zum Erdkern?“ hakte das Kätzchen nach.
„ Es gibt einen Ort der sich Weltentor nennt. Diese Pforte führt direkt in das Innere des Planeten. Für die irdischen Kinder ist dieses Tor unsichtbar, aber alles übermenschliche kann ihn sehen.“ gab ich nachdenklich von mir. „ Das Weltentor wird durch ein Symbol gekennzeichnet, was auf dem Boden gezeichnet wurde. Außerdem stehen Steinskulpturen, oder ähnliches, um das Zeichen herum, sie verkörpern die Türbalken, wenn ihr so wollt und die magischen Juwelen, die in die Statuen eingearbeitet wurden, sind so was wie die Klinke der Tür. Wir sollten Cheria oder auch Lyrias fragen, wo sich dieser Ort befindet. Die Menschen kennen die wahre Bedeutung nicht, dennoch sehen sie darin etwas übernatürliches vielleicht sogar göttliches. Deshalb werden sie diesen Bereich verehren, oder so.“
„ Dann sollten wir uns schnellstmöglich auf den Weg machen, damit wir die Dämonen daran hindern können, aus dieser Welt eine weitere Hölle zu gestalten.“ meinte Chiara.
„ Warum rückst du erst jetzt mit der Sprache raus, Sasha?“ maulte Serah. „ Wir hätten uns schon längst auf den Weg dorthin machen können.“
„ Weil mir das Schicksal dieser Welt bislang egal war. Letztendlich ist dies nur eine Welt von vielen.“
„ Das glaube ich dir nicht.“ wandte sie sich von mir ab. „ Wenn es dir wirklich egal wäre, dann wärst du wohl nicht hier gelandet, oder?“
„ Es ist purer Zufall, dass ich nun hier bin. Hätte der Dämon meine Wirtin nicht gepackt und wäre dieser nicht durch ein Portal geflüchtet, dann wäre ich jetzt nicht hier.“ teilte ich ihnen mit.
„ Mag sein, aber du musst dich ja irgendwann in diesem Körper verkrochen haben und ich glaube nicht, dass dich sein reines Licht schon von weiten angelockt hat. Du warst also auf den Weg hierher und bist dabei eher zufällig auf sie gestoßen. Nun solltest du dich mal fragen, warum du in eine Welt kamst, die von der Dunkelheit überrannt wurde. Du, als schwer verletztes Licht, was sich eigentlich in eine ruhigere Gegend zurückziehen sollte, trotzdem bist du jetzt hier und das wird einen Grund haben.“
„ Serah hat Recht.“ stimmte ihr Aries zu. „ Du meintest mal zu mir, dass dich bloß Lastalia und seine Sicherheit interessiert und dass du dich deshalb gegen Chaos stellen musst. Wenn dem wirklich so wäre, dann wärst du nicht hierher gekommen. Du kannst dich nicht regenerieren und sicher bist du auch nicht. Ich gehe also ebenfalls davon aus, dass du her kamst um die Menschheit zu beschützen. Auch wenn dir das vielleicht gar nicht bewusst war.“
„ Um die Menschheit zu beschützen...?“ dachte ich darüber nach. „ Warum sollte ich so handeln? Ich bin ein körperloses Wesen ohne jegliche Gefühle. Wieso sollte mich das Schicksal von Elysia anlocken?“
„ Gefühllos? Wohl kaum.“ verschränkte der Ladthaaner die Arme vor die Brust. „ Du warst von Anfang an um Asariah's Wohlergehen besorgt. Hättest du keine Gefühle, dann hättest du dir auch keine Gedanken um ihn gemacht, richtig?“
„ Aber ich war nur um sein Wohlergehen besorgt weil er...“ doch dann unterbrach ich mich. >... weil er Lastalia ist... oder ist das nicht der Grund?<
„ Weil er?“ hakte Serah nach.
„ Schon gut.“ schüttelte ich lächelnd meinen Kopf. „ Wir sollten nach Lyrias und Cheria suchen, damit wir weiter reisen können.“ ging ich schon mal vor.
„ Die steht auf dich.“ grinste Aries breit auf.
„ Komisch, das ausgerechnet du das so siehst, schließlich bist du doch derjenige, der ständig in ihr Zimmer schleicht.“ konterte die Götterkatze.
„ Hör auf solche Gerüchte zu verbreiten, dass glaubt hinterher noch einer!“ knurrte der Herr.
„ Was für Gerüchte?“ schielte sie ihn schief an. „ Ich sage doch nur die Wahrheit.“
„ Na klar, weil du ja immer die Wahrheit sagst.“ wanderte er schulterzuckend an ihr vorbei.
„ Immer vielleicht nicht, aber die meiste zeit schon.“ schlich sie ihm grinsend nach.
„ Findest du nicht auch, dass sich die beiden beinahe zu gut verstehen?“ murmelte Serah.
„ Eifersüchtig?“ sah Asariah zu ihr hin. „ Dann scheinst du ihm ja noch nicht zu hundert Prozent zu vertrauen.“
„ Und du kennst wohl die 'Gerüchte' nicht, die sich um die beiden drehen.“ das Wörtchen Gerüchte betonte sie extra.
„ Seit wann gibst du denn was auf Gerüchte?“ zog er fragend eine Augenbraue hoch. „ Du weißt doch, dass an den meisten nichts dran ist und wenn doch, dann war es vor eurer Zeit und tut jetzt nichts mehr zur Sache.“
„ Und wenn da doch was dran ist? Seine erste große Liebe vergisst man doch nicht einfach, oder?“
„ Erste große Liebe?“ fiel er beinahe aus allen Wolken. „ Wer erzählt denn so was?“
„ Fast ganz Illumina sprach darüber, damals.“ murrte sie. „ Aber die Frauen wohl eher als die Männer.“
„ Es wäre mir neu, dass die ineinander verliebt waren.“
„ Aber schenkt man sein erstes Mal nicht einer besonderen Person?“
„ Das ist schon eher ein Gerücht, was auch mir zu Ohren kam.“
„ Warst du nicht deshalb immer so angepisst, wenn sie allein unterwegs waren? Weil du auch von der ersten großen Liebe gehört hast.“
„ Nein, davon höre ich zum ersten Mal. Selbst wenn es so war, dass sie sich einst geliebt haben, die Gefühle haben sich geändert. Sonst wäre Aries jetzt nicht mit dir zusammen, oder? Und ich denke nicht, dass er es sich leichtfertig mit mir verscherzen will.“
„ Warum macht Chiara dann so ein großes Geheimnis aus ihrem ersten Mal?“
„ Vielleicht weil ihr erster grottenschlecht war.“ lehnte er den Arm um ihre Schulter. „ Mach dir nicht so viele Gedanken, der Kerl liebt dich und das nicht erst seit gestern.“
„ Ich weiß... aber interessiert dich das denn gar nicht?“ murmelte sie. „ Ist es nicht normal, dass man sich da Gedanken macht?“
„ Doch, vielleicht.“ blickte er auf sie herab. „ In beiden Fällen.“
„ Also bin ich keine hysterische Freundin?“
„ Nein, als hysterisch würde ich dich definitiv nicht bezeichnen.“ versicherte er ihr. „ Aries sieht bestimmt verdammt gut aus, zu mindestens aus der Sicht einer Frau betrachtet. Dann weiß er seinen Charme perfekt einzusetzen, was dazu führt, dass die Verehrerinnen bei ihm Schlange stehen. Das war damals in der Schule schon so und daran hat sich auch heute nichts geändert. Ich kann verstehen, dass du unsicher bist, aber eines kannst du mir wirklich glauben: Er hat nur Augen für dich!“
„ Danke.“ lächelte sie ihn an. „ Du kennst deinen besten Freund wohl besser als jeder andere.“
„ Tja, aber anscheinend hat er das ein oder andere selbst vor mir verheimlicht.“
„ Soll ich dich jetzt vielleicht aufheitern?“ kicherte sie.
„ Danke, aber das wird nicht nötig sein. Ich weiß auch so, dass ich mich immer auf ihn verlassen kann.“
Ein paar Gänge weiter stieß das Geschwisterpaar wieder zu uns, Lyrias war auch schon da.
„ Das Weltentor... Das habe ich doch schon einmal gesehen.“ überlegte der Herr. „ Ich weiß zwar nicht mehr, wo das genau war, aber es müsste auf der Karte eingezeichnet sein. Die Elysianer haben aus dem Ort eine heilige Stätte gemacht. Sie meinen, dass dieser mystische Platz über magische Kräfte verfügt und Wünsche erfüllen kann.“
„ Nicht nur das, wir glauben, dass das die Verbindung zu den Göttern ist. Dass sie da ankommen, wenn sie unsere Welt betreten.“ stand Cheria plötzlich hinter uns. „ Diese heilige Stätte befindet sich auf einer kleinen Insel unterhalb dieses Kontinentes.“
„ Dann gehen wir also darauf zu. Das ist gut.“ meinte ich.
„ Aber was wollen wir da überhaupt?“ wollte die Priesterin wissen.
„ Das erklären wir dir, wenn wir unterwegs sind.“ bemerkte Asariah. „ Packt eure Sachen, wir brechen bald auf und mit bald meine ich JETZT!“

Kurz darauf verließen wir die Stadt der Katzenfanatiker und entfernten uns so weit vom Dorf, dass es kaum mehr zu sehen war.
„ Wir sind weit genug entfernt. Du kannst deine große Katzengestalt annehmen, damit wir schneller voran kommen.“ wendete sich der Teufel des Todes seiner Freundin zu.
„ Das wird nicht nötig sein.“ erklärte Lyrias. „ Ich habe ein effektiveres Fortbewegungsmittel.“
„ Ach und was soll effektiver sein als ich?“ funkelte Chiara den Herrn an.
„ Es ist an der Zeit euch meine Freunde vorzustellen.“ murmelte er. „ Ich hätte es schon längst tun sollen...“ seufzte er. „ Darf ich vorstellen, meine Elementargeister.“ lehnte er seine Hand über seine Brust und rief nach seinen Verbündeten. „ Petros, Neos, Seleas und Grantus.“ und genau in dieser Reihenfolge erschienen die Geister vor ihnen.
„ S-Sagtest du gerade G-GEISTER??“ quietschte Cheria.
„ Elementargeister, wenn ich bitten darf.“ strich sich der Wassergeist durchs Haar. „ Ich bin Seleas, sehr erfreut.“
„ Neos.“ meinte er, nachdem er die Gruppe gemustert hatte.
„ Mich nennt man Petros!!“ zischte er mit einem Affentempo um uns herum.
„ Und ich bin Grantus.“
„ Warum hast du Elementargeister bei dir und wo kommen sie überhaupt her?“ betrachtete ich die Vier interessiert.
„ Ist es denn die Möglichkeit???“ starrte mich das Wasserwesen mit großen Augen an. „ Das Licht! Sie ist das Licht!“ zeigte er mit dem Finger auf mich, während er seine Kumpels abwechselnd anstarrte.
„ Sie soll das Licht sein, wirklich? Sie sieht so zerbrechlich und schwächlich aus.“ bemerkte der Erdgeist.
„ Zeigt mehr Respekt.“ seufzte Lyrias auf.
„ Respekt muss man sich erst verdienen!“ konterte Neos.
„ Und was soll an deinen Geistern nun so toll sein?“ betrachtete Chiara die Meute murrend.
„ Oh, ein Kätzchen!!“ blieb Petros vor ihr stehen und zauberte eine Art Wind-Wollknäuel herbei, was er dann mit diesen Worten: „ Fang das Knäuel!“ weg warf.
„ Mhm.“ verfinsterte sich ihr Blick kurz, ehe sie ihre Ohren anlegte und dem Geist erst einmal einen schmerzhaften Fingerschnipp gegen die Stirn verpasste. „ Klingt hohl...“
„ Böse Katze!!!“ fauchte er.
„ Die böse Katze zerlegt dich gleich in deine Einzelteile und ich werde dich garantiert nicht wieder zusammenflicken.“
„ Als wenn du mir wirklich was anhaben könntest. Katzen die fauchen beißen nicht, richtig?“
„ Das waren Hunde!“
„ Ist doch dasselbe.“
„ Nicht doch, ich brauche Petros noch.“ zerrte Lyrias das Elementarwesen hinter sich her.
„ Soll das etwa heißen, dass du auch der Meinung bist, dass sie mich zerlegen kann??“ starrte er aufgebracht zu ihm auf.
„ Wer weiß.“ grinste er wissend vor sich hin.
„ Amelié hätte noch viel fester zuschlagen sollen!!“ zappelte er mit Händen und Füßen wild vor sich hin.
„ Ich finde diese Geister goldig!“ funkelte ich den Wasserherrn an. „ Der hat so wunderschönes langes Haar!“
„ Nicht wahr?“ funkelte Seleas zurück.
„ Da haben sich ja zwei gefunden.“ kicherte Serah.
„ G-Geister!“ bibberte Cheria noch immer.
„ Und wer von ihnen ist nun dein Menschengör?“ wollte Neos wissen. „ Etwa die, die stinknormale Geister nicht von uns unterscheiden kann?“ verschränkte er die Arme vor der Brust.
„ Was heißt denn hier Menschengör??“ empörte sich die Dame, die sich hinter Aries breiten Rücken verbarg. „ Ich heiße Cheria, klar?“
„ Cheria, das Menschengör. Sehr erfreut.“ stand er plötzlich neben ihr. „ Ich bin Neos, falls du das vorhin dank deiner klappernden Zähne nicht mitbekommen hast.“
„ Meine Zähne klappern gar nicht!“
„ Ach nein? Dann sind das wohl deine bibbernden Knochen.“
„ Genug herumgealbert! Warum hast du uns gerufen, Lyrias?“ mischte sich Grantus ein. „ Ich wollte gerade einen leckeren Felsbrocken verschlingen.“
„ Ich brauche eure Hilfe. Wir müssen uns schneller fortbewegen und da kommt ihr nun ins Spiel.“
„ Ach? Plötzlich brauchst du uns also, ja?“ schmollte der Windgeist noch immer.
„ Ich habe euch doch versprochen, dass ich euch öfter herbei rufen werde, nun, jetzt ist es so weit.“
„ Ihr braucht also ein Fortbewegungsmittel?“ krempelte Neos seine Ärmel mit herausgestreckter Zunge hoch. „ Nichts leichter als das. Seid ihr bereits Jungs?“
„ Sicher.“ nickten die drei anderen Wesen.
Gemeinsam erschufen die Geister vier gleich aussehende und auf der unterschiedlichen Magie basierende Motorräder, ohne Räder. Grantus sorgte für das Gerüst, was in einem glänzenden blau vor sich hin leuchtete, Petros verschönerte das Gefährt durch seine Windmagie und sorgte zudem noch für den Zunder, den Neos durch sein Feuer anheizte und so für den nötigen Schub sorgte, Seleas kühlte das System ab, so dass es ihnen nicht um die Ohren fliegen konnte. Alles in allem standen vier fliegende Geschosse vor ihnen, die sich rasend schnell über den Boden bewegen konnten.
„ Wow, das sieht wirklich spaßig aus.“ betrachtete Aries die Teile fasziniert. „ Sind sie auch so schnell, wie sie aussehen?“
„ Darauf kannst du Gift nehmen.“ verschränkte Petros seine Arme grinsend vor der Brust. „ Ihr werdet das Kätzchen locker abhängen.“
„ Nicht mal in euren Träumen.“ grummelte sie.
Wobei sich Chiara auch neidlos eingestehen musste, dass die Motorräder wirklich nach massig viel Spaß aussahen. Aber das konnte sie natürlich nicht zugeben, ihr Stolz verbat es ihr.
„ Fährst du mit mir?“ wollte Asariah von seiner Freundin wissen.
„ Danke, aber ich verzichte. Ich bin auf den faulen Zauber dieses Windeies nicht angewiesen.“
„ Wie hast du mich genannt??“
„ Ein Windei!“ wiederholte sie ihre Worte ungeniert.
„ Und du bist eine verlauste Katze!!“ fauchte er. „ Dich werde ich so was von abhängen!!“
„ Nicht mal in deinen Träumen!“
„ Wir Elementargeister schlafen nicht, du Pfosten!“
„ Ich merk schon, das Kätzchen würde in unserer Welt viele Anhänger finden.“ griente Grantus breit vor sich hin. „ Mich hat sie als Fan längst gewonnen!“
„ Du fällst mir in den Rücken, Grantus?? Wie kannst du nur??“
„ Ich falle dir nicht in den Rücken. Aber ich mag jeden, der unseren kleinen Giftzwerg in seine Schranken weist.“
„ Mhm...ja...“ stimmten die anderen beiden nickend zu.
„ Boar!“ dreht er den Kopf schmollend von ihnen ab.
„ Petros ist noch recht jung, mh?“ erkannte Serah. „ Er steckt noch voller jugendlichem Temperament.“
„ Wollen wir dann aufbrechen? Die Magie wird nicht ewig halten.“ beendete Lyrias das Gespräch und setzte sich dabei auf das erste Gefährt.
„ Ich möchte mit Chiara reisen.“ stellte ich mich auf ihre Seite. „ Sie hat so wunderschönes weiches Fell.“
„ Darf ich mit dir fahren?“ wollte die Göttin von ihrem Freund wissen.
„ Sicher, wenn Asariah nichts dagegen hat.“
„ Natürlich nicht. Dann werde ich auf Cheria aufpassen.“
„ Oh...äh.. ok..“ ließ sie sich leicht enttäuscht vor ihm nieder. „ Kannst du damit überhaupt umgehen?“
„ Das braucht ihr nicht.“ erklärte der Dämon. „ Ich steuere eure Motorräder. Ihr tut also genau das, was ich auch mache.“
Damit war das vierte Geschoss überflüssig und wurde auch gleich aufgelöst. Kurz darauf brachen wir auf und das mit einer Geschwindigkeit, die selbst den Wind erblassen ließ. Chiara konnte wirklich locker mit den magischen Raketen mithalten und ließ sich nicht eine Sekunde lang von ihnen abhängen. Seleas, Neos und auch Grantus hatten sich bereits in ihre Welt zurückgezogen. Bloß Petros war noch da, der sich ein heißes Wettrennen mit unserem Kätzchen lieferte. Sie zischten im Zickzack Muster über die Wiesen und waren stets gleichauf. Chiara verkörperte nicht nur einen weiblichen Rivalen, der ihm in allem ebenbürtig war, sie imponierte und faszinierte Petros noch obendrein. Er traf endlich auf ein Wesen, was seinem Temperament standhalten konnte.
„ Wer den Bach dahinten als letztes erreicht ist ein nasser Kartoffelsack!!“ grölte er.
„ Na dann sieh schon mal zu, dass du deine Kartoffeln ins Trockene bekommst!“ grinste die Götterkatze.
„ Wuhuuuuu!!!“ jubelte ich.
Doch noch bevor einer von uns den Bach auch nur rauschen hören konnte, bremste die Katze ihren Dauerlauf so abrupt ab, dass ich beinahe ins Jenseits geschleudert worden wäre. Weder Lyrias noch Petros konnten so schnell reagieren wie sie und kamen erst einige Meter später zum stehen.
„ Was ist los?“ wollte Asariah gleich von ihr wissen.
Aber anstatt ihm zu antworten raste sie fauchend in einen nahegelegenen Wald und da konnte ich auch endlich sehen, was sie längst hörte. Nämlich die Auren einiger Dämonen, die um eine andere Aura hockten und diese ganz offensichtlich bedrohten.
„ Wenn ich dir ein Zeichen gebe, dann musst du von meinem Rücken runter springen, schaffst du das?“
„ Natürlich.“ nickte ich. „ Schnappen wir uns die niederträchtigen Bastarde!“
Einen Augenblick später erreichten wir die Lichtung, wo sich die Ausgeburten der Hölle und ein kleiner Junge aufhielten.
„ JETZT!“ brüllte sie.
Mit einem eleganten Hechtsprung sprang ich von ihrem Rücken runter und ließ noch in der Luft meine Wurfgeschosse erscheinen, die ich auf die Feinde warf. Chiara nahm zwischenzeitlich ihre Zweibeiner Gestalt an und zerfetzte die restlichen Dämonen durch einen mächtigen Sturm aus messerscharfen Sicheln.
„ Bist du in Ordnung?“ hockte sich das Kätzchen vor dem Bub hin.
Er sah im ersten Moment wie ein einfacher kleiner Junge aus, der vielleicht elf Jahre alt war, aber etwas an ihm störte mich und Chiara auch, wie es aussah. Zugegeben, er war schon echt süß, mit seinen Engelsgleichen Haaren, seinen großen blauen Augen und diesem unschuldig wirkenden Gesichtsausdruck.
„ Ich hatte solche Angst!!“ weinte er. „ Sie wollten mich fressen!“ klammerte er sich an dem Kätzchen fest.
„ Keine Sorge, nun bist du in Sicherheit.“
„ Was ist passiert?“ kamen nun auch die anderen bei uns an.
„ Oh Gott, bist du verletzt?!“ lief Cheria gleich zu dem Bengel hin.
„ Geht es dir gut?“ ließ sich Serah ebenfalls neben ihm nieder.
„ Ich habe die Dämonen gar nicht bemerkt.“ strich sich Lyrias seufzend durchs Haar. „ Ist er ok?“
„ Scheinbar schon.“ musterte ich ihn ernst.
„ Irgendwas stimmt nicht mit ihm.“ lehnte Aries seinen Kopf zur Seite. „ Ich weiß nur noch nicht was...“
„ Ein Mensch in diesem Alter sollte über ein reines und hell leuchtendes Licht verfügen, aber seines ist getrübt.“ bemerkte ich.
„ Ich kann auch keine Lebenslinie bei ihm erkennen.“ erklärte der Teufel des Todes. „ Es ist fast so, als würde er keine besitzen.“
„ Aber er ist auch kein Dämon.“ betrachtete der Seelendieb den Knirps von oben bis unten. „ Vielleicht ist er ein Geist?“
„ Sag das besser nicht zu laut.“ bemerkte der Mondlichtdämon. „ Außerdem sollte ein Geist nicht über einen Körper verfügen, oder?“
„ Es gibt schon Seelen, die sich an ihren irdischen Körper klammern, obwohl dieser längst tot ist. Sie glauben noch etwas erledigen zu müssen, ehe sie ins Paradies gehen können. Vielleicht ist es bei ihm auch so.“
„ Du meinst also, dass er wirklich schon tot ist und nicht los lassen kann?“ sah ich ihn fragend an. „ Das würde tatsächlich sein getrübtes Licht erklären.“
„ Und die Lebenslinie die ihm fehlt auch. Diese Gespenster können erst von ihrem Leben ablassen, wenn sie erreicht haben was sie noch erreichen müssen.“
„ Dann sollten wir ihm dabei helfen, los lassen zu können.“
„ Ich bin mir nicht sicher ob er überhaupt weiß, dass er schon längst tot ist.“
„ Was machst du denn hier draußen? So ganz allein?“ blickte Cheria den Jungen besorgt an. „ Das ist gefährlich. Wo sind deine Eltern?“
„ Meine Eltern werden von einem Dämonen gefangen gehalten.“ schluchzte er. „ Da war ein mächtiger Dämon, der unsere Wachen mit nur einem Schlag getötet hat und dann hat er sich um meine Eltern gekümmert. Ich konnte gerade so noch fliehen und nun kann ich nicht nach Hause zurückkehren, weil er mein Schloss mit einem Zauber belegt hat.“ schluchzte er noch lauter auf. „ Bitte helft mir!“ starrte er die beiden Damen mit seinen großen Augen flehend an. „ Ihr müsst meine Eltern retten!“
„ Das werden wir auch, keine Sorge.“ versicherte Serah ihm. „ Wo genau liegt dein Schloss denn?“
„ Dahinten irgendwo.“ zeigte er in die besagte Richtung. „ Ihr werdet mir wirklich helfen?“
„ Natürlich werden wir das.“ nickte Cheria.
>Bin ich denn die einzige die der Meinung ist, dass mit diesem Kind irgendwas nicht stimmt?< dachte Chiara.
„ Wie heißt du denn, kleiner?“ hakte die Göttin nach.
„ Akemi.“
„ Akemi also. Ich heiße Serah, das ist Chiara, Cheria und die Herrschaften dahinten heißen Aries, Asariah, Lyrias und Sasha.“
„ Aha.“ starrte er die Herrn unserer Gruppe desinteressiert an, ehe er uns wieder anstrahlte. „ Ich bin so froh, dass ihr mich gefunden habt. Nun wird alles wieder gut, nicht wahr?“
„ Worauf du dich verlassen kannst.“ tätschelte die Göttin seinen Kopf. „ Jetzt kann dir nichts mehr geschehen. Komm, lass uns gehen.“ erhob sie sich und hielt ihm lächelnd die Hand hin.
„ Ok!“ ergriff er ihre Hand und schlenderte mit ihr und Cheria zu uns hin.
Bloß Chiara blieb noch einen Augenblick an ihrem Platz stehen und starrte dem Jungen misstrauisch hinterher.
>Ich habe ein ganz schlechtes Gefühl was den Bengel betrifft. Er stinkt nach einer Falle. Als wäre er nur ein Köder für etwas viel größeres. Das gefällt mir nicht...<
„ HEYY KITTY!!“ klammerte sich plötzlich wer an die fauchende Dame. „ Bringen wir unser kleines Rennen gleich noch zu Ende??“
„ Spinnst du?? Mich so zu erschrecken!!“ verpasste sie ihm gleich eine Kopfnuss.
„ Ah, nicht schon wieder!!“ wich Petros verärgert zurück. „ Was soll denn das?“
„ Sei froh, dass ich meine Krallen nicht verwendet habe!“
„ Du musst doch nicht gleich so brutal reagieren, nur weil man dir zu Nahe kommt!“ protestierte er.
„ Dann erschrecke mich halt nicht so!“
„ Ist ja gut!“ meckerte er zurück. „ Also was ist nun? Bringen wir unser Rennen noch zu Ende?“
„ Ich hätte dich sowieso abgezogen, also warum findest du dich nicht einfach mit deiner Niederlage ab?“
„ DU hättest MICH garantiert nicht abgezogen!!“ maulte er. „ Wenn überhaupt, dann wäre es aller höchstens ein Unentschieden gewesen!“
„ Kommt ihr beiden jetzt oder wollt ihr hier bleiben?“ rief ihnen Serah zu.
„ Nein, ich komme ja schon.“ schlenderte sie auf uns zu.
„ Nein, ich komme ja schon.“ äffte Petros das Kätzchen nach. „ Sie ist so ein faszinierendes Wesen.“ funkelte er dann, als er glaubte es würde keiner bemerken, verzückt vor sich hin. „ Ich komme auch!“ flog er strahlend zu Chiara hin.
„ Vielen Dank für das Kompliment.“ lächelte sie leicht.
„ Hö?“ starrte er sie verblüfft an.
„ Ich habe nicht umsonst so große Ohren.“ deutete sie grinsend auf ihre Katzenohren hin. „ Du bist auch ein faszinierendes kleines Kerlchen.“
„ Danke.“ lächelte er.

Wir verbrachten den gesamten Tag damit auf dem Kätzchen und den Motorrädern durch die Gegend zu rasen. Als die Sonne dann dabei war unter zugehen, schlugen wir unser Camp an einer geeigneten Stelle auf und verharrten für den Moment an Ort und Stelle. Akemi war so erschöpft, dass er gleich nach dem Essen eingeschlafen war und nichts mehr von sich hören ließ.
Wir anderen saßen am Lagerfeuer und sprachen über dies und das.
„ Was bist du eigentlich für ein Dämon?“ wollte Aries wissen.
„ Ich bin ein Mondlichtdämon.“
„ Ein Mondlichtdämon, da hast du ja den Jackpot gewonnen, was?!“ grinste der Seelendieb schief auf. „ Uh, sorry! Das war respektlos von mir. Ich wollte damit nicht sagen, dass die Dämonen, die nicht das Glück haben einer zu werden, weniger wert sind.“
„ Schon ok.“
„ Du bist ein Dämon?“ hakte Serah erstaunt nach. „ Wieso hast du dann keine dämonische Aura?“
„ Das liegt an meiner Kette. So lange ich sie trage, hält sie meine wahre Identität unter Verschluss.“ erklärte er.
„ Was ist denn das für eine Kette?“ wollte die Göttin wissen.
„ Ihr Anhänger wurde aus einem magischen Material geschliffen, was in meiner Welt vorkommt. Dieser Stein wirkt wie ein Spiegel. Er projektiert das Bild der Lebewesen, die den Planeten bewohnen, auf dem ich mich befinde, auf mich selbst. So macht es immer den Anschein, als wäre ich einer von ihnen, ganz gleich ob ein Zyklop oder ein Mensch vor mir steht. Allerdings funktioniert das nur bei Wesen, die mir unterlegen oder ebenbürtig sind. Ich könnte also niemals zu einem Gott oder einem Teufel werden.“
„ Und was meinte Aries damit, dass du den Jackpot gewonnen hast?“ mischte sich Chiara ein.
„ Nun, mein Volk spaltet sich in drei Gattungen auf, die allesamt über unterschiedliche Fähigkeiten verfügen.“ begann er zu erzählen. „ Bei der Geburt sind wir alle gleich, wir bekommen unsere besonderen Merkmale erst verliehen, wenn wir im Kleinkindalter in die Höhle des Schicksals gebracht werden. Dort gibt es ein Portal, was direkt in die Welt der Elementargeister führt und je mehr Geister sich mit dir identifizieren können, desto stärker wirst du.“ lächelte er Petros an.
„ Aber nicht nur das. Denn unseren Verbindungen ist es zu verdanken, dass seine Art gejagt und wenn man sie erwischt auch abgeschlachtet werden. Jede Medaille hat also seine Schattenseite.“
„ Und wie viele Geister können sich mit einem verbinden?“ fragte ich nach.
„ Vier.“ sah er mich an. „ Wenn das der Fall ist, dann wirst du zu einem Mondlichtdämonen. Bei einem oder zwei Geistern bist du ein Sternenlichtdämon und bei keinem ein Sonnenlichtdämon.“
„ Darf ich deine dämonische Gestalt mal sehen?“ strahlte ich ihn an. „ Ich bin noch nie einem Dämonen begegnet, den ich nicht gleich ausgelöscht habe!“
„ Jetzt ist die Katze ja eh aus dem Sack und sie haben mich längst aufgespürt... also warum nicht.“ öffnete er dein Verschluss seiner Kette und stützte dann seinen Kopf an der Hand ab, während er darauf wartete, dass der Schein verpuffte.
„ Wow...“ betrachtete ich ihn begeistert. „ Aber warum hast du so wenig an?“
„ Vielleicht weil alle Dämonen wenig anhaben?“ grinste er schwach auf.
„ Ich glaube eher, dass das daran liegt, weil deine Male gut zusehen sein sollen.“ vermutete das Kätzchen. „ Damit jeder gleich sieht, dass du zur Oberschicht gehörst.“
„ Oberschicht würde ich es nun wirklich nicht nennen.“ murmelte er, während er sich die Kette wieder umlegte.
Erst als die Nacht schon weit vorangeschritten war, löste sich der Knubbel am Lagerfeuer auf. Aries, der vermutlich noch gar keinen Schlaf gebraucht hätte, ließ es sich natürlich nicht nehmen, mit seiner Liebsten in ein Schlafsack zu kriechen. Ich hatte es mir auch schon gemütlich gemacht und schlief friedlich vor mich hin, genauso wie Lyrias auch. Bloß Chiara, Asariah, Cheria und Petros saßen auf ihrem Platz.
„ Willst du nicht auch langsam ins Bett gehen?“ wollte das Kätzchen von der Priesterin wissen. „ Es ist schon spät und du siehst müde aus.“
„ Nein, ich bleibe heute Nacht hier.“ murmelte sie.
„ Warum?“
„ Weil ich die Dunkelheit nicht mag. Mein Schlafsack ist zu kalt, zu groß und ich hasse es, allein schlafen zu müssen. Der Boden ist viel zu hart.“
„ Dann willst du vielleicht bei mir schlafen?“ erhob sich die Kitty von ihrem Platz. „ Mein Fell ist schön weich und du wärst nicht allein. Außerdem kann ich dich wärmen.“
„ Wirklich?“ strahlte die Heilerin zu ihr auf.
„ Was? Ich dachte du schläfst bei mir?!“ protestierte Asariah.
„ Ich kann Cheria doch nicht hier sitzen lassen!“ konterte sie. „ Außerdem könnt ihr doch beide bei mir schlafen.“
„ Mh...“ stand er ebenfalls seufzend auf. „ Nein schon gut. Schlaft ihr ruhig zusammen, ich werde mich derweil um die Sicherheit der Gruppe kümmern.“ schlenderte er davon.
„ ...“ sah ihm Chiara schweigend hinterher.
„ Geht das wirklich klar? Ich möchte nicht, dass ihr euch meinetwegen streitet. Ich kann wirklich hier am Lagerfeuer sitzen bleiben, das macht mir nichts aus!“
„ Das kommt gar nicht in Frage. Los komm jetzt. Sonst bist du am Morgen nicht ausgeruht.“ nahm sie ihre große Katzengestalt an und legte sich dann nahe des Feuers hin.
„ Na gut.“ griff sich Cheria ihren Schlafsack und legte sich dann neben dem Kätzchen hin, was auch gleich ihre Pfote schnurrend um die Dame schlang und sie fester an sich drückte.
„ Dein Fell ist wirklich ausgesprochen weich...“ ließ sich der Windgeist auf ihrem Rücken nieder. „ Zu schade das wir Geister nicht schlafen.“
„ Mh...“ blickte sie wieder in die Richtung, in die der Teufel verschwand. >Ob er nun glaubt, dass ich Cheria nur vorgeschoben habe, um die Nacht nicht mit ihm verbringen zu müssen? Ich zeige ihm ja wirklich nicht gerade, dass ich ihn liebe und wenn man Aries und Serah beobachtet, wird einem das erst so richtig deutlich. Warum kann ich mich nicht einfach darüber freuen, dass Asariah mit mir glücklich werden will.< schob sie ihren Kopf unter die freie Pfote. >Alles was er uns an den Kopf warf kam von Chaos und nicht von ihm, ich weiß das! Aber warum lasse ich meine Wut dann an Asariah aus? Oder liegt es daran, weil ich bisher noch keine wirklich feste Beziehung hatte? Oder weil ich nicht daran gewöhnt bin, meine Gefühle öffentlich zur Schau zu stellen? Was auch immer nun der Grund für mein unterkühltes Verhalten ist, ich muss es unbedingt abstellen. Ich will ihn doch eigentlich gar nicht verletzen...<
Als sie dann am Morgen vor allen anderen aufwachte, war von dem Teufel weit und breit nichts zu sehen. Vorsichtig löste sie sich von der Priesterin und schlich dann davon.
In einiger Entfernung konnte sie den Schein seiner Aura wahrnehmen, weshalb sie sich gleich auf den Weg dorthin machte. Er befand sich gerade inmitten eines weitläufigen Gebirges und sie fragte sich ernsthaft, was er hier zu suchen hatte.
Erst als sie ihn erreichte fiel ihr die Antwort gleich wie Schuppen von den Augen. Auf seinem Rundgang hatte er einen kleinen See entdeckt, der sein Wasser von einem Wasserfall geliefert bekam. Es war so friedlich und idyllisch hier. Kein Wunder also, dass er diesen Ort zum Baden ausgewählt hatte. Hier wurde man wohl von niemanden überrascht, außer natürlich vom Kätzchen.
Als sie ihn dann entdeckte, stand er mit geschlossenen Augen unter dem Wasserfall und genoss die ruhige Atmosphäre die hier herrschte in vollen Zügen. Dass er nicht mehr allein war, hatte er bis dahin allerdings nicht bemerkt. Erst als sich Chiara vorsichtig von hinten an ihn kuschelte, riss er völlig entsetzt die Augen auf und versteinerte für einen kurzen Moment.
„ Es tut mir leid, Asariah.“ flüsterte sie. „ Gib mir etwas Zeit, um mich an die neue Situation gewöhnen zu können, dann schwöre ich dir, dass ich dir jeden Tag beweisen werde, wie sehr ich dich liebe!“ lief sie knallrot an. „ Ich werde der ganzen Welt zeigen, dass du mein und nur mein Freund bist und dass du der einzige bist, der mein Herz zum Schmelzen bringen kann. Aber bis es so weit ist...“ schlang sie die Arme um seinen Körper. „ Hab noch etwas mehr Geduld mit mir.“
„ Also darf ich davon ausgehen, dass ich dich gestern nicht einfach nur total überrumpelt habe und du wirklich meine Freundin sein willst?“ sah er über die Schulter zu ihr zurück.
„ Natürlich will ich das, schließlich liebe ich dich.“ drückte sie ihre geröteten Wangen an seinem Rücken platt.
„ Und warum siehst du mich dann nicht an und sagst mir das nochmal?“ drehte er sich zu ihr um, woraufhin sie sich noch fester an ihm fest krallte. „ Letztens konntest du es mir doch auch direkt ins Gesicht sagen oder ging das bloß, weil ich von Chaos besessen war? Dann kann ich dich beruhigen, er schläft nämlich noch immer in meinem Unterbewusstsein.“
„ ...“ schielte sie zu ihm auf. „ Reicht es denn nicht, dass ich es dir gerade gesagt habe?“
„ Nein, ich möchte dir dabei in die Augen sehen können.“ lächelte er sie sanft an.
„ Nun gut...“ grummelte sie. „ Ich...“ blickte sie ihn an, lief aber schon im nächsten Moment knallrot an und wollte ihr Gesicht gleich wieder von ihm abwenden, was er allerdings nicht zu ließ. „ Ich habe doch gesagt, du sollst geduldiger mit mir sein!“ protestierte sie mit Händen und Füßen.
„ Das bin ich ja, aber nur wenn du mir jetzt sagst, was du für mich empfindest. Komm, so schwer ist das doch nicht.“ senkte er seinen Kopf uns raubte ihr einen unfassbar prickelnden Kuss.
„ Mhm...“ stöhnte sie leise auf, während sie ihre Arme um seinen Hals schlang.
„ Komm schon, sag es mir.“ wisperte er.
„ Ich liebe dich!“ flüsterte sie.
„ Mhm... ich liebe dich auch.“ drückte er sie fester an sich.
„ Hey ihr zwei.“ wurde das Pärchen von Petros unterbrochen, der neben ihnen in der Luft saß.
„ UAH!“ kreischte Chiara auf und drehte sich zu dem ungebetenen Gast um.
Asariah drückte seine Freundin auch gleich noch fester an sich und lehnte zudem seinen Arm als Blickschutz vor ihre Brüste.
„ Keine Sorge, ich kann mit euren nackten Körpern nichts anfangen. Es macht also keinen Unterschied ob ihr so vor mir steht oder ob ihr etwas an habt.“
„ Was willst du überhaupt hier?“ umklammerte sie panisch den Arm des Teufels.
„ Ich wollte mich von dir verabschieden. Es wird Zeit, dass ich in meine Welt zurückkehre. So lange ich hier bin, kann Lyrias von seinem Volk oder auch von anderen Dämonen entlarvt werden, deshalb muss ich nun gehen.“ kratzte er sich lachend am Kopf. „ Aber wenn ich das nächste mal herkomme, dann trittst du noch mal gegen mich an, ja? Du kannst mich auch gerne mal in meiner Welt besuchen kommen.“
„ Vielleicht mache ich das mal.“ lächelte sie leicht gerötet.
„ Prima. Dann bis zum nächsten mal.“ winkte er ihnen noch mal zu, ehe er sich einfach in Luft auflöste.
„ Was sollte das denn??“ keuchte Asariah auf. „ Diese Elementargeister halten wohl nicht viel von Privatsphäre.“
„ Nun ist er ja weg.“ seufzte sie auf.
„ Ja! Und die knisternde Stimmung hat er gleich mitgenommen.“ knurrte er.
„ Wenn es nur das ist, die kann ich bestimmt ganz leicht wieder zurückholen.“ sah sie zu ihm zurück und strich dabei mit ihrem Katzenschweif an seinem Oberschenkel entlang.
„ Glaubst du, er kommt noch mal wieder?“ gab er ihr einen sanften Kuss aufs Haar.
„ Ich denke nicht.“
„ Gut.“ drehte er sie zu sich um und nahm sie dann auf den Arm. „ Dann darfst du das Feuer gern von neuem anfachen.“ lächelte er.
„ Wirklich? Du gibst mir grünes Licht?“ schlang sie ihre Beine um seine Hüfte.
„ Wie könnte ich das nicht tun...“ seufzte er leise auf. „ Wenn ich doch das heißeste Wesen aller Zeiten auf Händen trage und sie noch dazu absolut nichts an hat?“
„ Das heißeste Wesen aller Zeiten?“ lachte sie. „ Ich glaube du bist zu viel mit Aries zusammen.“
„ Wie kommst du denn jetzt darauf?“ verzog er seinen Mund.
„ Weil das normalerweise seine Sprüche sind.“
„ ...“ wendete er seinen Blick entrüstet von ihr ab.
„ Was ist?“ hakte sie nach.
„ Nichts.“ setzte er sie ab. „ Aber das Knistern kommt wohl doch nicht so einfach wieder.“
„ Nur weil ich gesagt habe, dass Aries auf dich abfärbt?“ riss sie erstaunt die Augen auf. „ Seit wann bist du denn so empfindlich?“
„ Natürlich bin ich empfindlich, wenn du von einem anderen redest und dich dabei an mich reibst.“ entfernte er sich grummelnd von ihr.
„ Du bist eifersüchtig! Und das auf Aries? Warum?“ hielt sie ihm am Arm fest.
„ Ich wäre auch auf jeden anderen Mann eifersüchtig, wenn meine Freundin an ihn denkt während sie versucht mich heiß zu machen!“
„ Aber so war das doch gar nicht...“ zerrte sie ihn zu sich zurück und klammerte sich dann an ihm fest. „ Was soll denn das auf einmal?“ rieb sie ihren Kopf schmollend an seine Brust.
„ Die Stimmung ist zu mindestens hin, also lass uns zurück zum Camp gehen.“ wandte er sich wieder von ihr ab. „ Die anderen sind bestimmt auch schon auf.“
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Re: Diehieee Geschichte

Beitrag von Alexia am Fr 7 Jul - 0:17

Kapitel 17. Das verfluchte Königreich  


Asariah hatte das Ufer kaum erreicht, da sprang ihm ein großes Kätzchen fauchend in den Rücken und riss ihn um. Als er sich dann am Boden liegend zu ihr umdrehte, stemmte sie ihre Vorderpfoten gegen seine Schulter und knurrte ihn mit angelegten Ohren an.
„ Was soll denn der Mist??“ maulte sie. „ Du weißt doch ganz genau, dass ich niemals an einen anderen denken würde, wenn wir es miteinander treiben! Und schon mal gar nicht an Aries!! Er ist schließlich der Lover deiner Schwester, die gleichzeitig meine Seelenverwandte ist!! Für wie selbstzerstörerisch hältst du mich eigentlich?? Zumal ich sie nie im Leben so sehr verletzten würde! Wenn ich wirklich an Aries interessiert wäre, dann hätte ich ihn mir längst gekrallt!“
„ Das hast du doch schon!“ versuchte er sie sanft aber bestimmend von sich runter zu drücken.
„ Aha... das ist also dein Problem.“ ließ sie sich auf seinem Schoß nieder und nahm dabei ihre menschliche Gestalt an. „ Du hast also auch von den Gerüchten gehört.“ verschränkte sie die Arme vor der Brust.
„ Und wenn schon? Jeder hat doch davon gehört...“ murrte er.
„ Willst du wissen, wie es war? Du wärst der erste, dem ich das erzähle.“ sah sie noch immer leicht verstimmt zu ihm runter. „ Du hättest ja auch einfach mal nachfragen können, anstatt gleich für dich festzustellen, dass ich ja noch immer was von ihm will.“
„ Du willst es mir erzählen?“ blickte er sie verblüfft an.
„ Habe ich denn eine andere Wahl?“ konterte sie. „ Ich will schließlich nicht, dass du immer gleich vom falschen ausgehst, nur weil ich in deiner Gegenwart mal seinen Namen erwähne.“
„ Er muss ja wirklich grottenschlecht gewesen sein, wenn du da so ein Geheimnis raus machst.“ grinste er schief auf.
„ Nein, das war er nicht.“ kratzte sie sich seufzend am Kopf. „ Es war angesichts der Situation sogar eigentlich perfekt... wenn man mal davon absieht...“ verbarg sie ihr Gesicht mit den Händen.
„ Wenn man wovon absieht?“ setzte er sich hin und zog dabei ihre Hände vom Gesicht weg. „ Chiara? Was ist passiert?“
„ Wir waren zusammen auf einer Party, Aries und ich. Es wurde viel gelacht, getrunken, getanzt, geflirtet, tja und dann hat mir ein Götterkater, dessen Namen ich an dieser Stelle nicht erwähnen will, etwas in mein Getränk gemischt. Ich war zu unvorsichtig und zu blauäugig, vielleicht auch zu naiv. Deshalb habe ich mein Glas ausgetrunken, ohne über den kurzen komischen Geschmack nachzudenken.“ begann sie zu erzählen. „ Als das Zeug, was sich als ein Aphrodisiakum entpuppte, anfing zu wirken, bin ich aus dem Saal heraus gestürmt und habe mich in einem leeren Raum weit abseits der Feiernden verschanzt. Mein Körper schien verbrennen zu wollen, jede Berührung, sei sie auch noch so flüchtig, entfachte ein Feuer in mir, was ich kaum kontrollieren konnte. Schließlich betrat der Kater den Raum, der für meinen Zustand verantwortlich war und diesen gnadenlos ausnutzen wollte. Ich habe mich so gut es ging gegen ihn gewehrt, aber ich verlor immer mehr die Kontrolle über mich. Seine Berührungen fühlten sich an wie die einer Nacktschnecke, er widerte mich so dermaßen an, dass ich am liebsten gestorben wäre. Allerdings konnte ich nichts machen, mein Körper war wie paralysiert. Er wollte unbedingt von jemanden vernascht werden.“ je mehr sie erzählte, desto finsterer wurde Asariah's Blick, allerdings schwieg er und hörte ihr aufmerksam zu. „ Irgendwann stürmte Aries in den Raum und riss den Mistkerl von mir runter. Ich erinnere mich noch daran, dass der Götterkater durch den Glastisch gekracht ist und am nächsten Tag nicht nur mit einem blauen Augen rum lief. Jedenfalls kickte Aries den Typen aus dem Zimmer und schloss die Tür ab. Letztendlich sorgte er dafür, dass das Zeug seine Wirkung über mich verlor. Am nächsten Morgen wurden wir dann dabei beobachtet, wie wir das Haus zusammen verließen und kurz darauf entstanden die Gerüchte, dass wir unser erstes Mal zusammen hatten, die erste große Liebe, das glückliche Pärchen. Wir ließen es dabei, weil ich nicht länger darüber nachdenken wollte, dass ich beinahe vergewaltigt worden wäre. Deshalb haben wir nie wieder darüber gesprochen und die Gerüchte nicht richtig gestellt.“
„ Das wusste ich nicht.“ drückte der Teufel seine Freundin feste an sich. „ Warum hast du den verfluchten Götterkater nicht angezeigt? Oder ihm den Schwanz abgerissen?“
„ Weil ich es nicht konnte...“ schlang sie ihre Arme murmelnd um seinen Nacken. „ Aries wollte es damals auch melden, aber ich hielt ihn davon ab. Wir waren alle noch jung und ich glaube nicht, dass er das mit böser Absicht gemacht hat. Vielleicht habe ich ihm falsche Signale geschickt.. oder keine Ahnung. Ich wollte ihn nicht seine Zukunft wegen dieser Lappalie verbauen.“
„ Spinnst du??“ starrte er sie aufgebracht an. „ Dieser Typ wollte sich mit allen Mitteln an dir vergehen, das ist doch keine Lappalie! Wäre Aries nicht dazwischen gegangen, dann hätte er sich geholt, was er haben wollte! So jemand darf doch nicht frei rum laufen! Der hat in Illumina nichts verloren!“
„ Die Sache ist nun schon so lange her. Er hat sich entschuldigt und seitdem ist auch nichts mehr geschehen. Ich komme damit klar, wirklich.“ lächelte sie ihn an.
„ Verrätst du mir seinen Namen?“
„ Damit du ihn niederstreckst? Bestimmt nicht!“
„ Ich werde es auch kurz und schmerzlos machen, versprochen!“
„ Das kommt gar nicht in Frage! Vergiss es einfach.“
„ Vergessen? Wie sollte ich das vergessen können?“ maulte er.
„ Indem du nicht weiter drüber nachdenkst. Aries hat mich gerettet, es ist also alles noch mal gut ausgegangen.“
„ Mhm.“ drückte er sie wieder grummelnd an sich. „ Ich hätte nicht gedacht, dass dich so etwas großes mit ihm verbindet.“
„ Aries ist halt ein Freund, auf dem man sich immer und jeder Zeit verlassen kann.“ lächelte sie leicht.
„ Ja, das ist wohl wahr.“ murmelte er. „ Und ich bin wirklich der erste, dem du das gesagt hast?“
„ Jup.“
„ Wow, da kann ich mich ja richtig geehrt fühlen.“
„ Das kannst du wirklich.“ löste sie sich leicht von ihrem Freund, um ihm in die Augen sehen zu können. „ Und? Darf ich das Feuer jetzt von neuem entfachen?“ biss sie ihm verspielt in die Unterlippe.
„ Im ernst? Trotz der schlechten Erinnerung, die gerade ans Land gespült wurde?“
„ Ich sagte doch schon, dass mich das nicht mehr juckt.“ grinste sie breit auf, ehe sie den Herrn stürmisch nach hinten stieß und sich auf in stürzte, dieser parierte ihren kleinen Angriff allerdings und beförderte die Dame gleich mal unter sich. „ Mhm...“ legte sie schmollend die Ohren an.
„ Es tut mir leid, Chiara.“ flüsterte er.
„ Was denn? Kannst du nicht? Oder willst du nicht?“
„ Sicher kann ich und ich will auch, daran liegt es nicht.“ murrte er. „ Ich hab dich so oft überfallen, ohne zu wissen was mit dir damals geschehen ist.“
„ Es gibt aber einen gravierenden Unterschied zwischen den beiden Überfallen. Den Typen damals wollte ich wirklich nicht spüren, dich aber schon. Das ich mich zierte war eher so eine Art Vorspiel.“ griente sie ihn verführerisch an. „ Und nun komm schon.“ schlang sie die Arme um seinen Nacken und drückte ihn seufzend an sich. „ Wer weiß wann wir das nächste mal ungestört sein können.“

Während sich Asariah von seiner Freundin einwickeln ließ, erwachte Cheria mit einem ausgesprochen mulmigen Gefühl im Bauch. Sie erinnerte sich an das weiche Fell und wie geborgen sie sich in der Nähe des Kätzchens fühlte. Es war nun kein Ersatz für die Nähe von Lyrias, aber zu mindestens konnte sie dadurch einigermaßen ruhig schlafen. Bis Chiara plötzlich verschwand und sich die wohltuende Wärme in gefrierende Kälte verwandelte. Dieses unnatürliche Gefühl brannte sich bis in ihr innerstes nieder, es verpasste ihr eine Gänsehaut, dass selbst ihre Knochen vor Angst zitterten. Sie schien zu spüren, wie ihr Herz immer mehr gefror, wie die Dunkelheit über ihre heile kleine Welt hereinbrach. Als sie dann durch ihr heftiges Zittern erwachte, lag bereits ein bläulicher Schimmer auf ihren Lippen. Aber damit nicht genug, denn hinter ihr lag jemand, der die Arme um ihren Körper geschlungen hatte. Sie glaubte ihn ganz genau zu spüren, den Typen, der für diese heftige Kälte verantwortlich war, aber als sie sich bewegte war er plötzlich verschwunden. Einzig dieses widerwärtige um nicht zu sagen abscheuliche Gefühl seiner Umarmung blieb ihr erhalten.
>Hab ich das nur geträumt?< setzte sie sich bibbernd auf. >Aber warum ist mir dann so furchtbar kalt? Wäre ein Dämon hier gewesen, dann hätten sie ihn doch gleich vernichtet, oder nicht? Was war das nur?<
„ Cheria? Ist alles in Ordnung?“ hockte ich mich vor ihr hin. „ Du zitterst ja wie Espenlaub.“
„ Da war jemand...“ stammelte sie.
„ Wo?“ lehnte ich meinen Kopf fragend zur Seite.
„ Bei mir.“ sah sie zu mir auf, erst da bemerkte ich ihre blaue Lippen.
„ Oh Gott!! Deine Lippen sind ja ganz blau!“ lehnte ich meine Hand an ihre Wange. „ Warum ist dein Körper denn so furchtbar kalt?“ drückte ich sie schockiert an mich. „ Lyrias! Los wach auf!!“ brüllte ich ihm zu.
„ Was ist denn los...?“ setzte er sich gähnend auf und blinzelte mich verschlafen an.
„ Mit Cheria stimmt was nicht und Aries ist gerade nicht da, also musst du sie wärmen!“
„ Was stimmt denn mit ihr nicht?“ stand er seufzend auf und schlenderte zu uns hin.
Als er dann allerdings ihre blauen Lippen und die bleiche Hautfarbe sah, war er mit einem Schlag hellwach und lehnte eine Decke über ihre Schulter ehe er sie feste an sich drückte.
„ Neos! Ich brauche deine Wärme, sofort!“ rief er seinen Feuergeist herbei, der auch gleich für eine angenehme Temperatur unter der Decke sorgte. „ So kalt ist es doch gar nicht, wieso bist du so ausgekühlt?“
„ Mhm...“ schielte ich zu dem schlafenden Jungen hin.
„ Hast du eine Idee?“ wollte der Dämon wissen.
„ Nicht nur eine Idee, ich denke, ich weiß wer für ihren Zustand verantwortlich ist.“ sah ich ihn an. „ Aber hier ist nicht der richtige Ort um das zu klären.“
„ Ja, da hast du wohl recht.“ murmelte er. „ Warum wirkt sie so apathisch? Liegt das noch an der Kälte?“
„ Ich weiß nicht, ob man apathisch wirkt wenn man friert. Wie du weißt, kann ich eigentlich nicht frieren und ich stecke noch nicht lang genug in diesem Körper, um das beantworten zu können.“ meinte ich. „ Aber ich weiß, dass zu mindestens ihre Teilnahmslosigkeit nicht nur an der Kälte liegt.“
„ Und das heißt was?“
„ Ihre Seele war verschwunden.“ erklärte ich. „ Aber sie kommt langsam wieder, deshalb wirkt sie wie eine emotionslose Hülle.“
„ Wie, ihre Seele war weg???“ fiel ihm vor Schreck alles aus dem Gesicht.
„ Nicht so laut und nicht hier.“ legte ich meinen Zeigefinger auf meine Lippen. „ Ich werde dir gleich alles erklären.“
Gleich bedeutete in dieser Situation, dass ich darauf wartete bis Asariah und Aries zurückkamen. So konnten Serah und Chiara bei Cheria bleiben, während ich die drei Herren aufklärte. Dafür entfernten wir uns vom Camp.
„ Also? Was ist los?“ wollte Lyrias wissen.
„ Ja, das würde mich auch interessieren.“ meinte der Seelendieb.
„ Cheria wurde von einem Geist heimgesucht. Wenn sie sich in das Unterbewusstsein eines Menschen schleichen, dann verursachen sie dort eine unangenehme Kälte. Ich bin mir sicher, dass das Akemi war, denn ich konnte keinerlei Rückstände eines Geistes sehen.“
„ Und was hatte er in ihrem Unterbewusstsein zu suchen?“ hakte der Teufel des Todes nach. „ Hat er etwa versucht sie zu besetzen?“
„ Ich weiß es nicht. Vielleicht hat er gar nicht mitbekommen, dass er sich dorthin geschlichen hat. Wenn er nicht weiß, dass er tot ist, dann weiß er auch nicht, dass er eigentlich nur eine Seele ist, die bereits im Jenseits sein sollte. Es ist gut möglich, dass er versuchte Cheria um Hilfe zu bitten. Deshalb war ihre Seele kurz verschwunden, weil er sie in einen Bereich ihres Herzens gezogen hat, aber er wurde gestört oder aber er hat nicht genug Kraft um sie erreichen zu können. Letztendlich ist er noch ein Kind, nicht wahr?“
„ Zu mindestens sieht er wie eins aus.“ murmelte Lyrias. „ Warum gerade Cheria? Warum hat er nicht versucht, wen anderes zu erreichen?“
„ Vielleicht weil es bei ihr zur Zeit am einfachsten ist?“ überlegte ich. „ Eine strahlende Aura lässt sich schwieriger durchbrechen, als eine die bereits erste Risse zeigt. Wenn man wegen irgendwas bestürzt, verletzt oder traurig ist, wenn negative Gefühle das Bewusstsein trüben, dann ist man für einen Körperbesetzer ein leichtes Opfer.“
„ Ich bin mir gerade nicht mehr so sicher, ob wir ihm wirklich dabei helfen sollten nach Hause zurückzukehren.“ verschränkte Asariah seufzend die Arme vor der Brust. „ Allerdings können wir ihn auch nicht zurücklassen, da haben wir uns ja was schönes eingebrockt.“
„ Auf der anderen Seite, was sollte denn schon groß geschehen, wenn wir ihn zu seinen Eltern bringen?“ zog Aries fragend eine Augenbraue hoch. „ Selbst wenn er ein Geist ist und über abgrundtief böse Absichten nachdenkt, steht er immer noch Teufeln, Göttern und dem Licht höchstpersönlich gegenüber. Was sollte er gegen uns ausrichten können?“  
„ Hochmut kommt vor dem Fall, das ist dir bekannt, ja?“ schielte der Mondlichtdämon zu ihm rüber.
„ Er ist ein Geist! Ein Fingerschnipp und Asariah befördert ihn ins Jenseits!“
„ Ich habe das Gefühl, dass es nicht ganz so einfach werden wird.“
„ Wir werden es ja bald sehen, schließlich befindet wir uns ganz in der Nähe seiner Heimat.“ bemerkte ich.
Es dauerte einige Zeit, bis sich Cheria vollständig erholt hatte und wir weiter ziehen konnten. Natürlich dachte sie die ganze Zeit darüber nach, was denn plötzlich in sie gefahren war. Sie hatte das Gefühl, als hätte man versucht sie aus ihrem Körper zu reißen, auch wenn sie nicht wirklich verstand, was sie da überhaupt dachte. Irgendetwas in ihr versetzte sie in Angst und Schrecken, allerdings konnte sie nicht erklären, was es war, dementsprechend konnte sie mit niemanden darüber reden. Die Priesterin musste das eigenartige Wissen jedes mal mit einem Wackelzahn vergleichen: Man wusste auch ohne ihn berühren zu können, dass man ihn irgendwann verlor!
Immer wieder wurde sie von einer gruseligen Gänsehaut erfasst, die ihr einen eiskalten Schauer über den Rücken laufen ließ. Was geschah nur mit ihr?

Nach einem kleinen Fußmarsch erreichten wir dann endlich das Dorf, was von den Dämonen überfallen und mit einem Fluch belegt wurde. Im ersten Moment sah es wirklich wie ein stinknormales Dorf aus, aber das Bild, was sich vor uns bot, war verzerrt. Man konnte es wohl mit einem Hologramm vergleichen, was ab und an verschwamm und auch mal mit einem leisen Knistern für ein paar Sekunden verschwand. Natürlich könnte dies mit dem Bann zusammenhängen, was das Dorf in eine Zwischenwelt oder ähnliches verbannte. Es war also noch hier, aber irgendwie auch nicht. Was mich allerdings störte, war das hohe Vorkommen dunkler Energie, was sich direkt am Dorf zu bündeln schien. Es war allerdings auch möglich, dass Akemi's Heimat in eine Dämonenwelt gesperrt wurde und dass dadurch ein Riss entstand, aus der die dunkle Aura nur so herausströmte. Was immer es auch war, ich machte mich auf das Schlimmste gefasst.
„ Hier wohne ich!“ erklärte der Junge strahlend. „ Ich kann endlich nach Hause zurückkehren! Nach so langer Zeit werde ich meine Eltern endlich wiedersehen.“
„ Hier ist es also?“ betrachtete Aries das Trugbild. „ Mhm, hier wimmelt es nur so vor dunkler Energie.“
„ Das kommt von den Dämonen, die uns hinterrücks überfielen! Wir dürfen keine Zeit verlieren, vielleicht sind sie noch am Leben!“ griff er Cheria's Hand. „ Komm schon, du musst den Fluch brechen!!“
„ Ich?“
„ Natürlich du! Du bist doch eine Priesterin! Du verfügst über die heilige Macht der Götter! Nur dir ist es möglich, den Bann zu brechen.“
>Aber ich bin doch eine Göttin und noch dazu die Göttin der Reinheit. Warum sollte ich den Bann nicht brechen können?< verzog Serah innerlich den Mund.
„ Ich weiß nicht, ob ich das schaffen kann.“
„ Aber sicher schaffst du das! Du verfügst über die reine Seele, nach der ich schon so lange suche. Komm mit mir und befreie uns!“ zerrte er sie weiter zum Dorf hin.
„ Ich kann es ja mal versuchen.“ wanderten ihre Bedenken immer weiter in den Hintergrund, je länger er sie berührte.
„ Irgendwie habe ich kein gutes Gefühl bei der Sache...“ flüsterte Chiara. „ Vielleicht sollten wir sie aufhalten. Mir gefällt das nicht.“  
„ Das Siegel ist unheimlich stark...“ konzentrierte ich mich darauf und versuchte die ablenkende Finsternis zu ignorieren, die die Herkunft des Bannes zu verschleiern versuchte. „ Sogar richtig stark!“ riss ich plötzlich meine Augen auf. „ Das ist!!! CHERIA!!“ doch gerade als ich zu ihr hin stürmen wollte, prallte ich gegen eine unsichtbare Barriere. „ Was ist jetzt???“ tastete ich die Wand schockiert ab. „ Cheria! Du darfst den Bann nicht lösen! Hörst du?? Komm zurück!“
Aber die Priesterin reagierte nicht auf meine Rufe, stattdessen sah der Junge mit einem teuflischen Grinsen zu uns zurück.
„ Zu spät... ihre Seele gehört bereits mir!“ erklärte er mit einer bedrohlich wirkenden Stimme, die nicht mehr wie die eines kleinen Jungen klang. „ Und nun werde ich dafür sorgen, dass wir endlich befreit werden! Dann wird Elysia erneut vor Angst erzittern! Ihr dachtet, die Dämonen wären euer größtes Problem? Nun, dann seht dem wahren Grauen in die Augen!“ blieben sie direkt vor dem Hologramm stehen.
„ NICHT ANFASSEN!!!“ drang plötzlich eine weitere männliche Stimme an mein Ohr. „ Du törichtes Kind, fasse das Bannfeld nicht an!“
Doch da war es schon zu spät, da Akemi die Dame breit grinsend gegen das Schutzschild stieß. Ihre Finger hatten dieses kaum berührt, da brach der Schein, wie ein Spiegel klirrend, in sich zusammen. Die Illusion des Dorfes verschwand, während der Riss, der in die andere Welt führte, wahrlich explodierte. Ein heftiger Sturm fegte über die Erde, der alles mit sich riss, was nicht Niet und Nagelfest war. Durch die Hilfe des unbekannten Mannes, der den Sturm spaltete, so dass er an uns vorbei raste, blieb uns ein Freiflug erspart. Als sich der Wind legte und wir wieder geradeaus schauen konnten, war von dem kleinen Dorf nichts mehr zusehen, stattdessen erstreckte sich ein pechschwarzes Schloss vor uns, das gruseliger nicht sein konnte. Etliche Skelettritter versammelten sich auf den Schlossmauern und zielten mit ihren Bögen auf uns, während die Pforte geöffnet wurde und noch mehr Krieger herausströmten, die allesamt über gefährliche Waffen verfügten.
Dann tauchte wirklich das Grauen aller Grauen auf. Der König dieses Reiches höchstpersönlich. Allerdings war von seiner alten Schönheit, wenn er denn dann jemals eine besaß, nichts mehr übrig. Sein Körper war in sich zusammen gefallen, die Haut hing ihm teilweise in Fetzen an den Knochen herunter und sein Gesicht war so abscheulich, dass er es hinter einer Maske verbergen musste.
Akemi, der wie wir ja jetzt wussten auch zu diesem Volk gehörte, sah dagegen aus wie das blühende Leben. Er hatte längst nicht mehr den Körper eines Kindes, sondern den eines jungen Mannes.
„ Endlich!“ lachte der Herrscher diabolisch auf. „ Endlich wurden wir aus unserer Verbannung befreit.“ sah er grinsend auf die bewusstlose Dame herab, die Akemi festhielt. „ Bald schon werden wir zu unserer alten Stärke zurückfinden und dann wird diese Welt vor Schmerzen schreien! Wir werden wie ein Lauffeuer über die Erde preschen und alles vernichten, was uns in die Quere kommt und dieses Mal, kannst du uns nicht aufhalten.“ starrte er den fremden Mann feindlich an. „ Ich werde dich persönlich wie eine Made zerquetschen!“ ballte er seine skelettierte Hand zur Faust. „ Das, wird deine gerechte Strafe sein.“
„ Danke für eure Hilfe.“ warf Akemi die Priesterin zu dem König hin. „ Wir werden uns gut um sie kümmern. Sie schmeckt bestimmt vorzüglich.“ strich er sich breit grinsend mit der Zunge über die Lippen. „ Kommt mich doch mal besuchen, wenn euch langweilig ist.“ winkte er ihnen noch mal zu, ehe er mit seinem Vater ins Schloss ging.
„ Cheria!!!“ brüllte Lyrias erschrocken auf. „ Bleibt gefälligst hier, ihr Mistkerle!“ aber auch er krachte mit Karacho gegen die unsichtbare Barriere. „ Hey! Habt ihr nicht gehört?? Ihr sollt stehen bleiben!“
„ Bemühe dich nicht, unser Schutzschild lässt keine ungebetenen Eindringlinge zu. DU wirst es garantiert nicht zerstören können.“ sah er grinsend über seine Schulter zu ihm zurück.
„ Das werden wir ja sehen!“ wich er ein paar Schritte zurück. „ Ich warne euch, wenn ihr Cheria auch nur ein Haar krümmt, dann bringe ich euch persönlich um!“
„ Wie willst du das anstellen??“ bekam er einen gehässigen Lachanfall. „ WIR sind doch bereits TOT!“
„ Dann sterbt ihr halt nochmal!!“ brüllte er ihm zu, während er seine dämonische Gestalt zurückerlangte und dann mit voller Wucht und der Hilfe seiner Elementargeister gegen das Schild preschte.
Tatsächlich zeichneten sich die ersten Risse ab, ehe es einfach zersplitterte und Lyrias ungehindert auf das Schloss zustürmen konnte. Die Bogenschützen feuerten auch gleich ihre Geschosse ab, denen der Dämon gekonnt und ohne nennenswerte Probleme auswich. Dann schlug er vor den Toren ein wie eine Bombe und zerstörte gleich den Großteil der Feinde, die sich dort platziert hatte. Als er allerdings das Tor erreichte, schloss es sich gerade.
„ Verdammt!“ schlug er mit der Faust gegen die Holzbretter.
„ Lyrias!“ wehrte Grantus gerade die Pfeile ab, die auf den Dämonen zugeflogen kamen. „ Ich verstehe ja, dass du Cheria retten willst, aber dich kopflos in unnötige Gefahren zu stürzen, hilft ihr kein Stück weiter!“
„ Grantus hat Recht!“ meinte Seleas. „ Wir sollten uns zurückziehen und unsere Rettungsaktion planen!“
„ Los, komm schon!“ zerrte Petros den Herrn von dem Gefahrenherd weg.
„ Wir müssen sie retten...“ starrte er besorgt zum Schloss zurück.    
„ Das werden wir auch, keine Sorge.“ versicherte Neos ihm.
„ Ich hätte nicht gedacht, dass ich dich hier noch mal antreffen würde.“ starrte der Typ in der schwarzen Rüstung Lyrias leicht lächelnd an. „ Solltest du nicht schon längst in deiner Welt auf dem Thron sitzen und dich von den Mädels verwöhnen lassen?“
„ Hm?“ wendete er sich dem Herrn zu. „ Elyrion?“ staunte er auch nicht schlecht.
„ Wow, so lange nicht gesehen und doch auf Anhieb wiedererkannt. Ich bin beeindruckt.“ grinste er schief auf.
„ Was machst du denn hier? Ich dachte, du wolltest in deine Welt zurückkehren?“
„ Ja, so war der Plan.“ nickte er. „ Doch dann explodierte mein Planet und ich wurde durch einige Universen geschleudert. Tja, dabei verlor ich mein Gedächtnis und irrte durch die Weltgeschichte, bis ich wieder hier gelandet bin. Ich entschloss mich zu bleiben und erhielt irgendwann meine Erinnerungen wieder.“ lehnte er seinen Kopf schief. „ So sieht es aus.“
„ Dein Planet ist explodiert? Das tut mir leid.“
„ Schon ok, ist ja jetzt schon ein paar Jahrhunderte her.“ wehrte er lächelnd ab. „ Wir sollten jetzt erst einmal zusehen, dass wir deine kleine Freundin retten. Danach können wir unser Wiedersehen gebührend feiern.“
„ Einverstanden.“ nickte er.
„ Was haben die mit Cheria vor?? Wir müssen da sofort rein und sie rausholen!“ schnaufte Serah, als die beiden Männer bei uns ankamen.
„ Die Typen haben einen Pakt mit dem Teufel geschlossen. Nichts für ungut!“ letzteres war an die beiden Ladthaaner gerichtet. „ Sie haben ihre Seele an die schwarze Magie verkauft, um unsterblich zu werden. So wurden sie zu den gefürchtetsten Magiern die Elysia jemals heimsuchten. Genaugenommen waren sie bisher die einzigen, aber egal. Jedenfalls stießen sie auf einen Zauber, der ewiges Leben versprach, wenn man ihn auf sich selbst wirkte. Was sie taten, allerdings haben sie dabei nicht bedacht, dass jede Hexerei eine Schattenseite besitzt. Sie leben nun zwar ewig, aber dafür verfällt ihr Körper mit einer rasanten Geschwindigkeit, was man bei dem König sehr gut sehen konnte. Um das zu verhindern, bedarf es der Hilfe unschuldiger Jungfern.“
„ Aber Cheria ist keine Jungfer mehr...“ bemerkte Chiara.
„ Das macht nichts, weil sie trotzdem über eine reine Seele verfügt.“ erklärte er. „ Das macht aus ihrem Körper eine heilige Stätte, wenn du so willst und diese Heiligkeit saugt Talon, der König, aus ihr heraus, in dem er mit ihr schläft. So erhält er seine Jugend zurück und Akemi, sein missratener Sohn, verspeist ihre Seele.“
„ Deshalb war ihre Seele kurz verschwunden!!“ riss ich entsetzt die Augen auf. „ Er wollte sie gar nicht erreichen, er hat versucht sie zu fressen!!!“
„ Ihr habt wirklich Glück gehabt, dass ihr zu stark für ihn seid. Sonst wärt ihr jetzt auch da drin.“ deutete er auf das Schloss hin, während er mich und Serah musterte.
„ Ich mach sie fertig, wenn die Cheria anfassen.“ ballte Lyrias seine Hände zu Fäusten.
„ Warum weißt du das alles? Wer bist du?“ betrachtete Aries den Typen.
„ Mich würde eher interessieren, wer du bist.“ wich er der Frage aus, während er sich Asariah zuwendete. >Warum kann ich Lastalia's Aura in ihm schlummern sehen? Was hat das zu bedeuten?<  
„ Erst erzählst du uns wer du bist! Dann erzählen wir dir vielleicht, wer wir sind.“ murrte der Seelendieb.
„ Nun gut, mein Name ist Elyrion.“
„ Elyrion??“ starrte ich ihn mit großen Augen an, während der Groschen endlich bei mir fiel. „ Natürlich!! Deshalb kommst du mir so bekannt vor! Du bist Lastalia's Bruder!“
„ Lastalia's Bruder???“ rief der Rest im Chor.
„ Mhm, also erinnerst du dich doch an mich.“ lächelte er mich charmant an. „ Dann kannst du mir bei Zeiten bestimmt mal erklären, was mit meinem Bruder passiert ist.“
„ Du weißt nicht, was mit Lastalia geschehen ist?“ hakte Serah verblüfft nach.
„ Nein, weiß ich nicht. Ich habe mein Gedächtnis verloren und als ich es wiedererlangte, war meine Welt verschwunden und Lastalia ebenfalls.“ sah er wieder zu Asariah rüber. „ Aber das ist gerade nicht so wichtig. Wir sollten diese Cheria befreien, ehe man sie nicht mehr befreien kann.“
„ Du hast recht.“ nickte die Göttin.
„ Wir sollten das Schloss einfach stürmen! Petros und ich könnten uns um die Bogenschützen kümmern, während ihr mit Gewalt das Tor aufbrecht.“
„ Die Idee gefällt mir!!“ jubelte der Windgeist.
„ Ums Aufbrechen kann ich mich kümmern.“ meinte Grantus.
„ Gut, dieses Mal werde ich sie gleich vernichten und nicht nur verbannen.“ meinte das Überwesen. „ Auf geht es! Mischen wir sie mal so richtig auf.“ ließ er sein Schwert erscheinen.

Chiara und Petros zischten wie Blitze durch die feindlichen Reihen und pulverisierten ein Skelett nach dem anderen. Der Rest kümmerte sich um die Gegner, die wie Unkraut aus dem Boden sprießten. Wobei Elyrion nicht gerade viele Feinde stehen ließ. Er war nun mal Lastalia's Bruder und verfügte über eine ähnlich starke Kraft. Vermutlich hätte er das Schloss auch allein stürmen können, so wie er es damals schon einmal tat. Denn dieses Gebäude stand einst da, wo sich nun Necorana befand und der Ritter, der den bösen König niederstreckte, war niemand anderes als Elyrion gewesen. Die Vermutung lag also nah, dass er es wieder allein hinbekommen würde. Wobei ich an dieser Stelle erwähnen sollte, dass seine Aura äußerst schwach war. Deshalb hatte ich ihn nicht gleich erkannt. Ich fragte mich, ob er sie selbst unter Verschluss hielt oder ob irgendwas geschehen war, was seine Kräfte so stark schrumpfen ließ.
„ Kümmert euch nicht zu sehr um die Skelette!“ rief uns Elyrion zu. „ Es werden immer neue kommen! Konzentriert euch lieber auf das Erreichen der Tore! Und macht euch darauf gefasst, dass im Inneren der Burg noch mehr Feinde lauern werden.“
„ Und glaubst du immer noch, dass Asariah Akemi mit einem einfachen Fingerschnipp vernichten kann?“ wollte Lyrias von Aries wissen, während er die Ritter zerquetschte.
„ Haha...“ verzog der Seelendieb seinen Mund.
„ Das dachte ich mir.“ rief er mit einer Handbewegung nach Grantus. „ Los Grantus, JETZT!“ mit der Kraft seines Erdgeistes schlug er mit der Faust auf dem Boden und schickte ein Meer aus riesigen Erdstacheln von sich, die das hölzerne Tor und alle Monster, die sich in seiner Nähe befanden zertrümmerten. „ Das ist die Gelegenheit! Erstürmen wir die Höhle des Löwen!“
„ Wow, du hast wirklich gewaltige Fortschritte gemacht!“ nickte Elyrion beeindruckt.
Gemeinsam betraten wir den Schlosshof und standen prompt einer neuen Armee gegenüber, die uns mit ihren hohlen Augenlöchern und klappernden Zähnen betrachteten, ehe sie alle gleichzeitig auf uns los gingen.
„ Pah! Ich stand schon viel stärkeren Dämonen gegenüber! Im Gegensatz zu denen, seid ihr nichts weiter als Papierstäbchen!!“ sprang Chiara in ihrer großen Katzengestalt ins Getümmel und riss die Gegner buchstäblich auseinander.
Die Atmosphäre, die hier herrschte, schien mich gnadenlos erdrücken zu wollen. Ich vernahm die Schreie der Prinzessinnen, die hier einst ihr Leben ließen, spürte ihr Verlangen nach Rache und die Sehnsucht nach Vergeltung. Die gesamte Luft war erfüllt von ihrer Trauer, der Verzweiflung, der Wut und auch ihrer Angst. Das war definitiv kein Ort, an dem ich mich in meinem derzeitigen Zustand aufhalten sollte.
„ Halte noch ein bisschen durch.“ vernichtete Elyrion einen Ritter, der sich von hinten an mich ran geschlichen hatte. „ Sobald wir deine Freundin gerettet haben verschwinden wir von hier.“
„ Ich komme schon klar.“ nickte ich.
„ Ich werde dich trotzdem im Auge behalten.“ zwinkerte er mir zu, ehe er wieder davon preschte.
Wir kämpfen uns bis zu dem Gebäude vor, in dem sich die Bastarde und Cheria befinden mussten. Als wir das dann betraten, zog sich plötzlich ein Bannfeld drum herum, was den Skeletten den Eintritt verwehrte.
„ Was ist das?“ hakte Serah verblüfft nach. „ Warum können sie uns nicht folgen?“  
„ Weil uns da scheinbar jemand helfen will.“ bemerkte das Überwesen. „ Ich spüre eine starke Präsenz, das komplette Schloss ist erfüllt von ihr.“
„ Wer könnte das sein?“ riss sie erstaunt die Augen auf.
„ Keine Ahnung, aber wir werden es bestimmt bald erfahren.“ schlenderte er schon mal vor. „ Falls Akemi die Seele eurer Priesterin bereits verschlungen hat, dann dürft ihr ihn übrigens nicht töten. Ansonsten verschwindet sie mit ihm.“ erwähnte er.
„ Was...?“ verzog Chiara ihren Mund. „ Und wie bekommen wir ihre Seele dann aus ihm heraus, wenn wir ihm nicht das Genick brechen dürfen?“
„ Tja, das weiß ich auch noch nicht so genau.“
„ Wie, das weißt du nicht so genau?“ hakte Lyrias aufgebracht nach. „ Es muss doch einen Weg geben um sie aus ihm raus holen zu können.“
„ Aus diesem Grund habe ich sie damals nur verbannt. Ich wollte nicht, dass die ganzen Seelen der unschuldigen Frauen bis in alle Ewigkeit mit ihm vereint sein müssen. Während der Verbannung stand für sie die Zeit still. Sie haben weder was gespürt, noch wussten sie, wo sie sich befanden.“
„ Das heißt also, dass die Seelen in ihm quasi weiterleben??“ fiel Serah beinahe alles aus dem Gesicht. „ Wie abartig ist das denn bitte??? Da wird man verschlungen und realisiert das jeden Tag aufs neue immer und immer wieder? Wie barbarisch!“ schüttelte sie sich. „ Wenn du Lastalia's Bruder bist, gehörst du doch auch zu den körperlosen Wesen, warum bist du nicht in sein Unterbewusstsein gestiegen und hast seine Opfer da raus geholt??“
„ Weil ich es nicht kann.“ erklärte er. „ Ich kann nicht in jeden x-beliebigen Körper einsteigen und in seinem Unterbewusstsein herum spucken.“
„ Genau genommen kann er in gar keinen Körper fahren.“ gab ich von mir.
„ Aber er hat doch einen Körper...?“ drückte sie auf seinem Arm rum. „ Der hat definitiv einen.“
„ Ja, weil er die Fähigkeit erlangt hat, sich einen zu erschaffen. Genauso wie es bei Lastalia der Fall war und genauso...“ senkte ich meinen Kopf. „ … wie man es von mir erwartet hat.“ flüsterte ich. „ Deshalb kann er niemanden mehr besetzen. Weil er nicht mehr als körperlos gilt.“
„ Oh... ok. Und wie erlangt man diese Fähigkeit?“
„ Indem man sein Herz erweckt.“ erklärte Elyrion. „ Die Macht der Gefühle eröffnet uns den Pfad zu einem eigenen Körper. Leider, haben wir das viel zu spät erkannt. Unsere Welt ging unter, weil wir uns für nichts und niemanden interessiert haben. Weil wir alles für selbstverständlich hinnahmen und unseren Planeten gnadenlos ausgebeuteten. Mein Bruder war der erste, der diesen Zustand der Gleichgültigkeit nicht mehr ertragen konnte. Er entwickelte sich stetig weiter und letztendlich galt er als mächtigstes Wesen aller Zeiten. Er hat verstanden worauf es ankam und vor allen Dingen hat er bemerkt, dass unsere Welt auseinander brach. Ich habe seine Sorgen nicht ernst genommen und bin lieber durch die Gegend gereist, um mir mehr Wissen und mehr Macht anzueignen. Ich habe zwar die Sache mit dem Herzen verstanden und konnte ebenfalls mit ihm gleich ziehen, in dem ich mir einen Körper bastelte. Aber ich steckte trotzdem noch voller Egoismus. Inzwischen weiß ich, dass ich ihm niemals das Wasser reichen kann, weil meine Liebe für die anderen nicht, so wie es bei ihm der Fall war, grenzenlos ist. Und nun ist er verschwunden... und ich weiß nicht einmal warum.“
„ Aber bist du denn nicht hier, um die Elysianer zu schützen, weil sie dir irgendwie am Herzen liegen?“ ging Chiara an ihm vorbei. „ Bei Lastalia war es doch genauso, oder nicht?“
„ Ähm... kann schon sein?“
„ Dann kannst du ihm vielleicht ja doch das Wasser reichen.“ sah sie lächelnd zu ihm zurück.
„ Mhm, schon möglich.“ erwiderte er das Lächeln leicht.
Kurz darauf erreichten wir dann den Thronsaal, wo sich Cheria zur Zeit aufhielt. Akemi befand sich bei ihr. Dieser saß quer auf seinem Thron, während die Priesterin regungslos auf dem Treppenansatz saß, der zu dem Mistkerl hinauf führte.
„ Da seid ihr ja endlich.“ gähnte er ausgiebig. „ Ich dachte schon, ihr wollt eure Freundin gar nicht mehr abholen.“ stützte er seinen Kopf an der Hand ab. „ Sie hat wirklich ausgesprochen gut geschmeckt.“ strich er sich grinsend mit dem Finger über die Lippen. „ Ihr könnt sie wieder haben, wenn ihr wollt. Talon hat sich bereits ein neues Opfer ausgesucht.“ setzte er sich richtig hin. „ Ihr könnt sie im Austausch für das Blondchen wieder haben.“ deutete er auf Serah hin.
„ IIHHH!! VERGISS ES!!“ klammerte sie sich an Aries fest.
„ Keine Sorge, der bekommt dich garantiert nicht.“
„ Oh, ich will sie auch gar nicht haben. Ihre Seele würde mir bloß schwer im Magen liegen, aber mein Alter würde zu gern über sie herfallen. Aber nun gut, wenn ihr dem Tausch nicht zustimmen wollt, dann hole ich sie mir eben mit Gewalt.“ erhob er sich von seinem Platz. „ Euch ist ja bewusst, dass ihr mich nicht töten könnt, richtig? Denn dann würde ihre Seele ebenfalls verschwinden.“ hockte er sich neben Cheria hin und tätschelte ihren Kopf. „ Und das wollt ihr doch sicher nicht, richtig? Ich gebe euch einfach ein paar Minuten Bedenkzeit, vielleicht wollt ihr mir die Kleine ja doch freiwillig überlassen.“
„ Kannst du die Seelen sehen, die sich in ihm befinden und sie vielleicht aus ihm heraus zerren?“ wollte Chiara von ihrem Freund wissen.
„ Ich sehe sie, ja. Aber sie werden mich kaum hören können, da sie von einer dichten Nebelwand umgeben sind.“ erklärte er.
„ Aber du bist doch der Teufel des Todes! Wenn du die Seelen nicht retten kannst, wer dann?“
„ Diese Seelen sind anders als die der Verstorbenen. Sie leben praktisch in ihm weiter und es ist mir nicht erlaubt, ein Leben vorzeitig zu beenden.“
„ Diese starke Präsenz ist hier besonders deutlich zu sehen, kommt sie von ihm? Wenn sie aus ihm heraus agieren kann, dann kannst du sie vielleicht erreichen und ihr zeigen, wo das Licht ist. Sollte sie auf deine Rufe reagieren, dann kann sie alle anderen Seelen mit ins Licht ziehen.“ meinte das Überwesen.
„ Da ist kein Licht, was sich von den anderen abhebt.“
„ Doch da ist eins.“ erklärte ich. „ Sie ist zwar hinter der Nebelwand, aber sie sieht mich ganz eindeutig an und bittet um Hilfe. Es ist ihr also möglich, durch den Schleier hindurchzusehen.“ lächelte ich die Dame an, die das Lächeln schließlich hoffnungsvoll erwiderte. „ Ich werde gehen.“
„ Was?“ starrte mich Serah erschrocken an. „ Das darfst du nicht!! Du bist viel zu geschwächt, außerdem schläft der Großteil von dir doch!“
„ Dann wird es nun Zeit, dass ich aufwache. Ich bin die einzige, die in seinen Körper fahren und die Seelen retten kann!“
„ Und was passiert dann mit Sasha?? Wird sie nicht sterben, wenn du sie nicht länger am Leben hältst??“
„ Ich halte das auch für keine gute Idee.“ gab Aries seinen Senf dazu ab. „ Er könnte dich ebenfalls verschlingen und dann haben wir wirklich ein Problem.“
„ Das wird nicht geschehen.“ verschränkte Elyrion die Arme vor der Brust. „ Wir haben schließlich noch ein Ass im Ärmel und dieses Ass wird es niemals zulassen, dass sie stirbt.“
„ Redest du von dir? Ich dachte, du kannst die Seelen nicht erreichen!?“ murmelte die Göttin.
„ Ich rede auch nicht von mir. Vertraut mir einfach, ok? Ihr wird nichts geschehen.“  
„ Aber wirst du die Seelen überhaupt retten wollen, wenn du erwachst? Was ist denn, wenn du dich stattdessen gegen uns stellst? Um Chaos auslöschen zu können?“ setzte Serah alles daran, mich von meinem Plan abzubringen.
„ Ich glaube, ich verstehe langsam was es heißt, sein Herz zu wecken. Ich vertraue also darauf, dass es gleich immer noch so sein wird.“
„ …“ sah sie mich verzweifelt an.
„ Mach dir keine Sorgen. Ich werde mit Cheria zurückkehren, das verspreche ich dir.“ lächelte ich sie an.
„ Ok... aber passe auf dich auf, ja?“
„ Das werde ich.“ nickte ich.
Bevor ich meinen Wirt verließ, weckte ich den Rest von mir auf und preschte dann auf Akemi zu.
„ Was?? Nein!! Dich will ich nicht verschlingen! Geh weg!“ wich er panisch zurück, aber vergebens, da ich schon kurz darauf gegen seinen Brustkorb schlug und in ihm verschwand.

Asariah's Unterbewusstsein glich einem Schloss, das hier allerdings, war eine stinkende Müllhalde dagegen. In dieser Höhle tropfte grüner Schleim von den Wänden herab, die Decke war übersät mit gefährlich aussehenden Stacheln und auf dem Boden krochen widerwärtige Krabbeltierchen rum. Am Ende des Ganges befand sich der Kerker, in dem man die Seelen eingesperrt hatte und der durch einen dunklen Zauber geschützt wurde.
„ Du bist hier!“ trat die Dame an die Gitterstäbe heran. „ Ich wusste doch, dass ich dich erreichen kann.“
„ Keine Sorge, ich hole euch hier raus.“
„ Sasha? Was machst du hier? Und wo befinden wir uns gerade?“ kam Cheria auch gleich angerannt.
„ Du willst nicht wissen, wo du gerade bist.“ verzog ich meinen Mund.  
„ Werden die anderen auch bald hier sein, um uns zu retten?“
„ Nein, ich bin die einzige, die herkommen kann.“ bemerkte ich. „ Und nun tretet zurück, ich werde versuchen den Zauber aufzulösen.“
Was sich allerdings als gar nicht so einfach herausstellte. Die Magie schlug immer wieder mit heftigen Blitzen um sich, wenn ich sie angriff und diese brannten sich bis auf die Knochen nieder. Ich löste das Feld zwar langsam aber sicher auf, aber ich wusste nicht, ob meine Energie bis zum Schluss durchhielt. Die Atmosphäre hier versuchte mich zu zerquetschen, was mich ebenfalls einiges an Kraft kostete, dem standzuhalten. Dann gehörte dieser Wirt nicht zu jenen, bei denen ich mich wohlfühlte. Ich musste also noch zusätzlich gegen den Rauswurf aus diesem Unterbewusstsein ankämpfen.
„ Hör lieber auf, Sasha! Du bist noch viel zu schwach! Es ist schon ok...“ lächelte mich die Priesterin an. „ Ich werde einfach hier bleiben und mich mit meinem Schicksal abfinden, aber du musst leben! Also bitte setze dein Dasein nicht leichtfertig aufs Spiel.“
„ Was redest du denn da???“ brüllte ich. „ Du musst ebenfalls leben oder glaubst du etwa, dass niemand um dich trauern wird?? Du bist genauso wichtig, wie ich! Also halte jetzt den Mund!!“ griff ich erneut nach den Gitterstäben und bekam gleich die nächsten Stromschläge verpasst.
„ Sasha!“ versuchte sie meine Hände zu ergreifen, prallte aber an der dunklen Macht ab. „ Hör doch auf!! Es wird dich zerreißen!!“
„ Nein! Ich werde nicht aufhören!! Endlich habe ich verstanden, was Lastalia mir zu vermitteln versuchte! Endlich verspüre auch ich den Wunsch, jemanden beschützen zu wollen!! Ich werde dich und alle anderen retten, selbst wenn ich dafür mein Leben verliere!!“ verstärkte ich meine Kräfte, was allerdings auch den Widerstand aufputschte. „ Du bist mir wichtig oder ich mag dich sind, für mich keine leeren Worte mehr! Ich kann den Gedanken nicht ertragen, dich hier zurückgelassen zu haben! ICH WILL DICH NICHT VERLIEREN!!!“ schrie ich sie an und schickte dabei jegliche mir zur Verfügung stehende Energie in meinen Angriff.
„ Sasha...“ stiegen ihr die Tränen in die Augen. „ Aber ich will dich doch auch nicht verlieren und ich will schon gar nicht mit dem Wissen leben müssen, dass du wegen mir ausgelöscht wurdest! Also hör auf!“ starrte sie mich schockiert an. „ Hör doch auf! Du wirst das nicht überleben. Sasha...“ liefen ihr die ersten Tränen über die Wange. „ Ich will das so nicht! Warum hält sie denn niemand auf... irgendwer...“ aber es war ja niemand da, der mich stoppen könnte. „ Sasha!!“ brüllte sie erschrocken auf, als ich langsam auf meine Knie glitt. „ Nein!! Bitte tu das nicht! Tu uns das nicht an! Du kannst Lastalia doch nicht... Lastalia!“ riss sie plötzlich die Augen auf. „ Natürlich!“ sah sie zur Decke auf. „ Das ist meine einzige Chance.“ holte sie extra tief Luft und schrie sich dann die Seele aus dem Leib. „ RISSSSSAAAAAAA!!!!!!!!“ keuchte sie. „ Komm schon... du musst her kommen, sie stirbt sonst! Komm einfach her!! RISSSSSSSSSSAAAAA!“ versuchte sie es erneut.
Aber erst beim dritten Mal durchbrach eine Lichtsäule die Decke des Palastes und schlug direkt auf Akemi ein. Das Licht drang sogar bis zu uns durch und erhellte den gesamten Kerker. Die erdrückende Atmosphäre verschwand und auch die Abneigung dieses Wirtes wurde gemindert. Aber es änderte nichts daran, dass ich am Ende mit meinem Latein war. Doch dann legte plötzlich wer seine Hand auf meine Schulter, wodurch er mir einen riesigen Schrecken einjagte und dann schöpfte ich neuen Mut, als ich zu ihm zurück sah. Denn tatsächlich stand niemand geringeres als Lastalia hinter mir, der sanft auf mich herab lächelte. Vielleicht war das bloß eine Illusion meines schwindenden Verstandes, vielleicht bildete ich mir seine Anwesenheit nur ein, weil ich ihn unbedingt sehen wollte, vielleicht war er nicht wirklich da, aber ganz gleich ob wahr oder nicht, er gab mir die Kraft, um aufstehen und weiter machen zu können! Schließlich lehnte er seine Hände über meine und verlieh mir für diesen Augenblick seine Kraft, damit ich Cheria und die anderen Seelen befreien konnte. Dieses Mal war mein Angriff so voller Power, dass die Dunkelheit regelrecht zerfetzt wurde und Akemi gleich mit ihr.
„ Uah! Was geschieht da??“ wurden Serah und die anderen von dem Licht geblendet.
„ Ich sagte doch, dass er niemals zulassen wird, das sie stirbt.“ lächelte Elyrion.
Als das Licht allerdings verschwunden war, stand nicht Lastalia vor ihnen sondern Risa. Sie brachte meine Seele zurück in meinen Körper, während Asariah die restlichen Opfer durch den Lichtkegel ins Paradies führte.
„ Mum? Wo kommst du denn her??“ staunte die Göttin nicht schlecht.
„ Cheria hat nach mir gerufen, deshalb bin ich hier.“ erklärte sie.
„ Cheria!“ raste Lyrias zu der Priesterin hin. „ Cheria?“ betrachtete er schockiert ihre glanzlosen Augen. „ Ich dachte, dass die Seelen befreit wurden, oder etwa nicht?“
„ Doch, das wurden sie.“ meinte der Teufel des Todes.
„ Und warum wirkt Cheria denn immer noch wie eine leere Hülle???“ starrte er ihn aufgebracht an.
„ Meinst du ihre Seele ist ebenfalls...“ blickte die Göttin des Lebens zur Decke auf.
„ Im PARADIES????“ schlug der Dämon die Hände über den Kopf zusammen. „ Wie konnte das denn bitte geschehen??“
„ Es ist doch gar nicht gesagt, dass die da ist.“ trat Asariah an die Dame heran und betrachtete diese von oben bis unten.
„ Da steckt wirklich keine Seele drin.“ klopfte Elyrion sanft gegen ihren Kopf.
„ Und das bedeutet was?“ hakte Lyrias entrüstet nach.
„ Das sie eine willenlose Marionette ist. Aber hey, es hat auch was gutes. Sie widerspricht nicht und gehorcht aufs Wort!“
„ Na toll.“
„ Keine Sorge.“ lehnte ihm Risa lächelnd die Hand auf die Schulter. „ Wenn sie im Paradies ist, dann werde ich sie finden. Es dauert nur etwas. Da sie genaugenommen noch nicht tot ist, kann ich sie nicht über meinen Spiegel sehen. Also hab noch etwas Geduld, ok?“
„ Ok.“ flüsterte er.
Dann wendete sie sich ihrem Sohn zu, den sie erleichtert anlächelte und dann auf ihn zu ging.
„ Nicht!“ wehrte er sie gleich ab. „ Das ist peinlich, ok? Umarme Serah von mir aus.“
„ Mh, da musst du jetzt wohl durch!“ grinste sie schwach auf und drückte den Herrn dann an sich. „ Ich bin so froh darüber, dass du wieder da bist, Asariah.“
„ Mhm...“ knurrte er.
„ Ich will auch kuscheln!“ heftete sich Serah an die beiden dran.  
„ Ich störe euch ja echt nur ungern!“ zerschmetterte Elyrion ein paar Skelette. „ Aber ich tu es trotzdem!! Habt ihr nicht etwas vergessen??“
„ Stimmt, Talon lebt noch. Wir sollten ihn vernichten gehen, dann hat der Wahnsinn endlich ein Ende.“ nickte Aries.      
„ Verschwindet von hier! Um den anderen kümmere ich mich!“ erklärte das Überwesen. „ Los jetzt, setzt euch in Bewegung! Bald wird es hier nur so vor Skeletten wimmeln!“ nun wo das Schutzschild der erlösten Seele verschwunden war. „ Bringt Sasha und Cheria hier raus!“
„ Ok.“ nahm mich der Seelendieb auf den Arm. „ Es ist wirklich das Beste, wenn wir sie raus bringen.“
„ Richtig, lass uns gehen, Cheria!“ hielt Lyrias der Dame seine Hand hin.
„ Ok...“ ergriff sie diese und ließ sich widerstandslos aus das Gebäude heraus führen.
„ Wird er wirklich klar kommen?“ hakte Chiara nach, als wir außerhalb des Schlosses standen und auf den Herrn warteten.
„ Natürlich, er ist schließlich Lastalia's Bruder.“ legte mich der Seelendieb auf das weiche Gras.
„ Sagtest du gerade Lastalia's Bruder?“ hakte Risa erstaunt nach.
„ Ja, wir haben auch nicht schlecht gestaunt.“ kicherte Serah.
„ Er hat einen Bruder...? Davon weiß ich gar nichts. Ich dachte immer, dass Aliah und Chaos die einzigen Überlebenden wären.“ verschränkte sie nachdenklich die Arme vor der Brust. „ Interessant...“
„ Was passiert mit Cheria's Körper, wenn wir ihre Seele nicht finden können?“ fragte Lyrias leise nach, ehe er seine Kette wieder anlegte.
„ Also wegen mir hättest du deine wahre Gestalt nun aber nicht verstecken müssen.“ griente ihn die Göttin des Lebens frech an. „ Mit ihrem Körper wird nichts weiter geschehen. Ihre Lebenslinie ist noch lange nicht am Ende angekommen. Deshalb wird sie weiter leben. Allerdings wird sie die göttliche Waffe nicht führen können und ich glaube auch nicht, dass sie weiß wie man heilt.“ vermutete sie.
„ Also ist sie in großer Gefahr, wenn sie bei uns bleibt?“ flüsterte die Göttin der Reinheit. „ Und wer schließt die Portale, wenn nicht sie?“
„ Mhm...“ lehnte sie ihre Finger auf die Lippen. „ Ich werde gleich mal schauen gehen, ob ich Cheria im Paradies finden kann.“
„ Soll ich dir helfen?“ fragte Asariah. „ Wir sind schließlich die einzigen, die da lebend rein kommen.“
„ Nein, schon gut. Du bleibst hier und beschützt die anderen. Bringt doch Elyrion mal nach Illumina, dann kann ich mich mit ihm unterhalten.“ lächelte sie uns an, ehe sie verschwand.
Kurz darauf krachte das Schloss mit einem lauten Knall und massig viel aufgewirbelten Staub zusammen.
„ Wuha! Hab ich mich erschrocken!“ zuckte Serah zusammen. „ Aber wo ist Elyrion? Der wird doch nicht...“ doch da sahen sie ihn schon aus dem Nebel heraus treten, wenige Augenblicke später verschwand sowohl der Riss als auch die Trümmern der Burg. „ Gott sei dank, geht es dir gut?“
„ Sicher.“ lächelte er. „ Wo ist denn die heiße Göttin hin?“
„ Die heiße Göttin heißt Risa und ist meine Mutter, ja!? Also rede nicht so über sie.“ pustete sie empört die Backen auf.
„ Tut mir leid, ich wollte jetzt nicht respektlos erscheinen.“ kratzte er sich am Kopf. „ Geht es den beiden gut?“ deutete er auf mich und Cheria hin.
„ Sasha ist am Ende ihrer Kräfte, sobald sie sich ausgeruht hat, wird sie wieder auf die Beine kommen.“ erklärte Aries.
„ Das ist gut. Aber warum nennst du sie Sasha? Ist das der Name ihrer Wirtin?“
„ Nein, den Namen gaben ihr die Dorfbewohner, bei denen sie untergekommen war.“ erklärte Chiara.
„ Aha, gefiel ihnen der Name Aliah nicht?“
„ Der hätte ihnen bestimmt gefallen. Aber bei ihrem letzten Gefecht gegen Chaos wurde sie so schwer verletzt und dann noch von ihm gebannt, so dass sie sich an nichts erinnern konnte. Deshalb gab man ihr den Namen Sasha.“ bemerkte die Göttin.
„ Ach so.“
„ Woher wusstest du eigentlich, dass Risa auftauchen würde um Aliah zu retten?“ hakte der Seelendieb nach.
„ Das wusste ich nicht, da ich Risa nicht kenne. Aber Cheria steht unter göttlichem Schutz, ich wusste also, dass sie ihre Gottheit um Hilfe bitten würde, wenn sich Aliah einer zu großen Gefahr aussetzt. Oder nein, sagen wir ich habe darauf vertraut, dass sie das tun würde.“ >Eigentlich habe ich ja eher damit gerechnet, dass Lastalia's Aura in diesem Asariah erwacht wenn er spürt, dass ihr Leben am seidenen Faden hängt. Aber wer hätte gedacht, dass noch wer auftaucht, die irgendwie was von Lastalia hat und dann sieht sie auch noch so verdammt gut aus. Was hast du getan, Bruderherz? Ich wüsste zu gern, wo du steckst.<
„ Wir sollten weiter ziehen und irgendwo unser Lager aufschlagen. Oder befindet sich vielleicht eine Stadt in der Nähe, die noch nicht bis auf die Grundmauern niedergebrannt wurde?“ wollte Asariah die nächsten Schritte besprechen.
„ In der Nähe gibt es wirklich eine Stadt, ich weiß aber nicht, ob die noch steht.“ erklärte Lyrias.
„ Dann sollten wir nachschauen gehen.“ nickte er. „ Chiara, wärst du so freundlich?“
„ Sicher.“ nahm sie ihre große Katzengestalt an. „ Steig auf, Cheria.“
„ Ok.“
„ Und halt dich gut fest.“ sah sie zu ihr zurück.
„ Ist gut.“
„ So gefällst du mir nicht...“ grummelte das Kätzchen. „ Aber so rein gar nicht...“
„ Bekommst du mich und Sasha auch noch getragen?“
„ Sicher, Serah. Steigt schon auf.“
„ Aber immer schön langsam, wir wollen ja nicht, dass wer runter fällt, ok?“ setzte mich Aries zwischen den beiden Damen ab.
„ Logisch.“ murmelte sie.
„ Dann ist jetzt der Moment gekommen, wo wir uns erst einmal verabschieden müssen.“ meinte das Überwesen. „ Es freut mich eure Bekanntschaft gemacht zu haben und es freut mich ebenso, dass ich dich wiedersehen konnte, Lyrias. Aber nun muss ich meinem eigenen Weg folgen. Wir sehen uns garantiert wieder!“ winkte er uns noch einmal zu, bevor er einfach vor unseren Augen verschwand.
„ Och schade. Ich hätte gern mehr über ihn erfahren.“ seufzte Serah.
„ Man sieht sich immer ein zweites Mal im Leben, richtig?“ gab der Seelendieb von sich. „ Ihn haben wir garantiert nicht zum letzten Mal gesehen.“

Gemeinsam machten wir uns dann im Schneckentempo auf dem Weg zu dem Dorf hin, das zwar nicht bis auf die Grundmauern niedergebrannt aber auch nicht mehr bewohnt war.
„ Und jetzt?“ wollte Lyrias wissen. „ Wollen wir es bei der nächsten Stadt versuchen?“
„ Nein, das bringt doch nichts. Am besten suchen wir uns ein ruhiges Plätzchen und schlagen dort unser Lager auf.“ schlug Asariah vor.
„ Ok. Dann machen wir das so.“
Schließlich wanderten wir weiter und kamen dann irgendwann an einer Stelle an, die durch einen angrenzenden Wald nicht ganz so offen lag und wo zudem noch ein kleiner Bach lang floss. Dort ließen wir uns fürs erste nieder und richteten uns häuslich ein.
Cheria blieb mit Lyrias und mir im Lager zurück, während die anderen Feuerholz und frisches Quellwasser sammelten.
„ Willst du mir beim Kartoffelschälen helfen, Cheria?“
„ Ja.“
„ Gut, hier hast du ein Messer und hier sind die Kartoffeln. Du musst die Schalen abschneiden und die geschälte Kartoffel dann in diesen Topf werfen, das weißt du noch... oder?“ starrte er sie unsicher an.
„ Ja.“
„ Nur weil deine Seele gerade nicht da ist, heißt das noch lange nicht, dass du dich an nichts mehr erinnern kannst, richtig?“
„ Richtig.“
„ Mhm...“ überreichte er ihr die Gegenstände, die zum Schälen der Kartoffeln benötigt wurden und ließ sich dann neben ihr an der Feuerstelle nieder. „ Es tut mir leid, Cheria. Es hätte gar nicht erst so weit kommen dürfen, dass er deine Seele verschlingt. Wenn ich nur schneller reagiert hätte, dann wäre das alles gar nicht erst passiert. Ich will mir gar nicht ausmalen was geschehen wäre, wenn Talon das Interesse nicht verloren hätte. Wenn er über dich hergefallen und dir deine Energie geraubt hätte.“ ballte er seine Hände zu Fäusten. „ Ich ertrage den Gedanken nicht, dass dir etwas geschehen könnte. Aber je länger wir umher reisen, desto stärker werden die Dämonen und desto gefährlicher wird die Situation. Ich würde mich besser fühlen, wenn du in Sicherheit wärst. Ganz weit weg von diesem Höllenschlund, allerdings weiß ich auch, dass du dich kaum weg bringen lassen wirst. Du hast dir in den Kopf gesetzt, Elysia retten zu müssen und diesen Plan wirst du bis zum Schluss verfolgen. Selbst wenn du dabei dein eigenes Leben aufs Spiel setzt.“ seufzte er. „ Warum erzähle ich dir das jetzt überhaupt? Du wirst dich nicht mal an ein einziges Wort davon erinnern können. Ich hoffe wirklich, dass Risa deine Seele findet und du dann wieder ganz die Alte wirst.“ sah sie an und riss im nächsten Moment völlig entsetzt seine Augen auf. „ Cheria!“
Eine leere Hülle verspürte keinen Schmerz, genaugenommen spürte sie überhaupt nichts mehr. Deshalb war es kein Wunder, dass sie ihren blutenden Finger einfach ignorierte, auch wenn die Wunde so stark am bluten war, dass ihr das Blut an der Hand hinab lief.
„ Verdammt! Ich hätte es wissen müssen!“ griff er sich aufgebracht ihre verletzte Hand und umschloss die Schnittwunde mit seinen Lippen. „ Mist!“ schnappte er sich ein Papiertuch. „ Drück das auf die Wunde!“ und dann sprang er auf, um den Verbandskasten zu holen.
Als er mit diesem einen Augenblick später wiederkam, hatte Cheria ihre Wunde aus einem instinktiven Impuls heraus geheilt, das Tuch drückte sie aber dennoch dagegen.
„ Oh man...“ atmete er schwer aus und ließ sich dabei auf den Baumstamm fallen, der ihnen als Bank diente. „ Ich bekomme noch einen Herzinfarkt...“ stützte er seinen Kopf mit der Hand. „ Wie wäre es, wenn du mal nach Sasha siehst?“
„ Ok.“ nickte sie und stand dann auf, um zu mir rüber zu gehen, neben mir auf die Hocke zu gehen und mich regelrecht anzustarren.
„ Mh...“ verzog er seinen Mund. „ Wenn ich nur wüsste, wo du gerade steckst...“ flüsterte er.
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Re: Diehieee Geschichte

Beitrag von Alexia am Fr 21 Jul - 12:22

Kapitel 18. Ein Abschied für immer?


Cheria's Seele befand sich nicht im Paradies, wie sie alle vermuteten. Ganz im Gegenteil sogar, denn sie war ihnen näher, als sie glaubten. Die Priesterin war mit in den Körper meiner Wirtin geschlüpft und saß nun in ihrem Unterbewusstsein neben mir.
„ Ich habe doch gesagt, dass du aufhören sollst...“ murmelte sie. „ Du hast dich gerade erst wieder einigermaßen gefangen und dann haust du deine Energie schon wieder raus. Was wäre denn passiert, wenn du verschwunden wärst?“ drückte sie mich an sich. „ Ich weiß nicht, ob ich dir damit helfen kann, aber du ziehst deine Kraft aus den positiven Energien, die dich umgeben, nicht wahr?“ senkte sie ihren Kopf. „ Dann nimm dir soviel du brauchst! Ich will nicht, dass du einfach verschwindest! Ich gebe ja zu, dass ich Aliah ätzend fand und dass ich mich nach meiner süßen Sasha gesehnt habe! Aber du bist Sasha und ich mag dich selbst dann noch, wenn du ein emotionsloser Geist bist! Und wie du weißt, hasse ich Gespenster und Geister aller Art! Du bist mir also verdammt wichtig, also geh nicht, hörst du? Du darfst nicht gehen!“ presste sie mich fester an sich. „ Bleib bei mir.“ stiegen ihr die Tränen in die Augen. „ Ich verspreche dir auch, dass wir dein Herz weiter ergründen werden! Es werden noch mehr Emotionen auftauchen, die dich Lächeln lassen! Glaube mir, du wirst zu dem Wesen werden, was Lastalia in dir sah! Du wirst ihm zeigen, dass du nicht nur eine gefühllose Hülle bist! Aber dafür musst du aufwachen und weiter an dir arbeiten. Bitte gib jetzt nicht auf! Gemeinsam schaffen wir das! Wir werden aller Welt zeigen, dass das Licht die liebevollste Person aller Zeiten ist. Das kriegen wir hin, ganz bestimmt.“
„ Cheria...“ öffnete ich langsam meine Augen. „ Bitte weine nicht...“ hob ich meine Hand und strich ihr dann sanft durchs Gesicht. „ Es ist ok.. ich bin nur etwas erschöpft...“
„ Aliah...“ sah sie mich überglücklich an. „ Du bist wach! Dem Herrn sei Dank, du bist aufgewacht!“
„ Lastalia überließ mir einen Teil seiner heiligen Magie, mit seiner Hilfe werde ich mich bald schon vollständig erholt haben. Also hab keine Angst. Mir geht es gut.“
„ Ich bin froh, das zu hören.“ nickte sie leicht. „ Aber du darfst so etwas nie wieder machen! Versprich mir das!“
„ Der Sinn meines Lebens besteht darin, Chaos zu stoppen und Lastalia zu beschützen. Ich wurde erschaffen, um eine Welt zu retten, die ich nicht retten konnte! Sämtliche Bewohner dieses Planeten gaben das Licht in sich auf, damit ich geboren werden konnte und jeder einzelne legte seine gesamte Hoffnung in meine Hände! Aber ich habe sie enttäuscht. Ich wurde den Erwartungen bei weitem nicht gerecht.“ erzählte ich ihr. „ Aber nun kann ich meine Fehler wieder gutmachen, in dem ich Chaos aufhalte, selbst wenn ich dabei mein Leben verliere. Für mich gibt es keinen anderen Weg mehr, ich muss die Gefahr bannen die Lastalia bedroht und ich muss ihm dabei helfen sein Volk zu retten. Du siehst also, dass ich dir das nicht versprechen kann. Wenn ich das tun würde, dann würde ich dir eiskalt ins Gesicht lügen.“
„ Wir alle kämpfen für dasselbe Ziel, Aliah. Wenn wir Chaos gemeinsam bekämpfen, dann muss keiner von uns sein Leben lassen. Du bist nicht allein! Dir stehen mächtige Krieger zur Seite, die dein Opfer verhindern werden. Das Leben ist so kostbar, du darfst nicht von vornherein damit abschließen! Lastalia würde das bestimmt auch nicht wollen! Also glaube daran, dass wir einer Zukunft entgegen steuern, in der Chaos nicht mehr existiert! Eine Zukunft, die unfassbar viele Wunder für dich bereit hält. Eine Gemeinschaft, in der du nicht fehlen wirst!“ redete sie überzeugt auf mich ein. „ Es gibt nicht nur den einen Weg, auch wenn man die anderen gerade nicht sehen kann, sind sie da! Geradeaus kann jeder laufen, die wahre Kunst besteht darin, einem Seitenweg zu folgen. Also ignoriere die helfenden Hände nicht, die dir einen Ausweg aus dem Alptraum zeigen wollen. Sie werden dich direkt ins Paradies führen, das verspreche ich dir.“ lächelte sie mich an.
„ Danke...“ senkte ich leicht lächelnd meinen Blick. „ Vielleicht hast du Recht und ich muss nicht zwangsläufig mit ihm verschwinden. Aber sollte es nicht anders gehen, dann werde ich uns beide auslöschen.“ flüsterte ich. „ Lastalia ist nicht mehr der einzige, den ich unter allen Umständen beschützen will. Ich möchte euch ebenfalls retten und bevor Asariah sich opfert, werde ich das tun!“
„ Asariah wird sich auch nicht opfern müssen. Ich will einfach nicht glauben, dass wir diesen Kerl nur mit einem Opfer aufhalten können! Es mag ja sein, dass er ein Überwesen ist aber... das war der Rest seines Volkes doch auch und die gibt es nicht mehr. Er ist mächtig, mag sein, er ist unsterblich, ja unbestritten! Aber er ist weder unverwundbar noch sind wir im Gegensatz zu ihm kleine Würmer! Nun gut, ich vielleicht schon aber die anderen nicht! Er wurde schon einmal besiegt und das werden wir wieder schaffen.“
„ Ja, das werden wir!“
„ Das klingt schon viel besser.“
„ Du solltest nicht zu viel Zeit außerhalb deines Körpers verbringen, es könnte sonst passieren, dass sich andere körperlose Wesen in ihm einnisten oder noch schlimmer, dass du deine eigene Seele abstößt. Selbst wenn du dann in deinem eigenen Körper bist, wirst du für ihn nichts weiter als ein Fremdkörper sein.“
„ Und... wie komme ich da nun wieder rein?“ kratzte sie sich verlegen am Kopf. „ Es war zwar einfach dir hierher zu folgen, aber ich weiß nicht, wie ich dein Unterbewusstsein wieder verlassen kann...“
„ Ich werde dir helfen.“

Inzwischen war die Sonne bereits untergegangen und eine frische Brise zog auf.
„ Was machen wir, wenn Risa ihre Seele nicht findet?“ wollte Aries wissen, der mit den anderen am Lagerfeuer saß.
„ Dann wäre es das Beste, wenn wir sie irgendwo hinbringen, wo sie sicher ist.“ erklärte Lyrias. „ Wenn sie sich nicht wehren kann, dann ist sie für die Dämonen dieser Welt ein gefundenes Fressen.“
„ Da stimme ich Lyrias zu.“ nickte Chiara. „ Hier sollte sie jedenfalls nicht bleiben.“
„ Dann sollten wir sie vielleicht nach Illumina bringen?“ schlug der Seelendieb vor. „ Dort ist die definitiv sicher.“
„ Ja, das wäre wohl die beste Lösung.“ dachte Asariah darüber nach. „ Wenn sie weiterhin bei uns bleibt, wird sie als schwächtest Mitglied unserer Gruppe die Aufmerksamkeit unserer Feinde auf sich ziehen.“
„ Wir dürfen auf keinem Fall riskieren, dass sie verletzt wird!“ meinte die Göttin. „ Aber auf der anderen Seite, in Illumina könnte sie sich auch in Gefahr begeben. Gerade dann, wenn sie den teuflischen Bereich unserer Welt betritt. Jeder der sich dort freiwillig hinbegibt, will von den Wesen im dichten Nebel überfallen werden.“
„ Und was ist mit Kythos?“ hakte das Kätzchen nach.
„ Das würde gehen.“ nickte der Teufel des Todes.
„ Also ist es abgemacht? Wenn sie ihre Seele nicht wiederbekommt, dann bringen wir sie ins Reich der Götter...“ sah der Mondlichtdämon entrüstet zu der Priesterin hin.
„ Aber natürlich wird sie ihre Seele wiederbekommen!“ versicherte ihm Serah gleich. „ Deshalb ist das nur eine Notlösung, die garantiert nicht angewandt werden muss!“
„ Ich hoffe du hast Recht...“ flüsterte er.
Die Zeit raste nur so an ihnen vorbei und ehe sie sich versahen, war die Nacht längst angebrochen. Sie kuschelten sich in ihre Schlafsäcke und sehnten den nächsten Morgen herbei. Bloß Lyrias blieb am Feuer sitzen. Er hatte seine Ellenbogen auf seine Beine gelehnt und stützte seinen Kopf an den Händen ab. Cheria lag hinter ihm im Schlafsack und starrte still vor sich hin. Bis sich der Dämon seufzend aufrichtete und seine Knochen zu knacken begangen.
„ Mhhh...“ atmete er schwer aus. „ Ich könnte jetzt eine Rückenmassage gebrauchen.“ murrte er sich einen vor.
Wie nicht anders zu erwarten war, kroch die Heilerin zu ihm hin und legte ihre Hände auf seine Schulter.
„ Wuha!“ zuckte er erschrocken zusammen und sah dann zu ihr zurück. „ Cheria? Warum schläfst du denn noch nicht?“ hakte er verblüfft nach, bekam aber nur ein Lächeln geschenkt, während sie ihn sanft durchknetete. „ Naja, die paar Minuten kannst du ruhig noch wach bleiben...“ wandte er sich wieder dem Feuer zu.
Eigentlich wollte er sich von ihr fernhalten, aber unter diesen Umständen war das kaum möglich. Der Abschied stand ihnen immer noch unmittelbar bevor und wieder schien es schneller zu passieren, als ihm lieb war. Aber warum sollte man das unausweichliche immerzu vor sich hin schieben? Je eher sie sich trennten, desto eher hörte der Horror doch auf. Zur Zeit hielt er sich zwanghaft auf Abstand, was nicht nur ihm an die Nieren ging und sie liefen tagtäglich mit dem Wissen rum, dass sie sich irgendwann nie mehr wiedersehen würden. Sie wussten nicht, wann dieser Zeitpunkt an die Tür klopfte, aber sie wussten, dass er bereits auf dem Weg zu ihnen hin war. Sich von ihr trennen zu müssen war schlimmer noch als in der Hölle zu landen. Es war die schlimmste Strafe, die man ihm aufbrummen konnte. Aber nicht zu wissen, wann man seine Haft antreten musste, war um einiges schlimmer. Wenn man erst im Kerker saß, dann konnte man die Qualen mit der Gewissheit ertragen, dass es eines Tages ein Ende hatte. Jedenfalls versuchte er sich das einzureden, dass er Cheria irgendwann nicht mehr so stark liebte. Das die Schmerzen verblassten, die Sehnsucht verstummte und dass das Lachen zu ihm zurückkehrte. Also war es nun das Beste für beide Seiten, wenn er aus ihrem Leben verschwand, noch bevor Amelié zurückkam und ihn abholte? War das der Weg, den er nun einschlagen musste? Um die Wunden so gering wie möglich zu halten? Allein der Gedanke daran zerriss ihm buchstäblich das Herz. Da erschien ihm ein schneller Tod noch lohnenswerter zu sein. Was hatte er sich nur dabei gedacht, ausgerechnet bei einer Sterblichen bleiben zu wollen? Wie konnte er sich auch noch in sie verlieben? Er hätte wissen müssen, dass das kein gutes Ende nehmen konnte.
„ ...“ strich er sich seufzend durchs Haar. „ Komm her...“ drehte er sich halb zu ihr um.
„ Mh?“ lehnte sie den Kopf schief.
„ Na los.“ zog er sie vor sich hin und schlang seine Arme um ihren Körper. „ Wenigstens diese eine Nacht will ich dich noch wärmen.“ drückte er sie fester an sich. „ Nur noch heute...“ gab er ihr einen sanften Kuss auf ihr Haar.
„ Nur noch heute...“ küsste sie ihn auf die Wange und lächelte ihn dann an.
Diese Nacht stellte für ihn also ein Abschied dar, eine Situation, die selbst diejenigen die noch wach waren den Atem raubte. Jeder von ihnen konnte nachvollziehen, was gerade in ihm vorgehen musste. Sie verstanden seinen inneren Kampf nur zu gut...
Als sich die beiden dann niederlegten, schliefen sie zum ersten Mal wieder eng umschlungen in einem Schlafsack. Bis Cheria noch vor dem Morgengrauen erwachte.
Zwischenzeitlich hatte ich ihr dabei geholfen, ihren Körper zurückzuerobern, was dazu führte, dass gleich alle niederschmetternden Erinnerungen auf sie niederprasselten. Sie musste an dieses widerwärtige vor sich hin gammelnde Skelett namens Talon denken, der sie mit diesen ekelerregenden Händen angefasst hatte. Dann kam noch Akemi dazu, dieser dreckige Mistkerl, der ihr die Seele aus dem Leib riss. Bei dem man nicht mal wusste, was er jetzt eigentlich war. Ein Zombie? Ein Geist? Ein Untoter? Was auch immer, alle diese Viecher waren grauenhaft! Zu allem Überfluss hatte er sie auch noch an seinem widerlichen Körper gedrückt und ihr durch einen Kuss die Seele geraubt. Ein eiskalter Schauer lief ihr über den Rücken, der sie dazu zwang, schnell aufzuspringen und ihren Körper zu desinfizieren! Zitternd und kreidebleich verließ sie überstürzt, mit ihrem Kulturtäschchen in der Hand, das Lager und raste zu dem Bach hin, dem sie einige Meter folgte. Sie rannte sich beinahe die Füße wund, während sie eine geeignete Stelle zum Baden suchte. Tief im Wald fand sie diese dann. Hier war der Bach etwas breiter und führte zudem noch mehr Wasser.
Eilig streifte sie sich die Klamotten ab und stieg dann wie Gott sie schuf ins kalte Wasser.
Mit einer Körperbürste schrubbte sie über ihre Haut, aber das schmutzige Gefühl wollte einfach nicht verschwinden. Verzweifelt nahm sie immer mehr Duschgel und drückte die Bürste fester auf ihre Glieder. Einige Stellen ihres Körpers liefen bereits rot an und die ersten Blutstropfen bildeten sich, aber auch das konnte sie nicht davon abhalten, sich blutig zu scheuern. Erst als der Schmerz in ihrem Kopf ankam ließ sie sich auf ihre Knie fallen und kämpfte gegen die Tränen an.

Ihr Verschwinden fiel erst am nächsten Morgen auf, als Lyrias erwachte und die Priesterin weit und breit nicht sehen konnte.
„ Cheria?“ sah er sich aufgebracht um. „ Wo ist sie?“ er malte sich gleich das Szenario um ihr Verschwinden bildlich aus, was ihn prompt versteinern ließ.
Er dachte an einen Perversling, dem sie widerstandslos folgte und nun befand sie sich in seinen Fängen. Panisch raste er gleich davon, um nach ihr zu suchen und da er aus der Luft die besten Chancen hatte, flog er die nähere Umgebung ab.
Die Heilerin kauerte am Ufer und hielt ihre Knie umschlungen, als Lyrias hinter ihr landete.
„ Cheria!“ eilte er gleich zu ihr hin. „ Was ist los?“
„ Lyrias?“ starrte sie ihn erstaunt an. „ Was machst du denn hier?“
„ Was ich hier mache??? Na ich suche nach dir, du Dummkopf! Wie kannst du nur einfach verschwinden?? Ich habe mir Sorgen gemacht!“
„ Tut mir leid...“ wandte sie sich wieder von ihm ab.
„ Es tut dir leid.“ strich er sich aufgeregt durchs Haar. „ Ich habe schon geglaubt, du wärst mit irgendwem mitgegangen.“ ließ er sich seufzend neben ihr nieder. „ Was tust du denn hier?“ sah er zu ihr hin und entdeckte dabei ihre wund gescheuerten Arme. „ Was zum Henker!!“ griff er sich ihre Hände. „ Was hast du getan??“
„ Ich habe mich gewaschen!! Mehr nicht!“ versuchte sie sich vergeblich loszureißen.
„ Gewaschen? Gewaschen nennst du das??“
„ Ja! Ich wollte mir den Gestank dieser.... dieser...“ verkrampfte sie sich.
„ Schon gut! Ich verstehe schon, tut mir leid, dass ich dich so angefahren habe.“ atmete er schwer aus und drückte sie dann an sich. „ Du brauchst keine Angst mehr zu haben, wir haben diese Mistkerle besiegt.“
„ Ich weiß.“ blickte sie ihn kurz an. „ Trotzdem haben sie mich mit diesen widerwärtigen Fingern angefasst. Mit ihren von Maden zerfressenen Pfoten.“ verspürte sie erneut den Wunsch, ihre Haut abschrubben zu müssen. „ Diese …. Wichser! Ich habe noch immer das Gefühl, als würden sie mich an tatschen und mich dabei mit diesem abartigen Blick anstarren!“
„ Bitte vergib mir, dass ich nicht in der Lage dir dieses Szenario zu ersparen! Ich hätte schneller reagieren müssen!“
„ Nein, das war nicht deine Schuld. Ich habe mich vom Äußeren dieses unschuldig wirkenden Kindes blenden lassen. Es war allein mein Fehler, dass ich in ihre Falle tappte.“ grummelte sie. „ Aber das passiert mir kein zweites Mal! Geht ja auch nicht, weil diese Bastarde längst vernichtet wurden! MOAR ich hätte ihnen zu gerne die Köpfe abgerissen und damit Fußball gespielt!!“ fauchte sie. „ Aber wenigstens können sie keiner Frau mehr etwas antun.“ heilte sie ihre Wunden. „ Du brauchst dir keine Sorgen mehr um mich zu machen, Lyrias. Ich wusste von Anfang an, dass es gefährlich ist sich den Dämonen entgegen zu stellen. Ich komme schon damit klar, schließlich habe ich den letzten Angriff auf mich auch verarbeitet und da stand ich schon vor den Toren des Paradieses.“
„ Ja, ich weiß. Für einen Menschen bist du unheimlich stark.“ blickte er bedrückt ins Wasser. „ Cheria... ich habe einen Entschluss gefasst...“
„ Du wirst gehen, mh?“ hakte sie leise nach.
„ Woher...?“ starrte er sie erstaunt an